Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2019

Trotz des eher ent­täu­schen­den Abschnei­dens der mit gro­ßen Hoff­nun­gen ent­sand­ten Saa­ra Aal­to will das fin­ni­sche Fern­se­hen am geän­der­ten Vor­ent­schei­dungs­for­mat UMK fest­hal­ten. Einst­mals als eine Art Nach­wuchs­för­de­rungs­pro­jekt gestar­tet, wur­de 2018 dar­aus eine One-Woman-Show. Ob man 2019 wie­der­um nur eine/n etablierte/n Künstler/in ein­la­de oder meh­re­re, sei noch offen. Das hängt ver­mut­lich davon ab, ob YLE sein/e Wunschkandidat/in bekommt. Die limi­tier­te Aus­wahl gebe dem Sen­der die Mög­lich­keit, “mehr in die Auf­trit­te zu inves­tie­ren”, wie der UMK-Pro­du­zent Ans­si Autio sag­te. Machen wir uns also erneut auf einen insze­na­to­ri­schen Over­kill gefasst!

→ Live­stream YLE TV1

→ UMK

Ver­pass­te Chan­ce: ‘Queens’, der bes­te der drei Saa­ra-Aal­to-Soongs.

Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’amour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

wei­ter­le­senErs­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Griff ins Klo: zwei­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eigent­lich gehört es zur Eröff­nungs­tra­di­ti­on des Pres­se­zen­trums, dass die dort ver­sam­mel­ten Schwur­na­lis­ten von der aller­ers­ten Pro­be aus tech­ni­schen Grün­den nichts mit­be­kom­men, weil die Lei­tung von der Hal­le noch nicht steht. Das war am Sonn­tag zwar nicht der Fall, dafür aber am heu­ti­gen Mon­tag: pünkt­lich zum Pro­ben­be­ginn um zehn Uhr lie­fen noch Tou­ris­mus­wer­be­clips in Dau­er­schlei­fe, wäh­rend in der Alti­ce-Are­na bereits das maze­do­ni­sche Duo Eye Cue auf der Büh­ne stand. Erst zum drit­ten Durch­lauf drück­te jemand den Knopf: auf den Moni­to­ren erschien, wie OnU berich­te­te, bild­fül­lend der Hin­tern der Lead­sän­ge­rin Mari­ja. Und falls sich jemand noch mit Schau­dern an das pink­far­be­ne Camel­toe-Out­fit aus dem Video zu ‘Lost and found’ erin­nert: etwas Ähn­li­ches trägt sie auch in Lis­sa­bon, nur ohne Unter­teil. Dort stol­ziert Mari­ja in einem eben­falls knall­pin­ken, rücken­frei­en Läpp­chen über die Bret­ter, wel­ches die Bli­cke auf ihr sil­ber­nes Hös­chen eher frei­gibt als bedeckt. Passt aber: dafür kommt ihr Beglei­ter Bojan halt oben­rum ohne. Der Auf­tritt wirkt genau so unstruk­tu­riert und chao­tisch wie der aus meh­re­ren Ein­zel­tei­len not­dürf­tig zusam­men­ge­tacker­te Song. Das sehen wir am Sams­tag im Fina­le garan­tiert nicht wie­der.

Lead­sän­ge­rin Mari­ja und ihr Scham­lip­pen­lap­pen.

wei­ter­le­senGriff ins Klo: zwei­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

FI 2018: Mons­ter­mä­ßig ver­kackt

Wie man nur kol­lek­tiv eine der­ma­ßen mas­si­ve Fehl­ent­schei­dung tref­fen kann? Ver­fügt die Mensch­heit über kei­ner­lei Gehör mehr? Seit Novem­ber 2017 stand fest, dass die 30jährige, offen les­bi­sche Saa­ra Aal­to ihre Hei­mat Finn­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Port­gu­al ver­tritt. Fix gesetzt, stell­te man ihr für die am heu­ti­gen Abend aus­ge­strahl­te Song­aus­wahl UMK drei Lie­der zusam­men. Die von Saa­ra mit­ver­fass­te Uptem­po­num­mer ‘Mons­ters’ ging nach Ver­öf­fent­li­chung der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os aller drei Bei­trä­ge mit erheb­li­chem Abstand als Favo­rit ins Ren­nen. Aller­dings met­zel­te die Vor­ent­scheid-Zwei­te von 2016 den Song live bru­tal dahin. Von der durch­aus ukrai­ni­schen Maß­stä­ben genü­gen­den Hoch­leis­tungs­cho­reo­gra­fie mit ela­bo­rier­ten Hebe­fi­gu­ren augen­schein­lich kom­plett über­an­strengt, ver­moch­te man sei­tens Saa­ra stimm­lich kaum mehr als ein hei­se­res Kräch­zen ver­neh­men, was auch ihre bei­den Backings kaum kaschie­ren konn­ten. Den­noch sieg­te das Lied mit knap­pem Vor­sprung im inter­na­tio­na­len Jury­vo­ting und deut­li­chem Punk­tep­lus bei den Zuschauer/innen. ‘Queens’, der kom­po­si­to­risch über­le­ge­ne als auch stimm­lich deut­lich bes­ser dar­ge­bo­te­ne Uptem­po-Kon­kur­renz­bei­trag, lan­de­te hin­ge­gen auf dem letz­ten Platz.

Hört sich doch gar nicht so schlimm an, sagen Sie? Stimmt. Der fin­ni­sche Sen­der YLE, der sämt­li­che UMK-Live-Mit­schnit­te Sams­tag­nacht auf You­tube zunächst sper­ren ließ, stell­te am Sonn­tag die­se gegen­über der Live-Sen­dung mas­siv nach­be­ar­bei­te­te Ver­si­on mit einer kom­plett neu­en Ton­ab­mi­schung online.

wei­ter­le­senFI 2018: Mons­ter­mä­ßig ver­kackt

Saa­ra Aal­to fix für Finn­land

Wie das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE heu­te über­ra­schend bekannt­gab, ist die drei­ßig­jäh­ri­ge Sän­ge­rin und Song­schrei­be­rin Saa­ra Aal­to als Reprä­sen­tan­tin ihres Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Lis­sa­bon gesetzt. Das skan­di­na­vi­sche Land, das bis­lang seine/n Vertreter/in stets über einen öffent­li­chen Vor­ent­scheid bestimm­te, bricht damit mit sei­ner Tra­di­ti­on. Nur für Saaras Bei­trag bleibt es bei der Publi­kums­be­tei­li­gung: am 3. März 2018 sol­len die Zuschauer/innen bei der zur rei­nen Liedaus­wahl redu­zier­ten Uuden Musii­kin Kil­pai­lu (UMK) ent­schei­den, mit wel­chen von drei spe­zi­ell für sie kom­po­nier­ten Songs sie ihre Hei­mat ver­tritt. Die, wie die Prin­zen ver­mer­ken, offen les­bi­sche Dop­pel-Aa-Sän­ge­rin ver­such­te es bereits drei­mal ohne Erfolg beim fin­ni­schen Vor­ent­scheid, zuletzt 2016, wo sie mit dem zwei­ten Platz hin­ter Sandhja (→ FI 2016) ein für sie typi­sches Ergeb­nis erziel­te: auch bei den Cas­ting­shows The Voice (Finn­land) und X Fac­tor (Groß­bri­tan­ni­en), mit wel­cher sie eine brei­te Bekannt­heit und einen Plat­ten­ver­trag im Ver­ei­nig­ten König­reich ergat­ter­te, schaff­te sie jeweils die Sil­ber­me­dail­le. Zuletzt spe­ku­lier­ten bri­ti­sche Bou­le­vard­blät­ter, dass die BBC ihr eine Teil­nah­me am Vor­ent­scheid der euro­pa­ab­trün­ni­gen Insel ange­tra­gen habe, was sich nach der heu­ti­gen Ver­kün­di­gung indes wohl erle­digt haben dürf­te. Oder nutz­te das klu­ge Kind das X-Fac­tor-Momen­tum und angeb­li­che bri­ti­sche Ange­bot gar, um ihrem Hei­mat­sen­der YLE die Pis­to­le auf die Brust zu set­zen? Euro­fire zufol­ge bezeich­ne­te sie sich in der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz jeden­falls als “das glück­lichs­te Mäd­chen über­haupt”, zumal sie den Song Con­test “schon immer geliebt” habe. Und wel­ches Ziel ver­folgt Saa­ra in Lis­sa­bon? Gegen­über eurovision.tv sag­te sie selbst­iro­nisch: “Natür­lich tre­te ich mit der Ein­stel­lung an, dass ich den Euro­vi­si­on Song Con­test gewin­nen kann – oder wenigs­tens Zwei­te wer­de! Dar­in bin ich zwei­fel­los sehr gut”. Ha – ich mag das Mädel!

Saa­ra mit dem eini­ger­ma­ßen erträg­li­chen Dance-Remix ihrer lei­der tod­lang­wei­li­gen UMK-Bal­la­de ‘No Fear’.

Saa­ra Aal­to fix für Finn­land. Was sagst Du dazu?

View Results

Loading ... Loa­ding …

Lost in Vero­na: wen die Jurys 2017 im Semi kill­ten

Wie unter­schied­lich die Mei­nun­gen von Publi­kum und Jury sind, Wahn­sinn!” ent­fuhr es einem erstaun­ten Peter Urban Sams­tag­nacht wäh­rend der Punk­te­ver­ga­be im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017, wo sich mal wie­der zeig­te, dass die angeb­li­chen Musik­pro­fes­sio­nel­len, die im sich übri­gen hem­mungs­los dem → Nach­bar­schafts­vo­ting hin­ga­ben (soll­ten sie eigent­lich nicht genau das einst ver­hin­dern?), auf einem völ­lig ande­ren Pla­ne­ten leben als der Rest der Mensch­heit. Oder auch nur, dass eine zufäl­li­ge Aus­wahl von gera­de mal fünf Per­so­nen schon aus sta­tis­ti­scher Not­wen­dig­keit her­aus immer nur zufäl­li­ge, nicht reprä­sen­ta­ti­ve und damit völ­lig wert­lo­se Ergeb­nis­se her­vor­bringt. Immer­hin waren sich die Jurys dies­mal aus­nahms­wei­se mit den Zuchauer/innen einig, was den ver­dien­ter Sie­ger des Jahr­gangs anging, den wun­der­bar ver­schro­be­nen por­tu­gie­si­schen Jazz-Schlumpf Sal­va­dor Sobral. Und das ist ja schon ein deut­li­cher Fort­schritt im Ver­gleich mit den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Auch in den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den stimm­ten sie übri­gens mit den Televoter/innen beim ers­ten Rang über­ein, der jeweils an – kei­ne Über­ra­schung – Sal­va­dor (ers­tes Semi) und den bul­ga­ri­schen Wun­der­kna­ben Kris­ti­an Kostov (zwei­tes Semi) fiel. Dort aller­dings, wo es um Leben und Tod ging, also um den Final­ein­zug, sah die Sache schon wie­der ganz anders aus: selbst­re­dend ver­hin­der­ten die dia­bo­li­schen Pro­fi-Wer­ter/in­nen auch in die­sem Jahr wie­der erfolg­reich den Ein­zug eini­ger Publi­kums­lieb­lin­ge in die Sams­tags-Show, allen vor­ne­weg – wie bereits ver­mu­tet – den der Modern-Tal­king-Epi­go­nen Koit Too­me (→ EE 1998) und Lau­ra Põld­ve­re (→ EE 2005). Das von sei­nem Bezie­hungs­en­de am Urlaubs­ort ‘Vero­na’ sin­gen­de est­ni­sche Schla­ger­pär­chen erhielt im zwei­ten Semi­fi­na­le 69 Punk­te von den Televoter/innen und kam damit auf einen so soli­den wie ver­dien­ten sechs­ten Rang. Die hoch­nä­si­gen Schnepf/innen von der Jury, die sich wohl zu fein waren, sich mit den Mas­sen im Sound des groß­ar­tigs­ten Musik­jahr­zehnts zu suh­len, konn­ten gera­de mal mage­re 16 Pünkt­chen (Rang 17) erüb­ri­gen und tor­pe­dier­ten das bal­ti­sche Geschmacks-U-Boot damit erfolg­reich. Sterbt und schmort in der Höl­le, alle­samt!

Grin­sen ver­mut­lich trotz des Semi-Aus noch immer: Koit & Lau­ra (EE)

wei­ter­le­senLost in Vero­na: wen die Jurys 2017 im Semi kill­ten

Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

wei­ter­le­senErs­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Eine Trig­ger­war­nung vor­weg: wer selbst gera­de unter Depres­sio­nen lei­det, soll­te die­se Run­de des Euro­vi­si­on Death­match viel­leicht über­sprin­gen, denn heu­te geben wir uns ganz und gar der bit­ter­sü­ßen Melan­cho­lie hin. Und wer bräch­te bei die­sem The­ma mehr Kom­pe­tenz mit als die von Hau­se aus schwer­mü­ti­gen Fin­nen? Die schi­cken das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid UMK sieg­rei­che Duo Nor­ma John ins Ren­nen, und tat­säch­lich klingt des­sen Sän­ge­rin Lee­na Tir­ro­nen wie Ade­le auf Dow­nern. Sie gibt eine herz­zer­rei­ßen­de Tren­nungs­schmerz­bal­la­de zum Bes­ten, in wel­cher sie eine Amsel anfleht, sich zu ver­krü­meln und ihr Nest anders­wo auf­zu­schla­gen, da näm­li­ches Tier mit sei­nem Gesang unter ihrem Fens­ter einst die unver­gess­li­chen Näch­te mit ihrem Ex beglei­te­te und unse­re bedau­erns­wer­te Ade­le, Ver­zei­hung, Lee­na, nun mit sei­nem Gezwit­scher an glück­li­che­re Zei­ten erin­nert. Was die­se nun gera­de über­haupt nicht brau­chen kann. So schlimm steht es um die vom Lie­bes­kum­mer Geschla­ge­ne, dass sie im dazu­ge­hö­ri­gen, nacht­schwar­zen Video­clip gar ins Was­ser geht. Dass sel­bi­ger Clip mit einem Kame­ra­schwenk auf einen mit der fin­ni­schen Lan­des­flag­ge ange­mal­ten Sarg endet, bringt zum Abschluss einen herr­lich mor­bi­den, fast schon wie­der iro­ni­schen Ton ins Spiel. Jeden­falls ertrinkt man als Zuhö­rer eben­so in der moll­schwar­zen Schwe­re der tief­düs­te­ren Kla­vier­bal­la­de wie die gram­ge­beug­te Prot­ago­nis­tin im See. Ein Song für schwar­ze Tage.

Auch live sieht Lee­na übri­gens aus wie eine Was­ser­lei­che (FI)

wei­ter­le­senEuro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Finn­land 2017: Ihr habt wohl einen Vogel!

Man muss die Fin­nen schon bewun­dern, ganz ehr­lich. Und zwar für ihre Hin­ga­be an den kos­mi­schen Strom der Gege­ben­hei­ten. Führt man sich die aktu­el­le poli­ti­sche Welt­la­ge mal kurz vor Augen, mit einem dünn­häu­ti­gen, men­tal retar­dier­ten Psy­cho­pa­then im Wei­ßen Haus, allen Anzei­chen eines mög­li­chen Aus­ein­an­der­bre­chens der EU und den anhal­ten­den Wahl­er­fol­gen der Neo­fa­schis­ten in Euro­pa, so muss man unwei­ger­lich Schmerz und Ver­zweif­lung emp­fin­den. Und sehr schlech­te Lau­ne bekom­men. Wie stark ist da die Ver­su­chung, sich wenigs­tens beim Euro­vi­si­on Song Con­test mit fröh­li­chem Lied­gut, lus­ti­gen Kos­tü­men und bun­ten Shows für ein paar Stun­den abzu­len­ken und die Rea­li­tät zu ver­drän­gen. Stoff genug hier­für stand beim heu­ti­gen Vor­entsch­eid UMK zur Aus­wahl: gleich drei schmis­si­ge Uptem­po­num­mern mit ein­gän­gi­ger Melo­dik und amü­san­tem Drum­her­um buhl­ten (neben sie­ben wei­te­ren Kon­kur­ren­ten) um die Gunst der Zuschauer/innen. Doch ver­geb­lich: sehr ein­deu­tig sieg­te statt­des­sen eine düs­te­re, tief­schwar­ze Depres­si­ons­bal­la­de namens ‘Black­bird’, in wel­cher eine blon­de, lei­chen­blas­se Frau in einem hoch­ge­schlos­se­nen, buschi­gen schwar­zen Wit­wen­kleid die titel­ge­ben­de Amsel fle­hent­lich ersucht, doch bit­te nicht vor ihrem Fens­ter zu sin­gen, um sie nicht aus ihrer tie­fen, tie­fen Trau­rig­keit zu rei­ßen. Die, wie bei Bal­la­den üblich, zwar von einer been­de­ten Bezie­hung her­rührt, was sich aber natür­lich auch als Abge­sang auf die augen­schein­lich abge­kühl­te Roman­ze der Mensch­heit mit den Tugen­den der Auf­klä­rung und des gesell­schaft­li­chen Fort­schritts inter­pre­tie­ren lässt. Ein blei­cher Rot­schopf beglei­tet die Sän­ge­rin ganz klas­sisch am Kla­vier, das Büh­nen­bild ertrinkt im Tro­cken­eis­ne­bel und einer sanft wogen­den Tief­see-Pro­jek­ti­on im Hin­ter­grund, zwei­fel­los eine sub­ti­le Anspie­lung auf das von Donald Trump gut gehei­ße­ne und ver­mut­lich bald auch im Inland breit zum Ein­satz kom­men­de Water­boar­ding. Nor­ma John, so der Name des wie eine Kreu­zung aus Anouk (→ NL 2013) und den Com­mon Lin­nets (→ NL 2014) daher­kom­men­den Duos, geben sich dem Welt­schmerz, der ihrer Bal­la­de inne­wohnt, voll und ganz hin. Und wenn wir es ihnen gleich­tun und uns für drei Minu­ten fal­len las­sen in das Meer der Schwer­mut, hin­ab­tau­chen auf den Grund der Trau­rig­keit, dann ist es ein wirk­lich atem­be­rau­ben­des Erleb­nis. Auch wenn wir dort viel­leicht in der Depres­si­on ertrin­ken.

Amsel, Dros­sel, Fink und Star: alle Vög­lein schwei­gen

wei­ter­le­senFinn­land 2017: Ihr habt wohl einen Vogel!

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: OMG it’s UMK!

In einer ein­stün­di­gen, auf You­tube über­tra­ge­nen Pres­se­kon­fe­renz stell­te das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE heu­te die zehn Teilnehmer/innen des Uuden Musii­kin Kil­pai­lu (UMK) vor, der suo­mi­schen Vor­ent­schei­dung, die am 28. Janu­ar 2017 statt­fin­det und – gro­ße Freu­de – von der fan­tas­ti­schen Kris­ta Sieg­frids (→ FI 2013) mode­riert wird. Alle zehn Titel sind bereits auf dem UMK-You­tube-Chan­nel zu fin­den, und zwar als Lyric-Video. Nach einer ers­ten Sich­tung lässt sich wohl sagen, dass der Con­test ver­mut­lich auch 2018 nicht in Hel­sin­ki gas­tie­ren dürf­te. Bekann­tes­ter Name ist das schwe­di­sche Inter­net-Phä­no­men Gün­ther, der 2004 mit dem ‘Ding Dong Song (Touch my Tra la la)’ einen Chart-Top­per im Hei­mat­land lan­de­te und inter­na­tio­nal viral ging. 2006 nahm er am Melo­di­fes­ti­va­len teil, schied aber im Semi aus. Ums Berüh­ren geht es auch in sei­nem UMK-Bei­trag ‘Love yours­elf’, der die wich­ti­ge Bot­schaft der Selbst­lie­be ver­brei­tet, wel­che nach Gün­thers Aus­sa­ge auch das prak­ti­sche Hand­an­le­gen mit ein­schließt. Doch so ganz aus­ge­las­tet scheint er mit dem alten Vier-gegen-Wil­li-Spiel selbst nicht zu sein, denn im Mit­tel­teil sei­nes Elek­tro­st­amp­fers raunt uns der herr­lich schmut­zi­ge Lüst­ling zu, dass er über einen “Zau­ber­trank” ver­fü­ge, vom dem er uns ger­ne kos­ten las­sen möch­te, da die­ser “zu gut” sei, um ihn zu “ver­schleu­dern”. Bon Appé­tit!

D’Sanz’ Zau­ber­trank wür­de ich ja viel­leicht ver­su­chen: Gün­ther & Com­pa­ny

wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: OMG it’s UMK!