Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Eine Trig­ger­war­nung vor­weg: wer selbst gera­de unter Depres­sio­nen lei­det, soll­te die­se Run­de des Euro­vi­si­on Death­match viel­leicht über­sprin­gen, denn heu­te geben wir uns ganz und gar der bit­ter­sü­ßen Melan­cho­lie hin. Und wer bräch­te bei die­sem The­ma mehr Kom­pe­tenz mit als die von Hau­se aus schwer­mü­ti­gen Fin­nen? Die schi­cken das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid UMK sieg­rei­che Duo Nor­ma John ins Ren­nen, und tat­säch­lich klingt des­sen Sän­ge­rin Lee­na Tir­ro­nen wie Ade­le auf Dow­nern. Sie gibt eine herz­zer­rei­ßen­de Tren­nungs­schmerz­bal­la­de zum Bes­ten, in wel­cher sie eine Amsel anfleht, sich zu ver­krü­meln und ihr Nest anders­wo auf­zu­schla­gen, da näm­li­ches Tier mit sei­nem Gesang unter ihrem Fens­ter einst die unver­gess­li­chen Näch­te mit ihrem Ex beglei­te­te und unse­re bedau­erns­wer­te Ade­le, Ver­zei­hung, Lee­na, nun mit sei­nem Gezwit­scher an glück­li­che­re Zei­ten erin­nert. Was die­se nun gera­de über­haupt nicht brau­chen kann. So schlimm steht es um die vom Lie­bes­kum­mer Geschla­ge­ne, dass sie im dazu­ge­hö­ri­gen, nacht­schwar­zen Video­clip gar ins Was­ser geht. Dass sel­bi­ger Clip mit einem Kame­ra­schwenk auf einen mit der fin­ni­schen Lan­des­flag­ge ange­mal­ten Sarg endet, bringt zum Abschluss einen herr­lich mor­bi­den, fast schon wie­der iro­ni­schen Ton ins Spiel. Jeden­falls ertrinkt man als Zuhö­rer eben­so in der moll­schwar­zen Schwe­re der tief­düs­te­ren Kla­vier­bal­la­de wie die gram­ge­beug­te Prot­ago­nis­tin im See. Ein Song für schwar­ze Tage.

Auch live sieht Lee­na übri­gens aus wie eine Was­ser­lei­che (FI)

Wei­ter­le­senEuro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Finn­land 2017: Ihr habt wohl einen Vogel!

Man muss die Fin­nen schon bewun­dern, ganz ehr­lich. Und zwar für ihre Hin­ga­be an den kos­mi­schen Strom der Gege­ben­hei­ten. Führt man sich die aktu­el­le poli­ti­sche Welt­la­ge mal kurz vor Augen, mit einem dünn­häu­ti­gen, men­tal retar­dier­ten Psy­cho­pa­then im Wei­ßen Haus, allen Anzei­chen eines mög­li­chen Aus­ein­an­der­bre­chens der EU und den anhal­ten­den Wahl­er­fol­gen der Neo­fa­schis­ten in Euro­pa, so muss man unwei­ger­lich Schmerz und Ver­zweif­lung emp­fin­den. Und sehr schlech­te Lau­ne bekom­men. Wie stark ist da die Ver­su­chung, sich wenigs­tens beim Euro­vi­si­on Song Con­test mit fröh­li­chem Lied­gut, lus­ti­gen Kos­tü­men und bun­ten Shows für ein paar Stun­den abzu­len­ken und die Rea­li­tät zu ver­drän­gen. Stoff genug hier­für stand beim heu­ti­gen Vor­entsch­eid UMK zur Aus­wahl: gleich drei schmis­si­ge Uptem­po­num­mern mit ein­gän­gi­ger Melo­dik und amü­san­tem Drum­her­um buhl­ten (neben sie­ben wei­te­ren Kon­kur­ren­ten) um die Gunst der Zuschauer/innen. Doch ver­geb­lich: sehr ein­deu­tig sieg­te statt­des­sen eine düs­te­re, tief­schwar­ze Depres­si­ons­bal­la­de namens ‘Black­bird’, in wel­cher eine blon­de, lei­chen­blas­se Frau in einem hoch­ge­schlos­se­nen, buschi­gen schwar­zen Wit­wen­kleid die titel­ge­ben­de Amsel fle­hent­lich ersucht, doch bit­te nicht vor ihrem Fens­ter zu sin­gen, um sie nicht aus ihrer tie­fen, tie­fen Trau­rig­keit zu rei­ßen. Die, wie bei Bal­la­den üblich, zwar von einer been­de­ten Bezie­hung her­rührt, was sich aber natür­lich auch als Abge­sang auf die augen­schein­lich abge­kühl­te Roman­ze der Mensch­heit mit den Tugen­den der Auf­klä­rung und des gesell­schaft­li­chen Fort­schritts inter­pre­tie­ren lässt. Ein blei­cher Rot­schopf beglei­tet die Sän­ge­rin ganz klas­sisch am Kla­vier, das Büh­nen­bild ertrinkt im Tro­cken­eis­ne­bel und einer sanft wogen­den Tief­see-Pro­jek­ti­on im Hin­ter­grund, zwei­fel­los eine sub­ti­le Anspie­lung auf das von Donald Trump gut gehei­ße­ne und ver­mut­lich bald auch im Inland breit zum Ein­satz kom­men­de Water­boar­ding. Nor­ma John, so der Name des wie eine Kreu­zung aus Anouk (→ NL 2013) und den Com­mon Lin­nets (→ NL 2014) daher­kom­men­den Duos, geben sich dem Welt­schmerz, der ihrer Bal­la­de inne­wohnt, voll und ganz hin. Und wenn wir es ihnen gleich­tun und uns für drei Minu­ten fal­len las­sen in das Meer der Schwer­mut, hin­ab­tau­chen auf den Grund der Trau­rig­keit, dann ist es ein wirk­lich atem­be­rau­ben­des Erleb­nis. Auch wenn wir dort viel­leicht in der Depres­si­on ertrin­ken.

Amsel, Dros­sel, Fink und Star: alle Vög­lein schwei­gen

Wei­ter­le­senFinn­land 2017: Ihr habt wohl einen Vogel!

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: OMG it’s UMK!

In einer ein­stün­di­gen, auf You­tube über­tra­ge­nen Pres­se­kon­fe­renz stell­te das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE heu­te die zehn Teilnehmer/innen des Uuden Musii­kin Kil­pai­lu (UMK) vor, der suo­mi­schen Vor­ent­schei­dung, die am 28. Janu­ar 2017 statt­fin­det und – gro­ße Freu­de – von der fan­tas­ti­schen Kris­ta Sieg­frids (→ FI 2013) mode­riert wird. Alle zehn Titel sind bereits auf dem UMK-You­tube-Chan­nel zu fin­den, und zwar als Lyric-Video. Nach einer ers­ten Sich­tung lässt sich wohl sagen, dass der Con­test ver­mut­lich auch 2018 nicht in Hel­sin­ki gas­tie­ren dürf­te. Bekann­tes­ter Name ist das schwe­di­sche Inter­net-Phä­no­men Gün­ther, der 2004 mit dem ‘Ding Dong Song (Touch my Tra la la)’ einen Chart-Top­per im Hei­mat­land lan­de­te und inter­na­tio­nal viral ging. 2006 nahm er am Melo­di­fes­ti­va­len teil, schied aber im Semi aus. Ums Berüh­ren geht es auch in sei­nem UMK-Bei­trag ‘Love yours­elf’, der die wich­ti­ge Bot­schaft der Selbst­lie­be ver­brei­tet, wel­che nach Gün­thers Aus­sa­ge auch das prak­ti­sche Hand­an­le­gen mit ein­schließt. Doch so ganz aus­ge­las­tet scheint er mit dem alten Vier-gegen-Wil­li-Spiel selbst nicht zu sein, denn im Mit­tel­teil sei­nes Elek­tro­st­amp­fers raunt uns der herr­lich schmut­zi­ge Lüst­ling zu, dass er über einen “Zau­ber­trank” ver­fü­ge, vom dem er uns ger­ne kos­ten las­sen möch­te, da die­ser “zu gut” sei, um ihn zu “ver­schleu­dern”. Bon Appé­tit!

D’S­anz’ Zau­ber­trank wür­de ich ja viel­leicht ver­su­chen: Gün­ther & Com­pa­ny

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: OMG it’s UMK!

Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt viel­leicht nicht auf unge­teil­te Zustim­mung bei all mei­nen Leser/innen sto­ßen und beschreibt auch das Gegen­teil mei­ner eige­nen Emp­fin­dun­gen von vor einem Jahr, aber nach der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2016 aus dem Stock­hol­mer Glo­ben (der immer noch aus­sieht wie ein Schnel­ler Brü­ter) am Diens­tag­abend muss ich sagen: von mir aus kön­nen die Schwe­den ger­ne jedes Jahr gewin­nen. Solan­ge sie Petra Mede wei­ter mode­rie­ren las­sen: locker, flo­ckig, eigeniro­nisch, herr­lich! Am schöns­ten der Gag, als auf die Wor­te “Wel­co­me, Euro­pe!” die ers­ten Tak­te von ‘The Final Count­down’ der gleich­na­mi­gen schwe­di­schen Acht­zi­ger­jah­re-Rock­band ertön­ten, live von besag­ter Kapel­le into­niert, die Petra und Måns aber schnell wie­der abwürg­ten und sich flugs für die “Pein­lich­keit” ent­schul­dig­ten! Auch, was das schwe­di­sche Fern­se­hen an Rah­men­pro­gramm auf die Bei­ne stell­te, konn­te sich sehen las­sen, von der Eröff­nungs­num­mer, als ein Chor aus den Kin­dern von Ste­pford das Mor­bid-Düs­te­re in Måns Zelmerlöws Vor­jah­res-Sie­ger­lied ‘Heroes’ erst so rich­tig her­aus­ar­bei­te­te, bis hin zu dem als Pau­se­nact ein­ge­setz­ten Bal­lett der ‘Grey Peop­le’ zum The­ma Flucht, das einem beim Zuschau­en stel­len­wei­se den Atem sto­cken ließ, weil es so arti­fi­zi­el­le und den­noch tief unter die Haut gehen­de Bil­der für die Tra­gö­die fand, die sich wei­ter­hin täg­lich vor unse­ren Toren abspielt. Dan­ke für die­sen Appell ans kol­lek­ti­ve Gewis­sen!

Die per­fek­te Spra­che gefun­den, um das wich­ti­ge The­ma an die­sem Abend nicht ver­ges­sen zu las­sen, ohne beleh­rend zu wir­ken. Respekt, SVT!  

Wei­ter­le­senErs­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Vier Todes­fäl­le und eine Hoch­zeit: der schlim­me Super­sams­tag

Fünf Natio­nen wähl­ten ges­tern gleich­zei­tig ihre Bei­trä­ge aus für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 in Stock­holm an die­sem stres­sigs­ten aller Super­sams­ta­ge der lau­fen­den Sai­son. Als ers­te von ihnen star­te­te bereits um 18:40 Uhr MEZ die mol­da­wi­sche Vor­ent­schei­dung, wo wir erfuh­ren, dass die Zahl 16 (wie in 2016) dort “șaiș­pe” heißt, was sich nicht von unge­fähr wie “Schei­ße” anhört. Fol­ge­rich­tig griff das rumä­ni­sche Bru­der­land, wie fast alle ges­tern Abend aus­wäh­len­den Natio­nen, tief ins Klo bei ihrer Ent­schei­dung. Sehr, sehr tief. Das sah wohl sogar die Sie­ge­rin so, die man nach ihrer Akkla­ma­ti­on erst mal hek­tisch suchen muss­te (war sie eine rau­chen gegan­gen?). Und ich kann es noch nicht mal auf die kor­rup­te Jury schie­ben, denn es waren die mol­da­wi­schen Televoter/innen, die den dis­so­nant vor sich hin krei­schen­den Hexen­be­sen namens Lidia Isac mehr­heit­lich zu ihrer Ver­tre­te­rin bestimm­ten, mit einem (natür­lich von einem schwe­di­schen Team geschrie­be­nen) abso­lu­ten Nichts von einem Song. ‘Fal­ling Stars’ heißt der und dürf­te ver­mut­lich als Omen für die Punk­te­er­war­tung in Stock­holm ste­hen. Gut, ein paar Län­der müs­sen ja auch im Semi aus­schei­den, und in die­sem Fall schmerzt es wenigs­tens nicht.

Zwei Ven­ti­la­to­ren aus dem Bau­markt als Wind­ma­schi­ne: es sieht so bil­lig aus, wie der Song klingt (MD)

Wei­ter­le­senVier Todes­fäl­le und eine Hoch­zeit: der schlim­me Super­sams­tag

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der Maul­trom­me­lirr­sinn am Super­sams­tag

Ein wei­te­rer ereig­nis­rei­cher Super­sams­tag liegt hin­ter uns. Neben der Ent­schei­dung in Island lie­fen in fünf Län­dern wei­te­re Vor­run­den. Im Gast­ge­ber­land des ESC 2016, Schwe­den, war es bereits die drit­te, und noch immer nichts dabei, das mich beson­ders berührt hät­te. Selbst­re­dend flo­gen die bei­den ein­zi­gen Bei­trä­ge des gest­ri­gen Melo­di­fes­ti­va­len, die mich nicht kom­plett zu Tode lang­weil­ten, uni­so­no raus. Näm­lich zum einen den ursprüng­lich unter dem Titel ‘Love take me hig­her’ für Alca­zar geschrie­be­nen Schwe­den­schla­ger ‘Kom ut som en stjär­na’, statt­des­sen nun dar­ge­bo­ten von Drag-Act After Darkvom dem aller­dings das pin­ke Kleid und der ohrenz­er­mür­bend schie­fe Gesang als ein­drück­lichs­te Erin­ne­rung bleibt. Sowie zum ande­ren das tanz­ba­re Penis­ver­herr­li­chungs­lied ‘You car­ved your Name’, das mit so schö­nen Text­zei­len auf­war­te­te wie “Gon­na bring you to your Kne­es” oder “ ‘cau­se it’s big­ger than it seems”, zu denen sich Inter­pret Swing­fly dann auch unab­läs­sig ans Gemächt griff. Die EBU-Ober­zen­so­rin Sara Yuen, die 2003 dem Öster­rei­cher Alf Poier sol­cher­lei Anzüg­lich­kei­ten noch strikt ver­bot, dürf­te bei die­sem Anblick wohl in Ohn­macht gefal­len sein. Swing­flys ein wenig prol­lig wir­ken­de, für den kraft­vol­len Refrain zustän­di­ge Duett­part­ne­rin Hele­na Gut­ar­ra mach­te übri­gens schon mit so hüb­schen Hits wie ‘Dick­suc­k­in’ von 2013 auf sich auf­merk­sam. Sub­til!

Ver­teilt es wie eine Tro­pen­krank­heit: Swing­fly (SE)

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der Maul­trom­me­lirr­sinn am Super­sams­tag

Super­sams­tag 2016: Ret­tet die Schla­ger­di­ven

Er geht als Abend der Über­for­de­rung ein in die Anna­len der Euro­vi­si­ons­for­schung, der gest­ri­ge Sams­tag: in zehn Län­dern gleich­zei­tig lie­fen Grand-Prix-Vor­ent­schei­dun­gen. Dar­un­ter drei Fina­le, von denen eines, näm­lich das ita­lie­ni­sche San-Remo-Fes­ti­val, ohne Ergeb­nis zu Ende ging, weil die dor­ti­gen Sie­ger einen Küm­mert pull­ten und das ange­bo­te­ne Ticket nach Stock­holm erst mal aus­schlu­gen, sich dann aber doch Bedenk­zeit aus­bo­ten. Befas­sen wir uns hier nun aber zunächst mit sechs der sie­ben Natio­nen, in denen Vor­run­den statt­fan­den (Island wird von mir, wie ange­kün­digt, mit Nicht­ach­tung gestraft). Die meis­ten Euro­vi­si­ons­fans ent­schie­den sich ange­sichts des mas­si­ven Über­an­ge­bo­tes wohl für das belieb­tes­te For­mat, näm­lich das schwe­di­sche Melo­di­fes­ti­va­len, von dem die zwei­te Vor­run­de über die Büh­ne ging. Und mit einem noch schlech­te­ren musi­ka­li­schen Auf­ge­bot ent­täusch­te als die ers­te vor einer Woche. So rich­te­te sich der Fokus auf das Rah­men­pro­gramm, in dem die schwe­di­sche Sie­ge­rin von 1999 und erfolg­lo­se Titel­ver­tei­di­ge­rin von 2008, Char­lot­te Per­rel­li, einen wit­zi­gen (und vor­be­halt­los zu unter­stüt­zen­den) Auf­ruf zur Ret­tung der bedau­er­li­cher­wei­se lang­sam aus­ster­ben­den Spe­zi­es der Schla­ger­di­va zu Gehör brach­te. Und zwar zur Kil­ler­me­lo­die von Hele­ne Fischers ‘Atem­los’! Damit adelt sie den Titel zur neu­en Kampf­hym­ne aller euro­päi­schen Schla­ger­fans. Gran­di­os!

Ret­tet Schla­ger­di­ven”, for­dert Char­lot­te. Wo kann ich unter­schrei­ben? (SE)

Wei­ter­le­senSuper­sams­tag 2016: Ret­tet die Schla­ger­di­ven

Semi­fi­nal-Super­sams­tag 2016: I love to hate you!

Nun liegt er hin­ter uns, der aus­schließ­lich aus diver­sen Vor­run­den (gan­ze sechs an der Zahl!) bestehen­de Super­sams­tag, an dem sich in ganz Skan­di­na­vi­en und wei­ten Tei­len des ehe­ma­li­gen Ost­blocks etli­che Sänger/innen bat­tel­ten, ohne dass eine fina­le Ent­schei­dung für Stock­holm fiel. Und natür­lich ende­te er fast über­all mit maß­lo­sen Ent­täu­schun­gen. Fan­gen wir gleich mit der schlimms­ten davon an, damit wir sie aus dem Weg bekom­men: Island! Zwölf Kandidat/innen gibt es im Söng­vakepp­ni ins­ge­samt, sechs davon tra­ten ges­tern an, dar­un­ter die Ein­zi­ge mit einem hörens­wer­ten Bei­trag und mei­nem aktu­el­len Lieb­lings­ohr­wurm aller Zei­ten und Son­nen­sys­te­me: Sig­ga Eyrún mit ‘Krei­sí’. Der klingt, wie er heißt, also groß­ar­tigst, besteht par­ti­ell aus dem Super-Mario-Sound­track, par­ti­ell aus der Stro­phe von Era­su­res Dra­mapop-Meis­ter­werk ‘I love to hate you’ sowie einer fan­tas­ti­schen Büh­nen­show mit einer sym­pa­thisch-fül­li­gen Sän­ge­rin, beglei­tet von einer Drag­queen und einer auf irre geschmink­ten, video­spiel­süch­ti­gen Frau, die sich mit Tisch­ten­nis aus alten C‑64-Tagen ver­gnügt. Und allei­ne für den Cho­reo­gra­fie­ein­fall, die Mit­tel­li­nie des Spiels von einem regen­bo­gen­far­be­nen Pacman auf­fres­sen zu las­sen, gebühr­te ihr der Sieg beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Stock­holm. Doch dazu wird es nicht kom­men: die völ­lig geschmacksin­kom­pe­ten­ten islän­di­schen Televoter/innen lie­ßen sie noch nicht mal ins Fina­le zie­hen! Ich bin so sau­er, dass ich es nicht anders in Wor­te fas­sen kann als: die­se Insel soll bit­te im Meer ertrin­ken. Sofort!

Ab Sekun­de 28: sin­gen Sie da mal “I like to read mur­der mys­te­ry / I like to know the kil­ler isn’t me” drü­ber. Und, passt, oder? (IL)

Wei­ter­le­senSemi­­fi­­nal-Super­­­sams­­tag 2016: I love to hate you!

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Cham­pa­gner für die Dis­co-Cow­boys

Vor weni­gen Tagen ver­öf­fent­lich­te das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE auf einen Schlag alle 18 Bei­trä­ge für die drei Vor­run­den der Uuden Musii­kin Kil­pai­lu (UMK), inklu­si­ve dazu­ge­hö­ri­ger, in einem eige­nen You­tube-Kanal bereit gestell­ter, pro­fes­sio­nell pro­du­zier­ter Musik­vi­de­os (und ja, ich schä­me mich dafür, dass der ungleich finanz­stär­ke­re öffent­lich-recht­li­che Sen­der mei­nes Lan­des nicht mal das hin­be­kommt). Ein­zi­ger mir bekann­ter Name im Line-Up ist Tapio Huus­ka ali­as Cris­tal Snow, der 2008 schon mal am fin­ni­schen Vor­ent­scheid teil­nahm. Er hat mit ‘Love is blind’ eine klas­si­sche Lie­bes­bal­la­de mit cle­ve­ren Text­zei­len wie “You look like Jesus / but you tas­te like Sin” im Gepäck, für die ich wirk­lich ger­ne ent­flam­men wür­de. Zumal sie eine schwu­le Lie­bes­ge­schich­te erzählt, was das dazu­ge­hö­ri­ge Video auch anspre­chend illus­triert. Aber lei­der wirkt die Num­mer, bis auf die wirk­lich gelun­ge­ne, her­aus­ra­gen­de Rückung, doch ein biss­chen lau­warm; ihr hete­ro­se­xu­el­les Kitsch-Pen­dant ‘Good enough’ von Anni­ca Milán und Kim­mo Blom kommt sowohl musi­ka­lisch als auch mit sei­nem düs­ter-roman­ti­schen Bon­nie-und-Cly­de-Video deut­lich ein­drucks­vol­ler daher. Und liegt auch in den ers­ten Wett­quo­ten (!) höher.

Im Gar­ten der Lie­be: Cris­tal Snow (FI)

Auch Julia­ne Wer­dings ‘Geh nicht in die Stadt (heut’ Nacht)’ wür­de sich ide­al als Sound­track zu die­sem Clip eig­nen: Anni­ca & Kim­mo (FI)

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Cham­pa­gner für die Dis­­co-Cow­boys

Das Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!

Seit der Wie­der­ein­füh­rung der Jurys, im beson­de­ren Maße aber seit ihrer stär­ke­ren Gewich­tung gegen­über dem Tele­vo­ting seit 2013, stand es zu befürch­ten, und nun trat es ein: erst­ma­lig seit 1997 gewan­nen beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2015 nicht die Lieb­lin­ge des Publi­kums – näm­lich die ita­lie­ni­schen jun­gen Tenö­re Il Volo mit ihrem Pope­ra-Schla­ger ‘Gran­de Amo­re’ – son­dern der Jury­fa­vo­rit, in die­sem Fal­le der Schwe­de Måns Zelmerlöw mit ‘Heroes’. Was erstaunt, weil ich gera­de nach dem über­ra­schen­den Ergeb­nis von 2011, als das nach ewi­ger ESC-Pau­se von der EBU mit Engels­zun­gen zur Rück­kehr über­re­de­te Ita­li­en, mit einem furcht­ba­ren Bar-Jazz-Geklim­per beim Publi­kum auf Rang 11 lan­dend, von den Jurys auf den Sil­ber­me­dail­len­platz hoch­ge­jazzt wur­de, fest davon aus­ging, dass es aus­drück­li­che Pflicht­auf­ga­be die­ser Insti­tu­ti­on sei, neben dem Bestra­fen von aus­wan­de­rungs­star­ken Län­dern wie z.B. Polen oder Arme­ni­en (als Aus­gleich zum Dia­spora­vo­ting) auch die nach wie vor wacke­li­gen römi­schen Rag­ga­z­zi bei der Stan­ge zu hal­ten. So kann man sich täu­schen!

Schleim­ten Euro­pas Schwup­pen und Weibs­volk erfolg­reich voll: ESC-Publi­kums­sie­ger Il Volo (IT)

Wei­ter­le­senDas Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!