Schlagwort-Archiv: Frankreich

Bei jedem Kuss (Finale 2013)

Eurovision Song Contest 2013 LogoNun liegt er also hinter uns, der Eurovision Song Contest 2013. Etliche Änderungen nahmen die schwedischen Veranstalter am bestehenden Konzept vor, selbstredend begleitet von reflexhaftem Weltuntergangsgejammer der Fans: eine deutlich kleinere Halle gab es, keine LED-Orgie bei der Beleuchtung, nur Stehplätze im Innenraum, ein verändertes Stimmauszählungsverfahren und eine handgemachte Startreihenfolge. Und was soll man sagen: die Welt ging nicht unter – im Gegenteil entpuppte sich die Show aus Malmö als intimer, freundlicher, runder. Was vor allem der großartigen Selbstironie geschuldet ist, mit der die gastgebenden Schweden sich selbst und den Contest sanft auf die Schippe nahmen. Seien es die fabelhaften Einspieler von Sarah Dawn Finer als Lynda Woodruff, Moderatorin Petra Mede selbst oder der zum Brüllen komische Kurzauftritt der Eurovisionslegende Carola, die sich als Part des Interval Acts von ihrem Markenzeichen, der Windmaschine, zu ‘Fångad av en Stormvind’ von der Bühne pusten ließ. Und damit auch bei mir, einem bekennenden Carola-Hasser, Coolnesspunkte erwarb. 

Eurovision 2013 Grand Final – Interval Act (Sweden)

Kann ich gar nicht oft genug sehen: der Fall der Schlagerhexe (bei 4:45 Min.)

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Wer sind Sie und was haben Sie Herrn Siegel angetan? (SM, MK 2013)

Und erneut überschlugen sich gestern, nur wenige Tage vor der EBU-Deadline, die Eurovisionsereignisse wieder so stark, dass ich sie hier nur gesammelt nachreichen kann. Beginnen wir mit dem erstaunlichsten Geschehen dieses Jahres, ach was: dieses Jahrzehnts! Ralph Siegel hat ein Lied für den Grand Prix geschrieben – und es ist gut! Doch, wirklich! Wenn ich es doch sage! Der deutsche Altmeister verfasste bekanntlich erneut den sanmarinesischen Beitrag, erneut gesungen von Valentina Monetta. Und wer jetzt, wie ich, ein erneutes Trash-Spektakel à la ‘Facebook, uuh-uuh’, erwartete, sah sich bei der gestrigen Songpräsentation heftig überrascht. Denn ‘Crisalide’ ist eine rundweg gelungene Eurovisionsballade, mit jeweils exakt den richtigen Anteilen an Dramatik, Power, Melodie, Schmalz und einer stimmigen Instrumentierung. Sie erfindet das Genre nicht neu, sticht aber selbst in der diesjährige Balladensee positiv hervor – auch aufgrund Valentinas stimmlicher Leistung, zwischen Stärke und Verletzlichkeit genau den richtigen Punkt treffend.

Valentina Monetta – Crisalide (San Marino) 2013 Eurovision Song Contest Official Video

Und ohne Pornozopf sieht Valentina sogar gut aus!

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Quelques Millions, Treize à la Douze (AZ, BE, CH, FR, ME 2013)

Nur noch ein paar Tage bis zum EBU-Einsendeschluss, und schon stapeln sich die neuen Eurovisionsbeiträge bis unter die Decke, so dass man kaum noch hinterherkommt! Aber der Reihe nach: in Aserbei… Asrbdsch… in Baku kam die gefühlt achthundertteilige Vorentscheidungsshow Milli Seçim Turu heute Abend völlig überraschend doch zu einem Ergebnis. Farid Mamedov wird also in Malmö in die Fußstapfen Johnny Logans treten und inbrünstig ‘Hold me’ schmachten, einen geradezu lehrbuchmäßigen Eurovisionsschlager aus griechisch-schwedischer Feder. Nur, dass Farid ein wenig jünger ist als der irische Barde seinerzeit und über deutlich mehr Augenbraue verfügt. Und an der Aussprache muss er noch ein wenig – nun ja: sehr stark! – feilen. Dass das Englisch sein sollte, konnte man heute Abend beim besten Willen kaum ausmachen. Aber das kennen wir ja schon aus Aserbe… aus Baku.

Farid Mammadov – Hold Me (Azerbaijan) 2013 Eurovision Song Contest

Hold me, if you sold me? Was singt er da nur?

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Boit du Champagne: drei neue Künstler für Malmö

Als hätten sie sich verabredet, direktnominierten gestern Abend gleich drei Länder ihre Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2013. Und weil sie den mit Abstand schönsten Namen hat, beginnen wir mit der französischen Vertreterin: Amandine Bourgeois (nein, das habe ich mir nicht ausgedacht. Die heißt wirklich so!) gewann 2008 eine Castingshow und veröffentlichte seither zwei Alben, Presseberichten zufolge allerdings ohne all zu großen Erfolg. Ihr Song für Malmö heißt ‘L’Enfer et moi’ (‘Die Hölle und ich’) und nach einer kleinen Youtube-Recherche beabsichtigt sie wohl, uns durch Langeweile zu foltern.

Discobitch c'est beau la bourgeoisie

Vermutlich geht es in dieser Nummer nicht um Amadine, denn…

Amandine Bourgeois "Envie d'un manque de problèmes" – Acoustic / TV5Monde

…die klingt leider eher so!

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An everlasting Piece of Art (Finale ESC 2012)

Logo ESC 2012 Finale

Das gerontische Jahr

Europa altert – und der Eurovision Song Contest reflektiert das. Musste die EBU noch 1990 eine Altersuntergrenze von 16 Jahren einführen, um den Wettbewerb nicht zur Mini Playback Show verkommen zu lassen, so schienen sich die Teilnehmerländer dieses Jahrgangs einen Wettstreit um den ältesten Grand-Prix-Partizipanten zu liefern. Nicht nur die Jugos schickten mit dem serbischen Balkanballadenkönig Željko Joksimović (40) und der mazedonischen Nina Hagen, Kaliopi (46), lebenserfahrene Barden. Gleich der erste Starter des Abends riß die bisherige, vom kroatischen Gerontorapper 75 Cents gelegte Meßlatte: das Vereinigte Königreich entsandte nämlich den sich nach einem schon lange verschiedenen deutschen Komponisten nennenden, mittlerweile 76jährigen Schnulzier Engelbert Humperdinck, steinalten Menschen wie mir noch bekannt durch seinen 1966er Superhit ‘(Please) Release me’.

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Good Taste Day in Baku: zweite Proben Big Five + AZ

Bei der heutigen zweiten Probenrunde bestätigten die Big Five dann noch mal, dass sie ihren pekuniär begründeten Sonderstatus in diesem Jahr gar nicht benötigten: so gut sind ihre Songs und Präsentationen, dass sie auch ohne ihn fest im Finale wären. Im Vergleich zur gestrigen ersten Kameraprobe legten die großen Fünf allesamt stimmlich noch mal zu, die meisten präsentierten sich heute auch in Bühnengarderobe – oder zumindest deutlich geschmackvolleren Klamotten. Engelbert Humperdinck erschien in einem schwarzen Hemd mit passender Hose und klang deutlich besser, wenn er auch die letzte, große Schlußnote noch immer nicht ganz schaffte. Aber dafür hat er auch noch drei Generalproben lang Zeit. Anggun entschied sich nicht, wie ich gestern vermutete, für ein weißes Brautkleid, sondern fürs Kleine Schwarze; ihre beeindruckend muskulösen Bodenturner für oberkörperfrei. Sehr aufmerksam! Auch sie klang stimmlich viel besser als gestern – und zeigte sich deutlich angepisst, dass Videos von ihrer ersten Probe im Netz sind. Nicht aufregen, Liebes: es sind nur eine Handvoll Hardcorefans, die das verfolgen – 98% der Voter hören Dich Samstag das erste Mal!


Zickenalarm: Anggun kann mit Druck nicht gut umgehen (FR)

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Anggun und die Meisterschaften im Bodenturnen (1. Probe FR)

Wer glaubte, bei der heutigen ersten Probe Frankreichs die Antwort auf die Frage zu erfahren, ob Anggun ihren Titel live denn nun meistern kann oder nicht, sah sich enttäuscht. Ganz der Profi, der sie ist, schonte die Indonesischstämmige ihr kleines bisschen Stimme für das Finale und flüsterte sich eher durch ihren chartkompatiblen Elektropopsong, als dass sie ihn wirklich sang. Übrigens keinesfalls aufgefangen durch ihren zweiköpfigen, gemischtgeschlechtlichen Begleitchor, der wohl die strikte Anweisung erhalten hatte, sich zurückzuhalten, um den Star nicht zu übertönen. Drei männlich-virile Bodenturner zogen um Anggun herum eine sportliche Show ab. Und die 38jährige gelegentlich an ihren drei losen Brautschleiern, die vermuten lassen, das zu dem Ensemble noch ein weißes Brautkleid (auch eins der modischen Themen der diesjährigen Eurovision) gehört, das wir heute allerdings noch nicht zu Gesicht bekamen. Mh. Das riecht für mich alles ein wenig nach Ortal: modern und professionell, aber doch nicht richtig zündend.


Sertab Erener hat angerufen und will ihre Choreografie zurück (FR)

Soldiers of Love (FR, MT, TR, SK 2012)

Neue Videoclips und / oder Songabmischungen trudelten in den letzten Tagen aus etlichen Ländern ein. Für die größte Begeisterung in Fankreisen sorgte der offizielle Videoclip zu Angguns ‘Echo (You and I)’. Wohl weniger aufgrund der penetranten Werbeeinblendungen für Autos und Haarprodukte, sondern aufgrund der mit diesen Einnahmen finanzierten männlichen Unterhosenmodels und der subtilen, wenn auch merkwürdig entmenscht wirkenden Homoerotik des Clips, die ihren Höhepunkt in einem Gasmaskenkuss zweier Herren im rosa Nebel findet. Auch dieses zielgruppengerechte optische Bonbon dürfte den französischen Beitrag zwar nicht vor dem antizipierten Carcrash retten, wenn Anggun (die nun in den zurückliegenden Monaten keinen Gastauftritt bei nationalen Vorentscheidungen ausließ) in Baku das erste Mal tatsächlich live singen muss. Aufmerksam ist es trotzdem!


Ich sehe da tolle Ideen für Tänzer-Trickkostüme in Baku!

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Frankreich 2012: Toi, la Musique et moi

Heute veröffentlichte das französische Fernsehen den Beitrag, mit dem Anggun im Mai in Baku die Trikolore vertritt. ‘Echo (You and I)’ heißt der Uptemposong und beinhaltet französische wie englische Textzeilen. Wobei die in Indonesien geborene Sängerin im Angelsächsischen eine überzeugendere Vorstellung abgibt. Musikalisch irritiert das Machwerk hauptsächlich durch unmotivierte Tempiwechsel und verstörende Elektrosounds, wirkt aber zumindest so, als habe es einen Bezug zur realen Popwelt und hebt sich damit deutlich von den bisher bekannten Vorentscheidungsbeiträgen aller anderen Länder ab. Spannend bleibt nun noch die Frage, wie das ganze live klingt, denn bei der vorliegenden Studioaufnahme kam das Autotune schon ganz ordentlich zum Einsatz. Sollte aber insgesamt für ein zufriedenstellendes Ergebnis für Frankreich langen.


Keine Poprevolution, aber ordentliches Handwerk: Anggun

Wie stehen die Chancen für Anggun?

  • Erst mal die Live-Version abwarten... (34%, 40 Votes)
  • Auf jeden Fall vorne dabei. Guter Song. (33%, 39 Votes)
  • Das wird nix. Das ist doch alles, nur kein Lied! (31%, 36 Votes)
  • Paris 2013! Das ist eine total geile Nummer! (2%, 3 Votes)

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Anggun für Frankreich

Die in Jakarta geborene und seit 1995 in Paris lebende Sängerin Anggun Cipta Sasmi wird die Trikolore in Baku vertreten, wie die Tageszeitung Le Parisien vermeldete und France 3 heute morgen bestätigte. Anggun veröffentlichte bereits einige Alben und Singles sowohl auf französisch, englisch wie indonesisch und hatte mit ‘Snow on the Sahara’ (1998) sowie ‘Être une Femme’ (2005) Hits. In Deutschland dürfte sie vor allem durch ihre Kooperation mit dem Dance-Projekt Schiller bekannt sein, dem sie 2010 für drei Stücke ihre Stimme lieh. A propos Stimme: wie ein kurzer Youtube-Check zeigt, scheint die Gute beim Singen etwas zum Pressen zu tendieren, verfügt dafür aber über eine gute Bühnenpräsenz. Ihr Lied für Baku soll im Januar vorgestellt werden.


Anggun: Être une Femme