Schlagwort: Frankreich

In den Grün­dungs­jah­ren des Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son regier­te die Gran­de Nati­on den Wett­be­werb im Allein­gang. Ab den Acht­zi­gern folg­te ein immenser kul­tu­rel­ler Bedeu­tungs­ver­lust. Zuletzt mach­te sich in den fran­zö­si­schen Bei­trä­ge sogar Eng­lisch breit – sho­cking!
Dabei seit: 1956; Sie­ge: 1958, 1960, 1962, 1969, 1977; Rote Later­nen: eine.

2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich 2020: La Vie en jau­ne Bon­bon

Und dafür schmiss das französische Fernsehen die Destination Eurovision, Europas besten Vorentscheid der letzten zwei Jahre, weg? Ernsthaft? Heute veröffentlichte France 2 das Präsentationsvideo für den Beitrag des im Januar 2020 intern ausgewählten Vertreters Tom Leeb. Der heißt 'The Best in me', fällt, wie bei einem derartigen Songtitel nicht anders zu erwarten, in die Kategorie der bereits eine Million Mal gehörten pompösen Powerballade, verfügt über eine Rückung und besteht aus französischen Strophen und einem englischen Refrain. Wie heutzutage üblich, werkelten ganze sechs (!) Personen daran herum, damit niemand alleine die Verantwortung für die Maladesse übernehmen muss: die in Spurenelementen vom Secret-Garden-Castingshowklassiker 'You raise me up' inspirierte Musik stammt aus der F...
Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach
2019, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Schwules, Unsere Lieblinge

Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Obschon sich angesichts der Berichterstattung um das weißrussische Jury-Gate und die Unfähigkeit der EBU, einfachste Kontrollmechanismen gegen die menschliche Fehleranfälligkeit in ihren Punkteermittlungsprozess einzubauen, bislang noch gar keine richtige Post Eurovision Depression einstellen wollte, veröffentlichten gestern gleich zwei der in Tel Aviv teilnehmenden diesjährigen Acts neue Songs, wohl auch um musikalisch erst gar keine Entzugserscheinungen auftreten zu lassen. Interessanterweise verbindet beide Lieder eine Art wohltuender trotziger queerer Stolz. Der offen schwule französische Vertreter Bilal Hassani zeigt in 'Jaloux' ('Eifersüchtig') seinen Hatern den metaphorischen Mittelfinger: er zitiert in den Strophen aus den zahlreichen hasserfüllten Kommentaren, die seine bisherige ...
Fina­le 2019: <span class="caps">ESC</span> is a losing Game
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach ihr ist; nach der Aussage des Interpreten jedoch betrauere er den ...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 4 – Roi

Wie bereits erwähnt, entstand dieses Ranking bewusst schon vor etlichen Wochen, als die Vorentscheidungssaison gerade erst vorüber war, um so viel wie möglich von der Frische des ersten Eindrucks einzufangen. Mittlerweile hätte er ein bisschen Federn gelassen, mein Platz 4: Frankreich - Bilal Hassani: Roy (König) Denn dass der blutjunge, genderfluide und queere Franzose nicht zu den allerstärksten Sängern der Grande Nation zählt und seine spielerische Selbstbehauptungshymne kompositorisch nicht unbedingt das am stärksten glitzernde Juwel des aktuellen Jahrgangs darstellt, darüber herrschte wohl bereits nach seiner durch das von seinen Youtube- und Insta-Follower/innen gekaperte Televoting beim französischen Vorentscheid Destination Eurovision herbeigeführten Akklamation ziemliche Einig...
2019, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Schwules, Unsere Lieblinge

Bil­al Hassa­ni geht gegen homo­pho­be Het­zer vor

"Wir werden diesen Hurensohn töten," so ist es in einem von zahllosen hasserfüllten Online-Kommentaren zu lesen, die sich derzeit über den vergangenen Samstag vom französischen Publikum zum Eurovisionsrepräsentanten der Grande Nation in Tel Aviv gewählten 19jährigen Bilal Hassani ergießen. Der androgyne Sänger ist schon länger ein Ziel von Angriffen und Todesdrohungen, insbesondere, seit er sich 2017 öffentlich als schwul outete. Seine Teilnahme an der Destination Eurovision fachte die Welle der Schmähungen und Beleidigungen nun noch einmal an: alleine bis letzten Donnerstag, also noch vor dem Vorentscheidungs-Finale, zählten die beiden Organisationen SOS Homophobie und Urgence Homophobie, mit denen Bilal zusammenarbeitet, mehr als 1.500 solcher Einträge, von denen 213 zur Anzeige gebracht...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: Frank­reich krönt Bil­al Hassa­ni zu sei­nem König

"Der feuchte Traum eines jeden Gutmenschen", so stand es in diesem Blog vor vierzehn Tagen über Bilal Hassani zu lesen, als dieser das erste Semifinale des französischen Vorentscheids Destination Eurovision 2019 gewann: "die LGBTI*-Ikone ist jung, multikulturell, genderfluid und kämpft mit selbstbewusstem Trotz und künstlerischem Können gegen alle Anfeindungen". Vor allem aber verfügt der 19jährige Youtube-Star mit den franko-marokkanischen Wurzeln augenscheinlich über eine sehr große, anruffreudige Fan-Gemeinde: mehr als ein Drittel aller SMS- und Telefonstimmen entfielen im gestrigen Finale der Destination an seinen von ihm und den letztjährigen französischen Vertretern Madame Monsieur gemeinsam verfassten Titel 'Roi'. Damit gelang es Bilal spielend, die Schmach aus der Wertung der zehn ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Inter­pre­ten­kür 2019: Es trollt so hart im Euro­land

Hut ab: niemand trollt die Eurovisionsgemeinde so genial wie San Marino! Ließ sich der chronisch klamme Sender des Miniaturstaates letztes Jahr noch von der ehemaligen österreichischen ESC-Teilnehmerin Zoë Straub eine crowdfunding-finanzierte öffentliche Vorentscheidung andrehen, bei der gewann, wer am meisten Geld sammelte, posaunte SMRTV an Silvester 2018 großspurig in die Landschaft, man arbeite derzeit hinter verschlossenen Türen "mit einem wunderbaren internationalen Künstler" an einem Beitrag für Tel Aviv. Und während sich die Fan-Bubble in den wildesten Spekulationen über mögliche Weltstars erging, brachte sich der wegen rassistischer Äußerungen im Sommer 2018 aus dem britischen Big-Brother-Haus geworfene, Schönheits-OP- und aufmerksamkeitssüchtige, gebürtige Brasilianer Rodrigo Alv...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: il pleut d’Ane­mo­nes

Sie fiel qualitativ ein kleines bisschen ab gegenüber dem hervorragenden ersten Semifinale vergangene Woche: die gestern Abend live ausgestrahlte zweite Vorrunde der Destination Eurovision 2019, des französischen Vorentscheidungsverfahrens. Davon mal abgesehen glichen sich die beiden Abende wie ein Ei dem anderen: erneut traten neun ziemlich gute Songs gegeneinander an, erneut gab es einen überragenden Juryfavoriten, erneut stimmten die fünf internationalen Juror/innen (diesmal aus Armenien, Georgien, Schweden, Tschechien und Österreich) nur sehr bedingt mit den im Studio anwesenden französischen "Fachleuten" und mit dem gallischen Publikum überein und erneut ließen die stimmlichen Leistungen bei einigen der Acts zu wünschen übrig. Einen Eklat gab es allerdings zu Beginn der Show, als di...
2019, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2019: der König ist tot, es lebe der König!

Mit hohen Erwartungen ging es in den gestrigen Abend, ins erste Semifinale der Destination Eurovision, denn der verantwortliche Sender France 2 hatte im vergangenen Jahr gut vorgelegt und die unbestreitbar beste nationale Vorentscheidung der Saison abgeliefert. Und wir wurden nicht enttäuscht! Neun Acts präsentierten jeweils zunächst eine Coverversion zur Einstimmung und dann ihren Wettbewerbsbeitrag, und selbst die fünf nach der Abstimmung von diversen Länderjurys aus Israel, Armenien, Großbritannien, Portugal und Serbien sowie dem Ergebnis des Televotings ausgeschiedenen Songs konnten durch die Bank musikalisch überzeugen. So wie beispielsweise die mit viel Leidenschaft und starker Stimme vorgetragene Klavierballade 'Le Brasier', die ein wenig unter der ausgesprochen statischen Darbietun...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Brehms Tier­le­ben

Echte Eurovisionsfans befinden sich - getreu des Mottos: nach dem ESC ist vor dem ESC - bereits seit vergangenem Mai gedanklich im Jahr 2019. Seit heute stimmt dann auch der offizielle Kalender wieder mit dem Empfinden überein. Höchste Zeit also für einen Überblick über die Geschehnisse in den 42 in Tel Aviv teilnehmenden Nationen, die mir in den letzten Wochen durchgerutscht sind. Dabei scheint, dass das gackernde Huhn vom letzten Jahr so manch anderes lustiges Getier inspirierte: dabei sind unter anderem singende Katzen und ironische Hyänen.  Den Auftakt aber macht eine halbe Göttin. Sagt sie zumindest von sich selbst. Sie, das ist die ehemalige X-Factor-Zweite Srbuhi Sargsian, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Srbuk. Die 24jährige wurde von ArmTV als Eurovisionsrepräsentan...
2018, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Unsere Lieblinge

Madame Mon­sieur sam­meln für die klei­ne Mer­cy

Mit ihrem wunderschönen, herzerwärmenden Lied über das an Bord eines Seenotrettungsschiffes auf dem Mittelmeer geborene Flüchtlingsmädchen 'Mercy' gewann das französische Singer-Songwriter-Pärchen Émilie Satt und Jean-Karl Lucas alias Madame Monsieur im Januar diesen Jahres den französischen Vorentscheid Destination Eurovision und fuhr zum Wettsingen nach Lissabon. Das Mädchen gibt es wirklich, es kam im März 2017 an Bord der SOS Mediterrané zur Welt und musste mit seiner Mutter Taiwo Yussif bis vor wenigen Wochen im größten, hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslager Europas in Sizilien ausharren. "Mein Baby leidet in diesem Camp," zitiert Wiwibloggs die Mutter aus einem zurückliegenden Interview, "wir sind hier schon viel zu lange". Dank der ehrenamtlicher Helfer konnten beide nun in ei...
2018, ESC Finale

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein unübersehbares, die gesellschaftliche Liberalität beflügelndes Zeichen für Toleranz und Respekt gegenüber dem...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, ESC Semifinale, Proben

Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wundertüte an Proben brachte der heutige Tag in Lissabon, mit Startern aus allen drei Shows auf der Bühne der Altice-Arena. Über diejenigen des Vormittag können wir schnell hinwegspringen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Armenien (sympathischerweise unausgeschlafen, aber immer noch der schönste Bart 2018) bis Dänemark war das schließlich bereits der zweite Durchlauf, und all zu viel Nennenswertes änderte sich nicht. Die Serben (zweitschönster Bart) haben ihre Lakritzschnüre wohl aufgefuttert, die beiden für San Marino startenden Ladys warfen sich heute immerhin in - dem Modethema des Jahres folgend - teils extrem durchsichtige Bühnenklamotten. Und bewiesen Humor, in dem sie den eigentlichen Star ihres Auftrittes, dem größten der vier putzigen Spielzeugroboter, diesmal...
2018, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

C’est vrai: die klei­ne Mer­cy gibt es wirk­lich!

Gestern Abend gewann das französische Singer-Songwriter-Pärchen Émilie Satt und Jean-Karl Lucas alias Madame Monsieur bei der Destination Eurovision dank der Stimmen der heimischen Televoter/innen das Ticket zum Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Ihr bewegendes Lied 'Mercy' erzählt von einem Flüchtlingsmädchen, das auf der Überfahrt übers Mittelmeer auf einem Rettungsboot zur Welt kommt. Und es basiert auf einer wahren Begebenheit: "Am 21. März 2017 stießen wir auf einen Tweet eines Reporters, der sich mit dem von SOS Méditerranée gecharterten Rettungsboot Aquarius beschäftigte," so Madame Monsieur zur Entstehungsgeschichte des Songs. "Er zeigte das Foto eines kleinen Mädchens namens Mercy, das gerade an Bord zur Welt gekommen war". Und tatsächlich lässt sich das Ereignis im Webau...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

FR 2018: Mer­ci, la Fran­ce!

Wo zur Hölle sind Luxemburg und Monaco, wenn man sie braucht? Acht Lieder umfasste das gestern kurz vor Mitternacht mit einer massiven Sendezeitüberziehung zu Ende gegangene Finale der Destination Eurovision, des französischen Grand-Prix-Vorentscheids für Lissabon. Acht Lieder, für die man sich neben Frankreich weitere Abnehmerländer wünschte, weil sie allesamt (!) eine Bereicherung für den europäischen Wettbewerb dargestellt hätten. So exzeptionell hoch lag das musikalische Niveau der öffentlichen Vorentscheidung, welche der verantwortliche Sender France 2 nach mehreren Jahren interner Auswahlen scheinbar mal eben aus dem Ärmel schüttelte (Chapeau!). Denn nur ein Song konnte gewinnen, und das heimische Publikum, welches mit seiner Entscheidung die zehnköpfige internationale Jury klar über...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Ers­ter Super­sams­tag 2018: Das Schiff sticht in See heu­te Nacht

"Ich wurde heute Morgen geboren / Mein Name ist Gnade / In der Mitte des Meeres / Zwischen zwei Ländern, Gnade": was so poetisch anfängt, entpuppt sich als ein gleichermaßen lakonischer wie vielschichtiger, in keiner Sekunde anklagender oder agitatorischer und damit umso fesselnder und tiefer unter die Haut gehender Text über die humanitäre Katastrophe, die sich täglich vor unseren fest verschlossenen Augen und Herzen vor den hochgezogenen Grenzen der Festung Europa abspielt. Das beim gestrigen zweiten Semifinale der französischen Vorentscheidung Destination Eurovision in einheitlichen, existenzialistisch schwarzen Klamotten aufgetretene Elektro-Pop-Pärchen Emilie Satt und Jean-Karl Lucas alias Madame Monsieur bediente sich bei seinem lyrisch wie musikalisch superben Beitrag 'Mercy' zudem ...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on: Frank­reich hat sei­ne Lena gefun­den!

"Du hast Star-Appeal. Menschen werden Dich lieben"! Diesen denkwürdigen Satz sagte Marius Müller-Westernhagen, einer der Juroren von Unser Star für Oslo (USFO), dem deutschen Vorentscheid von 2010, nach dem allerersten Auftritt der späteren Eurovisionssiegerin in der Sendung zu Lena Meyer-Landrut. Der Rest ist, wie wir wissen, Geschichte... Einen ähnlichen Gänsehautmoment konnte man am gestrigen Abend im französischen Vorauswahlformat Destination Eurovision erleben, ausgelöst durch den erst achtzehnjährigen Lisandro Cuxi, Sieger der aktuellen gallischen Ausgabe der Castingshow The Voice. Wie schon bei USFO stimmten auch bei der Destination alle neun Semifinal-Teilnehmer/innen zunächst eine selbst gewählte Coverversion an, und Cuxi entschied sich für 'Billie Jean' von Michael Jackson. Um si...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Trickkleid, Unsere Lieblinge

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung der gigantischen, futuristisch aufgebrezelten Showbühne im Internationalen Ausstellungszentrum der ukrainischen Metro...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Friend

Eine Triggerwarnung vorweg: wer selbst gerade unter Depressionen leidet, sollte diese Runde des Eurovision Deathmatch vielleicht überspringen, denn heute geben wir uns ganz und gar der bittersüßen Melancholie hin. Und wer brächte bei diesem Thema mehr Kompetenz mit als die von Hause aus schwermütigen Finnen? Die schicken das beim dortigen Vorentscheid UMK siegreiche Duo Norma John ins Rennen, und tatsächlich klingt dessen Sängerin Leena Tirronen wie Adele auf Downern. Sie gibt eine herzzerreißende Trennungsschmerzballade zum Besten, in welcher sie eine Amsel anfleht, sich zu verkrümeln und ihr Nest anderswo aufzuschlagen, da nämliches Tier mit seinem Gesang unter ihrem Fenster einst die unvergesslichen Nächte mit ihrem Ex begleitete und unsere bedauernswerte Adele, Verzeihung, Leena, nun m...
2017, Remixe

Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nachdem am gestrigen Supersamstag die letzten öffentlichen Vorentscheide der Eurovisionssaison 2017 über die Bühne gingen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letzten intern ausgewählten Beiträge für Kiew warten (als da wären: der für den heutigen Abend gegen 18 Uhr angekündigte, angeblich von einem international bekannten Duo interpretierte sanmarinesische Song; der für den morgigen Montag beworbene bulgarische Beitrag; das erst für den kommenden Samstag annoncierte, von Artsvik gesungene armenische Lied; die bereits angekündigte anglifizierte Fassung des albanischen Songs 'Botë' alias 'World' sowie der russische Beitrag - wobei es immer unwahrscheinlicher wird, dass das mit dem Gastgeberland Ukraine kriegerisch verfeindete Land überhaupt teilnimmt), haben neben Weißrussland nun noch...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich 2017: Alma singt uns ein Wie­gen­lied

So macht man Bloggern Stress: nur eine Stunde vor dem Beginn des deutschen Vorentscheids gab das französische Fernsehen heute Abend seine Vertreterin für Kiew bekannt. Es handelt sich um die 28jährige Newcomerin Alma, laut der Werbeprosa des Senders ein "aufgehender Star auf den digitalen Plattformen" und eine der "vielversprechendsten Künstlerinnen 2017". Ihr Debütalbum steht für Mai 2017 in den Startlöchern und enthält etliche Titel aus der Feder von Nazim Khaled, der schon Amirs Vorjahresbeitrag 'J'ai cherché' mit verfasste und auch Almas Eurovisionsbeitrag 'Requiem' schrieb. Und anders, als es der Titel vermuten lässt, handelt es sich - zumindest musikalisch - nicht um eine weitere düstere, deprimierende Ballade, sondern um einen Uptemposong. Uptempo! So richtig mit Beats! Ich vermag d...
2016, Die Zwanzigzehner

Kei­ne Ster­ne in Tel Aviv: die ers­ten ESC-Remi­xe sind da!

Mit dem schwedischen Melodifestivalen, traditionell immer nur wenige Tage vor dem offiziellen Abgabetermin aller Beiträge bei der EBU terminiert, ging gestern Abend die Vorentscheidungssaison für den Eurovisionsjahrgang 2016 zu Ende. Noch aber wartet die Welt mit angehaltenem Atem auf zwei offene Beiträge und zwei ESC-Versionen bereits gewählter Titel. Während bereits seit geraumer Zeit feststeht, dass die Albanerin Enada Tarifa ihr in der Originalfassung sterbensschönes 'Përrallë' in Stockholm in einer (noch nicht veröffentlichen) anglifizierten Version als 'Fairytale Love' verhunzt, stieg in Rom noch immer kein weißer Rauch auf: ob die San-Remo-Zweite Francesca Miechelin 'Nessun Grade di Separazione', wie von den Fans erhofft, in Landessprache singt oder ebenso den Fehler begeht, auf Eng...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Jodeln wie Gott in Frank­reich

Eurovisionsgerüchte stimmen immer: seit geraumer Zeit in den sozialen Netzwerken gehandelt, bestätigte das französische Fernsehen heute, dass der 31jährige (verheiratete *schluchz*) Sänger Amir Haddad das Land der Gallier in Stockholm vertritt. Der Sohn jüdischer Eltern aus dem Mahgreb wuchs in Frankreich auf, wanderte aber mit acht Jahren vorübergehend nach Israel aus. Wie so viele Grand-Prix-Kollegen verfügt auch er über Castingshow-Erfahrungen: er nahm an der fünften Staffel von Kokhav Nolad teil, der Show, die uns Harel Skaat (IL 2010) und Boaz Mauda (IL 2008) brachte. 2014 trat er dann im französischen Ableger von The Voice auf. Sein Song 'J'ai cherché' überzeugt durch Tempo und Eingängigkeit sowie das gelungene Spiel mit französischer Strophe und englischem Refrain. Die fröhliche Pop...
Diese Welt, Schwules, Unsere Lieblinge

Schlech­te Wurst-Par­odie sorgt für Kon­tro­ver­se

"Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung", dieses Zitat wird Oscar Wilde zugeschrieben. Ob das auf den vorliegenden Fall zutrifft, darüber kann man sich streiten. Wie esctoday heute berichtete, ging vor wenigen Tagen im französischen Fernsehen im Rahmen einer Satiresendung ein Videoclip des Comedians Florent Peyre über den Sender, in dem er sich als Conchita Wurst verkleidet und auch einige Szenen ihres Clips zu 'Rise like a Phoenix' zitiert. Als musikalische Vorlage für seine Parodie nutzte er das Lied 'Color Gitano' des französischen Top-Stars Kendji Girac, der bis vor wenigen Wochen noch gerüchteweise selbst als möglicher (Wunsch-)Vertreter der Grand Nation gehandelt wurde, aber zwischenzeitlich absagte. Den Text arbeitete Peyre, der unter dem Namen Kendji Wurst auftrat, in mäßi...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

A Touch too much: das Fina­le 2015

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen ("Dreieinhalb", wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanim...