Madame Mon­sieur sam­meln für die klei­ne Mer­cy

Die klei­ne Mer­cy

Mit ihrem wun­der­schö­nen, herz­er­wär­men­den Lied über das an Bord eines See­not­ret­tungs­schif­fes auf dem Mit­tel­meer gebo­re­ne Flücht­lings­mäd­chen ‘Mer­cy’ gewann das fran­zö­si­sche Sin­ger-Song­wri­ter-Pär­chen Émi­lie Satt und Jean-Karl Lucas ali­as Madame Mon­sieur im Janu­ar die­sen Jah­res den fran­zö­si­schen Vor­ent­scheid Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on und fuhr zum Wett­sin­gen nach Lis­sa­bon. Das Mäd­chen gibt es wirk­lich, es kam im März 2017 an Bord der SOS Medi­ter­ra­né zur Welt und muss­te mit sei­ner Mut­ter Tai­wo Yus­sif bis vor weni­gen Wochen im größ­ten, hoff­nungs­los über­füll­ten Flücht­lings­la­ger Euro­pas in Sizi­li­en aus­har­ren. “Mein Baby lei­det in die­sem Camp,” zitiert Wiwi­bloggs die Mut­ter aus einem zurück­lie­gen­den Inter­view, “wir sind hier schon viel zu lan­ge”. Dank der ehren­amt­li­cher Hel­fer konn­ten bei­de nun in einer kirch­li­chen Ein­rich­tung unter­kom­men, wo Tai­wo ita­lie­nisch lernt, Mer­cy eine ört­lich Kin­der­krip­pe besucht und es nun so etwas wie einen Fun­ken Hoff­nung für die Zukunft der Bei­den gibt. “Tai­wo hat einen simp­len Traum: ihrer Toch­ter zu einem guten Leben zu ver­hel­fen, sie zur Schu­le gehen las­sen zu kön­nen, und selbst einen Job zu fin­den,” erzäh­len Satt und Lucas, die im Kon­takt mit der Hel­din ihres Songs ste­hen und nun Spen­den für Mer­cy und das Casa del­le Cul­tu­re sam­meln. Mehr als 2.500 € sind in den letz­ten 14 Tagen schon zusam­men­ge­kom­men.

Mon­sieur und Madame sin­gen der klei­nen Mer­cy ihr Lied ins Ohr. Wem hier nicht vor Rüh­rung das Herz zer­fließt, der hat keins.

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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wun­der­tü­te an Pro­ben brach­te der heu­ti­ge Tag in Lis­sa­bon, mit Star­tern aus allen drei Shows auf der Büh­ne der Alti­ce-Are­na. Über die­je­ni­gen des Vor­mit­tag kön­nen wir schnell hin­weg­sprin­gen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Arme­ni­en (sym­pa­thi­scher­wei­se unaus­ge­schla­fen, aber immer noch der schöns­te Bart 2018) bis Däne­mark war das schließ­lich bereits der zwei­te Durch­lauf, und all zu viel Nen­nens­wer­tes änder­te sich nicht. Die Ser­ben (zweit­schöns­ter Bart) haben ihre Lakritz­schnü­re wohl auf­ge­fut­tert, die bei­den für San Mari­no star­ten­den Ladys war­fen sich heu­te immer­hin in – dem Mode­the­ma des Jah­res fol­gend – teils extrem durch­sich­ti­ge Büh­nen­kla­mot­ten. Und bewie­sen Humor, in dem sie den eigent­li­chen Star ihres Auf­trit­tes, dem größ­ten der vier put­zi­gen Spiel­zeug­ro­bo­ter, dies­mal ein Schild mit der Auf­schrift “Jus­ti­ce for Valen­ti­na” hoch­hal­ten lie­ßen. Ich bin mal gespannt, was im TV-Semi auf der Demo­ta­fel steht! Doch was uns alle wirk­lich inter­es­siert, spiel­te sich heu­te Nach­mit­tag ab: da prob­te Micha­el Schul­te zum ers­ten mal in der Hal­le! Und zwar zu mei­ner Über­ra­schung mit einem im Ver­gleich zu Unser Lied für Lis­sa­bon visu­ell deut­lich auf­ge­frisch­ten Sta­ging. Das, soweit man in den Blogs nach­le­sen konn­te, einen span­nen­den Effekt auf Fans und Hater zei­tigt.

Man gewinnt nicht den Ein­druck, dass sich Jes­si­ka wirk­lich über die Unter­stüt­zung von Jeni­fer freut…

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C’est vrai: die klei­ne Mer­cy gibt es wirk­lich!

Die klei­ne Mer­cy, Hel­din des fran­zö­si­schen Euro­vi­si­ons­bei­trags, in den Armen ihrer Mut­ter Tai­wo.

Ges­tern Abend gewann das fran­zö­si­sche Sin­ger-Song­wri­ter-Pär­chen Émi­lie Satt und Jean-Karl Lucas ali­as Madame Mon­sieur bei der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on dank der Stim­men der hei­mi­schen Televoter/innen das Ticket zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon. Ihr bewe­gen­des Lied ‘Mer­cy’ erzählt von einem Flücht­lings­mäd­chen, das auf der Über­fahrt übers Mit­tel­meer auf einem Ret­tungs­boot zur Welt kommt. Und es basiert auf einer wah­ren Bege­ben­heit: “Am 21. März 2017 stie­ßen wir auf einen Tweet eines Repor­ters, der sich mit dem von SOS Médi­ter­ra­née gechar­ter­ten Ret­tungs­boot Aqua­ri­us beschäf­tig­te,” so Madame Mon­sieur zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Songs. “Er zeig­te das Foto eines klei­nen Mäd­chens namens Mer­cy, das gera­de an Bord zur Welt gekom­men war”. Und tat­säch­lich lässt sich das Ereig­nis im Web­auf­tritt der gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on nach­le­sen: “Heu­te Mor­gen, Diens­tag den 21. März, wur­de ein klei­nes Mäd­chen an Bord der Aqua­ri­us gebo­ren. Mut­ter und Kind sind wohl­auf. Mut­ter Tai­wo aus Nige­ria war am Wochen­en­de in einem mehr als 15-stün­di­gen Ein­satz gemein­sam mit 945 wei­te­ren Flücht­lin­gen vor dem Ertrin­ken geret­tet wor­den. Mit ihnen an Bord befand sich die Aqua­ri­us gera­de auf dem Weg nach Ita­li­en, wo die Geret­te­ten ans Fest­land gebracht wer­den soll­ten, als bei Tai­wo die Wehen ein­setz­ten. Die Geburt der klei­nen Mer­cy ver­lief pro­blem­los. Alex­an­der Moroz, Kapi­tän der Aqua­ri­us, gra­tu­lier­te als einer der Ers­ten und über­gab der Mut­ter die offi­zi­el­le Geburts­ur­kun­de. Es ist bereits das vier­te Kind, das an Bord der Aqua­ri­us gebo­ren wur­de”.

Okay, der Band­na­me Madame Mon­sieur klingt noch immer nach einem schlech­ten Tra­ves­tie-Act, aber das Lied ist soeben noch ergrei­fen­der gewor­den!

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FR 2018: Mer­ci, la Fran­ce!

Wo zur Höl­le sind Luxem­burg und Mona­co, wenn man sie braucht? Acht Lie­der umfass­te das ges­tern kurz vor Mit­ter­nacht mit einer mas­si­ven Sen­de­zeit­über­zie­hung zu Ende gegan­ge­ne Fina­le der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on, des fran­zö­si­schen Grand-Prix-Vor­ent­scheids für Lis­sa­bon. Acht Lie­der, für die man sich neben Frank­reich wei­te­re Abneh­mer­län­der wünsch­te, weil sie alle­samt (!) eine Berei­che­rung für den euro­päi­schen Wett­be­werb dar­ge­stellt hät­ten. So exzep­tio­nell hoch lag das musi­ka­li­sche Niveau der öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung, wel­che der ver­ant­wort­li­che Sen­der Fran­ce 2 nach meh­re­ren Jah­ren inter­ner Aus­wah­len schein­bar mal eben aus dem Ärmel schüt­tel­te (Cha­peau!). Denn nur ein Song konn­te gewin­nen, und das hei­mi­sche Publi­kum, wel­ches mit sei­ner Ent­schei­dung die zehn­köp­fi­ge inter­na­tio­na­le Jury klar über­stimm­te, traf eine so muti­ge wie mer­vel­lieu­se Wahl: es dele­gier­te das Elek­tro­pop-Pär­chen Madame Mon­sieur mit dem for­mi­da­blen Chan­son ‘Mer­cy’ nach Por­tu­gal, einem wun­der­bar ein­gän­gi­gen und ohren­schmei­cheln­den Lied, das eine zutiefst berüh­ren­de, hoff­nungs­vol­le und huma­nis­ti­sche Geschich­te erzählt.

Wer da nicht pleu­rie­ren muss, der hat kein Herz. Oder kann kein Fran­zö­sisch! Madame Mon­sieur mit dem gran­dio­sen ‘Mer­cy’.

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Ers­ter Super­sams­tag 2018: Das Schiff sticht in See heu­te Nacht

Ich wur­de heu­te Mor­gen gebo­ren / Mein Name ist Gna­de / In der Mit­te des Mee­res / Zwi­schen zwei Län­dern, Gna­de”: was so poe­tisch anfängt, ent­puppt sich als ein glei­cher­ma­ßen lako­ni­scher wie viel­schich­ti­ger, in kei­ner Sekun­de ankla­gen­der oder agi­ta­to­ri­scher und damit umso fes­seln­der und tie­fer unter die Haut gehen­der Text über die huma­ni­tä­re Kata­stro­phe, die sich täg­lich vor unse­ren fest ver­schlos­se­nen Augen und Her­zen vor den hoch­ge­zo­ge­nen Gren­zen der Fes­tung Euro­pa abspielt. Das beim gest­ri­gen zwei­ten Semi­fi­na­le der fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dung Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on in ein­heit­li­chen, exis­ten­zia­lis­tisch schwar­zen Kla­mot­ten auf­ge­tre­te­ne Elek­tro-Pop-Pär­chen Emi­lie Satt und Jean-Karl Lucas ali­as Madame Mon­sieur bedien­te sich bei sei­nem lyrisch wie musi­ka­lisch super­ben Bei­trag ‘Mer­cy’ zudem geschickt der lin­gu­is­ti­schen Dop­pel­deu­tig­keit des Titels, der sowohl als “dan­ke” wie als Ruf nach “Gna­de” gele­sen wer­den kann, was die Bei­den in der letz­ten Stro­phe (auch visu­ell) noch­mals auf­grif­fen. Die Jury zeig­te sich zu Recht beein­druckt und ver­sorg­te sie mit bei­na­he durch­ge­hen­den Höchst­wer­tun­gen, was ihnen einen beque­men Ein­zug ins Desti­na­ti­on-Fina­le am nächs­ten Sams­tag ermög­lich­te. Nicht min­der geschickt die Abmo­de­ra­ti­on des Vor­ent­scheid-Gast­ge­bers Garou, der dar­auf hin­wies, dass mit Gre­the und Jør­gen Ing­mann (→ DK 1963) schon ein­mal ein gemein­sam musi­zie­ren­des Pär­chen den Grand Prix gewann.

Tru­gen die Non­kon­for­mis­ten-Uni­form: die streng geschei­tel­te blon­de Madame und ihr gitar­re­spie­len­der Mon­sieur (FR).

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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on: Frank­reich hat sei­ne Lena gefun­den!

Du hast Star-Appeal. Men­schen wer­den Dich lie­ben”! Die­sen denk­wür­di­gen Satz sag­te Mari­us Mül­ler-Wes­tern­ha­gen, einer der Juro­ren von Unser Star für Oslo (USFO), dem deut­schen Vor­ent­scheid von 2010, nach dem aller­ers­ten Auf­tritt der spä­te­ren Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin in der Sen­dung zu Lena Mey­er-Land­rut. Der Rest ist, wie wir wis­sen, Geschich­te… Einen ähn­li­chen Gän­se­h­aut­mo­ment konn­te man am gest­ri­gen Abend im fran­zö­si­schen Vor­auswahl­for­mat Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on erle­ben, aus­ge­löst durch den erst acht­zehn­jäh­ri­gen Lisan­dro Cuxi, Sie­ger der aktu­el­len gal­li­schen Aus­ga­be der Cas­ting­show The Voice. Wie schon bei USFO stimm­ten auch bei der Desti­na­ti­on alle neun Semi­fi­nal-Teil­neh­mer/in­nen zunächst eine selbst gewähl­te Cover­ver­si­on an, und Cuxi ent­schied sich für ‘Bil­lie Jean’ von Micha­el Jack­son. Um sich an einen der­ar­tig iko­ni­schen Song der Pop-Geschich­te her­an­zu­trau­en, braucht es ohne­hin Eier aus Stahl; dies gilt umso mehr, wenn man den druck­vol­len Funk-Song statt­des­sen als lang­sa­me, fra­gi­le Bal­la­de inter­pre­tiert. Lisan­dro nutz­te zudem die Gele­gen­heit, den vol­len Umfang sei­ner stimm­li­chen Ran­ge zu prä­sen­tie­ren: was sehr leicht als prä­ten­tiö­ses Gejo­del in einem blas­phe­mi­schen Mas­sa­ker hät­te enden kön­nen, gelang dem jun­gen Sän­ger in beein­dru­cken­der Wei­se.

So ein Jäck­chen könn­te weiß Gott nicht jeder tra­gen. An Lisan­dro Cuxi sah es gut aus.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Eine Trig­ger­war­nung vor­weg: wer selbst gera­de unter Depres­sio­nen lei­det, soll­te die­se Run­de des Euro­vi­si­on Death­match viel­leicht über­sprin­gen, denn heu­te geben wir uns ganz und gar der bit­ter­sü­ßen Melan­cho­lie hin. Und wer bräch­te bei die­sem The­ma mehr Kom­pe­tenz mit als die von Hau­se aus schwer­mü­ti­gen Fin­nen? Die schi­cken das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid UMK sieg­rei­che Duo Nor­ma John ins Ren­nen, und tat­säch­lich klingt des­sen Sän­ge­rin Lee­na Tir­ro­nen wie Ade­le auf Dow­nern. Sie gibt eine herz­zer­rei­ßen­de Tren­nungs­schmerz­bal­la­de zum Bes­ten, in wel­cher sie eine Amsel anfleht, sich zu ver­krü­meln und ihr Nest anders­wo auf­zu­schla­gen, da näm­li­ches Tier mit sei­nem Gesang unter ihrem Fens­ter einst die unver­gess­li­chen Näch­te mit ihrem Ex beglei­te­te und unse­re bedau­erns­wer­te Ade­le, Ver­zei­hung, Lee­na, nun mit sei­nem Gezwit­scher an glück­li­che­re Zei­ten erin­nert. Was die­se nun gera­de über­haupt nicht brau­chen kann. So schlimm steht es um die vom Lie­bes­kum­mer Geschla­ge­ne, dass sie im dazu­ge­hö­ri­gen, nacht­schwar­zen Video­clip gar ins Was­ser geht. Dass sel­bi­ger Clip mit einem Kame­ra­schwenk auf einen mit der fin­ni­schen Lan­des­flag­ge ange­mal­ten Sarg endet, bringt zum Abschluss einen herr­lich mor­bi­den, fast schon wie­der iro­ni­schen Ton ins Spiel. Jeden­falls ertrinkt man als Zuhö­rer eben­so in der moll­schwar­zen Schwe­re der tief­düs­te­ren Kla­vier­bal­la­de wie die gram­ge­beug­te Prot­ago­nis­tin im See. Ein Song für schwar­ze Tage.

Auch live sieht Lee­na übri­gens aus wie eine Was­ser­lei­che (FI)

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Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nach­dem am gest­ri­gen Super­sams­tag die letz­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­de der Euro­vi­si­ons­sai­son 2017 über die Büh­ne gin­gen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letz­ten intern aus­ge­wähl­ten Bei­trä­ge für Kiew war­ten (als da wären: der für den heu­ti­gen Abend gegen 18 Uhr ange­kün­dig­te, angeb­lich von einem inter­na­tio­nal bekann­ten Duo inter­pre­tier­te san­ma­ri­ne­si­sche Song; der für den mor­gi­gen Mon­tag bewor­be­ne bul­ga­ri­sche Bei­trag; das erst für den kom­men­den Sams­tag annon­cier­te, von Arts­vik gesun­ge­ne arme­ni­sche Lied; die bereits ange­kün­dig­te angli­fi­zier­te Fas­sung des alba­ni­schen Songs ‘Botë’ ali­as ‘World’ sowie der rus­si­sche Bei­trag – wobei es immer unwahr­schein­li­cher wird, dass das mit dem Gast­ge­ber­land Ukrai­ne krie­ge­risch ver­fein­de­te Land über­haupt teil­nimmt), haben neben Weiß­russ­land nun noch wei­te­re Teil­neh­mer­na­tio­nen auf­ge­frisch­te Fas­sun­gen ihrer Songs für Kiew vor­ge­stellt. So zum Bei­spiel die Schwei­zer, die das hoff­nungs­los öde ‘Apol­lo’ von Time­bel­le musi­ka­lisch deut­lich auf­dra­ma­ti­sier­ten und auch die Stim­me ihrer rumä­nisch­stäm­mi­gen Lead­sän­ge­rin im Ton­stu­dio mit dem Dampf­strah­ler behan­del­ten. Hilft natür­lich auch alles nichts mehr, aber den Ver­such war’s wert.

Pro­mi­nent ver­packt: Zeus und Apol­lo, die eid­ge­nös­si­schen Wun­der­waf­fen (CH)

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