Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wun­der­tü­te an Pro­ben brach­te der heu­ti­ge Tag in Lis­sa­bon, mit Star­tern aus allen drei Shows auf der Büh­ne der Alti­ce-Are­na. Über die­je­ni­gen des Vor­mit­tag kön­nen wir schnell hin­weg­sprin­gen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Arme­ni­en (sym­pa­thi­scher­wei­se unaus­ge­schla­fen, aber immer noch der schöns­te Bart 2018) bis Däne­mark war das schließ­lich bereits der zwei­te Durch­lauf, und all zu viel Nen­nens­wer­tes änder­te sich nicht. Die Ser­ben (zweit­schöns­ter Bart) haben ihre Lakritz­schnü­re wohl auf­ge­fut­tert, die bei­den für San Mari­no star­ten­den Ladys war­fen sich heu­te immer­hin in – dem Mode­the­ma des Jah­res fol­gend – teils extrem durch­sich­ti­ge Büh­nen­kla­mot­ten. Und bewie­sen Humor, in dem sie den eigent­li­chen Star ihres Auf­trit­tes, dem größ­ten der vier put­zi­gen Spiel­zeug­ro­bo­ter, dies­mal ein Schild mit der Auf­schrift “Jus­ti­ce for Valen­ti­na” hoch­hal­ten lie­ßen. Ich bin mal gespannt, was im TV-Semi auf der Demo­ta­fel steht! Doch was uns alle wirk­lich inter­es­siert, spiel­te sich heu­te Nach­mit­tag ab: da prob­te Micha­el Schul­te zum ers­ten mal in der Hal­le! Und zwar zu mei­ner Über­ra­schung mit einem im Ver­gleich zu Unser Lied für Lis­sa­bon visu­ell deut­lich auf­ge­frisch­ten Sta­ging. Das, soweit man in den Blogs nach­le­sen konn­te, einen span­nen­den Effekt auf Fans und Hater zei­tigt.

Man gewinnt nicht den Ein­druck, dass sich Jes­si­ka wirk­lich über die Unter­stüt­zung von Jeni­fer freut…

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C’est vrai: die klei­ne Mer­cy gibt es wirk­lich!

Die klei­ne Mer­cy, Hel­din des fran­zö­si­schen Euro­vi­si­ons­bei­trags, in den Armen ihrer Mut­ter Tai­wo.

Ges­tern Abend gewann das fran­zö­si­sche Sin­ger-Song­wri­ter-Pär­chen Émi­lie Satt und Jean-Karl Lucas ali­as Madame Mon­sieur bei der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on dank der Stim­men der hei­mi­schen Televoter/innen das Ticket zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon. Ihr bewe­gen­des Lied ‘Mer­cy’ erzählt von einem Flücht­lings­mäd­chen, das auf der Über­fahrt übers Mit­tel­meer auf einem Ret­tungs­boot zur Welt kommt. Und es basiert auf einer wah­ren Bege­ben­heit: “Am 21. März 2017 stie­ßen wir auf einen Tweet eines Repor­ters, der sich mit dem von SOS Médi­ter­ra­née gechar­ter­ten Ret­tungs­boot Aqua­ri­us beschäf­tig­te,” so Madame Mon­sieur zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Songs. “Er zeig­te das Foto eines klei­nen Mäd­chens namens Mer­cy, das gera­de an Bord zur Welt gekom­men war”. Und tat­säch­lich lässt sich das Ereig­nis im Web­auf­tritt der gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on nach­le­sen: “Heu­te Mor­gen, Diens­tag den 21. März, wur­de ein klei­nes Mäd­chen an Bord der Aqua­ri­us gebo­ren. Mut­ter und Kind sind wohl­auf. Mut­ter Tai­wo aus Nige­ria war am Wochen­en­de in einem mehr als 15-stün­di­gen Ein­satz gemein­sam mit 945 wei­te­ren Flücht­lin­gen vor dem Ertrin­ken geret­tet wor­den. Mit ihnen an Bord befand sich die Aqua­ri­us gera­de auf dem Weg nach Ita­li­en, wo die Geret­te­ten ans Fest­land gebracht wer­den soll­ten, als bei Tai­wo die Wehen ein­setz­ten. Die Geburt der klei­nen Mer­cy ver­lief pro­blem­los. Alex­an­der Moroz, Kapi­tän der Aqua­ri­us, gra­tu­lier­te als einer der Ers­ten und über­gab der Mut­ter die offi­zi­el­le Geburts­ur­kun­de. Es ist bereits das vier­te Kind, das an Bord der Aqua­ri­us gebo­ren wur­de”.

Okay, der Band­na­me Madame Mon­sieur klingt noch immer nach einem schlech­ten Tra­ves­tie-Act, aber das Lied ist soeben noch ergrei­fen­der gewor­den!

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FR 2018: Mer­ci, la Fran­ce!

Wo zur Höl­le sind Luxem­burg und Mona­co, wenn man sie braucht? Acht Lie­der umfass­te das ges­tern kurz vor Mit­ter­nacht mit einer mas­si­ven Sen­de­zeit­über­zie­hung zu Ende gegan­ge­ne Fina­le der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on, des fran­zö­si­schen Grand-Prix-Vor­ent­scheids für Lis­sa­bon. Acht Lie­der, für die man sich neben Frank­reich wei­te­re Abneh­mer­län­der wünsch­te, weil sie alle­samt (!) eine Berei­che­rung für den euro­päi­schen Wett­be­werb dar­ge­stellt hät­ten. So exzep­tio­nell hoch lag das musi­ka­li­sche Niveau der öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung, wel­che der ver­ant­wort­li­che Sen­der Fran­ce 2 nach meh­re­ren Jah­ren inter­ner Aus­wah­len schein­bar mal eben aus dem Ärmel schüt­tel­te (Cha­peau!). Denn nur ein Song konn­te gewin­nen, und das hei­mi­sche Publi­kum, wel­ches mit sei­ner Ent­schei­dung die zehn­köp­fi­ge inter­na­tio­na­le Jury klar über­stimm­te, traf eine so muti­ge wie mer­vel­lieu­se Wahl: es dele­gier­te das Elek­tro­pop-Pär­chen Madame Mon­sieur mit dem for­mi­da­blen Chan­son ‘Mer­cy’ nach Por­tu­gal, einem wun­der­bar ein­gän­gi­gen und ohren­schmei­cheln­den Lied, das eine zutiefst berüh­ren­de, hoff­nungs­vol­le und huma­nis­ti­sche Geschich­te erzählt.

Wer da nicht pleu­rie­ren muss, der hat kein Herz. Oder kann kein Fran­zö­sisch! Madame Mon­sieur mit dem gran­dio­sen ‘Mer­cy’.

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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on 2018, Fina­le

Die schlech­te Nach­richt gleich vor­weg: der hin­rei­ßend schö­ne Amir Had­dad (FR 2016) ist aus ter­min­li­chen Grün­den ver­hin­dert. Sei­ne bezau­bern­de Nach­fol­ge­rin Alma (FR 2017) über­nimmt im heu­ti­gen Fina­le der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on sei­nen Platz im Stu­dio­pa­nel, das aller­dings sei­ner Abstim­mungs­rech­te beraubt wur­de und die Auf­trit­te der acht aus den zwei Semis übrig geblie­be­nen Kandidat/innen ledig­lich kom­men­tiert. Statt­des­sen stock­te der Sen­der Fran­ce 2 die inter­na­tio­na­le Jury von drei auf zehn Per­so­nen auf. Neben ihr darf erst­ma­lig das Publi­kum zu 50% mit ent­schei­den – im Melo­di­fes­ti­va­len-Modus mit in Punk­te umge­rech­ne­ten Pro­zent­zah­len. Die Wahl dürf­te nicht leicht fal­len, denn die fran­zö­si­sche Vor­ent­schei­dung über­zeugt 2018 mit einem außer­ge­wöhn­lich hohen musi­ka­li­schen Niveau und her­aus­ra­gen­den Kandidat/innen. Das Duo Madame Mon­sieur bei­spiels­wei­se begeis­ter­te in sei­nem Semi mit einem sehr fran­zö­si­schen Lied und fili­gra­ner Text­ar­beit; der jun­ge The-Voice-Sie­ger Lisan­dro Cuxi sorg­te mit einem ein­gän­gi­gen Song und einer fan­tas­ti­schen Büh­nen­prä­senz in sei­nem Semi für einen ech­ten Lena-Moment; die Power­frau Emmy Liya­na knock­te den Zuschau­er mit star­ker Stim­me und Per­sön­lich­keit aus. Aber auch die rest­li­chen Finalist/innen kön­nen sich sehen und hören las­sen. Alle acht prä­sen­tie­ren heu­te Abend vor ihren Wett­be­werbs­bei­trä­gen zunächst ein Duett mit einem eta­blier­ten Künst­ler, unter ande­rem den Gyp­sy Kings, Maît­re Gims oder Patrick Fio­ri (FR 1993). Unbe­dingt ein­schal­ten! Der auch im deut­schen Kabel­netz frei emp­fang­ba­re Sen­der TV5Monde über­trägt die Live-Show.

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You­tube-Kanal Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on mit Live­stream

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Alle Finalist/innen mit ihren Semi­fi­nal-Auf­trit­ten:

Vor­ent­scheid FR 2018 (Fina­le)

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on. Sams­tag, 27. Janu­ar 2018, aus den Stu­di­os de Fran­ce – Bât 217, Paris. 8 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Garou.
#Interpret/inTitelTVJuryGesamtPlatz
01Lou­kaMam­ma mia00700801508
02Max Cin­na­monAllieurs03605409006
03Emmy Liya­naOK ou KO03008211204
04Madame Mon­sieurMer­cy11806818601
05Nas­siRêve du Gamin01803004807
06Lisan­dro CuxiEva07209016202
07IgitLis­boa-Jéru­sa­lem05006011005
08Malo’Ciao08902811703

Ers­ter Super­sams­tag 2018: Das Schiff sticht in See heu­te Nacht

Ich wur­de heu­te Mor­gen gebo­ren / Mein Name ist Gna­de / In der Mit­te des Mee­res / Zwi­schen zwei Län­dern, Gna­de”: was so poe­tisch anfängt, ent­puppt sich als ein glei­cher­ma­ßen lako­ni­scher wie viel­schich­ti­ger, in kei­ner Sekun­de ankla­gen­der oder agi­ta­to­ri­scher und damit umso fes­seln­der und tie­fer unter die Haut gehen­der Text über die huma­ni­tä­re Kata­stro­phe, die sich täg­lich vor unse­ren fest ver­schlos­se­nen Augen und Her­zen vor den hoch­ge­zo­ge­nen Gren­zen der Fes­tung Euro­pa abspielt. Das beim gest­ri­gen zwei­ten Semi­fi­na­le der fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dung Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on in ein­heit­li­chen, exis­ten­zia­lis­tisch schwar­zen Kla­mot­ten auf­ge­tre­te­ne Elek­tro-Pop-Pär­chen Emi­lie Satt und Jean-Karl Lucas ali­as Madame Mon­sieur bedien­te sich bei sei­nem lyrisch wie musi­ka­lisch super­ben Bei­trag ‘Mer­cy’ zudem geschickt der lin­gu­is­ti­schen Dop­pel­deu­tig­keit des Titels, der sowohl als “dan­ke” wie als Ruf nach “Gna­de” gele­sen wer­den kann, was die Bei­den in der letz­ten Stro­phe (auch visu­ell) noch­mals auf­grif­fen. Die Jury zeig­te sich zu Recht beein­druckt und ver­sorg­te sie mit bei­na­he durch­ge­hen­den Höchst­wer­tun­gen, was ihnen einen beque­men Ein­zug ins Desti­na­ti­on-Fina­le am nächs­ten Sams­tag ermög­lich­te. Nicht min­der geschickt die Abmo­de­ra­ti­on des Vor­ent­scheid-Gast­ge­bers Garou, der dar­auf hin­wies, dass mit Gre­the und Jør­gen Ing­mann (→ DK 1963) schon ein­mal ein gemein­sam musi­zie­ren­des Pär­chen den Grand Prix gewann.

Tru­gen die Non­kon­for­mis­ten-Uni­form: die streng geschei­tel­te blon­de Madame und ihr gitar­re­spie­len­der Mon­sieur (FR).

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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on, 2. Semi­fi­na­le

Fin­det sich im heu­ti­gen, eben­falls bereits auf­ge­zeich­ne­ten zwei­ten Semi­fi­na­le von Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on noch ein Act, der Lisan­dro Cuxi die Stirm bie­ten kann? Der 18jährige The-Voice-Sie­ger rock­te das ers­te Semi des fran­zö­si­schen Vor­ent­scheids und dürf­te ganz gute Kar­ten haben, in sei­ne Geburts­stadt Lis­sa­bon zu fah­ren. Für heu­te Abend wer­den dem Elek­tro-Dance-Star Nas­sim gute Chan­cen vor­her­ge­sagt. Auch dabei: ein Künst­ler mit dem lus­ti­gen Namen Igit. Sechs Juro­ren – drei fran­zö­si­sche, dar­un­ter der hin­rei­ßend schö­ne Amir (FR 2016), für des­sen Anblick allei­ne sich das Ein­schal­ten schon lohnt, sowie drei inter­na­tio­na­le – picken aus den neun Kombattant/innen des heu­ti­gen Semis vier für das Fina­le am nächs­ten Sams­tag her­aus. Dort dür­fen dann erst­mals die Zuschauer/innen mit­ent­schei­den. Der Sän­ger Garou mode­riert. Die Sen­dung ist auch auf dem im deut­schen Kabel­netz frei emp­fang­ba­ren Sen­der TV5Monde zu sehen.

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Vor­ent­scheid FR 2018 (2. Semi­fi­na­le)

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on. Sams­tag, 20. Janu­ar 2018, aus den Stu­di­os de Fran­ce – Bât 217, Paris. 9 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Garou.
#Inter­pretTitelJuryPlatz
01Max Cin­na­monAil­leurs5402
02IgitLis­boa Jéru­sa­lem4604
03June the GirlSame0808
04Lucie Vagen­heimMy World0009
05SweemLà-haut2605
06Madame Mon­sieurMer­cy5601
07Nas­siRêve de Gamin4603
08Sarah Cail­li­botTe me man­ques0807
09Jane Con­s­tan­ceUn Jour j’ai rêvé0806

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on: Frank­reich hat sei­ne Lena gefun­den!

Du hast Star-Appeal. Men­schen wer­den Dich lie­ben”! Die­sen denk­wür­di­gen Satz sag­te Mari­us Mül­ler-Wes­tern­ha­gen, einer der Juro­ren von Unser Star für Oslo (USFO), dem deut­schen Vor­ent­scheid von 2010, nach dem aller­ers­ten Auf­tritt der spä­te­ren Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin in der Sen­dung zu Lena Mey­er-Land­rut. Der Rest ist, wie wir wis­sen, Geschich­te… Einen ähn­li­chen Gän­se­h­aut­mo­ment konn­te man am gest­ri­gen Abend im fran­zö­si­schen Vor­auswahl­for­mat Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on erle­ben, aus­ge­löst durch den erst acht­zehn­jäh­ri­gen Lisan­dro Cuxi, Sie­ger der aktu­el­len gal­li­schen Aus­ga­be der Cas­ting­show The Voice. Wie schon bei USFO stimm­ten auch bei der Desti­na­ti­on alle neun Semi­fi­nal-Teil­neh­mer/in­nen zunächst eine selbst gewähl­te Cover­ver­si­on an, und Cuxi ent­schied sich für ‘Bil­lie Jean’ von Micha­el Jack­son. Um sich an einen der­ar­tig iko­ni­schen Song der Pop-Geschich­te her­an­zu­trau­en, braucht es ohne­hin Eier aus Stahl; dies gilt umso mehr, wenn man den druck­vol­len Funk-Song statt­des­sen als lang­sa­me, fra­gi­le Bal­la­de inter­pre­tiert. Lisan­dro nutz­te zudem die Gele­gen­heit, den vol­len Umfang sei­ner stimm­li­chen Ran­ge zu prä­sen­tie­ren: was sehr leicht als prä­ten­tiö­ses Gejo­del in einem blas­phe­mi­schen Mas­sa­ker hät­te enden kön­nen, gelang dem jun­gen Sän­ger in beein­dru­cken­der Wei­se.

So ein Jäck­chen könn­te weiß Gott nicht jeder tra­gen. An Lisan­dro Cuxi sah es gut aus.

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Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on, 1. Semi­fi­na­le

Mit Direkt­no­mi­nie­run­gen (und her­vor­ra­gen­den Songs) schaff­ten es die Fran­zo­sen in den letz­ten bei­den Jah­ren, das Tal der Trä­nen beim Euro­vi­si­on Song Con­test hin­ter sich zu las­sen. Was macht man also fol­ge­rich­tig beim zustän­di­gen Sen­der Fran­ce 2? Rich­tig: man orga­ni­siert für 2018 wie­der einen natio­na­len Vor­ent­scheid. Bei der Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on tre­ten in zwei (bereits auf­ge­zeich­ne­ten) Semi­fi­na­len ins­ge­samt 18 Künstler/innen an (sie­he Schnell­durch­lauf unten), dar­un­ter natür­lich auch hier jede Men­ge ehe­ma­li­ge The-Voice-Teilnehmer/innen. Sie rin­gen um die Gunst zwei­er Jurys: einer drei­köp­fi­gen fran­zö­si­schen, in der sich auch der hin­rei­ßend schö­ne Amir (FR 2016) fin­det, und einer eben­falls drei­köp­fi­gen inter­na­tio­na­len, u.a. mit Mel­lo-Mas­ter­mind Chris­ter Björk­man (SE 1992). Die­se Sechs selek­tie­ren (und zwar allei­ne, die Zuschauer/innen wer­den erst im Fina­le gefragt) pro Semi vier Finalist/innen. Der Sän­ger Garou mode­riert. Die Sen­dung ist euro­pa­weit auch auf dem frei emp­fang­ba­ren Sen­der TV5Monde zu ver­fol­gen.

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Vor­ent­scheid FR 2018 (1. Semi­fi­na­le)

Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on. Sams­tag, 13. Janu­ar 2018, aus den Stu­di­os de Fran­ce – Bât 217, Paris (Auf­zeich­nung). 9 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Garou.
#Inter­pretTitelJuryPlatz
01MasoePara­dis0607
02NoéeL’un prés de l’autre2606
03Lisan­dro CuxiEva6601
04Malo’Ciao4603
05Emmy Liya­naOK ou KO5002
06EnéaI’ll be the­re0008
07Phe­no MenJamais sans toi0008
08Lou­kaMam­ma mia3004
09EhlaJ’ai cru2805

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­acts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes geg­oogelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­ty­un­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

wei­ter­le­senFina­le 2017: Gift im Instru­ment