Schlagwort: Frankreich

In den Grün­dungs­jah­ren des Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son regier­te die Gran­de Nati­on den Wett­be­werb im Allein­gang. Ab den Acht­zi­gern folg­te ein immenser kul­tu­rel­ler Bedeu­tungs­ver­lust. Zuletzt mach­te sich in den fran­zö­si­schen Bei­trä­ge sogar Eng­lisch breit – sho­cking!
Dabei seit: 1956; Sie­ge: 1958, 1960, 1962, 1969, 1977; Rote Later­nen: eine.

2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Proben

Feu­er brennt nicht (nur) im Kamin: ers­te Pro­ben Fina­lis­ten 2015

So - endlich in Wien aufgeschlagen, vergnüglichen ersten Abend hinter mir und noch leicht unterkoffeiniert im Pressezentrum sitzend. Heute proben die fixen Finalisten zum ersten Mal, und bis dato sieht es nicht so aus, als ob sie diesen Status verdient hätten. Die im Vorfeld von vielen Seiten bereits als mögliche Sieger gehandelten italienischen Knödeltenöre von Il Volo erscheinen im Anzug, scheinen mit technischen Problemen zu kämpfen - es klingt alles andere als harmonisch - und lassen auf der Projektionswand die Standard-Powerpoint-Präsentation "Rom für Touristen in fünf ausgelutschten Klischees" laufen. Ja, ihr Klassikschlager träufelt sich in die Gehörgänge wie Blütenhonig, zwei von den Dreien sehen ganz niedlich aus, aber insgesamt verbreitet der Auftritt doch den Eindruck, dass man ...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Spa­ni­en 2015: Edur­ne macht das Jodel­di­plom

Die iberische Interpretin Edurne García Almagro und ihr Songtitel 'Amanecer', geschrieben vom Schwedenteam G:son und Bostrom, stehen schon länger fest, der Beitrag war aber bislang noch nirgends zu hören. Heute warf das spanische Fernsehen RTVE der hungrigen Eurovisionsmeute erstmals einen Happen hin: das Lyric-Video des im Vorfeld euphorisch als "Qualitäts-Pop" und "völlig anders als alles Bisherige" annoncierten Songs nämlich. Was soll man sagen: anders als klassische Grand-Prix-Kost ist 'Amencer' tatsächlich. Und zwar in der Hinsicht, dass der kraftvollen Ballade eine maßgebliche Zutat vollständig fehlt: ein Refrain nämlich! Nach einem etwas verhaltenen, beinahe sphärischen Songauftakt steigert sich 'Amancer' in den Strophen zwar rasch zu einem druckvollen Pop-Drama, von Edurne mit Hing...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich 2015: das ver­ges­se­ne Chan­son

Man kann den Franzosen sicherlich nicht vorwerfen, dass sie es in den letzten zehn Jahren nicht ernsthaft versucht hätten: hippe elektronische Tanzmusik von Weltruf (2008, 2012, 2014), düster gefärbter, rotzig abgelieferter Qualitätspop (2013), lässig selbstironische Comedybeiträge (2007, 2014) und Ansprechendes aus dem reichhaltigen multikulturellen Schatzkästlein der ehemaligen Kolonialmacht (2005, 2010, 2011). Doch selbst das Aufbieten ihres größten lebenden Weltstars (2009) blieb ohne die gerechte Entlohnung. Nun scheint sich die Grande Nation auf längst vergangene, glanzvolle Zeiten rückzubesinnen und versucht es mit einem klassischen Chanson, der klingt, als sei er bei Aufräumungsarbeiten in längst vergessenen, schon teilweise eingestürzten Seitenschächten des weitverzweigten Céline-...
2014, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, ESC Finale, Unsere Lieblinge

Com­mon Lin­nets: Birds fal­ling down the Roof­top

Drei Wochen nach dem Eurovision Song Contest von Kopenhagen hält sich das niederländische Country-Duo The Common Linnets noch am erfolgreichsten in den deutschen Single-Charts: in der Vorwoche als höchster Neuzugang auf Platz 3 eingestiegen, segelten die Hänflinge auf Rang 21 hinunter, okkupierten damit aber immer noch die Spitzenposition unter den Grand-Prix-Liedern. Und was macht man, wenn man einen solchen Erfolg hat? Richtig: man löst sich auf! Wie der Prinz-Blog berichtet, tauchte Willem Bijkerk alias Waylon kurz nach dem Song Contest ab, was zu besorgten Suchanfragen in der niederländischen Öffentlichkeit und zu Spekulationen führte, der früher mit Drogenabhängigkeit kämpfende Musiker sei möglicherweise rückfällig geworden. Am Donnerstag meldete er sich dann via Facebook und gab sein...
2014, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules

Fina­le 2014: The Secret is Love

Schon der Einspieler hätte es erahnen lassen können, in dem die Dänen die Eurovisionstrophäe, das gläserne Mikrofon, vom 14 Kilometer entfernten Malmö nach Kopenhagen holten - mit abenteuerlichen Stunts in bester James-Bond-Manier und unterlegt von den jazzigen Klängen des 1963er Siegertitels 'Dansevise' vom dänischen Filmmusikkomponisten Jørgen Ingman. Dennoch: dass am Ende dieses grandiosen Abends eine österreichische Diva mit Bart und einer shirleybasseyesken Bond-Ballade selbige Trophäe mit einem triumphalen "We are unstoppable!" in die Luft recken würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Doch Europa zeigte sich an diesem denkwürdigen, geschichtsträchtigen Samstag toleranter und offener als erwartet. Und zwar - ebenfalls entgegen der vorherigen Befürchtungen ...
2014, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Proben

Ers­te Pro­ben Fina­lis­ten 2014

Heute probten in Kopenhagen zum ersten Mal die sechs direkt für das Finale Gesetzten, darunter auch die deutschen Vertreterinnen Elaiza, die gleich als Erste auf die Bühne durften. Leider bewahrheitete sich hier, was - wenn meine Erinnerung nicht trügt - Christer Björkman vom schwedischen Fernsehen während der Generalprobe zur deutschen Vorentscheidung andeutete: dass wir uns dort für die beste Geschichte entschieden haben und nicht für das beste Lied. Wurden Elaiza in Köln als irre sympathische Underdogs auf einer Welle des Welpenschutzes durch den Abend getragen, so spielen sie in Kopenhagen in einer anderen Liga. Die Bühnenshow gleicht der beim Vorentscheid: die drei Mädels stehen im Fokus (den zusätzlichen Drummer haben sie zu Hause gelassen), dazu markiert eine Konfetti-Ejakulation de...
2014, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Ers­tes Dele­ga­tio­nen­tref­fen in Kopen­ha­gen: die Uhr tickt

Heute fand das erste Delegationentreffen in Kopenhagen statt - zeitgleich die Deadline für die finalen Remixe der Beiträge für den Eurovision Song Contest 2014. Zumindest auf dem Papier, denn noch immer fehlen die Songs aus Russland (wo wir immerhin schon mal den Titel kennen, den die Tomalchevy-Zwillinge singen werden, nämlich - wie originell! - 'Shine') und Österreich, wo man Conchita Wurst schon vorab den Preis für die beste Diva zuerkennen muss: bereits Anfang September 2013 als erste Grand-Prix-Teilnehmerin des Jahrgangs überhaupt annonciert - und dann als Letzte, noch nach dem offiziellen Abgabeschluss, den Song präsentiert. Respekt! Morgen Vormittag sollen beide noch fehlenden Titel veröffentlicht werden. Die Ukraine indes überarbeitete auf den letzten Metern noch einmal ihren Song ...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich lässt sich einen Bart ste­hen

Ganz am Ende ihres knapp sechzigminütigen Dalida-Specials von Les Chansons d'abord erwähnte Nastasha St-Pierre (FR 2001) es gewissermaßen en passant: die französischen Vertreter 2014, von den Zuschauern über einen Zeitraum von mehreren Wochen demokratisch gewählt, heißen Twin Twin! Die drei Jungs, Lorent Idir, François Djemel und Patrick Biyik, laufen mit Gesichtsbemalung, Hochwasserhosen und Assi-Unterhemden herum und singen davon, sich einen 'Moustache' wachsen lassen zu wollen, weswegen in der Wolle gefärbte Freunde des klassischen frankophilen Gefühlssturmes reflexartig "Spassbeitrag!" rufen und den Untergang des Abendlandes beklagen. Doch auch, wenn gegen das Konzept "Spaß" beim Eurovision Song Contest aus meiner Sicht nicht das Geringste einzuwenden ist, möchte ich an dieser Stelle e...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich 2014: Chan­son über Bord

Drei Titel stehen unseren gallischen Nachbarn heuer zur Auswahl: erstmals seit gefühlt hundert Jahren führt das französische Fernsehen wieder eine öffentliche Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest durch. Alle drei Songs gab es heute Nachmittag in der wöchentlichen Musikshow Les Chansons d'abord, moderiert von der Grand-Prix-Vertreterin Frankreichs von 2001, Natasha St-Pier, erstmalig zu hören. In der weit ausladenden Sitzgruppe des Sendestudios tummelten sich außerdem die Kollegin Natashas von 1977, Marie Myriam (letzte französische Siegerin), sowie die ein bisschen weniger erfolgreichen Amaury Vassili (2011) und Anggun (2012). Zwischen den unvermeidlichen Clip-Rückschauen der lustigsten Eurovisionsmomente und Neuinterpretationen frankophiler Grand-Prix-Beiträge aus allen Epochen...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Clash der Kul­tu­ren in Bel­gi­en

Während NDR-Hofblogger Jan Feddersen angesichts der Ergebnisse der gestrigen Semifinalauslosung von "Glücksgefühlen" bei den Österreichern und Schweizern fabuliert, weil beide in der zweiten Qualifikationsrunde am Donnerstag landeten, in der auch Deutschland stimmberechtigt ist und - ungeachtet aller eigenen Beschwerden über das Nachbarschaftsvoting der bösen Osteuropäer und den "Schummel-Grand-Prix" (Bild, 2007) - den beiden sprachlich und kulturell nahestehenden Nachbarnationen massenhaft Punkte zuschanzen könnte, zeigte die Glücksfee den Belgiern mit der Zulosung zum ersten Semi am Dienstag die Arschkarte. An selbigem Dienstag findet nämlich in Wallonien, dem französischsprachigen Teil des Frittenlandes, das Finale der Castingshow The Voice Belgique statt, wie Eurovoix berichtet. Neh...
Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Emme­lie de Forest can­celt Deutsch­land­tour

Ob da bei irgendwelchen Fans 'Only Teardrops' fließen? Nach einer Meldung des Internetportals regioactive sagt die diesjährige Gewinnerin des Eurovision Song Contest, Emmelie de Forest, ihre Tourneetermine in Deutschland und Dänemark ab - angeblich aus terminlichen Gründen. "Der Kalender sei voll mit Songwriter-Sessions und Fernsehauftritten auf der ganzen Welt," zitiert regioactive aus einer Pressemeldung von Emmelies Team. „Ich hatte mich sehr auf die Tour gefreut, aber wir mussten eine Entscheidung fällen," so die Sängerin. Bereits gekaufte Karten (als ob!) werden zurückerstattet. Oh, und wo wir gerade bei Eurovisions-Hasbeens sind: nun wissen wir endlich, warum Amaury Vassili (FR 2011) bei seinem Auftritt in Düsseldorf so verpeilt wirkte: gestern Abend erwischte ihn die Pariser Polizei...
2013, ESC Finale

ESC Fina­le 2013: Bei jedem Kuss

Nun liegt er also hinter uns, der Eurovision Song Contest 2013. Etliche Änderungen nahmen die schwedischen Veranstalter am bestehenden Konzept vor, selbstredend begleitet von reflexhaftem Weltuntergangsgejammer der Fans: eine deutlich kleinere Halle gab es, keine LED-Orgie bei der Beleuchtung, nur Stehplätze im Innenraum, ein verändertes Stimmauszählungsverfahren und eine handgemachte Startreihenfolge. Und was soll man sagen: die Welt ging nicht unter - im Gegenteil entpuppte sich die Show aus Malmö als intimer, freundlicher, runder. Was vor allem der großartigen Selbstironie geschuldet ist, mit der die gastgebenden Schweden sich selbst und den Contest sanft auf die Schippe nahmen. Seien es die fabelhaften Einspieler von Sarah Dawn Finer als Lynda Woodruff, Moderatorin Petra Mede selbst od...
2013, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Wer sind Sie und was haben Sie Herrn Sie­gel ange­tan? (SM, MK 2013)

Und erneut überschlugen sich gestern, nur wenige Tage vor der EBU-Deadline, die Eurovisionsereignisse wieder so stark, dass ich sie hier nur gesammelt nachreichen kann. Beginnen wir mit dem erstaunlichsten Geschehen dieses Jahres, ach was: dieses Jahrzehnts! Ralph Siegel hat ein Lied für den Grand Prix geschrieben - und es ist gut! Doch, wirklich! Wenn ich es doch sage! Der deutsche Altmeister verfasste bekanntlich erneut den sanmarinesischen Beitrag, erneut gesungen von Valentina Monetta. Und wer jetzt, wie ich, ein erneutes Trash-Spektakel à la 'Facebook, uuh-uuh', erwartete, sah sich bei der gestrigen Songpräsentation heftig überrascht. Denn 'Crisalide' ist eine rundweg gelungene Eurovisionsballade, mit jeweils exakt den richtigen Anteilen an Dramatik, Power, Melodie, Schmalz und einer ...
2013, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Quel­ques Mil­li­ons, Trei­ze à la Dou­ze (AZ, BE, CH, FR, ME 2013)

Nur noch ein paar Tage bis zum EBU-Einsendeschluss, und schon stapeln sich die neuen Eurovisionsbeiträge bis unter die Decke, so dass man kaum noch hinterherkommt! Aber der Reihe nach: in Aserbei... Asrbdsch... in Baku kam die gefühlt achthundertteilige Vorentscheidungsshow Milli Seçim Turu heute Abend völlig überraschend doch zu einem Ergebnis. Farid Mamedov wird also in Malmö in die Fußstapfen Johnny Logans treten und inbrünstig 'Hold me' schmachten, einen geradezu lehrbuchmäßigen Eurovisionsschlager aus griechisch-schwedischer Feder. Nur, dass Farid ein wenig jünger ist als der irische Barde seinerzeit und über deutlich mehr Augenbraue verfügt. Und an der Aussprache muss er noch ein wenig - nun ja: sehr stark! - feilen. Dass das Englisch sein sollte, konnte man heute Abend beim besten W...
2013, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Boit du Cham­pa­gne: drei neue Künst­ler für Mal­mö

Als hätten sie sich verabredet, direktnominierten gestern Abend gleich drei Länder ihre Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2013. Und weil sie den mit Abstand schönsten Namen hat, beginnen wir mit der französischen Vertreterin: Amandine Bourgeois (nein, das habe ich mir nicht ausgedacht. Die heißt wirklich so!) gewann 2008 eine Castingshow und veröffentlichte seither zwei Alben, Presseberichten zufolge allerdings ohne all zu großen Erfolg. Ihr Song für Malmö heißt 'L'Enfer et moi' ('Die Hölle und ich') und nach einer kleinen Youtube-Recherche beabsichtigt sie wohl, uns durch Langeweile zu foltern. Vermutlich geht es in dieser Nummer nicht um Amadine, denn... ...die klingt leider eher so! (mehr …)
2012, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

ESC Fina­le 2012: An ever­las­ting Pie­ce of Art

Europa altert - und der Eurovision Song Contest reflektiert das. Musste die EBU noch 1990 eine Altersuntergrenze von 16 Jahren einführen, um den Wettbewerb nicht zur Mini Playback Show verkommen zu lassen, so schienen sich die Teilnehmerländer dieses Jahrgangs einen Wettstreit um den ältesten Grand-Prix-Partizipanten zu liefern. Nicht nur die Jugos schickten mit dem serbischen Balkanballadenkönig Željko Joksimović (40) und der mazedonischen Nina Hagen, Kaliopi (46), lebenserfahrene Barden. Gleich der erste Starter des Abends riß die bisherige, vom kroatischen Gerontorapper 75 Cents gelegte Meßlatte: das Vereinigte Königreich entsandte nämlich den sich nach einem schon lange verschiedenen deutschen Komponisten nennenden, mittlerweile 76jährigen Schnulzier Engelbert Humperdinck, steinalten...
2012, Die Zwanzigzehner, Proben

Good Tas­te Day in Baku: zwei­te Pro­ben Big Five + AZ

Bei der heutigen zweiten Probenrunde bestätigten die Big Five dann noch mal, dass sie ihren pekuniär begründeten Sonderstatus in diesem Jahr gar nicht benötigten: so gut sind ihre Songs und Präsentationen, dass sie auch ohne ihn fest im Finale wären. Im Vergleich zur gestrigen ersten Kameraprobe legten die großen Fünf allesamt stimmlich noch mal zu, die meisten präsentierten sich heute auch in Bühnengarderobe - oder zumindest deutlich geschmackvolleren Klamotten. Engelbert Humperdinck erschien in einem schwarzen Hemd mit passender Hose und klang deutlich besser, wenn er auch die letzte, große Schlußnote noch immer nicht ganz schaffte. Aber dafür hat er auch noch drei Generalproben lang Zeit. Anggun entschied sich nicht, wie ich gestern vermutete, für ein weißes Brautkleid, sondern fürs Kle...
2012, Die Zwanzigzehner, Proben

Anggun und die Meis­ter­schaf­ten im Boden­tur­nen (1. Pro­be FR)

Wer glaubte, bei der heutigen ersten Probe Frankreichs die Antwort auf die Frage zu erfahren, ob Anggun ihren Titel live denn nun meistern kann oder nicht, sah sich enttäuscht. Ganz der Profi, der sie ist, schonte die Indonesischstämmige ihr kleines bisschen Stimme für das Finale und flüsterte sich eher durch ihren chartkompatiblen Elektropopsong, als dass sie ihn wirklich sang. Übrigens keinesfalls aufgefangen durch ihren zweiköpfigen, gemischtgeschlechtlichen Begleitchor, der wohl die strikte Anweisung erhalten hatte, sich zurückzuhalten, um den Star nicht zu übertönen. Drei männlich-virile Bodenturner zogen um Anggun herum eine sportliche Show ab. Und die 38jährige gelegentlich an ihren drei losen Brautschleiern, die vermuten lassen, das zu dem Ensemble noch ein weißes Brautkleid (auch ...
2012, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Sol­di­ers of Love (FR, MT, TR, SK 2012)

Neue Videoclips und / oder Songabmischungen trudelten in den letzten Tagen aus etlichen Ländern ein. Für die größte Begeisterung in Fankreisen sorgte der offizielle Videoclip zu Angguns 'Echo (You and I)'. Wohl weniger aufgrund der penetranten Werbeeinblendungen für Autos und Haarprodukte, sondern aufgrund der mit diesen Einnahmen finanzierten männlichen Unterhosenmodels und der subtilen, wenn auch merkwürdig entmenscht wirkenden Homoerotik des Clips, die ihren Höhepunkt in einem Gasmaskenkuss zweier Herren im rosa Nebel findet. Auch dieses zielgruppengerechte optische Bonbon dürfte den französischen Beitrag zwar nicht vor dem antizipierten Carcrash retten, wenn Anggun (die nun in den zurückliegenden Monaten keinen Gastauftritt bei nationalen Vorentscheidungen ausließ) in Baku das erste Ma...
2012, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich 2012: Toi, la Musi­que et moi

Heute veröffentlichte das französische Fernsehen den Beitrag, mit dem Anggun im Mai in Baku die Trikolore vertritt. 'Echo (You and I)' heißt der Uptemposong und beinhaltet französische wie englische Textzeilen. Wobei die in Indonesien geborene Sängerin im Angelsächsischen eine überzeugendere Vorstellung abgibt. Musikalisch irritiert das Machwerk hauptsächlich durch unmotivierte Tempiwechsel und verstörende Elektrosounds, wirkt aber zumindest so, als habe es einen Bezug zur realen Popwelt und hebt sich damit deutlich von den bisher bekannten Vorentscheidungsbeiträgen aller anderen Länder ab. Spannend bleibt nun noch die Frage, wie das ganze live klingt, denn bei der vorliegenden Studioaufnahme kam das Autotune schon ganz ordentlich zum Einsatz. Sollte aber insgesamt für ein zufriedenstellen...
2012, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Anggun für Frank­reich

Die in Jakarta geborene und seit 1995 in Paris lebende Sängerin Anggun Cipta Sasmi wird die Trikolore in Baku vertreten, wie die Tageszeitung Le Parisien vermeldete und France 3 heute morgen bestätigte. Anggun veröffentlichte bereits einige Alben und Singles sowohl auf französisch, englisch wie indonesisch und hatte mit 'Snow on the Sahara' (1998) sowie 'Être une Femme' (2005) Hits. In Deutschland dürfte sie vor allem durch ihre Kooperation mit dem Dance-Projekt Schiller bekannt sein, dem sie 2010 für drei Stücke ihre Stimme lieh. A propos Stimme: wie ein kurzer Youtube-Check zeigt, scheint die Gute beim Singen etwas zum Pressen zu tendieren, verfügt dafür aber über eine gute Bühnenpräsenz. Ihr Lied für Baku soll im Januar vorgestellt werden. httpv://www.youtube.com/watch?v=AwNw5CJrgv4 A...
2011, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

No more Bole­ro (FR 2011)

Der "jüngste Tenor der Welt", der 21jährige Amaury Vassili, vertritt in Düsseldorf die Trikolore, wie das französische Fernsehen Anfang Februar offiziell bestätigte. Seinen Wettbewerbsbeitrag 'Sognu' ('Traum'), wie befürchtet ein grauenerregender Mix aus Bolero und Klassik-Pop-Sülze, singt er in korsischer Sprache. In den Internetforen trägt das Heintje-trifft-Andrea-Bocelli-Bübchen dementsprechend bereits den Beinamen "Queen of Corsica" oder "La Corsette". Hier gehen optischer und Hörgenuss Hand in Hand... würg! (mehr …)
2010, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Frank­reich: weg mit den Jurys

Wie das Eurofire-Blog berichtet, spricht sich der französische Unterhaltungschef Nicolas Pernikoff für eine Rückkehr zum reinen Televoting aus. Die Beteiligung der Jurys nannte er einen "Skandal", den er "beim nächsten Delegationentreffen der Eurovision ansprechen" wolle. Im Zeitungsbericht sei die Rede von Absprachen auf den Hotelkorridoren in Oslo. "Zudem würde die Twitter-Gemeinde Einfluss auf die Juroren ausüben", wird er weiter zitiert. Der französische Vertreter Jessy Matador erreichte mit seinem Fußball-WM-Song 'Allez! Ola! Olé!' einen enttäuschenden zwölften Platz, konnte sich aber nach dem Wettbewerb in etlichen europäischen Verkaufscharts platzieren. Der Chorsänger (geringeltes T-Shirt, bei der Tanzeinlage nackter Oberkörper): woof! (mehr …)
2010, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC Fina­le 2010: Do I have to sing again?

Ein Meilensteincontest und das Ende eines heimischen Traumas: 28 Jahre, nachdem eine blockflötenhafte junge Saarländerin im Kommunionskleid Europa überzeugen konnte, dass Deutschland nicht mehr den totalen Krieg will, sondern nur noch "ein bißchen Frieden" (DE 1982), und zwölf Jahre, nachdem ein zottelhaariger Derwisch dem ungläubig staunenden Ausland demonstrierte, dass Deutsche doch Humor haben ('Guildo hat Euch lieb', DE 1998), verdrehte eine charmante Hannoveranerin einem ganzen Kontinent den Kopf, in dem sie bewies, dass wir auch lässig sein können. Im Gegensatz zu den diesjährigen Fluten von hörbar auf den vermuteten Jurygeschmack hin produzierten, saft- und kraftlosen Seichtballaden oder den mit viel Geld und Aufwand zu Tode choreografierten Bühnenspektakeln vermittelte Lena Meyer...
2010, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Frank­reich 2010: Genera­ti­on d’A­mour

Es ist ein Tabubruch, den Frankreich da betreibt. Wohl immer noch (zu Recht) brüskiert über das indiskutabel miserable Abschneiden ihres singenden Nationalheiligtums Patricia Kaas in Moskau, beschloss die einstmals so stolze Grand-Prix-Nation, den Wettbewerb in diesem Jahr erst gar nicht mehr ernst zu nehmen, sondern als Cross-Promotion-Bühne zu missbrauchen. "France Télévision will den Contest nicht gewinnen, sondern einen Sommerhit erzielen", mit diesen Worten kommentierte ein französischer Journalist die im Februar bekannt gewordene Entscheidung des Senders, die Erkennungsmelodie der in Südafrika stattfindenden Fußball-WM (!) zum Song Contest einzureichen. Und damit eine der stillschweigenden Übereinkünfte des Grand Prix Eurovision de la Chanson aufzukündigen, der ja einstmals extra aus...