Schlagwort: Frankreich

In den Grün­dungs­jah­ren des Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son regier­te die Gran­de Nati­on den Wett­be­werb im Allein­gang. Ab den Acht­zi­gern folg­te ein immenser kul­tu­rel­ler Bedeu­tungs­ver­lust. Zuletzt mach­te sich in den fran­zö­si­schen Bei­trä­ge sogar Eng­lisch breit – sho­cking!
Dabei seit: 1956; Sie­ge: 1958, 1960, 1962, 1969, 1977; Rote Later­nen: eine.

1958, Die Fünfziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser

ESC 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re

"Dreimal dabei: bitte nicht wiederwählen!" hieß es, die Älteren erinnern sich, in der ZDF-Hitparade immer dann, wenn sich ein Schlager zum dritten Mal in Folge "placiert" hatte, wie Dieter Thomas Heck es so schön pseudopolyglott aussprach. Dann durfte man als Zuschauer:in für selbigen keine Postkarte mehr schicken bzw. nicht mehr anrufen. Eine solche Regel existiert beim Eurovision Song Contest zwar logischerweise nicht, dennoch endete im dritten Jahr seines Bestehens die Dauerteilnahme von gleich zwei Künstlerinnen, die ihn beide bereits seit dem Start in Lugano begleiteten. Nämlich zum einen die Niederländerin und Vorjahressiegerin Corry Brokken, die auch diesmal die Tabelle anführte - allerdings vom anderen Ende aus gesehen. Das nenne ich mal einen harten Absturz! Wenn auch einen verd...
1958, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bru­der

Nach dem aufwändigen und chaotischen Vorentscheidungsverfahren von 1957 mit seinen zahlreichen Vorrunden und seinem Interpretinnenwechsel in letzter Minute stand in diesem Jahr der gallische Vertreter bereits von vorneherein fest: der seinerzeit bereits 42jährige André Claveau, ein schon seit den Vierzigern im Lande sehr erfolgreicher und technisch versierter Pariser Schnulzensänger und Schlagerfilm-Mitwirkender, der sich durch seine samtene Stimme und seinen Hang zu schmalzigen Liedern besonderer Beliebtheit bei der weiblichen Zuhörerinnenschaft erfreute, wenngleich er selbst einer finnschwedischen Eurovisionsseite zufolge wohl dem eigenen Geschlecht zugeneigt gewesen sei. Was er, so der Journalist Tobson, im toleranten "gay" Paris bis zur Besatzung durch die Deutschen relativ offen ausle...
<span class="caps">ESC</span> 1957: Hal­lo, Kopen­ha­gen?
1957, Die Fünfziger, ESC Finale

ESC 1957: Hal­lo, Kopen­ha­gen?

Kein Jahrgang ohne grundlegende Neuerungen, zumindest in der Anfangsphase des Eurovision Song Contests: stimmten die Juroren bei der Grand-Prix-Premiere von 1956 noch geheim ab und erfuhren wir außer dem Siegertitel keine Platzierungen, so feierte das heutige Herzstück der TV-Show, die stets das komplette letzte Drittel der Sendezeit okkupierende und stets die höchsten Einschaltquoten des Abends erzielende öffentliche Stimmenauszählung, beim zweiten Wettbewerb in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main seinen Einstand. Die Durchgabe der Ländervoten erfolgte natürlich fernmündlich. Geschickt nahmen die Gastgeber hierauf Bezug: "Telefon, Telefon / Lang war ich allein / Sag, wann werde ich zum Lohn / Endlich glücklich sein" frug die deutsche Vertreterin Margot Hielscher sich und das Publikum....
1957, Die Fünfziger, Internationale Vorentscheidungen

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Sie­ben­ge­schei­ten

Frankreich, in den Gründerjahren des Grand Prix Eurovision eine der häufigsten Siegernationen und im Hinblick auf die damalige durchgängige Bestückung des Wettbewerbs mit möglichst frankophil klingenden Chansons stilistisch tonangebend, neigte bei der Auswahl seiner Wettbewerbsbeiträge (wie auch heutzutage noch) mit nur wenigen Ausnahmen meist zum internen Verfahren. Und obwohl bei der Eurovisionspremiere von 1956 vonseiten der EBU ein nationaler Vorentscheid vorgeschrieben gewesen sein soll, bestimmte der gallische Sender seine beiden ersten Repräsentantinnen Dany Dauberson (†1979) und Mathé Altéry auf eben diese Weise. Die letztgenannte, in Paris geborene Operettensängerin fand sich ebenfalls im Teilnehmer:innenkreis des bizarren Vorentscheidungsverfahrens von 1957 wieder, das unter dem ...