Schlagwort: Fud Leclerc

BE 1956, 1958, 1960, 1962; Vor­ent­scheid BE 1960, 1962, Vor­ent­scheid CH 1960.
Fer­di­nand Urbain Domi­nic Leclerc (1924–2010) ver­trat die Wal­lo­nie, den fran­zö­si­schen Teil Bel­gi­ens, vier Mal in Fol­ge beim Grand Prix Euro­vi­si­on. Nach einer Roten Later­ne mit null Punk­ten war damit Schluss: er reis­te zunächst um die Welt und ließ sich dann als Bau­un­ter­neh­mer nie­der.

1962, Die Sechziger, ESC Finale, Unsere Lieblinge

ESC 1962: Ring a tipi tii ding

Luxemburg gilt im Allgemeinen als finanziell wohlsituierte europäische Steuerfluchtoase. Um so merkwürdiger muteten die anhaltenden Stromschwankungen und mehrfachen Lichtausfälle im RTL-Auditorium während der Grand-Prix-Übertragung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infrastrukturell eher den Eindruck eines Dritte-Welt-Landes (oder der heutigen USA) vermittelten. Wohl auch, um Kosten zu sparen, gestaltete der Sender des Großherzogtums den Ablauf der Show ziemlich zügig, die Lieder folgten fast nahtlos aufeinander. Das Anziehen des Tempos übertrug sich in wohltuender Weise ebenfalls auf das senderseitig gestellte, erstaunlich druckvoll und präzise aufspielende Orchester. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Rhythmusinstrumente wie das Schlagzeug seien in diesem Jahr erst erfunden worde...
1962, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

BE 1962: Vier mal eins macht null

Immer das gleiche Spiel in den geraden Jahren beim belgischen Eurovisions-Vorentscheid: sobald die Wallonen dran sind mit dem Beitrag des sprachlich und kulturell gespaltenen Landes, lassen sich - außer der schlichten Tatsache, dass es eine Auswahl mit insgesamt fünf Künstler/innen gab, darunter eine Dame namens Any Godet mit einer Hommage an die deutsche Hafenstadt 'Hambourg' - nur sehr spärliche Informationen recherchieren. Und wie immer, wenn die Wallonen dran waren in den Anfangsjahren, gewann Fud Leclerc (→ BE 1956, 1958, 1960) diese Auswahl, nun schon zum vierten Male. Das macht ihn zum einzigen Grand-Prix-Vertreter, der sein Land so oft in der selben Sprache repräsentierte, nämlich auf Französisch. Es sollte im benachbarten Luxemburg allerdings seine letzte Teilnahme werden: mit dem...
1960, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser

ESC 1960: I shall die, die, die

Es ist ein offenes Eurovisionsgeheimnis: nicht alle Delegationsleiter/innen freuen sich, wenn ihre Künstler/in den Grand Prix gewinnt! Schließlich verbindet sich beim Song Contest mit dem Sieg die feste Erwartung, im nächsten Jahr die Show zu organisieren, womit massive Kosten auf die betroffene TV-Station zukommen. Heutzutage wird ein kleinerer Anteil davon durch die Startgebühren der einzelnen Länder aufgefangen, doch in den Anfangsjahren musste die ausrichtende Rundfunkanstalt die Sendung finanziell noch komplett alleine stemmen. Den Niederländern, die 1959 zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewonnen hatten, ging Sparsamkeit über Nationalstolz: sie sagten schlicht "nee". Selbstlos sprang (übrigens nicht zum letzten Mal) die BBC ein, was nicht nur am üppigeren pekuniären Polster...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1960: Le Java sans Tra­la­la

Welch' ein Durcheinander in der sonst doch als so ordentlich geltenden Schweiz! Fehlte beim helvetischen Vorentscheid von 1959 bereits das Tessin als eines von drei aus Gründen des Sprachregionenproporzes stets zu repräsentierenden Landesteilen, so lässt sich aus dem 1960er Line-up noch nicht einmal mehr herauslesen, wer nun für welchen Part der Eidgenossenschaft startete. So stammte der einzige (!) deutschsprachige Titel im Aufgebot mit dem immergrünen Thema 'Frühling' von einem heute völlig vergessenen Sänger mit italienischem Namen, nämlich Bianco Cavallini. Was auch noch klingt wie ein Tetrapack-Tafelweißwein aus dem Discounter für 1,59 € der Liter. Als einzige verlässliche Größe sorgte der eidgenössische Dauerteilnehmer Jo Roland für Kontinuität, der wie stets die Romandie repräsentie...
1960, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

Immer in den geraden Jahren, wenn es den frankophonen Wallonen obliegt, den belgischen Eurovisionsbeitrag zu bestimmen, fallen die im Netz zum Vorentscheid auffindbaren Informationen eher spärlich aus. So auch 1960. Was wir wissen, ist, dass fünf Interpret:innen teilnahmen, darunter die 1958 als Grand-Prix-Repräsentantin Luxemburgs ausgewählte belgische Sängerin Solange Berry. Deren bekanntester (um nicht zu sagen: einziger bekannter) Hit ist das Lied 'Dis-moi quelque chose de gentil', welches sie zum Soundtrack des 1956er Skandalstreifens Und immer lockt das Weib (Et Dieu… créa la femme) beisteuerte, einem von der Kritik als "geiler Groschenroman" bezeichneten und von der Zensur massiv beschnittenen Kinofilm, mit dem der jungen französischen Schauspielerin Brigitte Bardot der internationa...
1958, Die Fünfziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser

ESC 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re

"Dreimal dabei: bitte nicht wiederwählen!" hieß es, die Älteren erinnern sich, in der ZDF-Hitparade immer dann, wenn sich ein Schlager zum dritten Mal in Folge "placiert" hatte, wie Dieter Thomas Heck es so schön pseudopolyglott aussprach. Dann durfte man als Zuschauer:in für selbigen keine Postkarte mehr schicken bzw. nicht mehr anrufen. Eine solche Regel existiert beim Eurovision Song Contest zwar logischerweise nicht, dennoch endete im dritten Jahr seines Bestehens die Dauerteilnahme von gleich zwei Künstlerinnen, die ihn beide bereits seit dem Start in Lugano begleiteten. Nämlich zum einen die Niederländerin und Vorjahressiegerin Corry Brokken, die auch diesmal die Tabelle anführte - allerdings vom anderen Ende aus gesehen. Das nenne ich mal einen harten Absturz! Wenn auch einen verd...
<span class="caps">ESC</span> 1956: Da hilft auch kein Flat­ti­ern
1956, Die Fünfziger, ESC Finale

ESC 1956: Da hilft auch kein Flat­ti­ern

"Wer hat's erfunden?": der bekannte Werbeclaim eines schweizerischen Hustenpastillenherstellers bildet die perfekte Überschrift zur Illustration des Disputes um die Urheberschaft des beliebtesten und erfolgreichsten Unterhaltungsevents der Welt, des Eurovision Song Contest. Gilt nach allgemeiner Übereinkunft und offizieller Geschichtsschreibung der seinerzeitige eidgenössische TV-Generaldirektor und verantwortliche Programmbeauftragte der Europäischen Rundfunkunion (EBU), Marcel Bezençon, als geistiger Vater des paneuropäischen Events, so reklamiert der britische Buchautor Gordon Roxburgh in seiner 2012 erschienenen Fibel Songs for Europe, Volume 1, zumindest eine Mittäterschaft des heimischen Schauspielers Michael Brennan und des damaligen BBC-Generaldirektors Sir Ian Jacob an der Einfü...