ESC 1962: Ring a tipi tii ding

Logo des Eurovision Song Contest 1962
Das Jahr des Schlag­zeugs

Luxem­burg gilt im All­ge­mei­nen als finan­zi­ell wohl­si­tu­ier­te euro­päi­sche Steu­er­flucht­oase. Um so merk­wür­di­ger mute­ten die anhal­ten­den Strom­schwan­kun­gen und mehr­fa­chen Licht­aus­fäl­le im RTL-Audi­to­ri­um wäh­rend der Grand-Prix-Über­tra­gung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infra­struk­tu­rell eher den Ein­druck eines Drit­te-Welt-Lan­des (oder der heu­ti­gen USA) ver­mit­tel­ten. Wohl auch, um Kos­ten zu spa­ren, gestal­te­te der Sen­der des Groß­her­zog­tums den Ablauf der Show ziem­lich zügig, die Lie­der folg­ten fast naht­los auf­ein­an­der. Das Anzie­hen des Tem­pos über­trug sich in wohl­tu­en­der Wei­se eben­falls auf das sen­der­sei­tig gestell­te, erstaun­lich druck­voll und prä­zi­se auf­spie­len­de Orches­ter. Fast konn­te man den Ein­druck gewin­nen, Rhyth­mus­in­stru­men­te wie das Schlag­zeug sei­en in die­sem Jahr erst erfun­den wor­den. Jeden­falls kamen sie erst­mals bei einer Viel­zahl der Wett­be­werbs­bei­trä­ge deut­lich hör­bar zum Ein­satz – und das tat dem Musik­me­nü sehr, sehr gut.

Auf­ge­trie­delt: Mari­on Rung (FI).

Wei­ter­le­senESC 1962: Ring a tipi tii ding

BE 1962: Vier mal eins macht null

Immer das glei­che Spiel in den gera­den Jah­ren beim bel­gi­schen Euro­vi­si­ons-Vor­ent­scheid: sobald die Wal­lo­nen dran sind mit dem Bei­trag des sprach­lich und kul­tu­rell gespal­te­nen Lan­des, las­sen sich – außer der schlich­ten Tat­sa­che, dass es eine Aus­wahl mit ins­ge­samt fünf Künstler/innen gab, dar­un­ter eine Dame namens Any Godet mit einer Hom­mage an die deut­sche Hafen­stadt ‘Ham­bourg’ – nur sehr spär­li­che Infor­ma­tio­nen recher­chie­ren. Und wie immer, wenn die Wal­lo­nen dran waren in den Anfangs­jah­ren, gewann Fud Leclerc (→ BE 1956, 1958, 1960) die­se Aus­wahl, nun schon zum vier­ten Male. Das macht ihn zum ein­zi­gen Grand-Prix-Ver­tre­ter, der sein Land so oft in der sel­ben Spra­che reprä­sen­tier­te, näm­lich auf Fran­zö­sisch. Es soll­te im benach­bar­ten Luxem­burg aller­dings sei­ne letz­te Teil­nah­me wer­den: mit dem leid­lich mid­tem­po­rä­ren Slow Fox ‘Ton Nom’ lie­fer­te er zwar das bes­te sei­ner vier Lie­der ab (oder, prä­zi­ser gesagt, das am wenigs­ten ein­schlä­fern­de), was ihm die ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Juro­ren jedoch mit → null Punk­ten heim­zahl­ten. Auch wenn in Fol­ge eines beson­ders unge­eig­ne­ten neu­en Wer­tungs­sys­tems noch drei wei­te­re Kolleg/innen an die­sem Abend das Schick­sal der völ­li­gen Punk­te­frei­heit mit Fud tei­len soll­ten, so bleibt er auf­grund der Auf­tritts­rei­hen­fol­ge doch der­je­ni­ge, der als aller­ers­ter Euro­vi­si­ons­künst­ler die gefürch­te­ten Nil Points erhielt.

Dein Name ist Cäptn Zero: Fud Leclerc.

Vor­ent­scheid BE 1962

Fina­le bel­ge du Grand Prix Euro­vi­si­on. Mon­tag, 19. Februr­ar 1962. Fünf Teilnehmer/innen.
#Inter­pretTitelPlatz
01Fud LeclercTon Nom1
02Robert Charles Lan­sonToi, mon Copain
03Any GodetHam­bourg
04Fer­ry DevosN’oubliez jamais
05Eric Chan­neToi, la Femme

ESC 1960: I shall die, die, die

Logo des Eurovision Song Contest 1960
Das Jahr der Show­mas­ter

Es ist ein offe­nes Euro­vi­si­ons­ge­heim­nis: nicht alle Delegationsleiter/innen freu­en sich, wenn ihre Künstler/in den Grand Prix gewinnt! Schließ­lich ver­bin­det sich beim Song Con­test mit dem Sieg die fes­te Erwar­tung, im nächs­ten Jahr die Show zu orga­ni­sie­ren, womit mas­si­ve Kos­ten auf die betrof­fe­ne TV-Sta­ti­on zukom­men. Heut­zu­ta­ge wird ein klei­ne­rer Anteil davon durch die Start­ge­büh­ren der ein­zel­nen Län­der auf­ge­fan­gen, doch in den Anfangs­jah­ren muss­te die aus­rich­ten­de Rund­funk­an­stalt die Sen­dung finan­zi­ell noch kom­plett allei­ne stem­men. Den Nie­der­län­dern, die 1959 zum zwei­ten Mal inner­halb von drei Jah­ren gewon­nen hat­ten, ging Spar­sam­keit über Natio­nal­stolz: sie sag­ten schlicht “nee”. Selbst­los sprang (übri­gens nicht zum letz­ten Mal) die BBC ein, was nicht nur am üppi­ge­ren peku­niä­ren Pols­ter des bri­ti­schen Sen­ders lag, son­dern auch an des­sen frisch gewähl­tem Unter­hal­tungs­chef, einem glü­hen­den Grand-Prix-Fan.

Die bri­ti­sche Mode­ra­ti­ons­le­gen­de Kat­ie Boyle kam 1960 zu ihrem ers­ten von ins­ge­samt vier Euro­vi­si­ons­ein­sät­zen, strahl­te aller­dings vor allem sno­bis­ti­sche Arro­ganz aus (kom­plet­te Show).

Wei­ter­le­senESC 1960: I shall die, die, die

Schwei­zer Vor­ent­scheid 1960: Le Java sans Tra­la­la

Welch’ ein Durch­ein­an­der in der sonst doch als so ordent­lich gel­ten­den Schweiz! Fehl­te beim hel­ve­ti­schen Vor­ent­scheid von 1959 bereits das Tes­sin als eines von drei aus Grün­den des Sprach­re­gio­nen­pro­por­zes stets zu reprä­sen­tie­ren­den Lan­des­tei­len, so lässt sich aus dem 1960er Line-up noch nicht ein­mal mehr her­aus­le­sen, wer nun für wel­chen Part der Eid­ge­nos­sen­schaft star­te­te. So stamm­te der ein­zi­ge (!) deutsch­spra­chi­ge Titel im Auf­ge­bot mit dem immer­grü­nen The­ma ‘Früh­ling’ von einem heu­te völ­lig ver­ges­se­nen Sän­ger mit ita­lie­ni­schem Namen, näm­lich Bian­co Caval­li­ni. Was auch noch klingt wie ein Tetra­pack-Tafel­weiß­wein aus dem Dis­coun­ter für 1,59 € der Liter. Als ein­zi­ge ver­läss­li­che Grö­ße sorg­te der eid­ge­nös­si­sche Dau­er­teil­neh­mer Jo Roland für Kon­ti­nui­tät, der wie stets die Roman­die reprä­sen­tier­te und mit ‘Ché­rie, Ché­rie’ (Lady?) fol­ge­rich­tig ein fran­zö­si­sches Chan­son anbot.

Im Rhein­land ein Gericht, in der Schweiz ein Euro­vi­si­ons­bei­trag: Ani­ta Tra­ver­si mit ‘Him­mel und Erde’.

Wei­ter­le­senSchwei­zer Vor­ent­scheid 1960: Le Java sans Tra­la­la

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

Immer in den gera­den Jah­ren, wenn es den fran­ko­pho­nen Wal­lo­nen obliegt, den bel­gi­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag zu bestim­men, fal­len die im Netz zum Vor­ent­scheid auf­find­ba­ren Infor­ma­tio­nen eher spär­lich aus. So auch 1960. Was wir wis­sen, ist, dass fünf Interpret/innen teil­nah­men, dar­un­ter die 1958 als Grand-Prix-Reprä­sen­tan­tin Luxem­burgs aus­ge­wähl­te bel­gi­sche Sän­ge­rin Solan­ge Ber­ry. Deren bekann­tes­ter (um nicht zu sagen: ein­zi­ger bekann­ter) Hit ist das Lied ‘Dis-moi quel­que cho­se de gen­til’, wel­ches sie zum Sound­track des 1956er Skan­dal­strei­fens Und immer lockt das Weib (Et Dieu… créa la femme) bei­steu­er­te, einem von der Kri­tik als “gei­ler Gro­schen­ro­man” bezeich­ne­ten und von der Zen­sur mas­siv beschnit­te­nen Kino­film, mit dem der jun­gen fran­zö­si­schen Schau­spie­le­rin Bri­git­te Bar­dot der inter­na­tio­na­le Durch­bruch gelang, wes­we­gen Solan­ges Signa­tur-Song oft­mals der Bar­dot zuge­schrie­ben wird. Wie zum Bei­spiel im nach­ste­hen­den You­tube-Video.

Von der Bar­dot groß gemacht, gesun­gen von Solan­ge (Reper­toire­bei­spiel).

Wei­ter­le­senBel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

ESC 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re

Logo des Eurovision Song Contest 1958
1958: Das Jahr des Déjà vu

Drei­mal dabei: bit­te nicht wie­der­wäh­len!” hieß es, die Älte­ren erin­nern sich, in der ZDF-Hit­pa­ra­de immer dann, wenn sich ein Schla­ger zum drit­ten Mal in Fol­ge “pla­ciert” hat­te, wie Die­ter Tho­mas Heck es so schön nann­te. Dann durf­te man als Zuschauer/in für sel­bi­gen kei­ne Post­kar­te mehr schi­cken bzw. nicht mehr anru­fen. Eine sol­che Regel exis­tiert beim Euro­vi­si­on Song Con­test zwar logi­scher­wei­se nicht, den­noch ende­te im drit­ten Jahr sei­nes Bestehens die Dau­er­teil­nah­me von gleich zwei Künst­le­rin­nen, die ihn bei­de bereits seit dem Start in Luga­no beglei­te­ten. Näm­lich zum einen die Nie­der­län­de­rin und Vor­jah­res­sie­ge­rin Cor­ry Brok­ken, die auch dies­mal die Tabel­le anführ­te – aller­dings vom ande­ren Ende aus gese­hen. Das nen­ne ich mal einen har­ten Absturz! Wenn auch einen ver­dien­ten: zwar zeich­ne­te sich kei­ner von Cor­rys Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen durch beson­de­ren Pepp aus, aller­dings erwies sich ihre dies­jäh­ri­ge Bal­la­de ‘Heel de Wereld’ (‘Die gan­ze Welt’) als von gera­de­zu bei­spiel­haf­ter Lan­ge­wei­le.

Dar­auf einen Ramaz­zot­ti! (CH)

Wei­ter­le­senESC 1958: Risot­to am Lago Mag­gio­re

ESC 1956: Da hilft auch kein Flat­ti­ern

Logo des Eurovision Song Contest 1956
Das Jahr des Anfangs

Wer hat’s erfun­den?”: der bekann­te Wer­be­c­laim eines schwei­ze­ri­schen Hus­ten­pas­til­len­her­stel­lers bil­det die per­fek­te Über­schrift zur Illus­tra­ti­on des Dis­pu­tes um die Urhe­ber­schaft des belieb­tes­ten und erfolg­reichs­ten Unter­hal­tungs­events der Welt, des Euro­vi­si­on Song Con­test. Gilt nach all­ge­mei­ner Über­ein­kunft und offi­zi­el­ler Geschichts­schrei­bung der sei­ner­zei­ti­ge eid­ge­nös­si­sche TV-Gene­ral­di­rek­tor und ver­ant­wort­li­che Pro­gramm­be­auf­trag­te der Euro­päi­schen Rund­funk­uni­on (EBU), Mar­cel Bezençon, als geis­ti­ger Vater des pan­eu­ro­päi­schen Events, so rekla­miert der bri­ti­sche Buch­au­tor Gor­don Rox­burgh in sei­ner 2012 erschie­ne­nen Fibel Songs for Euro­pe, Volu­me 1, zumin­dest eine Mit­tä­ter­schaft des hei­mi­schen Schau­spie­lers Micha­el Brenn­an und des dama­li­gen BBC-Gene­ral­di­rek­tors Sir Ian Jacob an der Ein­füh­rung des euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werbs.

Nur als Audio­mit­schnitt erhält­lich: der Pre­mie­ren­con­test von 1956.

Wei­ter­le­senESC 1956: Da hilft auch kein Flat­ti­ern