Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Ein in jeder Hin­sicht merk­wür­di­ger Euro­vi­si­ons­abend, den die ARD ges­tern auf die Bei­ne stell­te, und der es fer­tig brach­te, einer­seits Salz in die von der Coro­na-beding­ten Absa­ge des eigent­li­chen Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam ver­ur­sach­te Wun­de zu streu­en und gleich­zei­tig für lin­dern­des Lab­sal zu sor­gen. Ein wirk­lich gro­ßes Lob jeden­falls muss dem NDR aus­ge­spro­chen wer­den für die so eigen­sin­ni­ge wie rich­ti­ge Ent­schei­dung, aus der Simul­tan­aus­strah­lung des von­sei­ten der EBU orga­ni­sier­ten, zen­tra­len Ersatz­pro­gramms Euro­pe shi­ne a Light aus­zu­sche­ren und statt­des­sen ein eige­nes, deut­sches ESC-Fina­le zu pro­du­zie­ren. Sowie das letz­ten Sams­tag auf dem Spar­ten­sen­der One vor­aus­ge­gan­ge­ne Halb­fi­na­le, bei wel­chem die Zuschauer:innen und die hun­dert­köp­fi­ge NDR-Aus­wahl­ju­ry aus allen 41 Wett­be­werbs­bei­trä­gen (minus dem deut­schen) die zehn Titel für die gest­ri­ge Show bestimm­ten. Die fand nun aus­ge­rech­net in den prunk­vol­len Hal­len der skan­dal­um­wit­ter­ten Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie statt, nach dem Flug­ha­fen BER und Stutt­gart 21 das bekann­tes­te deut­sche Steu­er­geld-Mil­lio­nen­grab die­ses Jahr­hun­derts und somit ein augen­fäl­li­ges Sinn­bild für die Kri­se, in wel­che wir uns durch das per­ma­nen­te Leben über unse­re Ver­hält­nis­se hin­ein­ma­nö­vriert haben und von denen die aktu­el­le Pan­de­mie nur ein klei­ner (und ver­mut­lich noch der harm­lo­ses­te) Teil ist.

Sag ja zu PIN & TAN: das däni­sche Bank­be­am­ten­pär­chen.

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Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Dad­dy?

Wie bereits im Vor­jahr, als sich beim islän­di­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Söng­va­kepp­nin alles um einen ein­zi­gen Namen dreh­te, näm­lich um Hata­ri, stand auch 2020 alles im Schat­ten der Fra­ge: schafft es Daði Freyr Pétur­s­son dies­mal oder muss er sich, wie schon 2017 mit dem groß­ar­ti­gen ‘Is it Love?’, erneut geschla­gen geben? Die gute (und bereits seit Sams­tag­nacht bekann­te) Nach­richt: er schaff­te es! Gemein­sam mit sei­ner fünf­köp­fi­gen Begleit­band Gagna­ma­gnið (in etwa: Daten­vo­lu­men) konn­te er die fan­tas­tisch coo­le Retro-Syn­thie-Num­mer ‘Think about Things’ zum Sieg füh­ren, um die schon vor gut zwei Wochen ein Inter­net-Hype los­brach, nach­dem Daði den dazu­ge­hö­ri­gen, extrem selbst­iro­ni­schen Video­clip ver­öf­fent­lich­te und Pro­mi­nen­te wie Rus­sell Cro­we oder Jan Böh­mer­mann sel­bi­gen via Twit­ter ver­brei­te­ten. Es blie­ben die ban­gen Fra­gen: funk­tio­niert der Song auch live? Und wird das stets für eine Über­ra­schung gute islän­di­sche Publi­kum nicht doch lie­ber die blin­de Íva Marín Adri­chem mit ihrem eben­falls selbst­iro­nisch beti­tel­ten New-Age-Gejau­le ‘Ocu­lis vide­re’ (‘Augen kön­nen sehen’) nach Rot­ter­dam ent­sen­den, wo die klas­sisch aus­ge­bil­de­te Sän­ge­rin ohne­hin stu­diert?

Zu Recht gelobt: ich kann mir den Clip hun­dert­mal anschau­en und wer­fe mich immer wie­der weg.

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