Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Lie­be

Shaj’ (‘Schrei’), so heißt der alba­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam. Und genau so klingt er. Dass man in Tira­na nach dem letzt­jäh­ri­gen, zag­haf­ten Expe­ri­ment mit einem mode­rat auf­ge­frisch­ten Fes­ti­va­li i Kën­gës wie­der zum klas­si­schen For­mat mit ver­pflich­ten­der Orches­ter­be­glei­tung und aus­schließ­li­chem Jury­ent­scheid zurück­kehr­te, wies bereits den Weg: fol­ge­rich­tig wähl­te man auch beim Bei­trag ein alt­be­kann­tes Kon­zept, näm­lich das der dis­so­nant krei­schen­den Frau. Die heißt heu­er Ari­le­na Ara, stammt (wie Rona Nish­liu) gebür­tig aus dem Koso­vo und gewann 2013 die Cas­ting­show X‑Factor. Die dort gelern­ten Lek­tio­nen beher­zig­te sie denn auch bei ihrem sieg­rei­chen FiK-Auf­tritt: es kommt nicht dar­auf an, sau­ber zu into­nie­ren oder sich emo­tio­nal invol­viert zu zei­gen. Haupt­sa­che, du schreist mög­lich lan­ge und mög­lich laut, um die Juror/innen zu beein­dru­cken. Ari­le­nas vom maze­do­ni­schen Song­schrei­ber Dar­ko Dimitrov (‘Proud’) rein auf Ober­flä­che hin kom­po­nier­te Stan­gen­wa­re-Bal­la­de bot ihr dazu das per­fek­te Vehi­kel. “Ein ‘Ice­brea­ker’, der ger­ne ‘Suus’ sein möch­te” fass­te im ESC-Nati­on-Chat ein Mit­kom­men­ta­tor das Wesen der völ­lig ste­ril blei­ben­den Num­mer sehr tref­fend zusam­men, die jedoch sowohl im Kon­gress­zen­trum von Tira­na als auch in den Fan-Foren auf gro­ßen Applaus stieß.

Nicht für das Leben, son­dern für die Prü­fung ler­nen wir: Ari­le­na Ara drück­te bei den Juror/innen erfolg­reich alle Knöp­fe.

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Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2019

Nichts geht doch über das lieb gewon­ne­ne Vor­weih­nachts­ri­tu­al des Fes­ti­va­li i Kën­gës (FiK)! Bereits zum 58. Mal fin­det das tra­di­ti­ons­rei­che, wie der Euro­vi­si­on Song Con­test selbst am Vor­bild des ita­lie­ni­schen San-Remo-Fes­ti­val geschul­te Lie­der­fest heu­er statt und dient erneut als Vor­ent­scheid für Rot­ter­dam. Nach einem eben­so halb­her­zi­gen wie umstrit­te­nen Moder­ni­sie­rungs­ver­such mit­tels einer Halb­play­back­run­de kehr­te der alba­ni­sche Sen­der RTSH dies­mal flugs zur alt­ge­wohn­ten Aus­rich­tungs­form mit klas­si­schem, gro­ßem Rund­funk­or­ches­ter und zwei Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den zu je zehn Kombattant/innen zurück. Eben­so tra­di­tio­nell auch die jeweils (!) fünf­und­vier­zig­mi­nü­ti­ge (!!) Ver­spä­tung, mit der bei­de (!!!) Semis sowohl am Don­ners­tag als auch am Frei­tag star­te­ten und die RTSH mit einer End­los­schlei­fe des ewig­glei­chen Wer­be­blocks über­brück­te, den wir natür­lich wäh­rend der Live-Show eben­falls mehr­fach über uns erge­hen las­sen muss­ten. Ver­lass war eben­so auf die tech­ni­schen Pan­nen: so kämpf­te die char­man­te Gast­ge­be­rin der bei­den Aben­de, die jede Wer­be­pau­se nutz­te, um in ein neu­es, aus jeweils unter­schied­li­chen Grün­den auf­se­hen­er­re­gen­des Kleid zu schlüp­fen, und die sämt­li­che Schnell­sprech­re­kor­de von Die­ter Tho­mas Heck atem­los in den Schat­ten stell­te, mit einem Wackel­kon­takt in ihrem Head­set. Den­noch dau­er­te es eine geschla­ge­ne hal­be Stun­de, bis man ihr ein stö­rungs­frei funk­tio­nie­ren­des Hand­mi­kro­fon anreich­te.

Show­trep­pen, Show­tän­ze, gra­vi­tä­ti­sches Schrei­ten und eine hüb­sche Über­ra­schung am Ende: Elva­na Gja­ta soll­te Kur­se in kor­rek­ter Euro­vi­si­ons-Cho­reo­gra­fie geben. Wehe, das gewinnt nicht!

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