IT 1966: Rebel Yell

Dass beim typi­schen Ita­lie­ner ger­ne mal die Emo­tio­nen hoch­ko­chen, ist ein nur all zu bekann­tes Kli­schee, wel­ches sich bei dem auch 1966 erneut als Grand-Prix-Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­ren genutz­ten San-Remo-Fes­ti­val (SRF) mal wie­der auf das Schöns­te bestä­tig­te. Anders als in den bei­den Vor­jah­ren, wo die RAI als Zweit­be­set­zung für jeden Wett­be­werbs­bei­trag einen inter­na­tio­na­len Star zwin­gend vor­schrieb und damit für eine extrem glanz­vol­le Ver­an­stal­tung mit hoch­ka­rä­ti­gen Namen sorg­te, beließ man es dies­mal bei einer ent­spre­chen­den Emp­feh­lung. Was zur Fol­ge hat­te, dass die Zahl der inter­na­tio­na­len Gast­stars zwar nicht auf Null zurück­ging, aber deut­lich sank. Und sich kein ein­zi­ger deut­scher Künst­ler mehr im Auf­ge­bot befand. Dafür kehr­ten die bei­den ita­lie­ni­schen Top­stars Dome­ni­co Modug­no (→ IT 1958, 1959) und Adria­no Cel­en­ta­no zurück. Letz­te­rer schei­ter­te mit sei­nem stark auto­bio­gra­fi­schen Titel ‘Il Raga­z­zo del­la Via Gluck’ (‘Der Jun­ge aus der Gluck-Stra­ße’) zwar bereits im Semi­fi­na­le des SRF an den Juro­ren. Doch der von zahl­rei­chen inter­na­tio­na­len Künstler/innen in den ver­schie­dens­ten Spra­chen der Welt geco­ver­te, melan­cho­li­sche Song ent­wi­ckel­te sich im Anschluss zu einem sei­ner größ­ten Hits (#2 IT) und wur­de, zumin­dest in Ita­li­en selbst, zu Adria­nos musi­ka­li­schem Aus­hän­ge­schild. Cel­en­ta­no hat­te aber noch ein zwei­tes Pferd im Ren­nen, näm­lich sei­ne ehe­ma­li­ge Begleit­band I Ribe­li (“Die Rebel­len”), die – ganz ähn­lich wie The Shadows (→ UK 1975), ihres Zei­chens die Back­up-Band von Cliff Richard (→ UK 1968, 1973) – auch ohne den Meis­ter erfolg­reich auf­tra­ten und dabei vor allem Cover­ver­sio­nen von den Beat­les oder den Tre­me­loes zum Bes­ten gaben. Und die­se Rebel­len sorg­ten beim alt­ehr­wür­di­gen San-Remo-Fes­ti­val für mas­si­ve Auf­ruhr.

Bon­gior­no, Tris­tes­sa: Adria­no mit sei­ner lied­ge­wor­de­nen Auto­bio­gra­fie.

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IT 1965: Walk like a Man

Welch’ ein Höhen­flug: die 1964 erst­mals exe­ku­tier­te Idee der San-Remo-Macher, sich inter­na­tio­na­le Top-Stars zum euro­pa­weit berühm­ten Fes­ti­val ein­zu­la­den, wel­che dort die Zweit­va­ri­an­te der von hei­mi­schen Künst­lern vor­ge­stell­ten Lie­der san­gen, hat­te nicht nur den ohne­hin schon her­aus­ra­gen­den Gla­mour-Fak­tor der Gala noch ein­mal in unge­ahn­te Höhen getrie­ben, son­dern auch das musi­ka­li­sche Niveau der Lie­der gestärkt – und sogleich bei der Pre­miè­re des neu­en Kon­zepts für Ita­li­ens ers­ten Euro­vi­si­ons­sieg gesorgt! Kein Wun­der, dass die RAI das For­mat auch 1965 bei­be­hielt. Was aller­dings unter dem lan­des­ei­ge­nen San­ges­per­so­nal nicht auf unge­teil­te Zustim­mung stieß: eini­ge eta­blier­te San-Remo-Stars, wie z.B. Adria­no Cel­en­ta­no, blie­ben dem Wett­be­werb aus Pro­test fern. Auch der in der ver­gan­ge­nen Deka­de beim Fes­ti­val und dar­über hin­aus äußerst erfolg­rei­che Can­t­au­to­re Dome­ni­co Modug­no (→ IT 1958, 1959, 1966) fehl­te: sein Bei­trag hat­te die Vor­auswahl nicht über­lebt. Das glei­che Schick­sal ereil­te den Rent­ne­rin­nen­schwarm Clau­dio Vil­la (→ IT 1962, 1967). Dafür ging die Vor­jah­res­sie­ge­rin und Grand-Prix-Gewin­ne­rin Giglio­la Cin­quet­ti (→ IT 1964, 1974) wie­der an den Start: ihre aktu­el­le Bal­la­de ‘Ho biso­gno di veder­ti’ (deren Zweit­fas­sung nie­mand Gerin­ge­res als Con­nie Fran­cis sang!) zählt aller­dings lei­der nicht zu ihren stärks­ten Titeln, auch wenn es zu einer Final­teil­nah­me und einer Top-Ten-Plat­zie­rung in den hei­mi­schen Charts reich­te.

Der Bril­len­schlumpf fängt an: Nico­la di Bari gibt alles.

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IT 1964: Gib mir noch Zeit

Wel­che Bedeu­tung das San-Remo-Fes­ti­val zu sei­ner Blü­te­zeit weit über die Gren­zen Ita­li­ens hin­aus hat­te, ver­mag man sich heut­zu­ta­ge kaum noch vor­zu­stel­len. Eine leich­te Ahnung davon ver­mit­telt der Blick auf die Inter­pre­ten­lis­te des als Grand-Prix-Vor­ent­scheid genutz­ten Wett­be­werbs im Jah­re 1964. Da kam die aus­füh­ren­de Sen­de­an­stalt RAI näm­lich auf die gran­dio­se Idee, die Zweit­ver­sio­nen der im Semi­fi­na­le vor­ge­stell­ten 24 Lie­der von inter­na­tio­na­len Stars sin­gen zu las­sen, um den Duft der gro­ßen wei­ten Welt in die ohne­hin schon gla­mou­rö­se Ver­an­stal­tung zu holen. Und das Ver­rück­te: die ein­ge­la­de­nen Gäs­te kamen auch! So nahm bei­spiels­wei­se neben der Ita­lie­ne­rin Mil­va auch die Fran­zö­sin Fri­da Boc­ca­ra (→ FR 1969) die ‘Letz­te Stra­ßen­bahn nach Mit­ter­nacht’, zusätz­lich zum hei­mi­schen Swing-Sän­ger Nico­la Ariglia­no mach­te sich auch der deut­sche Rock’n’Roller Peter Kraus (‘Sugar Baby’) auf den Marsch der ’20 Kilo­me­ter nach Mor­gen’, und von dem herr­lich pit­to­res­ken Tou­ris­mus-Wer­be­schla­ger ‘Son­ne, Piz­za und Lie­be’ gab es eben­falls gleich zwei Ver­sio­nen.

Sole, Piz­za, Amo­re’ – was mehr will man von einem Ita­li­en-Urlaub? Nur war­um bei 1:20 Minu­ten die Frank­fur­ter Kai­ser­stra­ße Erwäh­nung fin­det, will mir nicht in den Kopf!

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