Schlagwort-Archiv: Georgien

Bei jedem Kuss (Finale 2013)

Eurovision Song Contest 2013 LogoNun liegt er also hinter uns, der Eurovision Song Contest 2013. Etliche Änderungen nahmen die schwedischen Veranstalter am bestehenden Konzept vor, selbstredend begleitet von reflexhaftem Weltuntergangsgejammer der Fans: eine deutlich kleinere Halle gab es, keine LED-Orgie bei der Beleuchtung, nur Stehplätze im Innenraum, ein verändertes Stimmauszählungsverfahren und eine handgemachte Startreihenfolge. Und was soll man sagen: die Welt ging nicht unter – im Gegenteil entpuppte sich die Show aus Malmö als intimer, freundlicher, runder. Was vor allem der großartigen Selbstironie geschuldet ist, mit der die gastgebenden Schweden sich selbst und den Contest sanft auf die Schippe nahmen. Seien es die fabelhaften Einspieler von Sarah Dawn Finer als Lynda Woodruff, Moderatorin Petra Mede selbst oder der zum Brüllen komische Kurzauftritt der Eurovisionslegende Carola, die sich als Part des Interval Acts von ihrem Markenzeichen, der Windmaschine, zu ‘Fångad av en Stormvind’ von der Bühne pusten ließ. Und damit auch bei mir, einem bekennenden Carola-Hasser, Coolnesspunkte erwarb. 

Eurovision 2013 Grand Final – Interval Act (Sweden)

Kann ich gar nicht oft genug sehen: der Fall der Schlagerhexe (bei 4:45 Min.)

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Spätere Heirat nicht ausgeschlossen (2. Semi 2013)

Logo ESC 2013 2. Semi“Wie der Philosoph schon sagt: es steckt eine Frau im Rock eines jeden großen Mannes”: schöner hätte Gastgeberin Petra Mede (ich bleibe dabei: ein Glücksgriff für den Grand Prix) den letzten Auftritt des heutigen Abends, Rumäniens Transsylvestie-Star Cezar, nicht abmoderien können. Ein wunderschön runder Eurovisionsabend liegt hinter uns, mit einem wunderschön runden Ergebnis: 90% verdiente Finalisten, das findet sich selten in einer Qualifikationsrunde. Ärgern dürften sich nur die Verschwörungstheoretiker: mit Mazedonien und Albanien schieden heute auch noch die letzten Balkanstaaten aus, der Balkanblock ist damit Geschichte und hat als Ausrede für schlechte Westergebnisse ausgedient.

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Sechster Probentag in Malmö: zweites Semi, die Chancen

Ein langer Tag liegt vor uns: in Malmö proben heute die 17 Semifinalisten der zweiten Qualifikationsrunde vom Donnerstag zum zweiten Mal. Wie die Blogger berichten und meine Facebook-Meldungen mir bestätigen, trudeln immer mehr Fans in Malmö ein, das EuroFanCafé und der EuroClub füllen sich und die ersten bizarren Musikwünsche werden gespielt. Auch die deutsche Delegation landete heute in Schweden. Wenden wir uns aber nun den Teilnehmern des zweiten Semis und ihren Finalchancen zu, basierend auf dem heutigen Probentag.

Eurovision 1991 Finland – Kaija – Hullu yö

EuroClub-Track des Tages: ‘Hullu yö’ (FI 1991)

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Essenzielles aus Italien!

So, und damit steht nun auch der letzte Beitrag für den Eurovision Song Contest 2013 fest. Es ist ein Lied, welches wir bereits kennen:  ‘L’Essenziale’, den Siegertitel des San-Remo-Festivals 2013, wird Marco Mengoni in Malmö zu Gehör bringen. Und auch, wenn ein Teil von mir sich laut schreiend auf dem Boden wälzen und sich die Haare ausreißen möchte, weil auch der allerletzte verfügbare Platz nun mit noch einer Ballade belegt wurde, so freut sich klammheimlich der andere Teil, der sich bei der Siegerreprise dann im Zweifel doch viel lieber von einem rehäugigen Ragazzo mit Mafiabärtchen ansülzen lassen möchte als von einem unerträglichen Nell&Icki-Abklatsch aus dem Kaukasus oder einer missionarischen russischen Whitney-Hohloch-Imitatorin.

Marco Mengoni – L'Essenziale (Italy) 2013 Eurovision Song Contest Official Video

Don’t call it Koteletten!

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Georgien will es um jeden Preis

Seit 2007 ist Georgien erst beim Eurovision Song Contest dabei, und seither arbeitet der Kaukasusstaat hart und ehrgeizig auf einen Eurovisionssieg hin. Verschiedenste Strategien kamen bereits zur Anwendung: bacchantische Länderpartys für die Schwurnalisten vor Ort, auf denen der georgische Wein in Strömen floss und für die vermutlich das halbe Staatsbudget drauf ging. Eine Blinde mit siegeleskem Friedenskitsch. Hochleistungsballette. Sophos, immer wieder Sophos. Und sogar dieses moderne Teufelszeug da: Rock. Diesmal schaute man sich die Strategie vom Nachbarland Aserbaidschan ab und bestellte ab Werk in Schweden, natürlich bei keinem Geringeren als Thomas G:son. Und wenn man sich das heute erstmals in voller Länge präsentierte Ergebnis anschaut, lautete der Auftrag wohl: schreib uns eine große Eurovisionsballade für ein sich anschmachtendes Pärchen, so wie bei Nell & Icki; mit noch mehr langgezogenen und hohen Tönen, um die Juroren zu beeindrucken; mit einer noch klobigeren Rückung für die klassisch gestrickten Fans; noch glatt polierter; mit noch höherem Kitschfaktor und ohne dieses anvantgardistische “Oh-oh”-Backgroundgefiepse! Und Herr G:son lieferte wie bestellt. Von einem Song mit eigener Seele stand ja schließlich nichts im Anforderungsschein…

Nodi Tatishvili & Sophie Gelovani – Waterfall (Georgia) 2013 Eurovision Song Contest

Erfüllen ebenfalls alle Anforderungen: Sopho & Nodi

Wohl eher eine rhetorische Frage: kommt Georgien ins Finale?

  • Na sicher! Die Juroren lieben so einen altbackenen Schleim! (43%, 52 Votes)
  • Ja, und zu Recht! Eine wunderschöne Grand-Prix-Ballade. (31%, 38 Votes)
  • Nein. Das ist zu dick aufgetragen, das will niemand. (26%, 32 Votes)

Total Voters: 122

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Georgien: ein Wasserfall des Eurokitschs

Erste Ausschnitte des georgischen Beitrags sind dank ESCkaz seit heute zu hören. Nach dem berechtigten Desaster mit dem Unkomiker Anri Jokhazde in Baku ging der Kaukasusstaat diesmal auf Nummer Sicher und buchte den schwedischen Fließbandschreiber Thomas G:son (‘Euphoria’) als Komponisten für sein bereits vorab intern bestimmtes Sangespärchen Sopho (wie sonst?) Gelovani und Nodiko Tatishvili. Der schrieb den beiden Castingshowsternchen eine vor Kitsch nur so triefende Euroballade namens ‘Waterfall’, von dem in einem Aufmacherbericht in den georgischen Hauptabendnachrichten (!) schon mal die brechreizerregendsten Bruchstücke präsentiert wurden. Und mehr muss man von der Nummer auch gar nicht hören, um zu wissen, dass die Zuschauer über 70 und die Juroren aller Voraussicht nach auf diesen Superschleim steil gehen dürften und das Finale schon mal so gut wie eingetütet ist. Leider.

Sophie and Nodi (Georgia) recording "Waterfall" – song for Eurovision 2013

Schickes Nachrichtenstudio, da dürfte selbst das ZDF neidisch werden!

Das georgisch-mazedonische Duett-Duell

So, herzlich willkommen im Jahr 2013 (in dem sich Hardcore-Eurovisionsfans ja bereits seit Ende Mai 2012 befinden). Während der kleinen Feiertagspause von aufrechtgehn.de nominierten gleich zwei Länder ihre Vertreter für Malmö, nämlich Mazedonien und Georgien. Und beide entschieden sich für Duos. Die Frühere Jugoslawische Republik ließ sich dabei vom verhältnismäßig guten Erfolg ihrer letzten Sängerin Kaliope Buklé an der Wertungstafel und in der Fan-Kritik leiten und präsentiert mit der 69jährigen Esma Redžepova einen weiteren lebenserfahrenen Balkan-Superstar. Die im gesamten exjugoslawischen Raum verehrte “Königin der Zigeuner”, deren bekanntester Hit Čaje Šukarije aus dem Jahre 1961 (!) stammt, ist nicht nur für ihre Songs bekannt, sondern wird dort auch für ihr Engagement für Waisenkinder, von denen sie 47 adoptierte, geschätzt. Und wo wir gerade bei Kindern sind: da etablierte Best Ager beim Eurovision Song Contest ja ein wenig 2012 sind, stellt der mazedonische Sender Esma noch einen etwas jüngeren Kollegen singend zur Seite…


So in der Art könnte das aussehen und klingen: Esma 2002 im Duett mit dem leider verstorbenen ESC-Teilnehmer Toše Proeski

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Von Mönchen und Blutsaugern: 2. Probe GE, TR

Ein Carcrash-Doppel beschließt die heutige Probenrunde der zweiten Semifinalisten (gefolgt von den ersten Proben der Big 6, mit Roman Lob als Starter). Anri Jokhazde aus Georgien pellt sich zum Auftakt seines grauenerregenden und in augenscheinlich parodistischer Absicht vorsätzlich schmerzhaft schief gesungenen Nicht-Liedes ‘I’m a Joker’ aus einer roten Mönchskutte, patscht ein paar Mal tuntig auf eine riesige weiße Trommel (das ist dermaßen 2005!) und gebärdet sich auch anschließend wie der uneheliche Sohn von Liberace und Krassimir Avramov. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in der Geschichte der Eurovision eine flehendlichere Bitte um die Verleihung der Roten Laterne gesehen zu haben!


“Sie scheinen mich hier zu mögen”: Can (TR)

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Sie scherzen? 1. Probe Georgien, Türkei

Ugh. Anri Jokhazde. Ganz ehrlich: mir ist die georgische Nummer rundweg zu doof, um mich damit ernsthaft auseinanderzusetzen. Ein billig blondiertes Tuntenbärchen, vier Tänzerinnen in gigantischen Rollatoren, eine mit Glitzerstoff bespannte Flüstertüte und ein wehrloser Flügel. Sowie drei Minuten unangenehmstes Geschreie. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Sollte Putin das Land doch noch vollannektieren, wäre es mir recht: dann müssen wir sowas wenigstens nie wieder ertragen.


Mach’s bitte einer weg: Anri (GE)

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Isch möschte das nicht! (GE 2012)

Georgien hat heute den Begriff “Comedybeitrag” neu definiert. Das bislang hauptsächlich für seine Sophos bekannte Kaukasusland schickt einen mit hängenden Hosenträgern, Stripperfliege und Micky-Maus-Handschuhen bekleideten Grottenolm nach Baku, der von sich behauptet: ‘I’m a Jocker’. Ja, ganz recht, mit “ck”. 1Er reimt das mit vielen anderen Zuschreibungen wie “Rocker”, aber auch “Stalker”, und genau so sieht er auch aus. Man kann diese Nummer mit Worten nicht beschreiben, sondern muss sie mit eigenen Augen sehen, um einen Eindruck ihrer völligen Unfasslichkeit zu gewinnen. Daher hier, auf eigene Gefahr und ohne weitere einleitenden Worte: Anri Jokhadze!


Horst Schlämmer ist ein Sexgott gegen ihn: Anri

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Notes:

  1. Dem Urban Dictionary zufolge ist ein “Jocker” ein schwuler Top (dominanter, ausschließlich aktiver Part beim Sex). Verratet das aber nicht der EBU, die zensieren den georgischen Beitrag sonst wieder!