Schlagwort: Georgien

Der mit sei­nen abtrün­ni­gen Regio­nen und der ehe­ma­li­gen Besat­zungs­macht Russ­land kämp­fen­de Kau­ka­sus­staat nutzt den ESC in ers­ter Linie als kul­tu­rel­les und / oder poli­ti­sches Schau­fens­ter nach Euro­pa. Schickt ent­we­der eine Sopho oder einen aggres­siv röh­ren­den Kerl.
Dabei seit: 2007; Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: eine.

2020, Die Zwanzigzwanziger

Geor­gi­en 2020: Nimm mich, so wie ich bin

Noch nachzureichen gilt es den gestern veröffentlichten georgischen Beitrag zum Eurovision Song Contest 2020. Das Kaukasusland hatte bereits am Silvesterabend 2019 im Rahmen einer Castingshow den kernigen Tornike Kipiani zu seinem Vertreter bestimmt. Dessen bisheriges Repertoire erweckte zunächst die Hoffnung auf etwas sehr Lautes, sehr Düsteres. Doch, leider: seine nun vorgestellte Rocknummer 'Take me as I am' fiel vergleichsweise zahm und melodisch aus, der Georgier hält sich mit dem für ihn sonst charakteristischen Anschreien ziemlich zurück und überlässt gar zwei engelsgleichen Frauenstimmen Teile des Refrains. Was nicht heißen soll, dass der Song nicht noch immer positiv herausstäche aus der beigen, auf Sicherheit komponierten Midtempo-Kacke, mit der die meisten Konkurrenten das Feld ...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipia­ni nach Rot­ter­dam

Den Silvesterabend 2019 wählte das georgische Fernsehen als prominenten Sendeplatz für das Finale der aktuellen Staffel der Castingshow Sakartvelos Varskvlavi, hierzulande bekannt als DSDS. Spannungsarm ging diese zu Ende: wie bereits in ausnahmslos allen vorangegangenen Runden setzte sich der 32jährige Tornike Kipiani auch im Finale spielend gegen drei verbliebene Konkurrent/innen durch und vertritt damit das Kaukasusland beim Eurovision Song Contest 2020. Sein Beitrag für Rotterdam steht allerdings noch nicht fest: die Show diente heuer nur zur Ermittlung des Interpreten. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man spekuliert, dass es laut und düster werden dürfte, denn heiser Gegröhltes ist die Spezialität von Kipiani. 2014 gewann er bereits die georgische Ausgabe der Ko...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die Kraft zum Coming Out gab. Zehn Jahre später listete das US-amerikanische Magazin OUT den Showmaster, Filmemacher...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 7 – Sul tsin iare

Mit dem georgischen Beitrag schaffte es ein Lied in meine Top Ten, das in den meisten Fan-Polls und in den Wettbüros ganz weit unten landete. Dabei gelang es der ehemaligen Sowjetrepublik, von der EBU-Zensur unbemerkt ein hochgradig politisches Werk in den Wettbewerb zu schmuggeln, was alleine mir schon Respekt abnötigt. Platz 7: Georgien - Oto Nemsadze: Sul tsin iare (Mach weiter) Denn das mit für westliche Ohren mit beinahe schon ans Komische grenzender Inbrunst gesungene "Vaarada varada!", das der bärige Hipster und sein Gefangenenchor im Refrain ein ums andere Mal in stetig steigender Dringlichkeit wiederholen, ist, wie Oto im Interview mit ESC Kompakt erklärte, ein althergebrachter Refrain in traditionellen Gesängen in den vom georgischen Mutterland abtrünnigen Regionen Abchasien ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Geor­gi­en 2019: Fly­ing the Flag

Ein "streng patriotisches" Lied über die "Stärke Georgiens" und dem Wunsch nach einem "Ende des Krieges und der Konflikte", so die Beschreibung des Kaukasus-Korrespondenten von Wiwibloggs, gewann gestern Abend im Finale von Sakartvelos varskvlavi (Georgien sucht den Superstar) das Ticket nach Tel Aviv. Die seit Monaten laufende Castingshow fand mit vier verbliebenen Kandidat/innen ihren Abschluss, welche sich lediglich drei Lieder teilen mussten: sowohl der ausgesprochen niedliche Giorgi Nakashidze als auch der in seinen zirka vier Nummern zu großen Klamotten und mit Manbun eher nach einem Obdachlosen als nach einem Hipster aussehende Jazzsänger Oto Nemsadze brachten die siegreiche, von einem massiven Flaggeneinsatz begleitete Rockballade 'Sul tsin iare' ('Immer weiter') zum Vortrag. Und z...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Ukrai­ni­sches Fern­se­hen stellt Aus­strah­lung ein

"Extreme Besorgnis" äußerte der EBU-Oberste Noel Curran heute in einer Pressemitteilung hinsichtlich der Lage der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt UA:PBC, nachdem diese aufgrund fehlender Geldmittel die analoge Verbreitung ihrer Programme im Lande stoppen musste. Dieses Jahr habe der Sender, der nach den Worten Currans ohnehin "mit einem der kleinsten Budgets Europas" auskommen müsse, lediglich die Hälfte der ihm nach den nationalen Festlegungen gesetzlich zustehenden Finanzmittel erhalten. UA:PBC zeichnet auch für die ukrainische Eurovisionsteilnahme verantwortlich (wobei der Vorentscheid Vidbir auf einen privaten Musikkanal ausgelagert wurde, um Kosten zu sparen) und hatte erst in dieser Woche bekräftigt, in Tel Aviv an den Start gehen zu wollen. Sollte die Anstalt ihren ...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

GE 2018: Neu­es aus Pora­da Nin­fu

Liebes georgisches Fernsehen, nur so als Tipp: wenn man schon mit voller Absicht als Letzter auf der Party einläuft, so für das standesgemäß große Entree, dann sollte der Auftritt auch überzeugen. Gespannt waren die Erwartungen, nachdem Ihr, mit schon seinerzeit wirklich unnachahmlichem Gefühl fürs Timing, am vergangenen Silvesterabend, nur wenige Stunden vor Mitternacht, Eure intern ausgewählte Vertreter verkündetet: Iriao, eine siebenköpfige Ethno-Jazz-Band rund um den um den auch in Deutschland tätigen Komponisten David Malazonia, welche laut Eigenbeschreibung die von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe gezählte, nur im Kaukasus praktizierte polyphone Gesangstechnik des Chakrulo, eines „dreiteiligen Trinkliedes zur Vorbereitung auf die Schlacht, mit zwei reich verzierten individ...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en wan­delt 2018 auf Sal­va­dors Pfa­den

Salvador Sobrals Eurovisionssieg und seine Folgen: unter diesem Rubrum muss man wohl die Meldung verbuchen, die das georgische Fernsehen mit wirklich unnachahmlichem Gefühl fürs Timing am Silvesterabend 2018, nur wenige Stunden vor Mitternacht, in die Welt setzte. In Tiflis besinnt man sich nämlich angesichts des Durchmarschs von "echter Musik" beim ESC 2017 auf seine eigenen Wurzeln zurück, verfügt das Kaukasusland mit der dort praktizierten polyphonen Gesangstechnik des Chakrulo doch über eine von der UNESCO zum Weltkulturerbe gezählte Tradition, von welcher man erst in diesem Jahr eine Aufnahme zu Nachlasszwecken ins Weltall entsandte. Als "dreiteiliges Trinklied zur Vorbereitung auf die Schlacht, mit zwei reich verzierten individuellen Parts gegen einen sich langsam bewegenden Drohen-C...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #5: Cry me a River

Im fünften Zweikampf unseres Leser/innen-Spiels widmen wir uns einer bei vielen Fans äußerst beliebten Spezies: der schreienden Frau. Lautstärke und langgezogene Töne bringen nicht nur viele Jurorenherzen zum Schmelzen, sondern sorgen auch bei etlichen Eurovisionistas für Ohrgasmen. Eine Technik, die gerade die Albanerinnen besonders gut beherrschen, und so sollte es nicht verwundern, dass unsere erste heutige Kämpferin für das Land der Skipetaren antritt. Die in den USA lebende Kosovarin behauptet in ihrer ethno-angehauchten, hochdramatischen Ballade 'World' zwar, des Kampfes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unberechtigte Frage: "What’s this fight all for"? Doch so ganz möchte man der 28jährigen diese Antikriegs-Attitüde nicht abnehmen. Würde sie sonst mitten im ...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en 2017: they still don’t wan­na put in

Vor acht Jahren, als der Eurovision Song Contest in Moskau stattfand, da gewann die gestrige Siegerin der georgischen Vorentscheidung, Tako Gachechiladse, schon einmal die Auswahl ihres Landes, seinerzeit noch als Teil der Formation 3G. In Moskau singen durfte sie damals aber trotzdem nicht, denn ihr seinerzeitiges discotastisches Liedchen hieß 'We don't wanna put in' und erregte den Unwillen des russischen Machthabers Vladmir Putin, auf den der Text der Nummer dann doch etwas zu unsubtil zielte. Die EBU zog die rote "Keine Politik"-Karte, Georgien seinen wohl auch als bewusste Provokation gedachten Beitrag zurück und Tako bleib zu Hause. Gestern Nachmittag nun (aufgrund der Zeitverschiebung begann die georgische Vorentscheidung bei uns schon um 17 Uhr) setzte sie sich als Solosängerin mit...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper möglichst textilfrei der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wie...
2016, Die Zwanzigzehner

Kei­ne Ster­ne in Tel Aviv: die ers­ten ESC-Remi­xe sind da!

Mit dem schwedischen Melodifestivalen, traditionell immer nur wenige Tage vor dem offiziellen Abgabetermin aller Beiträge bei der EBU terminiert, ging gestern Abend die Vorentscheidungssaison für den Eurovisionsjahrgang 2016 zu Ende. Noch aber wartet die Welt mit angehaltenem Atem auf zwei offene Beiträge und zwei ESC-Versionen bereits gewählter Titel. Während bereits seit geraumer Zeit feststeht, dass die Albanerin Enada Tarifa ihr in der Originalfassung sterbensschönes 'Përrallë' in Stockholm in einer (noch nicht veröffentlichen) anglifizierten Version als 'Fairytale Love' verhunzt, stieg in Rom noch immer kein weißer Rauch auf: ob die San-Remo-Zweite Francesca Miechelin 'Nessun Grade di Separazione', wie von den Fans erhofft, in Landessprache singt oder ebenso den Fehler begeht, auf Eng...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Lea­ving all my Mid­ni­ght Gold in Geor­gia

Als Georgiens Vertreter beim Eurovision Song Contest 2016 stand die intern ausgewählte Indie-Rock-Kapelle Young Georgian Lolitaz schon seit Mitte Dezember 2015 fest. Hinsichtlich des Songs schrieb der Sender des Kaukasusstaates einen internationalen Komponistenwettbewerb aus, und angeblich seien mehr als 100 Vorschläge eingegangen. Ob da auch was vom Siegel dabei war? Fünf davon schafften es jedenfalls in die engere Wahl, interessanterweise alle von Menschen aus dem Umfeld der Band oder dem Leadsänger Nika Kocharov selbst verfasst. Am 4. Februar 2016 stellte der Sender GBP sie der Öffentlichkeit vor und spielte sie seither regelmäßig im Programm. Seitdem durften die Georgier/innen per SMS voten, und - das nenne ich mal eine Wahlbeteiligung! - rund 1.500 Stimmen gingen bis heute ein. Mehr a...
2016, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en schickt männ­li­che Loli­tas

Young Georgian Lolitaz, so nennt sich die aus mittelalten, halbverwilderten Herren bestehende Indie-Rock-Kapelle, welche die Georgier heuer zum Song Contest entsenden. Die von Frontmann Nika Kocharov geleitete Elektro-Alternative-Band steht allerdings bislang noch eigenen Beitrag da, der Sender GBP schreibt daher einen offenen Komponistenwettbewerb aus: bis 8. Januar noch können interessierte Songschreiber ihre Vorschläge nach Tiflis schicken. Und bevor Ralph Siegel auf dumme Ideen kommt: gesucht wird etwas mit der "melodischen Songstruktur des Alternative- oder Indie-Rock; mit elektronischen Beats, Synths oder Samples; und mit der Club-Orientierung der Post-Disco-Zeit". Was immer das sein mag. Zur Anregung kann man sich, wenn man über starke Gehörnerven verfügt, ja den bisherigen Musikkat...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben, Schwules

Die Vil­la­ge Peop­le sind in Wien: ers­te Pro­ben ers­tes Semi 2015

Seit Montag Mittag sind die Spiele offiziell eröffnet: in der Wiener Stadthalle probten gestern und heute die 16 Teilnehmer/innen des ersten Semifinales am kommenden Dienstag. Und obgleich es sich um den allerersten, technischen Durchlauf handelte, der hauptsächlich zum Finden der richtigen Kameraeinstellungen und Beleuchtung diente, berichteten die zahlreich in Wien bereits aufgeschlagenen Schwurnalisten natürlich ausführlich über jedes noch so kleine Detail und erstellten umgehend neue Prognosen. Wenn nicht gerade kontrovers über den Aufreger des Tages debattiert wurde: so rüstet die Wiener Stadtverwaltung derzeit 120 Fußgängerampeln mit mit neuen Symbolen aus: händchenhaltend gemeinsam wartende bzw. laufende Pärchen - darunter auch gleichgeschlechtliche - sollen für höhere eine Aufmerks...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Remix-Schlacht: die Krie­ge­rin­nen rüs­ten auf

Noch fehlen eine ganze Reihe von Songs für den diesjährigen Eurovision Song Contest in Wien, da reichen die ersten Länder schon ihre Remixe ein. Am interessantesten hierbei natürlich der Krieg der Kriegerinnen: legte Maltas 'Warrior' Amber Bodin mit einer orchestral bombastisch aufgemotzten Überarbeitung ihres leider nach wie vor völlig melodiefreien Kriegsgesangs vor, so konnte das ihre Kontrahentin Nina Sublatti aus Georgien natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Sie präsentierte nur kurze Zeit später einen ebenfalls deutlich hörbar aufgepumpten Remix und verwies ihre Gegenspielerin damit erneut deutlich in die Schranken. Kann man noch prätentiöser singen als Amber (MT)? (mehr …)
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

ESC 2015: Geor­gi­en erklärt Mal­ta den Krieg

2015 wird wohl ein kämpferisches Jahr, zumindest beim Eurovision Song Contest: nach Malta schickt nun auch Georgien eine gesungene Kriegserklärung gen Wien. Und nicht nur die Songtitel ('Warrior' ['Kriegerin']) gleichen sich wie ein Ei dem anderen: in beiden Fällen intoniert jeweils eine einzelne, offenbar sehr schlecht gelaunte, böse dreinblickende, im schwarzen Lederdress gekleidete Frau mit langen schwarzen Haaren den äußerst düsteren, unmelodischen Kampfgesang. Wer von den Beiden wird also die unausweichliche offene Konfrontation gewinnen? Amber Bodin (MT) wirft zwar ein höheres Kampfgewicht in die Waagschale, dafür aber verfügt Nina Sublatti (GE) über den deutlich giftigeren Blick, die eindringlichere Stimme, die angsteinflößendere Kriegsbemalung, das aggressivere Auftreten sowie das ...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en 2014: Dafuq?

Liebe Leserinnen und Leser, Sie sehen mich verwirrt. Nein, nicht wegen des Überraschungssieges von Elaiza beim deutschen Vorentscheid oder des dortigen, hochkomplizierten Abstimmungsverfahrens. Die Georgier tragen Schuld an meinem Zustand der geistigen Desorientiertheit. Denn sie präsentierten heute ihren Beitrag 'Three Minutes to Earth', dargeboten vom schon seit längerem feststehenden Fusion-Jazz-Trio The Shin und von der Popsängerin Mariko Ebralidze. Das dazugehörige Video zeigt eine von grünem Nebel durchwaberte Szene in Stadtpark von Tiflis, wo bekifft wirkende, aber gut aussehende junge Pärchen auf der Bank sitzen oder wie eingefroren herumstehen (der weibliche Part meist unerklärlicherweise als Squaw verkleidet - ist denn dort grad Fasching?), während die älteren Herren der deutsch-...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Skan­dal: Geor­gi­en schickt kei­ne Sopho!

Eine durchaus mutige und interessante Wahl, die das georgische Fernsehen mit der gestrigen Nominierung der Eurovisionsvertreter des Landes traf: abweichend von bereits lieb gewonnenen Traditionen entsendet es erneut keine stimmstarke Sopho, sondern ein Ethno-Jazz-Trio mit Verbindungen nach Deutschland. Zwei in Stuttgart lebende Exilkaukasier, davon einer mit dem interessanten Vornamen Zaza, gründeten dort nämlich im Jahre 1998 The Shin, die nach Eigenbeschreibung für "archaische Män­nergesänge in Verbindung mit quirligem, hochvirtuosem Jazz" stehen und schon auf Festivals in 30 Ländern auftraten. Der archaische Part dürfte für den Eurovision Song Contest weitestgehend entfallen: weibliche Unterstützung erhält das Herrentrio nämlich in Gestalt der nach meinem ersten Eindruck nicht ganz so h...
2013, ESC Finale

ESC Fina­le 2013: Bei jedem Kuss

Nun liegt er also hinter uns, der Eurovision Song Contest 2013. Etliche Änderungen nahmen die schwedischen Veranstalter am bestehenden Konzept vor, selbstredend begleitet von reflexhaftem Weltuntergangsgejammer der Fans: eine deutlich kleinere Halle gab es, keine LED-Orgie bei der Beleuchtung, nur Stehplätze im Innenraum, ein verändertes Stimmauszählungsverfahren und eine handgemachte Startreihenfolge. Und was soll man sagen: die Welt ging nicht unter - im Gegenteil entpuppte sich die Show aus Malmö als intimer, freundlicher, runder. Was vor allem der großartigen Selbstironie geschuldet ist, mit der die gastgebenden Schweden sich selbst und den Contest sanft auf die Schippe nahmen. Seien es die fabelhaften Einspieler von Sarah Dawn Finer als Lynda Woodruff, Moderatorin Petra Mede selbst od...
2013, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

ESC 2. Semi 2013: Spä­te­re Hei­rat nicht aus­ge­schlos­sen

"Wie der Philosoph schon sagt: es steckt eine Frau im Rock eines jeden großen Mannes": schöner hätte Gastgeberin Petra Mede (ich bleibe dabei: ein Glücksgriff für den Grand Prix) den letzten Auftritt des heutigen Abends, Rumäniens Transsylvestie-Star Cezar, nicht abmoderien können. Ein wunderschön runder Eurovisionsabend liegt hinter uns, mit einem wunderschön runden Ergebnis: 90% verdiente Finalisten, das findet sich selten in einer Qualifikationsrunde. Ärgern dürften sich nur die Verschwörungstheoretiker: mit Mazedonien und Albanien schieden heute auch noch die letzten Balkanstaaten aus, der Balkanblock ist damit Geschichte und hat als Ausrede für schlechte Westergebnisse ausgedient. (mehr …)
2013, Die Zwanzigzehner, Proben

Sechs­ter Pro­ben­tag in Mal­mö: zwei­tes Semi, die Chan­cen

Ein langer Tag liegt vor uns: in Malmö proben heute die 17 Semifinalisten der zweiten Qualifikationsrunde vom Donnerstag zum zweiten Mal. Wie die Blogger berichten und meine Facebook-Meldungen mir bestätigen, trudeln immer mehr Fans in Malmö ein, das EuroFanCafé und der EuroClub füllen sich und die ersten bizarren Musikwünsche werden gespielt. Auch die deutsche Delegation landete heute in Schweden. Wenden wir uns aber nun den Teilnehmern des zweiten Semis und ihren Finalchancen zu, basierend auf dem heutigen Probentag. EuroClub-Track des Tages: 'Hullu yö' (FI 1991) (mehr …)
2013, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Essen­zi­el­les aus Ita­li­en!

So, und damit steht nun auch der letzte Beitrag für den Eurovision Song Contest 2013 fest. Es ist ein Lied, welches wir bereits kennen: 'L'Essenziale', den Siegertitel des San-Remo-Festivals 2013, wird Marco Mengoni in Malmö zu Gehör bringen. Und auch, wenn ein Teil von mir sich laut schreiend auf dem Boden wälzen und sich die Haare ausreißen möchte, weil auch der allerletzte verfügbare Platz nun mit noch einer Ballade belegt wurde, so freut sich klammheimlich der andere Teil, der sich bei der Siegerreprise dann im Zweifel doch viel lieber von einem rehäugigen Ragazzo mit Mafiabärtchen ansülzen lassen möchte als von einem unerträglichen Nell&Icki-Abklatsch aus dem Kaukasus oder einer missionarischen russischen Whitney-Hohloch-Imitatorin. Don't call it Koteletten! (mehr &helli...
2013, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en will es um jeden Preis

Seit 2007 ist Georgien erst beim Eurovision Song Contest dabei, und seither arbeitet der Kaukasusstaat hart und ehrgeizig auf einen Eurovisionssieg hin. Verschiedenste Strategien kamen bereits zur Anwendung: bacchantische Länderpartys für die Schwurnalisten vor Ort, auf denen der georgische Wein in Strömen floss und für die vermutlich das halbe Staatsbudget drauf ging. Eine Blinde mit siegeleskem Friedenskitsch. Hochleistungsballette. Sophos, immer wieder Sophos. Und sogar dieses moderne Teufelszeug da: Rock. Diesmal schaute man sich die Strategie vom Nachbarland Aserbaidschan ab und bestellte ab Werk in Schweden, natürlich bei keinem Geringeren als Thomas G:son. Und wenn man sich das heute erstmals in voller Länge präsentierte Ergebnis anschaut, lautete der Auftrag wohl: schreib uns eine ...
2013, Die Zwanzigzehner

Geor­gi­en: ein Was­ser­fall des Euro­kitschs

Erste Ausschnitte des georgischen Beitrags sind dank ESCkaz seit heute zu hören. Nach dem berechtigten Desaster mit dem Unkomiker Anri Jokhazde in Baku ging der Kaukasusstaat diesmal auf Nummer Sicher und buchte den schwedischen Fließbandschreiber Thomas G:son ('Euphoria') als Komponisten für sein bereits vorab intern bestimmtes Sangespärchen Sopho (wie sonst?) Gelovani und Nodiko Tatishvili. Der schrieb den beiden Castingshowsternchen eine vor Kitsch nur so triefende Euroballade namens 'Waterfall', von dem in einem Aufmacherbericht in den georgischen Hauptabendnachrichten (!) schon mal die brechreizerregendsten Bruchstücke präsentiert wurden. Und mehr muss man von der Nummer auch gar nicht hören, um zu wissen, dass die Zuschauer über 70 und die Juroren aller Voraussicht nach auf diesen Su...