IT 1964: Gib mir noch Zeit

Wel­che Bedeu­tung das San-Remo-Fes­ti­val zu sei­ner Blü­te­zeit weit über die Gren­zen Ita­li­ens hin­aus hat­te, ver­mag man sich heut­zu­ta­ge kaum noch vor­zu­stel­len. Eine leich­te Ahnung davon ver­mit­telt der Blick auf die Inter­pre­ten­lis­te des als Grand-Prix-Vor­ent­scheid genutz­ten Wett­be­werbs im Jah­re 1964. Da kam die aus­füh­ren­de Sen­de­an­stalt RAI näm­lich auf die gran­dio­se Idee, die Zweit­ver­sio­nen der im Semi­fi­na­le vor­ge­stell­ten 24 Lie­der von inter­na­tio­na­len Stars sin­gen zu las­sen, um den Duft der gro­ßen wei­ten Welt in die ohne­hin schon gla­mou­rö­se Ver­an­stal­tung zu holen. Und das Ver­rück­te: die ein­ge­la­de­nen Gäs­te kamen auch! So nahm bei­spiels­wei­se neben der Ita­lie­ne­rin Mil­va auch die Fran­zö­sin Fri­da Boc­ca­ra (→ FR 1969) die ‘Letz­te Stra­ßen­bahn nach Mit­ter­nacht’, zusätz­lich zum hei­mi­schen Swing-Sän­ger Nico­la Ariglia­no mach­te sich auch der deut­sche Rock’n’Roller Peter Kraus (‘Sugar Baby’) auf den Marsch der ’20 Kilo­me­ter nach Mor­gen’, und von dem herr­lich pit­to­res­ken Tou­ris­mus-Wer­be­schla­ger ‘Son­ne, Piz­za und Lie­be’ gab es eben­falls gleich zwei Ver­sio­nen.

Sole, Piz­za, Amo­re’ – was mehr will man von einem Ita­li­en-Urlaub? Nur war­um bei 1:20 Minu­ten die Frank­fur­ter Kai­ser­stra­ße Erwäh­nung fin­det, will mir nicht in den Kopf!

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San-Remo-Fes­ti­val 1961: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Mär­chen

Einen inter­es­san­ten Weg zur Ein­bin­dung des Publi­kums ging der aus­rich­ten­de Sen­der Rai beim San-Remo-Fes­ti­val von 1961. In den bei­den Vor­run­den, die man auf­grund der hohen Popu­la­ri­tät des Wett­be­werbs sowohl bei den ita­lie­ni­schen Künstler/innen als auch den Zuschauer/innen auf ins­ge­samt 24 Titel auf­ge­stockt hat­te, sieb­te zwar wei­ter­hin eine Jury zwölf Can­zo­ne für die End­run­de her­aus. Im Fina­le aber leg­te man die Ent­schei­dung in die Hän­de des Publi­kums. Und da Post­kar­ten, wie sie bei­spiels­wei­se beim Vor­ent­scheid in den Nie­der­lan­den zum Ein­satz kamen, auf­grund der chro­ni­schen Unzu­ver­läs­sig­keit der ita­lie­ni­schen Post aus­schie­den; vor allem aber, um lukra­ti­ve Zusatz­ein­nah­men zu gene­rie­ren, durf­ten inter­es­sier­te Zuschauer/innen eine Woche lang gegen eine Gebühr von 100 Lire per Lot­to-Tipp­schein bis zu sechs Stim­men an ihre Lieb­lings­lie­der ver­tei­len. In einer wei­te­ren Show gab die Rai dann die Ergeb­nis­se bekannt: mit etwas über 700.000 (!) abge­ge­be­nen Voten führ­te die ziem­lich alter­tüm­li­che, melo­disch-wei­che Lie­bes­schnul­ze ‘Al di là’ die Wer­tung an.

Gibt alles: bei Lucia­no quillt der Schmalz einem Lava­strom gleich aus den Laut­spre­chern.

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