Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

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Rank & File 2019: Platz 32 – Bet­ter Love

Lan­ge rät­sel­te ich, was mich eigent­lich im Spe­zi­el­len so sehr gegen den intern aus­ge­wähl­ten grie­chi­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag 2019 auf­bringt, dass er auf mei­ner Hass­lie­der­lis­te lan­det. Der Song selbst löst näm­lich allen­falls ein müdes Schul­ter­zu­cken aus.

Platz 32: Grie­chen­land – Kate­ri­na Dus­ka: Bet­ter Love (Bes­se­re Lie­be)

Ohne erkenn­ba­re Rich­tung, ohne nen­nens­wer­ten Refrain und ohne erkenn­ba­ren Wär­me­im­puls läuft das elek­tro­nisch auf­ge­motz­te Musik­bett vor sich hin: kann man sich anhö­ren, ohne schrei­end weg­ren­nen zu wol­len, packt einen aber auch an kei­ner Stel­le. Klas­si­sches Hin­ter­grund­ge­du­del also, mehr will ‘Bet­ter Love’ offen­sicht­lich gar nicht sein. Und befin­det sich damit letzt­lich in guter Gesell­schaft mit zir­ka 90% aller zeit­ge­nös­si­schen, Strea­ming­dienst-opti­mier­ten Pop­mu­sik. Was also irri­tiert an die­sem eigent­lich ega­len Lied so inten­siv? Es sind gleich zwei Ele­men­te. Da ist zum einen die Stim­me der Inter­pre­tin: Kate­ri­na Dus­ka hat die­ses unan­ge­neh­me Zie­gen­tim­bre, gewis­ser­ma­ßen die akus­ti­sche Vari­an­te des ste­chen­den Geruchs, den die­se auf siche­re Ent­fer­nung ganz put­zi­gen Tie­re abson­dern und das allen­falls wirk­lich gro­ße Künst­le­rin­nen wie Amy Wine­house in etwas Hör­ba­res ver­wan­deln kön­nen. Die gebür­ti­ge Kana­die­rin Dus­ka kann der viel zu früh ver­stor­be­nen ‘Rehab’-Legen­de jedoch nicht das Was­ser rei­chen: bei ihr nervt es ein­fach nur. Als viel ent­schei­den­der aber erweist sich eine vom Rezen­sen­ten zunächst völ­lig über­se­he­ne Text­stel­le, die jedoch von der ers­ten Sekun­de an den zwar unbe­wuss­ten, den­noch erbit­ter­ten Wider­stand aus­lös­te: “No Pain, no Gain” näm­lich, das Man­tra aller Leis­tungs­sport­ler, das ich als Ver­fech­ter des Rechts auf Faul­heit aus tiefs­tem Inne­ren ableh­ne.

Stim­mig: alle Prot­ago­nis­tin­nen in Kate­ri­nas Video­clip wir­ken zu Tode gelang­weilt.

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WSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Mit Rie­sen­schrit­ten nähern wir uns dem Ende der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len steht an die­sem Sams­tag der letz­te öffent­li­che Vor­ent­scheid an. Aus­ge­rech­net all jene Natio­nen, die zu faul oder zu gei­zig waren, einen sol­chen zu orga­ni­sie­ren, haben sich nun ver­ab­re­det, Fans und Euro­vi­si­ons­blog­ger in den Stress­in­farkt zu schi­cken, in dem sie all ihre – teils seit vie­len Wochen im Tre­sor gebun­ker­ten – Bei­trä­ge mehr oder min­der gleich­zei­tig ver­öf­fent­lich­ten. Den Beginn in unse­rer klei­nen Werk­schau macht das mitt­ler­wei­le auch von­sei­ten der EBU offi­zi­ell umbe­nann­te Nord­ma­ze­do­ni­en, das als ein­zi­ge der betei­lig­ten Natio­nen einen vali­den Grund vor­wei­sen kann, sei­nen Song heu­te – am Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag – her­aus­zu­brin­gen. Han­delt es sich bei ‘Proud’ doch um eine Bal­la­de zum The­ma der weib­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, die den zusam­men­ge­cas­te­ten deut­schen Sis­ters, die mit dem glei­chem Sujet unter­wegs sind, zeigt, wo der Ham­mer hängt. Und zwar sowohl musi­ka­lisch, wo nach einem etwas sprö­den, ver­hal­te­nen Anfang ein zwar schon hun­dert­mal gehör­ter, aber gera­de des­we­gen sofort mit­sing­ba­rer Refrain kommt und wo der Song nach einer zwei­ten Stro­phe ziem­lich unver­mit­telt in die Vol­len geht und dabei fast schon gos­pel­haf­te Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt.

Das Alpha­weib­chen: Tama­ra Todevs­ka führt die Schwes­tern­schaft auf die Bar­ri­ka­den. Recht so!

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Inter­pre­ten­kür 2019: Bar­ce­lo­na, what a beau­ti­ful iced Cof­fee

Zwei wei­te­re Künstler/innen für Tel Aviv ste­hen fest, was streng­ge­nom­men gar kei­ne Nach­richt ist, denn in bei­den Fäl­len fehlt das wirk­lich Ent­schei­den­de: der Song! Der Aktua­li­tät wegen sei es den­noch rap­por­tiert: vor eini­gen Minu­ten ver­kün­de­te das grie­chi­sche Fern­se­hen ERT, dass Kate­ri­na Dus­ka die hel­le­ni­sche Flag­ge beim Euro­vi­si­on Song Con­test ver­tre­ten wer­de. Die gebür­ti­ge Kana­die­rin ver­öf­fent­lich­te 2015 ihr ers­tes und bis­lang ein­zi­ges Album mit Indie-Pop-Songs, teils in Zusam­men­ar­beit mit einem schwe­di­schen Song­schrei­ber; ein Track fand in einem Wer­be­spot von Nes­ca­fé Ver­wen­dung. Und zwar inter­es­san­ter­wei­se in Kana­da und nicht in Grie­chen­land, wo man dem Instant-Getränk deut­lich inten­si­ver zuspricht. Eine rasche You­tube-Sich­tung för­der­te nichts extrem Ein­gän­gi­ges zuta­ge, aber auch nichts wirk­lich Furcht­ba­res. Was vor allem an Kate­ri­nas Stim­me liegt, die irgend­wo zwi­schen Anna Ber­gen­dahl und Amy Wine­house pen­delt. Die intern aus­ge­wähl­te und gegen­über dem ERT-Euro­vi­si­ons­fahr­plan mit deut­li­cher Ver­spä­tung annon­cier­te Dus­ka bestä­tigt jeden­falls die vom Sen­der annon­cier­te Abkehr von den eher eth­no-las­ti­gen Bei­trä­gen der letz­ten Jah­re. Gerüch­te zufol­ge neh­me sie ihr Lied für Tel Aviv gera­de in Lon­don auf, am 7. März soll es der vol­ler Unge­duld beben­den Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wer­den.

Der Wer­be­song für den bösen, bösen Lebens­mit­tel­mul­ti, hier als Remix und damit zumin­dest musi­ka­lisch etwas fluffi­ger (Reper­toire­bei­spiel).

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Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’a­mour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

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GR 2018: Was vom Tage übrig blieb

Da war es nur noch Eine: eurovision.tv bestä­tig­te heu­te unter Beru­fung auf den grie­chi­schen Sen­der ERT die Spe­ku­la­tio­nen der letz­ten Tage, wonach die ursprüng­lich geplan­te öffent­li­che Vor­ent­schei­dung Euro­song 2018 man­gels Mas­se aus­fal­len muss­te und die Hel­le­nen die ein­zi­ge ver­blei­ben­de Bewer­be­rin nach Lis­sa­bon ent­sen­den. Näm­lich Yian­na Ter­zi mit ihrem mid­tem­po­rä­ren, sphä­risch-pan­flö­tig gewürz­ten ‘Onei­ro mou’ (‘Mein Traum’), einem wei­te­ren Grand-Prix-Bei­trag in Lan­des­spra­che. Das grie­chi­sche Aus­wahl­ver­fah­ren ent­fal­te­te in die­sem Jahr alle Züge eines klas­si­schen Dra­mas: nach einem ent­spre­chen­den Auf­ruf des hel­le­ni­schen Fern­se­hens an die Plat­ten­fir­men des Lan­des reich­ten die­se zunächst 20 Vor­schlä­ge beim Sen­der ein, dar­un­ter Acts wie Ste­reo Soul (→ GR 2011) und Gian­nis Dimit­ras (→ GR 1981). Die Fan-Favo­ri­tin Ele­ni Fou­rei­ra, die es in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach ver­such­te und immer wie­der abblitz­te, fand sich heu­er nicht im Bewer­ber­kreis: sie geht statt­des­sen in Lis­sa­bon für Zypern an den Start. ERT woll­te wohl lie­ber Hele­na Papa­riz­ou (→ GR 2005), die aber wink­te ab.

Sanft kla­gen­de Flö­ten und eine elek­tro­nisch sub­til modi­fi­zier­te Stim­me über einem mys­tisch wabern­den Sound­tep­pich: der hel­le­ni­sche ESC-Bei­trag 2018 ver­fügt über viel Atmo­sphä­re und wenig Melo­die.

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Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonn­tag haben die Pfor­ten des Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trums in Kiew ihre Pfor­ten geöff­net für die 42 Dele­ga­tio­nen des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges und für alle beson­ders uner­schro­cke­nen Schwur­na­lis­ten, die trotz der wid­ri­gen Umstän­de um die Vor­be­rei­tun­gen und den Ticket­ver­kauf die Rei­se in die ukrai­ni­sche Metro­po­le antra­ten. Das ers­te Semi­fi­na­le ist bereits ein­mal kom­plett durch­ge­probt, für die Zurück­ge­blie­be­nen offe­riert der offi­zi­el­le You­tube-Kanal der EBU aller­dings, wie schon aus den Vor­jah­ren gewohnt, ledig­lich kur­ze, fron­tal gefilm­te Aus­schnit­te von den Auf­trit­ten. Was durch­aus Sinn macht, denn eigent­lich ver­fügt der ers­te Pro­ben­durch­gang nur über eine sehr ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft, geht es doch zunächst haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casu­al an, ohne Büh­nen­gar­de­ro­be, nie­mand ver­aus­gabt sich stimm­lich, es geht erst mal dar­um, ein Gefühl für die Büh­ne zu bekom­men und einen Ein­druck für das TV-Signal, die Dele­ga­tio­nen haben noch die Mög­lich­keit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und letz­te Ände­run­gen vor­zu­schla­gen. Den­noch bloggt die ver­sam­mel­te Fan­schaft natür­lich bereits flei­ßig aus der Hal­le, und so reicht es durch­aus für ers­te Ein­drü­cke aus zwei­ter Hand. So, wie zum Bei­spiel für die beru­hi­gen­de Nach­richt, dass man trotz allem Hin und Her im Vor­feld auch in Kiew an lieb­ge­won­ne­nen Tra­di­tio­nen fest­hält: bei der aller­ers­ten Pro­be am Sonn­tag­mor­gen, zur unchrist­li­chen Stun­de von 9 Uhr deut­scher Zeit, gab es nach über­ein­stim­men­den Berich­ten im Pres­se­zen­trum zunächst kei­nen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show statt­fin­det.

Die­se Fra­ge beant­wor­tet sich von selbst!

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Euro­vi­si­on Death­match #8: der flot­te Drei­er

Als wir das euro­vi­sio­nä­re Todes­du­ell letz­te Woche star­te­ten, befan­den sich inklu­si­ve des rus­si­schen Bei­trags offi­zi­ell noch 43 Titel im Ren­nen (wonach es aktu­ell immer weni­ger aus­sieht). Da sich unge­ra­de Zah­len bekannt­lich nicht durch zwei tei­len las­sen, müs­sen wir dies­mal aus­nahms­wei­se ein Oxy­mo­ron ein­schie­ben, näm­lich ein Drei­er­du­ell. Gleich drei Damen aus benach­bar­ten Staa­ten des Bal­kan stei­gen also heu­te in den Ring, um sich die fet­ten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hau­en. Wir begin­nen ganz im Süden: unse­re ers­te Kom­bat­tan­tin ist die 25jährige Grie­chin Dimi­tra Papa­dea ali­as Demy, vom wie­der­auf­er­stan­de­nen hel­le­ni­schen Staats­sen­der ERT intern aus­ge­wählt und in einem Song-Vor­ent­scheid mit dem fla­chen, voll auf die Zwölf gehen­den Dance-Stamp­fer ‘This is Love’ ver­sorgt. Der klingt wie ein flau­er Auf­guss von Cas­ca­das ‘Glo­rious’ (→ DE 2013), was bekannt­lich auch nur ein flau­er Abklatsch von Lore­ens ‘Eupho­ria’ (→ SE 2012) war. Von den schlim­men lyri­schen Sün­den des Song­tex­tes hat man immer­hin die fuß­nä­ge­lauf­rol­lends­te (“This is Love / Rain falls from above”: von wo bit­te sonst?) zwi­schen­zeit­lich über­ar­bei­tet, doch noch immer reimt Demy “There’s an echo in my head” auf “There’s a cross­road up ahead”. Nun ja, auch mit fett aus den Kopf­hö­rern bol­lern­den Bäs­sen im drö­hend lee­ren Schä­del läuft es sich ziel­ge­rich­tet über die stark befah­re­nen Stra­ßen­kreu­zun­gen Athens, und beim Nah­kampf um Leben und Tod gegen ihre bei­den Kon­kur­ren­tin­nen kann zuviel Nach­den­ken ja auch von Nach­teil sein.

Feu­ert aus allen Roh­ren: Demy (GR)

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Grie­chen­land 2017: Ella­da, Hora tou Tief­schlaf

Weit über zwei Stun­den benö­tig­te das grie­chi­sche Fern­se­hen ERT heu­te Abend, um gan­ze drei Video­clips zu zei­gen: die mög­li­chen Bei­trä­ge der bereits seit Janu­ar 2017 intern aus­ge­wähl­ten Dimi­tra Papa­dea ali­as Demy. Zunächst muss­te fast eine Stun­de lang Süß­holz geras­pelt und sowohl die hüb­sche und sym­pa­thisch wir­ken­de Inter­pre­tin als auch ihr hoch­ka­rä­ti­ges Team um Kom­po­nist Dimi­tris Kon­to­pou­los und Cho­reo­graf Fokas Evan­ge­li­nos mit Lob und Schmei­che­lei­en über­schüt­tet wer­den. Schöns­te Sze­ne hier­bei: spon­ta­ne Trä­nen, als Demys Vater ihr via Ein­spie­ler Glück wünsch­te. Danach stell­te man noch via Sky­pe die zu 30% stimm­be­rech­tig­ten inter­na­tio­na­len Jurys vor, bestehend aus aller­lei Exil­grie­chen, die man auf die­se Wei­se in die Abstim­mung ein­bin­den woll­te (wo sie doch schon beim Tele­vo­ting immer so flei­ßig fürs Hei­mat­land anru­fen) und die bei der Wer­tung mit zusam­men­bre­chen­den Tele­fon­lei­tun­gen zu kämp­fen hat­ten, als befän­den wir uns noch in 1957. Viel Auf­wand steck­te Demys Team auch in die en bloc vor­ge­stell­ten, pro­fes­sio­nel­len Video­clips zu den drei Titeln, die man im male­ri­schen Odes­sa film­te. Nur bei den Songs hat­te man sich die Mühe offen­bar gespart und drei­mal ster­bens­lang­wei­li­gen, gene­ri­schen Durch­schnitts­seich abge­lie­fert, aus dem der bereits vor Tagen – ver­mut­lich absicht­lich – gele­ak­te Dance-Pop-Song ‘This is Love’ ein wenig her­aus­stach.

Hüb­scher Hoch­glanz, inhalts­lo­se Lan­ge­wei­le: das ist kei­ne Lie­be (GR)

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Grie­chen­land schickt Demy nach Kiew

Die Gerüch­te geis­ter­ten schon seit etli­chen Tagen durch die Gegend, und wie immer stell­ten sie sich als wahr her­aus: die 25jährige Dimi­tra Papa­dea, bes­ser bekannt unter ihrem Künst­le­rin­nen­na­men Demy, ver­tritt im Mai 2017 in Kiew die hel­le­ni­sche Flag­ge, wie der Sen­der ERT heu­te offi­zi­ell bestä­tig­te. Die Teil­zeit-Jura­stu­den­tin und Musi­cal­sän­ge­rin, die 2011 im Hei­mat­land ihren ers­ten von etli­chen gro­ßen Hits lan­de­te, und die nach einer ers­ten You­tube-Sich­tung ins­ge­samt dem boun­cen­den, fröh­li­chen Uptem­po-Song zuge­neigt scheint, darf nun drei eng­lisch­spra­chi­ge Titel aus der Kom­po­nis­ten­fe­der von Dimi­tris Kon­to­pou­los ein­sin­gen, die das grie­chi­sche Fern­se­hen zu einem noch nicht genann­ten Ter­min dem Publi­kum zur Abstim­mung vor­stel­len will. Und zwar allem Anschein nach nicht live, son­dern als Video­clip-Para­de. Was wohl ein Stück weit zur Refi­nan­zie­rung der kost­spie­li­gen Grand-Prix-Teil­nah­me bei­tra­gen soll: auf­grund der gro­ßen Beliebt­heit Demys gera­de bei Jugend­li­chen zah­len sich Pro­dukt­plat­zie­run­gen in ihren Musik­vi­de­os für die Plat­ten­fir­ma wie für die Wer­be­trei­ben­den aus. Dafür bekom­men wir auch ein ech­tes Dream-Team: Kon­to­pou­los zeich­ne­te beim Euro­vi­si­on Song Con­test zuletzt für den Publi­kums­sie­ger­ti­tel ‘You are the only One’ von Ser­gey Laza­rev (→ RU 2016) ver­ant­wort­lich. Man darf also Gro­ßes erwar­ten! Das gilt auch für die Cho­reo­gra­fie, die Fokas Evan­ge­li­nos (u.a. ‘Sha­dy Lady’, UA 2008, ‘My Num­ber One’, GR 2005) erstellt. Es scheint, die Grie­chen spie­len wie­der auf Sieg statt auf Platz!

  Demys ers­ter Hit aus dem Jahr 2011 (Reper­toire­bei­spiel)