Eurosong GR 2018

Drei Songs beinhaltet der griechische Eurovisions-Vorentscheid 2018, beigesteuert von den Plattenfirmen des Landes, die sämtliche Teilnahmekosten zu bestreiten haben. So jedenfalls der Plan. Aktuell geistern Meldungen durch die Gegend, wonach zwei der drei Labels die vom Sender geforderten 20.000 € nicht zahlen wollten, weswegen nur Gianna Terzi übrig bleibe und der Vorentscheid entfalle. Bestätigt ist aber noch nichts. Sollte die Show doch stattfinden, werden die Beiträge entgegen früherer Meldungen dort live zu hören sein und nicht nur als Videoclip-Einspieler. Wohl in Folge akuter Sobralitis bestand der Sender ERT allerdings darauf, dass die Lieder diesmal in Landessprache gesungen werden und klar erkennbare Ethno-Einflüsse aufweisen müssen. Die Entscheidung fällt per reinem Televoting.

Offizieller Livestream ERT1 (benötigt Flash)

Livestream Youtube ERT1

Teilnehmer/innen:

  • Areti Ketime – Don’t forget the Sun
  • Chorostalites – Apo tin Thraki os tin Kriti
  • Gianna Terzi  To oniro mo

GR 2018: Was vom Tage übrig blieb

Da war es nur noch Eine: eurovision.tv bestätigte heute unter Berufung auf den griechischen Sender ERT die Spekulationen der letzten Tage, wonach die ursprünglich geplante öffentliche Vorentscheidung Eurosong 2018 mangels Masse ausfallen musste und die Hellenen die einzige verbleibende Bewerberin nach Lissabon entsenden. Nämlich Yianna Terzi mit ihrem midtemporären, sphärisch-panflötig gewürzten ‚Oneiro mou‘ (‚Mein Traum‘), einem weiteren Grand-Prix-Beitrag in Landessprache. Das griechische Auswahlverfahren entfaltete in diesem Jahr alle Züge eines klassischen Dramas: nach einem entsprechenden Aufruf des hellenischen Fernsehens an die Plattenfirmen des Landes reichten diese zunächst 20 Vorschläge beim Sender ein, darunter Acts wie Stereo Soul (→ GR 2011) und Giannis Dimitras (→ GR 1981). Die Fan-Favoritin Eleni Foureira, die es in der Vergangenheit mehrfach versuchte und immer wieder abblitzte, fand sich heuer nicht im Bewerberkreis: sie geht stattdessen in Lissabon für Zypern an den Start. ERT wollte wohl lieber Helena Paparizou (→ GR 2005), die aber winkte ab.

Sanft klagende Flöten und eine elektronisch subtil modifizierte Stimme über einem mystisch wabernden Soundteppich: der hellenische ESC-Beitrag 2018 verfügt über viel Atmosphäre und wenig Melodie.

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Proben erstes Semi 2017: Schüttel Dein Haar, wildes Mädchen

Seit Sonntag haben die Pforten des Internationalen Ausstellungszentrums in Kiew ihre Pforten geöffnet für die 42 Delegationen des diesjährigen Eurovisionsjahrganges und für alle besonders unerschrockenen Schwurnalisten, die trotz der widrigen Umstände um die Vorbereitungen und den Ticketverkauf die Reise in die ukrainische Metropole antraten. Das erste Semifinale ist bereits einmal komplett durchgeprobt, für die Zurückgebliebenen offeriert der offizielle Youtube-Kanal der EBU allerdings, wie schon aus den Vorjahren gewohnt, lediglich kurze, frontal gefilmte Ausschnitte von den Auftritten. Was durchaus Sinn macht, denn eigentlich verfügt der erste Probendurchgang nur über eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, geht es doch zunächst hauptsächlich um die richtigen Kameraeinstellungen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casual an, ohne Bühnengarderobe, niemand verausgabt sich stimmlich, es geht erst mal darum, ein Gefühl für die Bühne zu bekommen und einen Eindruck für das TV-Signal, die Delegationen haben noch die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren und letzte Änderungen vorzuschlagen. Dennoch bloggt die versammelte Fanschaft natürlich bereits fleißig aus der Halle, und so reicht es durchaus für erste Eindrücke aus zweiter Hand. So, wie zum Beispiel für die beruhigende Nachricht, dass man trotz allem Hin und Her im Vorfeld auch in Kiew an liebgewonnenen Traditionen festhält: bei der allerersten Probe am Sonntagmorgen, zur unchristlichen Stunde von 9 Uhr deutscher Zeit, gab es nach übereinstimmenden Berichten im Pressezentrum zunächst keinen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show stattfindet.

Diese Frage beantwortet sich von selbst!

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Eurovision Deathmatch #8: der flotte Dreier

Als wir das eurovisionäre Todesduell letzte Woche starteten, befanden sich inklusive des russischen Beitrags offiziell noch 43 Titel im Rennen (wonach es aktuell immer weniger aussieht). Da sich ungerade Zahlen bekanntlich nicht durch zwei teilen lassen, müssen wir diesmal ausnahmsweise ein Oxymoron einschieben, nämlich ein Dreierduell. Gleich drei Damen aus benachbarten Staaten des Balkan steigen also heute in den Ring, um sich die fetten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hauen. Wir beginnen ganz im Süden: unsere erste Kombattantin ist die 25jährige Griechin Dimitra Papadea alias Demy, vom wiederauferstandenen hellenischen Staatssender ERT intern ausgewählt und in einem Song-Vorentscheid mit dem flachen, voll auf die Zwölf gehenden Dance-Stampfer ‚This is Love‘ versorgt. Der klingt wie ein flauer Aufguss von Cascadas ‚Glorious‘ (→ DE 2013), was bekanntlich auch nur ein flauer Abklatsch von Loreens ‚Euphoria‘ (→ SE 2012) war. Von den schlimmen lyrischen Sünden des Songtextes hat man immerhin die fußnägelaufrollendste („This is Love / Rain falls from above“: von wo bitte sonst?) zwischenzeitlich überarbeitet, doch noch immer reimt Demy „There’s an echo in my head“ auf „There’s a crossroad up ahead“. Nun ja, auch mit fett aus den Kopfhörern bollernden Bässen im dröhend leeren Schädel läuft es sich zielgerichtet über die stark befahrenen Straßenkreuzungen Athens, und beim Nahkampf um Leben und Tod gegen ihre beiden Konkurrentinnen kann zuviel Nachdenken ja auch von Nachteil sein.

Feuert aus allen Rohren: Demy (GR)

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Griechenland 2017: Ellada, Hora tou Tiefschlaf

Weit über zwei Stunden benötigte das griechische Fernsehen ERT heute Abend, um ganze drei Videoclips zu zeigen: die möglichen Beiträge der bereits seit Januar 2017 intern ausgewählten Dimitra Papadea alias Demy. Zunächst musste fast eine Stunde lang Süßholz geraspelt und sowohl die hübsche und sympathisch wirkende Interpretin als auch ihr hochkarätiges Team um Komponist Dimitris Kontopoulos und Choreograf Fokas Evangelinos mit Lob und Schmeicheleien überschüttet werden. Schönste Szene hierbei: spontane Tränen, als Demys Vater ihr via Einspieler Glück wünschte. Danach stellte man noch via Skype die zu 30% stimmberechtigten internationalen Jurys vor, bestehend aus allerlei Exilgriechen, die man auf diese Weise in die Abstimmung einbinden wollte (wo sie doch schon beim Televoting immer so fleißig fürs Heimatland anrufen) und die bei der Wertung mit zusammenbrechenden Telefonleitungen zu kämpfen hatten, als befänden wir uns noch in 1957. Viel Aufwand steckte Demys Team auch in die en bloc vorgestellten, professionellen Videoclips zu den drei Titeln, die man im malerischen Odessa filmte. Nur bei den Songs hatte man sich die Mühe offenbar gespart und dreimal sterbenslangweiligen, generischen Durchschnittsseich abgeliefert, aus dem der bereits vor Tagen – vermutlich absichtlich – geleakte Dance-Pop-Song ‚This is Love‘ ein wenig herausstach.

Hübscher Hochglanz, inhaltslose Langeweile: das ist keine Liebe (GR)

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Griechenland schickt Demy nach Kiew

Die Gerüchte geisterten schon seit etlichen Tagen durch die Gegend, und wie immer stellten sie sich als wahr heraus: die 25jährige Dimitra Papadea, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Demy, vertritt im Mai 2017 in Kiew die hellenische Flagge, wie der Sender ERT heute offiziell bestätigte. Die Teilzeit-Jurastudentin und Musicalsängerin, die 2011 im Heimatland ihren ersten von etlichen großen Hits landete, und die nach einer ersten Youtube-Sichtung insgesamt dem bouncenden, fröhlichen Uptempo-Song zugeneigt scheint, darf nun drei englischsprachige Titel aus der Komponistenfeder von Dimitris Kontopoulos einsingen, die das griechische Fernsehen zu einem noch nicht genannten Termin dem Publikum zur Abstimmung vorstellen will. Und zwar allem Anschein nach nicht live, sondern als Videoclip-Parade. Was wohl ein Stück weit zur Refinanzierung der kostspieligen Grand-Prix-Teilnahme beitragen soll: aufgrund der großen Beliebtheit Demys gerade bei Jugendlichen zahlen sich Produktplatzierungen in ihren Musikvideos für die Plattenfirma wie für die Werbetreibenden aus. Dafür bekommen wir auch ein echtes Dream-Team: Kontopoulos zeichnete beim Eurovision Song Contest zuletzt für den Publikumssiegertitel ‚You are the only One‘ von Sergey Lazarev (→ RU 2016) verantwortlich. Man darf also Großes erwarten! Das gilt auch für die Choreografie, die Fokas Evangelinos (u.a. ‚Shady Lady‘, UA 2008, ‚My Number One‘, GR 2005) erstellt. Es scheint, die Griechen spielen wieder auf Sieg statt auf Platz!

  Demys erster Hit aus dem Jahr 2011 (Repertoirebeispiel)

Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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Von Wölfen und Lumpensäcken: die Proben zum ersten Semi 2016

In Stockholm gingen heute die ersten Probendurchgänge für die beiden Qualifikationsrunden zu Ende. Seit Montag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Nationen ihre Auftritte erstmals auf der echten Eurovisionsbühne. Noch nicht immer im späteren Bühnenoutfit und oftmals mit stimmlich angezogener Handbremse – in der ersten Runde geht es hauptsächlich um die richtigen Kamerapositionen und Bühnenhintergründe und ums letzte Feilen an den Choreografien. Die von den internationalen Bloggern vor Ort natürlich schon fleißig verbreiteten ersten Eindrücke sind daher mit Vorsicht zu genießen, zumal es für zu Hause Gebliebene wie mich nur kurze Dreißigsekünder zu sehen und zu beurteilen gibt. Dennoch will, ja muss ich mich an eine erste Beurteilung wagen. In diesem Posting nun zuerst alle Acts des ersten Semifinales. Auf die Minute pünktlich los ging es am Montag mit der ersten Probe von Sandhja Kuivalainen. Die Finnin trat in einem enganliegenden, offen gesagt wenig vorteilhaften, schulterfreien Einteiler auf, umrahmt von fünf schwarzgekleideten, weiblichen Backings, die sie alle um Haupteslänge überragten. Was optisch leichte Reminiszenzen an Marija Šerifović (RS 2007) und die Beauty Queens hervorrief. Musikalisch eher nicht: ‚Sing it away‘ ist ein netter, flotter Popsong, fällt live allerdings deutlich zur Studioversion ab. So wie wohl auch die Finalchancen der Finnen.

Das Proll-Outfit tauschen die Griechen sicher noch gegen etwas Passenderes

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Russische Zöllner hinderten Hovi Star an der Einreise

Wie schrecklich es mit der institutionellen russischen Homophobie bestellt ist, erfuhr in dieser Woche der israelische Eurovisionsvertreter Hovi Star am eigenen Leibe. Wie er einem Bericht von Wiwibloggs zufolge gestern Abend in der maltesischen Talkshow Xarabank erzählte, hinderten ihn Zöllner am Flughafen Moskau bei der Einreise in das Land, das er im Zuge einer Promotour besuchen wollte. Hovi: „Sie sagten mir, ich dürfte nicht rein. Sie schauten in meinen Pass, zerrissen ihn und lachten mich aus“. Gründe für diese unglaubliche Behandlung seien nicht genannt worden: „vielleicht, weil ich schwul bin, vielleicht, weil ich mich so anziehe, vielleicht, weil ich Make-up trage – ich weiß es nicht,“ so der Künstler im Interview. Trotz des skandalösen Vorfalls, den seine spanische Kollegin Barei, die das Geschehen als Augenzeugin mitverfolgen musste, am Donnerstag in der Zeitung Lavangardia publik machte, blieb Hovi Star in seiner Mitte: „Mein Song ‚Made of Stars‘ handelt von der Gleichheit; davon, dass alle gleich sind, gleich geboren, gleich im Sterben. Und ich betone immer: schenkt Liebe – sie ist kostenlos. Es gibt keinen Grund für Hass, für Negativität. Ich habe mich entschieden, es als Lehre zu verbuchen.“ Er liebe Russland, das er schon mehrfach besucht habe, und wolle es nicht persönlich nehmen.

„Wir leben, wir lächeln und wir geben jedem freie Liebe“: Bravo, Hovi

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Neu im Kino: Sakis Rouvas beim Schwanzvergleich

Wer, wie ich, schon immer wissen wollte, ob Griechengott Sakis Rouvas sich bei seinen Auftritten eine Hasenpfote in die Hose stopfte oder nicht, kann sich nun mit eigenen Augen überzeugen: der hellenische Eurovisionsvertreter von 2004 und 2009 spielt im neuesten Kinofilm der griechischen Regisseurin Athina Rachel Tsangari, ‚Chevalier‘, mit, der ab heute in ausgewählten deutschen Programmkinos läuft. In der von der Kritik hoch gelobten Tragikomödie treffen sechs Männer auf einer Yacht auf dem Ägäischen Meer zusammen und wetteifern – zunächst zum Spaß – um den Titel des „besten Mannes“. Schnell wandelt sich das Spiel in einen „harten und immer irrwitzigeren Wettbewerb,“ wie der Verleih schreibt: „Körperteile werden verglichen und vermessen, gefolgt von Disziplinen wie Fensterputzen, Silberpolieren oder Seeigelsalat zubereiten. Aus Freunden werden Feinde – hungrige Feinde. Aber keiner der Männer denkt daran, von Bord zu gehen, ehe er nicht zum Gewinner gekrönt wurde. Dieser wird am kleinen Finger den Ring des Sieges tragen: den Chevalier.“ Eine bitterböse und sicherlich sehenswerte Satire aufs Machotum – und für Grand-Prix-Fans alleine schon wegen der Eurovisionsprominenz unverzichtbar.

Läuft im griechischen Original mit Untertiteln: der Kinofilm mit Sakis Rouvas