Griechenland schickt Demy nach Kiew

Die Gerüchte geisterten schon seit etlichen Tagen durch die Gegend, und wie immer stellten sie sich als wahr heraus: die 25jährige Dimitra Papadea, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Demy, vertritt im Mai 2017 in Kiew die hellenische Flagge, wie der Sender ERT heute offiziell bestätigte. Die Teilzeit-Jurastudentin und Musicalsängerin, die 2011 im Heimatland ihren ersten von etlichen großen Hits landete, und die nach einer ersten Youtube-Sichtung insgesamt dem bouncenden, fröhlichen Uptempo-Song zugeneigt scheint, darf nun drei englischsprachige Titel aus der Komponistenfeder von Dimitris Kontopoulos einsingen, die das griechische Fernsehen zu einem noch nicht genannten Termin dem Publikum zur Abstimmung vorstellen will. Und zwar allem Anschein nach nicht live, sondern als Videoclip-Parade. Was wohl ein Stück weit zur Refinanzierung der kostspieligen Grand-Prix-Teilnahme beitragen soll: aufgrund der großen Beliebtheit Demys gerade bei Jugendlichen zahlen sich Produktplatzierungen in ihren Musikvideos für die Plattenfirma wie für die Werbetreibenden aus. Dafür bekommen wir auch ein echtes Dream-Team: Kontopoulos zeichnete beim Eurovision Song Contest zuletzt für den Publikumssiegertitel ‚You are the only One‘ von Sergey Lazarev (→ RU 2016) verantwortlich. Man darf also Großes erwarten! Das gilt auch für die Choreografie, die Fokas Evangelinos (u.a. ‚Shady Lady‘, UA 2008, ‚My Number One‘, GR 2005) erstellt. Es scheint, die Griechen spielen wieder auf Sieg statt auf Platz!

  Demys erster Hit aus dem Jahr 2011 (Repertoirebeispiel)

Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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Von Wölfen und Lumpensäcken: die Proben zum ersten Semi 2016

In Stockholm gingen heute die ersten Probendurchgänge für die beiden Qualifikationsrunden zu Ende. Seit Montag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Nationen ihre Auftritte erstmals auf der echten Eurovisionsbühne. Noch nicht immer im späteren Bühnenoutfit und oftmals mit stimmlich angezogener Handbremse – in der ersten Runde geht es hauptsächlich um die richtigen Kamerapositionen und Bühnenhintergründe und ums letzte Feilen an den Choreografien. Die von den internationalen Bloggern vor Ort natürlich schon fleißig verbreiteten ersten Eindrücke sind daher mit Vorsicht zu genießen, zumal es für zu Hause Gebliebene wie mich nur kurze Dreißigsekünder zu sehen und zu beurteilen gibt. Dennoch will, ja muss ich mich an eine erste Beurteilung wagen. In diesem Posting nun zuerst alle Acts des ersten Semifinales. Auf die Minute pünktlich los ging es am Montag mit der ersten Probe von Sandhja Kuivalainen. Die Finnin trat in einem enganliegenden, offen gesagt wenig vorteilhaften, schulterfreien Einteiler auf, umrahmt von fünf schwarzgekleideten, weiblichen Backings, die sie alle um Haupteslänge überragten. Was optisch leichte Reminiszenzen an Marija Šerifović (RS 2007) und die Beauty Queens hervorrief. Musikalisch eher nicht: ‚Sing it away‘ ist ein netter, flotter Popsong, fällt live allerdings deutlich zur Studioversion ab. So wie wohl auch die Finalchancen der Finnen.

Das Proll-Outfit tauschen die Griechen sicher noch gegen etwas Passenderes

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Russische Zöllner hinderten Hovi Star an der Einreise

Wie schrecklich es mit der institutionellen russischen Homophobie bestellt ist, erfuhr in dieser Woche der israelische Eurovisionsvertreter Hovi Star am eigenen Leibe. Wie er einem Bericht von Wiwibloggs zufolge gestern Abend in der maltesischen Talkshow Xarabank erzählte, hinderten ihn Zöllner am Flughafen Moskau bei der Einreise in das Land, das er im Zuge einer Promotour besuchen wollte. Hovi: „Sie sagten mir, ich dürfte nicht rein. Sie schauten in meinen Pass, zerrissen ihn und lachten mich aus“. Gründe für diese unglaubliche Behandlung seien nicht genannt worden: „vielleicht, weil ich schwul bin, vielleicht, weil ich mich so anziehe, vielleicht, weil ich Make-up trage – ich weiß es nicht,“ so der Künstler im Interview. Trotz des skandalösen Vorfalls, den seine spanische Kollegin Barei, die das Geschehen als Augenzeugin mitverfolgen musste, am Donnerstag in der Zeitung Lavangardia publik machte, blieb Hovi Star in seiner Mitte: „Mein Song ‚Made of Stars‘ handelt von der Gleichheit; davon, dass alle gleich sind, gleich geboren, gleich im Sterben. Und ich betone immer: schenkt Liebe – sie ist kostenlos. Es gibt keinen Grund für Hass, für Negativität. Ich habe mich entschieden, es als Lehre zu verbuchen.“ Er liebe Russland, das er schon mehrfach besucht habe, und wolle es nicht persönlich nehmen.

„Wir leben, wir lächeln und wir geben jedem freie Liebe“: Bravo, Hovi

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Neu im Kino: Sakis Rouvas beim Schwanzvergleich

Wer, wie ich, schon immer wissen wollte, ob Griechengott Sakis Rouvas sich bei seinen Auftritten eine Hasenpfote in die Hose stopfte oder nicht, kann sich nun mit eigenen Augen überzeugen: der hellenische Eurovisionsvertreter von 2004 und 2009 spielt im neuesten Kinofilm der griechischen Regisseurin Athina Rachel Tsangari, ‚Chevalier‘, mit, der ab heute in ausgewählten deutschen Programmkinos läuft. In der von der Kritik hoch gelobten Tragikomödie treffen sechs Männer auf einer Yacht auf dem Ägäischen Meer zusammen und wetteifern – zunächst zum Spaß – um den Titel des „besten Mannes“. Schnell wandelt sich das Spiel in einen „harten und immer irrwitzigeren Wettbewerb,“ wie der Verleih schreibt: „Körperteile werden verglichen und vermessen, gefolgt von Disziplinen wie Fensterputzen, Silberpolieren oder Seeigelsalat zubereiten. Aus Freunden werden Feinde – hungrige Feinde. Aber keiner der Männer denkt daran, von Bord zu gehen, ehe er nicht zum Gewinner gekrönt wurde. Dieser wird am kleinen Finger den Ring des Sieges tragen: den Chevalier.“ Eine bitterböse und sicherlich sehenswerte Satire aufs Machotum – und für Grand-Prix-Fans alleine schon wegen der Eurovisionsprominenz unverzichtbar.

Läuft im griechischen Original mit Untertiteln: der Kinofilm mit Sakis Rouvas

Griechenland 2016: eine Heldenreise nach Utopia

Vor wenigen Minuten stellte das griechische Fernsehen ERT den Videoclip des hellenischen Eurovisionsbeitrags 2016 in einer TV-Show vor. Wie schon länger bekannt, vertritt in diesem Jahr die nach dem Helden der mythischen Argonautensage eigens für den Contest in Argo umbenannte Band Europond das Land. Der Name weist den Weg: trotz stürmischer Zeiten, unsicherer Gewässer und den von einem übermächtigen Gegner in den Weg gelegten, unüberwindbar scheinenden Gefahren will man sich nicht davon abbringen lassen, das Goldene Vlies holen. Diese trotzige Tollkühnheit prägt auch ‚Utopian Land‘: die auf griechisch und pontisch vorgetragenen Strophen beschäftigen sich mit der aktuellen, aussichtslos erscheinenden Lage des Landes, das mit den massiven Folgen der Bankenkrise und dem Elend der vor den Zäunen der Festung Europa gestrandeten Flüchtlinge völlig alleine gelassen wird. Die kompromisslos ethnolastige, von einem stolpernden Beat unterlegte Musik unterstreicht die Düsterkeit des Vortrags, der im (zum restlichen, stellenweise durchaus fordernden Lied) vergleichsweise eingängigen, englischsprachigen Refrain von einer hoffnungsvollen Utopie aufgefangen wird. Keine Frage: ich finde es großartig!

Jason auf der Suche nach dem Goldenen Vlies. Wird er es finden?

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Ein Schiff wird kommen: ERT greift zur Sage

Heute gab der Sender ERT offiziell bekannt, dass das Sextett Argo Griechenland beim Song Contest in Stockholm vertritt. Die Band existiert bereits seit über zehn Jahren, allerdings als Europond (da mit sieben Mitgliedern), und mixt traditionelle hellenische Klänge mit Elektro und Ska. Der mysteriöse Namenswechsel gehört zum Gesamtpaket, schließlich suchte der ERT-Senderchef Dionysis Tsaknis den Act persönlich aus. Der frühere Singer-Songwriter Tsaknis, der selbst auf eine langjährige Musikkarriere mit 27 veröffentlichten Alben zurückblickt, führt den im Zuge der von der Troika zwangsverordneten Austeritätspolitik im Jahre 2013 gegen massive Proteste (auch solche der EBU) geschlossenen Staatssender seit seiner Wiedereröffnung als öffentlich-rechtliche Anstalt im Juni 2015. Er äußerte sich schon vor einiger Zeit zu dem ebenfalls bereits ausgewählten, jedoch noch nicht bekannt gegebenen Beitrag, dieser verfüge über „starke Ethno- und Balkansounds“. Der (griechische) Text befasse sich „mit der Flüchtlingskrise und den finanziellen Schwierigkeiten, in denen wir stecken,“ und bringe „die Identität des Landes zum Contest“. Der Song sei dabei aber „fröhlich und temporeich“. Das passt zum neuen Bandnamen: in der griechischen Mythologie heißt so ein sagenhaft schnelles Schiff, mit dem der Königssohn Jason, begleitet von seiner Heldencrew, den Argonauten, das Goldene Vlies holte. Eine eigentlich als unerfüllbar angesehene Aufgabe, so wie z.B. der aussichtslose Kampf der aktuellen Regierung gegen die bitteren Folgen der Bankenkrise und der massiven Flüchtlingsströme, mit denen das restliche Europa die Griechen so schnöde im Stich lässt. Es scheint, 2016 wird das Jahr der clever konstruierten politischen Protestlieder!

Fröhliche Kampfansage: Europond kommen als Speedboot Argo nach Stockholm (Repertoirebeispiel)

Die Village People sind in Wien: erste Proben erstes Semi 2015

Seit Montag Mittag sind die Spiele offiziell eröffnet: in der Wiener Stadthalle probten gestern und heute die 16 Teilnehmer/innen des ersten Semifinales am kommenden Dienstag. Und obgleich es sich um den allerersten, technischen Durchlauf handelte, der hauptsächlich zum Finden der richtigen Kameraeinstellungen und Beleuchtung diente, berichteten die zahlreich in Wien bereits aufgeschlagenen Schwurnalisten natürlich ausführlich über jedes noch so kleine Detail und erstellten umgehend neue Prognosen. Wenn nicht gerade kontrovers über den Aufreger des Tages debattiert wurde: so rüstet die Wiener Stadtverwaltung derzeit 120 Fußgängerampeln mit mit neuen Symbolen aus: händchenhaltend gemeinsam wartende bzw. laufende Pärchen – darunter auch gleichgeschlechtliche – sollen für höhere eine Aufmerksamkeit der gefährdeten Passanten sorgen, angesichts des bevorstehenden Life Balls (Aidshilfe-Benefiz), des Song Contests und dem für Juni termininerten CSD aber auch für Toleranz werben. Und prompt fühlen sich die heterosexuellen Eurovisionsfans diskriminiert, weil der Grand Prix damit in die Nähe einer schwulen Veranstaltung gerückt würde (ach was!). Dabei machte gleich der erste Starter des ersten Semis klar, wessen Party das hier ist!

Schwuler geht’s nimmer: der Bahnhofsstricher und die Bullen

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Griechenland 2015: Birds falling down

Unfassbar: vier mehr oder minder gute, mehr oder minder originelle Uptemposongs tummelten sich im heutigen griechischen Vorentscheid – Songs, die durch das Ausgedürstetsein der Fans nach etwas Schnellem und Fröhlichem im diesjährigen eurovisionären Meer der balladesken Langeweile von ganz alleine einen enormen Wettbewerbsvorteil gehabt hätten. Und was wählen die hirnrissigen Hellenen (bzw. ihre Jury)? Selbstredend die einzige Ballade des gesamten Abends! Dazu noch eine, die erst gar nicht versucht, zu vertuschen, ein wirklich extrem dünner Aufguss von ‚Rise like a Phoenix‘ sein zu wollen (man achte nur mal auf die letzten 30 Sekunden) – natürlich, ohne auch nur auf Lichtjahre an die Klasse des letztjährigen Siegertitels heranzukommen. Ganz offensichtlich wollen die Griechen mit Gewalt im Semi ausscheiden, um Kosten zu sparen. Mit María-Elena Kyriákou und ‚One last Breath‘ dürfte ihnen das spielend gelingen.


Nur der Bart fehlt: María-Elena Kyriákou als schlechteste Conchita-Nachahmerin ever

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Perlen der Vorentscheidungen: Opa, Pasha!

In erschreckender Weise führt uns die griechische Eurovisionsvorentscheidung die verheerenden Folgen der Austeritätspolitik vor: noch nicht mal mehr Autos können sich die Hellenen leisten, so dass in Athener Parkhäusern nun ganze Etagen leerstehen. Dies nutzte der vom Staatssender NERIT mit der Eurovisionsauswahl beauftragte private Musikkanal MAD und drehte die Clips zu den fünf diese Woche der Öffentlichkeit präsentierten Vorentscheidungsbeiträge in einer schäbigen, klaustrophobieauslösenden Parketage. Andererseits könnte man sich das für den kommenden Mittwoch terminierte Finale auch ganz sparen, gibt es doch ohnehin nur einen einzigen denkbaren Siegertitel: ‚Jazz & Sirtaki‘ von Thomaï Apergi! Der Song liefert exakt das ab, was sein Titel verspricht, und obwohl ich Tempowechsel in einem Lied sonst hasse, ist die vom plötzlichen Herbeispringen hünenhafter Tänzer visuell avisierte Verdoppelung der Taktzahl in der letzten Minute hier die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Liebe Hellenen, Vorschlag: ihr wählt diesen Song zu Eurem Beitrag und wir jagen dafür Merkel aus dem Lande. Seid Ihr dabei?


Selbst das teure Kleid musste sich Thomaï Apergi offenbar vom Munde absparen! (GR)

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