Eurovision: you decide

Wie schon im Vorjahr versucht es die BBC auch 2018 wieder mit einem klassischen Vorentscheidungsformat. Die spitzzüngige Mel Giedroyc und der Schwedenschnuckel Måns Zelmerlöw (SE 2015) moderieren den Abend aus dem Dome in Brighton, wo 1974 der ESC stattfand. Sechs Songs und Künstler/innen stehen zur Auswahl, die Entscheidung fällt im Jury-Televoting-Mix.

Bizarr: Eurovisionsfans im Visier des digitalen Info-Krieges?

Wie das Heise-Online-Magazin Telepolis unter Bezugnahme auf eine Meldung der britischen Tageszeitung Guardian berichtet, soll die britische Regierung die PR-Agentur Saatchi beauftragt haben, mit gezielten Kampagnen in den sozialen Medien das Ansehen der Ukraine bei Fans des Eurovision Song Contest positiv zu beeinflussen. Dies sei Teil einer großangelegten Offensive, mit welcher die Regierung des Inselstaates im sogenannten Info-Krieg zwischen Russland und dem Ausrichterland der europäischen Gesangsfestspiele von 2017 der Ukraine beistehen will. Die Firma Saatchi, die zuletzt Wahlkampagnen für die konservativen Torys gefahren habe, soll nach Angaben des Guardian hierfür rund 100.000 £ bekommen (was natürlich die Frage aufwirft, ob man das Geld nicht sinnvoller für einen gescheiten britischen Eurovisionsbeitrag verwenden könnte). Erheblich höhere Mittel gebe man für die Beratung der Regierung in Kiew in PR-Fragen, Programme für die russischsprachigen Minderheiten in den Staaten des Baltikums oder zur Untersuchung des Einflusses des kremltreuen Senders Russia Today auf westeuropäische Mediennutzer/innen aus. Die benötigten Gelder stammen der Zeitung zufolge aus dem Topf des britischen Konflikt-, Stabilitäts- und Sicherheitsfonds CSSF, die Regierung betrachte dies als „Antwort auf die zunehmenden Infowar-Kampagnen, mit denen von Russland gesteuerte Medien angeblich versucht haben, das EU-Referendum wie auch die Wahlen in den USA, Frankreich und Deutschland zu beeinflussen,“ so der Guardian. Wie Telepolis ergänzt, bestünden ähnliche Programme bereits seit einigen Jahren innerhalb der EU. Auch deutsche Universitäten und der Auslandssender Deutsche Welle seien an diversen Medienprojekten in der oder für die Ukraine beteiligt, die sich spezifisch mit russischen Desinformationskampagnen beschäftigen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maßgeschneidertes Programm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Einzelnen aussehen soll und ob das Budget ausreicht, um Eurovisions-Ikonen wie Lys Assia, Carola oder Loreen als Testimonial zu engagieren, darüber war leider nichts zu erfahren. Andererseits: Ruslana macht das bestimmt gerne kostenlos!

Auch das einstmals britisch besetzte Malta versuchte sich schon an subtilen Botschaften im Info-Krieg mit Russland.

Eurovision Deathmatch #20: When you believe

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hochglanzpoliertem Pop der goldenen Jahrzehnte haben, werden Sie sich vielleicht noch an das legendäre Filmmusik-Duett der beiden (laut Klatschpresse) erbitterten Erzfeindinnen Whitney Houston und Mariah Carey aus dem Jahre 1998 namens ‚When you believe‘ erinnern, sowie das Video, in dem die beiden Diven so tun mussten, als seien sie die besten Freundinnen, während man förmlich riechen konnte, wie gerne sie sich gegenseitig die Augen auskratzen wollten. Das tun in der heutigen Runde des Eurovision Deathmatch hoffentlich unseren beiden Kontrahentinnen, die neben ihrer Vorliebe für große, kraftvolle Noten auch die gemeinsame Sprache verbindet, obwohl sie aus verschiedenen Ländern kommen. Doch auch auf der Mittelmeerinsel Malta spricht man Englisch, jedenfalls als zweite Amtssprache, und Claudia Faniello singt dementsprechend in diesem Idiom. Die Schwester des zweifachen Eurovisionsrepräsentanten Fabrizio (→ MT 2001, 2006) versuchte es in ihrer Heimat gefühlt wohl an die hundert Mal und schenkte uns dabei so wundervolle Trashperlen wie ‚Caravaggio‘ (→ Vorentscheid 2008), konnte sich aber erst heuer mit einer so pompösen wie nichtssagenden Ballade durchsetzen. Im dazugehörigen Videoclip, der sich nicht so recht entscheiden mag, ob er als überlanger Werbespot für Kaffee Hag, Raffaello oder Deinhardt-Sekt daherkommen mag, steht sie eingenäht in diversen wirklich hautengen Abendkleidern dekorativ in der Gegend herum. Was auch den Songtitel ‚Breathlessly‘ erklärt: nur ein tiefer Atemzug, und es würde sämtliche Nähte sprengen.

Teilt Mariah Careys Kleidungsstil: Claudia Faniello (MT)

weiterlesenEurovision Deathmatch #20: When you believe

Atemlos durch die Balladennacht: die Remixe sind da!

Nachdem am gestrigen Supersamstag die letzten öffentlichen Vorentscheide der Eurovisionssaison 2017 über die Bühne gingen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letzten intern ausgewählten Beiträge für Kiew warten (als da wären: der für den heutigen Abend gegen 18 Uhr angekündigte, angeblich von einem international bekannten Duo interpretierte sanmarinesische Song; der für den morgigen Montag beworbene bulgarische Beitrag; das erst für den kommenden Samstag annoncierte, von Artsvik gesungene armenische Lied; die bereits angekündigte anglifizierte Fassung des albanischen Songs ‚Botë‘ alias ‚World‘ sowie der russische Beitrag – wobei es immer unwahrscheinlicher wird, dass das mit dem Gastgeberland Ukraine kriegerisch verfeindete Land überhaupt teilnimmt), haben neben Weißrussland nun noch weitere Teilnehmernationen aufgefrischte Fassungen ihrer Songs für Kiew vorgestellt. So zum Beispiel die Schweizer, die das hoffnungslos öde ‚Apollo‘ von Timebelle musikalisch deutlich aufdramatisierten und auch die Stimme ihrer rumänischstämmigen Leadsängerin im Tonstudio mit dem Dampfstrahler behandelten. Hilft natürlich auch alles nichts mehr, aber den Versuch war’s wert.

Prominent verpackt: Zeus und Apollo, die eidgenössischen Wunderwaffen (CH)

weiterlesenAtemlos durch die Balladennacht: die Remixe sind da!

Großbritannien 2017: so klingt der Brexit

Gespannt durfte man im Vorfeld der britischen Vorentscheidung 2017 sein, ob das Königreich die (nicht zu vergessen: im Lande selbst höchst umstrittene) kulturelle, politische und wirtschaftliche Abspaltung von Europa auch beim Eurovision Song Contest durchziehen würde. Nach dem heutigen Abend muss man sagen: hell, yes! Der Einmarsch der sechs komplett egalen Finalist/innen von Eurovision: you decide, allesamt zu Recht gescheiterte X-Factor-Teilnehmer/innen, fand zu den Klängen von Lenas ‚Satellite‘ (→ DE 2010) statt; als Gaststar eröffnete der Norweger Alexander Rybak (oder, wie Moderatorin Mel Giedroyc den Sieger von 2009 ansagte: „Reibach“) mit der gefühlt sechshundertsten Aufführung von ‚Fairytale‘ den Abend; den Pausenact während der Abstimmungsphase übernahm die von Sparzwängen gebeutelte BBC direkt vom schwedischen Fernsehen (thank god, möchte man sagen, denn das superlustige ‚Love Love Peace Peace‘ von Petra Mede und Måns Zelmerlow erwies sich auch in der Konserve als der beste Moment der gesamten Sendung). Und selbst das Siegerlied stammt aus der Feder der dänischen Grand-Prix-Gewinnerin von 2013, Emmelie de Forest. ‚Never give up on you‘: in den Ohren Kontinentaleuropas muss dieses Versprechen wie Hohn klingen, denn in Sachen Eurovision scheinen die Briten längst kapituliert zu haben. Nun muss man Lucie Jones, der Interpretin der dunklen, unglamourösen Ballade, fairerweise bescheinigen, dass sie sich als die einzige der sechs Partizipant/innen erwies, die in Lage war, die Töne durchgehend sauber zu treffen, während die Konkurrenz anscheinend geschlossen um einen Trostpreis im JeminiGedächtnis-Award wetteiferte. Mit ihrem eindrucksvoll gesungenen Lied und ihrer dazu perfekt passenden, zurückgenommenen, praktisch nichtexistenten Show gab sich Lucie als klassisches Juryfutter, und ich könnte meinen Hintern darauf verwetten, dass sie ihren Sieg eben dieser Jury verdankt, die erstmals seit langer Zeit bei einem Vorentscheid auf der Insel wieder mitbestimmen durfte.

Balladenfreunde werden jauchzen: Lucie in the Sky without Diamonds

weiterlesenGroßbritannien 2017: so klingt der Brexit

Gemma Abbey: von der Nilpointerin zur Steuersünderin

Beim Eurovision Song Contest 2003 in Riga ersang sie mit spektakulär schiefen Tönen das erste und bis dato einzige Null-Punkte-Ergebnis der einstmals so stolzen Popnation Großbritannien: Gemma Abbey, die „Jem“ in Jemini. Nun geriet sie in Konflikt mit den heimischen Finanzbehörden, wie die Tageszeitung Telegraph heute berichtet. Danach habe die geschiedene Mutter zweier Kinder für ihre jüngste, dauerhaft schwer erkrankte Tochter einen Nachlass für Alleinerziehende geltend gemacht und insgesamt 52.000 £ (rund 60.000 €) Steuervorteile kassiert, obwohl sie seit 2009 in zweiter Ehe verheiratet sei. Die gute Gemma machte es den Anklägern leicht, ihr auf die Schliche zu kommen: auf Facebook postete sie ein Foto von ihr selbst im weißen Hochzeitskleid. Zu ihrer Verteidigung brachte sie vor, dass sie den Einzug ihres zweiten Gatten in die gemeinsame Wohnung dem Finanzamt gegenüber nicht angezeigt habe, da die Beziehung anfangs „brüchig“ gewesen sei. Ihr Anwalt gab zudem an, dass der Kindsvater keinen Unterhalt zahlte und sie unter Depressionen gelitten und angefangen habe, „zuviel zu trinken“. Und wenn das britische Steuerrecht und sein Formularwesen auch nur halb so kompliziert ist wie das deutsche, kann man wohl nichts anderes als Sympathie und Mitleid mit der armen, geplagten Ex-Sängerin empfinden. Das Gericht indes pochte auf die bestehenden Gesetze und verurteilte sie zu acht Monaten auf Bewährung. Außerdem muss sie das Geld zurückzahlen. Da geht es ihr nun ähnlich wie ihrer deutschen Grand-Prix-Kollegin von 1975, Joy Fleming, die dereinst ein Stück mit dem Titel ‚Ich sing fers Finanzamt‘ aufnahm. Nur, dass es in Gemmas Fall vermutlich keiner hören mag…

Konsequent am Ton vorbei: Gemma beim legendären ESC-Auftritt

Die BBC sucht „den Klassenbesten“

Heute eröffnete die britische BBC offiziell die Suche nach dem Eurovisionsbeitrag 2017. Dabei will man sich desselben Verfahrens bedienen wie bereits 2016: erneut können interessierte Songschreiber ein Lied einreichen; eine Jury aus Mitgliedern des britischen Grand-Prix-Fan-Clubs OGAE nimmt die Herkulesaufgabe auf sich, diese zu sichten. Gleichzeitig hält der Sender selbst mit Hilfe der Plattenfirmen aktiv Ausschau nach professionellen Beiträgen. Die Anforderungen seien nach Angaben von Hugh Goldsmith, dem Musikkonsultanten der BBC, hoch: „Gut genügt nicht… es muss großartig sein! Der Siegersong muss gefühlvollen Text und eine einprägsame Melodie mit einer brillanten Produktion verbinden. Wir wollen den Klassenbesten“! Wie schon im Vorjahr soll das Publikum alleine die finale Entscheidung fällen: in einem offenen Vorentscheid namens Eurovision: you decide will man eine schmale Auswahl der kommissionierten Songs präsentieren. Ein Termin hierfür steht noch nicht fest. 2016 konnten sich bekanntlich die aus The Voice bekannten Castingshow-Buben Joe & Jake in diesem Format durchsetzen, schwerlich die Klassenbesten im Fach Pop, aber zumindest ein deutlicher Fortschritt gegenüber den von der BBC hausintern ausgewählten Musikgeronten Engelbert (UK 2012) und Bonnie Tyler (UK 2013). Auch J&J konnten beim Hauptwettbewerb jedoch lediglich den 24. Platz belegen, nachdem die Mutter aller öffentlich-rechtlichen Sender mal wieder bei der Bühnenpräsentation sparte und das The-Allisons-Update (UK 1961) im showtechnisch gewieft aufgestellten Umfeld des Eurovision Song Contest vergleichsweise amateurhaft wirkte. Hoffen wir mal, dass es für das Big-Five-Land diesmal besser läuft.

Klassenbeste in Sachen Milchflaum: Joe & Jake (UK)

Christer Björkman: „Großbritannien schickt nie was Gutes“

In einer Rede vor Führungskräften aus der Musikindustrie im Rahmen einer Veranstaltungsreihe rund um den schwedischen Polar-Musikpreis las der schwedische Eurovisionsverantwortliche Christer Björkman am Freitag in London der BBC in Bezug auf ihren Umgang mit dem Eurovision Song Contest kräftig die Leviten. Die seit der Jahrtausendwende durchweg eher miserablen Ergebnisse des Vereinigten Königreichs beim europäischen Wettsingen führte er auf die chronische Geringschätzung des Wettbewerbs durch die Briten zurück, die sich auch in den beißenden Sottisen der Anfang diesen Jahres verstorbenen Eurovisionslegende Terry Wogan manifestiert hätten. „Wogan sprach 25 Jahre lang den Kommentar und machte sich in einer Tour lustig,“ zitiert das britische Onlinemagazin iNews den Schweden. Wogans Nachfolger „Graham Norton hat nun auch diesen schnippischen Ton drauf. So funktioniert es nicht. Witze zu reißen geht sehr viel einfacher, als zu gewinnen“. Auch die von der Insel-Presse gerne vorgebrachten Verschwörungstheorien, das Blockvoting sei Schuld am schlechten Abschneiden des Königreichs, wies er barsch zurück: „Das habt Ihr Euch ausgedacht. Ihr klingt schon wie die Franzosen. Wir alle lieben Euch. Wir alle wollen, dass Ihr in diesem Wettbewerb gut seid. Ihr schickt nur nie etwas wirklich Gutes. Warum macht Ihr das nicht mal“?

Nicht unbedingt die Speerspitze des zeitgenössischen Pop-Geschehens: Schmalzbarde Engelbert Humperdinck vertrat das Land 2012

weiterlesenChrister Björkman: „Großbritannien schickt nie was Gutes“

Großbritannien 2016: die heimliche ESC-Bromance mit The Voice geht weiter!

2003 war es, gleich zu Beginn der europaweiten Castingshow-Hysterie, da verhoben sich die am Format Pop Idol (bei uns bekannt als DSDS) beteiligten Privatsender an dem Versuch, den Eurovision Song Contest zu kopieren und eine World Idol (Superstar weltweit) genannte Show mit all den Landessiegern zu produzieren. Kostete viel Geld und niemand wollte es sehen: ein nie mehr wiederholter Flop. Cleverer stellen es die Mitbewerber von The Voice an, die den ESC einfach unterwandern lassen und ihn so ohne eigene Kosten zu ihrem heimlichen Europafinale umfunktionieren. Seit Jahren fluten die Voice-Teilnehmer/innen in immer stärkerem Maße die nationalen Grand-Prix-Vorentscheidungen – und gewinnen dort. Gestern beispielsweise erst in einer der anderen Big-Five-Nationen, diesem, wie heißt es noch gleich: Deutschland. Heute zog das Vereinigte Königreich nach, wo Joe Woodford und Jake Shakeshaft das hundertprozentige Televoting bei Eurovision: you decide für sich entscheiden konnten, gegen die Stimmung im Saal und gegen die Beeinflussung durch die BBC und ihre dreiköpfige, nicht stimmberechtigte Expertenjury, die lieber die 25jährige Bianca Claxton mit ihrer Ballade ‚Shine a little Light‘ gewinnen sehen wollte. Hatte man als unübersehbaren Hinweis doch extra Großbritanniens letzte Siegerin von 1997, Katrina Leskovich, eingeladen (Londons Vorräte an Happy Pills und Botox dürften nun für die nächsten Wochen erschöpft sein), die natürlich noch mal ‚Love shine a little Light‘ zum Besten gab. Doch das kluge TV-Publikum entschied wie immer richtig und bevorzugte den einzigen leidlich flotten Song des Abends.

„Mehr wächst da nicht“: Joe (oder war es Jake?) über seinen sexy Milchflaum

weiterlesenGroßbritannien 2016: die heimliche ESC-Bromance mit The Voice geht weiter!

Von Göteborg nach Stockholm: ein Kessel Buntes vom Vorentscheid

Meine Güte, was ein Stress: in Köln fanden heute bereits die ersten Generalproben statt für den morgigen deutschen Vorentscheid Unser Lied für Stockholm, bei denen tatsächlich alles auf die langweiligste Option hinauszulaufen scheint; auf den Song, der mich am kältesten lässt: auf das farblose ‚Ghost‘ von Castingshow-Sternchen Jamie Lee Kriewitz nämlich. Gähn. Doch so viel ist noch nachzuholen, so viele Ereignisse stapeln sich noch aus den letzten Tagen, dass sie nur noch in chronologischer Reihenfolge abzuarbeiten sind. Beginnen wir mit dem Halbfinale der lettischen Supernova vom vergangenen Sonntag: dort passierte zwar musikalisch nichts Neues mehr, ging es ja nur noch um das Eindampfen der Finalteilnehmer/innen. Um so lustiger die unvermittelte Zwangspause, als LTV unmittelbar nach dem Auftritt der Band Catalepsia, auf den eigentlich die übliche Kommentierung durch die Jury folgen sollte, plötzlich die Werbung einspielte. Die im Internetstream nicht gezeigt wird, weswegen die internationalen Zuschauer sahen, wie Superbärchen und 2009-Vertreter Intars Busuli, der gerade zu seinem Vortrag ansetzen wollte, rüde aus dem Off abgewürgt werden musste. Auch der zur Publikumsbespaßung in den Pausen eigens eingekaufte Riga Biber wurde von den Geschehnissen überrascht und konnte nicht sofort einspringen. Als Auslöserin des ganzen Chaos entpuppte sich indes eine andere Supernova-Teilnehmerin, Samanta Tīna.

Komm, wir trinken erst mal ein Glas Wein: Leckerli Intars weiß, wie man Pausen überbrückt (LV)

weiterlesenVon Göteborg nach Stockholm: ein Kessel Buntes vom Vorentscheid

Terry Wogan ist tot

Die britische Kommentatorenlegende Terry Wogan starb heute im Alter von 77 Jahren an Krebs. Der gebürtige Ire war in den Siebzigern in loser Folge, seit 1980 durchgängig bis 2008 jedes Jahr als Eurovisionskommentator für die BBC im Einsatz und erlangte durch seine äußerst unterhaltsamen und sarkastischen, teils auch chauvinistischen Sprüche weit über die Grenzen der Insel hinaus Bekanntheit. Er war eine umstrittene, gleichermaßen geliebte wie gehasste Figur – und das sind bekanntlich stets die Besten. Durch seine Art zu moderieren trug er wesentlich mit dazu bei, dass die meisten Briten (von denen viele nur wegen seiner Kommentare überhaupt einschalteten) den Wettbewerb bis heute als skurrile Kuriositätenschau begreifen, eine willkommene Gelegenheit, „über Ausländer zu spötteln,“ wie Wogan selbst einmal sagte. Dass diese im vergangenen Jahrhundert, also zu Wogans Glanzzeiten, völlig zutreffende Einschätzung seit der Jahrtausendwende einer zunächst schleichenden, später zusehends stärker spürbaren Professionalisierung der Beiträge Platz machen musste, kam beim Großmeister der spitzen Zunge indes nicht mehr so richtig an. Dabei war es ausgerechnet der von Wogan selbst als Gastgeber moderierte Eurovision Song Contest von 1998 aus Birmingham, der den Gezeitenwechsel einläutete. Dessen ungeachtet bleiben Wogans Schlagfertigkeit und sein herrlich bösartiger Humor unerreicht und unvergessen. Der schottische Eurovisionsblogger Ewan Spence (ESC insight) setzte ihm mit der von ihm gespielten Handpuppe Terry Vision ein Denkmal. Mit Terry Wogan verliert die Eurovision eine seiner prägenden Figuren.

Wogan in einem Interview von 1997, nach dem letzten britischen Sieg

UK: Backe, backe Kuchen

Nach einem Internetleak durch die nordirische Zeitung Belfast Telegraph bestätigte die BBC heute Abend die darin enthaltenen Neuigkeiten zum britischen Vorentscheid 2016. Der findet am 26. Februar 2016 statt (und damit nur einen Tag nach dem deutschen Format Unser Lied für Stockholm), umfasst sechs Acts und trägt den Titel Eurovision: You decide. Was darauf hindeutet, dass alleine das Publikum die Entscheidungshoheit über den Beitrag besitzt. Um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern, soll jedoch ein Expertengremium seine Meinung zu den Auftritten zum Besten geben, um so die zuschauenden Briten sanft in die richtige Richtung zu lenken. Dies versucht man auch mit der Wahl des Kanals: der Vorentscheid läuft auf dem digitalen Spartensender BBC 4. Was, auf deutsche Verhältnisse umgemünzt, in etwa mit 3sat vergleichbar wäre: ein eher auf das anspruchsvolle Publikum zielender Kultur- und Wissenschaftssender, der vor allem Dokumentationen im Programm hat. Mit einem neuerlichen britischen Beitrag in der Preisklasse von Scooch (UK 2007) ist also nicht zu rechnen – schade! Mel Giedroyc, eine der Gastgeberinnen der in Großbritannien extrem erfolgreichen Backshow The Great British Bake Off mit zuletzt mehr als 10 Millionen Zuschauer/innen (in Deutschland als Das große Backen auf Sat.1 eher ein Randthema) moderiert. Über die Teilnehmer/innen für den erstmals seit Jahren wieder ausgetragenen öffentlichen Vorentscheid, die derzeit durch eine OGAE-Jury, den britischen Komponistenverband und den Musikproduzenten Hugh Goldsmith handverlesen werden, ist noch nichts bekannt.

Katie Price belegte 2005 den zweiten Platz im britischen Vorentscheid hinter Javine. Aber auch nur, weil die einen Nippel zeigte.