SuRie: “Die Ener­gie des Publi­kums bleibt in mei­ner Erin­ne­rung”

Im Früh­stücks­fern­se­hen äußer­te sich heu­te mor­gen die bri­ti­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin 2018, SuRie (bür­ger­lich: Susan­na Marie Cork), zu den Vor­fäl­len rund um ihren Auf­tritt im Fina­le des Wett­be­werbs am ver­gan­ge­nen Sams­tag in Lis­sa­bon, der von einem Stö­rer unter­bro­chen wur­de. Wie die Sän­ge­rin auf Nach­fra­ge berich­te­te, habe sie den Ein­dring­ling erst wahr­ge­nom­men, als er direkt vor ihr stand und ihr das Mikro­fon aus der Hand wand, wovon sie ein paar klei­ne­re Krat­zer davon­trug. Sie habe jedoch kei­ne Zeit gehabt, über die poten­ti­el­le Gefähr­lich­keit des Man­nes nach­zu­den­ken, der umge­hend von der Secu­ri­ty über­wäl­tigt wur­de. Wäh­rend SuRie für eini­ge Sekun­den ohne Mikro­fon dastand, lief der Song wei­ter, der Back­ground­chor sang den Refrain und die Fans in der Hal­le fie­len mit ein. “Als ich mich wie­der umdreh­te, sah ich das Mikro auf dem Boden,” so SuRie, die es ohne zu Zögern auf­hob und fest ent­schlos­sen den Rest ihres Bei­trags ablie­fer­te. Mit, wie sie es im Inter­view selbst nann­te, “Feu­er im mei­nen Augen”. Cork wei­ter: “Der Song­text bekam eine ganz neue Bedeu­tung”. Schließ­lich geht es in ihrem Bei­trag ‘Storm’ um das Durch­hal­ten in schwe­ren Zei­ten, und dafür lie­fer­te die Bri­tin am Sams­tag ein unver­gess­li­ches, bra­vou­rö­ses Bei­spiel.

Schöpf­te aus dem Adre­na­lin­schub des Vor­falls neue Ener­gie für ihre Per­for­mance: die ado­rable SuRie beim ESC-Fina­le.

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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wun­der­tü­te an Pro­ben brach­te der heu­ti­ge Tag in Lis­sa­bon, mit Star­tern aus allen drei Shows auf der Büh­ne der Alti­ce-Are­na. Über die­je­ni­gen des Vor­mit­tag kön­nen wir schnell hin­weg­sprin­gen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Arme­ni­en (sym­pa­thi­scher­wei­se unaus­ge­schla­fen, aber immer noch der schöns­te Bart 2018) bis Däne­mark war das schließ­lich bereits der zwei­te Durch­lauf, und all zu viel Nen­nens­wer­tes änder­te sich nicht. Die Ser­ben (zweit­schöns­ter Bart) haben ihre Lakritz­schnü­re wohl auf­ge­fut­tert, die bei­den für San Mari­no star­ten­den Ladys war­fen sich heu­te immer­hin in – dem Mode­the­ma des Jah­res fol­gend – teils extrem durch­sich­ti­ge Büh­nen­kla­mot­ten. Und bewie­sen Humor, in dem sie den eigent­li­chen Star ihres Auf­trit­tes, dem größ­ten der vier put­zi­gen Spiel­zeug­ro­bo­ter, dies­mal ein Schild mit der Auf­schrift “Jus­ti­ce for Valen­ti­na” hoch­hal­ten lie­ßen. Ich bin mal gespannt, was im TV-Semi auf der Demo­ta­fel steht! Doch was uns alle wirk­lich inter­es­siert, spiel­te sich heu­te Nach­mit­tag ab: da prob­te Micha­el Schul­te zum ers­ten mal in der Hal­le! Und zwar zu mei­ner Über­ra­schung mit einem im Ver­gleich zu Unser Lied für Lis­sa­bon visu­ell deut­lich auf­ge­frisch­ten Sta­ging. Das, soweit man in den Blogs nach­le­sen konn­te, einen span­nen­den Effekt auf Fans und Hater zei­tigt.

Man gewinnt nicht den Ein­druck, dass sich Jes­si­ka wirk­lich über die Unter­stüt­zung von Jeni­fer freut…

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UK 2018: Sweet Dreams are made of Chee­se

Eine blon­de, jugend­li­che Annie-Lennox-Dop­pel­gän­ge­rin, die bereits zwei Mal als Chor­sän­ge­rin auf der Euro­vi­si­ons­büh­ne stand und die beim Sin­gen als Zei­chen größ­ter Gefühls­auf­wal­lung den Hit­ler­gruß ent­bie­tet: dies ist das vor weni­gen Minu­ten in his­to­ri­schen Dome zu Brigh­ton her­aus­ge­such­te musi­ka­li­sche Abschieds­ge­schenk der Bri­ten als Noch-EU-Nati­on an das euro­päi­sche Fest­land. SuRie (Susan­na Marie) heißt die jun­ge Dame, deren Stim­me schon bei ‘Rhythm insi­de’ (→ BE 2015) und ‘City Lights’ (→ BE 2017) im Hin­ter­grund zu hören war; zwei Bei­trä­gen, mit deren Klas­se ihr eige­ner Wett­be­werbs­ti­tel ‘Storm’ nicht ganz mit­hal­ten kann. “Die Bri­ten lie­ben es, über das Wet­ter zu reden”, scherz­te der als Komo­de­ra­tor enga­gier­te Måns Zelmerlöw (→ SE 2015) direkt nach SuRies Auf­tritt, die den Vor­ent­scheid Euro­vi­si­on: you deci­de ver­mut­lich vor allem des­halb gewann, weil sie unter allen sechs Teilnehmer/innen noch die meis­ten Töne traf. Ihr Lied beginnt als Pia­no­bal­la­de und ver­wan­delt sich rasch in einen beat­ge­trie­be­nen, hym­ni­schen Pop­song, der sich abso­lut ange­nehm weg­hö­ren lässt und nach 20 Minu­ten wie­der ver­ges­sen ist.

Kei­nes­falls hilf­los im Sturm der Gefüh­le: die etwas bri­tisch unter­kühlt wir­ken­de SuRie.

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Schott­land will wei­ter­hin ins ‘kon­ti­nen­ta­le Schau­fens­ter’ des ESC

Ange­sichts der am kom­men­den Mitt­woch anste­hen­den bri­ti­schen Vor­ent­schei­dung Euro­vi­si­on: you deci­de unter­nahm die Scot­tish Natio­nal Par­ty am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de einen erneu­ten Vor­stoß für eine stär­ke­re Reprä­sen­tanz des für sei­ne Kilts und Dudel­sä­cke bekann­ten Lan­des­teils beim Euro­vi­si­on Song Con­test. So plä­dier­te der Euro­pa­ab­ge­ord­ne­te der sepa­ra­tis­ti­schen Par­tei, Alyn Smith, in der Zei­tung Sunday Herald für ein Rota­ti­ons­sys­tem, nach wel­chem die ver­schie­de­nen Regio­nen des Ver­ein­ten König­reichs immer abwech­selnd eine/n Vertreter/in zum euro­päi­schen Wett­sin­gen ent­sen­den sol­len. Da sowohl Wales als auch Nord­ir­land und eben Schott­land über eigen­stän­di­ge TV-Sta­tio­nen ver­fü­gen, die jeweils Mit­glied der EBU sind, wären die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen für ein sol­ches Ver­fah­ren gege­ben, wie Genf gegen­über Smith bestä­tig­te. Ein Bei­spiel hier­für bil­det das sprach­lich wie kul­tu­rell zwei­ge­teil­te Bel­gi­en, wo sich die Sen­der der fran­zö­si­schen und der nie­der­län­di­schen Regi­on bereits seit 1956 jähr­lich mit dem Grand-Prix-Bei­trag abwech­seln. Der Poli­ti­ker möch­te den Song Con­test als kon­ti­nen­ta­les “Schau­fens­ter” nut­zen, er sei eine “Gele­gen­heit, Euro­pa die vibrie­ren­de schot­ti­sche Musik­sze­ne” näher zu brin­gen.

Eine schot­ti­sche Euro­vi­si­ons­teil­neh­me­rin und Sie­ge­rin war Lulu (1969).

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Bizarr: Euro­vi­si­ons­fans im Visier des digi­ta­len Info-Krie­ges?

Wie das Hei­se-Online-Maga­zin Tele­po­lis unter Bezug­nah­me auf eine Mel­dung der bri­ti­schen Tages­zei­tung Guar­di­an berich­tet, soll die bri­ti­sche Regie­rung die PR-Agen­tur Saatchi beauf­tragt haben, mit geziel­ten Kam­pa­gnen in den sozia­len Medi­en das Anse­hen der Ukrai­ne bei Fans des Euro­vi­si­on Song Con­test posi­tiv zu beein­flus­sen. Dies sei Teil einer groß­an­ge­leg­ten Offen­si­ve, mit wel­cher die Regie­rung des Insel­staa­tes im soge­nann­ten Info-Krieg zwi­schen Russ­land und dem Aus­rich­ter­land der euro­päi­schen Gesangs­fest­spie­le von 2017 der Ukrai­ne bei­ste­hen will. Die Fir­ma Saatchi, die zuletzt Wahl­kam­pa­gnen für die kon­ser­va­ti­ven Torys gefah­ren habe, soll nach Anga­ben des Guar­di­an hier­für rund 100.000 £ bekom­men (was natür­lich die Fra­ge auf­wirft, ob man das Geld nicht sinn­vol­ler für einen geschei­ten bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag ver­wen­den könn­te). Erheb­lich höhe­re Mit­tel gebe man für die Bera­tung der Regie­rung in Kiew in PR-Fra­gen, Pro­gram­me für die rus­sisch­spra­chi­gen Min­der­hei­ten in den Staa­ten des Bal­ti­kums oder zur Unter­su­chung des Ein­flus­ses des kremltreu­en Sen­ders Rus­sia Today auf west­eu­ro­päi­sche Mediennutzer/innen aus. Die benö­tig­ten Gel­der stam­men der Zei­tung zufol­ge aus dem Topf des bri­ti­schen Kon­flikt-, Sta­bi­li­täts- und Sicher­heits­fonds CSSF, die Regie­rung betrach­te dies als “Ant­wort auf die zuneh­men­den Info­war-Kam­pa­gnen, mit denen von Russ­land gesteu­er­te Medi­en angeb­lich ver­sucht haben, das EU-Refe­ren­dum wie auch die Wah­len in den USA, Frank­reich und Deutsch­land zu beein­flus­sen,” so der Guar­di­an. Wie Tele­po­lis ergänzt, bestün­den ähn­li­che Pro­gram­me bereits seit eini­gen Jah­ren inner­halb der EU. Auch deut­sche Uni­ver­si­tä­ten und der Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le sei­en an diver­sen Medi­en­pro­jek­ten in der oder für die Ukrai­ne betei­ligt, die sich spe­zi­fisch mit rus­si­schen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen beschäf­ti­gen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maß­ge­schnei­der­tes Pro­gramm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Ein­zel­nen aus­se­hen soll und ob das Bud­get aus­reicht, um Euro­vi­si­ons-Iko­nen wie Lys Assia, Caro­la oder Lore­en als Tes­ti­mo­ni­al zu enga­gie­ren, dar­über war lei­der nichts zu erfah­ren. Ande­rer­seits: Rus­la­na macht das bestimmt ger­ne kos­ten­los!

Auch das einst­mals bri­tisch besetz­te Mal­ta ver­such­te sich schon an sub­ti­len Bot­schaf­ten im Info-Krieg mit Russ­land.

Euro­vi­si­on Death­match #20: When you belie­ve

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hoch­glanz­po­lier­tem Pop der gol­de­nen Jahr­zehn­te haben, wer­den Sie sich viel­leicht noch an das legen­dä­re Film­mu­sik-Duett der bei­den (laut Klatsch­pres­se) erbit­ter­ten Erz­fein­din­nen Whit­ney Hous­ton und Mariah Carey aus dem Jah­re 1998 namens ‘When you belie­ve’ erin­nern, sowie das Video, in dem die bei­den Diven so tun muss­ten, als sei­en sie die bes­ten Freun­din­nen, wäh­rend man förm­lich rie­chen konn­te, wie ger­ne sie sich gegen­sei­tig die Augen aus­krat­zen woll­ten. Das tun in der heu­ti­gen Run­de des Euro­vi­si­on Death­match hof­fent­lich unse­ren bei­den Kon­tra­hen­tin­nen, die neben ihrer Vor­lie­be für gro­ße, kraft­vol­le Noten auch die gemein­sa­me Spra­che ver­bin­det, obwohl sie aus ver­schie­de­nen Län­dern kom­men. Doch auch auf der Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta spricht man Eng­lisch, jeden­falls als zwei­te Amts­spra­che, und Clau­dia Fani­el­lo singt dem­entspre­chend in die­sem Idi­om. Die Schwes­ter des zwei­fa­chen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006) ver­such­te es in ihrer Hei­mat gefühlt wohl an die hun­dert Mal und schenk­te uns dabei so wun­der­vol­le Trash­per­len wie ‘Cara­va­g­gio’ (→ Vor­ent­scheid 2008), konn­te sich aber erst heu­er mit einer so pom­pö­sen wie nichts­sa­gen­den Bal­la­de durch­set­zen. Im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, der sich nicht so recht ent­schei­den mag, ob er als über­lan­ger Wer­be­spot für Kaf­fee Hag, Raf­fa­el­lo oder Dein­hardt-Sekt daher­kom­men mag, steht sie ein­ge­näht in diver­sen wirk­lich haut­engen Abend­klei­dern deko­ra­tiv in der Gegend her­um. Was auch den Song­ti­tel ‘Bre­ath­less­ly’ erklärt: nur ein tie­fer Atem­zug, und es wür­de sämt­li­che Näh­te spren­gen.

Teilt Mariah Careys Klei­dungs­stil: Clau­dia Fani­el­lo (MT)

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Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nach­dem am gest­ri­gen Super­sams­tag die letz­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­de der Euro­vi­si­ons­sai­son 2017 über die Büh­ne gin­gen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letz­ten intern aus­ge­wähl­ten Bei­trä­ge für Kiew war­ten (als da wären: der für den heu­ti­gen Abend gegen 18 Uhr ange­kün­dig­te, angeb­lich von einem inter­na­tio­nal bekann­ten Duo inter­pre­tier­te san­ma­ri­ne­si­sche Song; der für den mor­gi­gen Mon­tag bewor­be­ne bul­ga­ri­sche Bei­trag; das erst für den kom­men­den Sams­tag annon­cier­te, von Arts­vik gesun­ge­ne arme­ni­sche Lied; die bereits ange­kün­dig­te angli­fi­zier­te Fas­sung des alba­ni­schen Songs ‘Botë’ ali­as ‘World’ sowie der rus­si­sche Bei­trag – wobei es immer unwahr­schein­li­cher wird, dass das mit dem Gast­ge­ber­land Ukrai­ne krie­ge­risch ver­fein­de­te Land über­haupt teil­nimmt), haben neben Weiß­russ­land nun noch wei­te­re Teil­neh­mer­na­tio­nen auf­ge­frisch­te Fas­sun­gen ihrer Songs für Kiew vor­ge­stellt. So zum Bei­spiel die Schwei­zer, die das hoff­nungs­los öde ‘Apol­lo’ von Time­bel­le musi­ka­lisch deut­lich auf­dra­ma­ti­sier­ten und auch die Stim­me ihrer rumä­nisch­stäm­mi­gen Lead­sän­ge­rin im Ton­stu­dio mit dem Dampf­strah­ler behan­del­ten. Hilft natür­lich auch alles nichts mehr, aber den Ver­such war’s wert.

Pro­mi­nent ver­packt: Zeus und Apol­lo, die eid­ge­nös­si­schen Wun­der­waf­fen (CH)

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Groß­bri­tan­ni­en 2017: so klingt der Bre­x­it

Gespannt durf­te man im Vor­feld der bri­ti­schen Vor­ent­schei­dung 2017 sein, ob das König­reich die (nicht zu ver­ges­sen: im Lan­de selbst höchst umstrit­te­ne) kul­tu­rel­le, poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Abspal­tung von Euro­pa auch beim Euro­vi­si­on Song Con­test durch­zie­hen wür­de. Nach dem heu­ti­gen Abend muss man sagen: hell, yes! Der Ein­marsch der sechs kom­plett ega­len Finalist/innen von Euro­vi­si­on: you deci­de, alle­samt zu Recht geschei­ter­te X-Fac­tor-Teilnehmer/innen, fand zu den Klän­gen von Lenas ‘Satel­li­te’ (→ DE 2010) statt; als Gast­star eröff­ne­te der Nor­we­ger Alex­an­der Rybak (oder, wie Mode­ra­to­rin Mel Giedroyc den Sie­ger von 2009 ansag­te: “Rei­bach”) mit der gefühlt sechs­hun­derts­ten Auf­füh­rung von ‘Fai­ry­ta­le’ den Abend; den Pau­se­nact wäh­rend der Abstim­mungs­pha­se über­nahm die von Spar­zwän­gen gebeu­tel­te BBC direkt vom schwe­di­schen Fern­se­hen (thank god, möch­te man sagen, denn das super­lus­ti­ge ‘Love Love Peace Peace’ von Petra Mede und Måns Zelmer­low erwies sich auch in der Kon­ser­ve als der bes­te Moment der gesam­ten Sen­dung). Und selbst das Sie­ger­lied stammt aus der Feder der däni­schen Grand-Prix-Gewin­ne­rin von 2013, Emme­lie de Forest. ‘Never give up on you’: in den Ohren Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pas muss die­ses Ver­spre­chen wie Hohn klin­gen, denn in Sachen Euro­vi­si­on schei­nen die Bri­ten längst kapi­tu­liert zu haben. Nun muss man Lucie Jones, der Inter­pre­tin der dunk­len, ungla­mou­rö­sen Bal­la­de, fai­rer­wei­se beschei­ni­gen, dass sie sich als die ein­zi­ge der sechs Partizipant/innen erwies, die in Lage war, die Töne durch­ge­hend sau­ber zu tref­fen, wäh­rend die Kon­kur­renz anschei­nend geschlos­sen um einen Trost­preis im Jemi­ni-Gedächt­nis-Award wett­ei­fer­te. Mit ihrem ein­drucks­voll gesun­ge­nen Lied und ihrer dazu per­fekt pas­sen­den, zurück­ge­nom­me­nen, prak­tisch nicht­exis­ten­ten Show gab sich Lucie als klas­si­sches Jury­fut­ter, und ich könn­te mei­nen Hin­tern dar­auf ver­wet­ten, dass sie ihren Sieg eben die­ser Jury ver­dankt, die erst­mals seit lan­ger Zeit bei einem Vor­ent­scheid auf der Insel wie­der mit­be­stim­men durf­te.

Bal­la­den­freun­de wer­den jauch­zen: Lucie in the Sky wit­hout Dia­monds

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Gem­ma Abbey: von der Nil­poin­te­rin zur Steu­er­sün­de­rin

Beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2003 in Riga ersang sie mit spek­ta­ku­lär schie­fen Tönen das ers­te und bis dato ein­zi­ge Null-Punk­te-Ergeb­nis der einst­mals so stol­zen Pop­na­ti­on Groß­bri­tan­ni­en: Gem­ma Abbey, die “Jem” in Jemi­ni. Nun geriet sie in Kon­flikt mit den hei­mi­schen Finanz­be­hör­den, wie die Tages­zei­tung Tele­graph heu­te berich­tet. Danach habe die geschie­de­ne Mut­ter zwei­er Kin­der für ihre jüngs­te, dau­er­haft schwer erkrank­te Toch­ter einen Nach­lass für Allein­er­zie­hen­de gel­tend gemacht und ins­ge­samt 52.000 £ (rund 60.000 €) Steu­er­vor­tei­le kas­siert, obwohl sie seit 2009 in zwei­ter Ehe ver­hei­ra­tet sei. Die gute Gem­ma mach­te es den Anklä­gern leicht, ihr auf die Schli­che zu kom­men: auf Face­book pos­te­te sie ein Foto von ihr selbst im wei­ßen Hoch­zeits­kleid. Zu ihrer Ver­tei­di­gung brach­te sie vor, dass sie den Ein­zug ihres zwei­ten Gat­ten in die gemein­sa­me Woh­nung dem Finanz­amt gegen­über nicht ange­zeigt habe, da die Bezie­hung anfangs “brü­chig” gewe­sen sei. Ihr Anwalt gab zudem an, dass der Kinds­va­ter kei­nen Unter­halt zahl­te und sie unter Depres­sio­nen gelit­ten und ange­fan­gen habe, “zuviel zu trin­ken”. Und wenn das bri­ti­sche Steu­er­recht und sein For­mu­lar­we­sen auch nur halb so kom­pli­ziert ist wie das deut­sche, kann man wohl nichts ande­res als Sym­pa­thie und Mit­leid mit der armen, geplag­ten Ex-Sän­ge­rin emp­fin­den. Das Gericht indes poch­te auf die bestehen­den Geset­ze und ver­ur­teil­te sie zu acht Mona­ten auf Bewäh­rung. Außer­dem muss sie das Geld zurück­zah­len. Da geht es ihr nun ähn­lich wie ihrer deut­schen Grand-Prix-Kol­le­gin von 1975, Joy Fle­ming, die der­einst ein Stück mit dem Titel ‘Ich sing fers Finanz­amt’ auf­nahm. Nur, dass es in Gem­mas Fall ver­mut­lich kei­ner hören mag…

Kon­se­quent am Ton vor­bei: Gem­ma beim legen­dä­ren ESC-Auf­tritt