Bizarr: Euro­vi­si­ons­fans im Visier des digi­ta­len Info-Krie­ges?

Wie das Hei­se-Online-Maga­zin Tele­po­lis unter Bezug­nah­me auf eine Mel­dung der bri­ti­schen Tages­zei­tung Guar­di­an berich­tet, soll die bri­ti­sche Regie­rung die PR-Agen­tur Saatchi beauf­tragt haben, mit geziel­ten Kam­pa­gnen in den sozia­len Medi­en das Anse­hen der Ukrai­ne bei Fans des Euro­vi­si­on Song Con­test posi­tiv zu beein­flus­sen. Dies sei Teil einer groß­an­ge­leg­ten Offen­si­ve, mit wel­cher die Regie­rung des Insel­staa­tes im soge­nann­ten Info-Krieg zwi­schen Russ­land und dem Aus­rich­ter­land der euro­päi­schen Gesangs­fest­spie­le von 2017 der Ukrai­ne bei­ste­hen will. Die Fir­ma Saatchi, die zuletzt Wahl­kam­pa­gnen für die kon­ser­va­ti­ven Torys gefah­ren habe, soll nach Anga­ben des Guar­di­an hier­für rund 100.000 £ bekom­men (was natür­lich die Fra­ge auf­wirft, ob man das Geld nicht sinn­vol­ler für einen geschei­ten bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag ver­wen­den könn­te). Erheb­lich höhe­re Mit­tel gebe man für die Bera­tung der Regie­rung in Kiew in PR-Fra­gen, Pro­gram­me für die rus­sisch­spra­chi­gen Min­der­hei­ten in den Staa­ten des Bal­ti­kums oder zur Unter­su­chung des Ein­flus­ses des kremltreu­en Sen­ders Rus­sia Today auf west­eu­ro­päi­sche Mediennutzer/innen aus. Die benö­tig­ten Gel­der stam­men der Zei­tung zufol­ge aus dem Topf des bri­ti­schen Konflikt‑, Sta­bi­li­täts- und Sicher­heits­fonds CSSF, die Regie­rung betrach­te dies als “Ant­wort auf die zuneh­men­den Info­war-Kam­pa­gnen, mit denen von Russ­land gesteu­er­te Medi­en angeb­lich ver­sucht haben, das EU-Refe­ren­dum wie auch die Wah­len in den USA, Frank­reich und Deutsch­land zu beein­flus­sen,” so der Guar­di­an. Wie Tele­po­lis ergänzt, bestün­den ähn­li­che Pro­gram­me bereits seit eini­gen Jah­ren inner­halb der EU. Auch deut­sche Uni­ver­si­tä­ten und der Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le sei­en an diver­sen Medi­en­pro­jek­ten in der oder für die Ukrai­ne betei­ligt, die sich spe­zi­fisch mit rus­si­schen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen beschäf­ti­gen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maß­ge­schnei­der­tes Pro­gramm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Ein­zel­nen aus­se­hen soll und ob das Bud­get aus­reicht, um Euro­vi­si­ons-Iko­nen wie Lys Assia, Caro­la oder Lore­en als Tes­ti­mo­ni­al zu enga­gie­ren, dar­über war lei­der nichts zu erfah­ren. Ande­rer­seits: Rus­la­na macht das bestimmt ger­ne kos­ten­los!

Auch das einst­mals bri­tisch besetz­te Mal­ta ver­such­te sich schon an sub­ti­len Bot­schaf­ten im Info-Krieg mit Russ­land.

Euro­vi­si­on Death­match #20: When you belie­ve

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hoch­glanz­po­lier­tem Pop der gol­de­nen Jahr­zehn­te haben, wer­den Sie sich viel­leicht noch an das legen­dä­re Film­mu­sik-Duett der bei­den (laut Klatsch­pres­se) erbit­ter­ten Erz­fein­din­nen Whit­ney Hous­ton und Mariah Carey aus dem Jah­re 1998 namens ‘When you belie­ve’ erin­nern, sowie das Video, in dem die bei­den Diven so tun muss­ten, als sei­en sie die bes­ten Freun­din­nen, wäh­rend man förm­lich rie­chen konn­te, wie ger­ne sie sich gegen­sei­tig die Augen aus­krat­zen woll­ten. Das tun in der heu­ti­gen Run­de des Euro­vi­si­on Death­match hof­fent­lich unse­ren bei­den Kon­tra­hen­tin­nen, die neben ihrer Vor­lie­be für gro­ße, kraft­vol­le Noten auch die gemein­sa­me Spra­che ver­bin­det, obwohl sie aus ver­schie­de­nen Län­dern kom­men. Doch auch auf der Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta spricht man Eng­lisch, jeden­falls als zwei­te Amts­spra­che, und Clau­dia Fani­el­lo singt dem­entspre­chend in die­sem Idi­om. Die Schwes­ter des zwei­fa­chen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006) ver­such­te es in ihrer Hei­mat gefühlt wohl an die hun­dert Mal und schenk­te uns dabei so wun­der­vol­le Trash­per­len wie ‘Cara­va­g­gio’ (→ Vor­ent­scheid 2008), konn­te sich aber erst heu­er mit einer so pom­pö­sen wie nichts­sa­gen­den Bal­la­de durch­set­zen. Im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, der sich nicht so recht ent­schei­den mag, ob er als über­lan­ger Wer­be­spot für Kaf­fee Hag, Raf­fa­el­lo oder Dein­hardt-Sekt daher­kom­men mag, steht sie ein­ge­näht in diver­sen wirk­lich haut­engen Abend­klei­dern deko­ra­tiv in der Gegend her­um. Was auch den Song­ti­tel ‘Bre­ath­less­ly’ erklärt: nur ein tie­fer Atem­zug, und es wür­de sämt­li­che Näh­te spren­gen.

Teilt Mariah Careys Klei­dungs­stil: Clau­dia Fani­el­lo (MT)

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Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nach­dem am gest­ri­gen Super­sams­tag die letz­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­de der Euro­vi­si­ons­sai­son 2017 über die Büh­ne gin­gen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letz­ten intern aus­ge­wähl­ten Bei­trä­ge für Kiew war­ten (als da wären: der für den heu­ti­gen Abend gegen 18 Uhr ange­kün­dig­te, angeb­lich von einem inter­na­tio­nal bekann­ten Duo inter­pre­tier­te san­ma­ri­ne­si­sche Song; der für den mor­gi­gen Mon­tag bewor­be­ne bul­ga­ri­sche Bei­trag; das erst für den kom­men­den Sams­tag annon­cier­te, von Arts­vik gesun­ge­ne arme­ni­sche Lied; die bereits ange­kün­dig­te angli­fi­zier­te Fas­sung des alba­ni­schen Songs ‘Botë’ ali­as ‘World’ sowie der rus­si­sche Bei­trag – wobei es immer unwahr­schein­li­cher wird, dass das mit dem Gast­ge­ber­land Ukrai­ne krie­ge­risch ver­fein­de­te Land über­haupt teil­nimmt), haben neben Weiß­russ­land nun noch wei­te­re Teil­neh­mer­na­tio­nen auf­ge­frisch­te Fas­sun­gen ihrer Songs für Kiew vor­ge­stellt. So zum Bei­spiel die Schwei­zer, die das hoff­nungs­los öde ‘Apol­lo’ von Time­bel­le musi­ka­lisch deut­lich auf­dra­ma­ti­sier­ten und auch die Stim­me ihrer rumä­nisch­stäm­mi­gen Lead­sän­ge­rin im Ton­stu­dio mit dem Dampf­strah­ler behan­del­ten. Hilft natür­lich auch alles nichts mehr, aber den Ver­such war’s wert.

Pro­mi­nent ver­packt: Zeus und Apol­lo, die eid­ge­nös­si­schen Wun­der­waf­fen (CH)

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Groß­bri­tan­ni­en 2017: so klingt der Bre­x­it

Gespannt durf­te man im Vor­feld der bri­ti­schen Vor­ent­schei­dung 2017 sein, ob das König­reich die (nicht zu ver­ges­sen: im Lan­de selbst höchst umstrit­te­ne) kul­tu­rel­le, poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Abspal­tung von Euro­pa auch beim Euro­vi­si­on Song Con­test durch­zie­hen wür­de. Nach dem heu­ti­gen Abend muss man sagen: hell, yes! Der Ein­marsch der sechs kom­plett ega­len Finalist/innen von Euro­vi­si­on: you deci­de, alle­samt zu Recht geschei­ter­te X‑Factor-Teilnehmer/innen, fand zu den Klän­gen von Lenas ‘Satel­li­te’ (→ DE 2010) statt; als Gast­star eröff­ne­te der Nor­we­ger Alex­an­der Rybak (oder, wie Mode­ra­to­rin Mel Giedroyc den Sie­ger von 2009 ansag­te: “Rei­bach”) mit der gefühlt sechs­hun­derts­ten Auf­füh­rung von ‘Fai­ry­ta­le’ den Abend; den Pau­se­nact wäh­rend der Abstim­mungs­pha­se über­nahm die von Spar­zwän­gen gebeu­tel­te BBC direkt vom schwe­di­schen Fern­se­hen (thank god, möch­te man sagen, denn das super­lus­ti­ge ‘Love Love Peace Peace’ von Petra Mede und Måns Zelmer­low erwies sich auch in der Kon­ser­ve als der bes­te Moment der gesam­ten Sen­dung). Und selbst das Sie­ger­lied stammt aus der Feder der däni­schen Grand-Prix-Gewin­ne­rin von 2013, Emme­lie de Forest. ‘Never give up on you’: in den Ohren Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pas muss die­ses Ver­spre­chen wie Hohn klin­gen, denn in Sachen Euro­vi­si­on schei­nen die Bri­ten längst kapi­tu­liert zu haben. Nun muss man Lucie Jones, der Inter­pre­tin der dunk­len, ungla­mou­rö­sen Bal­la­de, fai­rer­wei­se beschei­ni­gen, dass sie sich als die ein­zi­ge der sechs Partizipant/innen erwies, die in Lage war, die Töne durch­ge­hend sau­ber zu tref­fen, wäh­rend die Kon­kur­renz anschei­nend geschlos­sen um einen Trost­preis im Jemi­ni-Gedächt­nis-Award wett­ei­fer­te. Mit ihrem ein­drucks­voll gesun­ge­nen Lied und ihrer dazu per­fekt pas­sen­den, zurück­ge­nom­me­nen, prak­tisch nicht­exis­ten­ten Show gab sich Lucie als klas­si­sches Jury­fut­ter, und ich könn­te mei­nen Hin­tern dar­auf ver­wet­ten, dass sie ihren Sieg eben die­ser Jury ver­dankt, die erst­mals seit lan­ger Zeit bei einem Vor­ent­scheid auf der Insel wie­der mit­be­stim­men durf­te.

Bal­la­den­freun­de wer­den jauch­zen: Lucie in the Sky wit­hout Dia­monds

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Gem­ma Abbey: von der Nil­poin­te­rin zur Steu­er­sün­de­rin

Beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2003 in Riga ersang sie mit spek­ta­ku­lär schie­fen Tönen das ers­te und bis dato ein­zi­ge Null-Punk­te-Ergeb­nis der einst­mals so stol­zen Pop­na­ti­on Groß­bri­tan­ni­en: Gem­ma Abbey, die “Jem” in Jemi­ni. Nun geriet sie in Kon­flikt mit den hei­mi­schen Finanz­be­hör­den, wie die Tages­zei­tung Tele­graph heu­te berich­tet. Danach habe die geschie­de­ne Mut­ter zwei­er Kin­der für ihre jüngs­te, dau­er­haft schwer erkrank­te Toch­ter einen Nach­lass für Allein­er­zie­hen­de gel­tend gemacht und ins­ge­samt 52.000 £ (rund 60.000 €) Steu­er­vor­tei­le kas­siert, obwohl sie seit 2009 in zwei­ter Ehe ver­hei­ra­tet sei. Die gute Gem­ma mach­te es den Anklä­gern leicht, ihr auf die Schli­che zu kom­men: auf Face­book pos­te­te sie ein Foto von ihr selbst im wei­ßen Hoch­zeits­kleid. Zu ihrer Ver­tei­di­gung brach­te sie vor, dass sie den Ein­zug ihres zwei­ten Gat­ten in die gemein­sa­me Woh­nung dem Finanz­amt gegen­über nicht ange­zeigt habe, da die Bezie­hung anfangs “brü­chig” gewe­sen sei. Ihr Anwalt gab zudem an, dass der Kinds­va­ter kei­nen Unter­halt zahl­te und sie unter Depres­sio­nen gelit­ten und ange­fan­gen habe, “zuviel zu trin­ken”. Und wenn das bri­ti­sche Steu­er­recht und sein For­mu­lar­we­sen auch nur halb so kom­pli­ziert ist wie das deut­sche, kann man wohl nichts ande­res als Sym­pa­thie und Mit­leid mit der armen, geplag­ten Ex-Sän­ge­rin emp­fin­den. Das Gericht indes poch­te auf die bestehen­den Geset­ze und ver­ur­teil­te sie zu acht Mona­ten auf Bewäh­rung. Außer­dem muss sie das Geld zurück­zah­len. Da geht es ihr nun ähn­lich wie ihrer deut­schen Grand-Prix-Kol­le­gin von 1975, Joy Fle­ming, die der­einst ein Stück mit dem Titel ‘Ich sing fers Finanz­amt’ auf­nahm. Nur, dass es in Gem­mas Fall ver­mut­lich kei­ner hören mag…

Kon­se­quent am Ton vor­bei: Gem­ma beim legen­dä­ren ESC-Auf­tritt

Die BBC sucht “den Klas­sen­bes­ten”

Heu­te eröff­ne­te die bri­ti­sche BBC offi­zi­ell die Suche nach dem Euro­vi­si­ons­bei­trag 2017. Dabei will man sich des­sel­ben Ver­fah­rens bedie­nen wie bereits 2016: erneut kön­nen inter­es­sier­te Song­schrei­ber ein Lied ein­rei­chen; eine Jury aus Mit­glie­dern des bri­ti­schen Grand-Prix-Fan-Clubs OGAE nimmt die Her­ku­les­auf­ga­be auf sich, die­se zu sich­ten. Gleich­zei­tig hält der Sen­der selbst mit Hil­fe der Plat­ten­fir­men aktiv Aus­schau nach pro­fes­sio­nel­len Bei­trä­gen. Die Anfor­de­run­gen sei­en nach Anga­ben von Hugh Golds­mith, dem Musik­kon­sul­tan­ten der BBC, hoch: “Gut genügt nicht… es muss groß­ar­tig sein! Der Sie­ger­song muss gefühl­vol­len Text und eine ein­präg­sa­me Melo­die mit einer bril­lan­ten Pro­duk­ti­on ver­bin­den. Wir wol­len den Klas­sen­bes­ten”! Wie schon im Vor­jahr soll das Publi­kum allei­ne die fina­le Ent­schei­dung fäl­len: in einem offe­nen Vor­ent­scheid namens Euro­vi­si­on: you deci­de will man eine schma­le Aus­wahl der kom­mis­sio­nier­ten Songs prä­sen­tie­ren. Ein Ter­min hier­für steht noch nicht fest. 2016 konn­ten sich bekannt­lich die aus The Voice bekann­ten Cas­ting­show-Buben Joe & Jake in die­sem For­mat durch­set­zen, schwer­lich die Klas­sen­bes­ten im Fach Pop, aber zumin­dest ein deut­li­cher Fort­schritt gegen­über den von der BBC haus­in­tern aus­ge­wähl­ten Musik­ge­ron­ten Engel­bert (UK 2012) und Bon­nie Tyler (UK 2013). Auch J&J konn­ten beim Haupt­wett­be­werb jedoch ledig­lich den 24. Platz bele­gen, nach­dem die Mut­ter aller öffent­lich-recht­li­chen Sen­der mal wie­der bei der Büh­nen­prä­sen­ta­ti­on spar­te und das The-Alli­sons-Update (UK 1961) im show­tech­nisch gewieft auf­ge­stell­ten Umfeld des Euro­vi­si­on Song Con­test ver­gleichs­wei­se ama­teur­haft wirk­te. Hof­fen wir mal, dass es für das Big-Five-Land dies­mal bes­ser läuft.

Klas­sen­bes­te in Sachen Milch­flaum: Joe & Jake (UK)

Chris­ter Björk­man: “Groß­bri­tan­ni­en schickt nie was Gutes”

In einer Rede vor Füh­rungs­kräf­ten aus der Musik­in­dus­trie im Rah­men einer Ver­an­stal­tungs­rei­he rund um den schwe­di­schen Polar-Musik­preis las der schwe­di­sche Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che Chris­ter Björk­man am Frei­tag in Lon­don der BBC in Bezug auf ihren Umgang mit dem Euro­vi­si­on Song Con­test kräf­tig die Levi­ten. Die seit der Jahr­tau­send­wen­de durch­weg eher mise­ra­blen Ergeb­nis­se des Ver­ei­nig­ten König­reichs beim euro­päi­schen Wett­sin­gen führ­te er auf die chro­ni­sche Gering­schät­zung des Wett­be­werbs durch die Bri­ten zurück, die sich auch in den bei­ßen­den Sot­ti­sen der Anfang die­sen Jah­res ver­stor­be­nen Euro­vi­si­ons­le­gen­de Ter­ry Wogan mani­fes­tiert hät­ten. “Wogan sprach 25 Jah­re lang den Kom­men­tar und mach­te sich in einer Tour lus­tig,” zitiert das bri­ti­sche Online­ma­ga­zin iNews den Schwe­den. Wogans Nach­fol­ger “Gra­ham Nor­ton hat nun auch die­sen schnip­pi­schen Ton drauf. So funk­tio­niert es nicht. Wit­ze zu rei­ßen geht sehr viel ein­fa­cher, als zu gewin­nen”. Auch die von der Insel-Pres­se ger­ne vor­ge­brach­ten Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, das Block­vo­ting sei Schuld am schlech­ten Abschnei­den des König­reichs, wies er barsch zurück: “Das habt Ihr Euch aus­ge­dacht. Ihr klingt schon wie die Fran­zo­sen. Wir alle lie­ben Euch. Wir alle wol­len, dass Ihr in die­sem Wett­be­werb gut seid. Ihr schickt nur nie etwas wirk­lich Gutes. War­um macht Ihr das nicht mal”?

Nicht unbe­dingt die Speer­spit­ze des zeit­ge­nös­si­schen Pop-Gesche­hens: Schmalz­bar­de Engel­bert Hum­per­dinck ver­trat das Land 2012

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Groß­bri­tan­ni­en 2016: die heim­li­che ESC-Bromance mit The Voice geht wei­ter!

2003 war es, gleich zu Beginn der euro­pa­wei­ten Cas­ting­show-Hys­te­rie, da ver­ho­ben sich die am For­mat Pop Idol (bei uns bekannt als DSDS) betei­lig­ten Pri­vat­sen­der an dem Ver­such, den Euro­vi­si­on Song Con­test zu kopie­ren und eine World Idol (Super­star welt­weit) genann­te Show mit all den Lan­des­sie­gern zu pro­du­zie­ren. Kos­te­te viel Geld und nie­mand woll­te es sehen: ein nie mehr wie­der­hol­ter Flop. Cle­ve­rer stel­len es die Mit­be­wer­ber von The Voice an, die den ESC ein­fach unter­wan­dern las­sen und ihn so ohne eige­ne Kos­ten zu ihrem heim­li­chen Euro­pa­fi­na­le umfunk­tio­nie­ren. Seit Jah­ren flu­ten die Voice-Teilnehmer/innen in immer stär­ke­rem Maße die natio­na­len Grand-Prix-Vor­ent­schei­dun­gen – und gewin­nen dort. Ges­tern bei­spiels­wei­se erst in einer der ande­ren Big-Five-Natio­nen, die­sem, wie heißt es noch gleich: Deutsch­land. Heu­te zog das Ver­ei­nig­te König­reich nach, wo Joe Wood­ford und Jake Shakes­haft das hun­dert­pro­zen­ti­ge Tele­vo­ting bei Euro­vi­si­on: you deci­de für sich ent­schei­den konn­ten, gegen die Stim­mung im Saal und gegen die Beein­flus­sung durch die BBC und ihre drei­köp­fi­ge, nicht stimm­be­rech­tig­te Exper­ten­ju­ry, die lie­ber die 25jährige Bian­ca Claxt­on mit ihrer Bal­la­de ‘Shi­ne a litt­le Light’ gewin­nen sehen woll­te. Hat­te man als unüber­seh­ba­ren Hin­weis doch extra Groß­bri­tan­ni­ens letz­te Sie­ge­rin von 1997, Kat­ri­na Lesko­vich, ein­ge­la­den (Lon­dons Vor­rä­te an Hap­py Pills und Botox dürf­ten nun für die nächs­ten Wochen erschöpft sein), die natür­lich noch mal ‘Love shi­ne a litt­le Light’ zum Bes­ten gab. Doch das klu­ge TV-Publi­kum ent­schied wie immer rich­tig und bevor­zug­te den ein­zi­gen leid­lich flot­ten Song des Abends.

Mehr wächst da nicht”: Joe (oder war es Jake?) über sei­nen sexy Milch­flaum

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Von Göte­borg nach Stock­holm: ein Kes­sel Bun­tes vom Vor­ent­scheid

Mei­ne Güte, was ein Stress: in Köln fan­den heu­te bereits die ers­ten Gene­ral­pro­ben statt für den mor­gi­gen deut­schen Vor­ent­scheid Unser Lied für Stock­holm, bei denen tat­säch­lich alles auf die lang­wei­ligs­te Opti­on hin­aus­zu­lau­fen scheint; auf den Song, der mich am käl­tes­ten lässt: auf das farb­lo­se ‘Ghost’ von Cas­ting­show-Stern­chen Jamie Lee Krie­witz näm­lich. Gähn. Doch so viel ist noch nach­zu­ho­len, so vie­le Ereig­nis­se sta­peln sich noch aus den letz­ten Tagen, dass sie nur noch in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge abzu­ar­bei­ten sind. Begin­nen wir mit dem Halb­fi­na­le der let­ti­schen Super­no­va vom ver­gan­ge­nen Sonn­tag: dort pas­sier­te zwar musi­ka­lisch nichts Neu­es mehr, ging es ja nur noch um das Ein­damp­fen der Finalteilnehmer/innen. Um so lus­ti­ger die unver­mit­tel­te Zwangs­pau­se, als LTV unmit­tel­bar nach dem Auf­tritt der Band Catalep­sia, auf den eigent­lich die übli­che Kom­men­tie­rung durch die Jury fol­gen soll­te, plötz­lich die Wer­bung ein­spiel­te. Die im Inter­net­stream nicht gezeigt wird, wes­we­gen die inter­na­tio­na­len Zuschau­er sahen, wie Super­bär­chen und 2009-Ver­tre­ter Intars Busu­li, der gera­de zu sei­nem Vor­trag anset­zen woll­te, rüde aus dem Off abge­würgt wer­den muss­te. Auch der zur Publi­kums­be­spa­ßung in den Pau­sen eigens ein­ge­kauf­te Riga Biber wur­de von den Gescheh­nis­sen über­rascht und konn­te nicht sofort ein­sprin­gen. Als Aus­lö­se­rin des gan­zen Cha­os ent­pupp­te sich indes eine ande­re Super­no­va-Teil­neh­me­rin, Saman­ta Tīna.

Komm, wir trin­ken erst mal ein Glas Wein: Lecker­li Intars weiß, wie man Pau­sen über­brückt (LV)

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Ter­ry Wogan ist tot

Die bri­ti­sche Kom­men­ta­to­ren­le­gen­de Ter­ry Wogan starb heu­te im Alter von 77 Jah­ren an Krebs. Der gebür­ti­ge Ire war in den Sieb­zi­gern in loser Fol­ge, seit 1980 durch­gän­gig bis 2008 jedes Jahr als Euro­vi­si­ons­kom­men­ta­tor für die BBC im Ein­satz und erlang­te durch sei­ne äußerst unter­halt­sa­men und sar­kas­ti­schen, teils auch chau­vi­nis­ti­schen Sprü­che weit über die Gren­zen der Insel hin­aus Bekannt­heit. Er war eine umstrit­te­ne, glei­cher­ma­ßen gelieb­te wie gehass­te Figur – und das sind bekannt­lich stets die Bes­ten. Durch sei­ne Art zu mode­rie­ren trug er wesent­lich mit dazu bei, dass die meis­ten Bri­ten (von denen vie­le nur wegen sei­ner Kom­men­ta­re über­haupt ein­schal­te­ten) den Wett­be­werb bis heu­te als skur­ri­le Kurio­si­tä­ten­schau begrei­fen, eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit, “über Aus­län­der zu spöt­teln,” wie Wogan selbst ein­mal sag­te. Dass die­se im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert, also zu Wogans Glanz­zei­ten, völ­lig zutref­fen­de Ein­schät­zung seit der Jahr­tau­send­wen­de einer zunächst schlei­chen­den, spä­ter zuse­hends stär­ker spür­ba­ren Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Bei­trä­ge Platz machen muss­te, kam beim Groß­meis­ter der spit­zen Zun­ge indes nicht mehr so rich­tig an. Dabei war es aus­ge­rech­net der von Wogan selbst als Gast­ge­ber mode­rier­te Euro­vi­si­on Song Con­test von 1998 aus Bir­ming­ham, der den Gezei­ten­wech­sel ein­läu­te­te. Des­sen unge­ach­tet blei­ben Wogans Schlag­fer­tig­keit und sein herr­lich bös­ar­ti­ger Humor uner­reicht und unver­ges­sen. Der schot­ti­sche Euro­vi­si­ons­blog­ger Ewan Spence (ESC insight) setz­te ihm mit der von ihm gespiel­ten Hand­pup­pe Ter­ry Visi­on ein Denk­mal. Mit Ter­ry Wogan ver­liert die Euro­vi­si­on eine sei­ner prä­gen­den Figu­ren.

Wogan in einem Inter­view von 1997, nach dem letz­ten bri­ti­schen Sieg