DVE 2006: Nor­disch by Natu­re

Jane Comerford von Texas Lightning, DE 2006
Deutsch­lands Liebs­te

Nach der Schan­de von Kiew (letz­ter Platz für Gra­cia mit 4 Mit­leids­zäh­lern) gab der NDR-Unter­hal­tungs­chef Jür­gen Mei­er-Beer ent­nervt sei­nen Rück­tritt als Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­cher bekannt. In sei­ner Rat­lo­sig­keit, was er nun mit der Sen­dung anfan­gen soll­te, hol­te sich der öffent­lich-recht­li­che Sen­der Unter­stüt­zung dort, wo in Deutsch­land die Unter­hal­tungs­kom­pe­tenz behei­ma­tet ist: bei den Pri­va­ten. Genau­er: bei Pro­Sie­ben und des­sen Come­dy-Aus­hän­ge­schild Tho­mas Her­manns (Quatsch Come­dy Club, Pop Club). Der beken­nen­de Grand-Prix-Fan stürz­te sich mit Feu­er­ei­fer an die Auf­ga­be und pro­du­zier­te eine gla­mou­rö­se, schwel­ge­ri­sche Retro-Show rund um den fünf­zigs­ten Geburts­tag des Song Con­tests.

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ESC 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

Logo des Eurovision Song Contest 1986
Das Jahr des wei­ßen Rau­schens

So viel Pomp, so vie­le schlech­te Lie­der! Der dama­li­ge Kron­prinz und heu­ti­ge König Nor­we­gens, das nach 28 Teil­nah­men und sechs Roten Later­nen erst­mals den Grand Prix aus­tra­gen durf­te, ließ es sich nicht neh­men, nebst Gemah­lin und Kin­dern dem fest­li­chen Ereig­nis bei­zu­woh­nen. Auch die Mode­ra­to­rin der Show, Åse Kleve­land, zählt frag­los zum Euro­vi­si­ons­adel: zwan­zig Jah­re zuvor, 1966, war die Lie­der­ma­che­rin mit dem pro­gres­si­ven Folk­stück Intet er nytt under Solen beim Wett­be­werb ange­tre­ten und beleg­te den drit­ten Platz. Danach distan­zier­te sie sich zwar zunächst vom Grand Prix, was sie aber nicht davon abhielt, nun mit dem gestren­gen Auf­tre­ten und der Fri­sur einer Domi­na im male­ri­schen Ber­gen durch einen Abend musi­ka­li­scher Abgrün­de zu füh­ren. Nur weni­ge Jah­re dar­auf über­nahm sie übri­gens das Amt der Kul­tus­mi­nis­te­rin. Mei­nen Respekt!

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DE 1986: Unse­re ein­zi­ge Welt

Ingrid Peters, DE 1986
Die Mager­süch­ti­ge

Sie fing schon mit einem Knal­ler an, die vom Baye­ri­schen Rund­funk leicht anrü­chig als “End­aus­schei­dung” apo­stro­phier­te Vor­auswahl 1986: gera­de groov­ten sich die Vor­jah­res­ver­tre­ter Wind (DE 1985, 1987, 1992, DVE 1998, 1999) auf der Büh­ne des Deut­schen Thea­ters zu Mün­chen zum Voll­play­back von ‘Für alle’ ein, da klemm­te bereits nach weni­gen Sekun­den das Band. Dazu hilf­los-nerv­tö­ten­des Gestam­mel von einer absurd auf­tou­pier­ten Frau mit dem spre­chen­den Namen Sabri­na Lal­lin­ger, wäh­rend ihre Komo­de­ra­to­rin der­ma­ßen grau­en­haf­te Lime­ricks stol­pernd vom Blatt able­sen muss­te, dass man sich die Ein­füh­rung der Scha­ria in Deutsch­land her­bei­sehn­te, um die hier­für ver­ant­wort­li­chen BR-Redak­teu­re mit Stock­schlä­gen bestra­fen zu dür­fen. Nicht aber die Able­se­rin, die char­man­te Wencke Myh­re (DE 1968, DVE 1983), die den Abend mit einem freud’schen Ver­spre­cher per­fekt zusam­men­fass­te: “Noch zwei Lie­der, dann haben die Zuschau­er die Wahl der Qual”!

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DE 1983: Ver­band uns wirk­lich nur die Nacht?

Hoffmann & Hoffmann, DE 1983
Die Rück­sichts­vol­len

Im Jahr Eins nach Nico­le hielt sich Ralph Sie­gel aus der deut­schen Vor­ent­schei­dung kom­plett her­aus. Kein “Pro­jekt Titel­ver­tei­di­gung wie bei einem ande­ren gro­ßen Euro­vi­si­ons­e­go­ma­nen – Onkel Ralph wuss­te, dass sich die Magie des Augen­blicks nicht ein­fach wie­der­ho­len lässt. Ansons­ten blieb alles wie gehabt: abge­half­ter­te Schla­ger­stars und unbe­kann­te Stern­chen san­gen (noch immer unter der sel­ben Licht­or­gel wie schon 1979!) eine Aus­wahl ermü­den­der Schlicht­schla­ger – alles, was auch nur im Ent­fern­tes­ten nach Sub­ver­si­on oder Blö­de­lei hät­te klin­gen kön­nen, sieb­ten die Juro­ren und die Hörer/innen der ARD-Schla­ger­wel­len in den Vor­wah­len gna­den­los aus. Die deut­sche Vor­ent­schei­dung blieb ein Hort der spie­ßig-hei­len Schla­ger­welt, ein Boll­werk gegen moder­nen Deutsch­pop, gegen das rich­ti­ge Leben.

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DE 1979: Dann bleibst Du län­ger dran

Dschinghis Khan, DE 1979
Die Impe­ra­to­ren

In die­sem Jahr erb­te der Baye­ri­sche Rund­funk den inner­halb der ARD nach wie vor eher unbe­lieb­ten Grand Prix. Wie es dazu kam? Nun, im Vor­jahr hat­te Isra­el den Wett­be­werb gewon­nen, und für die Bericht­erstat­tung über das Nah­ost­land liegt die Zustän­dig­keit bei der Arbeit­ge­mein­schaft deut­scher Rund­funk­an­stal­ten in Mün­chen. Also bekam der BR auch den Con­test zuge­scho­ben. Logisch, oder? Die Bay­ern, das muss man ihnen zugu­te hal­ten, stell­ten sich der Auf­ga­be mit Bra­vour: sie pro­du­zier­ten eine TV-Vor­ent­schei­dung mit zwölf Teilnehmer/innen, größ­ten­teils die A-Lis­te des deut­schen Schla­gers. Außer­dem erkann­ten sie schon fast zwan­zig Jah­re vor der EBU, dass die Zeit der orga­ni­sier­ten Bevor­mun­dung durch Jurys abge­lau­fen war, und beauf­trag­ten das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Infra­test, in einer tele­fo­ni­schen Reprä­sen­ta­tiv­um­fra­ge unter 540 vor­her aus­ge­wähl­ten Haus­hal­ten den Publi­kums­lieb­ling zu ermit­teln.

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