EMA 2020: Teu­fels Werk und Got­tes Bei­trag

Gäbe es einen Wett­be­werb um das absur­des­te Vor­ent­schei­dungs­for­mat zum Euro­vi­si­on Song Con­test, dann spiel­te die Evro­vi­zijs­ka Melo­di­ja (EMA) wohl um den Sieg mit. 12 Acts ver­sam­mel­te das slo­we­ni­sche Fern­se­hen RTV SLO ges­tern Abend in Ljub­l­ja­na, von denen sich zehn die Mühen streng­ge­nom­men von vor­ne her­ein hät­ten spa­ren kön­nen. Denn nach­dem alle 12 gesun­gen hat­ten, tag­te eine reiz­voll um eine rie­si­ge Schüs­sel Mini-Dick­manns dra­pier­te Jury, bestehend aus drei Genera­tio­nen slo­we­ni­scher Euro­vi­si­ons­di­ven, nament­lich Dar­ja Šva­j­ger, Nuša Deren­da und Maja Keuc. Und die schick­ten zehn von ihnen gleich wie­der nach Hau­se, dar­un­ter alles auch nur annä­hernd Aus­sichts­rei­che sowie die zwei in einem wochen­lang zele­brier­ten Nach­wuchs­wett­be­werb namens EMA Freš Aus­ge­wähl­ten. Ledig­lich zwei Songs ließ man dem Publi­kum gnä­dig zur Abstim­mung übrig: eine blas­se Bal­la­de sowie… eine noch blas­se­re Bal­la­de. Mit einem dia­bo­li­schen Abstand von 666 Anru­fen ent­schie­den sich die Slowen:innen dann immer­hin für das etwas weni­ger drö­ge der bei­den inhalts­glei­chen Ange­bo­te, näm­lich das von der anämi­schen Inter­pre­tin Ana Soklič mit­kom­po­nier­te ‘Voda’ (‘Was­ser’). Das kann näm­lich zumin­dest mit einem ansatz­wei­se dra­ma­ti­schen Refrain punk­ten, der die Zuschauer:innen nach einer lei­der andert­halb Minu­ten andau­ern­den, koma­in­du­zie­ren­den Weg­fin­dung wie­der aus dem Tief­schlaf reißt.

Rief panisch den Erlö­ser an, als sie erfuhr, dass sie mit den Stim­men des Teu­fels gewann: Ana Soklič.

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EMA 2019: Kaos-Tage in Slo­we­ni­en

Es ist eine ewi­ge Hass­lie­be, die das slo­we­ni­sche Publi­kum und sei­nen Fern­seh­sen­der RTVS­LO mit­ein­an­der ver­bin­det und die sich seit Deka­den beim Vor­ent­scheid des Lan­des, der EMA, in unge­zähl­ten Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­chen mit Hil­fe des Voting­ver­fah­rens oder der Jury mani­fes­tiert. So auch in die­sem Jahr, wo der Sen­der sehr offen­sicht­lich die 22jährige Har­fen­spie­le­rin und Sän­ge­rin Sara Briš­ki Cir­man, bes­ser bekannt unter ihrem Büh­nen­na­men Rai­ven, nach Tel Aviv ent­sen­den woll­te. Näm­li­che Rai­ven also, die bereits bei der EMA 2016 einen zwei­ten Platz beleg­te, im Jahr dar­auf einen drit­ten, die 2018 die Show mode­rie­ren durf­te und die dies­mal den Pimp Slot zuge­schanzt bekam. Um ganz sicher zu gehen, dass das Publi­kum kei­ne Wahl hät­te, bestimm­te die in der ers­ten Wer­tungs­run­de allei­ne ent­schei­dungs­be­rech­tig­te Jury sogar extra einen beson­ders aus­sicht­lo­sen Act zu den Pro-For­ma-Geg­nern Rai­vens. Näm­lich Zala Kralj und Gaš­per Šantl, ein weiß geklei­de­tes, teil­nahms­los-ver­stört agie­ren­des Pär­chen, bestehend aus einer offen­sicht­lich akut sui­zid­ge­fähr­de­ten, lei­se vor sich hin wim­mern­den Frau und einem hos­pi­ta­li­siert schau­keln­den Typen mit ver­stei­ner­tem Gesicht und toten Augen, der sich krampf­haft hin­ter sei­nem Key­board ver­steck­te und panisch jeg­li­chen Sicht­kon­takt mit dem Publi­kum und sei­nem Gespons ver­mied.

Fle­hent­lich flüs­tert Zala ihrem Kas­per ihr Leid ins Ohr, doch der wirkt völ­lig abwe­send: der slo­we­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag 2019 raubt dem Zuschau­er in Sekun­den jeg­li­chen Lebens­wil­len.

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