DVE 2002: Will our Ears sur­vi­ve?

Corinna May, DE 2002
Die Tra­gi­sche

Ech­ter Fort­schritt bei der deut­schen Vor­ent­schei­dung: brauch­te es in den Neun­zi­gern man­gels Kon­kur­renz noch eine Teil­nah­me am Euro­vi­si­ons­fi­na­le, um sich die lah­men­de Kar­rie­re end­gül­tig zu Schan­den zu sin­gen (vgl. Mün­che­ner Frei­heit, DE 1993), so konn­te man das die­ser Tage bereits kos­ten­spa­rend bei der Vor­auswahl erle­di­gen. Nach dem Big-Bro­ther-Star Zlat­ko Trpkov­ski im Vor­jahr tausch­te dies­mal die geschmack­lich hoch­gra­dig kon­tro­ver­se, kom­mer­zi­ell aber um so erfolg­rei­che­re Kel­ly Fami­ly die aus­ver­kauf­ten Stadt­hal­len wie­der gegen die Fuß­gän­ger­zo­nen. Und Schuld war wie­der mal die Bild.

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ESC 1985: Lass es schwin­gen

Logo Eurovision Song Contest 1985
Das Jahr der Drag­queens

Ein bedenk­li­ches Zei­chen: im zwei­ten Jahr in Fol­ge mach­ten beim Euro­vi­si­on Song Con­test nicht die (unter­ir­di­schen) Lied­bei­trä­ge von sich reden, son­dern die Mode­ra­to­rin der Show. Lil Lind­fors, die anbe­tungs­wür­di­ge coo­le schwe­di­sche Grand-Prix-Ver­tre­te­rin von 1966 (‘Nygam­m­al Vals’) und Gast­ge­be­rin des heu­ti­gen Abends, blieb bei der Anmo­de­ra­ti­on der Punk­te­wer­tung wie zufäl­lig an einem Trep­pen­ge­län­der hän­gen und riss sich den Rock ab, wor­auf­hin die Welt sie sekun­den­lang im Unterhös­chen bewun­dern durf­te. Doch schnell lös­te sie ein paar Fäden, zog ein paar Stoff­tei­le her­un­ter und – schwupps! – stand sie wie­der im schick­li­chen Bein­kleid da. “Ich woll­te Sie nur auf­we­cken”, bemerk­te sie süf­fi­sant. Der Weck­ruf erwies sich nach der vor­aus­ge­gan­ge­nen musi­ka­li­schen Dau­er­öd­nis aber auch als bit­ter nötig!

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ESC 1978: Mei­le um Mei­le um Mei­le

Logo des Eurovision Song Contest 1978
Das Jahr des Weich­zeich­ners

Erst­ma­lig in die­sem Jahr­zehnt (und letzt­ma­lig über­haupt) kam das in den sech­zi­ger Jah­ren so vom Euro­vi­si­ons­er­folg ver­wöhn­te Frank­reich wie­der zu Gast­ge­ber­eh­ren. Was das aus einer auf­ge­don­ner­ten Schab­ra­cke und einem schät­zungs­wei­se weit über hun­dert­jäh­ri­gen Sport­re­por­ter mit dem schö­nen Namen Léon Zitro­ne bestehen­de Mode­ra­to­ren­paar (ein Euro­vi­si­ons-Novum: bis 1977 führ­te stets nur ein/e einzelne/r Gastgeber/in durch den Abend) zum Anlass nahm, die Zuschau­er zu beleh­ren, dass selbst­ver­ständ­lich ihr Land bis­lang am häu­figs­ten gewon­nen habe. Tja: Hoch­mut kommt vor dem Fall! Die Bild­re­gie des fran­zö­si­schen Fern­se­hens über­zog die Sen­dung mit einem Weich­zeich­ner­schlei­er nach Art der Zärt­li­chen Cou­si­nen, der sämt­li­che Dar­bie­tun­gen optisch zu einem ein­zi­gen pas­tell­far­be­nen Matsch zusam­men­schmolz, stim­mig ergänzt durch den bom­bas­ti­schen, unsau­be­ren Klang­brei, den das schon osten­ta­tiv des­in­ter­es­sier­te Orches­ter abson­der­te und der alle Bei­trä­ge auf sei­fi­ge Fahr­stuhl­mu­sik redu­zier­te. Da muss­te man sich schon sehr viel Mühe geben, um auf­zu­fal­len.

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DE 1978: Heut will ich’s wis­sen

Ireen Sheer, DE 1978
Die Strip­pe­rin

Im Jahr Eins nach Grü­ne­feldt herrsch­te bei der ARD in Sachen Grand Prix heil­lo­se Kon­fu­si­on. Der Hes­si­sche Rund­funk gab die Zustän­dig­keit für den Euro­vi­si­on Song Con­test ab, und nie­mand woll­te sie haben. Gegen sei­nen erklär­ten Wil­len erhielt der Süd­west­funk in Baden-Baden die Ver­ant­wor­tung zuge­scho­ben. Der ver­leg­te die Vor­ent­schei­dung ins Radio, nach dem man die ein­ge­reich­ten Songs als zu niveau­los für ein TV-Fina­le emp­fand. Und tat­säch­lich las­sen solch klin­gen­de Künst­ler­na­men wie die inter­na­tio­nal renom­mier­ten Brun­hil­de Lam­ber­ty, Alba­tros (mit dem Bei­schlaf­schla­ger ‘Bleib die Nacht bei mir und komm’) oder das deutsch-öster­rei­chi­sche Schla­ger­pär­chen Freya & Bernd Wip­pich (‘Ich tra­ge [schwer an] Dei­nem Namen’) hin­sicht­lich der Bei­trä­ge nichts Gutes erah­nen.

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ESC 1974: Couldn’t escape if I wan­ted to

Logo des Eurovision Song Contest 1974
Das Jahr des Schwe­den­pop

Grün ist ja bekannt­lich die Far­be der Hoff­nung. Beson­ders opti­mis­tisch erschie­nen also die deut­schen Ver­tre­ter Cin­dy & Bert (DVE 1972, 1973, 1978) zu die­sem Grand Prix: Cin­dy in einem lind­grü­nen Maxik­leid, Bert im popel­grü­nen Anzug mit gift­grün leuch­ten­dem Som­mer­schal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hin­ter ver­schlos­se­nen Türen aus­ge­wähl­te, schwäch­li­che ‘Som­mer­me­lo­die’ ver­en­de­te auf dem letz­ten Platz. Auf­grund der feh­len­den öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung und des dar­aus fol­gen­den man­geln­den Inter­es­ses am inter­na­tio­na­len Wett­be­werb sahen das nur 28 % der deut­schen TV-Zuschau­er. Was man inso­fern bedau­ern muss, da auf die­se Art und Wei­se vie­le Deut­sche den his­to­ri­schen Con­test schlecht­hin ver­pass­ten.

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