2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madon­na wird am Sams­tag im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 auf­tre­ten. Die seit Mona­ten als Gerücht gestreu­te, in den letz­ten Tagen mit einem ent­we­der unnö­ti­gen oder gefak­ten Dra­ma um nicht unter­schrie­be­ne Ver­trä­ge gehyp­te und ges­tern bestä­tig­te Nach­richt, dass die EBU der ame­ri­ka­ni­schen Groß­mutter des Pop, die hier­für sogar noch eine von einem israe­li­schen Indus­tri­el­len finan­zier­te Mil­lio­nen­ga­ge ein­streicht, in der zuschau­er­stärks­ten TV-Show der Welt kos­ten­los die Mög­lich­keit zur Bewer­bung ihres neu­es­ten Albums ein­räumt, nahm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend gefühlt ein Vier­tel der Sen­de­zeit, min­des­tens jedoch der Mode­ra­ti­on ein und degra­dier­te die acht­zehn im Kampf um den Final­ein­zug ange­tre­te­nen Acts zur blo­ßen Staf­fa­ge. Ver­traut die EBU der Strahl­kraft ihrer eige­nen Vor­zei­ge­sen­dung mitt­ler­wei­le so wenig, dass sie glaubt, die­ses erbärm­li­che Spiel mit­ma­chen zu müs­sen? Gut, der musi­ka­li­sche Anspruch des zwei­ten Semi­fi­na­les, in dem sich zwar alle nicht fix fürs Fina­le gesetz­ten Buch­ma­cher-Favo­ri­ten tum­mel­ten, das aber größ­ten­teils durch glatt­po­lier­te, main­strea­m­i­ge Lan­ge­wei­le glänz­te, ließ einen ein Stück weit nach­voll­zie­hen, war­um man sich sei­tens des Sen­ders KAN so auf das Drum­her­um kapri­zier­te.

Die dür­fen das: der Pau­se­nact Shal­va mit einem wun­der­bar herz­er­wär­men­den Kitsch­stück.

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Rank & File 2019: Platz 18 – 22

Am glei­chen Tag wie das in der aufrechtgehn.de-Wertung einen Rang tie­fer plat­zier­te Nord­ma­ze­do­ni­en der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt, konn­te auch der iri­sche Bei­trag sich in der Rubrik “ganz nett” eta­blie­ren.

Platz 18: Irland – Sarah McTer­n­an: 22

Mit Zah­len schei­nen es die Iren irgend­wie zu haben. ‘Play­ing with Num­bers’ hieß einer ihrer Bei­trä­ge aus der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, mit ‘Ire­lan­de Dou­ze Points’ illus­trier­ten sie einst, war­um ihnen nie­mand mehr den magi­schen Zwöl­fer zukom­men las­sen möch­te und sie meist schon nach dem Semi wie­der abrei­sen müs­sen, wo sie sich am ‘Ter­mi­nal 3’ in einen unbe­kann­ten Pas­sa­gier ver­gu­cken. Nun folgt mit ‘22’ der nächs­te Streich, und die am nächs­ten lie­gen­de Schluss­fol­ge­rung auf die Fra­ge, wel­che Quan­ti­tät die­se Zahl benennt, ist natür­lich die Län­ge des Pfer­de­schwan­zes, den die schein­bar alters­lo­se Sarah (laut Wiki­pe­dia in ihrem 25. Lebens­jahr, aber ich wür­de jede Ant­wort zwi­schen 18 und 53 wider­spruch­los akzep­tie­ren) im offi­zi­el­len Video­clip im Storm­vind der iri­schen Küs­te schwingt, als sei sie eine Absol­ven­tin der Slav­ko-Kale­zić-Hairtoss-Aca­de­my. Oder was dach­ten Sie denn, Sie Fer­kel­chen? Die Num­mer kommt als harm­los-pop­pi­ges Acht­zi­ger­jah­re-Feel­good-Gitar­ren­ge­plän­kel im Sti­le von Bands wie Fair­ground Attrac­tion her­über, mit einem Schuss Fünf­zi­ger-Fee­ling. Eine Art von musi­ka­li­schem Johan­nis­kraut, das auf scho­nen­de Wei­se mode­rat die Stim­mung hebt, des­sen Wir­kung aber auch schnell wie­der abklingt. Super Hin­ter­grund­mu­sik also fürs Bügeln oder Socken sor­tie­ren.

Ein Händ­chen für Loca­ti­ons haben die Iren: die­se pit­to­res­ke Beton­trep­pe hin­ter dem idyl­li­schen Toi­let­ten­häus­chen direkt an der win­dum­tos­ten Fels­küs­te, auf der Sarah gra­zi­ös her­ab­schrei­tet, wirkt ein­fach nur male­risch!

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WSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Mit Rie­sen­schrit­ten nähern wir uns dem Ende der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len steht an die­sem Sams­tag der letz­te öffent­li­che Vor­ent­scheid an. Aus­ge­rech­net all jene Natio­nen, die zu faul oder zu gei­zig waren, einen sol­chen zu orga­ni­sie­ren, haben sich nun ver­ab­re­det, Fans und Euro­vi­si­ons­blog­ger in den Stress­in­farkt zu schi­cken, in dem sie all ihre – teils seit vie­len Wochen im Tre­sor gebun­ker­ten – Bei­trä­ge mehr oder min­der gleich­zei­tig ver­öf­fent­lich­ten. Den Beginn in unse­rer klei­nen Werk­schau macht das mitt­ler­wei­le auch von­sei­ten der EBU offi­zi­ell umbe­nann­te Nord­ma­ze­do­ni­en, das als ein­zi­ge der betei­lig­ten Natio­nen einen vali­den Grund vor­wei­sen kann, sei­nen Song heu­te – am Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag – her­aus­zu­brin­gen. Han­delt es sich bei ‘Proud’ doch um eine Bal­la­de zum The­ma der weib­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, die den zusam­men­ge­cas­te­ten deut­schen Sis­ters, die mit dem glei­chem Sujet unter­wegs sind, zeigt, wo der Ham­mer hängt. Und zwar sowohl musi­ka­lisch, wo nach einem etwas sprö­den, ver­hal­te­nen Anfang ein zwar schon hun­dert­mal gehör­ter, aber gera­de des­we­gen sofort mit­sing­ba­rer Refrain kommt und wo der Song nach einer zwei­ten Stro­phe ziem­lich unver­mit­telt in die Vol­len geht und dabei fast schon gos­pel­haf­te Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt.

Das Alpha­weib­chen: Tama­ra Todevs­ka führt die Schwes­tern­schaft auf die Bar­ri­ka­den. Recht so!

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Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’amour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

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Griff ins Klo: zwei­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eigent­lich gehört es zur Eröff­nungs­tra­di­ti­on des Pres­se­zen­trums, dass die dort ver­sam­mel­ten Schwur­na­lis­ten von der aller­ers­ten Pro­be aus tech­ni­schen Grün­den nichts mit­be­kom­men, weil die Lei­tung von der Hal­le noch nicht steht. Das war am Sonn­tag zwar nicht der Fall, dafür aber am heu­ti­gen Mon­tag: pünkt­lich zum Pro­ben­be­ginn um zehn Uhr lie­fen noch Tou­ris­mus­wer­be­clips in Dau­er­schlei­fe, wäh­rend in der Alti­ce-Are­na bereits das maze­do­ni­sche Duo Eye Cue auf der Büh­ne stand. Erst zum drit­ten Durch­lauf drück­te jemand den Knopf: auf den Moni­to­ren erschien, wie OnU berich­te­te, bild­fül­lend der Hin­tern der Lead­sän­ge­rin Mari­ja. Und falls sich jemand noch mit Schau­dern an das pink­far­be­ne Camel­toe-Out­fit aus dem Video zu ‘Lost and found’ erin­nert: etwas Ähn­li­ches trägt sie auch in Lis­sa­bon, nur ohne Unter­teil. Dort stol­ziert Mari­ja in einem eben­falls knall­pin­ken, rücken­frei­en Läpp­chen über die Bret­ter, wel­ches die Bli­cke auf ihr sil­ber­nes Hös­chen eher frei­gibt als bedeckt. Passt aber: dafür kommt ihr Beglei­ter Bojan halt oben­rum ohne. Der Auf­tritt wirkt genau so unstruk­tu­riert und chao­tisch wie der aus meh­re­ren Ein­zel­tei­len not­dürf­tig zusam­men­ge­tacker­te Song. Das sehen wir am Sams­tag im Fina­le garan­tiert nicht wie­der.

Lead­sän­ge­rin Mari­ja und ihr Scham­lip­pen­lap­pen.

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IE 2018: Ein­mal wie immer

Heim­lich, still und lei­se ver­öf­fent­lich­te am heu­ti­gen Frei­tag der iri­sche Sen­der RTÉ sein Lied für Lis­sa­bon. Ohne gro­ße vor­her­ge­hen­de Ankün­di­gung oder gar – wie beim öster­rei­chi­schen Kol­le­gen – im Nach­gang zu einer Pres­se­kon­fe­renz. So, als wol­le man gar nicht, dass die Öffent­lich­keit wei­ter Notiz davon nimmt. Und so klingt auch der Song: der eben­falls bereits seit Mona­ten fest­ste­hen­de Ryan O’Shaugnessy into­niert mit ener­vie­rend wei­ner­li­cher, hoher Stim­me eine bereits tau­send Mal gehör­te Mid­tem­po­bal­la­de namens ‘Tog­e­ther’. An der ist das Inter­es­san­tes­te noch der dazu­ge­hö­ri­ge Video­clip, in dem zwei jun­ge Män­ner völ­lig selbst­ver­ständ­lich ver­liebt und Händ­chen hal­tend durch die Stra­ßen Dub­lins tan­zen. Das erwärmt natür­lich des Rezen­sen­ten Herz, macht aus dem lah­men Lied­lein aber lei­der den­noch nichts, das man noch ein­mal wie­der­hö­ren möch­te. Man kann sich des Ein­drucks nicht erweh­ren, die finan­zi­ell gebeu­tel­ten Iren wol­len gar nicht mehr ins Euro­vi­si­ons­fi­na­le und mel­den sich nur noch aus Tra­di­ti­on regel­mä­ßig zur Teil­nah­me an. ‘Tog­e­ther’ jeden­falls ist als Wett­be­werbs­bei­trag eine Kapi­tu­la­ti­ons­er­klä­rung.

Bonus­punk­te für den Clip (gespon­sert offen­sicht­lich von Spar), der Song aber bleibt ein Rohr­kre­pie­rer.

It’s a Fami­ly affair: Irland schickt den Nef­fen

Erin­nern Sie sich noch an den Euro­vi­si­on Song Con­test von 2001? Das Jahr, in dem Irland nach dem Ende sei­ner spek­ta­ku­lä­ren Sie­ges­se­rie in den Neun­zi­gern bereits zum zwei­ten Mal so rich­tig eins auf die Fres­se bekam und auf dem dritt­letz­ten Platz lan­de­te; völ­lig zu Recht übri­gens, da es einen cha­ris­ma­be­frei­ten, haupt­be­ruf­li­chen Rasen­mä­her­ver­käu­fer namens Gary O’Shaughnessy mit einer der schlech­tes­ten jemals dar­ge­bo­te­nen Schnarch­bal­la­den schick­te? War­um ich Ihnen so merk­wür­di­ge Fra­gen stel­le? Nun, wie das iri­sche Fern­se­hen RTÉ heu­te bekannt gab, ent­sen­det es 2018 Garys Nef­fen Ryan O’Shaughnessy nach Lis­sa­bon. Mit, man ahnt es bereits, einer von ihm mit­kom­po­nier­ten Bal­la­de namens ‘Tog­e­ther’. Der 25jährige Sin­ger-Song­wri­ter erlang­te 2012 Bekannt­heit, als er zur glei­chen Zeit an zwei Cas­ting­shows par­al­lel teil­nahm, näm­lich The Voice of Ire­land und Britain’s got Talent, wo er mit dem selbst geschrie­be­nen Lie­bes­lied ‘No Name’ und der dazu­ge­hö­ri­gen Geschich­te für geschmol­ze­ne Her­zen sorg­te und einen Hit sowohl auf der Grü­nen Insel als auch im König­reich lan­de­te.

Weiß jemand, ob er das Mädel damit rum­ge­kriegt hat? Ryan O’Shaughnessy beim bri­ti­schen Super­ta­lent (Reper­toire­bei­spiel).

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Never mind the Bol­locks: singt der Sex-Pis­tols-Front­mann für Irland?

Schon seit eini­ger Zeit kur­siert das Gerücht, der ehe­ma­li­ge Front­mann der bri­ti­schen Punk­band The Sex Pis­tols (‘Anar­chy in the UK, ‘God save the Queen’), John­ny Rot­ten, zei­ge Inter­es­se, die alt­ehr­wür­di­ge Grü­ne Nach­bar­in­sel beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon zu ver­tre­ten. Der iri­sche Able­ger des Revol­ver­blat­tes The Sun kon­kre­ti­sier­te das heu­te: danach habe sich der hei­mi­sche Kom­po­nist Niall Moo­ney, unter ande­rem betei­ligt an dem Euro­vi­si­ons­bei­trag ‘It’s for you’ von Niamh Kava­nagh (→ IE 2010), mit einem von ihm ver­fass­ten Song namens ‘Plea­sed to meet you’ beim Sen­der RTÉ für den Grand-Prix-Vor­ent­scheid bewor­ben. Moo­ney beschreibt die Stil­rich­tung sei­nes Lie­des als “Cow­punk”, einen “catchy” Mix aus Coun­try und Punk. Wie er der Zei­tung ver­riet, habe sei­ne Frau ihn auf die Idee gebracht, den mitt­ler­wei­le 61jährigen, frü­he­ren Punk-Sän­ger und zwi­schen­zeit­li­chen Dschun­gel­camp-Teil­neh­mer (bür­ger­li­cher Name: John Lydon) als Inter­pre­ten anzu­fra­gen. Und der sag­te ger­ne zu: “Es wäre mir eine gro­ße Ehre, Irland beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu ver­tre­ten,” äußer­te er sich gegen­über der Sun. Rot­ten wür­de den von Moo­ney geschrie­be­nen Titel mit sei­ner For­ma­ti­on Public Image Ltd. (Hit aus dem Jah­re 1983: ‘This is not a Love Song’) prä­sen­tie­ren, falls RTÉ ihn für den Vor­ent­scheid aus­wählt, was bei Wei­tem noch nicht sicher ist. Die Sun zitiert einen anonym blei­ben­den Sen­der-Mit­ar­bei­ter mit den ent­setz­ten Wor­ten: “Das könn­te für Irland schlim­mer wer­den als Dus­tin the Tur­key. Des­sen kata­stro­phal geschei­ter­ter Ver­such einer Grand-Prix-Par­odie beim ESC von 2008 scheint noch heu­te als natio­na­les Trau­ma nach­zu­wir­ken. Moo­ney, der nach eige­ner Aus­sa­ge vor Kur­zem an einem Euro­vi­si­ons­work­shop des Sen­ders teil­nahm, wider­spricht: RTÉ emp­fahl uns doch, Sän­ger zu fin­den, die es gewohnt sind, vor gro­ßem Publi­kum zu spie­len, sowie einen ein­gän­gi­gen Song und vor allem etwas Uner­war­te­tes, das es so beim Con­test noch nicht gab”. Auch John­ny Rot­ten, in Lon­don gebo­re­ner und auf­ge­wach­se­ner Sohn ein­ge­wan­der­ter iri­scher Eltern, der sich laut Wiki­pe­dia unlängst im Früh­stücks­fern­se­hen als Trump- und Bre­x­it-Sup­por­ter oute­te, hält sich für die rich­ti­ge Wahl: “Als ame­ri­ka­nisch-eng­li­scher Ire bin ich voll­um­fäng­lich qua­li­fi­ziert, weit­ge­reist, voll dabei und bereit”. Na dann!

Ein Lie­bes­lied wird John­nys iri­scher Vor­ent­schei­dungs­bei­trag ‘Plea­sed to meet you’ sicher auch nicht (Reper­toire­bei­spiel).

John­ny Rot­ten für Irland? Das wäre…

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Euro­vi­si­on Death­match #19: Dude sings like a Lady

Cele­bra­te Diver­si­ty”“Fei­ert die Viel­falt” ist das anspre­chen­de Mot­to des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017. Die bei­den Landesvertreter/innen, die heu­te in unse­rem Leser/innenspiel in den Ring stei­gen, tra­gen hier­zu beson­ders bei. Sie tre­ten mit Songs an, die unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten, und doch eint sie – neben ihrer Jugend – eine gemein­sa­me Beson­der­heit, die ich mal keck als Trans­gen­der-Gesang bezeich­nen will: eine Stimm­la­ge, die vor­der­grün­dig nicht sofort mit dem bio­lo­gi­schen Geschlecht des Inter­pre­ten har­mo­nie­ren will. Es beginnt – Ladies first – die Bel­gie­rin Ellie Del­veaux, die sich den so gar nicht zu ihrem zar­ten Alter von nur 16 Len­zen pas­sen­den Künst­le­rin­nen­na­men Blan­che zuleg­te, für nicht mehr ganz so tau­fri­sche Fans wie mich natür­lich für immer untrenn­bar mit der män­ner­ver­schlin­gen­den Mit­be­woh­ne­rin der lus­ti­gen, in Mia­mi behei­ma­te­ten Alters-WG der Gol­den Girls ver­bun­den. Schon mal der ers­te inne­re Wider­spruch, zu dem noch etli­che hin­zu­kom­men: das Video zu ihrem fan­tas­ti­schen Elek­tro-Track ‘City Lights’ spielt in einer her­un­ter­ge­kom­me­nen, unwirt­li­chen Beton­ku­lis­se, die irgend­wo im Nie­mands­land zu ste­hen scheint – nur nicht in der hell illu­mi­nier­ten Groß­stadt, deren Neon­be­leuch­tung Blan­che im Titel besingt. Ein ele­gant durch die Kulis­se schwe­ben­der Licht­ball sorgt für Span­nung und macht das Set­ting über­haupt erst aus­halt­bar – sein Sinn erschließt sich aller­dings genau so wenig wie der des kryp­ti­schen Tex­tes, bei dem nie so ganz klar wird, ob die Inter­pre­tin hier eine Bezie­hung the­ma­ti­siert (und falls ja, ob die­se am Beginn, am Ende oder irgend­wo dazwi­schen steht) oder ein apo­ka­lyp­ti­sches Sze­na­rio. Für die meis­te Gän­se­haut sorgt aber ihre äußerst dunk­le Stim­me, die, um im Gol­den-Girls-Ver­gleich zu blei­ben, tat­säch­lich zu der eher mas­ku­lin wir­ken­den Doro­thy pas­sen wür­de als zur Süd­staa­ten-Schön­heit Blan­che. Sie steht in reiz­vol­lem Kon­trast zum atmo­sphä­risch schwe­ben­den, trei­ben­den Musik­bett und ver­leiht ihrem Song eine gera­de­zu hyp­no­ti­sche, nun­ja: Tie­fe.

Ganz allein in der Gefah­ren­zo­ne: Blan­che schreckt so schnell nichts (BE)

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Irland 2017: Uschi, mach kein Quatsch!

Müs­sen wir uns ernst­haf­te Sor­gen machen? ‘Try­ing to die’ heißt der offen­sicht­lich sui­zi­da­le iri­sche Bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew, mit dem der Sen­der RTÉ heu­te Nach­mit­tag einen musi­ka­li­schen Hil­fe­schrei… Wie bit­te? Falsch her­um? Oha, ent­schul­di­gen Sie bit­te! Ich höre gera­de, ich muss mich kor­ri­gie­ren: ‘Dying to try’ ist der kor­rek­te Titel, so wie ihn der bereits vor Mona­ten aus­ge­such­te Cas­ting­show­bube Bren­dan Mur­ray mit kna­ben­haft hel­ler Stim­me im eigens an der iri­schen Küs­te abge­dreh­ten Strand­vi­deo (das in einem hüb­schen iro­ni­schen Twist mit deut­lich bes­se­rem Wet­ter auf­war­ten kann als der vor ähn­li­cher Kulis­se spie­len­de Clip zum spa­ni­schen Bei­trag 2017) into­niert. Wie zu erwar­ten, han­delt es sich um eine sehr klas­si­sche, im letz­ten Refrain unter Ein­satz eines Gos­pel­chors (mal schau­en, wie das in Kiew klap­pen soll) dra­ma­tisch auf­ge­föhn­te Euro­vi­si­onbal­la­de, wel­che in die­ser Form schon 1992 hät­te für die Grü­ne Insel antre­ten kön­nen. Durch die elfen­haft hohe Stim­me des Sän­gers hebt sie sich aller­dings ein wenig her­aus aus dem dies­jäh­ri­gen Bal­la­den­meer: falls Bren­dan das live nicht ver­geigt und sich sei­ne danaesk (→ IE 1970) katho­lisch-unschul­di­ge Anmu­tung bewahrt, dürf­ten ihm die Jury­stim­men sicher sein, plus die der weib­li­chen Genera­ti­on 60+.

Get Points or die tryin’: der Bren­dan mit den ara­bi­schen Augen­brau­en (IE)

Kommt der “iri­sche Har­ry Pot­ter” (dan­ke, Peter Edel­weiß) ins Fina­le oder stirbt er beim Ver­such?

  • Tau­send Tode. Das ist eine so aus­lutsch­te, alt­mo­di­sche Num­mer, und er hat die Aus­strah­lung eines Bries. (59%, 57 Votes)
  • So leben­dig wie der iri­sche Früh­ling! Schö­ne Bal­la­de mit einer rich­ti­gen Melo­die, einem Refrain UND einer Rückung – was will man mehr? Fina­le for sure! (26%, 25 Votes)
  • Dank Jurys und Omis sicher im Fina­le, lei­der. (15%, 15 Votes)

Total Voters: 97

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