Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’amour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

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Griff ins Klo: zwei­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eigent­lich gehört es zur Eröff­nungs­tra­di­ti­on des Pres­se­zen­trums, dass die dort ver­sam­mel­ten Schwur­na­lis­ten von der aller­ers­ten Pro­be aus tech­ni­schen Grün­den nichts mit­be­kom­men, weil die Lei­tung von der Hal­le noch nicht steht. Das war am Sonn­tag zwar nicht der Fall, dafür aber am heu­ti­gen Mon­tag: pünkt­lich zum Pro­ben­be­ginn um zehn Uhr lie­fen noch Tou­ris­mus­wer­be­clips in Dau­er­schlei­fe, wäh­rend in der Alti­ce-Are­na bereits das maze­do­ni­sche Duo Eye Cue auf der Büh­ne stand. Erst zum drit­ten Durch­lauf drück­te jemand den Knopf: auf den Moni­to­ren erschien, wie OnU berich­te­te, bild­fül­lend der Hin­tern der Lead­sän­ge­rin Mari­ja. Und falls sich jemand noch mit Schau­dern an das pink­far­be­ne Camel­toe-Out­fit aus dem Video zu ‘Lost and found’ erin­nert: etwas Ähn­li­ches trägt sie auch in Lis­sa­bon, nur ohne Unter­teil. Dort stol­ziert Mari­ja in einem eben­falls knall­pin­ken, rücken­frei­en Läpp­chen über die Bret­ter, wel­ches die Bli­cke auf ihr sil­ber­nes Hös­chen eher frei­gibt als bedeckt. Passt aber: dafür kommt ihr Beglei­ter Bojan halt oben­rum ohne. Der Auf­tritt wirkt genau so unstruk­tu­riert und chao­tisch wie der aus meh­re­ren Ein­zel­tei­len not­dürf­tig zusam­men­ge­tacker­te Song. Das sehen wir am Sams­tag im Fina­le garan­tiert nicht wie­der.

Lead­sän­ge­rin Mari­ja und ihr Scham­lip­pen­lap­pen.

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IE 2018: Ein­mal wie immer

Heim­lich, still und lei­se ver­öf­fent­lich­te am heu­ti­gen Frei­tag der iri­sche Sen­der RTÉ sein Lied für Lis­sa­bon. Ohne gro­ße vor­her­ge­hen­de Ankün­di­gung oder gar – wie beim öster­rei­chi­schen Kol­le­gen – im Nach­gang zu einer Pres­se­kon­fe­renz. So, als wol­le man gar nicht, dass die Öffent­lich­keit wei­ter Notiz davon nimmt. Und so klingt auch der Song: der eben­falls bereits seit Mona­ten fest­ste­hen­de Ryan O’Shaugnessy into­niert mit ener­vie­rend wei­ner­li­cher, hoher Stim­me eine bereits tau­send Mal gehör­te Mid­tem­po­bal­la­de namens ‘Toge­ther’. An der ist das Inter­es­san­tes­te noch der dazu­ge­hö­ri­ge Video­clip, in dem zwei jun­ge Män­ner völ­lig selbst­ver­ständ­lich ver­liebt und Händ­chen hal­tend durch die Stra­ßen Dub­lins tan­zen. Das erwärmt natür­lich des Rezen­sen­ten Herz, macht aus dem lah­men Lied­lein aber lei­der den­noch nichts, das man noch ein­mal wie­der­hö­ren möch­te. Man kann sich des Ein­drucks nicht erweh­ren, die finan­zi­ell gebeu­tel­ten Iren wol­len gar nicht mehr ins Euro­vi­si­ons­fi­na­le und mel­den sich nur noch aus Tra­di­ti­on regel­mä­ßig zur Teil­nah­me an. ‘Toge­ther’ jeden­falls ist als Wett­be­werbs­bei­trag eine Kapi­tu­la­ti­ons­er­klä­rung.

Bonus­punk­te für den Clip (gespon­sert offen­sicht­lich von Spar), der Song aber bleibt ein Rohr­kre­pie­rer.

It’s a Fami­ly affair: Irland schickt den Nef­fen

Erin­nern Sie sich noch an den Euro­vi­si­on Song Con­test von 2001? Das Jahr, in dem Irland nach dem Ende sei­ner spek­ta­ku­lä­ren Sie­ges­se­rie in den Neun­zi­gern bereits zum zwei­ten Mal so rich­tig eins auf die Fres­se bekam und auf dem dritt­letz­ten Platz lan­de­te; völ­lig zu Recht übri­gens, da es einen cha­ris­ma­be­frei­ten, haupt­be­ruf­li­chen Rasen­mä­her­ver­käu­fer namens Gary O’Shaughnessy mit einer der schlech­tes­ten jemals dar­ge­bo­te­nen Schnarch­bal­la­den schick­te? War­um ich Ihnen so merk­wür­di­ge Fra­gen stel­le? Nun, wie das iri­sche Fern­se­hen RTÉ heu­te bekannt gab, ent­sen­det es 2018 Garys Nef­fen Ryan O’Shaughnessy nach Lis­sa­bon. Mit, man ahnt es bereits, einer von ihm mit­kom­po­nier­ten Bal­la­de namens ‘Toge­ther’. Der 25jährige Sin­ger-Song­wri­ter erlang­te 2012 Bekannt­heit, als er zur glei­chen Zeit an zwei Cas­ting­shows par­al­lel teil­nahm, näm­lich The Voice of Ire­land und Britain’s got Talent, wo er mit dem selbst geschrie­be­nen Lie­bes­lied ‘No Name’ und der dazu­ge­hö­ri­gen Geschich­te für geschmol­ze­ne Her­zen sorg­te und einen Hit sowohl auf der Grü­nen Insel als auch im König­reich lan­de­te.

Weiß jemand, ob er das Mädel damit rum­ge­kriegt hat? Ryan O’Shaughnessy beim bri­ti­schen Super­ta­lent (Reper­toire­bei­spiel).

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Never mind the Bol­locks: singt der Sex-Pis­tols-Front­mann für Irland?

Schon seit eini­ger Zeit kur­siert das Gerücht, der ehe­ma­li­ge Front­mann der bri­ti­schen Punk­band The Sex Pis­tols (‘Anar­chy in the UK, ‘God save the Queen’), John­ny Rot­ten, zei­ge Inter­es­se, die alt­ehr­wür­di­ge Grü­ne Nach­bar­in­sel beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon zu ver­tre­ten. Der iri­sche Able­ger des Revol­ver­blat­tes The Sun kon­kre­ti­sier­te das heu­te: danach habe sich der hei­mi­sche Kom­po­nist Niall Moo­ney, unter ande­rem betei­ligt an dem Euro­vi­si­ons­bei­trag ‘It’s for you’ von Niamh Kava­nagh (→ IE 2010), mit einem von ihm ver­fass­ten Song namens ‘Plea­sed to meet you’ beim Sen­der RTÉ für den Grand-Prix-Vor­ent­scheid bewor­ben. Moo­ney beschreibt die Stil­rich­tung sei­nes Lie­des als “Cow­punk”, einen “catchy” Mix aus Coun­try und Punk. Wie er der Zei­tung ver­riet, habe sei­ne Frau ihn auf die Idee gebracht, den mitt­ler­wei­le 61jährigen, frü­he­ren Punk-Sän­ger und zwi­schen­zeit­li­chen Dschun­gel­camp-Teil­neh­mer (bür­ger­li­cher Name: John Lydon) als Inter­pre­ten anzu­fra­gen. Und der sag­te ger­ne zu: “Es wäre mir eine gro­ße Ehre, Irland beim Euro­vi­si­on Song Con­test zu ver­tre­ten,” äußer­te er sich gegen­über der Sun. Rot­ten wür­de den von Moo­ney geschrie­be­nen Titel mit sei­ner For­ma­ti­on Public Image Ltd. (Hit aus dem Jah­re 1983: ‘This is not a Love Song’) prä­sen­tie­ren, falls RTÉ ihn für den Vor­ent­scheid aus­wählt, was bei Wei­tem noch nicht sicher ist. Die Sun zitiert einen anonym blei­ben­den Sen­der-Mit­ar­bei­ter mit den ent­setz­ten Wor­ten: “Das könn­te für Irland schlim­mer wer­den als Dus­tin the Tur­key. Des­sen kata­stro­phal geschei­ter­ter Ver­such einer Grand-Prix-Par­odie beim ESC von 2008 scheint noch heu­te als natio­na­les Trau­ma nach­zu­wir­ken. Moo­ney, der nach eige­ner Aus­sa­ge vor Kur­zem an einem Euro­vi­si­ons­work­shop des Sen­ders teil­nahm, wider­spricht: RTÉ emp­fahl uns doch, Sän­ger zu fin­den, die es gewohnt sind, vor gro­ßem Publi­kum zu spie­len, sowie einen ein­gän­gi­gen Song und vor allem etwas Uner­war­te­tes, das es so beim Con­test noch nicht gab”. Auch John­ny Rot­ten, in Lon­don gebo­re­ner und auf­ge­wach­se­ner Sohn ein­ge­wan­der­ter iri­scher Eltern, der sich laut Wiki­pe­dia unlängst im Früh­stücks­fern­se­hen als Trump- und Brex­it-Sup­por­ter oute­te, hält sich für die rich­ti­ge Wahl: “Als ame­ri­ka­nisch-eng­li­scher Ire bin ich voll­um­fäng­lich qua­li­fi­ziert, weit­ge­reist, voll dabei und bereit”. Na dann!

Ein Lie­bes­lied wird John­nys iri­scher Vor­ent­schei­dungs­bei­trag ‘Plea­sed to meet you’ sicher auch nicht (Reper­toire­bei­spiel).

John­ny Rot­ten für Irland? Das wäre…

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Euro­vi­si­on Death­match #19: Dude sings like a Lady

Cele­bra­te Diver­si­ty”“Fei­ert die Viel­falt” ist das anspre­chen­de Mot­to des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017. Die bei­den Landesvertreter/innen, die heu­te in unse­rem Leser/innenspiel in den Ring stei­gen, tra­gen hier­zu beson­ders bei. Sie tre­ten mit Songs an, die unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten, und doch eint sie – neben ihrer Jugend – eine gemein­sa­me Beson­der­heit, die ich mal keck als Trans­gen­der-Gesang bezeich­nen will: eine Stimm­la­ge, die vor­der­grün­dig nicht sofort mit dem bio­lo­gi­schen Geschlecht des Inter­pre­ten har­mo­nie­ren will. Es beginnt – Ladies first – die Bel­gie­rin Ellie Del­veaux, die sich den so gar nicht zu ihrem zar­ten Alter von nur 16 Len­zen pas­sen­den Künst­le­rin­nen­na­men Blan­che zuleg­te, für nicht mehr ganz so tau­fri­sche Fans wie mich natür­lich für immer untrenn­bar mit der män­ner­ver­schlin­gen­den Mit­be­woh­ne­rin der lus­ti­gen, in Mia­mi behei­ma­te­ten Alters-WG der Gol­den Girls ver­bun­den. Schon mal der ers­te inne­re Wider­spruch, zu dem noch etli­che hin­zu­kom­men: das Video zu ihrem fan­tas­ti­schen Elek­tro-Track ‘City Lights’ spielt in einer her­un­ter­ge­kom­me­nen, unwirt­li­chen Beton­ku­lis­se, die irgend­wo im Nie­mands­land zu ste­hen scheint – nur nicht in der hell illu­mi­nier­ten Groß­stadt, deren Neon­be­leuch­tung Blan­che im Titel besingt. Ein ele­gant durch die Kulis­se schwe­ben­der Licht­ball sorgt für Span­nung und macht das Set­ting über­haupt erst aus­halt­bar – sein Sinn erschließt sich aller­dings genau so wenig wie der des kryp­ti­schen Tex­tes, bei dem nie so ganz klar wird, ob die Inter­pre­tin hier eine Bezie­hung the­ma­ti­siert (und falls ja, ob die­se am Beginn, am Ende oder irgend­wo dazwi­schen steht) oder ein apo­ka­lyp­ti­sches Sze­na­rio. Für die meis­te Gän­se­haut sorgt aber ihre äußerst dunk­le Stim­me, die, um im Gol­den-Girls-Ver­gleich zu blei­ben, tat­säch­lich zu der eher mas­ku­lin wir­ken­den Doro­thy pas­sen wür­de als zur Süd­staa­ten-Schön­heit Blan­che. Sie steht in reiz­vol­lem Kon­trast zum atmo­sphä­risch schwe­ben­den, trei­ben­den Musik­bett und ver­leiht ihrem Song eine gera­de­zu hyp­no­ti­sche, nun­ja: Tie­fe.

Ganz allein in der Gefah­ren­zo­ne: Blan­che schreckt so schnell nichts (BE)

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Irland 2017: Uschi, mach kein Quatsch!

Müs­sen wir uns ernst­haf­te Sor­gen machen? ‘Try­ing to die’ heißt der offen­sicht­lich sui­zi­da­le iri­sche Bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew, mit dem der Sen­der RTÉ heu­te Nach­mit­tag einen musi­ka­li­schen Hil­fe­schrei… Wie bit­te? Falsch her­um? Oha, ent­schul­di­gen Sie bit­te! Ich höre gera­de, ich muss mich kor­ri­gie­ren: ‘Dying to try’ ist der kor­rek­te Titel, so wie ihn der bereits vor Mona­ten aus­ge­such­te Cas­ting­show­bube Bren­dan Mur­ray mit kna­ben­haft hel­ler Stim­me im eigens an der iri­schen Küs­te abge­dreh­ten Strand­vi­deo (das in einem hüb­schen iro­ni­schen Twist mit deut­lich bes­se­rem Wet­ter auf­war­ten kann als der vor ähn­li­cher Kulis­se spie­len­de Clip zum spa­ni­schen Bei­trag 2017) into­niert. Wie zu erwar­ten, han­delt es sich um eine sehr klas­si­sche, im letz­ten Refrain unter Ein­satz eines Gos­pel­chors (mal schau­en, wie das in Kiew klap­pen soll) dra­ma­tisch auf­ge­föhn­te Euro­vi­si­onbal­la­de, wel­che in die­ser Form schon 1992 hät­te für die Grü­ne Insel antre­ten kön­nen. Durch die elfen­haft hohe Stim­me des Sän­gers hebt sie sich aller­dings ein wenig her­aus aus dem dies­jäh­ri­gen Bal­la­den­meer: falls Bren­dan das live nicht ver­geigt und sich sei­ne danaesk (→ IE 1970) katho­lisch-unschul­di­ge Anmu­tung bewahrt, dürf­ten ihm die Jury­stim­men sicher sein, plus die der weib­li­chen Gene­ra­ti­on 60+.

Get Points or die try­in’: der Bren­dan mit den ara­bi­schen Augen­brau­en (IE)

Kommt der “iri­sche Har­ry Pot­ter” (dan­ke, Peter Edel­weiß) ins Fina­le oder stirbt er beim Ver­such?

  • Tau­send Tode. Das ist eine so aus­lutsch­te, alt­mo­di­sche Num­mer, und er hat die Aus­strah­lung eines Bries. (59%, 57 Votes)
  • So leben­dig wie der iri­sche Früh­ling! Schö­ne Bal­la­de mit einer rich­ti­gen Melo­die, einem Refrain UND einer Rückung – was will man mehr? Fina­le for sure! (26%, 25 Votes)
  • Dank Jurys und Omis sicher im Fina­le, lei­der. (15%, 15 Votes)

Total Voters: 97

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River­dance-Macher tanzt für Donald Trump

1994 setz­te Micha­el Flate­ly mit dem von ihm cho­reo­gra­phier­ten River­dance Maß­stä­be für die Pau­sen­un­ter­hal­tung beim Euro­vi­si­on Song Con­test: die fünf­mi­nü­ti­ge, gran­dio­se Stepp­tanz-Ein­la­ge über­strahl­te sämt­li­che offi­zi­el­len Lied­bei­trä­ge die­ses – aller­dings auch beson­ders graus­li­gen – Jahr­gangs und gilt bis dato als kul­tu­rel­les Aus­hän­ge­schild Irlands. Eine hohe media­le Beach­tung dürf­te auch Flat­leys heu­ti­ger Gig erfah­ren: der gebür­ti­ge Chi­ca­go­er mit iri­schen Wur­zeln tritt mit sei­ner aktu­el­len Tanz­trup­pe beim Amts­ein­füh­rungs­ball des hoch­gra­dig umstrit­te­nen, neu gewähl­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Donald Trump auf – ein Gala-Event, für das ansons­ten so ziem­lich jeder gro­ße Name im Show­busi­ness absag­te, dar­un­ter die 1988er Grand-Prix-Gewin­ne­rin Céli­ne Dion. Flat­ley, der sei­ne Kar­rie­re eigent­lich 2015 aus gesund­heit­li­chen Grün­den been­de­te, wird nach einem Bericht der Irish Times den Auf­tritt den Showact haupt­säch­lich anmo­de­rie­ren und die Haupt­ar­beit sei­nen Tän­zern über­las­sen, die nun gemein­sam mit einem Coun­try­sän­ger, einer Süd­staa­ten-Rock­band und einer Cas­ting­show-Teil­neh­me­rin etwas Glanz in die Par­ty zur Amts­über­nah­me brin­gen sol­len. Wenn das dann mal nicht der Tanz auf dem Vul­kan wird – ange­sichts der Tat­sa­che, dass ein der­ma­ßen unem­pa­thi­scher Nar­ziss wie Trump dem­nächst die Abschuss­codes der ame­ri­ka­ni­schen Atom­ra­ke­ten in der Hand hält, kann einem schon ein wenig Ban­ge wer­den…

Erfreu­en wir uns noch mal am River­dance, solan­ge wir es noch kön­nen…

Irland schickt ein blü­ten­rei­nes Boy­band-Büb­chen

Nach einer Rei­he von nicht ganz so erfolg­rei­chen Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen in den letz­ten Jah­ren spart sich das iri­sche Fern­se­hen für 2017 einen Vor­ent­scheid. Statt­des­sen beauf­trag­te RTÉ den Musik­mo­gul Lou­is Walsh damit, einen geeig­ne­ten Ver­tre­ter für die Grü­ne Insel zu fin­den. Der muss­te nicht lan­ge suchen, hat­te er 2014 doch höchst­selbst eine sechs­köp­fi­ge Boy­band namens Home­Town aus der Tau­fe geho­ben, die nun, zwei Jah­re und zwei Num­mer-Eins-Hits spä­ter, bereits ihr Ver­falls­da­tum über­schrit­ten hat. Und aus der Home­Town-Kon­kurs­mas­se stammt der Zwan­zig­jäh­ri­ge, erheb­lich jün­ger aus­se­hen­de Bren­dan Mur­ray. Ein zar­tes Knäb­lein mit der glo­cken­hel­len Stim­me eines Kel­ly-Fami­ly-Mit­glieds vor dem Stimm­bruch und einem der­ge­stalt milch­wei­ßen Teint, dass er pro­blem­los die Haupt­rol­le in jeder belie­bi­gen Tee­nie-Vam­pir-Serie spie­len könn­te. Sel­bi­gen, von ihm gema­nag­ten Mur­ray annon­cier­te Walsh heu­te Abend in der iri­schen Late Late Show als Reprä­sen­tan­ten des katho­li­schen Eilan­des in Kiew. Bis 16. Janu­ar 2017 sam­melt der Sen­der nun Lied­vor­schlä­ge für den Ephe­ben. Ich darf mal spe­ku­lie­ren: etwas folk­ig-pop­pi­ges, so main­strea­m­i­ger Sin­ger-Song­wri­ter-Pop? Nicht unbe­dingt die ermu­ti­gends­te Nach­richt für den NDR, der sehr augen­schein­lich eben­falls auf die Frans-Kar­te setzt. Aus iri­scher Per­spek­ti­ve jedoch kei­ne schlech­te Stra­te­gie – kind­li­che Unschuld kön­nen sie auf der Insel schließ­lich ver­dammt gut, wie wir bereits seit Dana (→ IE 1970) wis­sen…

Mur­rays Ex-Band covert Ade­les ‘Hel­lo’. Bren­dan ist der­je­ni­ge, der den Refrain prak­tisch allei­ne stemmt, der Drit­te von rechts, der mit dem schlimms­ten Jus­tin-Bie­ber-Mopp

Irland: Obdach­lo­sen­chor will zum Song Con­test

Wie die iri­sche Zei­tung Inde­pen­dent berich­tet, schmie­det ein Obdach­lo­sen­chor aus Cork Plä­ne für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017. Das 2014 auf Initia­ti­ve des ehe­ma­li­gen Diri­gen­ten des RTÉ-Orches­ters, David Bro­phy, aus der Tau­fe geho­be­ne und vom Sen­der beglei­te­te Pro­jekt High Hopes Choir, mit dem Spen­den­gel­der für ver­schie­de­ne Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen gesam­melt wer­den, lan­de­te bereits drei Hits in den iri­schen Charts. Der ers­te (und größ­te) davon, eine Cover­ver­si­on des auch aus dem deut­schen Kino-Kas­sen­schla­ger ‘Fuck ju, Göh­te’ bekann­ten Titels ‘High Hopes’ der iri­schen Band Koda­li­ne, gab dem Chor, von dem mitt­ler­wei­le drei Able­ger bestehen, sei­nen Namen. Der jüngs­te davon, der aus Cork, trat ver­gan­ge­nes Wochen­en­de bei einem dor­ti­gen Musik­fes­ti­val auf, wo man die Euro­vi­si­ons­plä­ne öffent­lich mach­te. Dazu arbei­te man mit dem fran­zö­si­schen Kom­po­nis­ten Fabri­ce For­tu­ne zusam­men, der für den Chor ein Lied geschrie­ben habe, an dem die obdach­lo­sen Sänger/innen nun “hart arbei­ten”. Es sei nicht als “Spaß­bei­trag” gedacht, sag­te der Cor­ker Chor­lei­ter dem Inde­pen­dent. Viel­mehr wol­le man mit dem Song “der Euro­vi­si­on ihr Herz zurück­ge­ben. Wir hof­fen, nicht nur eine Bot­schaft zu sen­den. Wir wol­len die­se Bot­schaft sein”. Eine sehr schö­ne, herz­er­wär­men­de Idee, die aller­dings in der har­ten Rea­li­tät an der über­hol­ten → Sechs-Per­so­nen-Regel schei­tern dürf­te. Aber viel­leicht kann das iri­sche Fern­se­hen die Hoff­nungs­vol­len ja zum brand­neu­en Euro­vi­si­on Choir Con­test schi­cken, der 2017 erst­mals in Riga statt­fin­den soll (falls genü­gend Inter­es­sen­ten zusam­men­kom­men)?

Ein biss­chen schief ist es ja schon noch, aber genau das könn­te in dem immer per­fek­ter und hoch­glanz­po­lier­ter wer­den­den Song Con­test ange­nehm her­aus­ste­chen