ESC 1962: Ring a tipi tii ding

Logo des Eurovision Song Contest 1962
Das Jahr des Schlag­zeugs

Luxem­burg gilt im All­ge­mei­nen als finan­zi­ell wohl­si­tu­ier­te euro­päi­sche Steu­er­flucht­oase. Um so merk­wür­di­ger mute­ten die anhal­ten­den Strom­schwan­kun­gen und mehr­fa­chen Licht­aus­fäl­le im RTL-Audi­to­ri­um wäh­rend der Grand-Prix-Über­tra­gung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infra­struk­tu­rell eher den Ein­druck eines Drit­te-Welt-Lan­des (oder der heu­ti­gen USA) ver­mit­tel­ten. Wohl auch, um Kos­ten zu spa­ren, gestal­te­te der Sen­der des Groß­her­zog­tums den Ablauf der Show ziem­lich zügig, die Lie­der folg­ten fast naht­los auf­ein­an­der. Das Anzie­hen des Tem­pos über­trug sich in wohl­tu­en­der Wei­se eben­falls auf das sen­der­sei­tig gestell­te, erstaun­lich druck­voll und prä­zi­se auf­spie­len­de Orches­ter. Fast konn­te man den Ein­druck gewin­nen, Rhyth­mus­in­stru­men­te wie das Schlag­zeug sei­en in die­sem Jahr erst erfun­den wor­den. Jeden­falls kamen sie erst­mals bei einer Viel­zahl der Wett­be­werbs­bei­trä­ge deut­lich hör­bar zum Ein­satz – und das tat dem Musik­me­nü sehr, sehr gut.

Auf­ge­trie­delt: Mari­on Rung (FI).

Wei­ter­le­senESC 1962: Ring a tipi tii ding

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1961: Oh, wär der Win­ter erst vor­bei

Wie schon beim schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len beherrsch­te auch in Frank­reich das immer­grü­ne The­ma “Früh­ling” den Vor­ent­scheid von 1961. Was läge schließ­lich näher im Febru­ar, wo die Sélec­tion Françai­se pour le Grand Prix de l’Eu­ro­vi­si­on de la Chan­son statt­fand, und wo ein jeder Mensch schon längst den zu die­sem Zeit­punkt noch immer mit bru­ta­ler Här­te regie­ren­den, schein­bar end­lo­sen, depri­mie­ren­den, schreck­li­chen Win­ter über hat? Wo man also mit täg­lich wach­sen­der Unge­duld und mit jeder ein­zel­nen Faser sei­nes Seins die ers­ten Boten des bal­di­gen Len­zes her­bei­sehnt? So tru­gen gleich zwei der sechs für das im Fern­se­hen aus­ge­strahl­te Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le aus­ge­wähl­ten Bei­trä­ge den Früh­ling im Titel. Und selbst­re­dend hieß, wie zu erwar­ten, einer der bei­den Lie­der ‘Prin­temps de Paris’. Wie es sich für die erwähn­te Welt­me­tro­po­le und das dort zele­brier­te Lais­sez-fai­re geziemt, schlen­der­te sei­ne Inter­pre­tin Sophie Darel beim TV-Live­au­f­ritt der­ar­tig ent­spannt auf die Büh­ne und in Rich­tung des dort in eini­ger Ent­fer­nung ihrer Ankunft har­ren­den Mikro­fons, dass sie ihre ers­te Lied­zei­le ver­pass­te. Parb­leu! Die gro­ße Nina Hagen soll­te übri­gens das The­ma Jahr­zehn­te spä­ter mit ‘Früh­ling in Paris’ deut­lich kna­cki­ger umset­zen.

Ein Akkor­de­on­wal­zer mit “Paris” im Titel. Fran­zö­si­scher geht es nun wirk­lich nicht!

Wei­ter­le­senFran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1961: Oh, wär der Win­ter erst vor­bei