Söngvakeppnin 2018, Finale

Sieben Acts gehen im Finale des isländischen Vorentscheids Söngvakeppnin ins Rennen: je drei aus den beiden Semis plus eine Wildcard. Mussten sie ihre Beiträge in den Semis noch auf isländisch singen, so bleibt ihnen die Sprache fürs Finale freigestellt. Rechne also besser damit, dass Dein bisheriger Lieblingsbeitrag heute in seelenlosem Englisch entstellt wird. Eine Jury und die TV-Zuschauer/innen wählen zwei Songs ins Superfinale (oder „Goldene Finale“, wie es auf der Insel heißt). Hier entscheidet dann wieder das Televoting alleine, wer die Fahrkarte nach Lissabon erhält.

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Fünfter Supersamstag 2018, Teil 2: morgens bin ich immer müde

Bin ich mittlerweile einfach zu verwöhnt, zu überkritisch? Ist es vermessen von mir, zu verlangen, dass das Rad mit jeder Performance neu erfunden wird? Kann ich mich mit meiner ständigen Originalitätserwartung einfach nicht mehr erfreuen an solide gemachten Liedern und Auftritten? Oder woran liegt es, dass mir das Melodifestivalen, der heilige Gral der Eurovisionsvorentscheidungen, in diesem Jahr so über die Maßen lahm vorkommt, die Songs so schwach, die Darbietungen so uninspiriert? So, als läge eine einzige, abgrundtiefe Müdigkeit über dem schwedischen Vorauswahlverfahren, ein Mehltau, über den keine Choreografie, kein Glanz und Glitter mehr hinwegtäuschen kann? Am augenfälligsten wehte dieser Eindruck am gestrigen Samstagabend beim Auftritt der im dritten MF-Semi Letztplatzierten Barbi Escobar herüber, die ein wenig aussah wie Sabrina Setlur (→ Vorentscheid DE 2004) nach exzessivem Schlafentzug: so fahl und ausgezehrt, dass man sich nicht wunderte, warum sie für ihren Titel ‚Stark‘ das wichtigste Requisit vergaß, nämlich einen Refrain. Da half es auch nichts mehr, dass ihre Tänzer/innen versuchten, auf der Mello-Bühne neue Langstreckenrekorde aufzustellen.

Lass mich raten, Barbi: Dein Kind ist jetzt vier Monate alt und Du hast seit der Geburt kein Auge mehr zugemacht (SE)?

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Söngvakeppnin 2018, 2. Semi

Das um 20:45 Uhr deutscher Zeit startende zweite Semifinale der isländischen Vorentscheidung Söngvakeppnin bildet den Abschluss des heutigen Super-Samstags. Erneut treffen im Kinosaal des Háskólabíó-Filmtheaters sechs Kandidat/innen aufeinander, von denen das Publikum drei ins Finale in 14 Tagen wählt. Eine Senderjury bestimmt aus sowohl heute wie im ersten Semi Ausgeschiedenen zudem noch eine Wildcard. Wie man das beim Söngvakeppnin bereits kennt, wird auch heute wieder auf Isländisch gesungen – im Finale steht den Interpret/innen die Sprache dann aber frei, und fast alle wählen sie (seufz) englisch.

Alle 12 Söngvakeppnin-Beiträge (Audio):

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Vorentscheid IS 2018 (2. Semi)

Söngvakeppnin. Samstag, 17. Februar 2018, aus dem Háskólabíó Kino in Reykjavik, Island. 6 Teilnehmer/innen. Moderation: Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir.
#InterpretTitelTelevotingPlatz
01Aron HannesGolddiggerQ
02ÁttanHér með þérQ
03Dagur SigurðssonÍ stormiQ
04Stefanía Svavarsdóttir, Agnes Marinósdóttir, Regína Lilja MagnúsdóttirSvaka stuðx
05Þórir Geir Guðmundsson + Gyða Margrét KristjánsdóttirBrosax
06Rakel PálsdóttirÓskin mínx

Vierter Supersamstag 2018: entmündigt die Esten!

Reihenweise fanden am gestrigen Supersamstag neben den abschließenden Entscheidungen in Dänemark und Italien noch Semifinale quer durch Europa statt, bei denen sich die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wieder von ihrer schlechtesten Seite zeigten und eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen trafen. Am wenigstens ausgeprägt erstaunlicherweise diesmal in Schweden, wo sich das zweite Semifinale des allgemein beliebten Melodifestivalen musikalisch noch schwächer präsentierte als das eigentlich schon unterirdische erste vom vorvergangenen Samstag. Mit den Augenschmäusen Limaoo und Samir & Victor wählten die Skandinavier/innen drei kernige Knaben mit träshigen Titeln ins Finale weiter, wogegen sich natürlich nicht das Geringste einwenden lässt. In die Wir-quälen-Dich-ein-zweites-Mal-Runde Andra Chansen delegierte man die polnische Krächze Margaret, deren Ausscheiden beim Vorentscheid ihres Heimatlandes im Jahre 2016 mit dem in den internationalen ESC-Wettquoten bis dato bereits ganz weit oben liegenden Titel ‚Cool me down‘ für europaweite Nervenzusammenbrüche bei den Fans sorgte.

Eine weitere Mitreisende auf dem ‚Despacito‘-Zug: Margaret lockt uns in ihre Strandhütte (SE).

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Söngvakeppnin 2018, 1. Semi

Sechs Teilnehmer/innen treten heute Abend ab viertel vor Neun deutscher Zeit im ersten von zwei isländischen Semis gegeneinander an, in denen – anders als im Finale – ausschließlich in Landessprache gesungen wird. Guðmundur Þórarinsson, der ursprünglich für das zweite Semi geplant war, musste seinen Platz tauschen, da der hauptberufliche Fußballerspieler an diesem Tag in Schweden kickt. Per Televoting bestimmen die Zuschauer/innen drei Titel fürs Söngvakeppnin-Finale. Der Veranstaltungsort, ein Kino, erklärt die beim isländischen Vorentscheid schon traditionell schlechte Ausleuchtung der Show. Die ebenfalls traditionellen schrägen Titel fehlen diesmal jedoch leider vollständig.

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Söngvakeppnin-Seite

Alle 12 Vorentscheidungstitel (Audio):

Vorentscheid IS 2018 (1. Semi)

Söngvakeppnin. Samstag, 10. Februar 2018, aus dem Háskólabíó Kino in Reykjavik, Island. 6 Teilnehmer/innen. Moderation: Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir.
#InterpretTitelTelevotingPlatz
01Þórunn AntoníaÉg mun skínax
02Tómas Helgi Wehmeier + Sólborg GuðbrandsdóttirÉg og þúx
03Ari ÓlafssonHeim-->
04HeimilistónarKúst og fæjó-->
05Fókus hópurinnAldrei gefast upp-->
06Guðmundur ÞórarinssonLitirx

Proben erstes Semi 2017: Schüttel Dein Haar, wildes Mädchen

Seit Sonntag haben die Pforten des Internationalen Ausstellungszentrums in Kiew ihre Pforten geöffnet für die 42 Delegationen des diesjährigen Eurovisionsjahrganges und für alle besonders unerschrockenen Schwurnalisten, die trotz der widrigen Umstände um die Vorbereitungen und den Ticketverkauf die Reise in die ukrainische Metropole antraten. Das erste Semifinale ist bereits einmal komplett durchgeprobt, für die Zurückgebliebenen offeriert der offizielle Youtube-Kanal der EBU allerdings, wie schon aus den Vorjahren gewohnt, lediglich kurze, frontal gefilmte Ausschnitte von den Auftritten. Was durchaus Sinn macht, denn eigentlich verfügt der erste Probendurchgang nur über eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, geht es doch zunächst hauptsächlich um die richtigen Kameraeinstellungen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casual an, ohne Bühnengarderobe, niemand verausgabt sich stimmlich, es geht erst mal darum, ein Gefühl für die Bühne zu bekommen und einen Eindruck für das TV-Signal, die Delegationen haben noch die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren und letzte Änderungen vorzuschlagen. Dennoch bloggt die versammelte Fanschaft natürlich bereits fleißig aus der Halle, und so reicht es durchaus für erste Eindrücke aus zweiter Hand. So, wie zum Beispiel für die beruhigende Nachricht, dass man trotz allem Hin und Her im Vorfeld auch in Kiew an liebgewonnenen Traditionen festhält: bei der allerersten Probe am Sonntagmorgen, zur unchristlichen Stunde von 9 Uhr deutscher Zeit, gab es nach übereinstimmenden Berichten im Pressezentrum zunächst keinen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show stattfindet.

Diese Frage beantwortet sich von selbst!

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Eurovision Deathmatch #13: Je t’adore

Die Dreizehn – ihr haftet bei abergläubischen Menschen ein Nimbus als Unglückszahl an. Und als ein bisschen unglücklich erweist sich auch die heutige Paarung in unserem Eurovision Deathmatch, die man auch als Reste-Rampe bezeichnen könnte, wenn es nicht so ungerecht gegenüber den betroffenen Künstlerinnen wäre. Doch ein roter Faden, der beide Acts verbindet, will sich nicht so ohne Weiteres finden lassen: ihre Songs sind völlig verschiedener Machart, sie treten in unterschiedlicher Zahl an, ihre Vorauswahl erfolgte auf jeweils andere Weise und noch nicht mal ihre beide Nationen grenzen aneinander oder befinden sich im Krieg miteinander. Für Beide hätte es passendere Paarungen gegeben – die aber waren bereits belegt. Und so müssen Svala Björkvinsdóttir für Island und Ogene für die Niederlande eben heute gegeneinander antreten. Der hohe Norden beginnt, wo die blonde Sängerin, ihres Zeichens Tochter des isländischen Vertreters von 1995, Bo Halldórsson, in unglaublich hässlichen Hufschuhen und mit dem elektrolastigen, düster anmutenden Midtemposong ‚Paper‘ das Söngvakeppnín gewann. Fans verglichen sie und ihren Beitrag bereits mit der letztjährigen Norwegerin Agnete und dem ‚Icebreaker‘. Und hier findet sich vielleicht doch noch eine Gemeinsamkeit: wie schon Agnete wird Svala bei etlichen Fans für eine Top-Platzierung im Grand-Prix-Finale gehandelt – und wie Nämliche bleibt sie nach meiner Einschätzung mit ihrem eher zähen Lied in der Qualifikationsrunde hängen.

In den Schminktopf gefallen: Svala (IS)

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Island 2017: Because of the Shoes

Ach, Island! Sieben Songs befanden sich im gestrigen Finale des nationalen Vorentscheids Söngvakeppnin 2017, und mit fünf von ihnen hätte ich als Beitrag des Landes zum Eurovision Song Contest in Kiew bestens leben können. Doch was wählt das sture Inselvölkchen aus? Natürlich meinen persönlichen Hasstitel ‚Paper‘! Wobei sich mein geballtes Missfallen gar nicht so sehr auf den komplett uninteressanten, lendenlahmen Elektrosong bezieht, den man zur Not noch problemlos weghören könnte, ohne all zu schlechte Laune zu bekommen. Wäre da bloß nicht die schreckliche Interpretin Svala Björgvinsdóttir, ihres Zeichens die Dóttir von Bo (Björgvin) Halldórsson (→ IS 1995), beziehungsweise ihr abgrundschlechter Modegeschmack. In schlimmen, nein: in schlichtweg inakzeptablen Hufschuhen, einem unverzeihlichen visuellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, taperte sie beim Vorentscheid über die Bühne und duckte sich dabei des öfteren in eine angestrengt aussehende halbe Hocke, so als wollte sie vor unser aller Augen gleich einen abseilen. Wobei ihre verdächtig auftragende Großraumhose durchaus Platz genug für eine Tena Lady böte. Sollte es also im Mai im IEC zu Kiew während des isländischen Auftritts merkwürdig von der Bühne her riechen – jetzt wissen Sie, woran es liegt. Und ja, dieses Bild, das Sie nun nie mehr loswerden, habe ich gerne in Ihren Kopf gepflanzt. Nichts zu danken.

So interessant wie ein leeres Blatt Papier: Svala und ihr Song (IS)

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Perlen der Vorentscheidungen: wie zerronnen, so gewonnen

Auch wenn der von mir noch immer nicht überwundene gestrige Schweden-Schocker (eine ordentliche Trauerphase braucht halt ihre Zeit) alles andere überstrahlte, so gebietet es doch die Chronistenpflicht, die Geschehnisse der am selben Abend gelaufenen Vorrunden in Island und Litauen nachzubereiten. Auf der Insel der Trolle und Elfen schrägte es im zweiten Semi des Söngvakeppnin leider einen weiteren meiner diesjährigen Lieblingsbeiträge, nämlich die zarte Countryballade ‚þú og Ég‘ von Páll Rósinkranz und Kristina Bærendsen, deren persönliches Pech es war, dass nach den Bestimmungen des isländischen Senders RÚV die Lieder in den beiden Semis in Landessprache vorgetragen werden müssen, während die Künstler im Söngvakeppnin-Finale freie Hand haben (und fast immer Englisch wählen, wie sie es angekündigtermaßen auch diesmal tun). ‚You and I‘, so der Titel der internationalen Fassung, klingt einfach deutlich kraftvoller als das von Lispellauten bestimmte, sehr verhalten herüberkommende ‚þú og Ég‘. Und falls sich Stammleser/innen dieses Blogs gerade wundern, warum mein Herz ausgerechnet für eine derartig schmalztriefende, rettungslos altmodische, konventionelle, heterosexuelle Liebessülzballade entflammt: ich weiß es auch nicht. Ist halt manchmal so. Jedenfalls landeten die Beiden nur auf dem vierten Rang und müssen im Finale am nächsten (und letzten) Supersamstag leider draußen bleiben.

Das Ganze von Kenny Rogers und Dolly Parton auf Englisch gesungen, und wir haben einen US-Nummer-Eins-Country-Hit (IS)

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Vierter Supersamstag 2017: die Handetasche muss lebendig sein

Neben den drei Entscheidungen in der Ukraine, Moldawien und Dänemark fanden am gestrigen Supersamstag zeitgleich auch noch Eurovisions-Vorrunden in Schweden, Litauen und Island statt. Dabei zog das vierte Viertelfinale des Melodifestivalen mal wieder die höchste Aufmerksamkeit auf sich, vor allem, weil die Grand-Prix-Gewinnerin von 2012, Loreen, es hier mit ihrem bereits im Vorfeld extrem gehypten, neuen Beitrag ‚Statements‘ versuchte, einer extrem düsteren, dräuenden Elektroballade im Stile von Sia, die vor allem auf eine eindrückliche optische Präsentation setzte. Und diese erwies sich auch tatsächlich als beeindruckend, ließ sich die sichtlich gealterte Eurovisionsveteranin, die manche spitze Zunge rein optisch an das unlängst viel zu früh verstorbene Musikgenie der Achtzigerjahre, Pete Burns von Dead or Alive, erinnerte, doch von mehreren Doubles im unterschiedlichen Alter begleiten, welche die Sängerin in verschiedenen Lebensabschnitten darstellen sollten. Besonders stark prägte sich dabei die junge Loreen ein, die zunächst mit einem Heiligenschein auf der Bühne hockte, im Refrain allerdings eher einen vom Teufel besessenen Eindruck hinterließ. Für Verwirrung außerhalb Schwedens dürfte auch der Einsatz einer Tänzerin gesorgt haben, die unablässig eine Handtasche schwang – eine Anspielung auf das berühmte Foto der Frau mit der Handtasche, die damit 1985 im südschwedischen Städtchen Växjö bei einem Neonazi-Aufmarsch auf eine Hassglatze einprügelte. Letztes Jahr sollte sie dort ein Denkmal erhalten, über das man sich im Stadtrat aber nicht einigen konnte – absurderweise, weil die Darstellung der Tat der jüdischen Dame, deren Mutter im KZ saß, gewaltverherrlichend sei. Die Nation debattierte erregt, und die Sängerin mit marokkanischen Wurzeln ergriff mit dieser Show bewusst Partei.

Als Gesamtkunstwerk grandios, als Grand-Prix-Lied mindergeeignet: Loreens ‚Statements‘ (SE)

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