Schlagwort: Island

Nichts seh­nen die meis­ten ESC-Fans so sehr her­bei wie über­fäl­li­gen ers­ten Sieg der mythi­schen Elfen-und-Trol­le-Insel. 2020 war die­ser mit Daði Freyr zum Grei­fen nah – dann kam Covid. Islands Vor­ent­scheid, das Söng­va­kepp­nin, ist stets ein Quell der Con­test-Per­len.
Dabei seit: 1986; Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: 3; Nil­poin­ter: 1.

Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020
2020, Die Zwanzigzwanziger, ESC Finale

Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Ein in jeder Hinsicht merkwürdiger Eurovisionsabend, den die ARD gestern auf die Beine stellte, und der es fertig brachte, einerseits Salz in die von der Corona-bedingten Absage des eigentlichen Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam verursachte Wunde zu streuen und gleichzeitig für linderndes Labsal zu sorgen. Ein wirklich großes Lob jedenfalls muss dem NDR ausgesprochen werden für die so eigensinnige wie richtige Entscheidung, aus der Simultanausstrahlung des vonseiten der EBU organisierten, zentralen Ersatzprogramms Europe shine a Light auszuscheren und stattdessen ein eigenes, deutsches ESC-Finale zu produzieren. Sowie das letzten Samstag auf dem Spartensender One vorausgegangene Halbfinale, bei welchem die Zuschauer:innen und die hundertköpfige NDR-Auswahljury aus allen 41 Wettbewe...
World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020
2020, Die Zwanzigzwanziger, ESC Semifinale

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören inhal...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Dad­dy?

Wie bereits im Vorjahr, als sich beim isländischen Eurovisionsvorentscheid Söngvakeppnin alles um einen einzigen Namen drehte, nämlich um Hatari, stand auch 2020 alles im Schatten der Frage: schafft es Daði Freyr Pétursson diesmal oder muss er sich, wie schon 2017 mit dem großartigen 'Is it Love?', erneut geschlagen geben? Die gute (und bereits seit Samstagnacht bekannte) Nachricht: er schaffte es! Gemeinsam mit seiner fünfköpfigen Begleitband Gagnamagnið (in etwa: Datenvolumen) konnte er die fantastisch coole Retro-Synthie-Nummer 'Think about Things' zum Sieg führen, um die schon vor gut zwei Wochen ein Internet-Hype losbrach, nachdem Daði den dazugehörigen, extrem selbstironischen Videoclip veröffentlichte und Prominente wie Russell Crowe oder Jan Böhmermann selbigen via Twitter verbreit...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vira­le Schlach­ten

Mit der üblichen Verspätung folgt heute noch der Nachschlag zum vergangenen Supersamstag, an dem neben gleich drei nationalen Finalen weitere vier Vorrunden und Semis über die Bühne gingen. Beginnen wir im hohen Norden beim isländischen Söngvakeppnin, wo sich im zweiten Semi zwei der Favorit:innen auf den Sieg im Finale nächsten Samstag durchsetzten. Der eine von ihnen, der fantastische Daði Freyr, gewinnt gerade international Momentum: sowohl der einflussreiche deutsche Satiriker und Talkshow-Host Jan Böhmermann als auch der neuseeländische Schauspieler Russell Crowe (sowie der deutsche ESC-Verantwortliche Thomas Schreiber) teilten heute auf Twitter den superlustigen, herrlich selbstironischen Videoclip zu 'Think about Thinks'. So der englische Originaltitel des wunderbar eingängigen Elek...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be strai­ght

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an die weißen Schreigesänge der letztjährigen polnischen Vertreterinnen Tulia erinnernden...
Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach
2019, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Schwules, Unsere Lieblinge

Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Obschon sich angesichts der Berichterstattung um das weißrussische Jury-Gate und die Unfähigkeit der EBU, einfachste Kontrollmechanismen gegen die menschliche Fehleranfälligkeit in ihren Punkteermittlungsprozess einzubauen, bislang noch gar keine richtige Post Eurovision Depression einstellen wollte, veröffentlichten gestern gleich zwei der in Tel Aviv teilnehmenden diesjährigen Acts neue Songs, wohl auch um musikalisch erst gar keine Entzugserscheinungen auftreten zu lassen. Interessanterweise verbindet beide Lieder eine Art wohltuender trotziger queerer Stolz. Der offen schwule französische Vertreter Bilal Hassani zeigt in 'Jaloux' ('Eifersüchtig') seinen Hatern den metaphorischen Mittelfinger: er zitiert in den Strophen aus den zahlreichen hasserfüllten Kommentaren, die seine bisherige ...
Fina­le 2019: <span class="caps">ESC</span> is a losing Game
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach ihr ist; nach der Aussage des Interpreten jedoch betrauere er den ...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sig­ra

Ein die Fans gleichermaßen in Liebende wie Hassende spaltender Marmite-Song eröffnete vor knapp sechs Wochen diese Artikelserie, und ein ebensolcher beschließt sie heute. Platz 1: Island - Hatari: Hatrið mun sigra (Der Hass wird siegen) Als hätten die Jungs von Laibach, Rammstein, Depeche Mode und Bronski Beat einen gemeinsamen Bastard gezeugt, so klingen Hatari. Brachialer Industrial-Lärm mit einer schmerzhaft verzerrt dahingerotzten Strophe, aufgefangen von einem watteweichen Synthie-Pop-Refrain und engelsgleichem Kastratengesang, und das alles auch noch auf isländisch: Hatari verstören nicht nur musikalisch. Das sich als satirisch und antikapitalistisch verstehende Art-Kollektiv, das auf spielerische Weise in Bondage-Gear auftritt, verpackt darin eine bittere, dystopische Botschaft....
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Söng­va­kepp­nin 2019: Til haming­ju Ísland

Endlich! Das wurde aber auch Zeit! Nachdem in der Vorentscheidungssaison 2019 bis auf seltene, einzelne Ausnahmen bislang eine tragische Fehlentscheidung die nächste jagte und sich das Feld fast ausschließlich mit drögem Mist füllte, gelang es am gestrigen, letzten Supersamstag gleich drei Nationen, den aktuellen Jahrgang gemeinschaftlich doch noch zu retten. Zuvorderst zu loben sind natürlich die Isländer/innen, seit gestern Abend offiziell das coolste, klügste und schönste Völkchen der Erde, in deren Händen gewissermaßen die Zukunft des Eurovision Song Contest lag. Und sie wählten ausnahmsweise einmal weise: das aus den Mitgliedern Einar Hrafn Stefánsson, Klemens Nikulásson Hannigan und Matthías Tryggvi Haraldsson bestehende Trio Hatari gewann im Superfinale des Söngvakeppnin gegen den s...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules

Vier­ter Super­sams­tag 2019: raus mit den Sitz­ho­mos

Bevor sie ganz unter den Tisch fallen: neben den fünf nationalen Vorentscheidungen des vergangenen Wochenendes mit ihren fünf furchtbaren Beiträgen für Tel Aviv fanden am vergangenen Samstag in zahlreichen Ländern diverse Semifinale statt, die nun hier in Windeseile abgearbeitet sein wollen. Beginnen wir bei den Gastgebern des letzten Jahres: in der ersten von zwei Vorrunden des portugiesischen Festival da Canção kam der Favorit Conan Osíris erwartungsgemäß eine Runde weiter, landete mit dem rundweg experimentell-bizarren 'Telemóveis' ('Mobiltelefon') jedoch bei der augenscheinlich ausschließlich mit Kulturbanausen besetzten Jury lediglich auf dem vierten Rang. Das wesentlich sachverständigere Publikum bedachte ihn hingegen mit der Höchstwertung. Der mit einem grotesken Gesichtsgeschirr an...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Drit­ter Super­sams­tag 2019: eine Chan­ce für den Hass

Richtig rund ging es am gestrigen Supersamstag: neben den Vorentscheidungs-Finalen in Australien, Italien und Montenegro fanden in fünf weiteren Ländern Vorrunden statt. Wir beginnen unsere Reise im hohen Norden, wo das erste von zwei Semis des isländischen Söngvakeppnin Anlass zum hoffnungsvollen Frohlocken gab. Unter den zwei ins Finale delegierten Beiträgen befindet sich nämlich mit 'Hatrið mun sigra' ('Der Hass wird siegen') mein persönlicher Lieblingstitel der gesamten Eurovisionssaison 2019. Die Industrial-Band Hatari (die Hassenden) liefert damit die wütend-düstere Hymne zur aktuellen Endzeitstimmung, die einen beim Anblick des Zustands Europas und der Welt unabwendbar überfällt, verpackt in eine frappante musikalische Mischung aus Rammstein und Bronski Beat und dargeboten in einer ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Euro­pa wird fal­len

Neben dem Finale der französischen Vorentscheidung Destination Eurovision wählten gestern Abend auch die Malteser/innen ihre Repräsentantin für Tel Aviv aus. Das notorisch grand-prix-begeisterte Eiland bediente sich in diesem Jahr erstmalig des britischen Castingshow-Formates X-Factor, das sich für den Sender TVM als Einschaltquotenerfolg herausstellte, aber auch für Kontroversen sorgte: vergangenen Oktober kritisierte die maltesische Gleichstellungsbeauftragte Helena Dalli die Show und den Sendert öffentlich, weil ein Vorrundenteilnehmer dort unwidersprochen Werbung für die ethisch verwerfliche, wissenschaftlich widerlegte und seit 2016 auf der Insel illegale Konversionstherapie machen durfte, die ihn von seiner "sündhaften" Homosexualität "geheilt" habe. "Junge Menschen, die schwul sind,...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Die Rück­kehr des Flat­ter­lap­pens: ers­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

So, höchste Zeit, dass dieser Blog aus seinem Dornröschenschlaf erwacht: am gestrigen Sonntag eröffnete das - angereisten Schwurnalisten zufolge viel zu kleine - Pressezentrum in der Lissabonner Altice-Arena zur Übertragung der ersten Kameraproben für das in acht Tagen angesetzte erste Semi des Eurovision Song Contest 2018. 19 Songs buhlen in diesem bekanntlich um einen der knappen zehn Plätze für das Finale. Und auch wenn diese hauptsächlich für die Kameraeinstellungen und den Soundcheck gedachten Proben noch keinen umfassenden Aufschluss über die endgültige Performance in den beiden Shows geben, in denen es zählt - nämlich dem Juryfinale am kommenden Montag und der TV-Show am 8. Mai, - so lässt sich doch zumindest ein Blick auf die Choreografie- und Outfit-Ideen der Delegationen erhasche...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

IS 2018: If I could turn back Time

Es ist wirklich höchste Zeit, dass die EBU ihre vornehm-feige Nichteinmischungspolitik hinsichtlich der nationalen Eurovisionsvorentscheidungen aufgibt und ein paar grundlegende, von allen teilnahmewilligen Sendern zu befolgende Regeln aufstellt. Die drängendste davon: ein absolutes Verbot des sogenannten Superfinales, also einer zweiten Abstimmungsrunde unter den Topplatzierten, wie sie traditionell beim isländischen Söngvakeppnin stattfindet und auch im gestrigen Finale zelebriert wurde. Denn, mal ganz abgesehen davon, das es schwachsinnig ist, bei nur sechs Wettbewerbstiteln gleich zwei Votings durchzuführen: in aller Regel endet ein solches Superfinale in der Katastrophe. So auch gestern in Island: dort vereinte in der ersten Abstimmungsrunde nämlich ein x-beiniger, dicker Junge namens...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Bin ich mittlerweile einfach zu verwöhnt, zu überkritisch? Ist es vermessen von mir, zu verlangen, dass das Rad mit jeder Performance neu erfunden wird? Kann ich mich mit meiner ständigen Originalitätserwartung einfach nicht mehr erfreuen an solide gemachten Liedern und Auftritten? Oder woran liegt es, dass mir das Melodifestivalen, der heilige Gral der Eurovisionsvorentscheidungen, in diesem Jahr so über die Maßen lahm vorkommt, die Songs so schwach, die Darbietungen so uninspiriert? So, als läge eine einzige, abgrundtiefe Müdigkeit über dem schwedischen Vorauswahlverfahren, ein Mehltau, über den keine Choreografie, kein Glanz und Glitter mehr hinwegtäuschen kann? Am augenfälligsten wehte dieser Eindruck am gestrigen Samstagabend beim Auftritt der im dritten MF-Semi Letztplatzierten Barbi...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Reihenweise fanden am gestrigen Supersamstag neben den abschließenden Entscheidungen in Dänemark und Italien noch Semifinale quer durch Europa statt, bei denen sich die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wieder von ihrer schlechtesten Seite zeigten und eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen trafen. Am wenigstens ausgeprägt erstaunlicherweise diesmal in Schweden, wo sich das zweite Semifinale des allgemein beliebten Melodifestivalen musikalisch noch schwächer präsentierte als das eigentlich schon unterirdische erste vom vorvergangenen Samstag. Mit den Augenschmäusen Limaoo und Samir & Victor wählten die Skandinavier/innen drei kernige Knaben mit träshigen Titeln ins Finale weiter, wogegen sich natürlich nicht das Geringste einwenden lässt. In die W...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonntag haben die Pforten des Internationalen Ausstellungszentrums in Kiew ihre Pforten geöffnet für die 42 Delegationen des diesjährigen Eurovisionsjahrganges und für alle besonders unerschrockenen Schwurnalisten, die trotz der widrigen Umstände um die Vorbereitungen und den Ticketverkauf die Reise in die ukrainische Metropole antraten. Das erste Semifinale ist bereits einmal komplett durchgeprobt, für die Zurückgebliebenen offeriert der offizielle Youtube-Kanal der EBU allerdings, wie schon aus den Vorjahren gewohnt, lediglich kurze, frontal gefilmte Ausschnitte von den Auftritten. Was durchaus Sinn macht, denn eigentlich verfügt der erste Probendurchgang nur über eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, geht es doch zunächst hauptsächlich um die richtigen Kameraeinstellungen. Ein Tei...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #13: Je t’a­do­re

Die Dreizehn - ihr haftet bei abergläubischen Menschen ein Nimbus als Unglückszahl an. Und als ein bisschen unglücklich erweist sich auch die heutige Paarung in unserem Eurovision Deathmatch, die man auch als Reste-Rampe bezeichnen könnte, wenn es nicht so ungerecht gegenüber den betroffenen Künstlerinnen wäre. Doch ein roter Faden, der beide Acts verbindet, will sich nicht so ohne Weiteres finden lassen: ihre Songs sind völlig verschiedener Machart, sie treten in unterschiedlicher Zahl an, ihre Vorauswahl erfolgte auf jeweils andere Weise und noch nicht mal ihre beide Nationen grenzen aneinander oder befinden sich im Krieg miteinander. Für Beide hätte es passendere Paarungen gegeben - die aber waren bereits belegt. Und so müssen Svala Björkvinsdóttir für Island und Ogene für die Niederlan...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Island 2017: Becau­se of the Shoes

Ach, Island! Sieben Songs befanden sich im gestrigen Finale des nationalen Vorentscheids Söngvakeppnin 2017, und mit fünf von ihnen hätte ich als Beitrag des Landes zum Eurovision Song Contest in Kiew bestens leben können. Doch was wählt das sture Inselvölkchen aus? Natürlich meinen persönlichen Hasstitel 'Paper'! Wobei sich mein geballtes Missfallen gar nicht so sehr auf den komplett uninteressanten, lendenlahmen Elektrosong bezieht, den man zur Not noch problemlos weghören könnte, ohne all zu schlechte Laune zu bekommen. Wäre da bloß nicht die schreckliche Interpretin Svala Björgvinsdóttir, ihres Zeichens die Dóttir von Bo (Björgvin) Halldórsson (→ IS 1995), beziehungsweise ihr abgrundschlechter Modegeschmack. In schlimmen, nein: in schlichtweg inakzeptablen Hufschuhen, einem unverzeihli...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: wie zer­ron­nen, so gewon­nen

Auch wenn der von mir noch immer nicht überwundene gestrige Schweden-Schocker (eine ordentliche Trauerphase braucht halt ihre Zeit) alles andere überstrahlte, so gebietet es doch die Chronistenpflicht, die Geschehnisse der am selben Abend gelaufenen Vorrunden in Island und Litauen nachzubereiten. Auf der Insel der Trolle und Elfen schrägte es im zweiten Semi des Söngvakeppnin leider einen weiteren meiner diesjährigen Lieblingsbeiträge, nämlich die zarte Countryballade 'þú og Ég' von Páll Rósinkranz und Kristina Bærendsen, deren persönliches Pech es war, dass nach den Bestimmungen des isländischen Senders RÚV die Lieder in den beiden Semis in Landessprache vorgetragen werden müssen, während die Künstler im Söngvakeppnin-Finale freie Hand haben (und fast immer Englisch wählen, wie sie es ang...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Vier­ter Super­sams­tag 2017: die Han­de­ta­sche muss leben­dig sein

Neben den drei Entscheidungen in der Ukraine, Moldawien und Dänemark fanden am gestrigen Supersamstag zeitgleich auch noch Eurovisions-Vorrunden in Schweden, Litauen und Island statt. Dabei zog das vierte Viertelfinale des Melodifestivalen mal wieder die höchste Aufmerksamkeit auf sich, vor allem, weil die Grand-Prix-Gewinnerin von 2012, Loreen, es hier mit ihrem bereits im Vorfeld extrem gehypten, neuen Beitrag 'Statements' versuchte, einer extrem düsteren, dräuenden Elektroballade im Stile von Sia, die vor allem auf eine eindrückliche optische Präsentation setzte. Und diese erwies sich auch tatsächlich als beeindruckend, ließ sich die sichtlich gealterte Eurovisionsveteranin, die manche spitze Zunge rein optisch an das unlängst viel zu früh verstorbene Musikgenie der Achtzigerjahre, Pete...
2017, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Kei­ne Vor­ur­tei­le: Pol­la­pönk-Backing ist jetzt Minis­ter

Es ist ein kleiner, illustrer Kreis: Åse Kleveland gehört beispielsweise dazu, drittplatzierte Vertreterin Norwegens beim Eurovision Song Contest im Jahre 1966, Moderatorin der gleichen Veranstaltung zwanzig Jahre später und von 1990 bis 1996 Kultusministerin des skandinavischen Landes. Die irische Grand-Prix-Siegerin (1970), Präsidentschaftskandidatin und Europaabgeordnete (1944-1999) Dana National zählt dazu. Und nun auch Óttar Proppé, seines Zeichens Backingsänger der unvergesslichen isländischen Vertreter von 2014, Pollapönk, und Vorsitzender der ironisch-lässig benannten Partei Björt framtíð (Strahlende Zukunft), einer ökoliberalen Vereinigung, die an der aktuell regierenden Dreiparteienkoalition beteiligt ist und seit wenigen Tagen mit Proppé den Gesundheitsminister des Inselstaates ...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Tanz den Horn, Mut­ter­söhn­chen!

Welch ein ereignisreiches Eurovisionswochenende! Es begann mit einem leider sehr traurigen Ereignis: nachdem in der Nacht von Freitag auf Samstag in der Nähe der italienischen Stadt Verona ein Reisebus mit ungarischen Schüler/innen verunglückte, verhängte die magyarische Regierung angesichts von 16 Todesopfern verständlicherweise Staatstrauer, woraufhin die eigentlich für Samstagabend geplante zweite Vorrunde der heimischen Eurovisionsvorentscheidung A Dal bis auf Weiteres um eine Woche verschoben wurde. Neben dieser Tragödie und den bereits verbloggten zwei nationalen Endausscheidungen vom Samstag in Weißrussland und Georgien blieb kaum noch Zeit für eine Sichtung der bereits am Freitagabend veröffentlichten zwölf Songs des für den 11. März 2017 terminierten isländischen Söngvakeppnin, di...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser, Trickkleid

Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte "Welcome, Europe!" die ersten Takte von 'The Final Countdown' der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die "Peinlichkeit" entschuldigten! Auch, was da...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Island 2016: She’s a Copy­cat, tryin’ to ste­al your Soul

Island schickt erneut Greta Salóme Stefánsdóttir zum Eurovision Song Contest. Die kennen wir noch aus Baku, wo sie 2012 gemeinsam mit Jónsi (IS 2004) ein sehr hübsches, wenn auch sehr klassisches Duett namens 'Never forget' sang. Diesmal reist sie jedoch alleine an, begleitet nur von den Stimmen in ihrem Kopf. Jedenfalls legt das der Titel ihres Beitrags 'Hear them calling' nahe. Den mittelflotten, mittelguten Popsong mit einer mittelguten Hookline und einer geschickt platzierten Klatschfalle kurz vor dem Ende verkauft die gute Greta hauptsächlich über eine, wollen wir mal sagen, äußerst stark von Måns Zelmerlöws 'Hero' inspirierte, auf dem Bühnenhintergrund laufenden Videochoreographie, mit der die blonde Sängerin interagiert und die in ihrem Fall nicht aus Strichmännchen, sondern aus bed...