Island

Nichts seh­nen die meis­ten ESC-Fans so sehr her­bei wie über­fäl­li­gen ers­ten Sieg der mythi­schen Elfen-und-Trol­le-Insel. 2020 war die­ser mit Daði Freyr zum Grei­fen nah – dann kam Covid. Islands Vor­ent­scheid, das Söng­va­kepp­nin, ist stets ein Quell der Contest-Perlen.
Dabei seit: 1986; Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: 3; Nil­poin­ter: 1.

Wer sind Sie und was haben Sie Herrn Sie­gel ange­tan? (SM, MK 2013)

Und erneut überschlugen sich gestern, nur wenige Tage vor der EBU-Deadline, die Eurovisionsereignisse wieder so stark, dass ich sie hier nur gesammelt nachreichen kann. Beginnen wir mit dem erstaunlichsten Geschehen dieses Jahres, ach was: dieses Jahrzehnts! Ralph Siegel hat ein Lied für den Grand Prix geschrieben - und es ist gut! Doch, wirklich! Wenn ich es doch sage! Der deutsche Altmeister verfasste bekanntlich erneut den sanmarinesischen Beitrag, erneut gesungen von Valentina Monetta. Und wer jetzt, wie ich, ein erneutes Trash-Spektakel à la 'Facebook, uuh-uuh', erwartete, sah sich bei der gestrigen Songpräsentation heftig überrascht. Denn 'Crisalide' ist eine rundweg gelungene Eurovisionsballade,…
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Island: die ver­wirr­te Insel (IS 2013)

Es ist ein eigenartiger Beitrag, den Island nach Malmö entsendet: zwar erinnert der langhaarige, bärtige, blonde Eyþór Ingi Gunnlaugsson rein optisch ein wenig an Thomas G:son, den Komponisten des letztjährigen Siegertitels 'Euphoria'. Sein Song 'Ég á líf' klingt indes eher, als sei er einem Weihnachtsmusical aus der Feder von Andrew Llyod Webber entsprungen und habe vor der Überfahrt über den Nordatlantik noch schnell eine kurze Zwischenrast in Irland eingelegt, um sich mit etwas keltischem Flair einzudieseln. Mit sehr viel Pathos in Stimme und Gestik trägt der in seinem schlecht sitzenden Anzug etwas unförmig wirkende Wikinger seinen Bombastkitsch vor, der in der unseligen Phase…
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Hei­lung durch Hand­auf­le­gen? Zwei­te Pro­ben ME, IS, GRLV

Überschattet von den schwulenfeindlichen Angriffen auf Eurovisionsseiten starteten heute Morgen in Baku die zweiten Kameraproben für die Semis. Einige Kostüme gab es zu sehen, unsittliche neue Chorografiedetails, verbesserte Hintergrundbilder und gelegentlich markerschütternde stimmliche Leistungen. Im Wesentlichen verfestigten sich aber die Einschätzungen aus den ersten Proben vom Sonntag. Hier die Zusammenfassung der ersten vier Starter. Eine Demonstration weiblicher Selbstheilungssolidarität bei 2:24 Min. (GR) (mehr …)
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Eis­berg vor­aus: 1. Pro­be Island

Wie umgeht man den klassischen Fluch des Startplatzes #2? Island macht es vor: mit einer noch klassischeren Eurovisionsperformance, die sämtliche Klischees bedient (Geige! Große Gefühle! Windmaschine! Wehende Schleppe! Dramatische Gesten!) und schlichtweg durch Qualität überzeugt. Die Performance ist exakt dieselbe wie schon bei der isländischen Vorentscheidung, und das ist auch gut so. Zwar wirkt die gute Greta mit ihren kunstblonden Haaren, beeindruckenden Bizepsen und sportlich-herbem Gesicht ein bisschen wie die Dragqueenversion von Malena Ernman (SE 2009), dafür schaut Jónsi in seiner extrem detailbetonenden, eng sitzenden Jeans um so mehr zum Anbeißen aus. Wie bei einer ersten Kameraprobe üblich, verausgabten sich Beide…
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Lost and for­got­ten (IS, ES, HU, AZ 2012)

Sie haben es tatsächlich wahr gemacht. Ich könnte heulen vor Wut! Wie bereits angedroht, singen Gréta Salóme und Jónsi ihren Beitrag in Baku nicht, wie noch bei der Vorentscheidung, in isländischer Muttersprache, sondern auf englisch. 'Never forget' heißt der Song nun, und ich muss den Beiden zugestehen, dass es sich wohl um eine ziemlich werkgetreue Übersetzung handelt, die auch - anders als so mancher osteuropäische, englisch gesungene Beitrag der letzten Jahre - weder Ohren noch Hirn beleidigt. Dennoch: für mich geht mit der Anglifizierung ein Gutteil der wilden, düsteren, mystischen Magie des Originalliedes 'Mundu eftir mér' so schmerzlich wie unwiderbringlich verloren.…
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Welch ein Land, was für Män­ner! (IS 2012)

Woher haben die Isländer nur dieses musikalische Händchen? Selbst die langweiligsten ihrer sieben Finaltitel heute Abend atmeten noch Klasse und Stil. Und die Kerle, die dort auftraten: bärtig, kernig, einer leckerer als der andere! Am Ende gewann der bestaussehendste von ihnen: Jónsi, der uns schon 2004 in Istanbul in den 'Heaven' sang, unterstützt von der einen Kopf kleineren Greta Salomé. 'Mundu eftir mér' ('Erinnere Dich meiner'), ihr Beitrag für Baku, hat exakt alles, was ich von einer klassischen Eurovisionsballade will: Drama nämlich! Dramatisch aufspielende Geigen, dramatisch modulierter Gesang, dramatisch tiefe Blicke, ein dramatisch hingebungsvoll huhender Hintergrundchor und eine dramatische, große Rückung…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: drit­ter Supersamstag

Welch' ein furchtbarer Eurovisionssamstag! Ob ausfallende Mikrofone in Ungarn oder kollektive Geschmacksverirrung in Norwegen: bei den drei heutigen Semifinals reihte sich ein Mißgriff an den nächsten. Am ärgerlichsten der in der zweiten Runde des Melodi Grand Prix: dort fand sich mit der fabelhaften Minnie Oh (nicht zu verwechseln mit der schwedischen Melodifestivalen-Teilnehmerin Mimi Oh oder dem Grey's-Anatomy-Star Sandra Oh) und ihrem discotastischen 'You and I' der einzige richtig gute Song des heutigen Abends. Und ein sensationeller Auftritt mit halbnackten Tänzern, Keyboardspielern mit Mülleimern auf dem Kopf und einer voluminösen Sängerin mit Schulterpolstern aus der Jurassic-Park-Kollektion. Doch sie schaffte es nicht ins Finale. Stattdessen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: zwei­ter Supersamstag

Skandinavischer Supersamstag: neben dem Dänendebakel fanden heute Abend auch Vorrunden in Norwegen und Island statt. Im Land der Elfen gingen fünf Acts an den Start, von denen sich zwei für das Finale qualifizieren konnten. Nämlich Regína Ósk Óskarsdóttir, 2008 ein Teil meiner allerliebsten Eurovisionsteilnehmer aller Zeiten, der Euroband. Sie performte mit 'Hjartað Brennur' einen schwungvollen Ohrwurm, von dem ich mir hundertprozentig sicher bin, den genau so schon mal unter anderer Überschrift gehört zu haben. Und zwar Ton für Ton. Jemand unter meinen Lesern eine Idee? httpv://youtu.be/D-QkwXCWdWk Wunderschön die motownhafte Performance: Regína Ósk (mehr …)
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: ers­ter Supersamstag

So, die Saison läuft auf vollen Touren, und wie jedes Jahr reagiere ich auf die völlige Überforderung durch mehrere gleichzeitig laufende Vorentscheidungsvorrunden und die parallele Veröffentlichung von gefühlt 7 Millionen Wettbewerbsbeiträgen mit Schockstarre. Ich bitte um Vergebung, aber ich erhebe hier ja ohnehin nicht den Anspruch, ein topaktuelles ESC-Newsblog zu sein (dazu finden Sie eine Auswahl viel kompetenterer Seiten in meinen Links). Hier nun also der Versuch, die Geschehnisse der letzten Tage abzuarbeiten, beginnend mit dem vergangenen Supersamstag. httpv://youtu.be/GX11r20GbR0 Liebe Kinder: bitte nicht zuhause nachmachen! (Elizabete Zagorska, LV) (mehr …)
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The Day that Music died (IS 2011)

Ein Toter gewann (erwartungsgemäß) die isländische Vorentscheidung. Doch, im Ernst. Der Komponist und ursprüngliche Sänger des Beitrags 'Aftur heim', Sigurjón (oder Sjonni) Brink, starb nur zwölf Tage vor seinem Semifinale-Auftritt am 17. Januar 2011 im Alter von 36 Jahren überraschend an Herzversagen. Ein Sextett von Musikerkollegen übernahm in seinem Angedenken den jazztrompetenlastigen Song, der sich im Vorentscheidungsfinale dann selbst gegen das isländische Eurovisionsheiligtum Yohanna ("Are we through? Is she over?") durchsetzte. Ein Begräbnis des wenig popkompatiblen Beitrags steht in der Qualifikationsrunde in Düsseldorf zu erwarten. httpv://www.youtube.com/watch?v=Sjd6k_5Drow Sigurjón starb für einen guten Zweck: Yohanna scheiterte an diesem Lied. (mehr …)
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2010: Do I have to sing again?

ESC Fina­le 2010: Do I have to sing again?

Ein Meilensteincontest und das Ende eines heimischen Traumas: 28 Jahre, nachdem eine blockflötenhafte junge Saarländerin im Kommunionskleid Europa überzeugen konnte, dass Deutschland nicht mehr den totalen Krieg will, sondern nur noch "ein bißchen Frieden" (DE 1982), und zwölf Jahre, nachdem ein zottelhaariger Derwisch dem ungläubig staunenden Ausland demonstrierte, dass Deutsche doch Humor haben ('Guildo hat Euch lieb', DE 1998), verdrehte eine charmante Hannoveranerin einem ganzen Kontinent den Kopf, in dem sie bewies, dass wir auch lässig sein können. Im Gegensatz zu den diesjährigen Fluten von hörbar auf den vermuteten Jurygeschmack hin produzierten, saft- und kraftlosen Seichtballaden oder den mit viel…
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Island 2010: Ich weiß, es wird ein­mal ein Wun­der geschehn

Reykjavik 2011? Wenn es gerecht zuginge auf der Welt, dann bestimmt, denn die Isländer beglücken uns mit dem adorierenswertesten Eurovisionsölfass nach Vanîa Fernandes (PT 2008) und einem Comme-il-faut-Grand-Prix-Schlager! Zur "Gabi des Jahres" rief sie Jan Feddersen unlängst in seinem Eurovisionsblog aus. Und erläuterte fachkundig: "Gabis sind gern etwas ältere Frauen, die von Männern, die auf Männer stehen, angebetet werden, weil sie eine Mischung aus der schützenden großen Schwester, der liebsten Frau, mit der man lachen kann, aber keinen Sex haben will und der Mama, die ich nie hatte, verkörpern." Da muss ich ausnahmsweise mal uneingeschränkt zustimmen. Zumal ich die gute…
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde - im Gegenteil: auch die Juroren setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO) Meine Vermutung, zubrotfreudige Juroren könnten gar die Verantwortung für das…
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Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Ers­tes ESC-Semi 2009: It’s kil­lin’ the Groove

Gerüchtehalber sechs Millionen Euro hatten sich die Russen im Vorjahr ihren auf Sieg getrimmten Beitrag 'Believe' kosten lassen. Bei der Ausrichtung des Wettbewerbs in Moskau protzten sie entsprechend hemmungslos: die größte Bühne aller Zeiten, die beeindruckendste Lichttechnik, die spektakulärsten Pausenacts. 42 Millionen Euro sollen sie für die Show ausgegeben haben, fast das Doppelte des üblichen Budgets. Und lieferten dennoch international ein beschämendes und unangenehmes Bild ab, aufgrund der rabiat exekutierten Auflösung des zeitgleich zum Eurovisionsfinale stattfindenden Moskauer CSD durch Sondereinsatzkräfte der Polizei. Und durch das wohl unfähigste Moderatorenteam der Grand-Prix-Geschichte. https://www.youtube.com/watch?v=ulVSOEuntOc Andrej Malakow, den männlichen Part, taufte meine liebe Kollegin Mery auf den…
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Söng­va­kepp­nin 2009: Is she through? Are we over?

Söng­va­kepp­nin 2009: Is she through? Are we over?

Kaum sind die Jurys zurück, sind wir auch schon wieder - schwupps - tief im dunkelsten Jammertal der Neunzigerjahre angelangt, als ausnahmslos alle Länder absolut einheitliche, bis zur Hirnstarre dröge Schlichtballaden schickten, gemünzt auf den vermuteten Durchschnittsgeschmack des durchschnittlich 75jährigen Juroren. Und auch 2009 droht der Super-GAU der Langeweile, zu dem beispielsweise auch das offensichtlich nicht nur finanziell, sondern mittlerweile auch künsterlisch bankrotte Island in nicht unerheblichem Maße beiträgt: mit dem sterbensöden 'Is it true' der bezaubernden Yohanna. Schnarch. Aus Island will ich Eurodance, klar?
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

ESC Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

Zwölf Anläufe hatte der flächengrößte und einwohnerstärkste Teilnehmerstaat des Eurovision Song Contest für seinen ersten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Seinen Führungsanspruch und seine kulturelle Zugehörigkeit zu Europa wollte Russland damit unterstreichen - und vertiefte doch nur die Gräben, denn kaum ein Siegertitel rief im Westen so eine starke Ablehnung hervor wie Dima Bilans musikalisch malades und überanstrengt dargebotenes 'Believe', welches der Sargnagel für das hundertprozentige Zuschauervoting sein sollte. Für den russischen Plattenmillionär, dem bei seinem Erstversuch 2006 mit dem deutlich besseren 'Never let you go' nur die finnischen Monsterrocker Lordi in die Quere kamen, reichte es lediglich für einen schwachen Rang 54 in…
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Söng­va­kepp­nin 2008: All the Joy it brings

Söng­va­kepp­nin 2008: All the Joy it brings

Ausgerechnet am gestrigen Supersamstag ging dann auch, entgegen aller Erwartungen, die im Frühsommer 1647 gestartete isländische Vorentscheidung nach ungefähr 7 Millionen Vorrunden, Playoffs, Zweite-Chance-Runden und Semifinals zuende. Der Aufwand lohnte sich: mit dem mehr als camptastischen 'Fullkomið líf' gewann mein neuer offizieller Lieblingsbeitrag 2008. In Belgrad wird er aller Voraussicht nach in der von Paul Oscar (1997) getexteten englischen Fassung als 'This is my Life' zu hören sein. Ich höre da immer "Füttere mich"- aber gerne, Fridrik! Alles, aber auch alles an dieser Nummer ist fantastisch: die Euroband (isländisch: Eurobandið) besteht aus Eurovisionsenthusiasten, die einzeln bereits mehrfach an isländischen Vorentscheidungen oder…
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Drit­ter Super­sams­tag 2007: Rock the Casbah

Drit­ter Super­sams­tag 2007: Rock the Casbah

Drei weitere, nordische Länder entschieden am dritten Supersamstag-Wochenende 2007 - erwartungsgemäß wird es in Helsinki ein wenig rockiger zugehen! https://www.youtube.com/watch?v=Y3Q4Eni0z68 Rockerbraut: Hanna Parker-Innen (FI) Und noch mal: schau her, Gracia Baur (DE 2005)! So wird's gemacht! Hanna Pakarinen ist eine mittelmäßig begabte Castingshow-Schnalle mit einem mittelmäßigen Rock-Pop-Liedchen ('Leave me alone', aber gerne!) und präsentiert sich gerne ganz in Schwarz - und direkt im Luftstrom der Windmaschine. Erinnert Dich das an jemanden? Ja? Mich auch! Nur, dass die ganze Chose bei Frau Pakarinen tausend mal mehr Power, Drive und Glamour ausstrahlt als bei Dir damals. Woran das nur liegen mag? Denk…
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<span class="caps">ESC</span> Semi 2006: I’ll fuck­ing win

ESC Semi 2006: I’ll fuck­ing win

Westeuropäische Grand-Prix-Fanclubs bestehen in der Regel - in exakter Umkehrung der üblichen Bevölkerungsanteile - zu 95% aus schwulen Männern. Und die haben, logischerweise, einen völlig anderen Musikgeschmack als das beim Eurovision Song Contest abstimmende Massenpublikum an den Bildschirmen. Natürlich scherzten die im Athener Olympiastadion versammelten Fans noch vor Beginn des Halbfinales, dass man hinterher, wenn die zehn Finalisten feststünden, wohl mal wieder kopfschüttelnd in der Halle säße. Und genau so kam es auch. https://youtu.be/itM8IzJakNU Die beiden größten Schocks stellten das Ausscheiden der Fan-Favoritin Kate Ryan[ref]Die Belgierin hatte einst mit blasphemischen Coverversionen von unantastbaren Mylène-Farmer-Songs in ganz Westeuropa Hitparadenerfolge gefeiert und…
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<span class="caps">ESC</span> Semi 2005: La Musi­ca Alpina

ESC Semi 2005: La Musi­ca Alpina

Bedenkt man, wie spät die Ukrainer aufgrund der politischen Ereignisse im Land mit den Vorbereitungen anfingen, erstaunt, wie reibungslos und professionell der Abend im Sportpalast zu Kiew über die Bühne ging. Zwischen dem Eurovisionssieg in Istanbul und der Organisation dieses Contests lag eine manipulierte Präsidentschaftswahl und eine vollkommen friedliche, aber kraftvolle Revolution, angeführt unter anderem von der Vorjahressiegerin Ruslana. Dem Gejaule besorgter Fans zufolge stand schon zu befürchten, dass die Kombattanten auf einem eilig mit Teer zugekleisterten Kartoffelfeld würden singen müssen. Bis auf kleinere technische Pannen lief aber alles glatt. Mal abgesehen von der großen Panne: dem Ergebnis des Televotings. https://youtu.be/Zffgx9Fwsuc…
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2004: Just may­be I’m crazy

ESC Fina­le 2004: Just may­be I’m crazy

Man möge es mir nachsehen: diesen Jahrgang kann ich nicht nach den üblichen Maßstäben beurteilen. Denn zum ersten Mal verfolgte ich das Geschehen nicht mehr zu Hause am Fernseher, sondern live vor Ort in der Halle. Ein völlig anderes Erlebnis, das ich jedem nur empfehlen kann! Die EBU hatte just in jenem Jahr erstmals dem eigentlichen Grand Prix eine Qualifikationsrunde vorgeschaltet, die ich als bekennender Trashgourmet seither noch mehr liebe als das Finale, weil sich dort die tragischeren Beiträge sammeln. In dieser Endrunde nun tummelten sich die Big Four und die zehn bestplatzierten Länder aus 2003. Sowie eben die zehn Besten…
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<span class="caps">ESC</span> 1999: Don’t work on a Monday

ESC 1999: Don’t work on a Monday

In diesem Jahr gelang es dem NDR-Verantwortlichen Jürgen Meier-Beer nach mehreren Anläufen, mit dem Wegfall der überkommenen Sprachenregel und des Orchesters die beiden letzten Bausteine seiner Grand-Prix-Reform durchzusetzen und den Contest so - kurz vor der Jahrtausendwende - endlich in die popmusikalische Gegenwart zu überführen. Die Teilnehmer nutzten die neue linguistische Freiheit weidlich: jeder zweite Beitrag kam auf Englisch daher, der Weltsprache des Pop. Das war und ist in einigen Fällen schade (Balkanballaden klingen in einem der zahlreichen slawischen Dialekte einfach eindringlicher), manchmal besser (die Mitsingbarkeit leidet im Hebräischen oder Isländischen nun mal), sorgte aber vor allem dafür, dass nicht mehr,…
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<span class="caps">ESC</span> 1997: Ich brauch was Größeres

ESC 1997: Ich brauch was Größeres

In diesem Jahr fand die beinahe unumkehrbar geglaubte irische Siegesserie ihr abruptes Ende. Auch wenn es  für Marc Roberts und seine 'Mysterious Woman' noch zu einem zweiten Platz reichte: 70 Punkte Abstand zum Sieger sprachen eine deutliche Sprache. Und das sollte erst der Anfang sein! Nach dem Quoten- und Finanzdesaster des Vorjahres, bedingt durch das unfreiwillige Ausscheiden Deutschlands, begann hinter den Kulissen ein folgenreiches Umgestalten. Aufgrund hinhaltenden Widerstands der Grand-Prix-Traditionalisten kamen die dringend notwendigen Reformen zwar nur scheibchenweise - aufzuhalten waren sie aber nicht mehr. https://youtu.be/Gg1Gq2XdY-Q Vier mal dabei, bitte nicht wiederwählen: der bislang letzte Contest aus Irland. So galt ab…
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<span class="caps">ESC</span> 1989: Why do they always get it wrong?

ESC 1989: Why do they always get it wrong?

Ein Jahrgang, der mich wie kein zweiter gespalten hinterlässt: einerseits unglaublich reich an Spitzenerzeugnissen des Trashs und der unfreiwilligen Komik und damit ein ernsthafter Anwärter auf die Top Five meiner Lieblingscontests. Andererseits ruiniert durch rundweg skandalöse Juryentscheidungen und den ungerechtfertigsten Siegertitel aller Zeiten. Doch beginnen wir mit den amüsanten Seiten dieses Contests: das eidgenössische Fernsehen unterhielt die Zuschauer/innen zum Auftakt und in den Postkarten mit idyllischen Klischeebildern über Berge, Kühe, Berge, Käse, Berge, Uhren, Berge, Alphörner, Berge, das Heidi und Berge - was man sich eben unter der Schweiz so vorstellt! Bankenniederlassungen mit diskreten Konten für das Blutgeld aus den Diktaturen dieser Welt oder die…
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<span class="caps">ESC</span> 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

ESC 1986: Du weisst, ich lie­be das Leben

So viel Pomp, so viele schlechte Lieder! Der damalige Kronprinz und heutige König Norwegens, das nach 28 Teilnahmen und sechs Roten Laternen erstmals den Grand Prix austragen durfte, ließ es sich nicht nehmen, nebst Gemahlin und Kindern dem festlichen Ereignis beizuwohnen. Auch die Moderatorin der Show, Åse Kleveland, zählt fraglos zum Eurovisionsadel: zwanzig Jahre zuvor, 1966, war die Liedermacherin mit dem progressiven Folkstück 'Intet er nytt under Solen' beim Wettbewerb angetreten und belegte den dritten Platz. Danach distanzierte sie sich zwar zunächst vom Grand Prix, was sie aber nicht davon abhielt, nun mit dem gestrengen Auftreten und der Frisur einer Domina im malerischen Bergen durch einen Abend musikalischer…
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