Fes­ti­val di San­re­mo 2019, Fina­le

Offi­zi­ell ver­laut­ba­ren las­sen hat die Rai bis­lang noch nicht, ob der Sie­ger der bereits 69. Aus­ga­be des tra­di­ti­ons­rei­chen ligu­ri­schen Lie­der­fes­ti­vals zum Euro­vi­si­on Song Con­test ent­sandt wird, aber wir kön­nen wohl fest davon aus­ge­hen, dass er oder sie das Ticket zumin­dest ange­bo­ten bekommt. Wie immer zieht das ita­lie­ni­sche Staats­fern­se­hen die quo­ten­star­ken und sen­de­zeit­über­schrei­tungs­träch­ti­gen Fest­spie­le über kom­plet­te fünf Aben­de, die aller­dings dies­mal allei­ne den eta­blier­ten Stars vor­be­hal­ten blei­ben. Die Nach­wuchs­för­de­rung für die Nuo­ve Pro­pos­ti trenn­te man ab und schuf einen eige­nen Wett­be­werb namens San­re­mo Gio­va­ni, der bereits Ende 2018 statt­fin­det und jun­gen Talen­ten (das heißt: allen unter 36) offen steht. Die bes­ten zwei von ihnen dür­fen dann im Febru­ar 2019 bei den Gro­ßen mit­spie­len. Tra­di­tio­nell sind die Shows wahn­sin­nig gla­mou­rös, wahn­sin­nig chao­tisch und auf­grund des unge­hemm­ten Rede­drangs der Italiener/innen die Höchst­stra­fe für Men­schen mit Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit­syn­drom. Also für alle nach 1990 Gebo­re­nen.

Die ver­pass­te Chan­ce 2018: ‘Una Vita in Vacan­ze’.

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wun­der­tü­te an Pro­ben brach­te der heu­ti­ge Tag in Lis­sa­bon, mit Star­tern aus allen drei Shows auf der Büh­ne der Alti­ce-Are­na. Über die­je­ni­gen des Vor­mit­tag kön­nen wir schnell hin­weg­sprin­gen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Arme­ni­en (sym­pa­thi­scher­wei­se unaus­ge­schla­fen, aber immer noch der schöns­te Bart 2018) bis Däne­mark war das schließ­lich bereits der zwei­te Durch­lauf, und all zu viel Nen­nens­wer­tes änder­te sich nicht. Die Ser­ben (zweit­schöns­ter Bart) haben ihre Lakritz­schnü­re wohl auf­ge­fut­tert, die bei­den für San Mari­no star­ten­den Ladys war­fen sich heu­te immer­hin in – dem Mode­the­ma des Jah­res fol­gend – teils extrem durch­sich­ti­ge Büh­nen­kla­mot­ten. Und bewie­sen Humor, in dem sie den eigent­li­chen Star ihres Auf­trit­tes, dem größ­ten der vier put­zi­gen Spiel­zeug­ro­bo­ter, dies­mal ein Schild mit der Auf­schrift “Jus­ti­ce for Valen­ti­na” hoch­hal­ten lie­ßen. Ich bin mal gespannt, was im TV-Semi auf der Demo­ta­fel steht! Doch was uns alle wirk­lich inter­es­siert, spiel­te sich heu­te Nach­mit­tag ab: da prob­te Micha­el Schul­te zum ers­ten mal in der Hal­le! Und zwar zu mei­ner Über­ra­schung mit einem im Ver­gleich zu Unser Lied für Lis­sa­bon visu­ell deut­lich auf­ge­frisch­ten Sta­ging. Das, soweit man in den Blogs nach­le­sen konn­te, einen span­nen­den Effekt auf Fans und Hater zei­tigt.

Man gewinnt nicht den Ein­druck, dass sich Jes­si­ka wirk­lich über die Unter­stüt­zung von Jeni­fer freut…

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IT 2018: Blut in der Gos­se

Mit einem Lied gegen den Ter­ror tritt Ita­li­en beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Por­tu­gal an, so das (erwart­ba­re) Ergeb­nis des 68. Fes­ti­val del­la Can­zo­ne ita­lia­na ali­as San-Remo-Fes­ti­val, das ges­tern Nacht mit dem Sieg des Duos Ermal Meta und Fabri­zio Moro zu Ende ging. Das damit ver­bun­de­ne Erst­zu­griffs­recht auf das Ticket nach Lis­sa­bon nah­men die Bei­den wahr, wie sie noch in der Nacht erklär­ten. Der im alba­ni­schen Fier, dem Hei­mat­ort der dies­jäh­ri­gen zyprio­ti­schen Grand-Prix-Kol­le­gin Ele­ni Fou­rei­ra gebo­re­ne Meta und der Römer Moro setz­ten sich mit ihrem gefühl­vol­len Bei­trag in dem fünf­tä­gi­gen Lie­der­wett­streit gegen 19 Konkurrent/innen durch, dar­un­ter sehr vie­le sehr alte Hasen des ita­lie­ni­schen Show­ge­schäfts, die es aller­dings alle­samt noch nicht ein­mal ins Super­fi­na­le der letz­ten Drei schaff­ten. ‘Non mi ave­te fat­to nien­te’ (‘Ihr habt mir nichts getan’) beschreibt mit trot­zig-lako­ni­schem Opti­mis­mus den ein­zi­gen gang­ba­ren Weg, sich von den im Lied­text ange­ris­se­nen Krie­gen und Ter­ror­an­schlä­gen nicht ein­schüch­tern zu las­sen, son­dern sein Leben fried­lich wei­ter zu gestal­ten. Es bleibt damit der erfreu­li­chen ita­lie­ni­schen Tra­di­ti­on treu, Songs mit Aus­sa­ge zum Con­test zu schi­cken.

Die Meta-Ebe­ne und die Moro-Oran­ge: das ita­lie­ni­sche Duo über­zeugt mit Stil und Inhalt.

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Boo­ni­ka bate Doba

Seit Diens­tag die­ser Woche läuft wie­der das ita­lie­ni­sche San-Remo-Fes­ti­val, ein seit 1956 statt­fin­den­der jähr­li­cher Wett­be­werb um das fest­lichs­te Abend­kleid, die längs­te Mode­ra­ti­on und die unbot­mä­ßigs­te Sen­de­zeit­über­zie­hung, bei dem die RAI zur Wie­der­be­le­bung der Zuschauer/innen immer dann, wenn die hoch­fre­quen­ten Dauerredner/innen zum Befeuch­ten der Stimm­bän­der eine kur­ze Pau­se ein­le­gen müs­sen, musi­ka­li­sche Gäs­te zur Über­brü­ckung auf­tre­ten lässt, deren Lie­der zur wei­te­ren Erhö­hung des Unter­hal­tungs­fak­tors in einem Wett­be­werb ste­hen und bei dem am Ende des fünf­tä­gi­gen Mara­thons nach einem hoch­kom­ple­xen Berech­nungs­ver­fah­ren, an des­sen Ent­schlüs­se­lung schon meh­re­re Schach­welt­meis­ter schei­ter­ten, ein Sie­ger ermit­telt wird, der dann zum Euro­vi­si­on Song Con­test fah­ren darf. Aber nur, wenn er möch­te. Zum Auf­takt am ver­gan­ge­nen Diens­tag tra­ten gleich alle 20 Cam­pio­ni an, also die fest eta­blier­ten Künstler/innen. Und eta­bliert mein­te in die­sem Jahr: ein Star bereits seit den Zei­ten des Römi­schen Reichs unter Juli­us Cäsar. Der Alters­durch­schnitt der Show lag bei geschätz­ten 75 Jah­ren.

Teilt sich den Gesichts­chir­ur­gen mit Dona­tel­la Ver­sace: die fabel­haf­te Ornel­la Vano­ni.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Euro­vi­si­on Death­match #21: Momen­te der Magie

Mit dem heu­ti­gen Duell geht das Publi­kums­spiel Euro­vi­si­on Death­match zu Ende. Und da das Bes­te bekannt­lich immer zum Schluss kommt, habe ich mir die här­tes­te und hoch­ka­rä­tigs­te Run­de für den heu­ti­gen Fei­er­tag auf­ge­ho­ben. Und ja, ich weiß, der ist von sei­ner reli­giö­sen Auf­la­dung her ein eher raben­schwar­zer, trau­ri­ger Tag. Das passt jedoch sehr gut, denn Trau­er wird am Ende der Abstim­mung auf jeden Fall bei mir herr­schen, tre­ten heu­te doch mei­ne bei­den abso­lu­ten Lieb­lings­ti­tel des aktu­el­len Jahr­gangs gegen­ein­an­der an, von denen ich eigent­lich kei­nen mis­sen möch­te. Doch wie beim ech­ten Song Con­test und wie im ech­ten Leben kann es nur einen Sie­ger geben. Aus der lin­ke Ecke der Kampf­are­na grüßt der aktu­el­le Favo­rit, der hin­rei­ßend char­man­te und mit sei­nem Por­no­schnau­zer extrem sexy daher­kom­men­de San-Remo-Sie­ger Fran­ces­co Gab­ba­ni. Ein ech­tes Schwer­ge­wicht im Ring, bringt er nicht nur gutes Aus­se­hen und Aus­strah­lung mit, son­dern auch einen sofort ein­gän­gi­gen, herr­lich ver­spiel­ten und trotz ori­gi­na­ler Lan­des­spra­che pro­blem­los mit­sing­ba­ren Pop­song. Sowie einen Text, der als bedeu­tungs­schwe­rer Zita­te­fun­dus sei­nes Glei­chen sucht und sich mit bis­si­gem Spott dar­über lus­tig macht, wie inter­net­süch­ti­ge west­li­che “Sel­fis­ti” sich an öst­li­cher Mytho­lo­gie bedie­nen. Auch wenn die bes­ten Stel­len lei­der der bes­ten­falls als bru­tal zu benen­nen­den, grand-prix-kon­for­men Drei-Minu­ten-Edi­tie­rung zum Opfer fal­len. Als Sah­ne­häub­chen beglei­tet dann noch ein tan­zen­der Affe den Ita­lie­ner.

Hart geschnit­ten: die Euro­vi­si­ons­fas­sung von ‘Occidentali’s Kar­ma’ (IT)

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Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nach­dem in den ver­gan­ge­nen Mona­ten inner­halb der nun­mehr abge­schlos­se­nen Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2017 nach und nach alle 43 Bei­trä­ge für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew aus­ge­wählt wur­den, tra­fen in der ver­gan­ge­nen Woche, rund um die Dead­line für das Ein­rei­chen der Lie­der bei der EBU, diver­se Remi­xe der bereits fest­ste­hen­den Titel ein, die es hier noch zu bespre­chen gilt. Dazu zählt natür­lich in ers­ter Linie die unver­meid­li­che Über­ar­bei­tung des alba­ni­schen Songs. Der hieß, als er Ende Dezem­ber 2016 das hei­mi­sche Fes­ti­va­li i Kën­ges gewann, noch ‘Botë’: eine hoch­dra­ma­ti­sche, ver­schwen­de­risch orches­trier­te Grand-Prix-Bal­la­de in Lan­des­spra­che, die von dem stimm­si­cher, prä­zi­se und mit Hin­ga­be dar­ge­bo­te­nen Gekrei­sche sei­ner Inter­pre­tin lebt, sowie von den sehr prä­sen­ten und ein­drucks­vol­len Chor­sän­ge­rin­nen, die Lin­di­tas laut­star­kes Kla­gen mit einer Art schmerz­voll-dunk­lem Grund­brum­men aufs Wun­der­bars­te kom­bi­nie­ren. Der nun prä­sen­tier­te, unver­meid­li­cher­wei­se ent­täu­schen­de ESC-Remix mischt letz­te­res bis an die unte­re Gren­ze der Wahr­nehm­bar­keit her­un­ter, hallt und don­nert dafür die Lead­stim­me gigan­tisch auf, was dem Lied ein wenig die Balan­ce nimmt. Als viel schlim­mer erweist sich jedoch die Sprach­wahl: wäh­rend Instru­men­tie­rung und Län­ge prak­tisch unver­än­dert blei­ben (‘Botë’ beach­te­te, extrem unge­wöhn­lich für einen alba­ni­schen Song, bereits in der FiK-Fas­sung die magi­sche → Drei-Minu­ten-Gren­ze), singt Frau Hami­li den Bei­trag in Kiew, wie üblich und wie bereits ange­kün­digt, unter dem neu­en Titel ‘World’ auf Eng­lisch.

Gleicht ertrinkt sie in ihrem eige­nen Echo: Lin­di­ta (AL)

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Fan­tasti­co: ‘Occidentali’s Kar­ma’ bleibt in Ita­lie­nisch!

Es ist die bes­te Nach­richt der lau­fen­den Euro­vi­si­ons­sai­son: wie Wiwi­bloggs soeben berich­te­te, ver­kün­de­te der ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­teil­neh­mer und bereits viel­fach als aus­sichts­reichs­ter Thron­an­wär­ter aus­ge­ru­fe­ne Fran­ce­so Gab­ba­ni am gest­ri­gen Abend in der RAI-Unter­hal­tungs­sen­dung Stan­ding Ovia­ti­ons, dass er sei­nen Titel ‘Occidentali’s Kar­ma’ in Kiew in sei­ner Lan­des­spra­che sin­gen wer­de. “Es ist eine gro­ße Ver­ant­wor­tung,” sag­te er im Hin­blick auf sei­ne Funk­ti­on als Reprä­sen­tant der Halb­in­sel beim euro­päi­schen Wett­streit. “Ein Aben­teu­er, das ich mit gro­ßer Spon­ta­ni­tät erle­ben will. So, wie ich das immer ver­su­che. Ich möch­te die Repu­ta­ti­on der ita­lie­ni­schen Musik hoch­hal­ten, also prä­sen­tie­re ich den Song in sei­ner Ursprungs­ver­si­on, auf Ita­lie­nisch”. Hur­ra! Gab­ba­ni schwank­te nach sei­nem Sieg beim San Remo Fes­ti­val eine Wei­le, ob er Tei­le sei­ner rund­weg fan­tas­ti­schen Lyrics der bes­se­ren inter­na­tio­na­len Ver­ständ­lich­keit wegen auf Eng­lisch sin­gen sol­le. Als Bei­spiel hier­für sei die Text­stel­le “La Scim­mia nuda bal­la” (“Der nack­te Affe tanzt”) genannt, die sich auf  das 1967 erschie­ne­ne, sei­ner­zeit ziem­lich bahn­bre­chen­de und viel­dis­ku­tier­te wis­sen­schaft­li­che Buch Der nack­te Affe des bri­ti­schen Bio­lo­gen Des­mond Mor­ris bezieht, das mit die­ser Zuschrei­bung natür­lich den Men­schen meint, die­sen haar­lo­sen Pri­ma­ten. Ohne die­ses Wis­sen, so die Befürch­tung, könn­ten vie­le Zuschauer/innen den Tän­zer im Goril­la­kos­tüm, der Fran­ces­co beim San-Remo-Auf­tritt auf der Büh­ne beglei­te­te, womög­lich nur für einen alber­nen Gim­mick hal­ten und den Song als Come­dy-Num­mer abtun. Doch das Risi­ko besteht bei einer Teil­über­set­zung genau so. Zumal ohne­hin die wenigs­ten Zuschauer/innen an einem sol­chen Abend tat­säch­lich inten­siv auf das Gesun­ge­ne ach­ten (soweit man es über­haupt schon rein von der Aus­spra­che her ver­steht). Ein Spra­chen­misch­masch – der ja bei ande­ren Titeln durch­aus Sinn machen kann – wür­de aber, so auch das Emp­fin­den beim Groß­teil der Fans, spe­zi­ell die­sem Lied sei­ne ganz beson­de­re Aura rau­ben. Die­se Gefahr ist nun bei­gelegt, und so soll­te die RAI schon mal dis­kret über­prü­fen, wel­che geeig­ne­ten Hal­len im Mai 2018 in Rom, Mai­land oder Nea­pel so zur Ver­fü­gung ste­hen…

Viel­leicht soll­te die EBU aber ihre Mit­glieds­sta­tio­nen ver­pflich­ten, wäh­rend des ESC Unter­ti­tel anzu­bie­ten und die Song­tex­te in die jewei­li­ge Lan­des­spra­che zu über­set­zen?

Ita­li­en 2017: Namas­té olé

Bis tief in die Nacht hat­te es (wie wir es ja nicht anders gewohnt sind) ges­tern mal wie­der gedau­ert, bis beim San Remo Fes­ti­val 2017 die fina­le Ent­schei­dung fiel. Und die ist eine ziem­lich sen­sa­tio­nel­le: der 34jährige Fran­ces­co Gab­ba­ni, letz­tes Jahr an sel­bi­ger gehei­lig­ter Stät­te des Aris­ton-Thea­ters noch als Sie­ger aus der Nach­wuchs­ka­te­go­rie Nuo­ve Pro­pos­te her­vor­ge­gan­gen, gewann in die­sem Jahr den tra­di­ti­ons­rei­chen ita­lie­ni­schen Gesangs­wett­be­werb bei den Gro­ßen, den Cam­pio­nimit dem Titel ‘Occidentali’s Kar­ma’. Und er gab noch in der glei­chen Nacht, gegen halb drei, bekannt, dass er, wie es sein Recht, aber nicht sei­ne Pflicht als San-Remo-Sie­ger ist, das Land nun auch in Kiew ver­tre­ten möch­te. Mit sel­bi­gem Song. Sein Tri­umph kann als um so sen­sa­tio­nel­ler gel­ten, da sein Bei­trag und ins­be­son­de­re die Prä­sen­ta­ti­on schon sehr aus dem Rah­men des bei der alt­ehr­wür­di­gen Gala Übli­chen her­aus­fällt. So trat der Sän­ger in einer der Run­den im Affen­kos­tüm an und tanz­te wäh­rend des Vor­trags eine bei­läu­fi­ge, so simp­le wie effekt­vol­le Cho­reo­gra­fie aus weni­gen, um so ein­präg­sa­me­ren Arm­be­we­gun­gen, die offen­sicht­li­che Anlei­hen im Yoga neh­men. Das Lied selbst kommt als fröh­li­cher, ein­gän­gi­ger, mit­rei­ßen­der, dabei aber nicht plat­ter Pop­song her­über. 

Lei­der blo­ckiert die RAI sämt­li­che Live-Mit­schnit­te von San Remo auf You­tube, daher hier der pro­fes­sio­nel­le Video­clip.

Und auch, wenn man des Ita­lie­ni­schen nicht mäch­tig ist, erschließt sich schon aus bestimm­ten, inter­na­tio­nal ver­ständ­li­chen Wor­ten wie “Kar­ma”, “Nir­va­na” oder “Namas­té”, dass Fran­ces­co dar­in inhalt­lich etwas Tief­ge­hen­de­res als die beim Con­test sonst gern genom­me­ne Lie­bes­schnul­ze oder kit­schi­ge Welt­frie­den­s­ül­ze abhan­delt. Tat­säch­lich lie­fert der gran­dio­se Song­text eine so kryp­ti­sche wie cle­ve­re Abrech­nung mit dem aktu­el­len Zustand der west­li­chen Welt (dem titel­ge­ben­den Okzi­dent): Gab­ba­ni beschreibt uns als tan­zen­de nack­te Affen im selbst­ge­wähl­ten, beque­men Käfig, die in anony­men Sel­fie-Grup­pen Hil­fe suchen, ihre “asep­ti­schen” Kör­per mit Cha­nel bespren­keln, um bloß nicht wie Men­schen zu rie­chen, und Intel­li­genz als “demo­dé” betrach­ten. Gewis­ser­ma­ßen iro­nisch ein­ge­streu­te “olé“s neh­men dem Text gleich­zei­tig die Schär­fe und ver­lei­hen ihm eine lako­ni­sche Gelas­sen­heit, die zum Abschluss in einem spi­ri­tu­el­len “Om” mün­det. Ein rund­her­aus fan­tas­ti­scher Bei­trag und aus dem Stand mein dies­jäh­ri­ger Favo­rit! Der sogar, nicht zuletzt auf­grund des unfass­li­chen Laus­bu­ben­char­mes des Inter­pre­ten, in Kiew die Zuschauer/innen wie Jurys glei­cher­ma­ßen für sich ein­neh­men könn­te. Soll­te Ita­li­en mit ihm 2017 also end­lich den ver­dien­ten Sieg davon­tra­gen, um den man das Land schon 2015 betrog? Das wäre dann ein ver­dien­tes, posi­ti­ves Kar­ma!

[Nach­trag]: Dank eurovision.tv nun end­lich auch ver­füg­bar: Fran­ces­cos Live­auf­tritt – und der ist noch bes­ser als der Clip.