Schlagwort: Italien

Ihr San-Remo-Fes­ti­val war das Vor­bild für den Euro­vi­si­on Song Con­test. Von Anfang an dabei, mit einer schmerz­lich lan­gen Pau­se wäh­rend der dunk­len Jah­re. Mischen seit 2011 als Big-Five-Land wie­der recht erfolg­reich mit. Lie­fern stets Qua­li­tät.
Dabei seit: 1956; ESC-Sie­ge: 1964, 1990, 2015 (Publi­kums­sie­ger); Rote Later­nen: 1; Nil­poin­ter: 1.

2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

San-Remo-Fes­ti­val 2020: Hun­de, wollt ihr ewig leben?

Auch im Jahre 2020 hatten die Italiener mal wieder den Längsten. Eurovisionsvorentscheid aller Nationen nämlich. Geschlagene fünfeinhalb Stunden (!) ließ man sich Zeit im Finale des 70. Festival della Canzone Italiana di Sanremo, bis endlich der 39jährige Singer-Songwriter Antonio Diodato mit der selbstkomponierten Sülzballade 'Fai Rumore' ('Lärm machen') als Sieger des ligurischen Liederwettbewerbs und italienischer Vertreter beim Eurovision Song Contest in Rotterdam feststand. Vor der Verkündigung des Endergebnisses des San-Remo-Superfinales gegen 2:30 Uhr (!) in der Nacht trieb es der Sender Rai mit einem mehr als sechzigminütigen (!) Pausenprogramm auf die Spitze, zu dessen absoluten Tiefpunkten der Auftritt eines pudelfrisurigen Tenors gehörte, der zwei Popklassiker von Queen schändet...
Fina­le 2019: <span class="caps">ESC</span> is a losing Game
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach ihr ist; nach der Aussage des Interpreten jedoch betrauere er den ...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 2 – Sol­di

Clap Clap! Ein Song mit doppelten Handklatschern ist in meinem Buch ja automatisch ein guter. Doch im Falle Mahmoods kommen noch weitere Qualitäten hinzu. Platz 2: Italien - Mahmood: Soldi (Geld) Der junge, bildschöne Alessandro Mahmoud steuert mit 'Soldi' einen weiteren Vätersong zum Geschehen bei. Das ist schon mal eine gute Idee, denn Lieder, die eine persönliche Geschichte erzählen, wirken auf natürliche Weise authentisch. Und Authentizität ist nicht nur beim Song Contest stets ein gesuchtes Gut. Es ist eine bittere, wütende Anklage, die Mahmood mit dunkler, zwischen Zorn, Stolz und Verletzlichkeit changierender Stimme und angemessen verärgertem Gesichtsausdruck vor uns verliest; eine von Verlassensein, Gier und Verrat. Dass er seinen Unbill in druckvolle Hip-Hop-Beats und einen po...
2019, Die Zwanzigzehner, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

[UPD] Ist er’s oder ist er’s nicht? Auf­re­gung um Mah­mood

Wird der 26jährige Alessandro Mahmoud, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mahmood, Italien beim Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv vertreten? Nach seinem Überraschungssieg beim San-Remo-Festival am vergangenen Samstag sagte er noch in der Nacht zu, und eurovision.tv listet ihn dementsprechend als Repräsentanten der Halbinsel in Israel. Zwischenzeitlich ruderte der Milanese auf Druck seiner Plattenfirma jedoch wieder zurück, die Mahmood offenbar auf eine ausgedehnte Promotiontour im Land schicken möchte, was sich mit den zeitlichen Verpflichtungen der Eurovisionsteilnahme nicht so gut verträgt. Derzeit werde, wie zu hören war, hinter verschlossenen Türen zwischen der Rai und Mahmoods Management über die Details verhandelt. Kommt kein Deal zustande, kann der italienische Sender ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

San Remo Fes­ti­val 2019: Go down, Moses

Es kann als eine kleine Kulturrevolution bezeichnet werden: mit Alessandro Mahmoud gewann heute Nacht ein Einwandererkind das traditionsreiche italienische Liederfestival. Und dazu noch einer, der diese Wurzeln in seinem Künstlernamen Mahmood bewusst unterstreicht und dessen in der Gesamtwertung siegreicher, von ihm selbst getexteter und mitkomponierter Song 'Soldi' ('Geld') eine bittere persönliche Abrechnung mit eben jenem ägyptischen Vater darstellt, der ihn und seine italienische Mutter sitzenließ, um zurück in die arabische Heimat zu gehen und der ihn nun, so jedenfalls die Erzählung des 26jährigen, bei einem zur Spurensuche unternommenen Besuch im Land der Pharaonen auch noch dreist um Geld anhaut. Beim Finalauftritt am Samstag musste der charismatische ehemalige X-Factor-Teilnehmer ...
2018, ESC Finale

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein unübersehbares, die gesellschaftliche Liberalität beflügelndes Zeichen für Toleranz und Respekt gegenüber dem...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, ESC Semifinale, Proben

Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wundertüte an Proben brachte der heutige Tag in Lissabon, mit Startern aus allen drei Shows auf der Bühne der Altice-Arena. Über diejenigen des Vormittag können wir schnell hinwegspringen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Armenien (sympathischerweise unausgeschlafen, aber immer noch der schönste Bart 2018) bis Dänemark war das schließlich bereits der zweite Durchlauf, und all zu viel Nennenswertes änderte sich nicht. Die Serben (zweitschönster Bart) haben ihre Lakritzschnüre wohl aufgefuttert, die beiden für San Marino startenden Ladys warfen sich heute immerhin in - dem Modethema des Jahres folgend - teils extrem durchsichtige Bühnenklamotten. Und bewiesen Humor, in dem sie den eigentlichen Star ihres Auftrittes, dem größten der vier putzigen Spielzeugroboter, diesmal...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

IT 2018: Blut in der Gos­se

Mit einem Lied gegen den Terror tritt Italien beim Eurovision Song Contest 2018 in Portugal an, so das (erwartbare) Ergebnis des 68. Festival della Canzone italiana alias San-Remo-Festival, das gestern Nacht mit dem Sieg des Duos Ermal Meta und Fabrizio Moro zu Ende ging. Das damit verbundene Erstzugriffsrecht auf das Ticket nach Lissabon nahmen die Beiden wahr, wie sie noch in der Nacht erklärten. Der im albanischen Fier, dem Heimatort der diesjährigen zypriotischen Grand-Prix-Kollegin Eleni Foureira geborene Meta und der Römer Moro setzten sich mit ihrem gefühlvollen Beitrag in dem fünftägigen Liederwettstreit gegen 19 Konkurrent/innen durch, darunter sehr viele sehr alte Hasen des italienischen Showgeschäfts, die es allerdings allesamt noch nicht einmal ins Superfinale der letzten Drei ...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dung: Boo­ni­ka bate Doba

Seit Dienstag dieser Woche läuft wieder das italienische San-Remo-Festival, ein seit 1956 stattfindender jährlicher Wettbewerb um das festlichste Abendkleid, die längste Moderation und die unbotmäßigste Sendezeitüberziehung, bei dem die RAI zur Wiederbelebung der Zuschauer/innen immer dann, wenn die hochfrequenten Dauerredner/innen zum Befeuchten der Stimmbänder eine kurze Pause einlegen müssen, musikalische Gäste zur Überbrückung auftreten lässt, deren Lieder zur weiteren Erhöhung des Unterhaltungsfaktors in einem Wettbewerb stehen und bei dem am Ende des fünftägigen Marathons nach einem hochkomplexen Berechnungsverfahren, an dessen Entschlüsselung schon mehrere Schachweltmeister scheiterten, ein Sieger ermittelt wird, der dann zum Eurovision Song Contest fahren darf. Aber nur, wenn er mö...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Trickkleid, Unsere Lieblinge

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung der gigantischen, futuristisch aufgebrezelten Showbühne im Internationalen Ausstellungszentrum der ukrainischen Metro...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #21: Momen­te der Magie

Mit dem heutigen Duell geht das Publikumsspiel Eurovision Deathmatch zu Ende. Und da das Beste bekanntlich immer zum Schluss kommt, habe ich mir die härteste und hochkarätigste Runde für den heutigen Feiertag aufgehoben. Und ja, ich weiß, der ist von seiner religiösen Aufladung her ein eher rabenschwarzer, trauriger Tag. Das passt jedoch sehr gut, denn Trauer wird am Ende der Abstimmung auf jeden Fall bei mir herrschen, treten heute doch meine beiden absoluten Lieblingstitel des aktuellen Jahrgangs gegeneinander an, von denen ich eigentlich keinen missen möchte. Doch wie beim echten Song Contest und wie im echten Leben kann es nur einen Sieger geben. Aus der linke Ecke der Kampfarena grüßt der aktuelle Favorit, der hinreißend charmante und mit seinem Pornoschnauzer extrem sexy daherkommend...
2017, Die Zwanzigzehner, Remixe

Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nachdem in den vergangenen Monaten innerhalb der nunmehr abgeschlossenen Vorentscheidungssaison 2017 nach und nach alle 43 Beiträge für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew ausgewählt wurden, trafen in der vergangenen Woche, rund um die Deadline für das Einreichen der Lieder bei der EBU, diverse Remixe der bereits feststehenden Titel ein, die es hier noch zu besprechen gilt. Dazu zählt natürlich in erster Linie die unvermeidliche Überarbeitung des albanischen Songs. Der hieß, als er Ende Dezember 2016 das heimische Festivali i Kënges gewann, noch 'Botë': eine hochdramatische, verschwenderisch orchestrierte Grand-Prix-Ballade in Landessprache, die von dem stimmsicher, präzise und mit Hingabe dargebotenen Gekreische seiner Interpretin lebt, sowie von den sehr präsenten und eindrucksvolle...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Unsere Lieblinge

Fan­tasti­co: ‘Occidentali’s Kar­ma’ bleibt in Ita­lie­nisch!

Es ist die beste Nachricht der laufenden Eurovisionssaison: wie Wiwibloggs soeben berichtete, verkündete der italienische Eurovisionsteilnehmer und bereits vielfach als aussichtsreichster Thronanwärter ausgerufene Franceso Gabbani am gestrigen Abend in der RAI-Unterhaltungssendung Standing Oviations, dass er seinen Titel 'Occidentali's Karma' in Kiew in seiner Landessprache singen werde. "Es ist eine große Verantwortung," sagte er im Hinblick auf seine Funktion als Repräsentant der Halbinsel beim europäischen Wettstreit. "Ein Abenteuer, das ich mit großer Spontanität erleben will. So, wie ich das immer versuche. Ich möchte die Reputation der italienischen Musik hochhalten, also präsentiere ich den Song in seiner Ursprungsversion, auf Italienisch". Hurra! Gabbani schwankte nach seinem Sieg ...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Ita­li­en 2017: Namas­té olé

Bis tief in die Nacht hatte es (wie wir es ja nicht anders gewohnt sind) gestern mal wieder gedauert, bis beim San Remo Festival 2017 die finale Entscheidung fiel. Und die ist eine ziemlich sensationelle: der 34jährige Francesco Gabbani, letztes Jahr an selbiger geheiligter Stätte des Ariston-Theaters noch als Sieger aus der Nachwuchskategorie Nuove Proposte hervorgegangen, gewann in diesem Jahr den traditionsreichen italienischen Gesangswettbewerb bei den Großen, den Campioni, mit dem Titel 'Occidentali's Karma'. Und er gab noch in der gleichen Nacht, gegen halb drei, bekannt, dass er, wie es sein Recht, aber nicht seine Pflicht als San-Remo-Sieger ist, das Land nun auch in Kiew vertreten möchte. Mit selbigem Song. Sein Triumph kann als um so sensationeller gelten, da sein Beitrag und ins...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen

Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schla­ger­di­ven

So, ein verregneter Sonntagnachmittag, noch ein paar Minuten bis zum Beginn des rumänischen Vorentscheidungsfinales: kurz Zeit also, über einige Phänomene der letzten Tage zu sinnieren. Beginnen wir zunächst mit dem scheinbar merkwürdigen Abstimmungsverhalten in einigen Ländern und den dazugehörigen Hintergründen. Da ist das allgemein unerwartete und schockierende Ergebnis in Polen, wo die Zuschauer/innen eine zottelige Jack-Sparrow-Kopie wählten und den von vielen Fans bereits als möglichen Siegertitel des ESC 2016 gehandelten Song 'Cool me down' von Margaret verschmähten. Was vielleicht weniger verwundert, wenn man sich vor Augen führt, dass der Sender TVP beim gestrigen Televoting pro Anschluss lediglich einen Anruf wertete. Sicherlich fairer im Hinblick auf ein repräsentatives, weniger...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

[UPD] Ita­li­en schickt die zwei­te Wahl

Es geht einfach nicht ohne großes Drama in dem Land, das die Oper erfand und mit dem San Remo Festival auch die Blaupause für den Eurovision Song Contest. Im Finale desselben sollte gestern Abend eigentlich auch der Repräsentant des stiefelförmigen Adriastaates für den gesamteuropäischen Wettbewerb im Mai 2016 ermittelt werden. Das gelang nur bedingt: am Ende der wie immer gnadenlos überzogenen Sendung kürten irgendwann tief in der Nacht gleich zwei Jurys und die Televoter die Rockgruppe Stadio zum diesjährigen Sieger: eine Ansammlung älterer Herren, deren Frontmann mit rauer Reibeisenstimme zu einem kraftlos vor sich hin plätschernden Hintergrundgedudel einen Strom der Worte ins Mikrofon sprach - von Singen kann hier beim besten Willen keine Rede sein. Nach zwei Minuten entdeckten seine B...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

Super­sams­tag 2016: Ret­tet die Schla­ger­di­ven

Er geht als Abend der Überforderung ein in die Annalen der Eurovisionsforschung, der gestrige Samstag: in zehn Ländern gleichzeitig liefen Grand-Prix-Vorentscheidungen. Darunter drei Finale, von denen eines, nämlich das italienische San-Remo-Festival, ohne Ergebnis zu Ende ging, weil die dortigen Sieger einen Kümmert pullten und das angebotene Ticket nach Stockholm erst mal ausschlugen, sich dann aber doch Bedenkzeit ausboten. Befassen wir uns hier nun aber zunächst mit sechs der sieben Nationen, in denen Vorrunden stattfanden (Island wird von mir, wie angekündigt, mit Nichtachtung gestraft). Die meisten Eurovisionsfans entschieden sich angesichts des massiven Überangebotes wohl für das beliebteste Format, nämlich das schwedische Melodifestivalen, von dem die zweite Vorrunde über die Bühne...
2016, Internationale Vorentscheidungen

Geor­gi­en schickt männ­li­che Loli­tas

Young Georgian Lolitaz, so nennt sich die aus mittelalten, halbverwilderten Herren bestehende Indie-Rock-Kapelle, welche die Georgier heuer zum Song Contest entsenden. Die von Frontmann Nika Kocharov geleitete Elektro-Alternative-Band steht allerdings bislang noch eigenen Beitrag da, der Sender GBP schreibt daher einen offenen Komponistenwettbewerb aus: bis 8. Januar noch können interessierte Songschreiber ihre Vorschläge nach Tiflis schicken. Und bevor Ralph Siegel auf dumme Ideen kommt: gesucht wird etwas mit der "melodischen Songstruktur des Alternative- oder Indie-Rock; mit elektronischen Beats, Synths oder Samples; und mit der Club-Orientierung der Post-Disco-Zeit". Was immer das sein mag. Zur Anregung kann man sich, wenn man über starke Gehörnerven verfügt, ja den bisherigen Musikkat...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

A Touch too much: das Fina­le 2015

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen ("Dreieinhalb", wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanim...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser

Das Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!

Seit der Wiedereinführung der Jurys, im besonderen Maße aber seit ihrer stärkeren Gewichtung gegenüber dem Televoting seit 2013, stand es zu befürchten, und nun trat es ein: erstmalig seit 1997 gewannen beim Eurovision Song Contest 2015 nicht die Lieblinge des Publikums - nämlich die italienischen jungen Tenöre Il Volo mit ihrem Popera-Schlager 'Grande Amore' - sondern der Juryfavorit, in diesem Falle der Schwede Måns Zelmerlöw mit 'Heroes'. Was erstaunt, weil ich gerade nach dem überraschenden Ergebnis von 2011, als das nach ewiger ESC-Pause von der EBU mit Engelszungen zur Rückkehr überredete Italien, mit einem furchtbaren Bar-Jazz-Geklimper beim Publikum auf Rang 11 landend, von den Jurys auf den Silbermedaillenplatz hochgejazzt wurde, fest davon ausging, dass es ausdrückliche Pflichtau...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

Die Start­rei­hen­fol­ge fürs Fina­le: ORFs Gran­de Amo­re

Nachdem nun alle zwanzig Qualifikanten aus den beiden Semis feststehen, gab der ORF heute Nacht die handverlesene Startreihenfolge fürs Finale am Samstag bekannt. Und aus dieser lässt sich nur der eine Schluss ziehen: die EBU möchte wirklich ganz ganz dringend mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einen Sieg Italiens beim Song Contest ermöglichen, um das Adrialand, das nach langem, guten Zureden seit 2011 trotz mehr als mäßigen Interesses der romanischen Zuschauer/innen wieder mitmacht beim europäischen Wettsingen, bei der Stange zu halten. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass man fast alle ernsthaften Konkurrenten, vor allem aber sämtliche der haarsträubend wenigen Uptemposongs im bekanntermaßen votingschwachen ersten Drittel des durch die Hereinnahme Australiens erneut ausgeufe...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Proben

Feu­er brennt nicht (nur) im Kamin: ers­te Pro­ben Fina­lis­ten 2015

So - endlich in Wien aufgeschlagen, vergnüglichen ersten Abend hinter mir und noch leicht unterkoffeiniert im Pressezentrum sitzend. Heute proben die fixen Finalisten zum ersten Mal, und bis dato sieht es nicht so aus, als ob sie diesen Status verdient hätten. Die im Vorfeld von vielen Seiten bereits als mögliche Sieger gehandelten italienischen Knödeltenöre von Il Volo erscheinen im Anzug, scheinen mit technischen Problemen zu kämpfen - es klingt alles andere als harmonisch - und lassen auf der Projektionswand die Standard-Powerpoint-Präsentation "Rom für Touristen in fünf ausgelutschten Klischees" laufen. Ja, ihr Klassikschlager träufelt sich in die Gehörgänge wie Blütenhonig, zwei von den Dreien sehen ganz niedlich aus, aber insgesamt verbreitet der Auftritt doch den Eindruck, dass man ...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Ita­li­en 2015: die drei jun­gen Tumo­re

Der Alptraum ist wahr geworden: beim Samstagnacht bzw. Sonntagmorgen nach lediglich viereinhalb Stunden überraschend doch noch zu Ende gegangenen San Remo Festival setzte sich mit Il Volo ein Trio von Knödeltenören durch, die mit reziprok zu ihrem Aussehen stehenden Stimmen gesegnet sind - die zwei ganz Hübschen singen so mittelmäßig, der menschliche Spitzmäuserich mit der Brille trägt den Poperaschlager 'Grande Amore' ziemlich alleine. Kurz bestand noch Hoffnung, die drei jungen Tumore könnten - dieses Recht hatte die RAI vorab allen San-Remo-Finalisten eingeräumt - die Ehre der Landesverteidung ablehnen. Aber nein: sie wollen nach Wien. Nun gehört ihr Song unter den mir bislang über den Weg gelaufenen Popera-Titeln noch zum Erträglichsten - kein Wunder, schließlich sind die Italiener für...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

ESC 2015: Geor­gi­en erklärt Mal­ta den Krieg

2015 wird wohl ein kämpferisches Jahr, zumindest beim Eurovision Song Contest: nach Malta schickt nun auch Georgien eine gesungene Kriegserklärung gen Wien. Und nicht nur die Songtitel ('Warrior' ['Kriegerin']) gleichen sich wie ein Ei dem anderen: in beiden Fällen intoniert jeweils eine einzelne, offenbar sehr schlecht gelaunte, böse dreinblickende, im schwarzen Lederdress gekleidete Frau mit langen schwarzen Haaren den äußerst düsteren, unmelodischen Kampfgesang. Wer von den Beiden wird also die unausweichliche offene Konfrontation gewinnen? Amber Bodin (MT) wirft zwar ein höheres Kampfgewicht in die Waagschale, dafür aber verfügt Nina Sublatti (GE) über den deutlich giftigeren Blick, die eindringlichere Stimme, die angsteinflößendere Kriegsbemalung, das aggressivere Auftreten sowie das ...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die Lati­nos vom Bal­kan

Eine ganze Latte an Vorentscheidungskandidat/innen ist in den letzten Tagen bekannt gegeben worden. Beginnen wir mit dem Big-Five-Land Italien: dort geht die Ehre der Eurovisionsteilnahme an den Sieger des prestigereichen San-Remo-Festivals, und zwar diesmal in der Kategorie "Campioni", also den etablierten Künstler/innen. Zu diesen Zwanzig zählen drei vormalige Grand-Prix-Teilnehmer/innen, nämlich Raf Riefoli (IT 1987, hierzulande besser bekannt durch den 1984 Discohit 'Self Control'), Lara Fabian (LU 1988) und die fabelhafte Diva Nina Zilli (IT 2012). Einen weiteren Versuch wagt auch Anna Tatangelo, meine Wunschkandidatin des Jahres 2011, seinerzeit mit dem sensationellen 'Bastardo'. Ihr diesjähriger (bislang noch nicht veröffentlichter) Beitrag heißt etwas weniger anstößig 'Libera' (wob...