Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

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Rank & File 2019: Platz 2 – Sol­di

Clap Clap! Ein Song mit dop­pel­ten Hand­klat­schern ist in mei­nem Buch ja auto­ma­tisch ein guter. Doch im Fal­le Mah­moods kom­men noch wei­te­re Qua­li­tä­ten hin­zu.

Platz 2: Ita­li­en – Mah­mood: Sol­di (Geld)

Der jun­ge, bild­schö­ne Ales­san­dro Mahmoud steu­ert mit ‘Sol­di’ einen wei­te­ren Väter­song zum Gesche­hen bei. Das ist schon mal eine gute Idee, denn Lie­der, die eine per­sön­li­che Geschich­te erzäh­len, wir­ken auf natür­li­che Wei­se authen­tisch. Und Authen­ti­zi­tät ist nicht nur beim Song Con­test stets ein gesuch­tes Gut. Es ist eine bit­te­re, wüten­de Ankla­ge, die Mah­mood mit dunk­ler, zwi­schen Zorn, Stolz und Ver­letz­lich­keit chan­gie­ren­der Stim­me und ange­mes­sen ver­är­ger­tem Gesichts­aus­druck vor uns ver­liest; eine von Ver­las­sen­sein, Gier und Ver­rat. Dass er sei­nen Unbill in druck­vol­le Hip-Hop-Beats und einen pop­pi­gen, auch von nicht des Ita­lie­ni­schen Mäch­ti­gen leicht mit­sing­ba­ren, weil repe­ti­ti­ven Refrain ver­packt, trägt ent­schei­dend mit bei zum Instant Appeal sei­nes Bei­trags, der zu Recht zu den Mit­fa­vo­ri­ten um den Sieg in Tel Aviv zählt und bei­spiels­wei­se beim Voting des EC Ger­ma­ny am ver­gan­ge­nen Frei­tag in Frank­furt am Main mit gro­ßem Abstand vor­ne lag. Dass sich der jun­ge Mai­län­der auf­grund der Ver­wen­dung einer im Kon­text sinn­stif­ten­den ara­bi­schen Rede­wen­dung in sei­nem exqui­si­ten Song­text und sei­nes der Jury zu ver­dan­ken­den Siegs beim tra­di­ti­ons­rei­chen San-Remo-Fes­ti­val zu Hau­se xeno­pho­ber Anfein­dun­gen von höchs­ter poli­ti­scher Stel­le aus­ge­setzt sah, bringt ihm – ähn­lich wie Bil­al Hassa­ni – auto­ma­tisch einen Soli­da­ri­täts­bo­nus ein. Den er gar nicht braucht: ‘Sol­di’ ist auch so der bes­te ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag seit der Rück­kehr des Stie­fel­lan­des zum ESC.

Geschickt: der hier als Sinn­bild für die Abstam­mung vom Vater ver­wen­de­te Akt des Täto­wie­rens gibt Mah­mood zudem die Gele­gen­heit, sich ober­kör­per­frei zu prä­sen­tie­ren.

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[UPD] Ist er’s oder ist er’s nicht? Auf­re­gung um Mah­mood

Wird der 26jährige Ales­san­dro Mahmoud, bes­ser bekannt unter sei­nem Künst­ler­na­men Mah­mood, Ita­li­en beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 in Tel Aviv ver­tre­ten? Nach sei­nem Über­ra­schungs­sieg beim San-Remo-Fes­ti­val am ver­gan­ge­nen Sams­tag sag­te er noch in der Nacht zu, und eurovision.tv lis­tet ihn dem­entspre­chend als Reprä­sen­tan­ten der Halb­in­sel in Isra­el. Zwi­schen­zeit­lich ruder­te der Mila­ne­se auf Druck sei­ner Plat­ten­fir­ma jedoch wie­der zurück, die Mah­mood offen­bar auf eine aus­ge­dehn­te Pro­mo­ti­on­tour im Land schi­cken möch­te, was sich mit den zeit­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Euro­vi­si­ons­teil­nah­me nicht so gut ver­trägt. Der­zeit wer­de, wie zu hören war, hin­ter ver­schlos­se­nen Türen zwi­schen der Rai und Mah­moods Manage­ment über die Details ver­han­delt. Kommt kein Deal zustan­de, kann der ita­lie­ni­sche Sen­der nach dem bestehen­den Regle­ment frei aus den übri­gen 23 San-Remo-Teil­neh­mer/in­nen wäh­len. Aus dem Ren­nen sein dürf­te dabei der Zweit­plat­zier­te Ulti­mo, der im Super­fi­na­le zwar das Tele­vo­ting gewann, jedoch von der Jury über­stimmt wur­de, wor­auf­hin er in einem Video sei­ner Ent­täu­schung und Ver­är­ge­rung in einem emo­tio­na­len Rant Luft mach­te.

Schlech­ter Ver­lie­rer: Ulti­mo unter­stellt den Juro­ren, dass sie ihn nicht aus­ste­hen konn­ten und des­halb sei­nen Sieg sabo­tier­ten.

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San Remo Fes­ti­val 2019: Go down, Moses

Es kann als eine klei­ne Kul­tur­re­vo­lu­ti­on bezeich­net wer­den: mit Ales­san­dro Mahmoud gewann heu­te Nacht ein Ein­wan­de­rer­kind das tra­di­ti­ons­rei­che ita­lie­ni­sche Lie­der­fes­ti­val. Und dazu noch einer, der die­se Wur­zeln in sei­nem Künst­ler­na­men Mah­mood bewusst unter­streicht und des­sen in der Gesamt­wer­tung sieg­rei­cher, von ihm selbst getex­te­ter und mit­kom­po­nier­ter Song ‘Sol­di’ (‘Geld’) eine bit­te­re per­sön­li­che Abrech­nung mit eben jenem ägyp­ti­schen Vater dar­stellt, der ihn und sei­ne ita­lie­ni­sche Mut­ter sit­zen­ließ, um zurück in die ara­bi­sche Hei­mat zu gehen und der ihn nun, so jeden­falls die Erzäh­lung des 26jährigen, bei einem zur Spu­ren­su­che unter­nom­me­nen Besuch im Land der Pha­rao­nen auch noch dreist um Geld anhaut. Beim Final­auf­tritt am Sams­tag muss­te der cha­ris­ma­ti­sche ehe­ma­li­ge X-Fac­tor-Teil­neh­mer mit einem kur­zen ‘Ban­di­do’-Moment kämp­fen, als zunächst weder sein Ohr­mo­ni­tor noch das Mikro funk­tio­nier­ten. Den meis­ter­te er jedoch sou­ve­rän. Im Super­fi­na­le der bes­ten Drei erziel­te Ales­san­dro zwar mit 14,5% die gerings­te Zustim­mung im Tele­vo­ting, gewann aber im Gesamt­klas­se­ment der über alle fünf San-Remo-Aben­de lau­fen­den Jury-, Pres­se- und Zuschau­er­ab­stim­mung. Noch in der Nacht erklär­te er, das ange­bo­te­ne Ticket für Tel Aviv anneh­men und Ita­li­en beim Euro­vi­si­on Song Con­test ver­tre­ten zu wol­len.

Der Sie­ger­song, hier bei einem Auf­tritt in einer ande­ren TV-Show. Den San­re­mo-Auf­trit­te hat die kom­plett ver­blö­de­te Rai aus uner­find­li­chen Grün­den sper­ren las­sen. Sterbt! 

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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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Micha­el Schul­te auf LSD: der sechs­te Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Eine Wun­der­tü­te an Pro­ben brach­te der heu­ti­ge Tag in Lis­sa­bon, mit Star­tern aus allen drei Shows auf der Büh­ne der Alti­ce-Are­na. Über die­je­ni­gen des Vor­mit­tag kön­nen wir schnell hin­weg­sprin­gen, für die Qualifikationsrundenteilnehmer/innen von Arme­ni­en (sym­pa­thi­scher­wei­se unaus­ge­schla­fen, aber immer noch der schöns­te Bart 2018) bis Däne­mark war das schließ­lich bereits der zwei­te Durch­lauf, und all zu viel Nen­nens­wer­tes änder­te sich nicht. Die Ser­ben (zweit­schöns­ter Bart) haben ihre Lakritz­schnü­re wohl auf­ge­fut­tert, die bei­den für San Mari­no star­ten­den Ladys war­fen sich heu­te immer­hin in – dem Mode­the­ma des Jah­res fol­gend – teils extrem durch­sich­ti­ge Büh­nen­kla­mot­ten. Und bewie­sen Humor, in dem sie den eigent­li­chen Star ihres Auf­trit­tes, dem größ­ten der vier put­zi­gen Spiel­zeug­ro­bo­ter, dies­mal ein Schild mit der Auf­schrift “Jus­ti­ce for Valen­ti­na” hoch­hal­ten lie­ßen. Ich bin mal gespannt, was im TV-Semi auf der Demo­ta­fel steht! Doch was uns alle wirk­lich inter­es­siert, spiel­te sich heu­te Nach­mit­tag ab: da prob­te Micha­el Schul­te zum ers­ten mal in der Hal­le! Und zwar zu mei­ner Über­ra­schung mit einem im Ver­gleich zu Unser Lied für Lis­sa­bon visu­ell deut­lich auf­ge­frisch­ten Sta­ging. Das, soweit man in den Blogs nach­le­sen konn­te, einen span­nen­den Effekt auf Fans und Hater zei­tigt.

Man gewinnt nicht den Ein­druck, dass sich Jes­si­ka wirk­lich über die Unter­stüt­zung von Jeni­fer freut…

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IT 2018: Blut in der Gos­se

Mit einem Lied gegen den Ter­ror tritt Ita­li­en beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Por­tu­gal an, so das (erwart­ba­re) Ergeb­nis des 68. Fes­ti­val del­la Can­zo­ne ita­lia­na ali­as San-Remo-Fes­ti­val, das ges­tern Nacht mit dem Sieg des Duos Ermal Meta und Fabri­zio Moro zu Ende ging. Das damit ver­bun­de­ne Erst­zu­griffs­recht auf das Ticket nach Lis­sa­bon nah­men die Bei­den wahr, wie sie noch in der Nacht erklär­ten. Der im alba­ni­schen Fier, dem Hei­mat­ort der dies­jäh­ri­gen zyprio­ti­schen Grand-Prix-Kol­le­gin Ele­ni Fou­rei­ra gebo­re­ne Meta und der Römer Moro setz­ten sich mit ihrem gefühl­vol­len Bei­trag in dem fünf­tä­gi­gen Lie­der­wett­streit gegen 19 Konkurrent/innen durch, dar­un­ter sehr vie­le sehr alte Hasen des ita­lie­ni­schen Show­ge­schäfts, die es aller­dings alle­samt noch nicht ein­mal ins Super­fi­na­le der letz­ten Drei schaff­ten. ‘Non mi ave­te fat­to nien­te’ (‘Ihr habt mir nichts getan’) beschreibt mit trot­zig-lako­ni­schem Opti­mis­mus den ein­zi­gen gang­ba­ren Weg, sich von den im Lied­text ange­ris­se­nen Krie­gen und Ter­ror­an­schlä­gen nicht ein­schüch­tern zu las­sen, son­dern sein Leben fried­lich wei­ter zu gestal­ten. Es bleibt damit der erfreu­li­chen ita­lie­ni­schen Tra­di­ti­on treu, Songs mit Aus­sa­ge zum Con­test zu schi­cken.

Die Meta-Ebe­ne und die Moro-Oran­ge: das ita­lie­ni­sche Duo über­zeugt mit Stil und Inhalt.

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Boo­ni­ka bate Doba

Seit Diens­tag die­ser Woche läuft wie­der das ita­lie­ni­sche San-Remo-Fes­ti­val, ein seit 1956 statt­fin­den­der jähr­li­cher Wett­be­werb um das fest­lichs­te Abend­kleid, die längs­te Mode­ra­ti­on und die unbot­mä­ßigs­te Sen­de­zeit­über­zie­hung, bei dem die RAI zur Wie­der­be­le­bung der Zuschauer/innen immer dann, wenn die hoch­fre­quen­ten Dauerredner/innen zum Befeuch­ten der Stimm­bän­der eine kur­ze Pau­se ein­le­gen müs­sen, musi­ka­li­sche Gäs­te zur Über­brü­ckung auf­tre­ten lässt, deren Lie­der zur wei­te­ren Erhö­hung des Unter­hal­tungs­fak­tors in einem Wett­be­werb ste­hen und bei dem am Ende des fünf­tä­gi­gen Mara­thons nach einem hoch­kom­ple­xen Berech­nungs­ver­fah­ren, an des­sen Ent­schlüs­se­lung schon meh­re­re Schach­welt­meis­ter schei­ter­ten, ein Sie­ger ermit­telt wird, der dann zum Euro­vi­si­on Song Con­test fah­ren darf. Aber nur, wenn er möch­te. Zum Auf­takt am ver­gan­ge­nen Diens­tag tra­ten gleich alle 20 Cam­pio­ni an, also die fest eta­blier­ten Künstler/innen. Und eta­bliert mein­te in die­sem Jahr: ein Star bereits seit den Zei­ten des Römi­schen Reichs unter Juli­us Cäsar. Der Alters­durch­schnitt der Show lag bei geschätz­ten 75 Jah­ren.

Teilt sich den Gesichts­chir­ur­gen mit Dona­tel­la Ver­sace: die fabel­haf­te Ornel­la Vano­ni.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Euro­vi­si­on Death­match #21: Momen­te der Magie

Mit dem heu­ti­gen Duell geht das Publi­kums­spiel Euro­vi­si­on Death­match zu Ende. Und da das Bes­te bekannt­lich immer zum Schluss kommt, habe ich mir die här­tes­te und hoch­ka­rä­tigs­te Run­de für den heu­ti­gen Fei­er­tag auf­ge­ho­ben. Und ja, ich weiß, der ist von sei­ner reli­giö­sen Auf­la­dung her ein eher raben­schwar­zer, trau­ri­ger Tag. Das passt jedoch sehr gut, denn Trau­er wird am Ende der Abstim­mung auf jeden Fall bei mir herr­schen, tre­ten heu­te doch mei­ne bei­den abso­lu­ten Lieb­lings­ti­tel des aktu­el­len Jahr­gangs gegen­ein­an­der an, von denen ich eigent­lich kei­nen mis­sen möch­te. Doch wie beim ech­ten Song Con­test und wie im ech­ten Leben kann es nur einen Sie­ger geben. Aus der lin­ke Ecke der Kampf­are­na grüßt der aktu­el­le Favo­rit, der hin­rei­ßend char­man­te und mit sei­nem Por­no­schnau­zer extrem sexy daher­kom­men­de San-Remo-Sie­ger Fran­ces­co Gab­ba­ni. Ein ech­tes Schwer­ge­wicht im Ring, bringt er nicht nur gutes Aus­se­hen und Aus­strah­lung mit, son­dern auch einen sofort ein­gän­gi­gen, herr­lich ver­spiel­ten und trotz ori­gi­na­ler Lan­des­spra­che pro­blem­los mit­sing­ba­ren Pop­song. Sowie einen Text, der als bedeu­tungs­schwe­rer Zita­te­fun­dus sei­nes Glei­chen sucht und sich mit bis­si­gem Spott dar­über lus­tig macht, wie inter­net­süch­ti­ge west­li­che “Sel­fis­ti” sich an öst­li­cher Mytho­lo­gie bedie­nen. Auch wenn die bes­ten Stel­len lei­der der bes­ten­falls als bru­tal zu benen­nen­den, grand-prix-kon­for­men Drei-Minu­ten-Edi­tie­rung zum Opfer fal­len. Als Sah­ne­häub­chen beglei­tet dann noch ein tan­zen­der Affe den Ita­lie­ner.

Hart geschnit­ten: die Euro­vi­si­ons­fas­sung von ‘Occidentali’s Kar­ma’ (IT)

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