ESC 1963: Melo­die einer Nacht

Logo des Eurovision Song Contest 1963
Das Jahr des Play­backs

Die von etli­chen euro­päi­schen Sen­de­an­stal­ten (ein­schließ­lich der ARD) aus finan­zi­el­len Grün­den sehr gefürch­te­te Euro­vi­si­ons­re­gel, wonach der Sie­ger des Wett­be­werbs im Fol­ge­jahr prin­zi­pi­ell den Con­test aus­tra­gen soll, exis­tiert bereits seit seit dem zwei­ten Jahr sei­nes Bestehens, also seit 1957. Doch nicht immer möch­te der glück­li­che Gewin­ner dies auch tun: dem schlech­ten Bei­spiel der Nie­der­lan­de fol­gend, wei­ger­te sich heu­er das inner­halb von nur sechs Jah­ren bereits zum drit­ten Male (näm­lich 1958, 1960 und 1962) vik­to­riö­se Frank­reich, die Show zu orga­ni­sie­ren. Das mön­da­ne Can­nes, wo der Wett­be­werb bereits 1959 und 1961 statt­ge­fun­den hat­te, ent­wi­ckel­te sich – nicht zuletzt auf­grund der jähr­li­chen Film­fest­spie­le – auch so zum Urlaubs­pa­ra­dies der Super­rei­chen und zum Jet-Set-Hot-Spot. Da benö­tig­te man den Euro­vi­si­on Song Con­test nicht zu noch wei­te­rer Tou­ris­mus­wer­bung. Bereits zum zwei­ten Male sprang daher die bri­ti­sche BBC als Aus­rich­te­rin ein. Und pro­du­zier­te einen der umstrit­tens­ten, gleich­wohl inter­es­san­tes­ten Jahr­gän­ge der Grand-Prix-Geschich­te.

Zwei Stu­di­os und weder Mikro­fon noch Orches­ter im Bild: han­del­te es sich beim ESC 1963 um tech­ni­sche Avant­gar­de oder doch nur um einen gro­ßen Schmu?

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BE 1963: Stell Dir vor, Sizi­li­en 1936…

Was ist das nur mit den Bel­gi­ern und ihren ita­lio­phi­len Con­nec­tions? Das Gast­ar­bei­ter­kind Roc­co Gra­na­ta (→ Vor­ent­scheid IT 1961) schaff­te sei­nen euro­pa­wei­ten Durch­bruch mit dem selbst geschrie­be­nen Mil­lio­nen­sel­ler ‘Mari­na’ von sei­ner dama­li­gen Hei­mat Bel­gi­en aus; die bis zum heu­ti­gen Tage ein­zi­ge Grand-Prix-Sie­ge­rin des Pom­mes-Fri­tes-Staat, San­dra Kim (→ BE 1986), ver­fügt eben­falls über Vor­fah­ren aus dem Piz­za-und-Pas­ta-Land; und der letzt­plat­zier­te Titel der Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung von 1963, bizar­r­er­wei­se ver­an­stal­tet unter dem Titel Can­zo­nis­si­ma (den eigent­lich die RAI für eine in ihrem Pro­gramm jahr­zehn­te­lang lau­fen­de, sehr belieb­te Revue­show ver­wen­de­te), hieß ‘Con Amo­re’, gesun­gen von einer Dame namens Lie­ve Olga (klingt nach einer ukrai­ni­schen Puff­mut­ter), die mit ihrer sen­sa­tio­nel­len Hoch­fri­sur nicht nur Mar­ge Simp­son Kon­kur­renz mach­te, son­dern auch dem Turm von Pisa.

Hat nicht nur eine Vogel­nest­fri­sur, son­dern auch einen eige­nen Vogel: die lie­be Olga.

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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mud­der

Was steckt bloß hin­ter die­ser merk­wür­di­gen Mut­ter­fi­xie­rung der Belgier/innen? Denn nicht nur, dass das unbe­streit­bar größ­te musi­ka­li­sche Mut­ter­söhn­chen aller Zei­ten, der gebür­ti­ge Nie­der­län­der Heint­je (‘Mama’), seit jeher in Flan­dern lebt: das Land, das 1969 mit Jean-Jac­ques Ber­to­lai (‘Maman, Maman’) eine blas­se Heint­je-Kopie zum Euro­vi­si­on Song Con­test schick­te, setz­te 2014 mit dem tra­gisch ver­an­lag­ten Wal­lo­nen Axel Hir­soux und sei­nem lied­ge­wor­de­nen Ödi­pus­kom­plex ‘Mother’ der musi­ka­li­schen Müt­ter­ver­eh­rung die Nor­man-Bates-Gru­sel­ge­dächt­nis­kro­ne auf. Doch das The­ma hat im Land eine lan­ge Tra­di­ti­on: schon 1957 zeich­ne­te Bob­be­ja­an Schoepen im bel­gi­schen Vor­ent­scheid das ‘Bild mei­ner Mut­ter’, und auch heu­er, also 1961, ver­such­te der sei­ner­zeit eben­falls im deutsch­spra­chi­gen Raum bekann­te und spä­ter als Teil des Duos Sand­ler & Young sogar in den USA erfolg­rei­che bel­gi­sche Schla­ger­sän­ger Luci­en Joseph San­te­lé ali­as Tony Sand­ler, sei­ner ‘Moeder’ ein sän­ge­ri­sches Denk­mal zu set­zen. Was ihm aller­dings (erstaun­li­cher­wei­se) den letz­ten Platz ein­trug.

Umschwärm­te bereits lan­ge vor Bart­haar Illic die berüch­tig­te “Micka-Ela”: Tony Sand­ler, hier in einem alber­nen deut­schen Schla­ger­film (Reper­toire­bei­spiel).

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