NO 1965: Nur die aller­bes­te Melk­ma­schi­ne

Erfri­schend kurz war er, der sechs­te Norsk Melo­di Grand Prix: nur etwas über eine hal­be Stun­de brauch­te man für die Anmo­de­ra­ti­on und die Vor­stel­lung der fünf zur Wahl ste­hen­den Titel, dar­ge­bo­ten jeweils von zwei ver­schie­de­nen Interpret/innen in unter­schied­li­chen Instru­men­tie­run­gen. Was dem Sen­der NRK die Chan­ce gab, ver­mit­tels einer geschick­ten Cho­reo­gra­phie von dem dür­ren musi­ka­li­schen Ange­bot abzu­len­ken: im ers­ten Durch­gang prä­sen­tier­te man die Lie­der mit einer auf das Not­wen­digs­te redu­zier­ten Begleit­band, gewis­ser­ma­ßen in einer beson­ders inti­men Fas­sung. Nach­dem sich das Publi­kum so einen Über­blick über das Menü ver­schaf­fen und jede/r für sich per­sön­lich schon mal den am wenigs­ten furcht­bars­ten Titel bestim­men konn­te, wie­der­hol­te der Sen­der alle fünf Lie­der, dies­mal in ande­rer Rei­hen­fol­ge, mit gro­ßem Orches­ter und ent­spre­chend aus dem Vol­len schöp­fen­den Arran­ge­ment, so dass die eher schwäch­li­chen Songs im Ver­gleich zur ers­ten Run­de bei­na­he schon gut klan­gen. Nach dem öffent­li­chen Auf­ruhr im Vor­jahr, als die Jury einen der größ­ten Hits der nor­we­gi­schen Euro­vi­si­ons­ge­schich­te, näm­lich Wencke Myh­res Revol­ten­schla­ger ‘Lat me være ung’, igno­rier­te, leg­te der NRK die Ent­schei­dung dies­mal in die Hän­de der Zuschauer/innen, die anschlie­ßend per Post­kar­ten­ent­scheid ihren Lieb­lings­ti­tel wäh­len durf­ten.

Nur das aller-, aller­bes­te: die drei­ßig Minu­ten des nor­we­gi­schen Vor­ent­scheids 1965.

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NO 1964: Für immer jung

Es war eine Art von Lehr­stun­de zum The­ma Genera­tio­nen­kon­flikt, was sich beim nor­we­gi­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid von 1964 abspiel­te. Und was auf sei­ne eher spie­le­ri­sche Wei­se das reflek­tier­te, was in der ech­ten Pop­welt drau­ßen gera­de in Form des mas­si­ven Durch­mar­sches von Bands wie den Beat­les pas­sier­te, beglei­tet von hys­te­ri­schem Ver­hal­ten der jugend­li­chen Fans, die in ihrem Über­mut gan­ze Kon­zert­sä­le zer­leg­ten, sowie vom völ­li­gen Unver­ständ­nis und der schrof­fen Ableh­nung der “lang­haa­ri­gen Gamm­ler” durch die Erwach­se­nen­ge­nera­ti­on, die in ihnen – nicht ganz zu Unrecht – eine Bedro­hung für die bestehen­de gesell­schaft­li­che Ruhe und Ord­nung sah. Lus­ti­ger­wei­se reprä­sen­tier­te beim Nor­ske Melo­di Grand Prix ein Mann gleich bei­de Sei­ten der Medail­le: der nor­we­gi­sche Sän­ger, Musi­ker, Band­lea­der, Kom­po­nist und Musik­pro­du­zent Arne Ben­dik­sen näm­lich, der im Lan­de bereits in den Fünf­zi­gern Erfol­ge als Teil der Band The Monn Keys gefei­ert hat­te und der hier mit einer stel­len­wei­se etwas brü­chi­gen Stim­me den sieg­rei­chen Bei­trag ‘Spi­ral’ inter­pre­tier­te, eine klas­si­sche Big-Band-Melo­die, die eigent­lich nicht wei­ter der Rede wert ist – ein ohne grö­ße­re Schmer­zen anhör­ba­res, wenn­gleich ziem­lich alt­mo­disch wir­ken­des Lied, das als dezent swin­gen­de Begleit­mu­sik für das Super­markt­ra­dio bes­tens geeig­net scheint, das man aber sofort wie­der ver­gisst, sobald es ver­klun­gen ist. ‘Spi­ral’ setz­te sich in der Jury-Abstim­mung mit nur einem ein­zi­gen Pünkt­chen Vor­sprung gegen den unter ande­rem von der sich bereits im gesetz­ten Alter befind­li­chen “sin­gen­den Haus­frau aus Lørens­kog”, Eli­sa­beth Gran­ne­man (→ MGP 1960, 1969) inter­pre­tier­ten ‘God gam­mel fir­kan­tet Vals’, den ‘Guten alten spie­ßi­gen Wal­zer durch, der also – auf eine selt­sam eigeniro­ni­sche Art – sei­ne gera­de in der älte­ren Genera­ti­on viru­len­te nost­al­gi­sche Sehn­sucht nach kon­ser­va­ti­ven Wer­ten bereits im Namen trug. Lus­ti­ges Detail: der Schöp­fer die­ses Spieß­bür­ger-Wal­zers hieß… Arne Ben­dik­sen!

Ein Wer­be­song für ein Emp­fäng­nis­ver­hü­tungs­mit­tel? Das kam beim Grand Prix nur so mit­tel an: Platz 8 für Arne Ben­dik­sen.

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NO 1963: Blon­di­ne in Fes­seln

Es ist offen­sicht­lich das Ergeb­nis einer Qua­li­täts­be­wer­tung,“ so selbst­kri­tisch-mali­zi­ös kom­men­tier­te der Pres­se­chef des ver­an­stal­ten­den nor­we­gi­schen Rund­funks NRK gegen­über der Tages­zei­tung Dag­bla­det den Umstand, dass der Sen­der den Melo­di Grand Prix (MGP) 1963 nicht (auch) im Radio über­trug, wie in den Vor­jah­ren üblich, son­dern aus­schließ­lich im Fern­se­hen, das zu die­sem Zeit­punkt allei­ne schon aus tech­ni­schen Grün­den nur ein knap­pes Vier­tel der nor­we­gi­schen Haus­hal­te erreich­te. Auch die Zei­tung häm­te, dass den Radio-Zuhö­rer/in­nen da wohl eini­ges erspart geblie­ben sei, und das Kon­kur­renz­blatt Aften­pos­ten ergänz­te Salz-in-die-Wun­den-streu­end, “alle fünf Kom­po­si­tio­nen,” die ein ledig­lich drei­köp­fi­ges Sen­der­ko­mi­tee aus 221 Ein­sen­dun­gen aus­wähl­te, “könn­ten leicht­hin bereits vor drei­ßig Jah­ren geschrie­ben wor­den sein”. Selbst die betei­lig­ten Interpret/innen müs­sen dies ähn­lich emp­fun­den haben. Neben eta­blier­ten Vor­kriegs­grö­ßen wie dem 1999 ver­stor­be­nen Schau­spie­ler, Thea­ter­di­rek­tor und Lie­der­ma­cher Jens Book-Jen­sen sowie der Miss Nor­we­gen 1962, Bea­te Bre­vik, befand sich unter ande­ren die zwei­ma­li­ge Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­tin Nora Brock­stedt (→ NO 1960, 1961) im Line-up und stell­te neben dem viert­plat­zier­ten Titel ‘Drøm­mek­jo­len’ (‘Traum­kleid’, ein für ein­ge­fleisch­te Grand-Prix-Fans durch­aus abend­fül­len­des The­ma) auch das mit deut­li­chem Punk­te­ab­stand sieg­rei­che Chan­son ‘Solvherv’ (‘Som­mer­son­nen­wen­de’) vor. 

Mona, die Schwe­din’ ali­as Ani­ta Thallaug beim ESC-Auf­tritt in Lon­don.

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NO 1962: Auf den Hund gekom­men

Am bes­ten wäre es, sie schick­ten den Hund,” mit die­ser har­schen Kri­tik am nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix (MGP) 1962 bezog sich die däni­sche Tages­zei­tung Ver­dens Gang auf die Jazz­sän­ge­rin Lai­la Dalseth, eine von zwei Inter­pre­tin­nen des Sie­ger­songs die­ser Vor­ent­schei­dung, die bei ihrem Auf­tritt einen nied­li­chen Wel­pen im Arm trug. Eine sym­pa­thie­punk­te­för­der­li­che Stra­te­gie, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test selbst bekann­ter­ma­ßen streng ver­bo­ten ist. Und so durf­te dann auch statt der für ihre Ver­diens­te ums nor­we­gi­sche Jazz­we­sen mehr­fach preis­ge­krön­ten Dalseth die Ope­ret­tensän­ge­rin und Schau­spie­le­rin Inger Jacob­sen nach Luxem­burg fah­ren, wo sie mit ledig­lich zwei Pünkt­chen unter “fer­ner lie­fen” lan­de­te. Jacob­sen hat­te bereits 1960 beim ers­ten MGP sämt­li­che Wett­be­werbs­ti­tel im Radio-Halb­fi­na­le inter­pre­tiert. 1964 und 1971 ver­such­te sie noch­mals, das Euro­vi­si­onsti­cket zu ergat­tern, aller­dings ohne Erfolg. In Nor­we­gen trat sie bis ins hohe Alter in Revu­en, Fil­men und Büh­nen­stü­cken auf und war fes­tes Ensem­ble­mit­glied des Reichs­thea­ters. Sie starb 1996 im Alter von 72 Jah­ren an Krebs. ‘Kom Sol, kom Regn’ blieb denn auch einer von ledig­lich zwei der ins­ge­samt sie­ben Wett­be­werbs­bei­trä­ge, die man über­haupt auf Plat­te auf­nahm, nach­dem die vom NRK aus 121 Ein­rei­chun­gen vor­ge­nom­me­ne Vor­auswahl auf all­ge­mei­nes Mur­ren stieß. Und zwar nicht nur bei den Zuschauer/innen, son­dern – da der Sen­der im Rah­men der Nord­vi­si­on die Show in ganz Skan­di­na­vi­en aus­strahl­te – auch in den Nach­bar­län­dern. “Die Songs sind so schlecht, dass [die Orches­ter­mit­glie­der] ris­kie­ren, schla­fend zwi­schen den Noten­stän­dern hin­durch­zu­plump­sen,” so herr­lich bös­ar­tig häm­te der schwe­di­sche Aften­pos­ten am Tag nach der Sen­dung über das musi­ka­li­sche Niveau der Show.

Eine ele­gan­te Bal­la­de mit dezen­ten jaz­zi­gen Ver­zie­run­gen: Ingers Bei­trag muss sich nicht wirk­lich ver­ste­cken. Man will ihn aber auch nicht unbe­dingt in Dau­er­schlei­fe hören.

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