Vid­bir 2020: Does your Mother know?

Um die­ses Wochen­en­de wenigs­tens mit einem erfreu­li­chen Ergeb­nis zu beschlie­ßen, habe ich mir das gest­ri­ge Fina­le der Vid­bir bis zum Schluss auf­ge­ho­ben. Dort sieg­te – und zwar erst­ma­lig in der ukrai­ni­schen Vor­ent­schei­dungs­ge­schich­te glei­cher­ma­ßen bei den Anrufer:innen wie bei der drei­köp­fi­gen Jury – die Band Go_A (für das eng­li­sche Wort Go und das grie­chi­sche Zei­chen Alpha) mit der von einer beson­ders schlim­men Form des Res­ting-Bitch­face-Syn­droms heim­ge­such­ten Front­frau Kate­ry­na Pav­len­ko. Ihre in der Lan­des­spra­che und im sla­wi­schen Stil des mono­to­nen Wei­ßen Gesangs, den wir bereits von den letzt­jäh­ri­gen pol­ni­schen Ver­tre­te­rin­nen Tulia ken­nen, vor­ge­tra­ge­ne Elek­tro-Folk-Num­mer über die Nach­ti­gall (‘Solovey’) erzählt die hoch roman­ti­sche Geschich­te eines heim­li­chen, ver­bo­te­nen Tech­tel­mech­tels im Früh­lings­hain zwi­schen der Sän­ge­rin und einem gewis­sen Iwan, das sofort enden muss, sobald die Mut­ter etwas davon erfährt. Da “der Iwan” nicht nur im Deut­schen als Syn­onym für den Rus­sen steht, liegt es natür­lich auf der Hand, in dem Song­text eine sub­ti­le Alle­go­rie auf die ver­track­te, zwi­schen Annä­he­rung und Feind­schaft pen­deln­den Situa­ti­on zwi­schen der Ukrai­ne und der Föde­ra­ti­on zu erken­nen, die nicht zuletzt für die Ein­füh­rung einer Krim-Klau­sel bei der Vid­bir sorg­te, nach wel­cher kein Act mehr am Vor­ent­scheid teil­neh­men darf, der Auf­trit­te in Russ­land oder den annek­tier­ten Gebie­ten tätig­te oder plant.

Ärmel wie Pan­zer­sper­ren, Ohr­ge­schmei­de wie Wurf­ket­ten: Kate­ry­na wapp­net sich gegen die Erobe­rung durch den Iwan.

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