Birds fal­ling down the Roof­tops: Jet­ty Paerl ist tot

Sie war die Aller­ers­te, die jemals auf einer Grand-Prix-Büh­ne stand: mit ‘De Vogels van Hol­land’ eröff­ne­te Jet­ty Paerl 1956 die Pre­mie­ren­aus­ga­be des Euro­vi­si­on Song Con­test im schwei­ze­ri­schen Luga­no. Berühmt­heit in ihrer Hei­mat erlang­te Jet­ty wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges als ‘Jet­je von Radio Oran­je’, einem von Groß­bri­tan­ni­en aus in die besetz­ten Nie­der­lan­de aus­strah­len­den Wider­stands­sen­der, wo sie das Kaba­rett­pro­gramm ‘Water­geu­sen’ betreu­te, für das ihr Vater die Tex­te schrieb. Jet­ty Paerl starb am Don­ners­tag im Alter von 92 Jah­ren.


Mit Vögeln haben es die Hol­län­der irgend­wie

ESC 1956: Da hilft auch kein Flat­ti­ern

Logo des Eurovision Song Contest 1956
Das Jahr des Anfangs

Wer hat’s erfun­den?”: der bekann­te Wer­be­c­laim eines schwei­ze­ri­schen Hus­ten­pas­til­len­her­stel­lers bil­det die per­fek­te Über­schrift zur Illus­tra­ti­on des Dis­pu­tes um die Urhe­ber­schaft des belieb­tes­ten und erfolg­reichs­ten Unter­hal­tungs­events der Welt, des Euro­vi­si­on Song Con­test. Gilt nach all­ge­mei­ner Über­ein­kunft und offi­zi­el­ler Geschichts­schrei­bung der sei­ner­zei­ti­ge eid­ge­nös­si­sche TV-Gene­ral­di­rek­tor und ver­ant­wort­li­che Pro­gramm­be­auf­trag­te der Euro­päi­schen Rund­funk­uni­on (EBU), Mar­cel Bezençon, als geis­ti­ger Vater des pan­eu­ro­päi­schen Events, so rekla­miert der bri­ti­sche Buch­au­tor Gor­don Rox­burgh in sei­ner 2012 erschie­ne­nen Fibel Songs for Euro­pe, Volu­me 1, zumin­dest eine Mit­tä­ter­schaft des hei­mi­schen Schau­spie­lers Micha­el Brenn­an und des dama­li­gen BBC-Gene­ral­di­rek­tors Sir Ian Jacob an der Ein­füh­rung des euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werbs.

Nur als Audio­mit­schnitt erhält­lich: der Pre­mie­ren­con­test von 1956.

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1956: Tüde­lü­delü

Für gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät sind die Nie­der­lan­de nicht erst seit der Insti­tu­tio­na­li­sie­rung von Cof­fee­shops und der damit ein­her­ge­hen­den Teil­le­ga­li­sie­rung von Mari­hua­na oder seit der Ein­füh­rung der Homo-Ehe im Jah­re 2001, damals als ers­ter Staat welt­weit, bekannt. So nimmt es wenig Wun­der, dass es dem hol­län­di­schen Sen­der NTS als ein­zi­ger der sie­ben an der Erst­aus­ga­be des Euro­vi­si­on Song Con­tests teil­neh­men­den TV-Sta­tio­nen vor­be­hal­ten blieb, sei­nen Vor­ent­scheid, das Natio­naal Song­fes­ti­val (NSF), nach demo­kra­ti­schen Maß­stä­ben zu orga­ni­sie­ren und dem Publi­kum als maß­geb­li­chem Rich­ter die Ent­schei­dung zu über­las­sen, welche/n der drei ange­tre­te­nen Künstler/innen und ihrer ins­ge­samt acht Lie­der es nach Luga­no dele­gie­ren woll­te. Genau­er gesagt: wel­che zwei, denn auf­grund des begrenz­ten Krei­ses an teil­neh­men­den Natio­nen muss­te ein jedes Land gleich zwei “Schla­ger und Chan­sons” (so der Titel des deut­schen Vor­ent­scheids) in die Schweiz ent­sen­den. Natür­lich ging das sei­ner­zeit noch nicht per Tele­fon oder gar per App, son­dern noch mit­tels der guten alten Post­kar­te (fragt Eure Eltern!), von denen nach der an einem Diens­tag (!) aus­ge­strahl­ten Show rund 6.500 Exem­pla­re beim Sen­der ein­tru­del­ten.

Für immer vor­bei war es für Cor­ry noch lan­ge nicht, im Gegen­teil, es ging erst rich­tig los!

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