Der Ting­ler sang für uns alle: Jür­gen Mar­cus ist tot

Eine Schla­ger­le­gen­de hat uns ver­las­sen: wie ver­schie­de­ne Medi­en ges­tern berich­te­ten, ver­starb der Sän­ger Jür­gen Mar­cus bereits Mit­te Mai 2018 im Alter von 69 Jah­ren an den Fol­gen sei­ner lang­jäh­ri­gen chro­ni­schen Lun­gen­er­kran­kung (COPD). Der als Jür­gen Beu­mer in Her­ne gebo­re­ne, gelern­te Maschi­nen­schlos­ser zähl­te zu sei­nen Glanz­zei­ten in den Sieb­zi­gern zu den umsatz­stärks­ten deut­schen Schla­ger­sän­gern mit nicht weni­ger als 36 Auf­trit­ten in der ZDF-Hit­pa­ra­de. Ers­te grö­ße­re Bekannt­heit errang der Blond­ge­lock­te im Jah­re 1969 mit einer Haupt­rol­le im Musi­cal Hair, wor­auf­hin ihn der Erfolgs­pro­du­zent Jack White unter Ver­trag nahm und Mar­cus in den nächs­ten sie­ben Jah­ren einen Top-Hit nach dem ande­ren lan­de­te. Sei­ne Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test, für den (erst spä­ter) beken­nen­den Schwu­len eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit, soll­te aller­dings unter kei­nem all zu glück­li­chen Stern ste­hen: 1974 zog er in der haus­in­ter­nen Aus­wahl­run­de des Hes­si­schen Rund­funks den Kür­ze­ren gegen das Schla­ger­duo Cin­dy & Bert, und das, obwohl er mit ‘Der Grand Prix d’Amour’ sogar einen the­ma­tisch pas­sen­den Bei­trag vor­be­rei­tet hat­te. Mit dem ihm, im Gegen­satz zur drö­gen ‘Som­mer­me­lo­die’ der Saar­län­der, anschlie­ßend ein Top-20-Hit gelang.

Wenn das Deo ver­sagt, hel­fen viel­leicht fri­sche Blu­men: Jür­gen Mar­cus mit sei­nem Vor­ent­schei­dungs­bei­trag beim Auf­tritt in der ZDF-Hit­pa­ra­de.

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DE 1982: Ich bin nur ein Mäd­chen

Nicole, DE 1982
Die Frie­dens­bot­schaf­te­rin

So lang­sam erstarr­ten die in Mün­chen pro­du­zier­ten Grand-Prix-Vor­ent­schei­dun­gen zur Rou­ti­ne. Aus­wahl- und Abstim­mungs­mo­dus, Teil­neh­mer­zahl, Büh­nen­bild: alles exakt wie schon in den Jah­ren zuvor. Erneut führ­te die damen­haf­te Caro­lin Rei­ber mit auf­ge­setz­tem Pathos durch den Abend, und auch wenn sie mit stolz­ge­schwell­ter Brust erzähl­te, dass die Jury dies­mal über 800 Titel zu sich­ten hat­te, befand sich das letzt­lich prä­sen­tier­te Musik­pro­gramm fest im Wür­ge­griff weni­ger alt­ge­dien­ter Schla­ger­schaf­fen­der. Denn die Hand­voll zur Vor­auswahl ein­ge­reich­ten Neue-Deut­sche-Wel­le-Songs flo­gen in den Radio­vor­run­den auf den ARD-Schla­ger­wel­len kon­se­quent raus. Und, auch das mitt­ler­wei­le Rou­ti­ne: erneut beleg­te Ralph Sie­gel die bei­den ers­ten Plät­ze.

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ESC 1976: Die Par­ty ist vor­bei

Logo des Eurovision Song Contest 1976
Das zir­zen­si­sche Jahr

Vor ihrer Grand-Prix-Teil­nah­me kann­te man die Les Hum­phries Sin­gers euro­pa­weit als erfolg­rei­che, mul­ti­kul­tu­rel­le Hip­pie­grup­pe, die mit ‘Mama­loo’ oder ‘Mexi­ko’ und ähn­li­chen Titeln eine Lat­te respek­ta­bler Hits vor­wei­sen konn­te. Hin­ter­her ver­schwan­den sie in der Ver­sen­kung. In Den Haag durf­te die übli­cher­wei­se bis zu 16 Mann star­ke Kapel­le aller­dings auch nur in deut­lich dezi­mier­ter Zahl auf die Büh­ne. Zu sechst näm­lich, dar­un­ter Jür­gen Drews (DVE 1990), wäh­rend ihr Band­lea­der am Diri­gen­ten­pult stand, was ihrer Büh­nen­prä­senz gar nicht gut tat. Dazu kam der len­den­lah­me Sie­gel-‘Sing Sang Song’, sein ers­ter Grand-Prix-Bei­trag fürs Hei­mat­land und ein wahr­lich miss­ra­te­ner Auf­takt. So reich­te es wie­der nur für einen, dies­mal berech­tig­ten, hin­te­ren Platz.

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DE 1975: Jeder Ton ist wie ein Stein

Joy Fleming, DE 1975
Die Bes­te. Auf ewig.

Nach dem Kata­stro­phen­er­geb­nis der haus­in­ter­nen Aus­wahl im Abbajahr 1974 (ein geteil­ter letz­ter Platz für den deut­schen Bei­trag von Cin­dy & Bert) besann sich sich der sei­ner­zeit ver­ant­wort­li­che Hes­si­sche Rund­funk dar­auf, dass er bereits 1970 und (in Zusam­men­ar­beit mit dem Sen­der Frei­es Ber­lin) 1972 glanz­vol­le öffent­li­che Vor­ent­schei­dun­gen auf die Bei­ne gestellt hat­te – und mit der dort jeweils aus­ge­wähl­ten Künst­le­rin einen nicht min­der glanz­vol­len Medail­len­platz beim euro­päi­schen Wett­sin­gen erziel­te. Mit die­sem Wis­sen im Rücken ging es in Frank­furt am Main frisch ans Werk: her­aus kam eine der bes­ten Ver­an­stal­tun­gen in der deut­schen Grand-Prix-Geschich­te! Zunächst ein­mal ver­zich­te­te man (die EBU tat das erst 1999) auf das anti­quier­te Orches­ter und griff auf das aus der ZDF-Hit­pa­ra­de bewähr­te Halb­play­back zurück: Musik vom Band, Gesang live. Das ein­ge­spar­te Geld inves­tier­te der hr in eine annehm­ba­re Stu­di­ode­ko­ra­ti­on. Außer­dem hol­te der Sen­der die Plat­ten­fir­men mit ins Boot. So dass es gelang, neben eini­gen No-Names hoff­nungs­vol­len Nach­wuchs­ta­len­ten auch zahl­rei­che Schlagersänger/innen von der aktu­el­len A-Lis­te anzu­lo­cken. 15 Künstler/innen tra­ten an, dar­un­ter Ver­zicht­ba­res und Füll­stoff, aber auch etli­che High­lights.

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DE 1974: Das darf doch nicht sein

Cindy & Bert, DE 1974
Die Pro­te­gier­ten

Stän­dig das Geme­cker von Pres­se und Öffent­lich­keit über die Abstim­mungs­er­geb­nis­se bei den Vor­ent­schei­dun­gen: der deut­sche Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che Hans-Otto Grü­ne­feldt hat­te die Schnau­ze gestri­chen voll! Er ver­zich­te­te auf eine öffent­li­che Aus­wahl und nomi­nier­te statt­des­sen sei­ne Pro­te­gés Cin­dy & Bert direkt für die haus­in­ter­ne Ent­schei­dung. Die waren 1972 mit ihrem bes­ten Titel ‘Geh die Stra­ße’ arsch­knapp an der Jury geschei­tert. 1973 und 1978 ver­such­ten sie es mit jeweils gleich zwei (schreck­li­chen) Schla­gern, blei­ben aber erfolg­los. Und auch auch solo soll­te Cin­dy Ber­ger bei ihren erneu­ten Anläu­fen 1988 und 1991 kein Glück beschie­den sein. In die­sem Jahr schlug das saar­län­di­sche Schla­ger­pär­chen der Legen­de nach unter ande­rem einen Titel namens ‘Spa­ni­ens Gitar­ren’ vor.

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