Jugoslawien

ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC-Fina­le 1991: Hier decke ich den Tisch

Mit einer Hymne auf das neu vereinte Europa ('Insieme: 1992') hatten die Italiener im Vorjahr dieses merkwürdige Wettsingen gewonnen, das bekanntlich auf dem Vorbild ihres heißgeliebten San-Remo-Festivals basiert. Da lag es auf der Hand, selbigem Vorbild zu huldigen und den Contest in nämlichem ligurischen Kurort auszutragen. Doch je näher das Ereignis heranrückte, desto stärker nagten die Zweifel: würde man mit diesem obskuren Eurotrashspektakel in der geheiligten Stätte des Ariston-Theaters zu San Remo nicht das Ansehen des im Lande wesentlich beliebteren Originals beschmutzen? Wollte man sich als selbst empfundener kultureller Nabel Europas wirklich diese Laus in den Pelz setzen? Also verlegte…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

ESC-Fina­le 1990: Für uns, Lie­be ohne Grenzen

Deutschland schrieb in diesem Jahr Geschichte: mit der von mutigen DDR-Bürgern friedlich herbeidemonstrierten Revolution und der sich anschließenden, von den meisten Westlern wie mir gedanklich längst abgeschriebenen Wiedervereinigung. Allerdings auch mit den beiden ersten deutschen Eurovisionsteilnehmern, die beim Versuch des Singens kaum einen Ton sauber zu treffen vermochten. Hätte man einen Schock Hundewelpen 'Frei zu leben' jaulen lassen, das Ergebnis wäre gewiss musikalisch überzeugender ausgefallen. Doch nicht genug, dass sich einem beim Anhören die Fußnägel kräuselten, auch der Anblick des peinlichen Duos sorgte für Fremdschämattacken: Daniel Kovac erschien im C&A-Anzug, Chris Kempers mit tuffiger Dauerwelle und noch tuffigerer Kostümjacke, die…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

ESC-Fina­le 1987: Is het een orkaan?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

ESC-Fina­le 1983: Wie­der holen ist gestohlen

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC-Fina­le 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

1982: eine magische Zahl für Deutschland, ein nationales Trauma. Nicht nur, weil sich damals ein birnenförmiger Oggersheimer anschickte, das Land mit einer sechzehn Jahre währenden Schreckensherrschaft zu überziehen. Viel wichtiger: wir gewannen den Grand Prix! Zum ersten - und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Meyer-Landrut die Wachablösung vollzog und die Ära Siegel beendete, fest glaubte, auch zum letzten - Mal. Der Contest zog von den bisher meist als Austragungsort ausgewählten Hauptstädten in die tiefste britische Provinz nach Horrorgate Harrogate. Wie passend, denn provinziell mutete auch das musikalische Aufgebot an. (mehr …)
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1976: Die Par­ty ist vorbei

ESC-Fina­le 1976: Die Par­ty ist vorbei

Vor ihrer Grand-Prix-Teilnahme kannte man die Les Humphries Singers europaweit als erfolgreiche, multikulturelle Hippiegruppe, die mit 'Mamaloo' oder 'Mexiko' und ähnlichen Titeln eine Latte respektabler Hits vorweisen konnte. Hinterher verschwanden sie in der Versenkung. In Den Haag durfte die üblicherweise bis zu 16 Mann starke Kapelle allerdings auch nur in deutlich dezimierter Zahl auf die Bühne. Zu sechst nämlich, darunter Jürgen Drews (DVE 1990), während ihr Bandleader am Dirigentenpult stand, was ihrer Bühnenpräsenz gar nicht gut tat. Dazu kam der lendenlahme Siegel-'Sing Sang Song', sein erster Grand-Prix-Beitrag fürs Heimatland und ein wahrlich missratener Auftakt. So reichte es wieder nur für einen, diesmal berechtigten, hinteren…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

ESC-Fina­le 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Besonders optimistisch erschienen also die deutschen Vertreter Cindy & Bert zu diesem Grand Prix: Cindy in einem lindgrünen Maxikleid, Bert im popelgrünen Anzug mit giftgrün leuchtendem Sommerschal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hinter verschlossenen Türen ausgewählte, schwächliche 'Sommermelodie' verendete auf dem letzten Platz. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Vorentscheidung und des daraus folgenden mangelnden Interesses am internationalen Wettbewerb sahen das nur 28 % der deutschen TV-Zuschauer:innen. Was man insofern bedauern muss, da auf diese Art und Weise viele Deutsche den historischen Contest schlechthin verpassten. (mehr …)
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

ESC-Fina­le 1973: Du sagst nie­mals nein

Die Lustlosigkeit der deutschen Vorentscheidung rächte sich für uns. Die Protagonistin ahnte es bereits im Vorfeld: "Bringst Du Tränen von gestern zurück?", so eine der Fragen aus ihrer wunderbaren, im Vergleich mit den eher Aufbruchsstimmung verbreitenden Beiträgen der letzten Jahre jedoch etwas verzagt wirkenden Hymne 'Junger Tag', welche die Juroren mit einem klaren und eindeutigen "Ja!" beantworteten. Nach drei dritten Rängen in Folge konnte der nunmehrige (rechnerisch korrekte) neunte Platz nur als echte Enttäuschung gelten. Oder lag es an dem Spontanaugenkrebs verursachenden, grellgelben Folklorefummel, den die für Deutschland startende Dänin Gitte Hænning in Luxemburg trug? (mehr …)
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

ESC-Fina­le 1971: Ein Staub­korn nur in der Unendlichkeit

Heftige Auseinandersetzungen tobten Anfang der Siebzigerjahre hinter den Kulissen des Song Contests, unter anderem um das schon mehrfach geänderte Wertungssystem und über die Besetzung der Jurys. Noch immer gärte der Eklat des Vierfachsieges von 1969 nach, der im Vorjahr für einen Teilboykott durch fünf Länder gesorgt hatte. Selbst Deutschland, seit jeher die unerschütterlichste Eurovisionsnation, drohte mit dem Ausstieg aus der Gemeinschaftsveranstaltung, sollte sie sich nicht endlich dem Zeitgeist annähern. Doch der Grand Prix ist bekanntlich unkaputtbar, und so einigte man sich, ganz europäisch, auf einen Kompromiss. Dessen augenfälligstes Ergebnis war, dass die Jurys jetzt vor der Kamera und damit für…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1971: Die Nacht ist lang und dun­kel, wie der Schmerz

Jugo­vi­zi­ja 1971: Die Nacht ist lang und dun­kel, wie der Schmerz

Lediglich drei der insgesamt acht jugoslawischen Landessender, nämlich RTV Ljubljana, RTV Zagreb und RTV Skopje, beteiligten sich 1971 am nationalen Eurovisionsvorentscheid Jugovizija im slowenischen Domžale. Jeder von ihnen entsandte drei Beiträge. Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wie viele über den gesamten Staatenbund verteilte Jurys mit wie vielen Mitgliedern über die Lieder abstimmten, aber es müssen etliche gewesen sein, denn selbst der letztplatzierte Titel von Ditka Haberl und Doca Marolt bekam noch rund 1.300 Punkte. Haberl war zudem Teil der polyphonen Gesangsgruppe Bele Vrane, die nur einen Platz besser abschnitt. Zu den prominenten Namen zählte die aus einer Roma-Familie stammende Esma…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1970: Schmet­ter­lin­ge und Bienen

ESC-Fina­le 1970: Schmet­ter­lin­ge und Bienen

Ein neues Jahrzehnt, ein neuer Aufbruch. Das bekam das Publikum schon bei der deutschen Vorentscheidung zu spüren, die sowohl inhaltlich und optisch als auch musikalisch einer kleinen Revolution gleichkam. Revolutionär auch unsere Vertreterin in Amsterdam, Katja Ebstein. Aus der Liedermacherszene kommend und beseelt von sozialkritisch-aufklärerischer Attitüde, sang die spätere SPD-Wahlkämpferin und Heinrich-Heine-Rezitatorin einen von ihrem damaligen Ehemann Christian Bruhn geschriebenen Tröstungsschlager namens ‘Wunder gibt es immer wieder’. Ein unvergesslicher Evergreen, weil er sich musikalisch wie textlich sehr deutlich von der bisher üblichen, biederen Schlager-Standardware unterschied. Ein gewaltiges, spannungsgeladenes Intro mit einer Blue Note als Hinhörer; der gedehnte und damit dramatisch wirkende Gesang…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1970: Wenn der Früh­ling kommt, dann pflück ich dir…

Jugo­vi­zi­ja 1970: Wenn der Früh­ling kommt, dann pflück ich dir…

Die nicht nur beim deutschen Eurovisionsvorentscheid dieses Jahres zu verspürende Aufbruchsstimmung zu Beginn der neuen Dekade schlug sich auch bei der Jugovizija 1970 nieder, deren Teilnehmer:innenfeld größtenteils aus verhältnismäßig neuen Künstler:innen bestand und wo die bislang dort dominanten, etablierten Namen aus den Sechzigern fast vollständig fehlten. 15 Acts liefen in der Hauptstadt Belgrad auf, drei aus jedem der partizipierenden fünf Teilnationen Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien. Fast die Hälfte von ihnen ging komplett punktefrei aus, darunter Boba Stefanović, ehemaliger Frontmann der Rockgruppe Zlatni Dečaci (Goldene Jungs), die mit Coverversionen von internationalen Hits und zeitgemäß aufpolierten Instrumentalfassungen von klassischen Titeln…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1969: Vier gewinnt

Jugo­vi­zi­ja 1969: Vier gewinnt

Wie bereits im Vorjahr steuerten sechs der acht seinerzeitigen jugoslawischen Landessender Beiträge zur Jugovizija 1969 zu, die heuer in Zagreb stattfand. 17 Songs gingen insgesamt ins Rennen, von denen sich knapp die Hälfte noch im Netz finden lässt. Zu den bekannten Namen im Line-up zählten die ehemaligen Eurovisionsrepräsentant:innen Vice Vukov und Lola Novaković, die Wiederkehrer:innen Nina Spirova, Marjana Deržaj, Majda Sepe und Ivo Robić sowie die noch am Beginn ihrer Dekaden umspannenden Schlagerkarriere stehende Neda Ukraden, deren umfangreiches Hit-Repertoire einem jeden anempfohlen sei, der bereit ist, sich vom Zauber des Balkan-Schlager gefangen nehmen zu lassen. Daneben tummelten sich etliche Bands:…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

ESC-Fina­le 1968: Hap­pi­ness had­n’t been invented

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den angeblich von…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1968: Min­ne­sän­ger, Mädchenfänger

Jugo­vi­zi­ja 1968: Min­ne­sän­ger, Mädchenfänger

Sechs der damals acht Teilregionen Jugoslawiens nahmen 1968 teil an der im mazedonischen Skopje abgehaltenen Jugovizija, dem nationalen Eurovisionsvorentscheid. Jede der sechs beteiligten TV-Stationen schickte nicht nur zwischen einem und drei Lieder, sondern auch jeweils eine eigene Jury, bestehend aus einem Senderverantwortlichen und drei "Nicht-Professionellen", sowie eine eigene Ansagerin. Auf diese Weise kam hier die legendäre, 2012 an Krebs verstorbene Kroatin Helga Vlahović zu ihrem ersten Jugovizija-Einsatz. Die Gastgeberin des Eurovision Song Contest 1990 in Zagreb ist Grand-Prix-Fans vor allem in ihrer Rolle als Punktesprecherin erinnerlich, speziell bei ihrem Einsatz 1981, als sie, gefragt nach dem Ergebnis der jugoslawischen Jury,…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

ESC-Fina­le 1967: Sicher vor der sen­gen­den Sonne

Wahrlich keinen würdigeren Gastgeber hätte es für diesen, den Übergang zwischen Tradition und Moderne markierenden Eurovisionsjahrgang geben können als den ORF. Mit der Wahl des Festsaals der kaiserlichen Wiener Hofburg als Veranstaltungsort steuerten die Österreicher die uneinholbar nobelste Location, in welcher der Grand Prix jemals gastierte, zum Geschehen bei. Üppige Blumenarrangements auf der Bühne, gerne ins Bild gerückte gigantische Kronleuchter an den hohen Stuckdecken, die festliche Abendgarderobe des handverlesenen Saalpublikums, ein exzellentes Orchester und die traditionsreichen Wiener Hofknaben als Pausenprogramm sorgten im letzten Jahr des Schwarzweißfernsehens für einen regelrecht imperialen Glanz beim europäischen Chansonwettbewerb. Gleichzeitig bemühte man sich mit riesigen…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1967: Das ist mei­ne klei­ne Welt

Jugo­vi­zi­ja 1967: Das ist mei­ne klei­ne Welt

Fünf Regionalsender des jugoslawischen Fernsehens JRT beteiligten sich im Februar 1967 an dem in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana abgehaltenen Eurovisionsvorentscheid Jugovizija. Jeder von ihnen schickte drei Lieder ins Rennen, und da nicht im gleichen Umfang mitmachwillige Interpret:innen zur Verfügung standen, kam es, dass der in Mazedonien geborene Folksänger, Schauspieler ('Mazedonische Bluthochzeit') und Dichter Zafir Hadžimanov gleich für drei Stationen an den Start ging, nämlich für TV Skopje, TV Belgrad und TV Zagreb. Was insofern Sinn machte, da der mit der in Zagreb geborenen Popsängerin Senka Veletanlić verheiratete Zafir die meiste Zeit seines Lebens in der serbischen Metropole lebte, also einen…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1966: Ohne Worte

Jugo­vi­zi­ja 1966: Ohne Worte

Im großzügigen, 1.600 Zuschauer:innen fassenden Dom Sindikata zu Belgrad, einem klassischen sozialistischen Prunkbau mitten im Stadtzentrum, fand der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 1966, die Jugovizija, statt. Den Heimvorteil bis zum Maximum nutzend, durfte der serbische Sänger Dragan Stojnić gleich drei der insgesamt 13 Lieder beisteuern. Der 2003 verstorbene Stojnić hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seinen slawischen Landsleuten das gallische Chanson näher zu bringen, seine Karriere begann dementsprechend mit einem Cover des französischen Eurovisionssongs von 1963, 'Elle était si jolié' von Alain Barrière, in seiner Fassung 'Bila je tako lijepa'. Auch sein Jugovizija-Beitrag 'Duga je Noć' ('Die Nacht ist…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1965: Die Hit­ze der Jungs

ESC-Fina­le 1965: Die Hit­ze der Jungs

Im zehnten Jahr seines Bestehens schien der Eurovision Song Contest endgültig bei sich angekommen zu sein, die gröbsten Kinderkrankheiten einigermaßen ausgemerzt: unverzeihliche archivarische Lücken durch eine fehlende Aufzeichnung der Live-Sendung wie noch 1956 und 1964 sollten künftig nicht mehr vorkommen; die Frage, wer auf der Bühne die Siegestrophäe überreicht bekommt - Interpret:in oder Komponist:in - sorgte nicht mehr für Verwirrung und peinliche Situationen wie noch 1957; die Wertung unterlag zwar noch ständigen Verfahrensänderungen, hatte sich aber als unverzichtbarer Teil der Sendung etabliert; die Zahl der teilnehmenden europäischen Staaten zeigte einen erfreulich stabilen Aufwärtstrend von sieben im Anfangsjahr zu aktuell 18 Nationen…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1965: Immer mehr vom Meer sehn

Jugo­vi­zi­ja 1965: Immer mehr vom Meer sehn

Es waren in den Sechzigerjahren mehr oder minder stets dieselben Namen, die auf der Teilnehmer:innenliste der jugoslawischen Eurovisionsvorentscheidung auftauchten. Früher oder später gewann dann auch fast Jede:r von ihnen mal und durfte den Vielvölkerstaat beim Eurovision Song Contest vertreten. Eine, die das trotz beinahe durchgehender Präsenz bei der Jugovizija nie ganz schaffte, und das, obwohl sie laut Wikipedia die erfolgreichste Schlagersängerin des Balkanstaates sei, war Gabi Novak. Klingt ziemlich germanisch, dieser Vorname, werden Sie sich jetzt vielleicht denken, und liegen damit völlig richtig: die gute Gabi kam nämlich 1936 als Kind eines kroatischen Vaters und einer deutschen Mutter in Berlin…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weißröckchen

Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weißröckchen

Wie in der gesamten Anfangsphase des Grand Prix ist auch für das Jahr 1964 die Faktenlage nur eingeschränkt ertragreich, was den Eurovisionsvorentscheid des damals noch unter Tito vereinten südslawischen Vielvölkerstaates angeht. Immerhin kennen wir, und das ist bei der Jugovizija der Sechzigerjahre keine Selbstverständlichkeit, die komplette Teilnehmer:innenliste inklusive der Lieder. Doch das nützt nicht viel, finden sich doch lediglich vier der acht Wettbewerbsbeiträge als Audiospur im Netz, darunter der Siegertitel sowie die lieblich plinkernde Schneeflockenballade 'Kakor bela Snežinka' des slowenischen Sängers Stane Mancini. Ob eine Verwandtschaft zur 2012er Repräsentantin Hannah Mancini besteht, ist mir leider nicht bekannt: vom Alter her könnte…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

Die von etlichen europäischen Sendeanstalten (einschließlich der ARD) aus finanziellen Gründen sehr gefürchtete Eurovisionsregel, wonach der Sieger des Wettbewerbs im Folgejahr prinzipiell den Contest austragen soll (nicht: muss), existiert bereits seit seit dem zweiten Jahr seines Bestehens, also seit 1957. Doch nicht jeder glückliche Gewinner verhält sich regelkonform: dem schlechten Beispiel der Niederlande folgend, weigerte sich heuer das innerhalb von nur sechs Jahren bereits zum dritten Male (nämlich 1958, 1960 und 1962) viktoriöse Frankreich, die Show zu organisieren und alleine finanziell zu stemmen. Das mondäne Cannes, wo der Wettbewerb bereits 1959 und 1961 stattgefunden hatte, entwickelte sich - nicht zuletzt aufgrund der jährlichen…
Weiterlesen
Jugo­vi­zi­ja 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Jugo­vi­zi­ja 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Ein dreifaches Hoch auf die segensreichen Wirkungen des Internets und die fleißigen Nerds, die es füttern! Zeigte sich die Datenlage bezüglich der Eurovisionsvorentscheidungen im seinerzeit noch vereinten Jugoslawien der Sechzigerjahre zu Beginn meiner Jugovizija-Recherchen noch als ziemlich bruchstückhaft, und klaffte im Jahre 1963 gar einst ein kratergroßes schwarzes Loch in der Kenntnislandschaft, so konnten mittlerweile dank der unermüdlichen Arbeit verschiedener Fanclubs und ehrenamtlicher Wikipedianer die meisten Wissenslücken geschlossen werden. Die bosnische Ausgabe des Internetlexikons benannte schon länger Majda Sepe, Sabahudin Kurt (ESC 1964) und Anica Zubović als Teilnehmer:innen dieses Jahrgangs, bei dem sich erstmals alle acht Landessender des damaligen - je nach politischer…
Weiterlesen
ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

Luxemburg, das 1962 als Gastgeber für den Eurovision Song Contest fungierte, gilt im Allgemeinen als finanziell wohlsituierte europäische Steuerfluchtoase. Um so merkwürdiger muteten die anhaltenden Stromschwankungen und mehrfachen Lichtausfälle im RTL-Auditorium während der Grand-Prix-Übertragung an, die den Zuschauer:innen infrastrukturell eher den Eindruck eines Dritte-Welt-Landes (oder der heutigen USA) vermittelten. Wohl auch, um Kosten zu sparen, gestaltete der Sender des Großherzogtums den Ablauf der Show ziemlich zügig, die Lieder folgten fast nahtlos aufeinander. Das Anziehen des Tempos übertrug sich in wohltuender Weise ebenfalls auf das senderseitig gestellte, erstaunlich druckvoll und präzise aufspielende Orchester. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Rhythmusinstrumente wie…
Weiterlesen