Tack Sverige! Die zahlreichen Änderungen, die das schwedische Fernsehen unter Federführung von Christer Björkman in diesem Jahr am Song Contest vornahm, trafen gerade unter den Fans ja eher auf Ablehnung. Nach dem heutigen ersten Semiabend muss ich jedoch sagen: aus Sicht des TV-Zuschauers sind zumindest die Entscheidungen für eine kleinere Halle mit Stehplätzen im Innenraum, die technische Abrüstung (keine Bühnen-LEDs) und die Rückkehr zu “nur” noch einer Moderatorin goldrichtig. Atmosphärisch deutlich dichter, fast schon intim die Fernsehbilder aus Malmö, die Künstler wirkten nicht mehr verloren auf der Bühne oder vom Hintergrund erschlagen, wie es in den letzten Jahren meist der Fall war. Und eine das Gastgeberland selbst auf die Schippe nehmende Petra Mede ist als Host ein eben solcher Glücksgriff wie Sara Dawn Finer als Lyndra Woodruff als Comedyeinlage im Pausenprogramm. Wenn es die EBU jetzt noch schafft, der Bildregie begreiflich zu machen, dass die Zuschauer während der Auftritte die Bühnenshow der Acts sehen wollen und keine minutenlangen Kamerafahrten durch die Halle, dann ist alles perfekt!
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Fünfter Probentag in Malmö: erstes Semi, die Chancen
Heute ging es richtig los in Malmö: das Pressezentrum eröffnete mit einer Pressekonferenz der EBU, die erwartungsgemäß alle ihre von den Fans teilweise heftig kritisierten Entscheidungen zu den Regeländerungen beim Contest als sinnvoll und gelungen bezeichnete und ansonsten ausführlich ihre brandneue Eurovisions-App für iPhones und Android-Handys bewarb (zu der ich nichts weiter sagen kann, weil bei mir der Anmeldeprozess nicht klappte, man zum Voten per App aber ohnehin ein PayPal-Konto braucht, das ich weder habe noch will und ich auf fesselnde News vom eurovision.tv-Team auf meinem Smartphone verzichten kann). Gegen Mittag starteten dann die zweiten Probendurchläufe für die Teilnehmer des ersten Semis am Dienstag. Und ab heute stellt uns eurovision.tv auch einen kompletten, dreiminütigen Mittschnitt für jedes Land zur Verfügung. Damit lassen sich dann auch die Chancen für den Einzug ins Finale etwas realistischer einschätzen. Meine Damen und Herren: die Spiele sind eröffnet!
Erster Probentag in Malmö: Goliath im Lampenladen
Es ist, folgt man den Liveblogs aus Malmö, der meistdiskutierte Auftritt am heutigen ersten Probentag und wird ohne jede Frage auch am Semi-Dienstag beim Fernsehzuschauer visuell am stärksten hängen bleiben: der Shrek-Moment, wenn der ukrainischstämmige Igor Vovkovinksy, mit 2 Meter 34 einer der größten Menschen der Welt, die vergleichsweise zerbrechliche Zlata Ognevich auf seinen gigantischen Händen auf die Bühne trägt und mittig auf einem stilisierten Felsen abstellt, wo sie dann armrudernd für den Rest ihrer drei Minuten versucht, den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen und nicht herunter zu fallen. Das Land bleibt also seinem Hang zu spektakulären Inszenierungen treu, wofür ich es ja liebe und womit es bislang immer gut gefahren ist. Selbst, wenn man sich fragt, was der Prinzessinnenabwurf durch den umgehend verschwindenden Märchenriesen eigentlich mit dem Song zu tun hat. Aber das fragte man sich bei der Sandfrau vor zwei Jahren auch: Mika Newton wurde dennoch Vierte. Erinnert sich noch jemand an ihren Song?
Stampf, stampf, plonk: UPS, der Ukrainische Prinzessinnen Service, liefert bis auf die Bühne
It’s all in your Head: Zlata und das Ecstasy-Einhorn
Dass in ihrem Oberstübchen die Neuronen anders verknüpft sein könnten als beim Rest der Menschheit, diesen Eindruck erweckte die fabelhafte Zlata Ognevich ja bereits in der skandalumwitterten ukrainischen Vorentscheidung 2011, wo sie sich von synthetisierten Kuckucksrufen zu ihrem völlig skurrilen, nur als Gesamtkunstwerk zu würdigenden Lied ‘Kukushka’ begleiten ließ. Und auch ihr diesjähriger Song ‘Gravity’ gehört nicht gerade zu den klassischen Junge-liebt-Mädchen-Machwerken der Popgeschichte. Mit dem soeben veröffentlichten (hervorragenden!) Club-Remix des Beitrags dreht Zlata die Schraube noch ein Stückchen lockerer: hier mischt sie den absurden englischen Text (“Put your Heart where it belongs” – ähm, in den Brustkorb?) mit wohlklingenden Wörtern in einem komplett erfundenen Idiom. Wiwibloggs zitiert genüsslich aus dem Pressebegleittext: “Im Remix singt Zlata den Song in der Sprache Nakatonka, die nur von Menschen in der Fantasiewelt von Zlata Ognevich gesprochen wird”. Oookaaaay… Pfleger, bitte mal die grüne Jacke! Und untersucht mal einer das Einhorn aus dem Videoclip auf Drogen?
Viel besser als die ESC-Fassung: der Clubremix!
Und noch ein Ausflug in Zlatas Fantasiewelt: Kukushka (2011)
Die frischen Eurovisions-Remixe sind eingetroffen!
Eine knappe Woche noch bis zur offiziellen Deadline der EBU für das Einreichen der Eurovisionsbeiträge, und so langsam trudeln immer mehr offizielle Videoclips beim Youtube-Kanal von eurovision.tv ein. Ihre aufpolierten Eurovisionsfassungen präsentierten heute sowohl Albanien als auch die Ukraine. Große Überraschung: gerade die Skipetaren, die ja für das heftige Herumschrauben an ihren Songs bekannt sind, schafften es erstaunlicherweise, trotz massiven Kürzens von über vier auf regelkonforme drei Minuten die ‘Identitet’ ihres Beitrags zu bewahren.
Albanien, das Land des Plattenbaus: Adrian & Bledar
Kroatien und die Misere der Eurovision
Heute Vormittag stellte das kroatische Fernsehen die vollständige Fassung seines diesjährigen, passend betitelten Eurovisionsbeitrags ‘Mizerja’ vor. Dargeboten von sechs jungen Herren, welche die Gesangsgruppe Klapa s Mora (Klapa des Meeres) formen. Bei einer Klapa handelt es sich, wie schon an anderer Stelle erwähnt, um einen traditionellen dalmatischen Männergesangsverein, der ebenso traditionelle Volksweisen zum Besten gibt. Bei den sechs befrackten Herren im Bild handelt es sich gar um eine extra für den Grand Prix von HRT handverlesene “Super Klapa”, ein Konglomerat der besten Klappengänger Klapisten Männergesangsvereinssänger des ganzen Landstrichs. Ihr harmoniestarker Chorgesang und der extrem altmodische Song entführen einen dann auch gedanklich in ein Straßencafé am Marktplatz eines pittoresken kroatischen Touristenörtchens, wo man sich in entspannter Stimmung schon mal von etwas herrlich kitschiger balkanesischer Volksmusik unterhalten lässt, die man zu Hause nicht mal mit spitzen Fingern anfassen würde. Nun hat Kroatien beim Grand Prix mit Fünfzigerjahre-Musik schon gute Erfahrungen gemacht. Und im diesjährigen Wettbewerbsumfeld zählt das überraschend zu den besseren Beiträgen. Hinsichtlich der Positionierung des Eurovision Song Contest als Wettbewerk aktueller Popmusik entfaltet es aber natürlich die selbe Wirkung, als wenn wir Stefanie Hertl entsenden würden…
Eine echte Misere: der erblich bedingte Haarausfall
Wie immer die Frage: schafft es Kroatien damit ins Finale?
- Auf jeden Fall. Alleine schon, weil es auffällt. (65%, 87 Votes)
- Auf keinen Fall. Wer soll denn für so was anrufen? (28%, 37 Votes)
- Das werden die Jurys schon zu verhindern wissen. (7%, 10 Votes)
Total Voters: 134
Loading ...Kroatien: Neues aus der Anstalt
Zeichnet sich da eine neue Vorentscheidungstradition ab? Dem georgischen Beispiel folgend, präsentierte auch das kroatische Fernsehen heute erste Spurenelemente seines Eurovisionsbeitrages im programmlich passenden Umfeld: den Nachrichten! 1 Eine Klapa soll es – wie bereits berichtet – diesmal sein, ein üblicherweise traditionelle Volksweisen singender Männerchor aus Dalmatien. Den hat der Sender nun in monatelanger Arbeit zusammengecastet und ihm den hochgradig originellen Namen Super Klapa verpasst. ‘Mišerja’ heißt der Titel, und den unvermeidlichen schlechten Witz, welcher Art von Misere sich ein Haufen kroatischer Kerle auf einer Klappe ausgesetzt sehen könnte, fügen Sie jetzt am besten selbst ein. Sonst darf ich mir wieder Beschwerden anhören, ich seie sexistisch. Jedenfalls kann man im TV-Bericht schon mal kurz in den Refrain des Stücks hereinlauschen. Und beruhigt feststellen: jawohl, “Ljubavi” kommt drin vor – ist gekauft!
Mit dem Glatzkopf tät ich durchaus in der Klappe…
Kroatien schickt uns in die Klapa
Interessante Strategie: mit einem traditionellen Männerchor versucht Kroatien, das sich in den letzten drei Jahren nicht mehr fürs Finale qualifizieren konnte, den Eurovisionsbann zu brechen. Für die dortige Vorentscheidung DORA sind, wie esctoday unter Bezugnahme auf den Sender HRT berichtet, diesmal ausschließlich Klapa zugelassen. Dabei handelt es sich, wie uns die Wikipedia aufklärt, um “Volksmusik-Gruppen, die in der südkroatischen historischen Region Dalmatien zu besonderen Anlässen, meist unbegleitet, polyphone Gesänge darbieten”. Die bis zu 12 Mann starken Chöre singen mit Vorliebe von der Heimat, der Weinlese und der Liebe, wobei die Wurzeln des Acappella-Stils im liturgischen Kirchengesang liegen. Allenfalls eine Mandoline oder eine leise Gitarre dürfen die Herren musikalisch begleiten. Nun gingen Versuche mit Acappellamusik beim Grand Prix bislang immer fehl – andererseits könnte gerade eine sehr traditionelle Nummer, wie sie hier zu erwarten steht, sich aus dem Konkurrentenfeld herausheben. Warten wir’s ab: noch nimmt der Sender Bewerbungen entgegen.
Verjammern (ESC Semi 2 2012)

Das gerontische Jahr
Ganze fünf (von sechs) exjugoslawische Länder versammelten sich in diesem zweiten Semi, und sie brachten fünf mehr oder minder dramatische, klassische Balkanballaden mit. Drei von ihnen kamen weiter ins Finale, darunter echte Überraschungen. Nicht so sehr beim Eröffnungsact des Abends: Željko Joksimović, auf dessen Konto das selbst gesungene ‘Lane moje’ (RS 2004, 2. Platz), ‘Lejla’ (BA 2006, 3. Platz) und ‘Oro’ (RS 2008, 6. Platz) gehen, bewies mit ‘Nije Ljubav Stvar’ erneut, warum er mit Fug und Recht als unumschränkter Balkanballadenkönig gilt: ein wunderschön instrumentierter, sanft beginnender und nach und nach immer eindringlicher und dramatischer werdender Folkschlager mit einem ergreifend kitschigen Text, vorgetragen von ernsthaft dreinblickenden, würdevoll gemessen über die Bühne schreitenden Menschen in edlem Schwarz. Wie soll man das nicht mögen? Und wie soll das nicht die 12er aus dem erweiterten Balkan abräumen?
Und heut Abend hab ich Kopfweh: 2. Proben SI, HR
Nina Badrićs selbst auferlegtes Sex-Moratorium bis zu ihrem Semifinalauftritt scheint langsam ernste Folgen nach sich zu ziehen: im Umkleiderauminterview mit eurovision.tv verlangte die Ärmste nach Aspirin®. Tja, das kommt davon, wenn man’s durch die Rippen schwitzt! Sie und ihre slowenische Kollegin Eva Boto eröffneten heute Morgen mit einem weiteren Double Feature der Balkanballaden den Probereigen. Und während Eva weiterhin in ihrem unvorteilhaft auftragenden Fleurop-Kleid, begleitet von ihren fünf unschuldsweißen Brautjungfern, kraftvoll ihren eingängig-dramatischen Schmachtfetzen ‘Verjamem’ dahinschmettert, wirkt Ninas Auftritt im merkwürdigen schwarzen Vokuhila-Kleid deutlich düsterer.
Was hat das in diesem Jahr nur mit dem Crossdressing auf sich? (HR)