AU, HR, BE 2018: Und ich spür das Adre­na­lin

Gleich meh­re­re Natio­nen, deren jeweilige/r Eurovisionsvertreter/in bereits seit län­ge­rem fest­ste­hen, haben in den letz­ten Tagen end­lich die dazu­ge­hö­ri­gen Songs gedroppt. Oder das eigent­lich zu einem spä­te­ren Datum vor­ge­habt, was aller­dings in Zei­ten, da Lea­ken als Volks­sport betrie­ben wird, zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. So tröp­fel­te bei­spiels­wei­se der Bei­trag Aus­tra­li­ens bereits durch. Für Down Under tritt bekannt­lich das Cas­ting­stern­chen Jes­si­ca Mau­boy an, die 2014 in Kopen­ha­gen den Pau­se­nact gab, der nach offi­zi­el­ler Geschichts­schrei­bung sei­tens der EBU als erfolg­rei­che Teil­nah­me­be­wer­bung der Aus­tra­li­er akzep­tiert wur­de. Seit­her hän­ge ihr Herz am ESC, so Jes­si­ca bei der dies­jäh­ri­gen Direkt­no­mi­nie­rung durch den Sen­der SBS. Ihr Lied ‘We got Love’ ent­stand laut Euro­fire als Gemein­schafts­pro­duk­ti­on der Inter­pre­tin mit den Kom­po­nis­ten Antho­ny Egi­zii und David Musu­me­ci, die bereits die Bei­trä­ge von Dami Im (→ AU 2016) und Isiah Fire­b­race (→ AU 2017) ver­bra­chen. Merkt man lei­der: gegen den aus belang­lo­sen Text­kli­schees und tau­send Mal gehör­ten Pop-Frag­men­ten lieb­los zusam­men­ge­schus­ter­ten Mid­tem­po­song wirkt sogar Ella End­lichs ‘Atem­los’-Abklatsch ‘Adre­na­lin’ (→ Vor­ent­scheid DE 2016), an des­sen stump­fen Schla­ger­beat es stel­len­wei­se erin­nert, wie ein Feu­er­werk der Ori­gi­na­li­tät.

So, nach viel Hin und Her wur­de das offi­zi­el­le Video nun am Don­ners­tag doch ver­öf­fent­licht. Enjoy. (AU).

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MK + HR 2018: (You dri­ve me) Cra­zy

Gleich zwei Bal­kan­staa­ten gaben heu­te ihre jeweils intern bestimm­ten Vertreter/innen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 bekannt. Die frü­he­re jugo­sla­wi­sche Repu­blik Maze­do­ni­en, die der­zeit (hof­fent­lich!) auf eine bal­di­ge Lösung des jahr­zehn­te­lan­gen, ermü­den­den Namens­streits mit den in die­ser Ange­le­gen­heit bis zuletzt stu­ren Grie­chen zusteu­ert, ernann­te das pho­ne­tisch cle­ver benann­te Duo Eye Cue (lies: IQ bzw. “I q” = ich qua­li­fi­zie­re mich [für das Fina­le]), bestehend aus dem Kom­po­nis­ten Bojan Trai­kov­ski und der Lead­sän­ge­rin Mari­ja Iva­no­s­ka. Die bei­den machen seit mehr als zehn Jah­ren gemein­sam Musik. Und zwar, wie eine schnel­le You­tube-Werk­schau bestä­tigt, in der Haupt­sa­che zähen, hand­ge­klampf­ten, mid­tem­po­rä­ren, leicht melan­cho­li­schen Midd­le-of-the-Road-Seich (seufz). Wie sich das bei dem eben­falls von Bojan geschrie­be­nen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Lost and found’ ver­hält, bleibt jedoch abzu­war­ten, denn der Sen­der will den Titel der unge­dul­dig mit den Hufen schar­ren­den Welt­öf­fent­lich­keit erst spä­ter vor­stel­len. Die ver­wen­de­te Anprei­sung “con­tem­pora­ry” (“zeit­ge­mäß”) lässt jedoch nichts Gutes hof­fen, über­setzt sie sich in der Regel doch als “for­mat­ra­dio­taug­lich­es Gedu­del”.

Eines ihrer anspre­chen­de­ren Stü­cke: das von der Bal­kan-Queen Kalio­pi (MK 2011, 2016) geschrie­be­ne ‘Ne zabo­ra­vaj’ (Reper­toire­bei­spiel).

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Zwei der iri­schen Backings © Mar­tin Schmidtner

War­um macht ihr so etwas, lie­be Büh­nen­bild­ver­ant­wort­li­che? War­um ver­steckt ihr in die­sem Jahr prak­tisch alle die Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne? Schon im ers­ten Semi­fi­na­le 2017 am ver­gan­ge­nen Diens­tag irri­tier­te es maß­los, wenn man mit den Augen ledig­lich eine ein­zel­ne, völ­lig ver­lo­ren im Far­ben­wir­bel des Back­drops ver­schwin­den­de Per­son auf der Büh­ne sah, gleich­zei­tig jedoch mit den Ohren wah­re Cho­rä­le erschal­len hör­te und das völ­lig über­for­der­te, bedau­erns­wer­te Gehirn die­se bei­den sich gegen­sei­tig wider­spre­chen­den Sin­nes­wahr­neh­mun­gen irgend­wie zusam­men bekom­men soll­te, ohne dabei zu implo­die­ren. Bei der gest­ri­gen zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de dann, erneut aus­ge­tra­gen in der nur mäßig besetz­ten Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­hal­le zu Kiew, erneut bestückt mit der irgend­wo zwi­schen Raum­schiff Enter­pri­se und der Außen­re­kla­me für das berühmt-berüch­tig­te Ree­per­bahn-Eta­blis­se­ment Zur Rit­ze chan­gie­ren­den Büh­ne sowie den drei kom­plett unlus­ti­gen Mode­ra­to­ren Tick, Trick und Track, nerv­te es nur noch. Zumal man uns damit um eini­ge Augen­wei­den brach­te, so bei­spiels­wei­se um die zwei rot­haa­ri­gen Hin­gu­cker des milch­bü­bi­gen Iren Bren­dan Mur­ray, die deut­lich mehr her­ge­macht hät­ten als der arm­se­li­ge, wind­schie­fe und zu allem Übel auch noch am Boden blei­ben­de Fes­sel­bal­lon, den die RTÉ-Dele­ga­ti­on statt­des­sen als schlecht über­leg­tes Büh­nen­gim­mick mit­brach­te.

Zwei­ein­vier­tel Stun­de frag­wür­di­ge Musik und noch frag­wür­di­ge­re Gar­de­ro­ben: das zwei­te Semi­fi­na­le 2017 am Stück

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Euro­vi­si­on Death­match #14: Quee­res vom Bal­kan

Homo­se­xua­li­tät ist auf dem Bal­kan lei­der nach wie vor ein gro­ßes Tabu­the­ma. Nichts­des­to­trotz – oder gera­de des­we­gen – schi­cken aber gera­de die­se Län­der immer wie­der ger­ne cam­pe Meis­ter­wer­ke zum Euro­vi­si­on Song Con­test, bei denen sich jede Fra­ge nach der sexu­el­len Ori­en­tie­rung des Inter­pre­ten von selbst beant­wor­tet. Erin­nert sei nur an sol­che fabel­haf­ten Bei­trä­ge wie ‘In the Dis­co’ (→ BA 2004), ‘Mr. Nobo­dy’ (→ SI 2006) oder ‘Ovo je Bal­kan’ (→ RS 2010), aber auch den Sie­ger­ti­tel von 2007, ‘Molit­va’, der mit einer wun­der­bar sub­til sap­p­hi­schen Show auf­war­te­te. Des­sen Inter­pre­tin, Mari­ja Šerif­o­vić, die sich laut Wiki­pe­dia erst 2013 offi­zi­ell als les­bisch oute­te, leg­te sich noch im Jah­re 2008 einen Sand­prin­zen zu: in Form des dies­jäh­ri­gen mon­te­ne­gri­ni­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ters Slav­ko Kale­zić näm­lich, der sich damals in ser­bi­schen Gazet­ten als ihr angeb­li­cher Lover aus­gab. Sel­bi­ger erscheint im Video­clip zu sei­nem homo­sen­sa­tio­nel­len Grand-Prix-Bei­trag ‘Space’ als durch­trai­nier­tes metro­se­xu­el­les Fabel­we­sen und deli­riert mit vor Zwei­deu­tig­keit nur so bers­ten­den Text­zei­len von betrun­ke­ner Lie­be, feuch­ten Träu­men und explo­die­ren­den Rake­ten, beschreibt also eine nor­ma­le Nacht im Dar­kroom von Bel­grads ein­zi­ger Schwu­len­bar, dem Chez Milan. Immer­hin prak­ti­ziert Slav­ko vor­bild­li­cher­wei­se safen Sex, denn “I have my suit on, no need to worry”, wie er uns mehr­fach beru­hi­gend ver­si­chert. Und wir kön­nen uns alle den­ken, wel­che Art von “Anzug” er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz lei­ser, nach­denk­li­cher Unter­ton ein in sei­nen top-cam­pen Dis­co­schla­ger, der mit der Zei­le “In Space we can be as one” endet. Nur im Welt­raum, außer­halb die­ses Pla­ne­ten, kön­nen wir (lies: die LGBTI-Com­mu­ni­ty) also ver­eint sein – ein sub­ti­ler Sei­ten­hieb auf die lei­der gele­gent­lich mehr gegen- als mit­ein­an­der kämp­fen­de Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung, mehr aber noch gegen die Unmög­lich­keit, uns im Ange­sicht der igno­ran­ten bis feind­li­chen Mehr­heits­ge­sell­schaft über­all auf die­ser Welt frei ent­fal­ten zu kön­nen.

Ein kraft­vol­ler Zen­taur, der für die Frei­heit kämpft – und das auf sehr unter­halt­sa­me Wei­se: Slav­ko (ME)

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Kroa­ti­en 2017: die lied­ge­wor­de­ne Mozart­ku­gel

Oh. Mein. Gott! Viel Auf­re­gung gab es bereits im Vor­feld um den kroa­ti­schen Bei­trag zum Euro­vi­si­on Song 2017, ‘My Fri­end’ von Jac­ques Hou­dek, nach­dem uns der vom Sen­der HRT intern aus­ge­wähl­te Künst­ler mit ers­ten Song­schnip­seln und – vor weni­gen Tagen – der Instru­men­tal­ver­si­on des Stü­ckes ange­füt­tert hat­te. Hou­deks Kata­log offen­bart außer­dem eine gewis­se Affi­ni­tät zu Camp, doch nichts – wirk­lich nichts! – konn­te einen auf das Hör­erleb­nis vor­be­rei­ten, wel­ches mit der ges­tern erfolg­ten Ver­öf­fent­li­chung der Stu­dio­fas­sung von ‘My Fri­end’ über uns her­ein­brach. Die Num­mer beginnt bereits mit einem abso­lu­ten Knal­ler in Form eines gespro­che­nen (!) Albert-Ein­stein-Zita­tes: die vol­le Ladung Pathos, gleich zum Auf­takt, ohne jede Vor­war­nung mit­ten in die Fres­se rein! Man hat sich von die­sem Fron­tal­an­griff auf die Geschmacks­ner­ven noch nicht rich­tig erholt, da umschmei­cheln zucker­sü­ße Gei­gen und kit­schi­ge Rei­me die Gehör­gän­ge, gefolgt von der nächs­ten Über­ra­schung: Hou­dek wech­selt unver­mit­telt von einer schlei­mig-lieb­li­chen Pop- in eine drö­hen­de Bari­ton­stim­me, in wel­cher er auf Ita­lie­nisch tre­mo­liert. Und wie­der zurück. So als wohn­ten zwei See­len ach in sei­ner Brust, und bei­de woll­ten sich Gehör ver­schaf­fen. Der Refrain ent­führt uns ins Dis­ney-Musi­cal ‘Fro­zen’, und nach einer kur­zen, gei­gen­ge­schwän­ger­ten Brü­cke holt Jac­ques dann zum ganz gro­ßen Schlag aus und singt im Duett gegen sich selbst, in allen Stimm­la­gen gleich­zei­tig.

Jetzt wis­sen wir wenigs­tens, wo Dai­sy, Rudolph Moos­ham­mers Töle abge­blie­ben ist: Jac­ques Hou­dek besitzt sie jetzt!

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Kroa­ti­en 2017: die sin­gen­de Dis­co­ku­gel darf ran

Sechs Mal trat er seit 2002 ver­geb­lich beim kroa­ti­schen Vor­ent­scheid, der DORA, an, wo er zwi­schen­zeit­lich gefühlt zum Inven­tar gehör­te. Zuletzt unter­lag er 2011 der aus Aschaf­fen­burg stam­men­den Daria Kin­zer im Diven­zwei­kampf. Nun hat­te der Sen­der HRT end­lich ein Ein­se­hen und nomi­nier­te den mitt­ler­wei­le 35jährigen Jac­ques Hou­dek direkt als Ver­tre­ter für Kiew. Der ist mir aus den DORAs (DORA­en? DORA­ta? DORi? DORAn­ten?) der Nul­ler Jah­re vor allem als mensch­ge­wor­de­ne Dis­co­ku­gel in Erin­ne­rung, der trotz wirk­lich enor­mer Kör­per­fül­le – er sah stets aus, als habe er gera­de Chia­ra (→ MT 1998, 2005, 2009) ver­speist – zu herr­lich cam­pen Dis­co­schla­gern über die Büh­ne hüpf­te, als sei­en sei­ne Knie­ge­len­ke aus Titan. Und dabei eine ange­sichts des schweiß­trei­ben­den Tuns meist erstaun­lich gute stimm­li­che Leis­tung ablie­fer­te! Trotz (oder gera­de wegen) der ver­däch­ti­gen musi­ka­li­schen Prä­fe­ren­zen und sei­nes flam­boyan­ten Auf­tre­tens soll sich der (mit einer Frau!) ver­hei­ra­te­te zwei­fa­che Vater jedoch in der Ver­gan­gen­heit angeb­lich mehr­fach in homo­pho­ber Wei­se geäu­ßert haben, wie OnEuro­pe recher­chier­te. So tau­che er unter ande­rem im Jah­re 2005 in einem Bericht der Homo­rech­te-Orga­ni­sa­ti­on ILGA über kroa­ti­sche Pro­mi­nen­te auf, die in der Öffent­lich­keit dum­mes Zeug rede­ten. Aller­dings habe er sich, wie ande­re Quel­len berich­ten, 2011 in einem per­sön­li­chen State­ment von die­sen Vor­wür­fen distan­ziert: er habe im Kol­le­gen­kreis selbst schwu­le Freun­de, jeder kön­ne machen, was er wol­le, er möch­te nur sin­gen… das Übli­che. Viel wich­ti­ger scheint mir aber zu sein, dass er sich von sei­nem dama­li­gen Stamm­kom­po­nis­ten trenn­te, so dass wir für Kiew wohl lei­der nicht mit einer wei­te­ren schla­ger­haf­ten Euro­trash­num­mer rech­nen kön­nen. Wie außer­or­dent­lich scha­de! Jaques’ Euro­vi­si­ons­lied, wie immer es klin­gen mag, soll in Kür­ze ver­öf­fent­licht wer­den.

Erstaun­lich leicht­fü­ßig: der Hau­de­gen Jaques (HR)

Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt viel­leicht nicht auf unge­teil­te Zustim­mung bei all mei­nen Leser/innen sto­ßen und beschreibt auch das Gegen­teil mei­ner eige­nen Emp­fin­dun­gen von vor einem Jahr, aber nach der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2016 aus dem Stock­hol­mer Glo­ben (der immer noch aus­sieht wie ein Schnel­ler Brü­ter) am Diens­tag­abend muss ich sagen: von mir aus kön­nen die Schwe­den ger­ne jedes Jahr gewin­nen. Solan­ge sie Petra Mede wei­ter mode­rie­ren las­sen: locker, flo­ckig, eigeniro­nisch, herr­lich! Am schöns­ten der Gag, als auf die Wor­te “Wel­co­me, Euro­pe!” die ers­ten Tak­te von ‘The Final Count­down’ der gleich­na­mi­gen schwe­di­schen Acht­zi­ger­jah­re-Rock­band ertön­ten, live von besag­ter Kapel­le into­niert, die Petra und Måns aber schnell wie­der abwürg­ten und sich flugs für die “Pein­lich­keit” ent­schul­dig­ten! Auch, was das schwe­di­sche Fern­se­hen an Rah­men­pro­gramm auf die Bei­ne stell­te, konn­te sich sehen las­sen, von der Eröff­nungs­num­mer, als ein Chor aus den Kin­dern von Ste­pford das Mor­bid-Düs­te­re in Måns Zelmerlöws Vor­jah­res-Sie­ger­lied ‘Heroes’ erst so rich­tig her­aus­ar­bei­te­te, bis hin zu dem als Pau­se­nact ein­ge­setz­ten Bal­lett der ‘Grey Peop­le’ zum The­ma Flucht, das einem beim Zuschau­en stel­len­wei­se den Atem sto­cken ließ, weil es so arti­fi­zi­el­le und den­noch tief unter die Haut gehen­de Bil­der für die Tra­gö­die fand, die sich wei­ter­hin täg­lich vor unse­ren Toren abspielt. Dan­ke für die­sen Appell ans kol­lek­ti­ve Gewis­sen!

Die per­fek­te Spra­che gefun­den, um das wich­ti­ge The­ma an die­sem Abend nicht ver­ges­sen zu las­sen, ohne beleh­rend zu wir­ken. Respekt, SVT!  

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Von Wöl­fen und Lum­pen­sä­cken: die Pro­ben zum ers­ten Semi 2016

In Stock­holm gin­gen heu­te die ers­ten Pro­ben­durch­gän­ge für die bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den zu Ende. Seit Mon­tag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Natio­nen ihre Auf­trit­te erst­mals auf der ech­ten Euro­vi­si­ons­büh­ne. Noch nicht immer im spä­te­ren Büh­nenout­fit und oft­mals mit stimm­lich ange­zo­ge­ner Hand­brem­se – in der ers­ten Run­de geht es haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­r­a­po­si­tio­nen und Büh­nen­hin­ter­grün­de und ums letz­te Fei­len an den Cho­reo­gra­fi­en. Die von den inter­na­tio­na­len Blog­gern vor Ort natür­lich schon flei­ßig ver­brei­te­ten ers­ten Ein­drü­cke sind daher mit Vor­sicht zu genie­ßen, zumal es für zu Hau­se Geblie­be­ne wie mich nur kur­ze Drei­ßigs­ekün­der zu sehen und zu beur­tei­len gibt. Den­noch will, ja muss ich mich an eine ers­te Beur­tei­lung wagen. In die­sem Pos­ting nun zuerst alle Acts des ers­ten Semi­fi­na­les. Auf die Minu­te pünkt­lich los ging es am Mon­tag mit der ers­ten Pro­be von Sandhja Kui­va­lai­nen. Die Fin­nin trat in einem eng­an­lie­gen­den, offen gesagt wenig vor­teil­haf­ten, schul­ter­frei­en Ein­tei­ler auf, umrahmt von fünf schwarz­ge­klei­de­ten, weib­li­chen Backings, die sie alle um Haup­tes­län­ge über­rag­ten. Was optisch leich­te Remi­nis­zen­zen an Mari­ja Šerif­o­vić (RS 2007) und die Beau­ty Queens her­vor­rief. Musi­ka­lisch eher nicht: ‘Sing it away’ ist ein net­ter, flot­ter Pop­song, fällt live aller­dings deut­lich zur Stu­dio­ver­si­on ab. So wie wohl auch die Final­chan­cen der Fin­nen.

Das Proll-Out­fit tau­schen die Grie­chen sicher noch gegen etwas Pas­sen­de­res

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Nack­te graue Dis­co-Wöl­fe tan­zen im Gewit­ter

Fan­tas­ti­sche Nach­rich­ten kom­men aus San Mari­no: der tür­kisch­stäm­mi­ge Ser­hat Hacıpaşalıoğlu, der die Minia­tur-Repu­blik in Stock­holm ver­tritt, hör­te auf die Stim­me der Ver­nunft der Fans und tritt mit der fabel­haft cam­pen Dis­co-Ver­si­on sei­nes Titels ‘I didn’t know’ an. Die eher im Bar-Jazz behei­ma­te­te Orgi­nal­ver­si­on des san­ma­ri­ne­si­schen Bei­trags ern­te­te bis­lang (völ­lig zu Recht) über­wie­gend nega­ti­ve Kri­tik, wäh­rend der kur­ze Zeit spä­ter ver­öf­fent­lich­te, hem­mungs­los dis­co­fi­zier­te Remix klas­sisch ver­an­lag­te Grand-Prix-Elsen wie mich natür­lich in pure Ver­zü­ckung ver­setz­te. Die­se strahl­te über die sozia­len Medi­en auch auf den Künst­ler zurück, und so ersuch­te das Team um den Ex-Mode-Zar Thier­ry Mug­ler die EBU, den Song trotz abge­lau­fe­ner Dead­line noch gegen die belieb­te­re Fas­sung (die noch immer die lus­ti­ge Zei­le “I wan­na pee insi­de your Mind” ent­hält) aus­tau­schen zu dür­fen. Und da nie­mand der hoch infek­tiö­sen Kraft der rotie­ren­den Spie­gel­ku­gel zu wider­ste­hen ver­mag, sag­te die­se natür­lich “ja”. Juch­hu! Serhats Chan­cen auf einen Final­ein­zug dürf­ten sich hier­durch zwar nur mar­gi­nal ver­bes­sern, aber zumin­dest gibt er den Fans nun, was sie wol­len und begeh­ren. Und dafür kann man dem Mann nicht genug dan­ken!

Camp as a Row of Tents: Ser­hat führt uns in die gute alte Dis­co-Ära zurück ℠

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