Kroatien

Kroa­ti­en und die Mise­re der Eurovision

Heute Vormittag stellte das kroatische Fernsehen die vollständige Fassung seines diesjährigen, passend betitelten Eurovisionsbeitrags 'Mizerja' vor. Dargeboten von sechs jungen Herren, welche die Gesangsgruppe Klapa s Mora (Klapa des Meeres) formen. Bei einer Klapa handelt es sich, wie schon an anderer Stelle erwähnt, um einen traditionellen dalmatischen Männergesangsverein, der ebenso traditionelle Volksweisen zum Besten gibt. Bei den sechs befrackten Herren im Bild handelt es sich gar um eine extra für den Grand Prix von HRT handverlesene "Super Klapa", ein Konglomerat der besten Klappengänger Klapisten Männergesangsvereinssänger des ganzen Landstrichs. Ihr harmoniestarker Chorgesang und der extrem altmodische Song entführen einen dann auch…
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Kroa­ti­en: Neu­es aus der Anstalt

Zeichnet sich da eine neue Vorentscheidungstradition ab? Dem georgischen Beispiel folgend, präsentierte auch das kroatische Fernsehen heute erste Spurenelemente seines Eurovisionsbeitrages im programmlich passenden Umfeld: den Nachrichten! [ref]Vorläufer war hier übrigens Zypern, das bereits 2011 den kompletten Videoclip zu 'San Angelos s'agapisa' am Ende der einstündigen Abendnachrichten uraufführte.[/ref] Eine Klapa soll es - wie bereits berichtet - diesmal sein, ein üblicherweise traditionelle Volksweisen singender Männerchor aus Dalmatien. Den hat der Sender nun in monatelanger Arbeit zusammengecastet und ihm den hochgradig originellen Namen Super Klapa verpasst. 'Mišerja' heißt der Titel, und den unvermeidlichen schlechten Witz, welcher Art von Misere sich ein…
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Kroa­ti­en schickt uns in die Klapa

Interessante Strategie: mit einem traditionellen Männerchor versucht Kroatien, das sich in den letzten drei Jahren nicht mehr fürs Finale qualifizieren konnte, den Eurovisionsbann zu brechen. Für die dortige Vorentscheidung DORA sind, wie esctoday unter Bezugnahme auf den Sender HRT berichtet, diesmal ausschließlich Klapa zugelassen. Dabei handelt es sich, wie uns die Wikipedia aufklärt, um "Volksmusik-Gruppen, die in der südkroatischen historischen Region Dalmatien zu besonderen Anlässen, meist unbegleitet, polyphone Gesänge darbieten". Die bis zu 12 Mann starken Chöre singen mit Vorliebe von der Heimat, der Weinlese und der Liebe, wobei die Wurzeln des Acappella-Stils im liturgischen Kirchengesang liegen. Allenfalls eine Mandoline…
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Zwei­tes ESC-Semi 2012: Verjammern

Zwei­tes ESC-Semi 2012: Verjammern

Ganze fünf (von sechs) exjugoslawische Länder versammelten sich in diesem zweiten Semi, und sie brachten fünf mehr oder minder dramatische, klassische Balkanballaden mit. Drei von ihnen kamen weiter ins Finale, darunter echte Überraschungen. Nicht so sehr beim Eröffnungsact des Abends: Željko Joksimović, auf dessen Konto das selbst gesungene 'Lane moje' (RS 2004, 2. Platz), 'Lejla' (BA 2006, 3. Platz) und 'Oro' (RS 2008, 6. Platz) gehen, bewies mit 'Nije Ljubav Stvar' erneut, warum er mit Fug und Recht als unumschränkter Balkanballadenkönig gilt: ein wunderschön instrumentierter, sanft beginnender und nach und nach immer eindringlicher und dramatischer werdender Folkschlager mit einem ergreifend kitschigen Text,…
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Und heut Abend hab ich Kopf­weh: 2. Pro­ben SIHR

Nina Badrićs selbst auferlegtes Sex-Moratorium bis zu ihrem Semifinalauftritt scheint langsam ernste Folgen nach sich zu ziehen: im Umkleiderauminterview mit eurovision.tv verlangte die Ärmste nach Aspirin®. Tja, das kommt davon, wenn man's durch die Rippen schwitzt! Sie und ihre slowenische Kollegin Eva Boto eröffneten heute Morgen mit einem weiteren Double Feature der Balkanballaden den Probereigen. Und während Eva weiterhin in ihrem unvorteilhaft auftragenden Fleurop-Kleid, begleitet von ihren fünf unschuldsweißen Brautjungfern, kraftvoll ihren eingängig-dramatischen Schmachtfetzen 'Verjamem' dahinschmettert, wirkt Ninas Auftritt im merkwürdigen schwarzen Vokuhila-Kleid deutlich düsterer. Was hat das in diesem Jahr nur mit dem Crossdressing auf sich? (HR) (mehr …)
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Je vais me mari­er, Marie: 1. Pro­be Slo­we­ni­en, Kroatien

Und damit zu den Proben des heutigen Tages. Los ging es mit Eva Boto aus Slowenien und ihren fünf Begleitsängerinnen, alle in unterschiedlichen (und unterschiedlich ansehnlichen) Brautkleidern, allerdings ohne den von der Vorentscheidung so berühmten Tüllknüll im Haar. Evas Brautkleid als einziges nicht in weiß, sondern creme, und mit üppigen floralen Applikationen versehen, die nicht nur arg auftragen und der zierlichen Siebzehnjährigen hüftabwärts die Figur von Joy Fleming verleihen, sondern auch noch aussehen, als habe Fleurop einmal quer drübergekotzt. Dafür wirkt die Choreografie zu ihrer klassischen Balkanballade stimmig und zurückgenommen, und auch die Sängerin schont sich erkennbar noch für das…
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Him­mel… und Wol­ken­bruch (CH, HR 2012)

Und wiederum sind brandneue Videos zu vermelden. Den Auftakt macht Nina Badric aus Kroatien, die uns nicht nur einen noch deutlich zielgruppengerechteren Clip präsentiert als ihr französische Mitbewerberin Anggun, sondern - wohl angesichts der Konkurrenz an Balkanballaden -  das Arrangement ihres Beitrags 'Nebo' deutlich aufdramatisierte. Was natürlich auf das Schärfste zu begrüßen ist, auch wenn es mir zugegebenermaßen aufgrund des durch das Video ausgelösten Blutstaus schwer fällt, die Musik noch wahrzunehmen. Und da ich kaum glaube, dass sie die leicht bekleideten Herren in Baku mit auf die Bühne nimmt, könnte es für Nina dennoch eng werden. httpv://www.youtube.com/watch?v=OL8oiaoBlmQ Himmlisch: Kroatien (mehr …)
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Die Gna­de der spä­ten Geburt (LV, HR, SI 2012)

Die Vorentscheidungssaison liegt gerade in den letzten Zügen, da geht das große Remixen schon wieder los. Lettland präsentierte heute das offizielle Musikvideo zu Anmarys 'Beautiful Song'. Mit einer leider deutlich camperen Instrumentierung und einem leider etwas glattgebügelten Text: so nennt die großäugige Blondine den irischen Grand-Prix-Großmeister Johnny Logan nicht mehr "alt", sondern umschreibt diesen Umstand nunmehr feinfühlig als "auch 30 Jahre später noch unvergessen". Und auch das Rolling-Stone-Knautschgesicht heißt jetzt nicht mehr "Jaggermick", sondern "Sir Mick Jagger", muss sich aber nach wie vor mit einem offensichtlich nicht ernst gemeinten Rückrufversprechen abspeisen lassen. Kultnummer! httpv://youtu.be/BeXo4HzpmuU Ob Anmary wohl einen kostenlosen Upgrade in die…
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Fal­ten im Wind (HR 2012)

Umrahmt von einer festlichen Gala, in der sämtliche Eurovisionsgrößen des Balkans in wechselnden Paarungen die größten Klassiker in teils frappierenden Bearbeitungen zum Besten gaben, präsentierte das kroatische Fernsehen heute Abend, leider im Vollplayback, erstmalig den Wettbewerbsbeitrag 'Nebo' ('Himmel') von Nina Badrić. Keine all zu gute Idee: die bereits auf ihrem im Herbst 2011 erschienenen Album enthaltene, semirockige Midtempoballade kackt dagegen nämlich ziemlich ab. Zwar ist dem Song ein gewisse Dramatik durchaus zueigen. Und auch der Auftritt Ninas mit einer im Sturm der Windmaschine flatternden Schleppe (in weiß, wohl um unschöne Erinnerungen an die No Angels zu vermeiden) könnte nicht grandprixesker sein.…
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Nina Bad­ric: kein Sex vor dem Contest

Diese Meldung des englischen Boulevardblatts Metro kann ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten: die kroatische Vertreterin für Baku, Nina Badric, will sich in Vorbereitung auf den Contest einen viermonatigen Sexbann auferlegen. "Diesmal habe ich mich entschieden, mich bestmöglich vorzubereiten, so wie ein Olympionike oder ein Boxer vor dem Weltmeisterkampf," sagte die 39jährige. Daher wolle die verheiratete Sängerin bis zum Sieg beim Eurovision Song Contest die Ehe nicht mehr vollziehen, um sich ganz auf ihre Gesangsvorbereitungen konzentrieren zu können. Wie albern! Damit steht sie im direkten Gegensatz zu ihrer Kollegin von 2006, Severina Vukovic, die für ihr legendäres 'Moja Štikla' mit…
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Hals- und Bein­bruch! (HR 2011)

Die in Aschaffenburg geborene und jederzeit für Hochzeiten und Betriebsfeste buchbare, ausgebildete Muscial-Sängerin Daria Kinzer gewann Anfang März in der kroatischen Dora den Wettstreit gegen den "Fat Bouncing Man" Jacques Houdek und wird das Land mit dem Disco-Stampfer 'Lahor' vertreten, allerdings in der englischen Fassung mit dem lustigen Titel 'Break a Leg'. Unter den drei zur Wahl stehenden Titeln der goldene Griff (wenn auch nur durch Jury-Schiebung ins Finale gekommen) - unter den zwei zur Verfügung stehenden Interpreten der Griff ins Klo. Egal: Hauptsache nicht noch eine Ballade! httpv://www.youtube.com/watch?v=rCCdqKkBODU Wird schon schief gehen! (mehr …)
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Zwei­tes ESC-Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Zwei­tes ESC-Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber: das habt Ihr nun davon, liebe Juryfreunde! Kaum knackte das diabolische Bevormundungsgremium auch die Qualifikationsrunden, waren wir wieder genau dort angekommen, von wo der Wettbewerb einst in eine knapp zehnjährige Hochphase zeitgenössischer Popmusik aufbrach: es ist wieder 1996! Und wir sind zurück beim Eurovision Schnarch Contest, wo es keine Rolle spielt, wie beschissen man singt und wie stark man die Töne versemmelt, Hauptsache man präsentiert eine lahme, tödlich einschläfernde Ballade! Doch nicht nur musikalisch wurden wir heuer Zeuge des Eurovision Horror Contest: nach dem fachgerechten Würgen zarter Frauenhälse im ersten Semi lautete das Leitthema dieser…
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Kroa­ti­en 2010: Das Wan­dern ist der Frau­en Lust

Die kommen ganz schön rum: nach dem sie 2005 Bosnien mit dem entsetzlich öden 'Call me' vertraten, segeln die singenden Damenbinden Feminnem diesmal unter kroatischer Flagge. Und das sogar mit einem guten Song! 2015 dann für - Mazedonien? Vorangegangen war ein dreistündiges DORA-Finale mit 16 Wettbewerbstiteln, davon aber lediglich vieren, bei denen man nicht sofort Suizid verüben mochte. Da die anschließende Jurywertung (wohl aufgrund stockender Schmiergeldverhandlungen) sich in die Länge zog, musste der kroatische Ex-Vertreter Tony Cetinski (1994) als Pausenact gefühlte sechs Stunden überbrücken: eine harte Prüfung für alle Beteiligten! Drei Gabis warten im Park (mehr …)
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde - im Gegenteil: auch die Juroren setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO) Meine Vermutung, zubrotfreudige Juroren könnten gar die Verantwortung für das…
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Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Schizophren: die unglaublich lustige Comedy-Techno-Nummer 'Tingaliin', mit denen die Schweden beim diesjährigen Melodifestivalen zur Einstimmung auf Moskau spaßeshalber sämtliche Russlandklischees auf den Arm nahmen, zog eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern und den offiziellen Protest des dortigen Botschafters nach sich. Als Eröffnungsact des zweiten Semis präsentierten die Russen dann selbst exakt die gleichen tanzenden Bären, Matroschkas und Kalinka-Chöre, über die sie sich zuvor beklagt hatten. Nur, dass der Moskauer Act anscheinend bierernst gemeint war. Womit sich erneut zeigte: wer nicht über sich selbst lachen kann, dem ist auch sonst nicht zu trauen. http://youtu.be/XYJwnCsMBfo Verstehen Sie Spaß? Schwedens lustiger MF-Act Komoderatorin…
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Dora 2009: Bin­den beflügeln

Dora 2009: Bin­den beflügeln

Während in den meisten Ländern die Teilrückkehr der Jurys für einen Rückfall in die schlimmsten Niederungen der Neunzigerjahre mit sterbenslangweiligen Schnarchballaden sorgte, entschied sich die ehemalige Eurovisionssupermacht Kroatien gleich für die schlimmsten Niederungen der Sechzigerjahre: es schickt ein unglaublich bieder aussehendes Bübchen namens Igor Cukrov (selbstredend ein Castingshowteilnehmer, wie geschätzt 130% aller derzeit im Musikbusiness Tätigen) mit einer schnulzig-abgestandenen Liebeserklärung aus dem Hause Huljić an ein Produkt des täglichen Bedarfs. Jedenfalls für die Generation, welche die Sechzigerjahre noch live miterleben durfte: 'Ljepa Tena'. Er knödelt und kreischt, dass man inkontinent davon werden könnte! Cukrovs Sieg führt einmal mehr die Absurdität des…
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

ESC Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

Zwölf Anläufe hatte der flächengrößte und einwohnerstärkste Teilnehmerstaat des Eurovision Song Contest für seinen ersten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Seinen Führungsanspruch und seine kulturelle Zugehörigkeit zu Europa wollte Russland damit unterstreichen - und vertiefte doch nur die Gräben, denn kaum ein Siegertitel rief im Westen so eine starke Ablehnung hervor wie Dima Bilans musikalisch malades und überanstrengt dargebotenes 'Believe', welches der Sargnagel für das hundertprozentige Zuschauervoting sein sollte. Für den russischen Plattenmillionär, dem bei seinem Erstversuch 2006 mit dem deutlich besseren 'Never let you go' nur die finnischen Monsterrocker Lordi in die Quere kamen, reichte es lediglich für einen schwachen Rang 54 in…
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Dora 2008: Bei Onkel Pö spielt ’ne Rentnerband

Dora 2008: Bei Onkel Pö spielt ’ne Rentnerband

Gegen diese Nummer sehen die Novelty-Acts aus Irland und Lettland ziemlich alt aus: Kroatien schickt einen 75jährigen Rapper, der sein Liebesleben per Internet wieder in Schwung bringt. Im dritten Anlauf (in den beiden Vorjahren scheiterten die seinerzeit bereits teilnehmenden Publikumslieblinge, die im Televoting stets führten, immer wieder an der korrupten, voreingenommenen, undemokratischen Jury) gewann die Volksfest-Kapelle Kraljevi Ulice - dank der Unterstützung des rüstigen Alten - nun heute die DORA. Allerdings werden Kraljevi Ulice trotz dieses Siegs in Belgrad wohl eher Staffage bleiben - so wie einst die moldawischen Grungerocker Zdob si Zdub, denen die als Gimmick gedachte trommelnde Großmutter ebenfalls…
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Sechs­ter Super­sams­tag: Eine Bloo­dy Mary, bitte!

Sechs­ter Super­sams­tag: Eine Bloo­dy Mary, bitte!

So langsam geht's auf die Zielgeraden: das früher einmal glanzvolle Eurovisionsland Kroatien hat sich für schlimmen Softrock entscheiden, Litauen folgt dem spanischen Pfad des Easy Listening. Die Zeitansage ist spannender als das... (HR) Okay, fangen wir der Fairness halber mal mit dem Positiven an. Dado Topic, geschätzte 105, sieht nicht nur aus wie der kroatische Keith Richards, er hat auch eine wirklich beeindruckende Reibeisenstimme. So, als gurgle er jeden Tag mehrfach mit 40 rostigen Nägeln und mehreren Flaschen Jack Daniels. Was auch das Aussehen erklären würde. Die Sängerin der Band Dragonfly sieht aus wie ein aus den Achtzigern übriggebliebenes Rockchick…
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<span class="caps">ESC</span> Fina­le 2006: Hard Rock? Hallelujah!

ESC Fina­le 2006: Hard Rock? Hallelujah!

Dass ich das noch erleben durfte: die Finnen gewinnen! Athen warf ein bis dato unumstößliches Grand-Prix-Gesetz über den Haufen. Was kommt als nächstes? Ein Sieg Portugals? Andorra im Finale? Eine osteuropäische Sängerin, deren Rock die Scham bedeckt? Man darf gespannt sein! Die meistens Fans in der Athener Olympiahalle reagierten geschockt, als der Sieg der Monsterrocker sich abzeichnete. Nur wenige zeigten sich (wie ich) begeistert, unterstützten jede Zwölf-Punkte-Wertung für Lordi mit einem spontanen "Lapponia"-Gesang oder rockten bei der Siegerreprise auf dem Stuhl stehend mit. https://youtu.be/SGnnH2gbsdE Dabei ist 'Hard Rock Hallelujah' unter der harmlos-albernen Monstermaskierung ein echter Gute-Laune-Schlager, zu dem man herrlich…
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Lor­di vs. Nico­le: Ein biß­chen Spaß muß sein

Ach, was täten wir nur ohne unsere Nicole? Vor allem, was würde Mark Pittelkau von der Bild ohne Deutschlands erste Grand-Prix-Siegerin anfangen? Welche hanebüchene Story der Eurovisionsschmierfink des Boulevardblattes sich auch aus den Fingern saugt, die alternde Schlagerdiva ist zuverlässig mit einem Statement zur Stelle. Ob sie nun, statt beim Vorentscheid eine gekürzte Version von 'Ein bisschen Frieden' zu singen, lieber "Pizza essen" geht oder über Kroatiens Paris Hilton Severina Vučković und ihren von Bild ausgegrabenen zwei Jahre alten Heimporno herzieht: ohne Nicoles absurde Kommentare wären die hausgemachten Skandälchen nur halb so amüsant. Da ging sie auch lieber Pizza essen: Nicole…
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<span class="caps">ESC</span> 2003: Die Kotzn in da Wiesn

ESC 2003: Die Kotzn in da Wiesn

Seit seiner Erstteilnahme 1994 war Russland vom Ehrgeiz beseelt: mit Alla Pugatschowa (1997) hatte man bereits seinen größten Star geschickt, mit Alsou (2000) bereits einen zweiten Platz erreicht. Der Sieg zweier abtrünniger ehemaliger Sowjetrepubliken in Folge bestärkte die ehemalige, gerade wieder erstarkende Weltmacht nun um so mehr, ihren Führungsanspruch als größtes und einwohnerstärkstes Land der EBU auch auf popkulturellem Gebiet zu demonstrieren. Ein Sieg sollte her, auch wenn man dazu schweres Geschütz auffahren müsste. Und das hatten die Russen diesmal, in Form der als Lesben-Lolitas vermarkteten Skandalgören Jelena Katina und Julia Wolkowa, besser bekannt als t.A.T.u., die mit 'All the…
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<span class="caps">ESC</span> 2002: Yoorub’s lea­ving a Celebration

ESC 2002: Yoorub’s lea­ving a Celebration

Zwei Jahre vor der offiziellen Osterweiterung der EU fand der Eurovision Song Contest erstmals in einem ehemals hinter dem Eisernen Vorhang liegenden Land statt. Das kleine, aufstrebende Estland begriff die Ausrichtung der Show wohl auch als Visitenkarten für den EU-Beitritt und gab sich erkennbar viel Mühe: die aufwändig produzierten Postkarten zwischen den Songs waren unterhaltsam und oft subversiv beziehungsreich. Dass die Gastgeberin Annely Peebo ihre Moderationen mehr sang als sprach, entzückte genauso wie ihre windschnittige Seitenspoilerfrisur. Den einzigen kleinen Kontrapunkt setzte der gefühlt dreisekündige Auftritt der Vorjahresgewinner Tanel Padar und Dave Benton, zwischen denen Frost zu herrschen schien. https://youtu.be/9YPiUNrmPnQ Mit der…
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<span class="caps">ESC</span> 1999: Don’t work on a Monday

ESC 1999: Don’t work on a Monday

In diesem Jahr gelang es dem NDR-Verantwortlichen Jürgen Meier-Beer nach mehreren Anläufen, mit dem Wegfall der überkommenen Sprachenregel und des Orchesters die beiden letzten Bausteine seiner Grand-Prix-Reform durchzusetzen und den Contest so - kurz vor der Jahrtausendwende - endlich in die popmusikalische Gegenwart zu überführen. Die Teilnehmer nutzten die neue linguistische Freiheit weidlich: jeder zweite Beitrag kam auf Englisch daher, der Weltsprache des Pop. Das war und ist in einigen Fällen schade (Balkanballaden klingen in einem der zahlreichen slawischen Dialekte einfach eindringlicher), manchmal besser (die Mitsingbarkeit leidet im Hebräischen oder Isländischen nun mal), sorgte aber vor allem dafür, dass nicht mehr,…
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<span class="caps">ESC</span> 1998: Schön­heit, Größe

ESC 1998: Schön­heit, Größe

Ein Jahrgang für die Geschichtsbücher. Eine Zäsur. Der wichtigste Sieg in der Eurovisionsgeschichte. Der Superlative lassen sich viele bemühen, doch keines vermag die historische Dimension des von der britischen Kommentatorenlegende Terry Wogan moderierten Contests richtig zu fassen. Endlich war das Televoting für alle[ref]Mit Ausnahme zweier Länder, die noch über kein ausreichend stabiles Mobilfunknetz verfügten[/ref] Pflicht. Endlich konnten sich bei der Abstimmung die bei den Zuschauern mehrheitsfähigen Stücke durchsetzen und nicht diejenigen, die einem konservativ-verstaubten Musikverständnis obskurer "Experten"-Teams entsprachen. Endlich Schluss mit der Bevormundung, den krassen Fehlurteilen und dem Geschacher hinter den Kulissen. Endlich Demokratie! https://youtu.be/L1shaSDClF8 In einer Doppelrolle: Terry Wogan…
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