Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Ach, Est­land, was ist nur aus dir gewor­den? Einst­mals das Zuhau­se der cools­ten Vor­ent­schei­dung der Welt, hat sich die ehe­dem hoch­ge­lob­te Eesti Laul – nicht zuletzt auf­grund jah­re­lan­ger, fort­ge­setz­ter schwe­rer Fehl­ent­schei­dun­gen der dor­ti­gen Jury – zu einer bedeu­tungs­lo­sen Ansamm­lung glat­ter, völ­lig nichts­sa­gen­der Lied­chen ent­wi­ckelt. Noch nicht ein­mal mehr in den Semis fin­det sich irgend­et­was Inter­es­san­tes, wofür sich das Ein­schal­ten loh­nen wür­de. Zum euro­päi­schen Haupt­wett­be­werb ver­mag der bal­ti­sche Staat so natür­lich eben­falls nichts Wesent­li­ches bei­zu­tra­gen. Statt­des­sen setzt man auf das Ewig­glei­che: als direk­ten Nach­fol­ger des schlei­mi­gen schwe­di­schen Schön­lings Vic­tor Cro­ne, aktu­ell noch beim Melo­di­fes­ti­va­len im Ren­nen, und sei­nes staub­grau­en Songs ‘Storm’ schickt der Ost­see­an­rai­ner­staat nun den Zweit­plat­zier­ten der Eesti Laul 2019, den selbst­ver­lieb­ten, staub­grau­en Schön­ling Uku Suvis­te. Näm­lich mit der zähen, glanz­lo­sen Mid­tem­po­bal­la­de ‘What Love is’, einem wei­te­ren Trop­fen im Meer der Lan­ge­wei­le, zu wel­chem der Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 zuneh­mend ret­tungs­lo­ser zu ver­kom­men droht. Der Unsym­path Uku, dies zur Erin­ne­rung, rief letz­tes Jahr im Super­fi­na­le der Eesti Laul sei­ne Lands­leu­te noch ver­geb­lich auf, für ihn zu stim­men, da er anders als sei­ne schwe­disch- bzw. arme­nisch­stäm­mi­gen Kon­kur­ren­ten der ein­zi­ge ech­te Este sei.

Grau zieht der Nebel: Uku Suvis­te.

Wei­ter­le­senEesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be strai­ght

Bevor heu­te in weni­gen Minu­ten der nächs­te Super­sams­tag beginnt, gilt es noch etli­che Per­len vom letz­ten Wochen­en­de nach­zu­lie­fern, an wel­chem ich im Zuge des längs­ten Vor­ent­schei­dungs­ta­ges der bis­he­ri­gen Euro­vi­si­ons­his­to­rie aus arbeits­ka­pa­zi­tä­ren Grün­den lei­der gezwun­gen war, etli­che Vor­run­den und Semis zu ver­nach­läs­si­gen. Den herbs­ten Ver­lust gab es dabei in der Ukrai­ne zu bekla­gen. Dort hat­ten wir das sel­te­ne Ver­gnü­gen, einem knapp vier­mi­nü­ti­gen scha­ma­nis­ti­schen Ritu­al bei­woh­nen zu dür­fen, zu dem uns Kat­ya Chil­ly und ihr Geist­hei­ler­zir­kel ein­lu­den. Der bestand aus einem pit­to­resk geklei­de­ten Drui­den, der völ­lig in sich ver­sun­ken hei­li­ge Ver­se mur­mel­te; drei Damen, die den, wenn man so will, ent­fernt an die wei­ßen Schr­ei­ge­sän­ge der letzt­jäh­ri­gen pol­ni­schen Ver­tre­te­rin­nen Tulia erin­nern­den Refrain tru­gen; sowie der in einer Tracht ange­ta­nen Front­frau, die selbst ledig­lich hin und wie­der ein paar tie­fe Töne bei­steu­er­te, zu den Gesän­gen ihrer Backings aber stets lip­pen­syn­chron den Mund öff­ne­te, so dass es wirk­te, als sei sie beses­sen und träl­ler­te in Zun­gen. Ein Ambi­ent-Tran­ce-Musik­bett mit syn­the­ti­schem Vogel­ge­zwit­scher und ein psy­che­de­li­scher Back­drop ver­stärk­ten den audio­vi­su­el­len Gesamt­ein­druck eines exqui­si­ten Magic-Mushroom-Trips, der einen die über­ra­schen­de War­te­zeit zu Beginn des Auf­tritts, als für eine knap­pe hal­be Minu­te ledig­lich wei­ßes Rau­schen zu hören war und sonst nichts pas­sier­te, ver­ges­sen ließ.

In der Tat aus­ge­spro­chen chil­lig: Kat­ya nimmt uns mit zu einer hei­len­den scha­ma­nis­ti­schen Geis­ter­be­schwö­rung.

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