Schlagwort: Lettland

2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Super­no­va 2020: Mei­ne Schwes­ter, die Poly­es­ter

Zähigkeit zahlt sich aus. Seit 2012 versucht es die lettische Sängerin Samanta Poļakova, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Samanta Tīna, praktisch durchgängig beim Vorentscheid in ihrer Heimat (und gelegentlich auch im Nachbarland Litauen). Nun hat sie es geschafft: die diesmal alleine abstimmungsberechtigten Zuschauer:innen der Supernova wählten sie gestern Abend zu ihrer Repräsentantin für Rotterdam. Vielleicht nahmen sie den subtilen Hinweis ihres Titels 'Still breathing' zum Anlass, der 30jährigen ihren Herzenswunsch endlich zu erfüllen. An ihrem selbstgeschriebenen und mit einem Text aus der Feder von Aminata Savadogo veredelten Song kann es kaum gelegen haben, denn der erwies sich vor allem als aggressive Attacke auf die Sinne: lautes Geschrei, aufdringlicher Dubstep und ...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen Staffage. Vertraut die EBU der Strahlkraft ihrer eigenen Vorzeigesendung ...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 26 – That Night

Wenn die Teilnehmernationen des Eurovision Song Contest eine große, bunte Grand-Prix-Familie bilden, dann ist Lettland so etwas wie der durch die hormonellen Schübe geistig verwirrte Pubertierende, dem man ungefähr zehnmal am Tag ein seufzendes "Was hast du dir denn dabei bloß wieder gedacht?" zurufen möchte. Platz 26: Lettland - Carousel: That Night (Diese Nacht) So auch bei der diesjährigen Supernova, bei welcher der legendäre Riga Biber erstmals nicht als mit Fell kostümierter Pausenfüller zugegen war, sondern als mit einem Schottenrock kostümierter musikalischer Teilnehmer. Doch man entschied sich statt seiner für das Duo Carousel, ein ausgesprochen ausgezehrt aussehendes Pärchen, und sein harmlos plinkerndes, watteweiches und sensationell sedierendes Country-Folk-Liedchen 'That Ni...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein weiteres nationales Vorentscheidungsfinale ging gestern Abend noch über die Bühne, das ich vor lauter Supersamstagsstress beinahe übersehen hätte. Die lettische Supernova macht das einem aber auch leicht: die mit sofortiger Seekrankheit induzierenden, stümperhaften Kameraschwenks gefilmten Shows (einschließlich der beiden vorgeschalteten Semis) laufen schließlich stets parallel zu anderen, wesentlich interessanteren Formaten. Einschließlich der beinahe unendlichen Eurovizijos im baltischen Nachbarland Litauen, das zwar stets zu ähnlich aussichtslosen Ergebnissen gelangt, auf dem langen Weg dorthin aber zumindest den deutlich gruseligeren musikalischen Irrsinn auftischt. Das lettische Fernsehen LTV scheint hingegen aus einem sehr begrenzten Pool von sehr mäßig begabten Talenten zu fisch...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Kat­zen?

Wie in einer der inflationär ausgestrahlten nachmittäglichen Zoo-Sendungen in den dritten Programmen der ARD ging es stellenweise zu beim gestrigen zweiten, ausschließlich aus Semis bestehenden Supersamstag der Eurovisionssaison 2019. So beispielsweise in Lettland, wo das zweite Pusfināls der Supernova stattfand, die bekanntlich keine solche ist ohne den legendären Riga-Biber alias Mārtiņš Kozlovskis, ein Schauspieler und Comedian, der in den vergangenen Jahren, im Kostüm des die Kanäle der lettischen Hauptstadt heimsuchenden Nagers steckend, für skurrile Unterhaltung in den Werbepausen sorgte. Diesmal allerdings nahm er am Wettbewerb teil, unter seinem Musiker-Namen Kozmens und in Begleitung der Band Dziļi Violets (Deep Purple). Ihr Beitrag 'Tautasdziesma' versuchte, alle Antworten zu ber...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Euro­pa wird fal­len

Neben dem Finale der französischen Vorentscheidung Destination Eurovision wählten gestern Abend auch die Malteser/innen ihre Repräsentantin für Tel Aviv aus. Das notorisch grand-prix-begeisterte Eiland bediente sich in diesem Jahr erstmalig des britischen Castingshow-Formates X-Factor, das sich für den Sender TVM als Einschaltquotenerfolg herausstellte, aber auch für Kontroversen sorgte: vergangenen Oktober kritisierte die maltesische Gleichstellungsbeauftragte Helena Dalli die Show und den Sendert öffentlich, weil ein Vorrundenteilnehmer dort unwidersprochen Werbung für die ethisch verwerfliche, wissenschaftlich widerlegte und seit 2016 auf der Insel illegale Konversionstherapie machen durfte, die ihn von seiner "sündhaften" Homosexualität "geheilt" habe. "Junge Menschen, die schwul sind,...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

LV 2018: Ein Wee­kend mit Dir und Risot­to, Risot­to, Risot­to, Risot­to

"Das könnte direkt vom Soundtrack zu 'Fifty Shades of Grey' stammen", so liest sich einer der häufigsten Kommentare im Netz zum Sieg der 23jährigen, in Rio de Janeiro geborenen lettischen Sängerin Laura Rizotto beim gestrigen Vorentscheid ihrer baltischen Heimat. Was vielleicht erklärt, warum mich ihr Beitrag 'Funny Girl' so seltsam unberührt und ratlos zurücklässt, habe ich doch weder das millionenfach verkaufte Buch gelesen noch den Film gesehen, weil mich der Hype darum so sehr nervt. Nun fand sich in dem aufgrund von Abstimmungsfehlern und einer Wildcard von ursprünglich sechs auf acht Plätze aufgestockten Supernova-Finale nicht ein einziger Titel, welcher der Rede wert gewesen wäre. Weswegen dem verantwortlichen Sender LTV ein Lob ausgesprochen sein soll für das Platzieren seiner Vore...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Bin ich mittlerweile einfach zu verwöhnt, zu überkritisch? Ist es vermessen von mir, zu verlangen, dass das Rad mit jeder Performance neu erfunden wird? Kann ich mich mit meiner ständigen Originalitätserwartung einfach nicht mehr erfreuen an solide gemachten Liedern und Auftritten? Oder woran liegt es, dass mir das Melodifestivalen, der heilige Gral der Eurovisionsvorentscheidungen, in diesem Jahr so über die Maßen lahm vorkommt, die Songs so schwach, die Darbietungen so uninspiriert? So, als läge eine einzige, abgrundtiefe Müdigkeit über dem schwedischen Vorauswahlverfahren, ein Mehltau, über den keine Choreografie, kein Glanz und Glitter mehr hinwegtäuschen kann? Am augenfälligsten wehte dieser Eindruck am gestrigen Samstagabend beim Auftritt der im dritten MF-Semi Letztplatzierten Barbi...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Let­ti­sches Voting-Cha­os: Riga-Reg­gae-Foto ret­tet Riva

Ein falsch platziertes Foto rettet dem lettischen Vorentscheidungsveteranen Markus Riva den Arsch: wie der Sender LTV heute bekannt gab, darf der am vergangenen Samstag im zweiten Semifinale der Supernova eigentlich bereits ausgeschiedene Sänger und stets erfolglose Dauerbewerber nun doch am Finale des Vorauswahlverfahrens teilnehmen. Der Sender hatte beim Onlinevoting versehentlich das Foto der Band Riga Reggae beim Abstimmungslink für den Konkurrenten Ritvars platziert, welcher daraufhin als Zweitplatzierter der Gesamtwertung weiterkam, während Riva mit Rang 3 den Kürzeren zog. Nunmehr annullierte LTV die Internet-Ergebnisse für alle Teilnehmer/innen und sortierte die Liste anhand der restlichen Faktoren - Telefonanrufe, SMS, Spotify-Abrufe und Jurystimmen - vollständig neu. https://you...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Smells like old Spi­rits

Seit dem gestrigen Semifinale der Selecția Națională wünsche ich mir dringend einen Sieg Rumäniens beim Eurovision Song Contest. Nicht aufgrund der im siebenbürgischen Turda präsentierten Songs - die waren durch die Bank gräuslich, - sondern wegen der abgefahrenen Location, in dem die Show stattfand und die ich auch gerne als Veranstaltungsort für den Grand Prix sähe: tief unter der Erde, in einem nicht mehr genutzten und zum Museum / zur Event-Location ausgebauten Stollen eines Salzbergwerks fand die vierte SN-Runde statt. Und auch, wenn sich die Jurorin Ilinca Băcilă (→ RO 2017) aufgrund der in der ungeheizten Höhle herrschenden Eiseskälte in eine wärmende Wolldecke hüllen musste und bei der Stimmvergabe aussah wie E.T. auf dem Weltraumfahrrad: das Setting war einfach atemberaubend! Fü...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Drit­ter Super­sams­tag 2018: die hei­ße Schlacht am kal­ten Büf­fett

Mit einem erschreckend faden ersten Semi des schwedischen Melodifestivalen begann gestern Abend die offizielle Vorentscheidungs-Hauptsaison 2018. In Karlstad versammelten sich sieben Acts im Kampf um den Finaleinzug, die hoffen ließen, dass der Mello-Macher Christer Björkman (→ SE 1992) sich die guten Songs für die noch folgenden drei Vorrunden aufgehoben hat. Auf dem letzten Platz landete, völlig zu Recht, die Schlagerlegende Kikki Danielsson (→ SE 1982, 1985), die es hinsichtlich ihres barocken Umfangs mittlerweile mit der viel zu früh verstorbenen deutschen Grand-Prix-Kollegin Joy Fleming (→ DE 1975) aufnehmen kann, stimmlich allerdings eher an die späte Bonnie Tyler (→ UK 2013) erinnerte. Eingehüllt in ein silbrig glitzerndes Cowboy-Fransen-Zelt, ließ sie sich auf einem Barhocker niede...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Unsere Lieblinge

Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsicherer die Zeiten, um so mehr suchen die Menschen fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung, so jedenfalls suggeriert es das Ergebnis der ersten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contests 2017, das am gestrigen Dienstagabend im Internationalen Ausstellungszentrum zu Kiew über die Bühne ging. Bestimmten im Vorfeld dieses Jahrgangs noch die schändlichen Ränkespiele um das vom Gastgeberland Ukraine verhängte Einreiseverbot gegen die russische Repräsentantin Julia Samoylova sowie die deutlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung die öffentliche Wahrnehmung des Wettbewerbs und schufen damit ein mulmiges Klima, so setzten sich im gestrigen Semi größtenteils diejenigen Beiträge durch, die sich an eher uptemporären, aktuellen Sounds orientierten und showtechn...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonntag haben die Pforten des Internationalen Ausstellungszentrums in Kiew ihre Pforten geöffnet für die 42 Delegationen des diesjährigen Eurovisionsjahrganges und für alle besonders unerschrockenen Schwurnalisten, die trotz der widrigen Umstände um die Vorbereitungen und den Ticketverkauf die Reise in die ukrainische Metropole antraten. Das erste Semifinale ist bereits einmal komplett durchgeprobt, für die Zurückgebliebenen offeriert der offizielle Youtube-Kanal der EBU allerdings, wie schon aus den Vorjahren gewohnt, lediglich kurze, frontal gefilmte Ausschnitte von den Auftritten. Was durchaus Sinn macht, denn eigentlich verfügt der erste Probendurchgang nur über eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, geht es doch zunächst hauptsächlich um die richtigen Kameraeinstellungen. Ein Tei...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #4: von durch­ge­knall­ten Bal­ten

Litauen und Lettland: zwei benachbarte Baltikums-Republiken, die ich aufgrund ihrer namentlichen Ähnlichkeit öfters miteinander verwechsele. Die beiden Länder machen es einem aber auch nicht leicht: nicht nur, dass sie beide mit "L" anfangen und beim Eurovision Song Contest meist eher um die hinteren Plätze mitspielen. Sie schicken auch gerne mal ähnlich abstruse Beiträge, die selbst der geneigteste Fan nach einmaligem, pflichtbewussten Anhören schulterzuckend auf den Stapel mit dem Aufschrift "Auch. Das... auch" legt und so schnell wie möglich vergisst. 2017 bildet da keine Ausnahme: da ging aus dem gefühlt vierhundertwöchigen litauischen Vorentscheidsmarathon ein Künstlerkollektiv namens Fusedmarc als Sieger hervor, dem die meisten Nicht-Balt/innen wohl klammheimlich ein gedankliches "Ko...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Lett­land 2017: In the Schwarz­licht­dis­co

Ich kann es immer noch nicht richtig glauben: die Letten schenkten uns am heutigen Sonntagabend einen Uptemposong für Kiew. Ich möchte vor Freude weinen. Uptempo! Also, nicht dass der im Finale der gut anderthalbstündigen, von zahlreichen Werbepausen (in denen für die Internetgemeinde erneut der #AdBreakBeaver sein Unwesen trieb) unterbrochenen Supernova aus insgesamt vier (!) verbliebenen Titeln in einem reinen Televoting ausgewählte Song 'Line' der Band Tirana-Park Triānas Parks ausgesprochen gut wäre. Aber man ist mittlerweile ja schon für Kleinigkeiten dankbar. Er lebt von einem nett vor sich hin puckernden Elektrobeat, über welchem die leider ziemlich unfähige Leadsängerin, die aussieht und klingt, als habe sie ein paar Wochenenden zuviel durchgefeiert, die mittelprächtige Hookline de...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Trickkleid

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: from Lai­bach with Love

Zunehmend plädiere ich dafür, den einzelnen Nationen in ihren jeweiligen Eurovisions-Vorauswahlen die Entscheidungsgewalt über die Frage, welche der vorgestellten Titel weiterkommen sollen, vollständig wegzunehmen und auf die internationale Zuschauerschaft zu übertragen. Aktueller Grund für diese Forderung: das am heutigen Freitagabend ausgestrahlte erste Semifinale der slowenischen EMA, bei welcher das heimische Publikum mal wieder generischen Mist weiterwählte und den einzigen interessanten Beitrag des Abends zurückwies. So schaffte es der bereits von letzten Contest aus Kiew bekannte (und immer noch sehr nett anzuschauende) Omar Naber (→ SI 2005) mit einem wirklich schlimmen Schleimpropfen von Lied, für welches sich selbst ein Julio Iglesias (→ ES 1970) wohl schämen würde, ins Finale, w...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: ab 5 Uhr 45 wird zurück­ge­jo­delt!

Respekt, ihr Rumänen! Dass die unterhaltungsgewerblich nicht allzu gut bestückte Schweiz für die Präsentation ihres Eurovisionsbeitrages bei Euch wildern ging und vergangenen Sonntag Eure Landsmännin Miruna Manescu und ihr Trio Timebelle zur Repräsentantin wählte, ließt Ihr nicht all zu lange auf Euch sitzen: 'Yodel it!' heißt Eure prompte Antwort, lustigerweise vom selben Komponisten geschrieben, der auch das Schweizer Trio produziert. Und die ist so clever wie großartig: eine eingängige Popnummer mit ordentlichem Schub und, wie es der Titel bereits verspricht, ausführlichem, technisch einwandfreiem Jodeln. Also dem eigentlich traditionellen alpenländischen Markenzeichen in Sachen Gesang! Dass dies aber eben nicht nur die Eidgenossen (und die Österreicher) beherrschen, bewiesen die rumäni...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Super­no­va: Lett­land zählt die Spo­ti­fy-Streams

Mangelnde Experimentierfreude kann man dem lettischen Sender LTV nun wahrlich nicht vorwerfen. Wie eurofire heute berichtet, soll beim dortigen Eurovisionsvorentscheid Supernova künftig auch die Anzahl der Abfragen der Vorauswahltitel beim Streamingdienst Spotify mit in die Bewertung einfließen. Dazu arbeite man mit dem Label Universal Music und der schwedischen Musikplattform zusammen. Nach Angaben von LTV existiert daneben auch weiterhin eine teils international besetzte Jury. Wie das Wertungsverfahren genau aussehen soll und in welcher Form die Spotify-Zahlen Berücksichtigung finden, steht noch offen. Das könnte spannend werden: 2016 sorgten die Ergebnisse des seinerzeitigen internationalen Internet-Votings für Aufsehen. Nachdem der von Aminata (→ LV 2015) produzierte Justs Sirmais in s...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen

Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schla­ger­di­ven

So, ein verregneter Sonntagnachmittag, noch ein paar Minuten bis zum Beginn des rumänischen Vorentscheidungsfinales: kurz Zeit also, über einige Phänomene der letzten Tage zu sinnieren. Beginnen wir zunächst mit dem scheinbar merkwürdigen Abstimmungsverhalten in einigen Ländern und den dazugehörigen Hintergründen. Da ist das allgemein unerwartete und schockierende Ergebnis in Polen, wo die Zuschauer/innen eine zottelige Jack-Sparrow-Kopie wählten und den von vielen Fans bereits als möglichen Siegertitel des ESC 2016 gehandelten Song 'Cool me down' von Margaret verschmähten. Was vielleicht weniger verwundert, wenn man sich vor Augen führt, dass der Sender TVP beim gestrigen Televoting pro Anschluss lediglich einen Anruf wertete. Sicherlich fairer im Hinblick auf ein repräsentatives, weniger...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Lett­land: Just wie erwar­tet

Es ist sicher das am wenigsten überraschende Ergebnis einer nationalen Vorentscheidung: im Finale der eben zuende gegangenen Supernova siegte der vom ersten Tag an klar favorisierte Justs Sirmais mit dem von der lettischen Vorjahresvertreterin Aminata Savadogu komponierten Elektrosong 'Heartbeat'. Justs führte bislang in jeder einzelnen der zahlreichen Supernova-Vorrunden, und der heutige Sonntag bildete keine Ausnahme. Für einen kurzen Schreckmoment sah es so aus, als könne die Hardrockband Catalepsia, die im Televoting zeitweise sehr nahe an Justs herankam, die Krone stehlen - unterschätze niemals die Macht der Metalfans! Doch am Ende war die natürliche Ordnung der Dinge wieder hergestellt. Die Fanoraks können nun in den nächsten Monaten täglich erbittert darüber debattieren, ob 'Heartbe...
2016, Deutsche Vorentscheidung, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Von Göte­borg nach Stock­holm: ein Kes­sel Bun­tes vom Vor­ent­scheid

Meine Güte, was ein Stress: in Köln fanden heute bereits die ersten Generalproben statt für den morgigen deutschen Vorentscheid Unser Lied für Stockholm, bei denen tatsächlich alles auf die langweiligste Option hinauszulaufen scheint; auf den Song, der mich am kältesten lässt: auf das farblose 'Ghost' von Castingshow-Sternchen Jamie Lee Kriewitz nämlich. Gähn. Doch so viel ist noch nachzuholen, so viele Ereignisse stapeln sich noch aus den letzten Tagen, dass sie nur noch in chronologischer Reihenfolge abzuarbeiten sind. Beginnen wir mit dem Halbfinale der lettischen Supernova vom vergangenen Sonntag: dort passierte zwar musikalisch nichts Neues mehr, ging es ja nur noch um das Eindampfen der Finalteilnehmer/innen. Um so lustiger die unvermittelte Zwangspause, als LTV unmittelbar nach dem ...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die Biber­no­va

Supernova nennt sich die lettische Vorentscheidung seit 2015 und lieferte bei der Premiere mit Aminata auch gleich eine fantastische Eurovisionsvertreterin für das Baltenland. Logisch, dass die Letten das Format beibehielten. Vergangenen und diesen Sonntag fanden nun die beiden diesjährigen Vorrunden der Supernova statt, im Netz mitverfolgt von einer stetig wachsenden Fangemeinde, die vor allem aus einem Grund einschaltet: dem Rīgas Bebrs (Riga Biber), dem eigentlichen Star der Show, der während der zahlreichen Werbeunterbrechungen die Netzgemeinde bei Laune hält, sei es mit interpretativem Tanz zu den Beiträgen des Vorjahres oder mit lustigen interaktiven Ratespielen. Gestern schenkte er gar, passend zum Valentinstag, einer Zuschauerin sein (auf Flipchartpapier gezeichnetes) Herz. Ohne ih...
Diese Welt, Unsere Lieblinge

Let­ti­scher Pirat Jānis Vaišļa über die Plan­ke gegan­gen

Heute Nacht verstarb in einem Berliner Krankenhaus der lettische TV- und Radiostar Jānis Vaišļa im Alter von 46 Jahren an einer Herzkrankheit. Vaišļa, der in seiner Heimat Bekanntheit durch eine zweijährige Bootstour rund um die Welt erlangte, bei der er sich vom Fernsehen begleiten ließ (Ekspedīcija), war 2008 Teil des extra für die Teilnahme am Eurovision Song Contest gegründeten Projektes Pirates of the Sea, das mit dem faschingskompatiblen und hübsch choreografierten Spaßbeitrag 'Wolves of the Sea' in Belgrad den elften Platz belegte. Wie das Portal delfi berichtet, litt Vaišļa an Amyloidose, einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Erkrankung. Per Crowdfunding seien 120.000 € für eine Herztransplantation gesammelt worden, so das Newsportal, die in Berlin durchgeführt werden sollte. Der...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser

Das Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!

Seit der Wiedereinführung der Jurys, im besonderen Maße aber seit ihrer stärkeren Gewichtung gegenüber dem Televoting seit 2013, stand es zu befürchten, und nun trat es ein: erstmalig seit 1997 gewannen beim Eurovision Song Contest 2015 nicht die Lieblinge des Publikums - nämlich die italienischen jungen Tenöre Il Volo mit ihrem Popera-Schlager 'Grande Amore' - sondern der Juryfavorit, in diesem Falle der Schwede Måns Zelmerlöw mit 'Heroes'. Was erstaunt, weil ich gerade nach dem überraschenden Ergebnis von 2011, als das nach ewiger ESC-Pause von der EBU mit Engelszungen zur Rückkehr überredete Italien, mit einem furchtbaren Bar-Jazz-Geklimper beim Publikum auf Rang 11 landend, von den Jurys auf den Silbermedaillenplatz hochgejazzt wurde, fest davon ausging, dass es ausdrückliche Pflichtau...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

The King of Fun: zwei­tes Semi 2015

Na, das war aber auch an der Zeit! Da musste erst ein kerniger siebzehnjähriger 'Golden Boy' aus Tel Aviv kommen, um den Fluch von 'Ding-Dong'-Dana (IL 1998, 2011) abzuschütteln und die Israelis nach einer fünfjährigen Durststrecke endlich wieder ins Gelobte Land zu führen. Dramaturgisch geschickt hatte sich der ORF die Verkündung des Finaleinzugs von Nadav Guedj bis ganz am Schluss aufgehoben, und der kollektive Erleichterungsschrei aus über zehntausend Fankehlen ließ die Wiener Stadthalle beinahe in ihren Grundfesten erbeben. Wäre Israel diesmal wieder kleben geblieben, hätte ich auch endgültig den Glauben an die Menschheit verloren. Doch dazu erwies sich die Mischung aus goldenen Schuhen (schon für Schweden 1984 ein Siegesrezept), jugendlicher Energie, bewährter israelischer Engtanzchor...