2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madon­na wird am Sams­tag im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 auf­tre­ten. Die seit Mona­ten als Gerücht gestreu­te, in den letz­ten Tagen mit einem ent­we­der unnö­ti­gen oder gefak­ten Dra­ma um nicht unter­schrie­be­ne Ver­trä­ge gehyp­te und ges­tern bestä­tig­te Nach­richt, dass die EBU der ame­ri­ka­ni­schen Groß­mutter des Pop, die hier­für sogar noch eine von einem israe­li­schen Indus­tri­el­len finan­zier­te Mil­lio­nen­ga­ge ein­streicht, in der zuschau­er­stärks­ten TV-Show der Welt kos­ten­los die Mög­lich­keit zur Bewer­bung ihres neu­es­ten Albums ein­räumt, nahm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend gefühlt ein Vier­tel der Sen­de­zeit, min­des­tens jedoch der Mode­ra­ti­on ein und degra­dier­te die acht­zehn im Kampf um den Final­ein­zug ange­tre­te­nen Acts zur blo­ßen Staf­fa­ge. Ver­traut die EBU der Strahl­kraft ihrer eige­nen Vor­zei­ge­sen­dung mitt­ler­wei­le so wenig, dass sie glaubt, die­ses erbärm­li­che Spiel mit­ma­chen zu müs­sen? Gut, der musi­ka­li­sche Anspruch des zwei­ten Semi­fi­na­les, in dem sich zwar alle nicht fix fürs Fina­le gesetz­ten Buch­ma­cher-Favo­ri­ten tum­mel­ten, das aber größ­ten­teils durch glatt­po­lier­te, main­strea­m­i­ge Lan­ge­wei­le glänz­te, ließ einen ein Stück weit nach­voll­zie­hen, war­um man sich sei­tens des Sen­ders KAN so auf das Drum­her­um kapri­zier­te.

Die dür­fen das: der Pau­se­nact Shal­va mit einem wun­der­bar herz­er­wär­men­den Kitsch­stück.

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Rank & File 2019: Platz 26 – That Night

Wenn die Teil­neh­mer­na­tio­nen des Euro­vi­si­on Song Con­test eine gro­ße, bun­te Grand-Prix-Fami­lie bil­den, dann ist Lett­land so etwas wie der durch die hor­mo­nel­len Schü­be geis­tig ver­wirr­te Puber­tie­ren­de, dem man unge­fähr zehn­mal am Tag ein seuf­zen­des “Was hast du dir denn dabei bloß wie­der gedacht?” zuru­fen möch­te.

Platz 26: Lett­land – Carou­sel: That Night (Die­se Nacht)

So auch bei der dies­jäh­ri­gen Super­no­va, bei wel­cher der legen­dä­re Riga Biber erst­mals nicht als mit Fell kos­tü­mier­ter Pau­sen­fül­ler zuge­gen war, son­dern als mit einem Schot­ten­rock kos­tü­mier­ter musi­ka­li­scher Teil­neh­mer. Doch man ent­schied sich statt sei­ner für das Duo Carou­sel, ein aus­ge­spro­chen aus­ge­zehrt aus­se­hen­des Pär­chen, und sein harm­los plin­kern­des, wat­te­wei­ches und sen­sa­tio­nell sedie­ren­des Coun­try-Folk-Lied­chen ‘That Night’. Ein Lied, das ganz gewiss sei­ne Daseins­be­rech­ti­gung hat: wenn man als völ­lig über­mü­de­ter Gast­ge­ber sei­nen mit zähem Sitz­fleisch geseg­ne­ten Freun­den (und ich muss es geste­hen, ich gehö­re zu die­sem gefürch­te­ten Per­so­nen­kreis) dezent bedeu­ten möch­te, dass die Par­ty ihren Zenit schon vor Stun­den über­schrit­ten hat und ihr wei­te­res Blei­ben die Minu­ten zu quä­len­den Stun­den wer­den lässt, bei­spiels­wei­se. Oder wenn man die Hin­ter­grund­mu­sik für ein Schnell­re­stau­rant aus­su­chen soll, in wel­chem sich die Gäs­te zwar will­kom­men füh­len sol­len, aber auch nicht all zu wohl, auf dass sie die Tische bald wie­der frei machen für die Nächs­ten. Mit ande­ren Wor­ten: wenn man den Froh­sinn dämp­fen möch­te und den Schwung her­aus­neh­men, ohne dass die Stim­mung ins Aggres­si­ve kippt, dann ist die­ser lied­ge­wor­de­ne Dow­ner genau das Rich­ti­ge.

Geben dem Bur­nout eine Büh­ne: das let­ti­sche Duo Carou­sel bei der Super­no­va.

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Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein wei­te­res natio­na­les Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le ging ges­tern Abend noch über die Büh­ne, das ich vor lau­ter Super­sams­tags­stress bei­na­he über­se­hen hät­te. Die let­ti­sche Super­no­va macht das einem aber auch leicht: die mit sofor­ti­ger See­krank­heit indu­zie­ren­den, stüm­per­haf­ten Kame­ra­schwenks gefilm­ten Shows (ein­schließ­lich der bei­den vor­ge­schal­te­ten Semis) lau­fen schließ­lich stets par­al­lel zu ande­ren, wesent­lich inter­es­san­te­ren For­ma­ten. Ein­schließ­lich der bei­na­he unend­li­chen Euro­vi­zi­jos im bal­ti­schen Nach­bar­land Litau­en, das zwar stets zu ähn­lich aus­sichts­lo­sen Ergeb­nis­sen gelangt, auf dem lan­gen Weg dort­hin aber zumin­dest den deut­lich gru­se­li­ge­ren musi­ka­li­schen Irr­sinn auf­tischt. Das let­ti­sche Fern­se­hen LTV scheint hin­ge­gen aus einem sehr begrenz­ten Pool von sehr mäßig begab­ten Talen­ten zu fischen, und so han­del­te es sich bei gleich drei der ins­ge­samt acht dies­jäh­ri­gen Super­no­va-Finalist/innen um bereits hin­läng­lich bekann­te Namen. Neben der ent­setz­lich zurech­ton­du­lier­ten Saman­ta Tīna, die in ‘Cut­ting the Wire’ in ermü­den­der Wei­se die erwart­ba­ren Rei­me “Fire, Desi­re” auf­tisch­te und allen­falls mit den ein­lei­ten­den Wor­ten “What the Fuck” für einen kur­zen “Das hat sie gera­de nicht gesagt!”-Moment sorg­te, durf­ten auch Edgars Krei­lis und der ewi­ge Mar­kus Riva nicht feh­len.

Es kos­tet sicher ver­dammt viel, so bil­lig aus­zu­se­hen: Mar­kus Riva.

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Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Kat­zen?

Wie in einer der infla­tio­när aus­ge­strahl­ten nach­mit­täg­li­chen Zoo-Sen­dun­gen in den drit­ten Pro­gram­men der ARD ging es stel­len­wei­se zu beim gest­ri­gen zwei­ten, aus­schließ­lich aus Semis bestehen­den Super­sams­tag der Euro­vi­si­ons­sai­son 2019. So bei­spiels­wei­se in Lett­land, wo das zwei­te Pus­fināls der Super­no­va statt­fand, die bekannt­lich kei­ne sol­che ist ohne den legen­dä­ren Riga-Biber ali­as Mār­tiņš Kozlovskis, ein Schau­spie­ler und Come­di­an, der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, im Kos­tüm des die Kanä­le der let­ti­schen Haupt­stadt heim­su­chen­den Nagers ste­ckend, für skur­ri­le Unter­hal­tung in den Wer­be­pau­sen sorg­te. Dies­mal aller­dings nahm er am Wett­be­werb teil, unter sei­nem Musi­ker-Namen Koz­mens und in Beglei­tung der Band Dziļi Vio­lets (Deep Pur­ple). Ihr Bei­trag ‘Tau­tasd­zies­ma’ ver­such­te, alle Ant­wor­ten zu berück­sich­ti­gen, die Koz­mens bei einer Come­dy-Show auf die Fra­ge, was ein Euro­vi­si­ons­song braucht, vom Publi­kum zuge­ru­fen wur­den, näm­lich “lang­sam”, “schnell”, “Tanz”, “kei­nen Tanz”, “let­tisch”, “eng­lisch”, “fran­zö­sisch” und “Lie­be”. Das Ergeb­nis über­zeug­te zumin­dest die Lands­leu­te, die das wun­der­bar bizar­re, aber erfri­schend untra­shi­ge Kon­glo­me­rat ins Fina­le weit­er­wähl­ten.

Macht im Schot­ten­rock min­des­tens eine genau so gute Figur wie als Riga-Biber: Koz­mens.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Euro­pa wird fal­len

Neben dem Fina­le der fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dung Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on wähl­ten ges­tern Abend auch die Malteser/innen ihre Reprä­sen­tan­tin für Tel Aviv aus. Das noto­risch grand-prix-begeis­ter­te Eiland bedien­te sich in die­sem Jahr erst­ma­lig des bri­ti­schen Cas­ting­show-For­ma­tes X‑Factor, das sich für den Sen­der TVM als Ein­schalt­quo­ten­er­folg her­aus­stell­te, aber auch für Kon­tro­ver­sen sorg­te: ver­gan­ge­nen Okto­ber kri­ti­sier­te die mal­te­si­sche Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te Hele­na Dal­li die Show und den Sen­dert öffent­lich, weil ein Vor­run­den­teil­neh­mer dort unwi­der­spro­chen Wer­bung für die ethisch ver­werf­li­che, wis­sen­schaft­lich wider­leg­te und seit 2016 auf der Insel ille­ga­le Kon­ver­si­ons­the­ra­pie machen durf­te, die ihn von sei­ner “sünd­haf­ten” Homo­se­xua­li­tät “geheilt” habe. “Jun­ge Men­schen, die schwul sind, brau­chen weder Ver­ge­bung noch Hei­lung,” sag­te Dal­li im Par­la­ment, “sie brau­chen Ver­ständ­nis”. Kor­rekt! Das Fina­le von X‑Factor jeden­falls gewann die knapp 18jährige Michae­la Pace, die bereits 2017 an der mal­te­si­schen Vor­ent­schei­dung teil­nahm. Ihr Lied für Tel Aviv muss nun erst gefun­den wer­den, ihre leicht krat­zi­ge, dun­kel tim­brier­te Stim­me lässt jedoch befürch­ten, dass es auf eine depri­mie­ren­de Bal­la­de hin­aus­läuft.

So ‘Shal­low’ (‘Ober­fläch­lich’) wie ihr Cover-Song wirkt auch die voll ins bis­he­ri­ge mal­te­si­sche Inter­pre­tin­nen­sche­ma pas­sen­de X‑Fac­tor-Gewin­ne­rin Michae­la Pace.

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LV 2018: Ein Wee­kend mit Dir und Risot­to, Risot­to, Risot­to, Risot­to

Das könn­te direkt vom Sound­track zu ‘Fif­ty Shades of Grey’ stam­men”, so liest sich einer der häu­figs­ten Kom­men­ta­re im Netz zum Sieg der 23jährigen, in Rio de Janei­ro gebo­re­nen let­ti­schen Sän­ge­rin Lau­ra Rizot­to beim gest­ri­gen Vor­ent­scheid ihrer bal­ti­schen Hei­mat. Was viel­leicht erklärt, war­um mich ihr Bei­trag ‘Fun­ny Girl’ so selt­sam unbe­rührt und rat­los zurück­lässt, habe ich doch weder das mil­lio­nen­fach ver­kauf­te Buch gele­sen noch den Film gese­hen, weil mich der Hype dar­um so sehr nervt. Nun fand sich in dem auf­grund von Abstim­mungs­feh­lern und einer Wild­card von ursprüng­lich sechs auf acht Plät­ze auf­ge­stock­ten Super­no­va-Fina­le nicht ein ein­zi­ger Titel, wel­cher der Rede wert gewe­sen wäre. Wes­we­gen dem ver­ant­wort­li­chen Sen­der LTV ein Lob aus­ge­spro­chen sein soll für das Plat­zie­ren sei­ner Vor­ent­schei­dung an einem der ereig­nis­reichs­ten Super-Sams­ta­ge der Euro­vi­si­ons­sai­son 2018. So blieb einem wenigs­tens die mehr als zwei­stün­di­ge Zeit­ver­schwen­dung des Live-Zuschau­ens erspart, zumal uns LTV noch nicht ein­mal mehr den kul­ti­gen Riga-Biber gön­nen woll­te.

The Lady in Red: Lau­ra mit dem lecke­ren Nach­na­men.

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Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Bin ich mitt­ler­wei­le ein­fach zu ver­wöhnt, zu über­kri­tisch? Ist es ver­mes­sen von mir, zu ver­lan­gen, dass das Rad mit jeder Per­for­mance neu erfun­den wird? Kann ich mich mit mei­ner stän­di­gen Ori­gi­na­li­täts­er­war­tung ein­fach nicht mehr erfreu­en an soli­de gemach­ten Lie­dern und Auf­trit­ten? Oder wor­an liegt es, dass mir das Melo­di­fes­ti­va­len, der hei­li­ge Gral der Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen, in die­sem Jahr so über die Maßen lahm vor­kommt, die Songs so schwach, die Dar­bie­tun­gen so unin­spi­riert? So, als läge eine ein­zi­ge, abgrund­tie­fe Müdig­keit über dem schwe­di­schen Vor­auswahl­ver­fah­ren, ein Mehl­tau, über den kei­ne Cho­reo­gra­fie, kein Glanz und Glit­ter mehr hin­weg­täu­schen kann? Am augen­fäl­ligs­ten weh­te die­ser Ein­druck am gest­ri­gen Sams­tag­abend beim Auf­tritt der im drit­ten MF-Semi Letzt­plat­zier­ten Bar­bi Esco­bar her­über, die ein wenig aus­sah wie Sabri­na Set­lur (→ Vor­ent­scheid DE 2004) nach exzes­si­vem Schlaf­ent­zug: so fahl und aus­ge­zehrt, dass man sich nicht wun­der­te, war­um sie für ihren Titel ‘Stark’ das wich­tigs­te Requi­sit ver­gaß, näm­lich einen Refrain. Da half es auch nichts mehr, dass ihre Tänzer/innen ver­such­ten, auf der Mel­lo-Büh­ne neue Lang­stre­cken­re­kor­de auf­zu­stel­len.

Lass mich raten, Bar­bi: Dein Kind ist jetzt vier Mona­te alt und Du hast seit der Geburt kein Auge mehr zuge­macht (SE)?

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Let­ti­sches Voting-Cha­os: Riga-Reg­gae-Foto ret­tet Riva

Ein falsch plat­zier­tes Foto ret­tet dem let­ti­schen Vor­ent­schei­dungs­ve­te­ra­nen Mar­kus Riva den Arsch: wie der Sen­der LTV heu­te bekannt gab, darf der am ver­gan­ge­nen Sams­tag im zwei­ten Semi­fi­na­le der Super­no­va eigent­lich bereits aus­ge­schie­de­ne Sän­ger und stets erfolg­lo­se Dau­er­be­wer­ber nun doch am Fina­le des Vor­auswahl­ver­fah­rens teil­neh­men. Der Sen­der hat­te beim Online­vo­ting ver­se­hent­lich das Foto der Band Riga Reg­gae beim Abstim­mungs­link für den Kon­kur­ren­ten Rit­vars plat­ziert, wel­cher dar­auf­hin als Zweit­plat­zier­ter der Gesamt­wer­tung wei­ter­kam, wäh­rend Riva mit Rang 3 den Kür­ze­ren zog. Nun­mehr annul­lier­te LTV die Inter­net-Ergeb­nis­se für alle Teilnehmer/innen und sor­tier­te die Lis­te anhand der rest­li­chen Fak­to­ren – Tele­fon­an­ru­fe, SMS, Spo­ti­fy-Abru­fe und Jury­stim­men – voll­stän­dig neu.

Was nicht passt, wird pas­send gemacht: Riva ist im Fina­le.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Smells like old Spi­rits

Die frös­teln­de Illin­ca in der Sali­ne Tur­da.

Seit dem gest­ri­gen Semi­fi­na­le der Sel­ecția Națio­nală wün­sche ich mir drin­gend einen Sieg Rumä­ni­ens beim Euro­vi­si­on Song Con­test. Nicht auf­grund der im sie­ben­bür­gi­schen Tur­da prä­sen­tier­ten Songs – die waren durch die Bank gräus­lich, – son­dern wegen der abge­fah­re­nen Loca­ti­on, in dem die Show statt­fand und die ich auch ger­ne als Ver­an­stal­tungs­ort für den Grand Prix sähe: tief unter der Erde, in einem nicht mehr genutz­ten und zum Muse­um / zur Event-Loca­ti­on aus­ge­bau­ten Stol­len eines Salz­berg­werks fand die vier­te SN-Run­de statt. Und auch, wenn sich die Juro­rin Ilin­ca Băcilă (→ RO 2017) auf­grund der in der unge­heiz­ten Höh­le herr­schen­den Eises­käl­te in eine wär­men­de Woll­de­cke hül­len muss­te und bei der Stimm­ver­ga­be aus­sah wie E.T. auf dem Welt­raum­fahr­rad: das Set­ting war ein­fach atem­be­rau­bend! Für die Bei­trä­ge galt das lei­der weni­ger: von dritt­klas­sig bis Karao­ke­bar reich­te die Span­ne, was bei Cris­ti­an Simi­no­nes­cu, bei dem selbst die Juro­ren letz­te­res Urteil fäll­ten, schon ins Tra­gi­ko­mi­sche drif­te­te. Denn in kom­pe­ten­ten Hän­den hät­te sei­ne modern­tal­kin­geske Dis­co-Kas­tra­ten-Num­mer zumin­dest noch für einen Nos­t­a­gie­bo­nus gesorgt. Der bewe­gungs­le­g­asthe­ni­sche und vokal über­for­der­te Mitt­fünf­zi­ger fuhr sie kom­plett an die Wand.

Release your Ener­gy”: bit­te bloß nicht (RO)!

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Drit­ter Super­sams­tag 2018: die hei­ße Schlacht am kal­ten Büf­fett

Mit einem erschre­ckend faden ers­ten Semi des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len begann ges­tern Abend die offi­zi­el­le Vor­ent­schei­dungs-Haupt­sai­son 2018. In Karl­stad ver­sam­mel­ten sich sie­ben Acts im Kampf um den Final­ein­zug, die hof­fen lie­ßen, dass der Mel­lo-Macher Chris­ter Björk­man (→ SE 1992) sich die guten Songs für die noch fol­gen­den drei Vor­run­den auf­ge­ho­ben hat. Auf dem letz­ten Platz lan­de­te, völ­lig zu Recht, die Schla­ger­le­gen­de Kikki Dani­els­son (→ SE 1982, 1985), die es hin­sicht­lich ihres baro­cken Umfangs mitt­ler­wei­le mit der viel zu früh ver­stor­be­nen deut­schen Grand-Prix-Kol­le­gin Joy Fle­ming (→ DE 1975) auf­neh­men kann, stimm­lich aller­dings eher an die spä­te Bon­nie Tyler (→ UK 2013) erin­ner­te. Ein­ge­hüllt in ein silb­rig glit­zern­des Cow­boy-Fran­sen-Zelt, ließ sie sich auf einem Bar­ho­cker nie­der, um eine lah­me Coun­try­bal­la­de abzu­lie­fern, in wel­cher sie ihren schwe­di­schen Geburts­ort Osby in den US-Staat Ten­nes­see ver­leg­te. Wunsch­traum oder Demenz? Den Atem anhal­ten muss­te man, als sie nach zwei­ein­halb Minu­ten ver­such­te, Schwung zu holen, um sich vom Hocker zu erhe­ben, und es kurz so aus­sah, als wür­de sie nach hin­ten über­kip­pen. Vor dem geis­ti­gen Auge sah man sie schon mit den Bein­chen stram­pelnd wie ein auf den Rücken gefal­le­nen Käfer auf der Büh­ne lie­gen. Im zwei­ten Anlauf klapp­te das Auf­ste­hen dann aber doch noch. Puh!

Muss­te nach dem kräf­te­rau­ben­den Auf­tritt sicher erst mal ins Sauer­stoff­zelt: die Kikki.

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