LV 2018: Ein Wee­kend mit Dir und Risot­to, Risot­to, Risot­to, Risot­to

Das könn­te direkt vom Sound­track zu ‘Fif­ty Shades of Grey’ stam­men”, so liest sich einer der häu­figs­ten Kom­men­ta­re im Netz zum Sieg der 23jährigen, in Rio de Janei­ro gebo­re­nen let­ti­schen Sän­ge­rin Lau­ra Rizot­to beim gest­ri­gen Vor­ent­scheid ihrer bal­ti­schen Hei­mat. Was viel­leicht erklärt, war­um mich ihr Bei­trag ‘Fun­ny Girl’ so selt­sam unbe­rührt und rat­los zurück­lässt, habe ich doch weder das mil­lio­nen­fach ver­kauf­te Buch gele­sen noch den Film gese­hen, weil mich der Hype dar­um so sehr nervt. Nun fand sich in dem auf­grund von Abstim­mungs­feh­lern und einer Wild­card von ursprüng­lich sechs auf acht Plät­ze auf­ge­stock­ten Super­no­va-Fina­le nicht ein ein­zi­ger Titel, wel­cher der Rede wert gewe­sen wäre. Wes­we­gen dem ver­ant­wort­li­chen Sen­der LTV ein Lob aus­ge­spro­chen sein soll für das Plat­zie­ren sei­ner Vor­ent­schei­dung an einem der ereig­nis­reichs­ten Super-Sams­ta­ge der Euro­vi­si­ons­sai­son 2018. So blieb einem wenigs­tens die mehr als zwei­stün­di­ge Zeit­ver­schwen­dung des Live-Zuschau­ens erspart, zumal uns LTV noch nicht ein­mal mehr den kul­ti­gen Riga-Biber gön­nen woll­te.

The Lady in Red: Lau­ra mit dem lecke­ren Nach­na­men.

wei­ter­le­senLV 2018: Ein Wee­kend mit Dir und Risot­to, Risot­to, Risot­to, Risot­to

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Bin ich mitt­ler­wei­le ein­fach zu ver­wöhnt, zu über­kri­tisch? Ist es ver­mes­sen von mir, zu ver­lan­gen, dass das Rad mit jeder Per­for­mance neu erfun­den wird? Kann ich mich mit mei­ner stän­di­gen Ori­gi­na­li­täts­er­war­tung ein­fach nicht mehr erfreu­en an soli­de gemach­ten Lie­dern und Auf­trit­ten? Oder wor­an liegt es, dass mir das Melo­di­fes­ti­va­len, der hei­li­ge Gral der Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen, in die­sem Jahr so über die Maßen lahm vor­kommt, die Songs so schwach, die Dar­bie­tun­gen so unin­spi­riert? So, als läge eine ein­zi­ge, abgrund­tie­fe Müdig­keit über dem schwe­di­schen Vor­auswahl­ver­fah­ren, ein Mehl­tau, über den kei­ne Cho­reo­gra­fie, kein Glanz und Glit­ter mehr hin­weg­täu­schen kann? Am augen­fäl­ligs­ten weh­te die­ser Ein­druck am gest­ri­gen Sams­tag­abend beim Auf­tritt der im drit­ten MF-Semi Letzt­plat­zier­ten Bar­bi Esco­bar her­über, die ein wenig aus­sah wie Sabri­na Set­lur (→ Vor­ent­scheid DE 2004) nach exzes­si­vem Schlaf­ent­zug: so fahl und aus­ge­zehrt, dass man sich nicht wun­der­te, war­um sie für ihren Titel ‘Stark’ das wich­tigs­te Requi­sit ver­gaß, näm­lich einen Refrain. Da half es auch nichts mehr, dass ihre Tänzer/innen ver­such­ten, auf der Mel­lo-Büh­ne neue Lang­stre­cken­re­kor­de auf­zu­stel­len.

Lass mich raten, Bar­bi: Dein Kind ist jetzt vier Mona­te alt und Du hast seit der Geburt kein Auge mehr zuge­macht (SE)?

wei­ter­le­senFünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Let­ti­sches Voting-Cha­os: Riga-Reg­gae-Foto ret­tet Riva

Ein falsch plat­zier­tes Foto ret­tet dem let­ti­schen Vor­ent­schei­dungs­ve­te­ra­nen Mar­kus Riva den Arsch: wie der Sen­der LTV heu­te bekannt gab, darf der am ver­gan­ge­nen Sams­tag im zwei­ten Semi­fi­na­le der Super­no­va eigent­lich bereits aus­ge­schie­de­ne Sän­ger und stets erfolg­lo­se Dau­er­be­wer­ber nun doch am Fina­le des Vor­auswahl­ver­fah­rens teil­neh­men. Der Sen­der hat­te beim Online­vo­ting ver­se­hent­lich das Foto der Band Riga Reg­gae beim Abstim­mungs­link für den Kon­kur­ren­ten Rit­vars plat­ziert, wel­cher dar­auf­hin als Zweit­plat­zier­ter der Gesamt­wer­tung wei­ter­kam, wäh­rend Riva mit Rang 3 den Kür­ze­ren zog. Nun­mehr annul­lier­te LTV die Inter­net-Ergeb­nis­se für alle Teilnehmer/innen und sor­tier­te die Lis­te anhand der rest­li­chen Fak­to­ren – Tele­fon­an­ru­fe, SMS, Spo­ti­fy-Abru­fe und Jury­stim­men – voll­stän­dig neu.

Was nicht passt, wird pas­send gemacht: Riva ist im Fina­le.

wei­ter­le­senLet­ti­sches Voting-Cha­os: Riga-Reg­gae-Foto ret­tet Riva

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Smells like old Spi­rits

Die frös­teln­de Illin­ca in der Sali­ne Tur­da.

Seit dem gest­ri­gen Semi­fi­na­le der Sel­ecția Națio­nală wün­sche ich mir drin­gend einen Sieg Rumä­ni­ens beim Euro­vi­si­on Song Con­test. Nicht auf­grund der im sie­ben­bür­gi­schen Tur­da prä­sen­tier­ten Songs – die waren durch die Bank gräus­lich, – son­dern wegen der abge­fah­re­nen Loca­ti­on, in dem die Show statt­fand und die ich auch ger­ne als Ver­an­stal­tungs­ort für den Grand Prix sähe: tief unter der Erde, in einem nicht mehr genutz­ten und zum Muse­um / zur Event-Loca­ti­on aus­ge­bau­ten Stol­len eines Salz­berg­werks fand die vier­te SN-Run­de statt. Und auch, wenn sich die Juro­rin Ilin­ca Băcilă (→ RO 2017) auf­grund der in der unge­heiz­ten Höh­le herr­schen­den Eises­käl­te in eine wär­men­de Woll­de­cke hül­len muss­te und bei der Stimm­ver­ga­be aus­sah wie E.T. auf dem Welt­raum­fahr­rad: das Set­ting war ein­fach atem­be­rau­bend! Für die Bei­trä­ge galt das lei­der weni­ger: von dritt­klas­sig bis Karao­ke­bar reich­te die Span­ne, was bei Cris­ti­an Simi­no­nes­cu, bei dem selbst die Juro­ren letz­te­res Urteil fäll­ten, schon ins Tra­gi­ko­mi­sche drif­te­te. Denn in kom­pe­ten­ten Hän­den hät­te sei­ne modern­tal­kin­geske Dis­co-Kas­tra­ten-Num­mer zumin­dest noch für einen Nos­t­a­gie­bo­nus gesorgt. Der bewe­gungs­le­g­asthe­ni­sche und vokal über­for­der­te Mitt­fünf­zi­ger fuhr sie kom­plett an die Wand.

Release your Ener­gy”: bit­te bloß nicht (RO)!

wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Smells like old Spi­rits

Drit­ter Super­sams­tag 2018: die hei­ße Schlacht am kal­ten Büf­fett

Mit einem erschre­ckend faden ers­ten Semi des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len begann ges­tern Abend die offi­zi­el­le Vor­ent­schei­dungs-Haupt­sai­son 2018. In Karl­stad ver­sam­mel­ten sich sie­ben Acts im Kampf um den Final­ein­zug, die hof­fen lie­ßen, dass der Mel­lo-Macher Chris­ter Björk­man (→ SE 1992) sich die guten Songs für die noch fol­gen­den drei Vor­run­den auf­ge­ho­ben hat. Auf dem letz­ten Platz lan­de­te, völ­lig zu Recht, die Schla­ger­le­gen­de Kikki Dani­els­son (→ SE 1982, 1985), die es hin­sicht­lich ihres baro­cken Umfangs mitt­ler­wei­le mit der viel zu früh ver­stor­be­nen deut­schen Grand-Prix-Kol­le­gin Joy Fle­ming (→ DE 1975) auf­neh­men kann, stimm­lich aller­dings eher an die spä­te Bon­nie Tyler (→ UK 2013) erin­ner­te. Ein­ge­hüllt in ein silb­rig glit­zern­des Cow­boy-Fran­sen-Zelt, ließ sie sich auf einem Bar­ho­cker nie­der, um eine lah­me Coun­try­bal­la­de abzu­lie­fern, in wel­cher sie ihren schwe­di­schen Geburts­ort Osby in den US-Staat Ten­nes­see ver­leg­te. Wunsch­traum oder Demenz? Den Atem anhal­ten muss­te man, als sie nach zwei­ein­halb Minu­ten ver­such­te, Schwung zu holen, um sich vom Hocker zu erhe­ben, und es kurz so aus­sah, als wür­de sie nach hin­ten über­kip­pen. Vor dem geis­ti­gen Auge sah man sie schon mit den Bein­chen stram­pelnd wie ein auf den Rücken gefal­le­nen Käfer auf der Büh­ne lie­gen. Im zwei­ten Anlauf klapp­te das Auf­ste­hen dann aber doch noch. Puh!

Muss­te nach dem kräf­te­rau­ben­den Auf­tritt sicher erst mal ins Sauer­stoff­zelt: die Kikki.

wei­ter­le­senDrit­ter Super­sams­tag 2018: die hei­ße Schlacht am kal­ten Büf­fett

Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

wei­ter­le­senErs­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonn­tag haben die Pfor­ten des Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trums in Kiew ihre Pfor­ten geöff­net für die 42 Dele­ga­tio­nen des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges und für alle beson­ders uner­schro­cke­nen Schwur­na­lis­ten, die trotz der wid­ri­gen Umstän­de um die Vor­be­rei­tun­gen und den Ticket­ver­kauf die Rei­se in die ukrai­ni­sche Metro­po­le antra­ten. Das ers­te Semi­fi­na­le ist bereits ein­mal kom­plett durch­ge­probt, für die Zurück­ge­blie­be­nen offe­riert der offi­zi­el­le You­tube-Kanal der EBU aller­dings, wie schon aus den Vor­jah­ren gewohnt, ledig­lich kur­ze, fron­tal gefilm­te Aus­schnit­te von den Auf­trit­ten. Was durch­aus Sinn macht, denn eigent­lich ver­fügt der ers­te Pro­ben­durch­gang nur über eine sehr ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft, geht es doch zunächst haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casu­al an, ohne Büh­nen­gar­de­ro­be, nie­mand ver­aus­gabt sich stimm­lich, es geht erst mal dar­um, ein Gefühl für die Büh­ne zu bekom­men und einen Ein­druck für das TV-Signal, die Dele­ga­tio­nen haben noch die Mög­lich­keit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und letz­te Ände­run­gen vor­zu­schla­gen. Den­noch bloggt die ver­sam­mel­te Fan­schaft natür­lich bereits flei­ßig aus der Hal­le, und so reicht es durch­aus für ers­te Ein­drü­cke aus zwei­ter Hand. So, wie zum Bei­spiel für die beru­hi­gen­de Nach­richt, dass man trotz allem Hin und Her im Vor­feld auch in Kiew an lieb­ge­won­ne­nen Tra­di­tio­nen fest­hält: bei der aller­ers­ten Pro­be am Sonn­tag­mor­gen, zur unchrist­li­chen Stun­de von 9 Uhr deut­scher Zeit, gab es nach über­ein­stim­men­den Berich­ten im Pres­se­zen­trum zunächst kei­nen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show statt­fin­det.

Die­se Fra­ge beant­wor­tet sich von selbst!

wei­ter­le­senPro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Euro­vi­si­on Death­match #4: von durch­ge­knall­ten Bal­ten

Litau­en und Lett­land: zwei benach­bar­te Bal­ti­kums-Repu­bli­ken, die ich auf­grund ihrer nament­li­chen Ähn­lich­keit öfters mit­ein­an­der ver­wech­se­le. Die bei­den Län­der machen es einem aber auch nicht leicht: nicht nur, dass sie bei­de mit “L” anfan­gen und beim Euro­vi­si­on Song Con­test meist eher um die hin­te­ren Plät­ze mit­spie­len. Sie schi­cken auch ger­ne mal ähn­lich abstru­se Bei­trä­ge, die selbst der geneig­tes­te Fan nach ein­ma­li­gem, pflicht­be­wuss­ten Anhö­ren schul­ter­zu­ckend auf den Sta­pel mit dem Auf­schrift “Auch. Das… auch” legt und so schnell wie mög­lich ver­gisst. 2017 bil­det da kei­ne Aus­nah­me: da ging aus dem gefühlt vier­hun­dert­wö­chi­gen litaui­schen Vor­ent­scheids­ma­ra­thon ein Künst­ler­kol­lek­tiv namens Fused­marc als Sie­ger her­vor, dem die meis­ten Nicht-Bal­t/in­nen wohl klamm­heim­lich ein gedank­li­ches “Kon-” vor den Namen setz­ten, ob ihres ziem­lich wir­ren Titels ‘Rain of Revo­lu­ti­on’, der musi­ka­lisch ziel­los vor sich hin mäan­dert und sich nicht ent­schei­den kann, wel­che Rich­tung er ein­schla­gen möch­te. Ver­wirrt zeig­te sich auch die Band ob ihrer Ernen­nung zu Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten: trotz von­sei­ten der EBU bereits zwei­fach ver­län­ger­ter Abga­be­frist konn­ten sie bis zum vori­gen Sams­tag noch immer kei­ne Stu­dio­fas­sung ihres Grand-Prix-Bei­trags ablie­fern, was nun den Pro­duk­ti­ons­pro­zess des dies­jäh­ri­gen ESC-Sam­plers ins Schlin­gern bringt.

Revo­lu­tio­när unkom­mer­zi­ell: Fused­marc (LT)

wei­ter­le­senEuro­vi­si­on Death­match #4: von durch­ge­knall­ten Bal­ten

Lett­land 2017: In the Schwarz­licht­dis­co

Ich kann es immer noch nicht rich­tig glau­ben: die Let­ten schenk­ten uns am heu­ti­gen Sonn­tag­abend einen Uptem­po­song für Kiew. Ich möch­te vor Freu­de wei­nen. Uptem­po! Also, nicht dass der im Fina­le der gut andert­halb­stün­di­gen, von zahl­rei­chen Wer­be­pau­sen (in denen für die Inter­net­ge­mein­de erneut der #AdBreak­Bea­ver sein Unwe­sen trieb) unter­bro­che­nen Super­no­va aus ins­ge­samt vier (!) ver­blie­be­nen Titeln in einem rei­nen Tele­vo­ting aus­ge­wähl­te Song ‘Line’ der Band Tira­na-Park Triā­nas Parks aus­ge­spro­chen gut wäre. Aber man ist mitt­ler­wei­le ja schon für Klei­nig­kei­ten dank­bar. Er lebt von einem nett vor sich hin puckern­den Elek­tro­beat, über wel­chem die lei­der ziem­lich unfä­hi­ge Lead­sän­ge­rin, die aus­sieht und klingt, als habe sie ein paar Wochen­en­den zuviel durch­ge­fei­ert, die mit­tel­präch­ti­ge Hook­li­ne des Lie­des mas­sa­kriert. Das fällt aber nicht so sehr ins Gewicht, weil die leicht psy­che­de­li­schen, bun­ten Schwarz­licht­ma­le­rei­en im Hin­ter­grund, vor allem aber die schier über­bor­den­de Ener­gie des sexy Drum­mers, der mehr noch als die Front­frau die Auf­merk­sam­keit der Kame­ra auf sich zieht und eine deut­lich über­per­for­ma­ti­ve Show ablie­fert, das Gan­ze ret­ten und zu recht ver­gnüg­li­chen drei Minu­ten wer­den las­sen. Das Stück wird, um nicht miss­ver­stan­den zu wer­den, weder die Tanz­flä­chen Euro­pas in Brand set­zen (geschwei­ge denn die des Euro­clubs) noch auch nur im Ent­fern­tes­ten beim Euro­vi­si­on Song Con­test um eine vor­de­re Plat­zie­rung mit­spie­len. Den­noch möch­te ich die Let­ten küs­sen und her­zen, dass wir nicht noch eine düs­te­re Bal­la­de über uns erge­hen las­sen müs­sen. Dan­ke! (Oh, und: über die ande­ren drei Super­no­va-Songs wol­len wir lie­ber den Man­tel der Ver­ges­sens brei­ten.)

Dem Drum­mer wür­de ich ger­ne nachts im Park begeg­nen (LV)

Schafft Lett­land mit ‘Line’ den Final­ein­zug?

  • Mit Leich­tig­keit. Der Song macht gute Lau­ne und ist hoch­will­kom­men als Bal­la­den-Gegen­gift. (52%, 48 Votes)
  • Auf kei­nen Fall. Hor­ri­ble Gesangs­leis­tung, und für einen Dance-Knal­ler ist das zu unent­schlos­sen. Nicht alles, was schnell ist, ist gut. (33%, 30 Votes)
  • Ich wür­de es mir wün­schen, aber das und der ähn­lich mit­tel­mä­ßi­ge mol­da­wi­sche Bei­trag wer­den sich die Stim­men gegen­sei­tig weg­neh­men. (15%, 14 Votes)

Total Voters: 92

Loading ... Loa­ding …

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: from Lai­bach with Love

Zuneh­mend plä­die­re ich dafür, den ein­zel­nen Natio­nen in ihren jewei­li­gen Euro­vi­si­ons-Vor­auswah­len die Ent­schei­dungs­ge­walt über die Fra­ge, wel­che der vor­ge­stell­ten Titel wei­ter­kom­men sol­len, voll­stän­dig weg­zu­neh­men und auf die inter­na­tio­na­le Zuschau­er­schaft zu über­tra­gen. Aktu­el­ler Grund für die­se For­de­rung: das am heu­ti­gen Frei­tag­abend aus­ge­strahl­te ers­te Semi­fi­na­le der slo­we­ni­schen EMA, bei wel­cher das hei­mi­sche Publi­kum mal wie­der gene­ri­schen Mist weit­er­wähl­te und den ein­zi­gen inter­es­san­ten Bei­trag des Abends zurück­wies. So schaff­te es der bereits von letz­ten Con­test aus Kiew bekann­te (und immer noch sehr nett anzu­schau­en­de) Omar Naber (→ SI 2005) mit einem wirk­lich schlim­men Schleim­prop­fen von Lied, für wel­ches sich selbst ein Julio Igle­si­as (→ ES 1970) wohl schä­men wür­de, ins Fina­le, wäh­rend das dümmstmög­lich benams­te Damen­trio Tos­ca Beat die Par­füm­fläsch­chen wie­der ein­pa­cken muss­te. Dabei boten die drei Pope­ra-Gra­zi­en im ganz und gar auf ihren Auf­tritt zurecht­de­ko­rier­ten Sen­de­stu­dio von RTVS­LO mit dem Titel ‘Free World’ so etwas wie eine extrem weich­ge­spül­te Vari­an­te des größ­ten slo­we­ni­schen Pop-Export-Schla­gers feil, der Art­house-Indus­tri­al-Band Lai­bach näm­lich. Von der grun­zend tie­fen Män­ner­stim­me über die faschis­ti­schick-mili­tä­risch ange­hauch­te Büh­nen­gar­de­ro­be und einer Gleich­schritt-Marsch-Cho­reo bis zu per Mega­fon ein­ge­streu­ten, poli­tisch klin­gen­den Pos­tu­la­ten erin­ner­te etli­ches ent­fernt an die Ele­men­te, wel­che das bewusst mit den ästhe­ti­schen Codes mili­tan­ter Orga­ni­sa­tio­nen spie­len­de, seit 1980 bestehen­de Kunst­pro­jekt aus Ljub­lja­na ger­ne nutzt. Wobei ich den Namen der slo­we­ni­schen “Ramm­stein für Erwach­se­ne” (Eigen­be­zeich­nung) durch den Ver­gleich zu unse­rem EMA-Act nicht in den Schmutz zie­hen möch­te: da lie­gen natür­lich künst­le­ri­sche Wel­ten dazwi­schen. Ach was: Welt­al­le!

Lai­bach trifft Alen­ka Gotar: Tos­ca Beat (SI)

wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: from Lai­bach with Love