Unser Song für Tel Aviv: Sis­ters are doin’ it for them­sel­ves

Immer, wenn sich der NDR nach Jah­ren des ziel­lo­sen Her­um­sto­cherns einen Ruck gege­ben und mit viel Mühe und har­ter Arbeit ein neu­es, trag­fä­hi­ges Kon­zept für die Aus­wahl des hei­mi­schen Bei­trags zum Euro­vi­si­on Song Con­test gefun­den hat; eines, das einen mehr­heits­fä­hi­gen Titel und eine gute Plat­zie­rung im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­vor­bringt, dann geht er im Fol­ge­jahr hin und reißt mit dem Arsch alles wie­der ein, was er gera­de erst mühe­voll auf­bau­te. Klingt harsch? Nun, anders lässt sich das Ergeb­nis des deut­schen Vor­ent­scheids Unser Lied für Isra­el vom Frei­tag nicht inter­pre­tie­ren, bei dem der Sen­der zunächst wie im Vor­jahr in einen hoch­kom­pli­zier­ten, mehr­stu­fi­gen Künst­ler/in­nen- und Song­fin­dungs­ver­fah­ren sechs jun­ge Talen­te mit einer für deut­sche Ver­hält­nis­se recht brei­ten musi­ka­li­schen Palet­te von Songs aus­hob, dann aber man­gels Zutrau­en ins eige­ne Sys­tem im Nach­gang unbe­dingt noch ein sieb­tes, ganz nach dem Geschmack der Ham­bur­ger unfass­bar durch­schnitt­li­ches Lied namens ‘Sis­ter’ unter­brin­gen muss­te, hier­für rasch ein weib­li­ches Gesangs­duo mit dem hoch ima­gi­na­ti­ven Namen Sis­ters zusam­men­cas­te­te und anschlie­ßend alle Hebel in Bewe­gung setz­te, dass die­ses auch gewinnt. Was dank der tat­kräf­ti­gen Mit­hil­fe der vom Sen­der eigen­hän­dig zusam­men­ge­stell­ten inter­na­tio­na­len Jury, zu mei­ner Kon­ster­na­ti­on aber auch dank des Tele­vo­tings schließ­lich gelang.

Es war wie­der Mär­chen­stun­de beim deut­schen Vor­ent­scheid: Schnee­weiß­chen und Rosen­rot, die zwei Under­dogs unter den Unbe­kann­ten, setz­ten sich durch. Und nein, die alber­ne offi­zi­el­le Schreib­wei­se ihres Band­na­mens ver­wen­de ich nur über mei­ne Lei­che!

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ULfI: you smell like Schul­te, again

Gleich drei ehe­ma­li­ge The-Voice-Cas­ting­stern­chen, zwei klamp­fen­de Ed-Sheeran-Ele­ven, zwei Musi­cal-Haupt­dar­stel­ler/in­nen, zwei Indie-Pop-Elfen und exakt null bekann­te Namen: auf die­sen Nen­ner lässt sich die heu­ti­ge Bekannt­ga­be von sechs der bis zu acht Fina­lis­ten des deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheids 2019 brin­gen, wel­chen der NDR im eif­ri­gen Bemü­hen um die Ver­wäs­se­rung der Mar­ke vom ursprüng­li­chen, in das bewähr­te Ras­ter pas­sen­de Unser Lied für Tel Aviv in letz­ter Minu­te in Unser Lied für Isra­el umbe­nann­te. Ver­mut­lich, weil das Akro­nym ULfI viel schluffig-harm­lo­ser klingt als das etwas ker­ni­ge­re ULfTA und man so die vom Unter­hal­tungs­chef Tho­mas Schrei­ber letz­tes Jahr selbst geweck­ten, hohen Erwar­tun­gen nach “kan­ti­gen” Künstler/innen und Songs ein wenig dämp­fen kann. Denn ein ers­ter Blick auf das Port­fo­lio der heu­te Vor­ge­stell­ten zeigt, dass die­se in gro­ßen Tei­len eher auf der akus­tisch-wei­ner­li­chen Sei­te des musi­ka­li­schen Spek­trums ange­sie­delt sind. Immer­hin gibt es mit Aly Ryan und lil­ly among clouds zwei recht viel­ver­spre­chen­de Aus­nah­men, die zumin­dest einen Hauch von Edgy­ness in den Wett­be­werb tra­gen.

She’s alright: die gebür­ti­ge Frank­fur­te­rin Aly Ryan ist bis dato mei­ne Favo­ri­tin (Reper­toire­bei­spiel).

Wei­ter­le­senULfI: you smell like Schul­te, again