ES 1964: Im tie­fen Tal, im Muschel­grund

Für ein beson­ders bizar­res und unge­eig­ne­tes Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­ren ent­schied sich das spa­ni­sche Fern­se­hen im Jah­re 1964. Hat­te der Sen­der TVE im Vor­jahr den ibe­ri­schen Reprä­sen­tan­ten und sein Lied noch intern bestimmt, so fand dies­mal ein öffent­li­ches Aus­wahl­ver­fah­ren für den Song statt, inte­griert in die wöchent­lich aus­ge­strahl­te TV-Show Grand Para­da. Ins­ge­samt zehn Bei­trä­ge stell­te man dort nach und nach dem Publi­kum vor, dar­ge­bo­ten jeweils in zwei ver­schie­de­nen Fas­sun­gen, wie es in die­ser Deka­de Brauch war. Die Zuschauer/innen for­der­te man auf, Post­kar­ten für ihren Lieb­lings­ti­tel zu schi­cken, und ins­ge­samt gin­gen etwas über 5.000 Stück beim Sen­der ein. Unter den Interpret/innen fan­den sich logi­scher­wei­se über­wie­gend sol­che aus der zwei­ten Rei­he, wie bei­spiels­wei­se die Schla­ger­sän­ge­rin­nen Lita Torel­ló und Gelu, die im Lan­de haupt­säch­lich mit Cover­ver­sio­nen inter­na­tio­na­ler Hits Erfol­ge fei­er­ten, oder ihre Kol­le­gin Maria Tere­sa de las Heras, die unter ihrem Künst­ler­na­men Tere­sa María mit spa­ni­schen Über­set­zun­gen bekann­ter Musi­cal-Songs auf­trat. María sang das in der Publi­kums­ab­stim­mung mit wei­tem Abstand erfolg­reichs­te Lied ‘Cara­co­la’ (‘Muschel’), das mehr Post­kar­ten auf sich ver­ei­nen konn­te als alle kon­kur­rie­ren­den Kom­po­si­tio­nen zusam­men, von denen heu­te nicht eine mehr im Netz zu fin­den ist, und von denen sich, so als woll­te man das natio­na­le Kli­schee mit aller Gewalt bedie­nen, gleich zwei mit dem Stier­kampf befass­ten. Nach Kopen­ha­gen schick­te TVE an ihrer Stel­le aller­dings das vom Sen­der bereits vor­ab intern aus­ge­wähl­te Geschwis­ter­trio Los TNT, das selbst nicht am Vor­ent­scheid teil­ge­nom­men hat­te. Die aus dem damals noch bit­ter­ar­men Nord­ita­li­en stam­men­de und Ende der Vier­zi­ger nach Uru­gu­ay aus­ge­wan­der­te Fami­lie Croat­to hat­te bei der Namens­fin­dung für ihre drei Spröss­lin­ge Krea­ti­vi­tät bewie­sen: die Jungs hie­ßen Edel­weiß (kein Scherz!) und Her­mes, das Mädel Argen­ti­na. Kein Wun­der, dass die Drei sich flugs Spitz­na­men zuleg­ten, näm­lich Tim, Tony und Nel­ly. Durch ihre Erfol­ge in Latein­ame­ri­ka wur­de Anfang der Sech­zi­ger­jah­re die spa­ni­sche Plat­ten­fir­ma Bel­ter auf sie auf­merk­sam und hol­te sie nach Spa­ni­en, wo es aller­dings kom­mer­zi­ell nur mäßig gut lief. 1965 kehr­ten sie nach Süd­ame­ri­ka zurück, Tony Croat­to ver­starb dort 2005.

Heut­zu­ta­ge mode­po­li­zei­lich strengs­tens ver­bo­ten: das Tra­gen von Holz­fäl­ler­hem­den ohne Hip­ster­b­art. Und das ist auch gut so!

Vor­ent­scheid ES 1964

Diens­tag, 18. Febru­ar 1964, im RNE-Fern­seh­stu­dio in Bar­ce­lo­na. Zwölf Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Car­mi­na Alon­so + Ana María Sol­so­na.
#Interpret/inInterpret/inTitelPost­kar­tenPlatz
01GeluLoren­zo Val­ver­deSoy20106
02Luis Gar­deyL Sevil­laTore­ro41003
03Clau­diaTito MoraOlé10308
04L Sevil­laAlfre­do Gar­ri­doLa Niña del Espe­jo63902
05GeluTito MoraLle­ga­ré24305
06Lita Torel­lóMichelEst­rel­las en el Agua9709
07Lita Torel­lóLoren­zo Val­ver­deTodo me da igu­al32104
08Lita Torel­lóMichelLuz de Ben­ga­la5410
09MichelTere­sa MaríaCara­co­la310001
10Tito MoraClau­diaEl Niño y el Toro13607

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1962: Und das Tele­fon sagt Du

16 Lie­der hat­te der spa­ni­sche Sen­der TVE zuge­las­sen für sei­ne zwei­te natio­na­le Pre­sel­ección im Jah­re 1962. Sechs davon schie­den aller­dings einen Tag vor dem TV-Fina­le in einer Radio-Vor­run­de wie­der aus. Erstaun­li­cher­wei­se gehör­te der Can­to de un Fra­ca­so, also der ‘Song vom Fias­ko’ des Kom­po­nis­ten, Schau­spie­lers und Sän­gers Ton­io Are­ta (†2012) nicht dazu, obwohl er doch das Schei­tern bereits im Titel trug. Wie eini­ge der Finalist/innen hat­te er gleich zwei Eisen im Feu­er: sein ande­rer Wett­be­werbs­bei­trag Un vie­jo Para­gu­as (‘Ein alter Regen­schirm’) mach­te immer­hin die Sil­ber­me­dail­le klar. Ich dach­te, den braucht man über­haupt nie in dem Land, wo “die Son­ne scheint bei Tag und Nacht”? Zu den Dop­pel­star­tern zähl­te auch der kata­la­ni­sche Sän­ger Josep (José) Guar­dio­la Díaz de Rada (eben­falls †2012), der auf dem Pfad der Erin­ne­run­gen wan­del­te, jedoch sowohl mit dem ‘Recuer­do’ (‘Sou­ve­nir’) als auch der Nost­al­gia an den zehn regio­na­len Jurys schei­ter­te, die offen­sicht­lich eher Gegen­warts­be­zo­ge­nes gou­tier­ten. Mög­li­cher­wei­se hing ihm noch der Skan­dal des Fes­ti­val de la Can­ción Medi­ter­rá­nea nach, eines ande­ren der in Spa­ni­en sehr zahl­rei­chen Lie­der­wett­strei­te, den er zwar gewann, jedoch dis­qua­li­fi­ziert wur­de, weil bei der Aus­zäh­lung mehr Stimm­zet­tel zusam­men­ka­men als man vor­her aus­ge­ge­ben hat­te. Des­sen­un­ge­ach­tet bestimm­te TVE im Jahr dar­auf Guar­dio­la intern zum Reprä­sen­tan­ten der Ibe­rer.

Der rach­süch­ti­ge Rapha­el spielt den Jago.

Wei­ter­le­senSpa­ni­scher Vor­ent­scheid 1962: Und das Tele­fon sagt Du