2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madon­na wird am Sams­tag im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 auf­tre­ten. Die seit Mona­ten als Gerücht gestreu­te, in den letz­ten Tagen mit einem ent­we­der unnö­ti­gen oder gefak­ten Dra­ma um nicht unter­schrie­be­ne Ver­trä­ge gehyp­te und ges­tern bestä­tig­te Nach­richt, dass die EBU der ame­ri­ka­ni­schen Groß­mutter des Pop, die hier­für sogar noch eine von einem israe­li­schen Indus­tri­el­len finan­zier­te Mil­lio­nen­ga­ge ein­streicht, in der zuschau­er­stärks­ten TV-Show der Welt kos­ten­los die Mög­lich­keit zur Bewer­bung ihres neu­es­ten Albums ein­räumt, nahm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend gefühlt ein Vier­tel der Sen­de­zeit, min­des­tens jedoch der Mode­ra­ti­on ein und degra­dier­te die acht­zehn im Kampf um den Final­ein­zug ange­tre­te­nen Acts zur blo­ßen Staf­fa­ge. Ver­traut die EBU der Strahl­kraft ihrer eige­nen Vor­zei­ge­sen­dung mitt­ler­wei­le so wenig, dass sie glaubt, die­ses erbärm­li­che Spiel mit­ma­chen zu müs­sen? Gut, der musi­ka­li­sche Anspruch des zwei­ten Semi­fi­na­les, in dem sich zwar alle nicht fix fürs Fina­le gesetz­ten Buch­ma­cher-Favo­ri­ten tum­mel­ten, das aber größ­ten­teils durch glatt­po­lier­te, main­strea­m­i­ge Lan­ge­wei­le glänz­te, ließ einen ein Stück weit nach­voll­zie­hen, war­um man sich sei­tens des Sen­ders KAN so auf das Drum­her­um kapri­zier­te.

Die dür­fen das: der Pau­se­nact Shal­va mit einem wun­der­bar herz­er­wär­men­den Kitsch­stück.

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Rank & File 2019: Platz 20 – Run with the Lions

Herz­lich Will­kom­men zum Berg­fest beim aufrechtgehn.de-Ran­king der Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge 2019! Die furcht­ba­re­re Hälf­te haben wir hin­ter uns gelas­sen, heu­te betre­ten wir den Abschnitt mit den okay­en bis ziem­lich guten Songs. Und zwar mit einem der weni­gen Lie­der die­ses Jahr­gangs, des­sen Titel aus mehr aus als nur einem Wort besteht, wel­ches im Refrain dann stumpf acht­hun­dert Mal wie­der­holt wird.

Platz 20: Litau­en – Jurij Veklen­ko: Run with the Lions (Lauf mit den Löwen)

Albert Hei­jn ver­kauft wirk­lich lecke­re Sand­wi­ches! © EiC

Dass der Kehr­reim der litaui­schen Wett­be­werbs­ein­rei­chung einen voll­stän­di­gen Satz beinhal­tet, gehört in der Tat zu ihren größ­ten Stär­ken. Hin­zu tre­ten eine recht har­mo­ni­sche Melo­die­füh­rung und ein – das Auge hört ja bekannt­lich immer mit – durch­aus ansehn­li­cher Inter­pret, des­sen gemein­sa­mes Foto-Posing mit dem Schwei­zer Kol­le­gen am Flug­ha­fen Schip­hol im Rah­men von Euro­vi­si­on in Con­cert den men­tal etwas Ver­dor­be­ne­ren unter uns *hüs­tel* man­nig­fa­chen Stoff für, sagen wir mal, unter­halt­sa­me Fan­ta­si­en lie­fer­te. Stimm­lich jedoch bil­det Juri­jus, wie er sich wohl zur Becir­cung der Juror/innen ger­ne nennt, lei­der zugleich die größ­te Bür­de des Bei­trags. Denn lei­der neigt der Sän­ger zum Fal­sett, und das kann, wenn man es denn camp genug ein­setzt, durch­aus sei­nen Reiz haben, wie beim ESC bei­spiels­wei­se schon Alan Sor­ren­ti, Cezar oder ‘Vero­na’ unter Beweis stell­ten. Jury-Juice aber meint das uniro­nisch und irri­tiert hier­durch eher.

Piep, piep, bit­te hab mich lieb: Jury-Juice schaut (hier beim litaui­schen Vor­ent­schei­de) einen Ticken zu devot in die Kame­ra.

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Euro­vi­zi­jos 2019: The Lions sleeps ton­ight

Zahl­rei­che Ergeb­nis­se sind noch nach­zu­rei­chen vom ver­gan­ge­nen Wochen­en­de, wo am Sams­tag in gleich vier Län­dern natio­na­le Fina­le statt­fan­den. In den meis­ten von ihnen, in denen bereits diver­se Vor­run­den und Semis vor­aus­gin­gen, pas­sier­te dabei aller­dings nichts bahn­bre­chend Neu­es mehr. So bei­spiels­wei­se in Litau­en, wo sich die heu­er ver­hält­nis­mä­ßig kurz gehal­te­ne Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka in die End­run­de schlepp­te. Die gute Nach­richt: die per­fi­de Stra­te­gie der Sän­ge­rin Moni­ka Mari­ja Pau­laus­kaitė, wel­che die Vor­run­den mit zwei sehr ähn­li­chen Power­bal­la­den ver­stopf­te, um ihre Chan­cen zu erhö­hen, und kurz vor dem vor­gest­ri­gen Fina­le eine davon unter Inkauf­nah­me einer Geld­stra­fe weg­warf, ging nicht auf. Die Litauer/innen bescher­ten ihr zu mei­ner die­bi­schen Scha­den­freu­de für das übrig geblie­be­ne ‘Light on’ mit dem zwei­ten Platz das schmerz­haf­test mög­li­che Ergeb­nis. Die schlech­te Nach­richt: statt ihrer fährt nun Juri­jus Veklen­ko mit dem völ­lig ega­len Mid­tem­po-Geplod­der ‘Run with the Lions’ nach Tel Aviv und reiht sich dort naht­los ein in das anschwel­len­de Heer von Bei­trä­gen, die weder eine posi­ti­ve noch eine nega­ti­ve Reak­ti­on her­vor­zu­ru­fen ver­mö­gen und schein­bar nichts wei­ter sein wol­len als ein mög­lichst unauf­fäl­li­ger Klang­tep­pich, der es den Euro­vi­si­ons-Zuschau­er/in­nen erlaubt, wäh­rend der Show auf dem Han­dy die neu­es­ten Twit­ter-Kom­men­ta­re zu che­cken, ohne dabei auf der Büh­ne irgend­et­was zu ver­pas­sen.

Ein Voll­bart schmückt doch ein­fach jeden Mann: immer­hin ent­schä­digt Jury-Juice optisch ein wenig für sein ener­vie­ren­des Gewin­sel.

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Am I a Cri­mi­nal?”: Moni­ka Mari­ja kauft sich für 2.000 Euro frei

Man kann die Stra­te­gie für befremd­lich hal­ten: mit gleich zwei musi­ka­lisch sehr ähn­li­chen Titeln trat die litaui­sche Sän­ge­rin Moni­ka Mari­ja Pau­laus­kaitė in die­sem Jahr beim Vor­ent­scheid ihres Lan­des an, der Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka. Näm­lich mit der Mid­tem­po-Power­bal­la­de ‘Lights on’ und der… Mid­tem­po-Power­bal­la­de ‘Cri­mi­nal’. Bei­de über­stan­den unbe­scha­det die gefühlt sieb­zig Vor­run­den und Semi­fi­na­le der litaui­schen Mara­thon-Show. Und das, obwohl Frau Pau­laus­kaitė im Vor­feld des Semis am ver­gan­ge­nen Sams­tag die Jury und die Zuschauer/innen beschwo­ren hat­te, bit­te bloß nicht für ‘Cri­mi­nal’ zu stim­men bzw. anzu­ru­fen. Den Gefal­len taten ihre Lands­leu­te ihr aber nicht und auch die­sen Song ins Fina­le am Sams­tag durch. ‘Lights on’ hat­te sich bereits in der Woche davor qua­li­fi­ziert. Wohl, um der Gefahr zu ent­ge­hen, dass sich kom­men­den Sams­tag nun die Stim­men gleich­mä­ßig auf bei­de Bei­trä­ge ver­tei­len und jemand anders ihr den Sieg weg­schnappt, zog Moni­ka Mari­ja ‘Cri­mi­nal’ nun vom Wett­be­werb zurück, wofür sie eine Ver­trags­stra­fe von 2.000 € an den Sen­der LRT ent­rich­ten muss. Der lässt sie dafür nun mit ihrem deut­lich zähe­ren und lang­wei­li­ge­ren Wunsch­bei­trag mit­ma­chen.

Eine Kri­mi­nel­le will sie nicht mehr sein, die Moni­ka Mari­ja. Also kauft sie sich von dem Vor­wurf Song frei.

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Vier­ter Super­sams­tag 2019: raus mit den Sitz­ho­mos

Bevor sie ganz unter den Tisch fal­len: neben den fünf natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen des ver­gan­ge­nen Wochen­en­des mit ihren fünf furcht­ba­ren Bei­trä­gen für Tel Aviv fan­den am ver­gan­ge­nen Sams­tag in zahl­rei­chen Län­dern diver­se Semi­fi­na­le statt, die nun hier in Win­des­ei­le abge­ar­bei­tet sein wol­len. Begin­nen wir bei den Gast­ge­bern des letz­ten Jah­res: in der ers­ten von zwei Vor­run­den des por­tu­gie­si­schen Fes­ti­val da Canção kam der Favo­rit Con­an Osí­ris erwar­tungs­ge­mäß eine Run­de wei­ter, lan­de­te mit dem rund­weg expe­ri­men­tell-bizar­ren ‘Tele­mó­veis’ (‘Mobil­te­le­fon’) jedoch bei der augen­schein­lich aus­schließ­lich mit Kul­tur­ba­nau­sen besetz­ten Jury ledig­lich auf dem vier­ten Rang. Das wesent­lich sach­ver­stän­di­ge­re Publi­kum bedach­te ihn hin­ge­gen mit der Höchst­wer­tung. Der mit einem gro­tes­ken Gesichts­ge­schirr ange­tan­te Con­an und sein gold­glit­tern­der Tän­zer muss­ten sich in der Gesamt­wer­tung einem volu­mi­nö­sen Schwar­zen mit dem Namen Matay geschla­gen geben, der im Video­ein­spie­ler noch den Hip-Hop­per mim­te, auf der Büh­ne jedoch im ele­gan­ten Frack erschien und eine ein­schlä­fernd sanf­te Bal­la­de zum Bes­ten gab. Über die vier Aus­ge­schie­de­nen hin­ge­gen gibt es lei­der nichts Inter­es­san­tes zu berich­ten, sie lang­weil­ten schlicht­weg.

Vom Gol­fer zum Gold­schatz­räu­ber: Con­an Osí­ris.

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Drit­ter Super­sams­tag 2019: eine Chan­ce für den Hass

Rich­tig rund ging es am gest­ri­gen Super­sams­tag: neben den Vor­ent­schei­dungs-Fina­len in Aus­tra­li­en, Ita­li­en und Mon­te­ne­gro fan­den in fünf wei­te­ren Län­dern Vor­run­den statt. Wir begin­nen unse­re Rei­se im hohen Nor­den, wo das ers­te von zwei Semis des islän­di­schen Söng­vakepp­nin Anlass zum hoff­nungs­vol­len Froh­lo­cken gab. Unter den zwei ins Fina­le dele­gier­ten Bei­trä­gen befin­det sich näm­lich mit ‘Hat­rið mun sig­ra’ (‘Der Hass wird sie­gen’) mein per­sön­li­cher Lieb­lings­ti­tel der gesam­ten Euro­vi­si­ons­sai­son 2019. Die Indus­tri­al-Band Hata­ri (die Has­sen­den) lie­fert damit die wütend-düs­te­re Hym­ne zur aktu­el­len End­zeit­stim­mung, die einen beim Anblick des Zustands Euro­pas und der Welt unab­wend­bar über­fällt, ver­packt in eine frap­pan­te musi­ka­li­sche Mischung aus Ramm­stein und Bron­ski Beat und dar­ge­bo­ten in einer auf­merk­sam­keits­star­ken, dezent SM-gefärb­ten Büh­nen­show. Und sogar eine klei­ne Rückung pack­ten sie dazu! Die sich selbst als “anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche BDSM-Tech­no-Per­for­mance-Art-Grup­pe” ver­ste­hen­den Künst­ler for­der­ten ver­gan­ge­nen Don­ners­tag den israe­li­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Ben­ja­min Netan­ja­hu öffent­lich zu einem “freund­schaft­li­chen Match” in der islän­di­schen Kampf­sport­art Glí­ma, einer Art von Wrest­ling, auf.

Wol­len bei einem Sieg gegen Net­tan­ja­hu die “ers­te BDSM-Kolo­nie am Mit­tel­meer” errich­ten: Hata­ri.

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Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Kat­zen?

Wie in einer der infla­tio­när aus­ge­strahl­ten nach­mit­täg­li­chen Zoo-Sen­dun­gen in den drit­ten Pro­gram­men der ARD ging es stel­len­wei­se zu beim gest­ri­gen zwei­ten, aus­schließ­lich aus Semis bestehen­den Super­sams­tag der Euro­vi­si­ons­sai­son 2019. So bei­spiels­wei­se in Lett­land, wo das zwei­te Pus­fināls der Super­no­va statt­fand, die bekannt­lich kei­ne sol­che ist ohne den legen­dä­ren Riga-Biber ali­as Mār­tiņš Kozlovskis, ein Schau­spie­ler und Come­di­an, der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, im Kos­tüm des die Kanä­le der let­ti­schen Haupt­stadt heim­su­chen­den Nagers ste­ckend, für skur­ri­le Unter­hal­tung in den Wer­be­pau­sen sorg­te. Dies­mal aller­dings nahm er am Wett­be­werb teil, unter sei­nem Musi­ker-Namen Koz­mens und in Beglei­tung der Band Dziļi Vio­lets (Deep Pur­ple). Ihr Bei­trag ‘Tau­tasd­zies­ma’ ver­such­te, alle Ant­wor­ten zu berück­sich­ti­gen, die Koz­mens bei einer Come­dy-Show auf die Fra­ge, was ein Euro­vi­si­ons­song braucht, vom Publi­kum zuge­ru­fen wur­den, näm­lich “lang­sam”, “schnell”, “Tanz”, “kei­nen Tanz”, “let­tisch”, “eng­lisch”, “fran­zö­sisch” und “Lie­be”. Das Ergeb­nis über­zeug­te zumin­dest die Lands­leu­te, die das wun­der­bar bizar­re, aber erfri­schend untra­shi­ge Kon­glo­me­rat ins Fina­le weit­er­wähl­ten.

Macht im Schot­ten­rock min­des­tens eine genau so gute Figur wie als Riga-Biber: Koz­mens.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Euro­pa wird fal­len

Neben dem Fina­le der fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dung Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on wähl­ten ges­tern Abend auch die Malteser/innen ihre Reprä­sen­tan­tin für Tel Aviv aus. Das noto­risch grand-prix-begeis­ter­te Eiland bedien­te sich in die­sem Jahr erst­ma­lig des bri­ti­schen Cas­ting­show-For­ma­tes X‑Factor, das sich für den Sen­der TVM als Ein­schalt­quo­ten­er­folg her­aus­stell­te, aber auch für Kon­tro­ver­sen sorg­te: ver­gan­ge­nen Okto­ber kri­ti­sier­te die mal­te­si­sche Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te Hele­na Dal­li die Show und den Sen­dert öffent­lich, weil ein Vor­run­den­teil­neh­mer dort unwi­der­spro­chen Wer­bung für die ethisch ver­werf­li­che, wis­sen­schaft­lich wider­leg­te und seit 2016 auf der Insel ille­ga­le Kon­ver­si­ons­the­ra­pie machen durf­te, die ihn von sei­ner “sünd­haf­ten” Homo­se­xua­li­tät “geheilt” habe. “Jun­ge Men­schen, die schwul sind, brau­chen weder Ver­ge­bung noch Hei­lung,” sag­te Dal­li im Par­la­ment, “sie brau­chen Ver­ständ­nis”. Kor­rekt! Das Fina­le von X‑Factor jeden­falls gewann die knapp 18jährige Michae­la Pace, die bereits 2017 an der mal­te­si­schen Vor­ent­schei­dung teil­nahm. Ihr Lied für Tel Aviv muss nun erst gefun­den wer­den, ihre leicht krat­zi­ge, dun­kel tim­brier­te Stim­me lässt jedoch befürch­ten, dass es auf eine depri­mie­ren­de Bal­la­de hin­aus­läuft.

So ‘Shal­low’ (‘Ober­fläch­lich’) wie ihr Cover-Song wirkt auch die voll ins bis­he­ri­ge mal­te­si­sche Inter­pre­tin­nen­sche­ma pas­sen­de X‑Fac­tor-Gewin­ne­rin Michae­la Pace.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: kan­ni­ba­li­sche Hams­ter

So lang­sam geht es in die Vol­len: heu­te Abend steigt der ers­te Super­sams­tag der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Um so drin­gen­der ist es daher an der Zeit, rasch noch ein paar der in den letz­ten Wochen lie­gen geblie­be­nen Vor­ent­schei­dungs­per­len abzu­ar­bei­ten. Und da kein ESC-Jahr­gang kom­plett wäre ohne ihn, darf, nein: muss die mol­da­wi­sche Euro­vi­si­ons­le­gen­de Alex­an­dru “SashaBogni­bov natür­lich den Auf­takt geben. Der mach­te bekannt­lich erst­mals 2008 von sich reden, als er sich mit dem lyrisch frag­wür­di­gen Titel ‘I love the Girls of 13 Years old’ für den Vor­ent­scheid des Lan­des bewarb und auch auf die vom Sen­der vor­ab ver­öf­fent­lich­te Aus­wahl­lis­te kam, es dann aber nicht in die Sen­dung schaff­te. Ein Ritu­al, das sich seit­her regel­mä­ßig wie­der­holt, wobei sei­ne Lie­der von Jahr zu Jahr musi­ka­lisch bes­ser und text­lich weni­ger gru­se­lig wer­den. Bis auf 2019: heu­er knüpft Alex mit ‘Love me like my Daugh­ter’ wie­der an sei­ne Anfän­ge an. Wenn ich sei­nen jau­len­den Gesang rich­tig ver­ste­he, umschwärmt unser Kar­pa­ten-Goth dar­in eine jugend­li­che Halb­wai­se mit Vater­kom­plex. Der mol­da­vi­sche Sen­der TRM erklär­te bei der Vor­stel­lung der Bewer­ber­lis­te für die O Melo­die Pen­tru Euro­pa bereits, dass einer der ein­ge­reich­ten Bei­trä­ge auf­grund sei­nes Tex­tes nicht euro­vi­si­ons­kom­pa­ti­bel sei und vom öffent­li­chen Vor­sin­gen für die Aus­wahl­ju­ry aus­ge­schlos­sen wer­de, das am 2. Febru­ar 2019 mit­tags in Chișinău statt­fin­det. Und ich habe das Gefühl, ich weiß auch schon, wel­cher das ist!

Gru­se­lig-düs­te­res Sujet vor weih­nacht­lich-ste­ri­ler, hell erleuch­te­ter Stu­dio­ku­lis­se: ein unpas­sen­de­res Set­ting hät­te man sich kaum aus­den­ken kön­nen.

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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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