Schlagwort-Archiv: Litauen

Fünfter Probentag in Malmö: erstes Semi, die Chancen

Logo ESC 2013 Semi 1Heute ging es richtig los in Malmö: das Pressezentrum eröffnete mit einer Pressekonferenz der EBU, die erwartungsgemäß alle ihre von den Fans teilweise heftig kritisierten Entscheidungen zu den Regeländerungen beim Contest als sinnvoll und gelungen bezeichnete und ansonsten ausführlich ihre brandneue Eurovisions-App für iPhones und Android-Handys bewarb (zu der ich nichts weiter sagen kann, weil bei mir der Anmeldeprozess nicht klappte, man zum Voten per App aber ohnehin ein PayPal-Konto braucht, das ich weder habe noch will und ich auf fesselnde News vom eurovision.tv-Team auf meinem Smartphone verzichten kann). Gegen Mittag starteten dann die zweiten Probendurchläufe für die Teilnehmer des ersten Semis am Dienstag. Und ab heute stellt uns eurovision.tv auch einen kompletten, dreiminütigen Mittschnitt für jedes Land zur Verfügung. Damit lassen sich dann auch die Chancen für den Einzug ins Finale etwas realistischer einschätzen. Meine Damen und Herren: die Spiele sind eröffnet!

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Zweiter Probentag in Malmö: It’s a small World

Gleich die ersten Interpreten des zweiten Probentages sorgten heute früh für die größte Überraschung: im weißen 2001-Weltraumanzug als Montenauten verkleidet, lieferten die beiden Jungs von Who see? eine astreine Performance ab, getoppt von ihrer ebenfalls kompetenten Sängerin Nina Žižić, die pünktlich zum Beginn ihres Vokalparts per transparentem Lift aus den Bühnenboden geschossen kommt. Der antizipierte Car-Crash bleibt also aus; ganz im Gegenteil räumen die Blogger in Malmö den ursprünglich als sichere Sitzenbleiber gehandelten Schwarzberglern mittlerweile große Chancen auf einen Finaleinzug ein. Den umgekehrten Weg gingen die drei Serbinnen, die ihren fabelhaften Faschingsschlampenlook aus der Vorentscheidung gegen augenwehbunte Zuckerbäckerkostüme austauschten. In denen sehen sie aus, als bewürben sie sich um einen Job im Disneyland Beograd: als Figuren im Fahrgeschäft “it’s a small world”. Das passt zwar zur Alle-meine-Entchen-Haftigkeit ihres Songs, aber wir sind hier schließlich nicht beim Junior Eurovision Song Contest. Total unsexy und lächerlich! Gebt mir meine Schlampen wieder!

Moje 3 – Ljubav Je Svuda (Serbia) First Rehearsal

Immerhin: die Chorsängerinnen machen einen guten Job

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Dritter Supersamstag: Dieter Bohlen braucht ein Alibi

Ich weiß, ich klinge wie eine kaputte Schallplatte mit einem Sprung, aber: kann bitte irgendjemand mal die Schweden kollektiv entmündigen? Was die da gestern bei der dritten Vorrunde des Melodifestivalen wieder zusammenwählten, schlägt nun wirklich dem Faß die Krone ins Gesicht! Einen ausgelutschten amerikanischen Softrock-Formatradio-Langweiler-Song und einen ‘riktig jävla Schlager’, vorgetragen von einem Alte-Herren-Trio unter Beteiligung von Tommy Körberg (SE 1988 und damals schon zum Wegdämmern) pickten sie für das Finale. Auf der Strecke blieb hingegen der superniedliche Eddie Razaz, der mit dem G:son-Beitrag ‘Alibi’ die bewährte Danny-Saucedo-Eric-Saade-Formel bediente: extrem eingängiger Discoschlager mit klassischem Formationstanz und Chorgesang vom Band.

Eddie Razaz – Alibi (Melodifestivalen 2013)

Seven Degrees, he’s down on his Knees (a lot, obviously)

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Litauen schickt… etwas (LT 2013)

Es gibt solche Acts, da tue ich mich wirklich schwer damit, sie angemessen zu beschreiben. Man stelle sich vor: der jüngere Bruder von a-ha-Frontmann Morten Harket (die Älteren werden sich erinnern) verkleidet sich mit Frack, Fliege, Zylinder und Schuhen in Krusty-the-Clown-Größe als Party-Conferencier, stellt sich auf die Bühne und blickt abwechselnd verschüchtert, verschmitzt und verloren in die Kameras. Soweit, so kompliziert? Und ich habe noch gar nicht angefangen, zu versuchen, den Song zu schildern! Ein treibender Elektrobeat; ein sphärisch wabernder, rockiger Synthiesoundteppich; eine klassisch-klagende Indiesängerstimme, passables Englisch und praktisch kein erkennbarer Refrain. Dazu tanzen im Bühnenhintergrund ein paar Harlekine auf Kisten und eine Frau im weißen Kleid trägt einen roten Ball durch die Gegend. Klingt verwirrend? Ist es auch. Vor allem, weil mir dieses abstruse Konstrukt auf Anhieb gefällt. Und zu meiner großen Überraschung gerade die litauische Vorentscheidung gewonnen hat. Meine Damen und Herren: Andrius Pojavis mit ‘Something’!

LITHUANIA ESC 2013: Andrius Pojavis – Something


Katja Ebstein hat angerufen und will ihre Bühnenshow von 1980 zurück!

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Kroatien schickt uns in die Klapa

Interessante Strategie: mit einem traditionellen Männerchor versucht Kroatien, das sich in den letzten drei Jahren nicht mehr fürs Finale qualifizieren konnte, den Eurovisionsbann zu brechen. Für die dortige Vorentscheidung DORA sind, wie esctoday unter Bezugnahme auf den Sender HRT berichtet, diesmal ausschließlich Klapa zugelassen. Dabei handelt es sich, wie uns die Wikipedia aufklärt, um “Volksmusik-Gruppen, die in der südkroatischen historischen Region Dalmatien zu besonderen Anlässen, meist unbegleitet, polyphone Gesänge darbieten”. Die bis zu 12 Mann starken Chöre singen mit Vorliebe von der Heimat, der Weinlese und der Liebe, wobei die Wurzeln des Acappella-Stils im liturgischen Kirchengesang liegen. Allenfalls eine Mandoline oder eine leise Gitarre dürfen die Herren musikalisch begleiten. Nun gingen Versuche mit Acappellamusik beim Grand Prix bislang immer fehl – andererseits könnte gerade eine sehr traditionelle Nummer, wie sie hier zu erwarten steht, sich aus dem Konkurrentenfeld herausheben. Warten wir’s ab: noch nimmt der Sender Bewerbungen entgegen.


Wie schön: ein Lied für “die Mutti” (Min. 0:34)

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Perlen der Vorentscheidung: die Ode an Viktoria

Dass die Litauer einen Hau weghaben, offenbart sich jedes Jahr aufs Neue in ihrer Eurovisionsvorentscheidung. So auch diesmal: die heute aufgezeichnete und morgen Abend zur Ausstrahlung kommende erste Vorrunde wartet bereits mit vielversprechenden Titeln wie ‘Hey Chaki-Mami’, ‘Call to you Mum’ oder ‘Kate’s Morning at 10:08′ auf. Und auch eine 2010 begonnene, lustige Tradition führen die vom Grand-Prix-Erfolg nicht sonderlich verwöhnten Balten unbeirrt fort: die Ode an den aktuellen Eurovisionssieger. War es seinerzeit eine Jungschwuppe namens Ruslanas Kirilkinas, der das tragische Bekenntnis verkündete: ‘I love a Boy who’s in love with a Fairytale’, so nimmt sich in diesem Jahr der Folkbarde Saulės Broliai mit seinen Kumpels der schwedischen Siegerin ‘Loreen’ an und lässt die Popelfe wissen, er wäre gern ihr “Sohn”. Oder meint er “Song”? Oder gar “Sonne”? Ich verstehe es nicht so genau, finde es aber in jedem Fall leicht beängstigend. Acht Beiträge gehen in der ersten Vorrunde an den Start, drei davon kommen ins Finale am 20. Dezember. Welche das sind, erfahren wir aber erst am darauffolgenden Samstag, da dann erst das Jury-Ergebnis bekanntgegeben wird. Merkwürdiges Volk halt, diese Litauer.


Welche Drogen hat das Art-Garfunkel-Double nur genommen?

Ein Lied für den Vorjahressieger. Wie findest Du diese Idee?

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Verjammern (ESC Semi 2 2012)

Logo ESC 2012, zweites Semi

Das gerontische Jahr

Ganze fünf (von sechs) exjugoslawische Länder versammelten sich in diesem zweiten Semi, und sie brachten fünf mehr oder minder dramatische, klassische Balkanballaden mit. Drei von ihnen kamen weiter ins Finale, darunter echte Überraschungen. Nicht so sehr beim Eröffnungsact des Abends: Željko Joksimović, auf dessen Konto das selbst gesungene ‘Lane moje’ (RS 2004, 2. Platz), ‘Lejla’ (BA 2006, 3. Platz) und ‘Oro’ (RS 2008, 6. Platz) gehen, bewies mit ‘Nije Ljubav Stvar’ erneut, warum er mit Fug und Recht als unumschränkter Balkanballadenkönig gilt: ein wunderschön instrumentierter, sanft beginnender und nach und nach immer eindringlicher und dramatischer werdender Folkschlager mit einem ergreifend kitschigen Text, vorgetragen von ernsthaft dreinblickenden, würdevoll gemessen über die Bühne schreitenden Menschen in edlem Schwarz. Wie soll man das nicht mögen? Und wie soll das nicht die 12er aus dem erweiterten Balkan abräumen?

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Bad Taste Day in Baku: 2. Proben BA, LT

Ein cleverer Schachzug: nachdem es der Bosnierin Maya Sar zwischenzeitlich gedämmert sein dürfte, dass sie mit ihrer lendenlahmen Schnarchballade ‘Korake ti znam’ angesicht der massiven Balkanballadenübermacht aus Serbien, Mazedonien und Slowenien nicht den Hauch einer Chance besitzt, ins Finale einzuziehen oder gar den Grand Prix zu gewinnen, verlegte sie ihr Streben flugs auf eine andere, leichter erringbare Trophäe: den Barbara Dex Award. In welcher Crackhölle sie die amerikanische Schneiderin fand, die ihr das geschmacklose Ensemble kreierte, welches Maya das Aussehen einer tragisch veranlagten Sauerierechse verleiht, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist: die Frau muss blind sein. Was uns zu Donny ‘Love is blind’ Montell aus Litauen bringt, der heute im Anzug (und weiterhin mit kunstdiamantenbesetzter Augenbinde) performte und dessen Auftrittsvideo fraglos bei Wikipedia unter dem Lemma “abgeschmackt” verlinkt sein dürfte.


Da sitzt die Schuldige! (BA)

Ein blinder Esel findet auch einen Korn: 1. Probe Bosnien, Litauen

Knapp vor Mitternacht nun das letzte Doppelpack des heutigen Probentages. Maya Sar leidet unter dem selben Handicap wie ihr Balkankollege Rambo Amadeus: sie darf den niedlichen Esel aus ihrem Vorschauvideo nicht mit auf die Bühne bringen. Ohne das herzerwärmend niedliche Tierchen aber ist ihre sterbenslangweilige Schnarchballade hoffnungslos verloren. Zumal auch Mayas Bühnenshow (sie alleine am Klavier, später aufstehend und zur Bühnenmitte wandernd sich das Herz aus dem Leib singend) vor depressionsfördernd düsterem Bühnenhintergrund nicht gerade Abwechslung oder gar Frohsinn in die Angelegenheit bringt. Zwar gehe ich davon aus, dass sie beim Semi wenigstens in etwas Festlicheres schlüpft als in die heutigen Klamotten vom Sekretärinnenflohmarkt. Und eventuell auch mal die Haare wäscht. Aber eigentlich ist es egal: den Freitagsflug nach Sarajewo kann sie fest buchen.


Iih-iih-aah, so schreit der Muli (sorry, falscher Song) (BA)

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Litauen: ein blindes Huhn findet auch kein Korn (LT 2012)

Dass die Litauer merkwürdige Menschen mit einem merkwürdigen Geschmack sind, bewiesen sie ja bereits in den Semis – und mit ihren bisherigen Eurovisionsbeiträgen. Sie bekräftigten es heute: Donatas Montvydas aka Donny Montell gewann übereinstimmend das Tele- und finale Juryvoting mit dem Song ‘Love is blind’. Wobei: es sind mindestens drei verschiedene Songs, notdürftig mit dem Lötkolben zusammengetackert, die er da präsentiert. Es beginnt mit einer ganz schlimm abgeschmackten Ballade, wie noch nicht mal Engelbert sie sich anzufassen getrauen würde. Im ersten Refrain kämpfen sich dann langsam ein paar halbherzige Dancebeats aus dem Hintergrund hervor, und plötzlich kippt das Ganze in eine entkoffeinierte Fassung von ‘I will survive’ um. Natürlich, ohne auch nur ein Jota der Güte dieses Siebzigerjahre-Disco-Klassikers erhaschen zu können. Dann wird noch völlig unvermittelt ein völlig unpassendes Jazz-Intermezzo eingestreut, und die Verwirrung ist komplett. Wo will das Lied hin? Was will es von uns? Man bleibt ratlos.


Donatella Montell für Litauen. Oh jeh.

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