Eurovision Deathmatch #4: von durchgeknallten Balten

Litauen und Lettland: zwei benachbarte Baltikums-Republiken, die ich aufgrund ihrer namentlichen Ähnlichkeit öfters miteinander verwechsele. Die beiden Länder machen es einem aber auch nicht leicht: nicht nur, dass sie beide mit „L“ anfangen und beim Eurovision Song Contest meist eher um die hinteren Plätze mitspielen. Sie schicken auch gerne mal ähnlich abstruse Beiträge, die selbst der geneigteste Fan nach einmaligem, pflichtbewussten Anhören schulterzuckend auf den Stapel mit dem Aufschrift „Auch. Das… auch“ legt und so schnell wie möglich vergisst. 2017 bildet da keine Ausnahme: da ging aus dem gefühlt vierhundertwöchigen litauischen Vorentscheidsmarathon ein Künstlerkollektiv namens Fusedmarc als Sieger hervor, dem die meisten Nicht-Balt/innen wohl klammheimlich ein gedankliches „Kon-„ vor den Namen setzten, ob ihres ziemlich wirren Titels ‚Rain of Revolution‘, der musikalisch ziellos vor sich hin mäandert und sich nicht entscheiden kann, welche Richtung er einschlagen möchte. Verwirrt zeigte sich auch die Band ob ihrer Ernennung zu Eurovisionsrepräsentanten: trotz vonseiten der EBU bereits zweifach verlängerter Abgabefrist konnten sie bis zum vorigen Samstag noch immer keine Studiofassung ihres Grand-Prix-Beitrags abliefern, was nun den Produktionsprozess des diesjährigen ESC-Samplers ins Schlingern bringt.

Revolutionär unkommerziell: Fusedmarc (LT)

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Litauen 2017: Every Song is a Cry

Unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit ging am gestrigen Samstagabend ebenfalls die schier unendliche Geschichte des litauischen Eurovisionsvorentscheids 2017 zu Ende. Nach insgesamt zehn Runden setzte sich in der finalen Sendung der Eurovizija das dreiköpfige, seit 2004 in wechselnden Zusammensetzungen bestehende Musik-Kollektiv Fusedmarc mit den Stimmen der Jury und der Zuschauer/innen gegen die langwöchige Favoritin Aistė Pilvelytė mit ihrem von Aminata (→ LV 2015) geschriebenen Wolfslied durch und ließ auch den einzigen einigermaßen erfolgversprechenden Trash-Titel ‚Get frighten‘ der ursprünglich bereits abgewählten, in letzter Sekunde jedoch per Wildcard wieder hinzugefügten Turbo-Dragqueen Lolita Zero weit abgeschlagen hinter sich. Warum, bleibt allen Nicht-Litauer/innen ein völliges Rätsel: da steht eine zierliche Frau mit einem strengen Kugelzopf im roten Kleid auf der Bühne und schreit disharmonisch zu einem im Hintergrund ziellos vor sich hin puckernden Elektrotrack, als gingen ihr gerade ein paar Nierensteine ab. Eine Revolution will sie auf uns herabregnen lassen, so nölt sie, und es klingt nach einer Drohung. Zumal unklar bleibt, woraus diese bestehen soll: aus der ersatzlosen Streichung solcher überkommenen und ewiggestrigen Konzepte wie das eines wahrnehmbaren Refrains oder eines Gesangs, der beim Zuhörer keine unmittelbaren Ohrenschmerzen auslöst? Eigentlich will man das als ignoranter Westeuropäer aber auch gar nicht so genau wissen, sondern den nach ermüdend zähem Prozess nun endlich ausgewählten, ebenso ermüdend zähen Titel ‚Rain of Revolution‘ nur noch flugs in die hoffentlich ausbruchssichere Kiste mit der Aufschrift „hoffnungsloses Füllmaterial für die Qualifikationsrunde“ packen, in der sicher nicht unbegründeten Hoffnung, den Song nur noch ein einziges Mal bei seinem Semifinalauftritt hören zu müssen und dann für immer vergessen zu können.

Keine Revolution: Kon-Fusedmarc schreien für Litauen

Hat Litauen dieses Jahr eine Chance aufs Finale?

  • Natürlich nicht. Wie man zehn Wochen brauchen kann, um so einen Müll auszuwählen, bleibt wohl das Geheimnis der Balten. (85%, 82 Votes)
  • Ja, das geht natürlich nicht so leicht ins Ohr wie Helene Fischer. Der Musik-Connaisseur weiß das aber zu schätzen und wird es ins Finale wählen. Hoffentlich. (15%, 14 Votes)

Total Voters: 96

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Doch keine Null: Lolita Zero ist zurück!

Sehr erfreuliche Nachrichten aus Litauen: nachdem die hier bereits gründlich abgefeierte, fabelhafte Dragqueen Lolita Zero mit ihrem discotastischen Elektrobrett ‚Get frighten‘ vor einigen Wochen in einer der gefühlt 700 Vorrunden (genauer gesagt: dem ersten Viertelfinale) des Nacionalinė Atranka herausflog – und das denkbar knapp bei Punktegleichstand, aber weniger Jurystimmen – und ich den Baltenstaat somit bereits abgeschrieben hatte, sinnierte man beim Sender LTR wohl einige Zeit über einen geeigneten Weg, den schrecklichen Fehler ungeschehen zu machen und die einzige ernsthafte Eurovisionshoffnung des Vorentscheids wieder ins Boot zu holen. Vergangenes Wochenende fand man die Lösung: in einer so überraschend wie kurzfristig angesetzten Internetabstimmung durften Fans aus aller Welt unter sechs bereits ausgeschiedenen Kandidaten, darunter Zero, eine Wildcard verteilen. Wenig überraschend konnte der aus einem aktuell in den litauischen Kinos laufenden Actionstreifen bekannte Schauspieler und Tänzer Gytis Ivanauskas, der auch dort die Rolle der schrillen Lolita Zero verkörpert und bislang in jedem Televoting unter den ersten Zwei lag, sich problemlos gegen den erst vorgestern ausgeschiedenen Sascha Song (→ LT 2009) durchsetzen (die restlichen vier Zählkandidaten spielten keine Rolle) und nimmt damit kommenden Samstag am Eurovizijos-Finale teil. Ich kann nur hoffen, dass das nicht noch mal schiefgeht und Lolita nun auch endlich das Ticket nach Kiew löst!

Tanz den Horn! (LT)

Zweiter Supersamstag 2017: Rotzgören und schlechte Lover

Was für ein Abend: insgesamt sieben Vorentscheidungsrunden liefen am gestrigen Samstagabend parallel zueinander, davon zwei Finale (nämlich in Italien und Spanien). Den Auftakt machte mal wieder das Gastgeberland Ukraine, wo sich weitere acht Semifinalisten dem Jury-Trio aus Vorjahressiegerin Jamala, Andrij Danylko (der Mann hinter der Bühnenfigur Verka Serdutschka [→ UA 2007]) und einem TV-Produzenten stellen mussten. Das kegelte mit seiner Stimmmacht einen der Publikumsfavoriten heraus, den Sänger Ruslan Kuznetsov, umstrittener Gewinner der Wildcard-Vorrunde im Internet und Zweitplatzierter im Televoting. Umstritten deswegen, weil das ukrainische Fernsehen ihm und ein paar Mitstreitern im November 2016 Manipulationsversuche vorwarf und all seine bis dato angesammelten Stimmen annullierte. Innerhalb weniger Tage hatte er diese aber wieder zusammen und zog ins Semi ein – umsonst. Zu den damaligen Schummlern soll auch die Gothic-Punk-Band Aghiazma gehört haben, die gestern Abend ebenfalls antrat, allerdings mit einem anderen Beitrag als in der Wildcard-Runde. Sie scheiterten sowohl an der Jury als auch an den Zuschauer/innen, und das ist eine gute Nachricht für Epileptiker/innen, denn die Lichtshow der sechs Tokio-Hotel-Epigonen war durchaus geeignet, bei entsprechend disponierten Menschen Anfälle auszulösen. Trotzdem schade um den Song: ‚Synthetic Sun‘ überzeugte durch einen guten Schub und sehr ordentlich bratzende Hardrock-Gitarren. Außerdem präsentierte sich das lustig frisierte und geschminkte Satanisten-Sextett im Jury-Interview außergewöhnlich sympathisch: ich habe keine Ahnung, über was der Moderator und Jamala endlos mit ihnen scherzten, aber es muss sehr witzig gewesen sein – und die Aghiazma-Leadsängerin sehr schlagfertig, jedenfalls der Publikumsreaktion nach zu urteilen.

Schicker Halsmuff! (UA)

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Perlen der Vorentscheidungen: ich bin eine Vulva

Neben dem finnischen Finale fanden am gestrigen Samstag ebenfalls – gewissermaßen wie immer – weitere Viertelfinale in Ungarn und in Litauen statt. Über die gibt es allerdings nur wenig Interessantes zu berichten. In der dritten Vorrunde von A Dal rangen erneut zehn Kombattant/innen um die Gunst der Jury – allesamt ziemlich kompetente Acts mit ziemlich kompetenten Songs; also nichts, was einen veranlassen würde, schreiend wegzurennen, aber auch nichts unfreiwillig Komisches oder sonstwie Herausragendes. Wie langweilig! Verdienter Spitzenreiter wurde der bereits aus Kopenhagen und vom A Dal bekannte András Kállay-Saunders (→ HU 2014, Vorentscheid 2016) mitsamt Band, der mit dem Beitrag ’17‘ unter Beweis stellte, dass er auch Undramatisches bestens beherrscht. Nur gut, dass der Contest in diesem Jahr nicht in Deutschland stattfindet, denn nach seinem Geständnis, in diesem Alter eine „Fake ID“, also einen gefälschten Ausweis, benutzt zu haben, um in die Clubs reinzukommen, dürfte ihn Thomas de Mazière vermutlich bereits bei der Einreise wegen Terrorismusverdachts festnehmen lassen. Kállay-Saunders machte im kleinen Schwarzen (sprich: Lederjacke und enganliegende Jeans) wieder eine gute Figur – nur über die teilblondierten Rastazöpfe und die Sonnenbrille müsste man vielleicht nochmal sprechen. Falls in den nächsten Wochen nicht noch etwas Besseres nachkommt, darf er wegen mir gerne noch mal ran.

Höllena Fürst hat angerufen und will ihre Frisur zurück: András Kállay-Saunders (HU)

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Perlen der Vorentscheidungen: Tanz den Horn, Muttersöhnchen!

Welch ein ereignisreiches Eurovisionswochenende! Es begann mit einem leider sehr traurigen Ereignis: nachdem in der Nacht von Freitag auf Samstag in der Nähe der italienischen Stadt Verona ein Reisebus mit ungarischen Schüler/innen verunglückte, verhängte die magyarische Regierung angesichts von 16 Todesopfern verständlicherweise Staatstrauer, woraufhin die eigentlich für Samstagabend geplante zweite Vorrunde der heimischen Eurovisionsvorentscheidung A Dal bis auf Weiteres um eine Woche verschoben wurde. Neben dieser Tragödie und den bereits verbloggten zwei nationalen Endausscheidungen vom Samstag in Weißrussland und Georgien blieb kaum noch Zeit für eine Sichtung der bereits am Freitagabend veröffentlichten zwölf Songs des für den 11. März 2017 terminierten isländischen Söngvakeppnin, die – wenn auch nur als Audio-Studiofassungen – jeweils in der landessprachlichen und englischen Version vorhanden sind und unter denen sich einige vielversprechende Titel befinden, wie beispielsweise das in beiden Fassungen sehr einprägsame ‚Bambarram‘ von Hildur, das hypnotische ‚Hypnotised / Þú hefur dáleitt mig‘ des Rick-Astley-Doppelgängers Aron Brink oder die hübsche Country-Liebesschnulze ‚You and I / Þú og ég‘ von Páll Rósinkranz und Kristina Bærendsen (Playlist mit allen 24 Beiträgen hier). Auch das moldawische Fernsehen TRM stellte zeitgleich die 14 Songs vor, die sie aus den insgesamt 39 Einsendungen für O Melodie Pentru Europa am 24. und 25. Februar 2017 ausgesiebt hatten. Wobei es der so unermüdliche wie legendäre Sascha Bognibov, Leser/innen dieses Blogs noch von Meisterwerken wie ‚The Girls of 13 Years old‘ und unzähligen anderen bekannt, so erwartbar wie skandalöserweise mal wieder nicht in die Auswahl schaffte, obschon er mit dem amtlich bretternden Metall-Stück ‚Stop the Liars‘ über einen herausragenden Beitrag verfügte. Und das meine ich völlig unironisch. Auch die Folk-Popper Che-MD und der putzige Pop-Rentner Tudor Bumbac, beide in früheren Jahrgängen schon mal am Start, konnten die Senderjury diesmal nicht überzeugen.

Saschas Kommentar zum gerade ernannten US-amerikanischen Präsidenten? Schande, Moldawien, dass er nicht dabei ist! (MD)

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Perlen der Vorentscheidungen: beim Barte des Cäsaren!

So langsam beginnt in der laufenden Vorentscheidungssaison wieder der Aufmerksamkeitsstress, wenn auch noch in vergleichsweise moderater Dosierung: am gestrigen Samstagabend gingen zeitgleich zwei Vorrunden über die Bühne. Beginnen wir mit Ungarn, wo das erste Viertelfinale von Á Dal 2017 stattfand. Dort hat, wie sollte es in der lupenreinen Demokratie Viktor Orbans anders sein, die Jury das Zepter fest in der Hand. Um so erstaunlicher also vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Anfeindungen, die sich diese Minderheit im Land der Magyaren auch aus der Politik ausgesetzt sieht, dass selbige Jury eine Band mit dem selbsterklärenden Namen Roma Soul weiterwählte. Deren Song ‚Nyitva a Ház‘ (in etwa ‚Öffne Dein Haus‘) entwickelt allerdings erst im letzten Drittel ein bisschen Tempo und Feuer, wobei der Rhythmus hier von einem Beatboxer und auf einer Zinkvase erzeugt wird. Also so ein bisschen Witloof Bay (→ BE 2011) trifft Pfuri, Gorps und Kniri (→ CH 1979). Im Gedächtnis bleibt der Auftritt hauptsächlich durch die neonbunten T-Shirts, mit denen sich die Musiker unisono kleideten und die mich vermuten lassen, dass die Nummer eine völlig andere Dynamik entfaltet, wenn man vor dem Anschauen etwas LSD einwirft. Zumal die farbstarken, trippigen grafischen Muster auch ihren Weg auf die LED-Wand fanden. Hinsichtlich der schrägen Schnitte selbiger Herrenoberbekleidungsstücke fehlen mir als Modemuffel die Kenntnisse, ob dies irgendeinem aktuellen Trend entspricht – ich weiß nur, dass es total scheiße aussieht. Ungeachtet des modischen Faux Pas handelte es sich bei der Roma-Seele um den einzigen nennenswerten Beitrag der gestrigen Runde. Vielleicht noch bis auf einen gewissen Benji, der bei seinem Auftritt schwitzte wie bei einem Besuch in der Dampfsauna und den die Zuschauer/innen, die im Anschluss an die Jury aus den Resten noch einen Act aussuchen durften, ob seiner erkennbaren Qualen wohl in einer Art Mitleidsvotum retteten.

Farben sind die Augen uns’rer Erde (HU)

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Perlen der Vorentscheidungen: you smell like Lipstick, again

Während sich die ARD, eine der reichsten TV-Anstalten Europas, in diesem Jahr lediglich eine Show und zwei Songs leisten kann, fährt das litauische Fernsehen bei seiner Vorentscheidung mal wieder ganz groß auf. 50 Semifinalisten – jeder mit seinem eigenen Lied! – treten in dem kleinen Baltenstaat an, über zehn Wochen erstreckt sich das Vorauswahlverfahren. Am gestrigen Samstag kämpften die ersten 12 Acts gegeneinander, wobei die Show enttäuschend professionell ausfiel und Bizarres rar gesät war. Mit einer Ausnahme, nämlich dem Duo Tadas Rimgaila und Samanta Tina, die in ihrem unifarbenen Aufzug ein wenig an Besatzungsmitglieder des Raumschiffs Enterprise erinnerten. Ich bin nur nicht sicher, ob an Abgesandte eines fernen Planeten oder an designierte Kundschafter, die bei ihrem nächsten Außeneinsatz unweigerlich umkommen werden. Was sie, gemessen am Resultat, tatsächlich taten: für das Pärchen reichte es nicht für den Recall, was neben dem absonderlichen Ausdruckstanz und Tadas‘ verstörendem Kehlenfetisch vor allem an dem üppigen Achtizgerjahre-Robert-Palmer-Videoclip-Model-Make-up gelegen haben könnte, das die bereits einschlägig bekannte Samanta trug und das sich am Ende ihrer drei Minuten großflächig über beide Gesichter verschmiert fand. Vielleicht trägt aber auch der sperrige Song Schuld, oder alles zusammen.

Fifty Shades of Grey scheint wohl auch seinen Weg ins Baltikum gefunden haben: Sam & Tados (oder sollte ich sagen: Tam & Sados?) bei Würgespielchen vor der Kamera (LT)

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Kleiderkatastrophen und Gänsehaut: die Proben zum zweiten Semi 2016

Und weiter geht’s mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher ‚Heartbeat‘ eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangsfrisieren? Gewagte modische Statements auch von Michał Szpak: der Pole absolvierte seine erste Probe in einer uniquen, ärmellosen, silbernen Jacke, die er in den folgenden Durchgängen ablegte, um uns mit einem schwarzen Tanktop zu erfreuen. Sieht man an unaufgepumpten, langhaarigen Dauerwellenträgern ja sonst eher selten! Lustig: drei seiner Backings sind als Violinistinnen getarnt, der ersten fehlte allerdings zunächst das Instrument, so dass sie einen kleinen Maraaya-Luftgeigen-Moment (SI 2015) improvisieren musste. Damit wir dem Schwulst seines Textes nicht entfliehen können, werden die Keywords von ‚Color of your Life‘ auf dem Bühnenhintergrund eingeblendet. Muss das denn sein?

Wer hat die Geige geklaut? (PL)

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Litauen 2016: flüchtet schnell, es ist Donny Montell!

Irgendwann mal in der Steinzeit muss es gestartet sein, das litauische Vorentscheidungsverfahren, in dem in gefühlt achthundert Vorrunden immer wieder die selben Interpreten und Lieder gegeneinander antraten, und das heute Abend zeitgleich mit dem schwedischen Melodifestivalen zu Ende ging, so dass außerhalb des Baltenstaates garantiert niemand zuschaute, als der Wiederholungstäter Donny Montell endlich abschließend gewann. Vermutlich, weil sein Songtitel ‚I’ve been waiting for this Night‘ auch die Gedanken der erschöpften Juroren und litauischen Zuschauer/innen zusammenfasste, die verdammt froh sein dürften, es nun endlich hinter sich zu haben. Donny, der bereits 2012 mit einer besonders abgeschmackten Darbietung mit Swarowski-Augenbinde und Überschlag unterhielt, präsentiert uns diesmal Standard-Schwedenware – nichts Besonderes also. Dennoch möchte man vor Dankbarkeit niederknien, wartet sein Song doch wenigstens mit Uptempo und einem ordentlichen, identifizierbaren Refrain auf, zwei Ingredienzen, die eigentlich zu den Standardzutaten eines Eurovisionsliedes gehören sollten, es aber immer weniger tun. Über die zurückgebliebenen fünf litauischen Konkurrenztitel lohnt sich die Rede nicht (mehr): unaussprechliche Scheußlichkeiten samt und sonders, über welche wir bitte ganz schnell den Mantel des Vergessens breiten wollen. Wie auch über Donnys Song, den wir aber ohnehin nur noch einmal, im Semi, über uns ergehen lassen müssen.

Hat Mama das Jäckchen zu heiß gewaschen oder soll das so?

Hat Litauen mit Donny Montell Chancen aufs Finale?

  • Litauen hat es schon mit Schlimmerem ins Finale geschafft. Ich fürchte also, ja. (44%, 45 Votes)
  • Ja. Er hat eine gute Ausstrahlung, der Song entspricht Eurovisionsmaß. Klar kommt das weiter. (32%, 33 Votes)
  • Nein. 'Love is blind' war wenigstens komisch. Das hier langweilt nur. (24%, 25 Votes)

Total Voters: 103

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