LT 2018: Der Berg kraist… und gebiert eine Zasimauskaitė

Über zehn Wochen erstreckte sich das notorisch überlange litauische Vorentscheidungsverfahren, die Eurovizija, auch 2018 wieder. 50 Songs (!) nahmen ursprünglich daran teil, die man für das gestrige Finale, übrigens das letzte dieser Saison (fühlt Ihr bereits den Entzugsschmerz?), in einem epischen, hochkomplizierten Verfahren auf sechs reduzierte, mit denen der Sender LRT dann, anders als die in dieser Beziehung die Nerven ihrer Zuschauer/innen nicht über Gebühr strapazierende ARD, nochmals gute drei Stunden in der Primetime füllte. Es siegte, nachdem die Litauer/innen in den Vorrunden bereits sämtliche guten Beiträge bis auf einen herausgewählt hatten, leider nicht dieser, sondern wie erwartet die klare Favoritin Ieva Zasimauskaitė mit der stimmlich ausgesprochen zart dahingehauchten Liebesballade ‚When we’re old‘, mit welcher der Eurovizija-Dauergast es im fünften Anlauf schaffte. Und zwar mit dem Segen und der Unterstützung ihres eigenen Ehemannes, der beim Finalauftritt mit auf die Bühne hinzutrat, um sie verliebt anzuschmachten, was die Authentizität des Crowd-Pleasers ungemein erhöhte. Denn merke: das Heteropärchen siegt immer!

Konkurrenz für das spanische Pärchen in Sachen Gefühlskitsch: die Ieva.

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Eurovizija, Finale

Wunder gibt es immer wieder: nach zehn Wochen geht auch in Litauen das wohl zählebigste Vorentscheidungverfahren Europas zu Ende. Von ursprünglich mal 50 Bewerber/innen blieben nur sechs übrig, und diese rittern heute Abend ab 20 Uhr deutscher Zeit im aus unbekannten Gründen um einen Tag verschobenen Finale der Eurovizija ein letztes Mal um das Ticket nach Lissabon. Falls sie nicht vor Erschöpfung schon zusammengebrochen sind. Wie immer entscheiden eine Jury und die Zuschauer/innen paritätisch. Die größten Chancen dürfte sich Ieva Zasimauskaitė mit der sterbensöden Schnarchballade ‚When we’re old‘ ausrechnen, die bislang in sämtlichen Eurovizija-Runden ungeschlagen führte und dem Baltenstaat in Lissabon das nächste Semifinal-Aus bescheren dürfte. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Hier der Beitrag, der meiner Meinung nach gewinnen muss (und es natürlich nicht tun wird): The Roops sanftes Mantra ‚Yes I do‘.

→ Livestream LRT1

Livestream LRT Lituanica

Vorentscheid LT 2018

Eurovizija. Sonntag, 11. März 2018, aus der Žalgirio Arena in Kaunas, Litauen. 6 Teilnehmer/innen. Moderation: Mantas Stonkus und Ugnė Skonsmanaitė.
#Interpret/inTitelTVJuryGesamtPlatz
01Monika MarijaThe Truth08 | 13.75508 | 621604
02Kotryna JuodzevičiūtėThat Girl06 | 01.36006 | 461205
03The RoopYes, I do10 | 16.49107 | 501703
04Paula1, 2, 305 | 01.16005 | 381006
05Jurgis Brūzga4 Love07 | 05.38212 | 711902
06Ieva ZasimauskaitėWhen we're old12 | 20.35510 | 702201

Eurovizija, Semifinale

Man soll es nicht glauben, aber auch der litauische Vorentscheidungsmarathon geht langsam in die Endphase. 50 Bewerber/innen präsentierte uns der Sender LRT in vier Vorrunden, weitere drei Shows folgten, in denen die übrigen 24 Acts weiter reduziert wurden. Das heißt, alle Lieder hat man schon einmal gehört, die Show kann man sich also getrost sparen. Heute treffen sich ab 20 Uhr deutscher Zeit die Überlebenden zum Semifinale, und am nächsten Sonntag soll dann feststehen, wer das litauische Ticket nach Portugal erhält. Falls nicht noch irgendwas dazwischenkommt.

Livestream LRT Televizija

Livestream LRT Lituanica

Starterliste:

01. – Marija – This love
02. – Twosome – Hello
03. – Ieva Zasimauskaitė – When we’re old
04. – Paula – 1, 2, 3
05. – Saulės Kliošas – Man gaila
06. – Ruta Loop – Positive thoughts
07. – Monika Marija – The truth

Eurovizija 2018, 7. Vorrunde

Die heutige Ausgabe der Eurovizija wird am Super-Entscheidungs-Samstag mit Sicherheit nicht ein einziger Eurovisionsfan verfolgen. Und das zu Recht, denn sie bietet nichts als Wiederholungen. Alle 50 Bewerber/innen um das litauische Eurovisionsticket wurden in den ersten vier Shows bereits vorgestellt und auf knapp die Hälfte reduziert. Jetzt im Februar kämpfen die übrigen 24 in neuen Konstellationen nochmals gegeneinander, um die (zahlreiche) Spreu weiter vom (wenigen) Weizen zu trennen. Wie man das aus dem Baltenstaat bereits kennt, holte der Sender zwischenzeitlich zwei bereits ausgeschiedene Interpretinnen per Wildcard wieder zurück, nämlich Greta Zazza und Rūta Loop.

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Eurovizija 2018, 6. Vorrunde

Bedenkenlos schenken kann man sich am heutigen Super-Samstag die mittlerweile sechste Vorrunde der Eurovizija, denn sie bietet nichts als Wiederholungen. Alle insgesamt 50 (!) Bewerber/innen um das litauische Eurovisionsticket wurden in den ersten vier Shows bereits vorgestellt und auf knapp die Hälfte reduziert. Letzte Woche sowie in der heutigen Ausstrahlung der bereits am Mittwoch aufgezeichneten Sendung kämpften die übrigen 24 nochmals gegeneinander. Doch mittlerweile sind dank der ruhelosen Arbeit der geschmacksbehinderten litauischen Jury und der noch weniger zurechnungsfähigen litauischen Zuschauer/innen sämtliche auch nur ansatzweise interessanten Beiträge längst eliminiert, befindet sich nur noch völliger Song-Schrott im Rennen. Egal, wer jetzt noch weiterkommt und wer im Finale der Eurovizija gewinnt: bereits jetzt kann man das Land gedanklich auf den letzten Platz in seinem Eurovisions-Semi setzen.

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Gewann das bereits bei der Aufzeichnung am Mittwoch abgehaltene Juryvoting und muss sich vor lauter liedinduzierter Schläfrigkeit schon mal setzen: Ieva.

Die Teilnehmer/innen dieser Runde, nach Ergebnis des Jury-Votings:

  1. – 012 – Ieva Zasimauskaitė –When we’re old
  2. – 010 – Saulės Kliošas– Man gaila
  3. – 010 – Monika Marija –The truth
  4. – 007 – Audrius Petrauskas –In my bones
  5. – 006 – The Roop –Yes I do
  6. – 005 – Gabrielius Vagelis –The distant
  7. – 004 – Greta Zazza –Broken shadows
  8. – 003 – RutaLoop- Positive thoughts
  9. – 002 – Elizabeth Olshey –Bejausmis
  10. – 001 – Živilė Gedvilaitė –Melody
  11. – 001 – Agnė Michalenkovaitė –Going on
  12. – 000 – Marija– This love

Vierter Supersamstag 2018: entmündigt die Esten!

Reihenweise fanden am gestrigen Supersamstag neben den abschließenden Entscheidungen in Dänemark und Italien noch Semifinale quer durch Europa statt, bei denen sich die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wieder von ihrer schlechtesten Seite zeigten und eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen trafen. Am wenigstens ausgeprägt erstaunlicherweise diesmal in Schweden, wo sich das zweite Semifinale des allgemein beliebten Melodifestivalen musikalisch noch schwächer präsentierte als das eigentlich schon unterirdische erste vom vorvergangenen Samstag. Mit den Augenschmäusen Limaoo und Samir & Victor wählten die Skandinavier/innen drei kernige Knaben mit träshigen Titeln ins Finale weiter, wogegen sich natürlich nicht das Geringste einwenden lässt. In die Wir-quälen-Dich-ein-zweites-Mal-Runde Andra Chansen delegierte man die polnische Krächze Margaret, deren Ausscheiden beim Vorentscheid ihres Heimatlandes im Jahre 2016 mit dem in den internationalen ESC-Wettquoten bis dato bereits ganz weit oben liegenden Titel ‚Cool me down‘ für europaweite Nervenzusammenbrüche bei den Fans sorgte.

Eine weitere Mitreisende auf dem ‚Despacito‘-Zug: Margaret lockt uns in ihre Strandhütte (SE).

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Eurovizija, 5. Vorrunde

Die heutige Ausgabe der Eurovizija kann man sich guten Gewissens schenken, denn sie bietet nichts als Wiederholungen. Alle 50 Bewerber/innen um das litauische Eurovisionsticket wurden in den ersten vier Shows des baltischen Vorauswahl-Marathons bereits vorgestellt und auf knapp die Hälfte reduziert. Jetzt im Februar kämpfen die übrigen 24 in neuen Konstellationen nochmals gegeneinander, um die (zahlreiche) Spreu weiter vom (wenigen) Weizen zu trennen. Vielleicht aber holt der Sender auch bereits Ausgeschiedene wieder dazu oder schmeißt noch einmal alles um – in Litauen weiß man nie.

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Qualifiziert:
01. – 022 (12+10) – Kotryna Juodzevičiūtė – That girl
02. – 022 (10+12) – Jurgis Brūzga – 4 love
03. – 017 (10+07) – Godo – Fire fountain
04. – 012 (07+05) – Twosome – Hello
05. – 012 (06+06) – Paula – 1, 2, 3
06. – 011 (03+08) – Silvija Pankūnaitė & Gerai Gerai – More than you know
Ausgeschieden:
07. – 009 (05+04) – Vidas Bareikis – Pusvalanduko
08. – 008 (05+03) – Lukas Norkūnas – Tegu
09. – 003 (01+02) – Milda Rasilavičiūtė – I think about you
10. – 002 (02+00) – Juozas Martin – Don’t give up
11. – 001 (00+01) – Benas Malakauskas – My memories
12. – 000 (00+00) – Germantė Kinderytė – Turn it up

Perlen der Vorentscheidungen: Morituri te salutant!

Zwei Vorentscheidungen vom Wochenende gilt es noch nachzureichen. Die letzte Vorrunde der litauischen Eurovizija vom vergangenen Samstag zeigte sich erstaunlich arm an… – nein, präziser: enttäuschend frei von Durchgeknalltem, wie wir es sonst von dem Baltenstaat kennen und lieben. Am schrägsten vielleicht noch der Auftritt einer gewissen Ofelija, deren rein musikalisch betrachtet (wäre da nur nicht der gräusliche Gesang!) noch nicht einmal schlechtes Elektropopliedchen den Titel ‚Butterfly‘ trug und die sich, wenig überraschend, mit bunten Schmetterlingsflügeln ausgestattet hatte. Die sie allerdings erst nach zwei Minuten zur vollen Pracht entfaltete: zunächst saß sie hinter einer schäbigen Heimorgel, anschließend ließ sie sich von einem tanzenden Pärchen umspringen. Insgesamt vermittelte die gute Ofelija ein wenig den Eindruck, in den Neunzigern hängengeblieben zu sein. Und wer wollte es ihr verdenken: außer beim Song Contest war das schließlich popmusikalisch wie gesellschaftspolitisch die beste Dekade! Um so unvorbereiteter traf den Zuhörer der nihilistisch-profunde Schlusssatz ihres fluffigen Songs, der da lautete: „Because I’m like a Butterfly / and soon I’m gonna die“. Hoppla!

Bestens für die anstehende Faschingssaison gerüstet: Ophelia und ihr Begleitballett (LT).

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Eurovizija 2018, 4. Vorrunde

Heute Abend tritt das letzte Viertel von insgesamt 50 Kandidat/innen um das litauische Eurovisionticket an. Obwohl, das ist nicht ganz richtig: angetreten sind sie bereits am Mittwoch, da wurde die heutige Sendung der Eurovizija nämlich aufgezeichnet. Einschließlich der Jurywertung! Nun dürfen die litauischen Zuschauer/innen noch abstimmen, das aufaddierte Ergebnis bestimmt, welche sechs heute Abend weiterziehen. Ab nächste Woche kämpfen die überlebenden 24 in neuen Konstellationen nochmals gegeneinander, um die (zahlreiche) Spreu weiter vom (wenigen) Weizen zu trennen. Vielleicht aber holt der Sender auch bereits Ausgeschiedene wieder dazu oder schmeißt noch einmal alles um – in Litauen weiß man nie.

Livestream LRT

Qualifiziert:
01. – 022 (10+12) – Monika Marija – The truth
02. – 016 (12+04) – Jurgis Brūzga – For love
03. – 016 (08+08) – Marija – This love
04. – 016 (06+10) – The Roop – Yes I do
05. – 014 (08+06) – Kotryna Juodzevičiūtė – That girl
06. – 009 (04+05) – Rūta Loop – Positive thoughts
Ausgeschieden:
07. – 008 (05+03) – Dainotas Varnas – Merry-go-round
08. – 007 (00+07) – El Fuego – I do believe
09. – 003 (03+00) – Rasa Kaušiūtė – The silence
10. – 003 (02+01) – Marius Petrauskas – Kol meilė gyva
11. – 002 (00+02) – Ofelija – Butterfly
12. – 001 (01+00) – Silvija Pankūnaitė – Real
13. – 000 (00+00) – Rugilė Daujotaitė – Love is the flower of life

Zweiter Supersamstag 2018: Rock the Puszta

Existiert ein Zusammenhang zwischen Landessprache und musikalischen Vorlieben? Ungarisch gehört, so sagen es die Forscher, entwicklungsgeschichtlich zu den sogenannten finno-ugrischen Sprachen und weist eine (wenn auch entfernte) Verwandtschaft zum Finnischen auf. Deren Sprecher/innen sagt man nun nicht erst seit der siegreichen Teilnahme von Lordi am Eurovision Song Contest 2006 einen ausgeprägten Hang zum Schwermetall nach, der jedoch auch den Magyaren verhaftet scheint. So gewann am vergangenen Samstag das Quartett AWS mit der sauber bretternden Metal-Nummer ‚Viszlát nyár‘ die zweite Vorrunde des ungarischen Vorentscheidungsverfahrens A Dal 2018 und stellt sich damit in eine direkte Linie mit den Siegern der ersten A-Dal-Runde vor einer Woche, der Hardrockband Leander Kills. Nun wären die vier AWS-Buben mit ihren schlimmen Popperfrisuren zu meiner Zeit, also in den Achtzigern, von langmattigen Metalfans fraglos an der nächsten Straßenecke vermöbelt worden. Und auch, wenn heutzutage Gott sei Dank kein derartig kleinliches Haarmodediktat mehr besteht, so juckt es mich, wie ich zugeben muss, doch in den Fingern, ihnen mit der Schermaschine zu Leibe zu rücken!

Offenlegung: peinlicherweise trug auch ich in den Achtzigern etwas Ähnliches auf dem Kopf spazieren. Davon distanziere ich mich heute ausdrücklich! (HU)

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