Litau­en: ein blin­des Huhn fin­det auch kein Korn (LT 2012)

Dass die Litau­er merk­wür­di­ge Men­schen mit einem merk­wür­di­gen Geschmack sind, bewie­sen sie ja bereits in den Semis – und mit ihren bis­he­ri­gen Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen. Sie bekräf­tig­ten es heu­te: Dona­tas Mont­vy­das aka Don­ny Montell gewann über­ein­stim­mend das Tele- und fina­le Jury­vo­ting mit dem Song ‘Love is blind’. Wobei: es sind min­des­tens drei ver­schie­de­ne Songs, not­dürf­tig mit dem Löt­kol­ben zusam­men­ge­tackert, die er da prä­sen­tiert. Es beginnt mit einer ganz schlimm abge­schmack­ten Bal­la­de, wie noch nicht mal Engel­bert sie sich anzu­fas­sen getrau­en wür­de. Im ers­ten Refrain kämp­fen sich dann lang­sam ein paar halb­her­zi­ge Dan­ce­beats aus dem Hin­ter­grund her­vor, und plötz­lich kippt das Gan­ze in eine ent­kof­fe­inier­te Fas­sung von ‘I will sur­vi­ve’ um. Natür­lich, ohne auch nur ein Jota der Güte die­ses Sieb­zi­ger­jah­re-Dis­co-Klas­si­kers erha­schen zu kön­nen. Dann wird noch völ­lig unver­mit­telt ein völ­lig unpas­sen­des Jazz-Inter­mez­zo ein­ge­streut, und die Ver­wir­rung ist kom­plett. Wo will das Lied hin? Was will es von uns? Man bleibt rat­los.

Dona­tel­la Montell für Litau­en. Oh jeh.

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: fünf­ter Super­sams­tag

Kann die EBU nicht mal eine Koor­di­na­ti­ons­stel­le für Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen ein­rich­ten? Denn so, wie es momen­tan läuft, artet es in Stress aus: neben gleich drei natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen in Nor­we­gen, Ungarn und Island lie­fen ges­tern Abend zeit­gleich auch noch zwei Semis, näm­lich in Litau­en und Schwe­den. Wie soll man sich bei so einem Ange­bot nur ent­schei­den? Jeden­falls am bes­ten nicht, so wie ich, für das Melo­di­fes­ti­va­len: nach einem fan­tas­ti­schen Auf­takt letz­te Woche ent­täusch­te die gest­ri­ge Vor­run­de aus Göte­borg auf gan­zer Linie, fan­den doch die schwe­di­schen Tele­vo­ter wie­der zu ihrer alt­be­kann­ten Geschmacks­ver­ir­rung zurück. Ich hät­te mich bes­ser für das litaui­sche Semi ent­schie­den, in dem es dies­mal nicht, wie letz­tes Mal, vor augen­schein­lich Geis­tes­kran­ken wim­mel­te. Über­ra­gen­der Sie­ger die­ser Run­de und hei­ßer Anwär­ter für die Fahr­kar­te nach Baku wur­de dort der Roll­stuhl-Rap­per Vytau­tas Matu­z­as. Und zu Recht!

httpv://youtu.be/9o-IcZhsXeI
Jun­ge, der kann echt was! Vytau­tas Matu­z­as

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Cra­zy for Life

Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr schlug ich vor, einen mit Selbst­schuß­an­la­gen bewehr­ten Elek­tro­zaun um Litau­en zu bau­en, ange­sichts des Men­tal­zu­stands einer Mehr­zahl sei­ner Vor­ent­schei­dungs­ver­tre­ter. Eine For­de­rung, die ich nach Sich­tung der gest­ri­gen ers­ten Vor­run­de der Euro­vi­zi­ja nur bekräf­ti­gen kann. Alle ins Fina­le Wei­ter­ge­kom­me­nen ver­mit­teln irgend­wie den Ein­druck, als sei­en sie frisch aus der Klap­se ent­sprun­gen oder gehör­ten zumin­dest zügig dort ein­ge­wie­sen. Das gilt bei­spiels­wei­se für den Vor­run­den­sie­ger Artūras Žabas ali­as Beis­sol, des­sen melan­cho­lisch kla­gen­de Num­mer ‘Why’ ja gar nicht so schlecht kommt. Wäre da nur nicht die­ser mit Armee­stie­feln und Pin­guin­frack ver­klei­de­te Schlacks von Sän­ger mit sei­ner ekel­haf­ten Gut­ten­berg­fri­sur und sei­ner total ener­vie­ren­den Schafs­stim­me, die ande­rer­seits dem Song auch gera­de das Beson­de­re ver­leiht.

httpv://youtu.be/ftbKE0RdH6E
Beis­sol: War­um kön­nen wir nichts gegen die­ses Out­fit tun?

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: von popowa­ckeln­den Poli­zis­ten

Die Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2012 läuft auf vol­len Tou­ren: Zypern ist im Dis­co­schlam­pen­mo­dus, Däne­mark wild zum Sieg ent­schlos­sen, Litau­en setzt auf Mas­se und Irland fin­det kei­ne Geg­ner für Jed­ward. Aber das Wich­tigs­te zuerst: Gerüch­ten zufol­ge heißt der Bei­trag der bei der öster­rei­chi­schen Vor­ent­schei­dung erneut antre­ten­den, gran­dio­sen Bau­ern­dis­co­bur­schen Tracks­hit­taz: ‘Woki mit Deim Popo’. Und klingt so (Ach­tung, mise­ra­ble Sound­qua­li­tät, aber die Trash-Per­le ent­schä­digt dafür):

httpv://youtu.be/mIDbTbA3-O4
Kann das mal bit­te jemand deutsch unter­ti­teln? Ich ver­steh nur Popo! (AT)

Ich neh­me mei­ne geäu­ßer­ten Zwei­fel, ob Lukas Plöchl & Co. noch­mals so ein Brett wie ‘Oida taunz!’ hin­le­gen könn­ten, offi­zi­ell zurück. Spit­ze, Jungs! Sie rei­hen sich damit ein in ein euro­pa­wei­tes, beacht­li­ches Ange­bot an Uptem­po­songs – soll­te also Hoff­nung bestehen, dass 2012 kein jury­op­ti­mier­tes Schnarch­fest wird?

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Je ne pour­rai plus viv­re (LT 2011)

Schlim­mer geht immer: der­zeit wirft jede neue natio­na­le Vor­ent­schei­dung einen noch grau­en­haf­te­ren Song für Düs­sel­dorf ab als die vor­an­ge­gan­ge­ne. Glaub­te ich ges­tern noch, mit dem bul­ga­ri­schen Bei­trag sei nun der Tief­punkt erreicht, so belehr­te mich die heu­ti­ge litau­sche Ent­schei­dung eines Schlech­te­ren: in einem unglaub­li­chen Anfall kol­lek­ti­ver Geschmacks­ver­ir­rung ent­schie­den sich die Litau­er für eine Matro­ne in einem offen­sicht­lich von Bar­ba­ra Dex ent­wor­fe­nen Kleid – mit der schreck­lichs­ten Musci­al-Num­mer aller Zei­ten!

httpv://www.youtube.com/watch?v=lgMv8TmT3cU
Eve­li­na Sašen­ko – C’est ma Vie

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: das Bal­ti­kum

Übli­cher­wei­se gehört das Bal­ti­kum zu den von mir wenig gelieb­ten Euro­vi­si­ons­re­gio­nen, kommt von dort doch meis­tens nur öder Mist. In die­sem Jahr aber sind hier zwei viel­ver­spre­chen­de Num­mern im Ren­nen, von denen sich eine bereits kom­plett in mein Herz gespielt hat: das fabel­haf­te let­ti­sche ‘Ban­jo Lau­ra’!

httpv://youtu.be/e90ZOEzFYkM
Lau­ris Rei­niks: Ban­jo Lau­ra

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ESC 2. Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Semi 1)
Das Jahr des Akkor­de­ons

Ich weiß, ich wie­der­ho­le mich, aber: das habt Ihr nun davon, lie­be Jury­freun­de! Kaum knack­te das dia­bo­li­sche Bevor­mun­dungs­gre­mi­um auch die Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den, waren wir wie­der genau dort ange­kom­men, von wo der Wett­be­werb einst in eine knapp zehn­jäh­ri­ge Hoch­pha­se zeit­ge­nös­si­scher Pop­mu­sik auf­brach: es ist wie­der 1996! Und wir sind zurück beim Euro­vi­si­on Schnarch Con­test, wo es kei­ne Rol­le spielt, wie beschis­sen man singt und wie stark man die Töne ver­sem­melt, Haupt­sa­che man prä­sen­tiert eine lah­me, töd­lich ein­schlä­fern­de Bal­la­de! Doch nicht nur musi­ka­lisch wur­den wir heu­er Zeu­ge des Euro­vi­si­on Hor­ror Con­test: nach dem fach­ge­rech­ten Wür­gen zar­ter Frau­en­häl­se im ers­ten Semi lau­te­te das Leit­the­ma die­ser Run­de “Zom­bies”. Bei der Vor­her­sa­ge lag ich übri­gens so weit dane­ben wie lan­ge nicht mehr: nur sechs der zehn tat­säch­li­chen Fina­lis­ten hat­te ich auf dem Tipp­zet­tel.

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Litau­en 2010: We ain’t got no Tas­te

Erwar­tungs­ge­mäß setz­te sich ges­tern in der litaui­schen Vor­ent­schei­dung die Ska-Band InCul­to mit einem text­li­chen wie musi­ka­li­schen Angriff auf West­eu­ro­pa durch.


Bau­en unse­re Häu­ser und waschen unser Geschirr: die Litau­er

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Litau­en 2009: Feu­er brennt nicht nur im Kamin

Wei­ter zu Litau­en: der dor­ti­ge haus­ho­he Sie­ger heißt eigent­lich Dima Sav­ro­vas, nennt sich aller­dings Sasha Son und gibt sich optisch als die ost­eu­ro­päi­sche Ant­wort auf Jus­tin Tim­ber­la­ke. Sei­ne gefühl­vol­le Kla­vier­bal­la­de ‘Pas­ik­ly­des Zmo­gus’ ver­fügt wenigs­tens noch über eine gewis­se ihr inne­woh­nen­de Dra­ma­tik – jeden­falls in der (andert­halb mal so lang wie zuläs­si­gen) litaui­schen Ori­gi­nal­fas­sung. Doch natür­lich wird sich das Land mut­wil­lig sämt­li­che Chan­cen mit einer ste­ri­len und see­len­lo­sen Über­set­zung in die ver­meint­li­che Welt­spra­che des Pop, Eng­lisch, ver­der­ben. Da heißt der Song dann ‘Love’ und dürf­te im Meer der dies­jäh­ri­gen Bal­la­den unter­ge­hen.


Gut behü­tet: der Son

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Kein Euro­vi­si­ons­boy­kott durch das Bal­ti­kum

Der ange­dach­te bal­ti­sche Euro­vi­si­ons­boy­kott fällt aus. Wie esc­to­day berich­tet, ent­schied sich der est­ni­sche Sen­der ETV, nun doch am Gesangs­wett­streit in Mai in Mos­kau teil­zu­neh­men, nach­dem sich in einer Umfra­ge des TV-Sen­ders zwei Drit­tel der befrag­ten Esten eben­falls dafür aus­spra­chen. Der Vor­sit­zen­de des ETV-Ver­wal­tungs­ra­tes, Mar­gus All­mi­kaa, gei­ßel­te sei­ne Lands­leu­te dar­auf­hin zwar als “naiv”, wenn sie glaub­ten, man könn­te Poli­tik und Musik tren­nen, ord­ne­te sich der Mehr­heits­ent­schei­dung aber unter. Damit bleibt das am Krieg betei­lig­te Geor­gi­en das ein­zi­ge Land, das Kon­se­quen­zen aus dem Groß­machts­ge­ha­be Putins zieht.


Da wol­len sie dann doch alle hin, den Kavi­ar schme­cken: nach Mos­kau

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