YU 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Zeigt sich die Daten­la­ge bezüg­lich der Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen im sei­ner­zeit noch ver­ein­ten Jugo­sla­wi­en der Sech­zi­ger­jah­re gene­rell als ziem­lich bruch­stück­haft, so klafft im Jah­re 1963 ein kra­ter­gro­ßes schwar­zes Loch. Es gilt zwar als gesi­chert, dass eine sol­che statt­fand und dass die ins­ge­samt acht Regio­nen des Viel­völ­ker­staa­tes hier­für jeweils einen musi­ka­li­schen Reprä­sen­tan­ten und einen Juro­ren nach Bel­grad ent­sand­ten. Das genaue Aus­tra­gungs­da­tum der Jugo­vi­zi­ja 1963 und ihre Lie­der sind aller­dings im Nebel der Geschich­te ver­sun­ken. Die bos­ni­sche Aus­ga­be der Wiki­pe­dia benennt Ljil­ja­na Petro­vić (→ YU 1961), Maj­da SepeSaba­hu­din Kurt (→ YU 1964), Đorđe Mar­ja­no­vić und Ani­ca Zubo­vić als Teilnehmer/innen die­ses Jahr­gangs. Zwei­fels­frei über­lie­fert ist jedoch allei­ne der Sie­ger­ti­tel von Vice Vukov (→ YU 1965). Der schmach­te­te in sei­ner Bal­la­de ‘Bro­do­vi’ mit sicht­ba­rem Kloß im Hals die Schif­fe an, wel­che für das Küs­ten­land Kroa­ti­en, aus dem er stamm­te, von beson­de­rer Bedeu­tung sei­en. Im Hin­blick auf die sub­ti­le sexu­el­le Kon­no­ta­ti­on des The­mas (vgl. “Das Schiff sticht in See heu­te Nacht”, DK 1957 oder “Mein Schiff ist aus Hoff­nung gemacht, es sucht Dei­nen Hafen”, TR 2012) lässt sich sei­ne lei­den­schaft­li­che Lie­bes­er­klä­rung an die phal­li­schen See­be­pflü­ger aber natür­lich auch ero­tisch deu­ten, wenn man will. Vukov jeden­falls, der sich stets für die Unab­hän­gig­keit sei­ner Repu­blik ein­setz­te und daher zu Zei­ten des Tito-Regimes poli­tisch in Ungna­de fiel, floh 1972 zeit­wei­lig ins Exil nach Paris und unter­lag dar­auf­hin bis zur Abspal­tung sei­nes Lan­des zu Hau­se einem Auf­tritts­ver­bot. 2003 konn­te er sich als Ver­tre­ter der Sozi­al­de­mo­kra­ten einen Sitz im Par­la­ment sichern, wo er sich 2005 bei einem Trep­pen­sturz so schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen zuzog, dass er sich nicht mehr davon erhol­te und schließ­lich 2008 nach lang­jäh­ri­gem Koma ver­starb.

Die liebs­ten Spiel­zeu­ge der böses­ten Jungs” sei­en die Schif­fe, so Vice. Was Du nicht sagst!

ESC 1961: Stand up for your Love Rights

Logo des Eurovision Song Contest 1961
Das Jahr der schwu­len Eman­zi­pa­ti­on

Schon zum zwei­ten Mal in der noch jun­gen Grand-Prix-Geschich­te gas­tier­te der Wett­be­werb 1961 in Can­nes. Und erneut prä­sen­tier­te das fran­zö­si­sche Fern­se­hen die sel­be Eröff­nungs­se­quenz wie schon 1959. Sowie die sel­be Mode­ra­to­rin, Jac­que­line Jou­bert, die so viel Mas­ca­ra auf­ge­legt hat­te, dass sie stän­dig ange­strengt gen Him­mel schau­en muss­te, damit ihr die Augen­li­der nicht zusam­men­papp­ten. Ledig­lich auf die cha­rak­te­ris­ti­schen Dreh­ge­stel­le ver­zich­te­te man. Statt­des­sen ver­sam­mel­ten sich die 16 Teilnehmer/innen zum Auf­takt der erst­mals an einem Sams­tag aus­ge­strahl­ten Sen­dung auf einer opu­len­ten Show­trep­pe und stell­ten sich artig nach­ein­an­der per­sön­lich vor. Was für die Zuschauer/innen den unschätz­ba­ren Vor­teil bot, die Inter­pre­ten­na­men zur Abwechs­lung in feh­ler­frei­er Aus­spra­che hören zu kön­nen. Im Anschluss san­gen sie dann ihre Lied­chen, die alle ziem­lich gleich und alle gleich lang­wei­lig klan­gen.

Schlaf­los in Stutt­gart? Hier naht Hil­fe: der ESC 1961.

wei­ter­le­senESC 1961: Stand up for your Love Rights

Jugo­vi­zi­ja 1961: Mor­gen fängt das Leben erst an

Viel Geld und tech­ni­sches Know-How hat­ten die Ame­ri­ka­ner nach dem Zwei­ten Welt­krieg den staat­li­chen west­eu­ro­päi­schen Sen­de­an­stal­ten zukom­men las­sen, um sie für die Pro­pa­gan­da­schlacht im nach­fol­gen­den Kal­ten Krieg gegen den feind­li­chen kom­mu­nis­ti­schen Osten zu rüs­ten. Auch der Euro­vi­si­on Song Con­test soll­te nach den Vor­stel­lun­gen des hier­bei feder­füh­ren­den US-Geheim­diens­tes dem kul­tu­rel­len Anein­an­der­rü­cken der “frei­heit­li­chen” (lies: kapi­ta­lis­ti­schen) Staa­ten die­nen und mit sei­nem nach eige­nem Emp­fin­den gla­mou­rö­sen und unter­halt­sa­men Pro­gramm, das man, soweit es die Anten­nen zulie­ßen, ger­ne auch ins sozia­lis­ti­sche Aus­land aus­strahl­te, um dort Neid und Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung zu schü­ren, die kla­re Über­le­gen­heit des Wes­tens in Sachen Pop demons­trie­ren. Dies jeden­falls ist der ziem­lich pater­na­lis­ti­sche Unter­ton einer bri­ti­schen ESC-Doku­men­ta­ti­on aus dem Jah­re 2010 mit dem Titel ‘The Secret Histo­ry of Euro­vi­si­on’.

Das sind Bau­ern”: west­li­che Vor­ur­tei­le gegen Ost­eu­ro­pa fei­ern in die­ser Doku fröh­li­che Urständ.

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