Schlagwort: Luxemburg

2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Hari Mata Hari für Bos­ni­en 2015?

Wie Wiwibloggs am Freitag unter Bezugnahme auf eine bosnische Tageszeitung rapportierte, könnten die Vertreter des nach einer zweijährigen Pause voraussichtlich 2015 wieder zum Eurovision Song Contest zurückkehrenden Landes alte Bekannte sein: nämlich Hari Mata Hari, die Band um Mastermind Hajrudin Varesanovic, die dem exjugoslawischen Staat 2006 mit der von Željko Joksimović (RS 2004, 2012) komponierten, herzzerreißend schönen Balkanballade 'Lejla' seine bislang beste Platzierung bescherte. Joksimović wird in dem Artikel auch als erneuter möglicher Komponist genannt, neben dem für die sterbensschönen Lyrics von 'Lejla' verantwortlichen Fahrudin Pecikoza-Peca und Goran Bregovic, dem Songschreiber von 'Ovo je Balkan' (RS 2010). All das sind aber bislang nichts als Gerüchte, und gleichlauten...
<span class="caps">ESC</span> 1988: Gib mir mei­ne Chan­ce
1988, Die Achtziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1988: Gib mir mei­ne Chan­ce

Schon einmal, 1974, fungierte der Eurovision Song Contest als Sprungbrett für eine internationale Musikkarriere der Superlative: seinerzeit für das schwedische Quartett Abba. In Dublin, wo der Wettbewerb bereits zum dritten (wenn auch nicht zum letzten) Mal stattfand, legte eine im Heimatland bereits erfolgreiche, bei uns bis dato jedoch völlig unbekannte Frankokanadierin namens Céline Dion den Grundstein zu ihrer Weltkarriere. Sie holte den Sieg als Gastsängerin für die Schweiz mit dem Musterbeispiel eines klassischen frankophilen Gefühlssturms, 'Ne partez pas sans moi', für meinen Geschmack das schönste Exemplar dieser vielgeliebten, wenngleich mittlerweile hoffnungslos veralteten Musikgattung. (mehr …)
1987, Die Achtziger, ESC Finale, Unsere Lieblinge

ESC 1987: Is het een orka­an?

Der Brüsseler Contest - ein einziges Déjà Vu: derselbe Sieger wie schon 1980; die gleichen deutschen Teilnehmer wie schon 1985, die wiederum dieselbe Platzierung erreichten wie bereits zwei Jahre zuvor, nämlich den zweiten Rang. Erneut erhielten wir nur einen Punkt aus der Schweiz - auch das war man gewohnt. Diesmal spielte es aber keine Rolle mehr: selbst mit zwölf helvetischen Zählern hätten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewonnen. 'Lass die Sonne in Dein Herz', für dessen stumpfe Gleichschrittspräsentation Ralph Siegel eigens für teuer Geld eine "englische Choreografin, aus England" engagiert habe, wie er in einem ARD-Special stolz erzählte, hasste ich eigentlich immer abgrundtief. Bis zur 50-Jahre-ESC-Feier Congratulations in Kopenhagen: dort wurde ich bei der fröhli...
1984, Die Achtziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

ESC 1984: Im Augen­blick der Illu­si­on

Ein Katastrophenjahrgang, so das einhellige Urteil in der Pressenachschau. Dem konnte man als Zuschauer nur beipflichten: mittlerweile schickten fast alle Länder ausschließlich auf den vermuteten Jurygeschmack zugeschnittene Liedkost. Die bestand entweder aus seichten, künstlich munteren Plastikpopnummern mit ewiggleicher Choreografie oder aus altbackenen Balladen, in denen Sängerinnen aus der vierten und fünften Reihe versuchten, mit dünnen Stimmchen dick aufzutragen. Ernst zu nehmende, auch kommerziell erfolgreiche Popacts, die noch in den Siebzigern den Song Contest bevölkerten, suchte man vergebens. Einen Lichtblick bot lediglich Desirée Nosbusch, die trotz ihres jugendlichen Alters fünfsprachig und mit Witz und Esprit durch die Show führte, so als sei sie dafür geboren. (mehr ...
1983, Die Achtziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1983: Wie­der holen ist gestoh­len

Drei frühzeitig dahingeschiedene Teilnehmer/innen; zwei Nilpointer; der erste kommerziell erfolglose Siegertitel seit über zwanzig Jahren; ein Bühnenbild wie das Innenleben eines Heizlüfters und eine sich ständig verhaspelnde Gastgeberin: es scheint, als läge ein Fluch über der Münchener Veranstaltung. Dabei wollte man doch alles richtig machen und sich international präsentieren nach dem ersten Sieg Deutschlands mit Nicole. Deren so gut angekommene "spontane" Geste, ihren Titel bei der Siegerreprise in mehreren Sprachen zu singen, inspirierte die als Moderatorin gebuchte Tänzerin Marlène Charell (geboren als Angela Miebs in Winsen an der Luhe), es ihr gleichzutun. (mehr …)
1980, Die Achtziger, ESC Finale, Unsere Lieblinge

ESC 1980: Was ist schon ein Jahr?

Den Doppelsieg Israels in den beiden Vorjahren hatten viele Zuschauer/innen mit erbostem Gegrummel quittiert, alberne Vorwürfe der Preisklasse "Alles Politik!" oder "Schiebung!" ließen nicht lange auf sich warten (dass der irische Sieges-Hattrick in den Neunzigern für keinerlei Empörung mehr sorgte, erklärt sich durch das völlige Desinteresse der Medien und der Zuschauer am Eurovision Song Contest in diesem Zeitraum). Lehnte Israel deswegen die nochmalige Austragung des Wettbewerbs ab? Oder fehlte dem Sender IBA schlicht das Geld? Jedenfalls sprang diesmal nicht, wie sonst üblich, die BBC als Veranstalter ein, sondern die im Vorjahr zwölftplatzierten Holländer, die sich die Postkarten zwischen den Songs sparten und stattdessen die Titel von nationalen Ansager/innen (in unserem Fall: Caro...
<span class="caps">ESC</span> 1978: Mei­le um Mei­le um Mei­le
1978, Die Siebziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1978: Mei­le um Mei­le um Mei­le

Erstmalig in diesem Jahrzehnt (und letztmalig überhaupt) kam das in den sechziger Jahren so vom Eurovisionserfolg verwöhnte Frankreich wieder zu Gastgeberehren. Was das aus einer aufgedonnerten Schabracke und einem schätzungsweise weit über hundertjährigen Sportreporter mit dem schönen Namen Léon Zitrone bestehende Moderatorenpaar (ein Eurovisions-Novum: bis 1977 führte stets nur ein/e einzelne/r Gastgeber/in durch den Abend) zum Anlass nahm, die Zuschauer zu belehren, dass selbstverständlich ihr Land bislang am häufigsten gewonnen habe. Tja: Hochmut kommt vor dem Fall! Die Bildregie des französischen Fernsehens überzog die Sendung mit einem Weichzeichnerschleier nach Art der Zärtlichen Cousinen, der sämtliche Darbietungen optisch zu einem einzigen pastellfarbenen Matsch zusammenschmolz,...
1975, Die Siebziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Nach jahrelangen Diskussionen und etlichen Fehlversuchen setzte die EBU 1975 ein komplett neues Wertungsverfahren für den beliebtesten Musikwettbewerb der Welt in Kraft. Ein so erfolgreiches, dass es sich bis heute hält: dass nämlich aus jedem Land die zehn beliebtesten Titel in aufsteigender Reihenfolge Punkte erhalten; die beiden Lieblingslieder sogar noch einen Bonus, um einen möglichst eindeutigen Sieger zu ermitteln. 1-2-3-4-5-6-7-8-10-12, so lautet seither die magische Formel, "Douze Points" das Maß aller Dinge. Für Deutschland, das entscheidenden Einfluss auf die Initiierung dieses Standards hatte, führte er bei seiner Premiere zu einem höchst verdrießlichen Ergebnis. (mehr …)
1973, Die Siebziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

ESC 1973: Du sagst nie­mals nein

Die Lustlosigkeit der deutschen Vorentscheidung rächte sich für uns. Die Protagonistin ahnte es bereits im Vorfeld: "Bringst Du Tränen von gestern zurück?", so eine der Fragen aus ihrer wunderbaren, im Vergleich mit den eher Aufbruchsstimmung verbreitenden Beiträgen der letzten Jahre jedoch etwas verzagt wirkenden Hymne 'Junger Tag', welche die Juroren mit einem klaren und eindeutigen "Ja!" beantworteten. Nach drei dritten Rängen in Folge konnte der nunmehrige (rechnerisch korrekte) neunte Platz nur als echte Enttäuschung gelten. Oder lag es an dem Spontanaugenkrebs verursachenden, grellgelben Folklorefummel, den die für Deutschland startende Dänin Gitte Hænning in Luxemburg trug? (mehr …)
1972, Deutsche Vorentscheidung, Die Siebziger, Unsere Lieblinge

ESC 1972: Tage voll hel­lem Son­nen­schein

Das 1971 siegreiche Fürstentum Monaco, dank eigener Spielbank finanziell auf Rosen gebettet, lehnte die Austragung des Contests ab: nach offizieller Darstellung wollte Teleradio Monte Carlo den Event mangels geeigneter Halle erst im Juni 1972 im Freien abhalten. Das war den größeren Sendern, allen voran der BBC, zu spät: bis dato lief der Contest meist im März. Eine neue Halle konnte und wollte der Stadtstaat innerhalb weniger Monate aber nicht aus dem knappen Boden stampfen. Wie fast immer bei solchen Gelegenheiten sprang die BBC ein. So kam der Wettbewerb aus der Ehrfurcht einflößenden Usher Hall im schottischen Edinburgh. Die anbetungswürdige Tänzerin und Schauspielerin Moira Shearer ('Die roten Schuhe') führte in unnachahmlich britischer Weise, in einer hinreißenden Mischung aus prof...
1967, Die Sechziger, ESC Finale, Unsere Lieblinge

ESC 1967: Sicher vor der sen­gen­den Son­ne

Schon seit vielen Jahren war den Holländern kein Sieg beim Grand Prix mehr gelungen. Und das, obwohl sie doch in den Anfangsjahren des Wettbewerbs regelmäßig im Wechsel mit Frankreich den ersten Platz belegten! Auch die diesjährige Vertreterin Thérèse Steinmetz, die in Wien als erste Kombattantin auf die mit modernen Drehspiegeln ausstaffierte Bühne im ansonsten extrem barocken Festsaal der kaiserlichen Hofburg - bis heute ungeschlagen die nobelste Location, in welcher der Eurovisionszirkus jemals gastierte! - musste, landete weit abgeschlagen auf dem vierzehnten Rang. Skurril - denn vom lautmalerischen 'Ring Dinge Ding' ist es, zumindest phonetisch, nicht sehr weit zu 'Ding A Dong', mit dem die Niederländer erst 1975 wieder die Krone erringen konnten (mal abgesehen natürlich von 1969, w...
<span class="caps">ESC</span> 1966: Zwin­gen kann man kein Glück
1966, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

Das zehnjährige Jubliäum des Eurovision Song Contests nahm die EBU zum Anlass, im Frühjahr 1966 bei den teilnehmenden TV-Anstalten Ideen für die künftige Gestaltung des Wettbewerbs zu sammeln. Dabei zeigten sich regional sehr unterschiedliche Schwerpunkte, wie Gordon Roxburgh in der Fibel Songs for Europe auflistet: so bestanden die skandinavischen Sender darauf, dass der "musikalischen Qualität" der Beiträge die absolute Priorität einzuräumen sei. Die westeuropäischen Anstalten wie die ARD, das belgische BRT, der ORF und das französische Fernsehen wollten vor allem die Teilnehmerzahl von zuletzt 18 Nationen reduzieren und schlugen verschiedene Formate für Semifinale vor, wie sie sich aber erst 2004 durchsetzen sollten. Die linguistisch zwiegespaltenen Belgier votierten dabei für die Zut...
1965, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser

ESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

Im zehnten Jahr seines Bestehens schien der Eurovision Song Contest endgültig bei sich angekommen zu sein, die gröbsten Kinderkrankheiten einigermaßen ausgemerzt: unverzeihliche archivarische Lücken durch eine fehlende Aufzeichnung der Live-Sendung wie noch 1956 und 1964 sollten künftig nicht mehr vorkommen; die Frage, wer auf der Bühne die Siegestrophäe überreicht bekommt - Interpret/in oder → Komponist/in - sorgte nicht mehr für Verwirrung und peinliche Situationen wie noch 1957; die Wertung unterlag zwar noch ständigen Verfahrensänderungen, hatte sich aber als unverzichtbarer Teil der Sendung etabliert; die Zahl der teilnehmenden europäischen Staaten zeigte einen erfreulich stabilen Aufwärtstrend von sieben im Anfangsjahr zu aktuell 18 Nationen und die BBC hatte 1963 erste Meilenstein...
1964, Die Sechziger, ESC Finale, Unsere Lieblinge

ESC 1964: Noch nicht reif für den Con­test

Tumult und Chaos bestimmten diesen Jahrgang, trotz des eigentlich fröhlichen Austragungsortes im direkt am Hauptbahnhof gelegenen Tivoli, dem innerstädtischen Vergnügungspark der putzigen dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Dafür trug einerseits das ausgeprägte politische Bewusstsein der heimischen Bevölkerung die Verantwortung: gegen die Teilnahme der damaligen Diktaturen Spanien und Portugal am europäischen Wettsingen hagelte es im Vorfeld Proteste und Drohungen. Das letztgenannte, direkt bei der Premiere die ersten → Nil Points einsammelnde und bis heute insgesamt eher erfolglose Eurovisionsland, das erst 53 Jahre später seinen ersten Sieg einzufahren vermochte, debütierte in Dänemark. Dass sich die Gesamtstarterzahl gegenüber 1963 dennoch nicht erhöhte, lag daran, dass Schweden heuer au...
1961, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1961: Stand up for your Love Rights

Schon zum zweiten Mal in der noch jungen Grand-Prix-Geschichte gastierte der Wettbewerb 1961 in Cannes. Und erneut präsentierte das französische Fernsehen die selbe Eröffnungssequenz wie schon 1959. Sowie die selbe Moderatorin, Jacqueline Joubert, die so viel Mascara aufgelegt hatte, dass sie ständig angestrengt gen Himmel schauen musste, damit ihr die Augenlider nicht zusammenpappten. Lediglich auf die charakteristischen Drehgestelle verzichtete man. Stattdessen versammelten sich die 16 Teilnehmer/innen zum Auftakt der erstmals an einem Samstag ausgestrahlten Sendung auf einer opulenten Showtreppe und stellten sich artig nacheinander persönlich vor. Was für die Zuschauer/innen den unschätzbaren Vorteil bot, die Interpretennamen zur Abwechslung in fehlerfreier Aussprache hören zu können....