Rank & File 2019: Platz 27 – Cha­me­le­on

Das mal­te­si­sche Fern­se­hen optier­te für die Aus­wahl sei­ner Inter­pre­tin dies­mal zu einer Cas­ting­show. Aus Sen­der­sicht eine klu­ge Wahl, bescher­te sie TVM über Wochen hohe Ein­schalt­quo­ten und gab den Inselbewohner/innen – anders als die jury­las­ti­gen Vor­ent­schei­dun­gen der Vor­jah­re – die Illu­si­on der bevor­mun­dungs­frei­en Betei­li­gung, ohne dabei jedoch die Ent­schei­dungs­ho­heit über den Song aus der Hand zu geben, den TVM erst im Nach­gang aus­wähl­te.

Platz 27: Mal­ta – Miche­la Pace: Cha­me­le­on (Cha­mä­le­on)

Und die­ser Song ent­zieht sich offen gestan­den mei­ner Beur­tei­lung. Er rich­tet sich ganz klar an ein ande­res Ziel­pu­bli­kum, an eine deut­lich jün­ge­re Alters­grup­pe als die mei­ni­ge. Er bedient sich dabei aller kon­tem­po­rä­ren Pop-Ver­satz­stü­cke, sei es der bol­le­ri­ge Sound oder der sehr hol­pe­ri­ge, aus­ge­spro­chen spar­sam möblier­te Refrain. Mei­ne nost­al­gie­durch­tränk­te Erin­ne­rung drif­tet umge­hend ab in die Ver­gan­gen­heit, sobald Miche­la erst­mals “Cha­me-Cha­me­le­on” singt, was mei­ne Ohren als ‘Kar­ma Cha­me­lon’ miss­deu­ten. Und stan­te pede zurück in die seli­gen Acht­zi­ger­jah­re sprin­gen, zum wun­der­schö­nen gleich­na­mi­gen Lied von Cul­tu­re Club, das mein Hirn­ra­dio umge­hend ein­spielt und dabei den schreck­li­chen Lärm voll­stän­dig aus­blen­det, den Frau Pace da ver­an­stal­tet. Ich kann mich am Ende der drei Minu­ten daher beim bes­ten Wil­len nicht dar­an erin­nern, wie der mal­te­si­sche Bei­trag geht. Ob das nun unter begin­nen­der Seni­li­tät zu ver­bu­chen ist oder unter Selbst­schutz, die­ses Urteil möch­te ich Ihnen über­las­sen. Alles, was bei mir vage hän­gen bleibt, ist eine ganz leich­te sound­tech­ni­sche Ver­wandt­schaft zum zypri­schen Bei­trag ‘Replay’. Und auf die­ser Basis wan­dert ‘Cha­me­le­on’ auf einen Rang im unte­ren Mit­tel­feld.

Schau, wir haben ein hoch­pro­fes­sio­nel­les, auf­wän­di­ges Video gedreht. Wie kön­nen wir die Chan­cen Michelas nun doch noch sabo­tie­ren? Oh ja, lass uns den Song­text zum Mit­le­sen ein­blen­den, damit jeder sieht, was für einen Dünn­pfiff die da singt!

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WSV 2019: Sonn­tag ist Song­tag

Lie­der, Lie­der, die letz­ten Lie­der hier! Der abso­lu­te Haupt­ge­winn ist hier in die­ser Dose drin!” Oh, sor­ry, da ist es ange­sichts der in Kür­ze dro­hen­den Nach-Vor­ent­scheids-Euro­vi­si­ons-Zwi­schen­de­pres­si­ons-Pha­se wohl ein wenig mit mir durch­ge­gan­gen. Bemü­hen wir uns um einen etwas sach­li­che­ren Ton: von den ins­ge­samt 41 Bei­trä­gen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 in Tel Aviv kann­ten wir bis ges­tern 38, die rest­li­chen drei kamen am heu­ti­gen Sonn­tag hin­zu. Dar­un­ter auch der Heim­bei­trag des Gast­ge­ber­lan­des Isra­el, dar­ge­bo­ten von dem in einer Cas­ting­show aus­ge­wähl­ten, aus­ge­bil­de­ten Opern­sän­ger Kobi Mari­mi. Des­sen cle­ver ‘Home’ beti­tel­te Bal­la­de soll­te eigent­lich als letz­te des Tages ver­öf­fent­licht wer­den, sicker­te jedoch bereits am Nach­mit­tag als ers­te durch. Und sie lässt die Her­zen aller Freun­de von Spaß­bei­trä­gen höher schla­gen, denn die vor kit­schi­gem Pathos nur so trie­fen­de, mit beben­der Schmacht­stim­me into­nier­te Num­mer kann schlicht­weg nur als in ihrer maß­lo­sen Über­trei­bung brül­lend lus­ti­ge Par­odie auf abgrund­schlech­te Musi­cals gemeint sein. Oder aber als ver­zwei­fel­ter Ver­such des aus­rich­ten­den Sen­ders KAN, ange­sichts klam­mer Kas­sen einen Dop­pel­sieg wie 1978/1979 mit aller Macht zu ver­hin­dern.

Thun­der­bolt and Light­ning / Very very fright­ning me.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Euro­pa wird fal­len

Neben dem Fina­le der fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dung Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on wähl­ten ges­tern Abend auch die Malteser/innen ihre Reprä­sen­tan­tin für Tel Aviv aus. Das noto­risch grand-prix-begeis­ter­te Eiland bedien­te sich in die­sem Jahr erst­ma­lig des bri­ti­schen Cas­ting­show-For­ma­tes X‑Factor, das sich für den Sen­der TVM als Ein­schalt­quo­ten­er­folg her­aus­stell­te, aber auch für Kon­tro­ver­sen sorg­te: ver­gan­ge­nen Okto­ber kri­ti­sier­te die mal­te­si­sche Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te Hele­na Dal­li die Show und den Sen­dert öffent­lich, weil ein Vor­run­den­teil­neh­mer dort unwi­der­spro­chen Wer­bung für die ethisch ver­werf­li­che, wis­sen­schaft­lich wider­leg­te und seit 2016 auf der Insel ille­ga­le Kon­ver­si­ons­the­ra­pie machen durf­te, die ihn von sei­ner “sünd­haf­ten” Homo­se­xua­li­tät “geheilt” habe. “Jun­ge Men­schen, die schwul sind, brau­chen weder Ver­ge­bung noch Hei­lung,” sag­te Dal­li im Par­la­ment, “sie brau­chen Ver­ständ­nis”. Kor­rekt! Das Fina­le von X‑Factor jeden­falls gewann die knapp 18jährige Michae­la Pace, die bereits 2017 an der mal­te­si­schen Vor­ent­schei­dung teil­nahm. Ihr Lied für Tel Aviv muss nun erst gefun­den wer­den, ihre leicht krat­zi­ge, dun­kel tim­brier­te Stim­me lässt jedoch befürch­ten, dass es auf eine depri­mie­ren­de Bal­la­de hin­aus­läuft.

So ‘Shal­low’ (‘Ober­fläch­lich’) wie ihr Cover-Song wirkt auch die voll ins bis­he­ri­ge mal­te­si­sche Inter­pre­tin­nen­sche­ma pas­sen­de X‑Fac­tor-Gewin­ne­rin Michae­la Pace.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: kan­ni­ba­li­sche Hams­ter

So lang­sam geht es in die Vol­len: heu­te Abend steigt der ers­te Super­sams­tag der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Um so drin­gen­der ist es daher an der Zeit, rasch noch ein paar der in den letz­ten Wochen lie­gen geblie­be­nen Vor­ent­schei­dungs­per­len abzu­ar­bei­ten. Und da kein ESC-Jahr­gang kom­plett wäre ohne ihn, darf, nein: muss die mol­da­wi­sche Euro­vi­si­ons­le­gen­de Alex­an­dru “SashaBogni­bov natür­lich den Auf­takt geben. Der mach­te bekannt­lich erst­mals 2008 von sich reden, als er sich mit dem lyrisch frag­wür­di­gen Titel ‘I love the Girls of 13 Years old’ für den Vor­ent­scheid des Lan­des bewarb und auch auf die vom Sen­der vor­ab ver­öf­fent­lich­te Aus­wahl­lis­te kam, es dann aber nicht in die Sen­dung schaff­te. Ein Ritu­al, das sich seit­her regel­mä­ßig wie­der­holt, wobei sei­ne Lie­der von Jahr zu Jahr musi­ka­lisch bes­ser und text­lich weni­ger gru­se­lig wer­den. Bis auf 2019: heu­er knüpft Alex mit ‘Love me like my Daugh­ter’ wie­der an sei­ne Anfän­ge an. Wenn ich sei­nen jau­len­den Gesang rich­tig ver­ste­he, umschwärmt unser Kar­pa­ten-Goth dar­in eine jugend­li­che Halb­wai­se mit Vater­kom­plex. Der mol­da­vi­sche Sen­der TRM erklär­te bei der Vor­stel­lung der Bewer­ber­lis­te für die O Melo­die Pen­tru Euro­pa bereits, dass einer der ein­ge­reich­ten Bei­trä­ge auf­grund sei­nes Tex­tes nicht euro­vi­si­ons­kom­pa­ti­bel sei und vom öffent­li­chen Vor­sin­gen für die Aus­wahl­ju­ry aus­ge­schlos­sen wer­de, das am 2. Febru­ar 2019 mit­tags in Chișinău statt­fin­det. Und ich habe das Gefühl, ich weiß auch schon, wel­cher das ist!

Gru­se­lig-düs­te­res Sujet vor weih­nacht­lich-ste­ri­ler, hell erleuch­te­ter Stu­dio­ku­lis­se: ein unpas­sen­de­res Set­ting hät­te man sich kaum aus­den­ken kön­nen.

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Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Sanft gestal­te­te sich der Start in Tag heu­te Mor­gen für die nach Lis­sa­bon gereis­ten Blogger/innen. Denn der vier­te Pro­ben­tag begann mit dem geor­gi­schen Bei­trag. Die Kau­ka­sus­re­pu­blik schickt in die­sem Jahr bekannt­lich die offi­zi­ell so benann­te Eth­no-Jazz Band Iriao – und betreibt mit die­ser Aus­lo­bung kla­ren Eti­ket­ten­schwin­del. Schließ­lich hat das, was die für den ESC-Auf­tritt vom Sep­tett zum Quin­tett geschrumpf­te For­ma­ti­on in Por­tu­gal singt, weder etwas mit Eth­no zu tun, noch mit Jazz. Statt­des­sen neh­men die Fünf, wie mir dies­be­züg­lich bewan­der­te Quel­len glaub­haft ver­si­cher­ten, die Melo­die irgend­ei­nes uralten christ­li­chen Kir­chen­lie­des und tar­nen die­se mit Har­mo­nie­ge­sang in Lan­des­spra­che. Das Gan­ze tun sie in tadel­los sit­zen­den Maß­an­zü­gen und ohne jeg­li­chen Ablen­kungs­schnick­schnack, bis auf einen aser­bai­dscha­ni­schen Gold­re­gen am Ende. Ohne star­ken Kaf­fee schläft man da gleich wie­der ein. Das pol­ni­sche Hut­trä­ger­duo Gro­mee + Lukas Mei­jer weckt einen dan­kens­wer­ter mit dem (lei­der nur mit­tel­präch­ti­gen) Dance-Track ‘Light me up’ wie­der auf, so dass man sich wun­der­bar das Läs­ter­schnüt­chen über die komi­schen Hand-Wel­len­be­we­gun­gen zer­rei­ßen kann, mit denen DJ-Opi Gro­mee sich in sei­ner Kan­zel vom Nicht­ge­braucht­wer­den und Über­flüs­sig­her­um­ste­hen ablenkt. Und das ist dann auch das Inter­es­san­tes­te an die­sem Auf­tritt.

My Name is Lukas, I sing on the second Floor: der nied­li­che Leder­schwe­de muss stimm­lich noch ein paar Schip­p­chen drauf­le­gen bis zum Semi.

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MT 2018: Es scheint ver­bo­ten zu sein, was ich tu

Eine knapp drei­ein­halb­stün­di­ge, ermü­den­de Dau­er­wer­be­sen­dung mit gele­gent­li­cher musi­ka­li­scher Hin­ter­grund­be­schal­lung: so prä­sen­tier­te sich die mal­te­si­sche Vor­ent­schei­dung 2018. Nicht nur die bereits aus den Vor­jah­ren satt­sam bekann­ten, zir­ka tau­send­fach wie­der­hol­ten Wer­be­blö­cke mit Spots für Hamil­ton Tra­vel und Per­len­kett­chen zum Valen­tins­tag muss­te der gedul­di­ge Zuschau­er über sich erge­hen las­sen – auch wäh­rend der Songs blen­de­te der Sen­der TVM per­ma­nent Bauch­bin­den für Fer­tig­es­sen und Pick up-Rie­gel  ein, so dass man bei­na­he mei­nen konn­te, ver­se­hent­lich im zeit­gleich lau­fen­den Fina­le des RTL-Dschun­gel­camps gelan­det zu sein. Wobei sich die Rekla­me oft als inter­es­san­ter erwies als die 16 beim MESC ver­klapp­ten Songs, die ziem­lich schnell zu einer ein­zi­gen, amor­phen Mas­se zusam­men­schmol­zen: durch­hör­ba­res, nicht wei­ter stö­ren­des Pri­vat­ra­dio­fut­ter ohne jeden Fun­ken von Eigen­stän­dig­keit oder Inspi­ra­ti­on, vor­ge­tra­gen fast aus­schließ­lich von dun­kel­haa­ri­gen, dral­len Damen, die alle­samt ohren­be­täu­ben­de Laut­stär­ke mit gesang­li­chen Fähig­kei­ten ver­wech­sel­ten. Die Lau­tes­te von ihnen, die hals­lo­se Christa­bel­le Borg, gewann schließ­lich.

Hol­la, ist Lore­en (SE 2012) aber dick gewor­den!

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Euro­vi­si­on Death­match #20: When you belie­ve

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hoch­glanz­po­lier­tem Pop der gol­de­nen Jahr­zehn­te haben, wer­den Sie sich viel­leicht noch an das legen­dä­re Film­mu­sik-Duett der bei­den (laut Klatsch­pres­se) erbit­ter­ten Erz­fein­din­nen Whit­ney Hous­ton und Mariah Carey aus dem Jah­re 1998 namens ‘When you belie­ve’ erin­nern, sowie das Video, in dem die bei­den Diven so tun muss­ten, als sei­en sie die bes­ten Freun­din­nen, wäh­rend man förm­lich rie­chen konn­te, wie ger­ne sie sich gegen­sei­tig die Augen aus­krat­zen woll­ten. Das tun in der heu­ti­gen Run­de des Euro­vi­si­on Death­match hof­fent­lich unse­ren bei­den Kon­tra­hen­tin­nen, die neben ihrer Vor­lie­be für gro­ße, kraft­vol­le Noten auch die gemein­sa­me Spra­che ver­bin­det, obwohl sie aus ver­schie­de­nen Län­dern kom­men. Doch auch auf der Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta spricht man Eng­lisch, jeden­falls als zwei­te Amts­spra­che, und Clau­dia Fani­el­lo singt dem­entspre­chend in die­sem Idi­om. Die Schwes­ter des zwei­fa­chen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006) ver­such­te es in ihrer Hei­mat gefühlt wohl an die hun­dert Mal und schenk­te uns dabei so wun­der­vol­le Trash­per­len wie ‘Cara­va­g­gio’ (→ Vor­ent­scheid 2008), konn­te sich aber erst heu­er mit einer so pom­pö­sen wie nichts­sa­gen­den Bal­la­de durch­set­zen. Im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, der sich nicht so recht ent­schei­den mag, ob er als über­lan­ger Wer­be­spot für Kaf­fee Hag, Raf­fa­el­lo oder Dein­hardt-Sekt daher­kom­men mag, steht sie ein­ge­näht in diver­sen wirk­lich haut­engen Abend­klei­dern deko­ra­tiv in der Gegend her­um. Was auch den Song­ti­tel ‘Bre­ath­less­ly’ erklärt: nur ein tie­fer Atem­zug, und es wür­de sämt­li­che Näh­te spren­gen.

Teilt Mariah Careys Klei­dungs­stil: Clau­dia Fani­el­lo (MT)

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Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nach­dem am gest­ri­gen Super­sams­tag die letz­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­de der Euro­vi­si­ons­sai­son 2017 über die Büh­ne gin­gen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letz­ten intern aus­ge­wähl­ten Bei­trä­ge für Kiew war­ten (als da wären: der für den heu­ti­gen Abend gegen 18 Uhr ange­kün­dig­te, angeb­lich von einem inter­na­tio­nal bekann­ten Duo inter­pre­tier­te san­ma­ri­ne­si­sche Song; der für den mor­gi­gen Mon­tag bewor­be­ne bul­ga­ri­sche Bei­trag; das erst für den kom­men­den Sams­tag annon­cier­te, von Arts­vik gesun­ge­ne arme­ni­sche Lied; die bereits ange­kün­dig­te angli­fi­zier­te Fas­sung des alba­ni­schen Songs ‘Botë’ ali­as ‘World’ sowie der rus­si­sche Bei­trag – wobei es immer unwahr­schein­li­cher wird, dass das mit dem Gast­ge­ber­land Ukrai­ne krie­ge­risch ver­fein­de­te Land über­haupt teil­nimmt), haben neben Weiß­russ­land nun noch wei­te­re Teil­neh­mer­na­tio­nen auf­ge­frisch­te Fas­sun­gen ihrer Songs für Kiew vor­ge­stellt. So zum Bei­spiel die Schwei­zer, die das hoff­nungs­los öde ‘Apol­lo’ von Time­bel­le musi­ka­lisch deut­lich auf­dra­ma­ti­sier­ten und auch die Stim­me ihrer rumä­nisch­stäm­mi­gen Lead­sän­ge­rin im Ton­stu­dio mit dem Dampf­strah­ler behan­del­ten. Hilft natür­lich auch alles nichts mehr, aber den Ver­such war’s wert.

Pro­mi­nent ver­packt: Zeus und Apol­lo, die eid­ge­nös­si­schen Wun­der­waf­fen (CH)

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Mal­ta 2017: Atem­los durch die Nacht

Also gut, brin­gen wir es hin­ter uns: am gest­ri­gen Sams­tag­abend wähl­te auch die klei­ne, in Euro­vi­si­ons­din­gen uner­müd­li­che Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta ihren Bei­trag für Kiew aus. Eini­ges mach­te man dies­mal anders: das in der Ver­gan­gen­heit meist obli­ga­to­ri­sche Semi­fi­na­le wur­de gestri­chen, die Vor­ab-Vor­stel­lung von zir­ka eine Minu­te lan­gen Song­aus­schnit­ten im ste­ri­len Xara­bank-TV-Stu­dio ent­fiel dies­mal mei­nes Wis­sens auch, und – größ­ter vor­stell­ba­rer Kul­tur­schock über­haupt! – selbst die bis­lang all­mäch­ti­ge Jury schaff­te das mal­te­si­sche Fern­se­hen TVM kom­plett ab. Nur beim Song­ta­bleau gab es kei­ne Über­ra­schun­gen: das übli­che hal­be Dut­zend uner­müd­li­cher Dau­er­kom­po­nis­ten, die übli­chen uner­müd­li­chen Ver­däch­ti­gen hin­ter dem Mikro­fon, die übli­chen lehr­buch­haf­ten Tanz­cho­reo­gra­fi­en und der übli­che schwer­ver­dau­li­che Auf­lauf aus ins­ge­samt 16 mehr oder min­der gleich klin­gen­den Bei­trä­gen, deren ein­zi­ges Ziel es zu sein schien, sich in ihrer abso­lu­ten Harm­lo­sig­keit und ihrem kom­po­si­to­ri­schen Kin­der­gar­ten­ni­veau gegen­sei­tig hart zu unter­bie­ten. Zu den uner­müd­lichs­ten Teil­neh­me­rin­nen der mal­te­si­schen Vor­auswah­len gehört seit gefühlt hun­dert Jah­ren Clau­dia Fani­el­lo, Schwes­ter des zwei­ma­li­gen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006). Fan­tas­ti­sche, spit­zen­mä­ßi­ge Camp-Dis­co-Schla­ger schenk­te sie uns dabei in der Ver­gan­gen­heit, so wie das könig­lich komi­sche ‘Cara­va­g­gio’ (2008) oder das sen­sa­tio­nel­le ‘Sam­s­a­ra’ (2010), doch mit kei­ner die­ser groß­ar­ti­gen Bei­trä­ge war ihr (oder uns) das Glück beschie­den. Ges­tern for­der­te sie das Schick­sal mit der pro­vo­ka­tiv beti­tel­ten, pom­pö­sen Kla­vier­bal­la­de ‘Bre­ath­less­ly’ her­aus – und das zeig­te sich ihr (aber nicht uns) gnä­dig. Gar nicht ‘Atem­los’ kämpf­te sie sich von der letz­ten Start­po­si­ti­on aus im haut­engen Abend­kleid durch den zähen Torch­song, und das Publi­kum schenk­te ihr den Sieg, ob nun aus Mit­leid mit der Sän­ge­rin oder aus Bös­ar­tig­keit gegen­über den Grand-Prix-Zuschau­er/in­nen. So lang­sam glau­be ich doch an eine euro­pa­wei­te Ver­schwö­rung mit dem Ziel, mir den Spaß an mei­nem einst­mals heiß­ge­lieb­ten Fun-Event mit Gewalt zu rau­ben und mich in den depres­si­ons­be­ding­ten Sui­zid zu trei­ben…

Und noch eine dra­ma­ti­sche Bal­la­de für den Grand Prix. Wir haben ja noch nicht genug davon (MT)

Wei­ter­le­senMal­ta 2017: Atem­los durch die Nacht