X Fac­tor Mal­ta

Nach­dem alle Ver­jün­gungs­ver­su­che des mal­te­si­schen Fern­se­hens beim Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid des Lan­des nichts fruch­te­ten und die heiß ersehn­te Tro­phäe immer weni­ger greif­bar erscheint, bedient sich TVM dies­mal des bri­ti­schen For­ma­tes X Fac­tor. Ein sinn­vol­ler Schritt, nach­dem Cas­ting­shows ohne­hin euro­pa­weit die Funk­ti­on der musi­ka­li­schen Nach­wuchs­schmie­de für das Fern­se­hen über­nom­men haben und deren ehe­ma­li­ge Teilnehmer/innen in fast allen Natio­nen frü­her oder spä­ter die ESC-Vor­ent­schei­de über­schwem­men? Oder ist es nur ein wei­te­rer Ver­such, Chia­ra fern­zu­hal­ten? Eine ande­re mal­te­si­sche Grand Dame der Euro­vi­si­on, näm­lich Ira Losco, sitzt jeden­falls der X-Fac­tor-Jury vor, in deren Hän­den es zumin­dest in den Vor­run­den zu wei­ten Tei­len lag, wer das Mit­tel­meer­ei­land in Tel Aviv ver­tritt. Unter den bis­lang wei­ter­ge­kom­me­nen Teilnehmer/innen fin­den sich bekann­te Namen wie Dani­ca Mus­cat, Fran­k­lin Cal­le­ja, Jani­ce Man­gi­on oder Madame Fani­el­lo. Die übli­chen Seri­en­kom­po­nis­ten wie Phil­ip Vel­la und Gerard James Borg murr­ten bereits öffent­lich, weil sie wohl zu Recht befürch­ten, den Vor­ent­scheid nicht mehr als Mas­sen­ab­wurf­stel­le für ihre musi­ka­li­schen Ergüs­se nut­zen zu kön­nen – schließ­lich kommt die Sen­dung wei­test­ge­hend mit (bru­tal gekürz­ten) Cover­ver­sio­nen aus, erst gegen Ende wird ein neu­er Song gebraucht. Die Sen­de­rei­he star­te­te bereits im Okto­ber 2018 und mün­det heu­te in ihr Fina­le.

TVM Live­stream

Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Sanft gestal­te­te sich der Start in Tag heu­te Mor­gen für die nach Lis­sa­bon gereis­ten Blogger/innen. Denn der vier­te Pro­ben­tag begann mit dem geor­gi­schen Bei­trag. Die Kau­ka­sus­re­pu­blik schickt in die­sem Jahr bekannt­lich die offi­zi­ell so benann­te Eth­no-Jazz Band Iriao – und betreibt mit die­ser Aus­lo­bung kla­ren Eti­ket­ten­schwin­del. Schließ­lich hat das, was die für den ESC-Auf­tritt vom Sep­tett zum Quin­tett geschrumpf­te For­ma­ti­on in Por­tu­gal singt, weder etwas mit Eth­no zu tun, noch mit Jazz. Statt­des­sen neh­men die Fünf, wie mir dies­be­züg­lich bewan­der­te Quel­len glaub­haft ver­si­cher­ten, die Melo­die irgend­ei­nes uralten christ­li­chen Kir­chen­lie­des und tar­nen die­se mit Har­mo­nie­ge­sang in Lan­des­spra­che. Das Gan­ze tun sie in tadel­los sit­zen­den Maß­an­zü­gen und ohne jeg­li­chen Ablen­kungs­schnick­schnack, bis auf einen aser­bai­dscha­ni­schen Gold­re­gen am Ende. Ohne star­ken Kaf­fee schläft man da gleich wie­der ein. Das pol­ni­sche Hut­trä­ger­duo Gro­mee + Lukas Mei­jer weckt einen dan­kens­wer­ter mit dem (lei­der nur mit­tel­präch­ti­gen) Dance-Track ‘Light me up’ wie­der auf, so dass man sich wun­der­bar das Läs­ter­schnüt­chen über die komi­schen Hand-Wel­len­be­we­gun­gen zer­rei­ßen kann, mit denen DJ-Opi Gro­mee sich in sei­ner Kan­zel vom Nicht­ge­braucht­wer­den und Über­flüs­sig­her­um­ste­hen ablenkt. Und das ist dann auch das Inter­es­san­tes­te an die­sem Auf­tritt.

My Name is Lukas, I sing on the second Floor: der nied­li­che Leder­schwe­de muss stimm­lich noch ein paar Schip­p­chen drauf­le­gen bis zum Semi.

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MT 2018: Es scheint ver­bo­ten zu sein, was ich tu

Eine knapp drei­ein­halb­stün­di­ge, ermü­den­de Dau­er­wer­be­sen­dung mit gele­gent­li­cher musi­ka­li­scher Hin­ter­grund­be­schal­lung: so prä­sen­tier­te sich die mal­te­si­sche Vor­ent­schei­dung 2018. Nicht nur die bereits aus den Vor­jah­ren satt­sam bekann­ten, zir­ka tau­send­fach wie­der­hol­ten Wer­be­blö­cke mit Spots für Hamil­ton Tra­vel und Per­len­kett­chen zum Valen­tins­tag muss­te der gedul­di­ge Zuschau­er über sich erge­hen las­sen – auch wäh­rend der Songs blen­de­te der Sen­der TVM per­ma­nent Bauch­bin­den für Fer­tig­es­sen und Pick up-Rie­gel  ein, so dass man bei­na­he mei­nen konn­te, ver­se­hent­lich im zeit­gleich lau­fen­den Fina­le des RTL-Dschun­gel­camps gelan­det zu sein. Wobei sich die Rekla­me oft als inter­es­san­ter erwies als die 16 beim MESC ver­klapp­ten Songs, die ziem­lich schnell zu einer ein­zi­gen, amor­phen Mas­se zusam­men­schmol­zen: durch­hör­ba­res, nicht wei­ter stö­ren­des Pri­vat­ra­dio­fut­ter ohne jeden Fun­ken von Eigen­stän­dig­keit oder Inspi­ra­ti­on, vor­ge­tra­gen fast aus­schließ­lich von dun­kel­haa­ri­gen, dral­len Damen, die alle­samt ohren­be­täu­ben­de Laut­stär­ke mit gesang­li­chen Fähig­kei­ten ver­wech­sel­ten. Die Lau­tes­te von ihnen, die hals­lo­se Christa­bel­le Borg, gewann schließ­lich.

Hol­la, ist Lore­en (SE 2012) aber dick gewor­den!

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Euro­vi­si­on Death­match #20: When you belie­ve

Wenn Sie, wie ich, einen Hang zu hoch­glanz­po­lier­tem Pop der gol­de­nen Jahr­zehn­te haben, wer­den Sie sich viel­leicht noch an das legen­dä­re Film­mu­sik-Duett der bei­den (laut Klatsch­pres­se) erbit­ter­ten Erz­fein­din­nen Whit­ney Hous­ton und Mariah Carey aus dem Jah­re 1998 namens ‘When you belie­ve’ erin­nern, sowie das Video, in dem die bei­den Diven so tun muss­ten, als sei­en sie die bes­ten Freun­din­nen, wäh­rend man förm­lich rie­chen konn­te, wie ger­ne sie sich gegen­sei­tig die Augen aus­krat­zen woll­ten. Das tun in der heu­ti­gen Run­de des Euro­vi­si­on Death­match hof­fent­lich unse­ren bei­den Kon­tra­hen­tin­nen, die neben ihrer Vor­lie­be für gro­ße, kraft­vol­le Noten auch die gemein­sa­me Spra­che ver­bin­det, obwohl sie aus ver­schie­de­nen Län­dern kom­men. Doch auch auf der Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta spricht man Eng­lisch, jeden­falls als zwei­te Amts­spra­che, und Clau­dia Fani­el­lo singt dem­entspre­chend in die­sem Idi­om. Die Schwes­ter des zwei­fa­chen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006) ver­such­te es in ihrer Hei­mat gefühlt wohl an die hun­dert Mal und schenk­te uns dabei so wun­der­vol­le Trash­per­len wie ‘Cara­va­g­gio’ (→ Vor­ent­scheid 2008), konn­te sich aber erst heu­er mit einer so pom­pö­sen wie nichts­sa­gen­den Bal­la­de durch­set­zen. Im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, der sich nicht so recht ent­schei­den mag, ob er als über­lan­ger Wer­be­spot für Kaf­fee Hag, Raf­fa­el­lo oder Dein­hardt-Sekt daher­kom­men mag, steht sie ein­ge­näht in diver­sen wirk­lich haut­engen Abend­klei­dern deko­ra­tiv in der Gegend her­um. Was auch den Song­ti­tel ‘Bre­ath­less­ly’ erklärt: nur ein tie­fer Atem­zug, und es wür­de sämt­li­che Näh­te spren­gen.

Teilt Mariah Careys Klei­dungs­stil: Clau­dia Fani­el­lo (MT)

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Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nach­dem am gest­ri­gen Super­sams­tag die letz­ten öffent­li­chen Vor­ent­schei­de der Euro­vi­si­ons­sai­son 2017 über die Büh­ne gin­gen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letz­ten intern aus­ge­wähl­ten Bei­trä­ge für Kiew war­ten (als da wären: der für den heu­ti­gen Abend gegen 18 Uhr ange­kün­dig­te, angeb­lich von einem inter­na­tio­nal bekann­ten Duo inter­pre­tier­te san­ma­ri­ne­si­sche Song; der für den mor­gi­gen Mon­tag bewor­be­ne bul­ga­ri­sche Bei­trag; das erst für den kom­men­den Sams­tag annon­cier­te, von Arts­vik gesun­ge­ne arme­ni­sche Lied; die bereits ange­kün­dig­te angli­fi­zier­te Fas­sung des alba­ni­schen Songs ‘Botë’ ali­as ‘World’ sowie der rus­si­sche Bei­trag – wobei es immer unwahr­schein­li­cher wird, dass das mit dem Gast­ge­ber­land Ukrai­ne krie­ge­risch ver­fein­de­te Land über­haupt teil­nimmt), haben neben Weiß­russ­land nun noch wei­te­re Teil­neh­mer­na­tio­nen auf­ge­frisch­te Fas­sun­gen ihrer Songs für Kiew vor­ge­stellt. So zum Bei­spiel die Schwei­zer, die das hoff­nungs­los öde ‘Apol­lo’ von Time­bel­le musi­ka­lisch deut­lich auf­dra­ma­ti­sier­ten und auch die Stim­me ihrer rumä­nisch­stäm­mi­gen Lead­sän­ge­rin im Ton­stu­dio mit dem Dampf­strah­ler behan­del­ten. Hilft natür­lich auch alles nichts mehr, aber den Ver­such war’s wert.

Pro­mi­nent ver­packt: Zeus und Apol­lo, die eid­ge­nös­si­schen Wun­der­waf­fen (CH)

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Mal­ta 2017: Atem­los durch die Nacht

Also gut, brin­gen wir es hin­ter uns: am gest­ri­gen Sams­tag­abend wähl­te auch die klei­ne, in Euro­vi­si­ons­din­gen uner­müd­li­che Mit­tel­meer­in­sel Mal­ta ihren Bei­trag für Kiew aus. Eini­ges mach­te man dies­mal anders: das in der Ver­gan­gen­heit meist obli­ga­to­ri­sche Semi­fi­na­le wur­de gestri­chen, die Vor­ab-Vor­stel­lung von zir­ka eine Minu­te lan­gen Song­aus­schnit­ten im ste­ri­len Xara­bank-TV-Stu­dio ent­fiel dies­mal mei­nes Wis­sens auch, und – größ­ter vor­stell­ba­rer Kul­tur­schock über­haupt! – selbst die bis­lang all­mäch­ti­ge Jury schaff­te das mal­te­si­sche Fern­se­hen TVM kom­plett ab. Nur beim Song­ta­bleau gab es kei­ne Über­ra­schun­gen: das übli­che hal­be Dut­zend uner­müd­li­cher Dau­er­kom­po­nis­ten, die übli­chen uner­müd­li­chen Ver­däch­ti­gen hin­ter dem Mikro­fon, die übli­chen lehr­buch­haf­ten Tanz­cho­reo­gra­fi­en und der übli­che schwer­ver­dau­li­che Auf­lauf aus ins­ge­samt 16 mehr oder min­der gleich klin­gen­den Bei­trä­gen, deren ein­zi­ges Ziel es zu sein schien, sich in ihrer abso­lu­ten Harm­lo­sig­keit und ihrem kom­po­si­to­ri­schen Kin­der­gar­ten­ni­veau gegen­sei­tig hart zu unter­bie­ten. Zu den uner­müd­lichs­ten Teil­neh­me­rin­nen der mal­te­si­schen Vor­auswah­len gehört seit gefühlt hun­dert Jah­ren Clau­dia Fani­el­lo, Schwes­ter des zwei­ma­li­gen Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­ten Fabri­zio (→ MT 2001, 2006). Fan­tas­ti­sche, spit­zen­mä­ßi­ge Camp-Dis­co-Schla­ger schenk­te sie uns dabei in der Ver­gan­gen­heit, so wie das könig­lich komi­sche ‘Cara­va­g­gio’ (2008) oder das sen­sa­tio­nel­le ‘Sam­s­a­ra’ (2010), doch mit kei­ner die­ser groß­ar­ti­gen Bei­trä­ge war ihr (oder uns) das Glück beschie­den. Ges­tern for­der­te sie das Schick­sal mit der pro­vo­ka­tiv beti­tel­ten, pom­pö­sen Kla­vier­bal­la­de ‘Bre­ath­less­ly’ her­aus – und das zeig­te sich ihr (aber nicht uns) gnä­dig. Gar nicht ‘Atem­los’ kämpf­te sie sich von der letz­ten Start­po­si­ti­on aus im haut­engen Abend­kleid durch den zähen Torch­song, und das Publi­kum schenk­te ihr den Sieg, ob nun aus Mit­leid mit der Sän­ge­rin oder aus Bös­ar­tig­keit gegen­über den Grand-Prix-Zuschau­er/in­nen. So lang­sam glau­be ich doch an eine euro­pa­wei­te Ver­schwö­rung mit dem Ziel, mir den Spaß an mei­nem einst­mals heiß­ge­lieb­ten Fun-Event mit Gewalt zu rau­ben und mich in den depres­si­ons­be­ding­ten Sui­zid zu trei­ben…

Und noch eine dra­ma­ti­sche Bal­la­de für den Grand Prix. Wir haben ja noch nicht genug davon (MT)

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Kei­ne Jury mehr beim Mal­ta­song

Wun­der gibt es immer wie­der: wie Euro­voix heu­te unter Bezug auf eine Mel­dung des mal­te­si­schen Por­tals Illum berich­tet, will der Sen­der PBS die Macht beim natio­na­len Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid, dem ehe­ma­li­gen Mal­ta Song for Euro­pe oder kurz Mal­ta­song, ab sofort allei­ne in die Hän­de der Zuschauer/innen legen. Das kommt auf der Grand-Prix-affi­nen Mit­tel­meer­in­sel einer Revo­lu­ti­on gleich: bis­lang durf­ten fünf vom Sen­der hand­ver­le­se­ne, hei­mi­sche wie inter­na­tio­na­le Juror/innen über den Bei­trag befin­den, das gleich­zei­tig durch­ge­führ­te Tele­vo­ting floss ledig­lich als sechs­te Stim­me in die End­ab­rech­nung mit ein. Damit konn­te die Jury den Publi­kums­fa­vo­ri­ten effek­tiv ver­hin­dern. Aus­lö­ser für die über­ra­schen­de Rück­kehr der Demo­kra­tie beim Mal­ta­song ist ein neu­er Sen­der­chef bei PBS: Al John Bun­dy heißt der Mann, der fin­det, dass “das Lied dem Volk” gehö­re. Er gab die Ände­rung gleich in sei­nem ers­ten Inter­view nach Amts­an­tritt bekannt. Der Mann weiß also, wo sei­ne Prio­ri­tä­ten lie­gen: sehr gut! Nun kommt es noch dar­auf an, dass die Malteser/innen mit ihrer Macht ver­ant­wor­tungs­voll umge­hen: 2016 stimm­ten sie mit der Jury in der Aus­wahl der Euro­vi­si­ons­i­ko­ne Ira Losco (→ MT 2002) über­ein, die jedoch ihren ursprüng­li­chen Song nach dem Vor­ent­scheid noch gegen den über­am­bi­tio­nier­ten Misch­masch ‘Walk on Water’ aus­tausch­te – ein sehr offen­sicht­li­cher Hin­weis auf den ver­zwei­fel­ten Wunsch der Sän­ge­rin, hei­lands­gleich über das geteil­te Mit­tel­meer zu wan­deln und die Euro­vi­si­ons­kro­ne nach Hau­se zu brin­gen, was bekannt­lich nicht klapp­te. Bes­se­res Gelin­gen also in 2017!

Mal­tas bis­lang bes­ter Euro­vi­si­ons­bei­trag: ‘Vod­ka’ aus dem Jah­re 2008

Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt viel­leicht nicht auf unge­teil­te Zustim­mung bei all mei­nen Leser/innen sto­ßen und beschreibt auch das Gegen­teil mei­ner eige­nen Emp­fin­dun­gen von vor einem Jahr, aber nach der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2016 aus dem Stock­hol­mer Glo­ben (der immer noch aus­sieht wie ein Schnel­ler Brü­ter) am Diens­tag­abend muss ich sagen: von mir aus kön­nen die Schwe­den ger­ne jedes Jahr gewin­nen. Solan­ge sie Petra Mede wei­ter mode­rie­ren las­sen: locker, flo­ckig, eigeniro­nisch, herr­lich! Am schöns­ten der Gag, als auf die Wor­te “Wel­co­me, Euro­pe!” die ers­ten Tak­te von ‘The Final Count­down’ der gleich­na­mi­gen schwe­di­schen Acht­zi­ger­jah­re-Rock­band ertön­ten, live von besag­ter Kapel­le into­niert, die Petra und Måns aber schnell wie­der abwürg­ten und sich flugs für die “Pein­lich­keit” ent­schul­dig­ten! Auch, was das schwe­di­sche Fern­se­hen an Rah­men­pro­gramm auf die Bei­ne stell­te, konn­te sich sehen las­sen, von der Eröff­nungs­num­mer, als ein Chor aus den Kin­dern von Ste­pford das Mor­bid-Düs­te­re in Måns Zelmerlöws Vor­jah­res-Sie­ger­lied ‘Heroes’ erst so rich­tig her­aus­ar­bei­te­te, bis hin zu dem als Pau­se­nact ein­ge­setz­ten Bal­lett der ‘Grey Peop­le’ zum The­ma Flucht, das einem beim Zuschau­en stel­len­wei­se den Atem sto­cken ließ, weil es so arti­fi­zi­el­le und den­noch tief unter die Haut gehen­de Bil­der für die Tra­gö­die fand, die sich wei­ter­hin täg­lich vor unse­ren Toren abspielt. Dan­ke für die­sen Appell ans kol­lek­ti­ve Gewis­sen!

Die per­fek­te Spra­che gefun­den, um das wich­ti­ge The­ma an die­sem Abend nicht ver­ges­sen zu las­sen, ohne beleh­rend zu wir­ken. Respekt, SVT!  

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Von Wöl­fen und Lum­pen­sä­cken: die Pro­ben zum ers­ten Semi 2016

In Stock­holm gin­gen heu­te die ers­ten Pro­ben­durch­gän­ge für die bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den zu Ende. Seit Mon­tag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Natio­nen ihre Auf­trit­te erst­mals auf der ech­ten Euro­vi­si­ons­büh­ne. Noch nicht immer im spä­te­ren Büh­nenout­fit und oft­mals mit stimm­lich ange­zo­ge­ner Hand­brem­se – in der ers­ten Run­de geht es haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­r­a­po­si­tio­nen und Büh­nen­hin­ter­grün­de und ums letz­te Fei­len an den Cho­reo­gra­fi­en. Die von den inter­na­tio­na­len Blog­gern vor Ort natür­lich schon flei­ßig ver­brei­te­ten ers­ten Ein­drü­cke sind daher mit Vor­sicht zu genie­ßen, zumal es für zu Hau­se Geblie­be­ne wie mich nur kur­ze Drei­ßigs­ekün­der zu sehen und zu beur­tei­len gibt. Den­noch will, ja muss ich mich an eine ers­te Beur­tei­lung wagen. In die­sem Pos­ting nun zuerst alle Acts des ers­ten Semi­fi­na­les. Auf die Minu­te pünkt­lich los ging es am Mon­tag mit der ers­ten Pro­be von Sandhja Kui­va­lai­nen. Die Fin­nin trat in einem eng­an­lie­gen­den, offen gesagt wenig vor­teil­haf­ten, schul­ter­frei­en Ein­tei­ler auf, umrahmt von fünf schwarz­ge­klei­de­ten, weib­li­chen Backings, die sie alle um Haup­tes­län­ge über­rag­ten. Was optisch leich­te Remi­nis­zen­zen an Mari­ja Šerif­o­vić (RS 2007) und die Beau­ty Queens her­vor­rief. Musi­ka­lisch eher nicht: ‘Sing it away’ ist ein net­ter, flot­ter Pop­song, fällt live aller­dings deut­lich zur Stu­dio­ver­si­on ab. So wie wohl auch die Final­chan­cen der Fin­nen.

Das Proll-Out­fit tau­schen die Grie­chen sicher noch gegen etwas Pas­sen­de­res

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