Polen 2017: die Krä­he auf dem Draht­seil

Für einen klei­nen Moment glimm­te noch schwach Hoff­nung auf, als das pol­ni­sche Fern­se­hen bei der heu­ti­gen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung Kra­jo­we Eli­mi­nac­je einen Schnell­durch­lauf der bereits in den ande­ren euro­päi­schen Natio­nen aus­ge­wähl­ten Grand-Prix-Bei­trä­ge zeig­te. Wür­den, so wie bei Unser Song 2017, als die­se Werk­schau für einen plötz­li­chen, dra­ma­ti­schen Stim­mungs­um­schwung hin­sicht­lich des aus­zu­wäh­len­den Lieds sorg­te, auch die Polen instink­tiv begrei­fen, dass die Quo­te für düs­te­re, dra­ma­ti­sche Bal­la­den im Jahr­gang 2017 bereits deut­lich über­erfüllt ist? Um es kurz zu machen: sie taten es nicht. Über­ein­stim­mend bestimm­te die fünf­köp­fi­ge, zu 50% wer­tungs­be­rech­tig­te Jury die hage­re Blon­di­ne Kasia Moś mit ihrem nerv­tö­ten­den (wenn auch sau­ber into­nier­ten) Geschrei über eine ‘Flesh­light’, Ver­zei­hung, das ‘Flash­light’, zur Reprä­sen­tan­tin unse­res öst­li­chen Nach­bar­lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test. Was ange­sichts des erkenn­bar über­durch­schnitt­li­chen Durch­schnitts­al­ters der Juro­ren nicht wei­ter ver­wun­der­te. Doch auch die Zuschauer/innen wähl­ten die zuge­ge­be­ner­ma­ßen stimm­star­ke, erst drei­ßig­jäh­ri­ge Musi­cal­sän­ge­rin, die aller­dings deut­lich älter aus­sieht, und die 2006 schon mal erfolg­los an der pol­ni­schen Vor­ent­schei­dung teil­nahm, auf den zwei­ten Rang, was in der Addi­ti­on für den Sieg reich­te. Und so müs­sen wir im Mai 2017 in Kiew im Semi­fi­na­le eine wei­te­re depri­mie­ren­de, geist­lo­se Stan­dard­bal­la­de über uns erge­hen las­sen, die weder über eine anspre­chen­de Melo­die noch inhalt­li­chen Tief­gang ver­fügt und statt­des­sen mal wie­der “Desi­re” auf “Fire” reimt. Immer­hin, dass muss man Kasia zuge­ste­hen, erhöht sie den mal­te­si­schen Rei­me­stan­dard sogar um ein “hig­her” und ein inter­es­san­tes “Wire”. Bie­tet jemand mehr?

Nein, der stän­di­ge erho­be­ne Zei­ge­fin­ger macht dar­aus auch nichts Bedeu­ten­des: Kasia (PL)

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Mar­cin Mro­ziń­ski sagt Fes­ti­val in Russ­land ab

Vor­bild­lich: Mar­cin Mro­ziń­ski, der pol­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter von 2010, sagt aus Pro­test gegen die dor­ti­ge homo­pho­be Gesetz­ge­bung sei­ne Teil­nah­me an einem fünf­tä­gi­gen inter­na­tio­na­len Musik­fes­ti­val in Russ­land ab, wie escx­tra unter Bezug­nah­me auf die Face­book­sei­te des Künst­lers berich­tet. Dort sagt Mro­ziń­ski: “Die­ses Gesetz beschnei­det die Frei­heits­rech­te der sexu­el­len Min­der­hei­ten. Ich den­ke, dass dies im 21. Jahr­hun­dert nicht mehr akzep­tiert wer­den kann. Ich kann mir nicht vor­stel­len, an einem Fes­ti­val in einem Land teil­zu­neh­men, das sei­ne Bür­ger auf­grund von Reli­gi­on, Ras­se oder Sexua­li­tät aus­grenzt. Wir sind frei, das soll­te sich auch in den Geset­zen wider­spie­geln. Wir soll­ten dafür nicht kämp­fen müs­sen.” Der 2010 durch ein erst nach dem zwan­zigs­ten Hören zugäng­li­ches Eth­no­lied und eine bizarr-düs­te­re Büh­nen­show in Erin­ne­rung geblie­be­ne Künst­ler zwei­felt selbst, ob irgend­je­mand sei­nen Pro­test über­haupt bemerkt, meint aber: “Über Lie­be und Frei­heit zu sin­gen und die­se fünf Tage zu genie­ßen, in einem Land, das die Men­schen­rech­te nicht ach­tet, wäre Heu­che­lei”.


Ein Held im Kampf um die Frei­heits­rech­te!

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ESC 1. Semi 2010: Der Wür­ger von Wol­fen­büt­tel

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Semi 2)
Das Jahr des Akkor­de­ons

Jurys sind Wich­ser!™ Mei­ne Leser mögen mir die­se etwas unfei­ne Aus­drucks­wei­se ver­zei­hen, aber manch­mal ist die Wahr­heit grau­sam und pro­fan. Nicht nur sorg­te die Wie­der­ein­füh­rung des Bevor­mun­dungs­gre­mi­ums, wel­ches den Grand Prix bereits zu Zei­ten sei­ner Allein­herr­schaft von 1956 bis 1997 mit schier unfass­li­chen Ent­schei­dun­gen in Miss­kre­dit gebracht hat­te, wie nicht anders zu erwar­ten, für eine geball­te Rück­kehr ver­staub­ter und längst über­wun­den geglaub­ter musi­ka­li­scher Schreck­nis­se (jawohl, Mal­ta, der Fin­ger zeigt auf Dich!). Nein, die geschmacks­be­hin­der­ten Geron­ten schaff­ten es auch, in bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den jeweils den bes­ten Bei­trag gegen den Wil­len der kla­ren Zuschau­er­mehr­heit her­aus­zu­ma­ni­pu­lie­ren. Und das, obwohl ihr Urteil “nur” zu 50% ins End­ergeb­nis ein­fließt. Aber auch das reicht bereits, um gro­ßes Unglück anzu­rich­ten. Um es mit den legen­dä­ren Wor­ten Zlat­kos (DVE 2001) zu sagen: dan­ke, ihr Fotz­köp­pe!

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