ESC 1973: Du sagst nie­mals nein

Logo des Eurovision Song Contest 1973
Das Jahr des Dober­manns

Die Lust­lo­sig­keit der deut­schen Vor­ent­schei­dung räch­te sich für uns. Die Prot­ago­nis­tin ahn­te es bereits im Vor­feld: “Bringst Du Trä­nen von ges­tern zurück?”, so eine der Fra­gen aus ihrer wun­der­ba­ren, im Ver­gleich mit den eher Auf­bruchs­stim­mung ver­brei­ten­den Bei­trä­gen der letz­ten Jah­re jedoch etwas ver­zagt wir­ken­den Hym­ne ‘Jun­ger Tag’, wel­che die Juro­ren mit einem kla­ren und ein­deu­ti­gen “Ja!” beant­wor­te­ten. Nach drei drit­ten Rän­gen in Fol­ge konn­te der nun­meh­ri­ge (rech­ne­risch kor­rek­te) neun­te Platz nur als ech­te Ent­täu­schung gel­ten. Oder lag es an dem Spon­tan­au­gen­krebs ver­ur­sa­chen­den, grell­gel­ben Folk­lo­refum­mel, den die für Deutsch­land star­ten­de Dänin Git­te Hæn­ning in Luxem­burg trug?

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FI 1967: Der Tun­ten-Mara­thon

Wie schon in den Jah­ren zuvor ver­an­stal­te­te das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE auch 1967 einen offe­nen Kom­po­nis­ten­wett­be­werb. 240 Ein­sen­dun­gen gin­gen ein, und wie schon im Vor­jahr fan­den sich unter den von einer Jury aus­ge­wähl­ten (dies­mal acht) Final­ti­teln gleich drei aus der Feder von Las­se Mår­ten­son (→ FI 1964). Eben­so wie schon im Vor­jahr sieg­te wie­der­um eine davon. Mår­ten­son nun den Ralph Sie­gel Finn­lands zu nen­nen, täte ihm aber den­noch unrecht, dafür waren sei­ne Lie­der ein­fach zu… un-sie­ge­lig. So wie das von ihm kom­po­nier­te ‘Var­joon – sua­joon’ (sinn­ge­mäß: ‘Im Schat­ten – geschützt’), einer sehn­suchts­vol­len und in ihrer Art extrem fin­ni­schen Betrach­tung über die Vor­zü­ge des Lebens abseits des grel­len Schein­wer­fer­lich­tes, dar­ge­bo­ten von einem eher unty­pi­schen Grand-Prix-Kan­di­da­ten, dem jun­gen Mat­ti Kale­vi Sii­to­nen oder, wie er sich selbst nann­te, Fre­di (übri­gens nach der cho­le­risch-lie­bens­wür­di­gen Figur aus der Zei­chen­trick­se­rie Fami­lie Feu­er­stein). Fre­di kann­ten sei­ne Lands­leu­te haupt­säch­lich als TV-Come­di­an, genau­er gesagt als Teil des von ihm mit­be­grün­de­ten Ensem­bles Kivi­kas­vot. Als “Folk-Fre­di” hat­te er 1965 sei­ne ers­te Plat­te auf­ge­nom­men, und drei Mal dür­fen Sie raten, wel­cher musi­ka­li­schen Rich­tung die­se zuzu­ord­nen war. Nur sehr ent­fernt bis gar nicht fol­kig klan­gen indes sei­ne bei­den Vor­ent­schei­dungs­bei­trä­ge, das jaz­zig-schrä­ge ‘O tun­te­maton’ (nein, es ging nicht um das sams­tag­abend­li­che Pen­deln zwi­schen Gay-Bar und Homo-Dis­co, den Tun­ten-Mara­thon, son­dern um das gro­ße ‘Unbe­kann­te’) wie auch das lei­den­schaft­lich gekräh­te, sieg­rei­che ‘Var­joon – sua­joon’. Mit dem sorg­te Fre­di in Wien für rat­los zurück­blei­ben­de euro­päi­sche Zuschauer/innen und per­ple­xe Jurys, wel­che das intro­ver­tier­te Lied-Klein­od mit einem Mit­tel­feld­platz abstraf­ten. Fre­di, der zu Hau­se im Lau­fe sei­ner Kar­rie­re mehr als 20 Hits lan­de­te, kehr­te 1976 mit der ungleich ein­gän­gi­ge­ren Con­test-Per­le ‘Pump-pump’ zurück.

Fre­di mit dem viel­leicht fin­nischs­ten Lied aller Zei­ten.

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ESC 1962: Ring a tipi tii ding

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Das Jahr des Schlag­zeugs

Luxem­burg gilt im All­ge­mei­nen als finan­zi­ell wohl­si­tu­ier­te euro­päi­sche Steu­er­flucht­oase. Um so merk­wür­di­ger mute­ten die anhal­ten­den Strom­schwan­kun­gen und mehr­fa­chen Licht­aus­fäl­le im RTL-Audi­to­ri­um wäh­rend der Grand-Prix-Über­tra­gung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infra­struk­tu­rell eher den Ein­druck eines Drit­te-Welt-Lan­des (oder der heu­ti­gen USA) ver­mit­tel­ten. Wohl auch, um Kos­ten zu spa­ren, gestal­te­te der Sen­der des Groß­her­zog­tums den Ablauf der Show ziem­lich zügig, die Lie­der folg­ten fast naht­los auf­ein­an­der. Das Anzie­hen des Tem­pos über­trug sich in wohl­tu­en­der Wei­se eben­falls auf das sen­der­sei­tig gestell­te, erstaun­lich druck­voll und prä­zi­se auf­spie­len­de Orches­ter. Fast konn­te man den Ein­druck gewin­nen, Rhyth­mus­in­stru­men­te wie das Schlag­zeug sei­en in die­sem Jahr erst erfun­den wor­den. Jeden­falls kamen sie erst­mals bei einer Viel­zahl der Wett­be­werbs­bei­trä­ge deut­lich hör­bar zum Ein­satz – und das tat dem Musik­me­nü sehr, sehr gut.

Auf­ge­trie­delt: Mari­on Rung (FI).

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FI 1962: Tipi Tii Bim­bo Tom

Es wird ja ger­ne mal dar­über geklagt, dass die Skan­di­na­vi­er beim Euro­vi­si­on Song Con­test bei der Punk­te­ver­ga­be zusam­men­hal­ten. Was aber ange­sichts der gemein­sa­men kul­tu­rel­len Wur­zeln gar nicht wei­ter ver­wun­dert, zu deren Ver­tie­fung gera­de die­se TV-Show mit bei­trägt. In den Sech­zi­gern jeden­falls wur­den die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen der nor­di­schen Län­der per Nord­vi­si­on auch in den ande­ren skan­di­na­vi­schen Län­dern aus­ge­strahlt. Und so schau­te und lern­te man vom Nach­barn. Was bei­spiels­wei­se zur Fol­ge hat­te, dass das fin­ni­sche Fern­se­hen YLE beim zwei­ten Suo­men Eurovi­isukar­sin­ta auf das auch in Schwe­den und Nor­we­gen zur Anwen­dung kom­men­de Ein-Song-zwei-Ver­sio­nen-For­mat umschwenk­te und jeden der vier Final­bei­trä­ge von zwei ver­schie­de­nen Künstler/innen inter­pre­tie­ren ließ. Was den Juro­ren die Gele­gen­heit geben soll­te, vor allem das Lied auf sich wir­ken zu las­sen und weni­ger auf den Sän­ger zu ach­ten. Ganz kon­se­quent zog man das jedoch nicht durch: im rund einen Monat vor­her aus­ge­tra­ge­nen Semi­fi­na­le mit sei­nen acht Bei­trä­gen war es jeweils nur ein/e Interpret/in pro Lied. Hier blieb bei­spiels­wei­se die fin­ni­sche Pre­mie­ren­ver­tre­te­rin Lai­la Kinn­unen mit ihrem Song über die Schnee­prin­zes­sin ‘Lumin­ei­to’ auf der Stre­cke, genau so wie ein (lei­der ver­schol­le­ner) Titel mit dem viel ver­spre­chen­den Namen ‘Tike­ti tik­ke tak’ (lasst mich raten: es hat etwas mit einer Uhr zu tun?) von May­nie Sirén. Wei­ter kam hin­ge­gen ein Sän­ger namens Kai Lind (→ Vor­ent­scheid 1961) mit einer wirk­lich drol­li­gen Wei­se über die ‘Pik­ku Rahasta­ja’, die von allen Jungs umschwärm­te ‘Klei­ne Schaff­ne­rin’, die Sams­tags­abends mit stren­ger Mie­ne im Bus die Fahr­schei­ne kon­trol­liert, in dem die Jugend zum Tanz­ver­gnü­gen fährt. Ein, wenn man ihn mal auf sich wir­ken lässt, herr­li­cher Text, der auf so lako­ni­sche wie unter­halt­sa­me Wei­se phi­lo­so­phi­sche Fra­gen erör­tert.

Eine ech­te Vor­ent­schei­dungper­le: die ‘Klei­ne Schaff­ne­rin’, hier gesun­gen von Mari­on Rung (lei­der nur Audio).

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