MK + HR 2018: (You dri­ve me) Cra­zy

Gleich zwei Bal­kan­staa­ten gaben heu­te ihre jeweils intern bestimm­ten Vertreter/innen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 bekannt. Die frü­he­re jugo­sla­wi­sche Repu­blik Maze­do­ni­en, die der­zeit (hof­fent­lich!) auf eine bal­di­ge Lösung des jahr­zehn­te­lan­gen, ermü­den­den Namens­streits mit den in die­ser Ange­le­gen­heit bis zuletzt stu­ren Grie­chen zusteu­ert, ernann­te das pho­ne­tisch cle­ver benann­te Duo Eye Cue (lies: IQ bzw. “I q” = ich qua­li­fi­zie­re mich [für das Fina­le]), bestehend aus dem Kom­po­nis­ten Bojan Trai­kov­ski und der Lead­sän­ge­rin Mari­ja Iva­no­s­ka. Die bei­den machen seit mehr als zehn Jah­ren gemein­sam Musik. Und zwar, wie eine schnel­le You­tube-Werk­schau bestä­tigt, in der Haupt­sa­che zähen, hand­ge­klampf­ten, mid­tem­po­rä­ren, leicht melan­cho­li­schen Midd­le-of-the-Road-Seich (seufz). Wie sich das bei dem eben­falls von Bojan geschrie­be­nen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Lost and found’ ver­hält, bleibt jedoch abzu­war­ten, denn der Sen­der will den Titel der unge­dul­dig mit den Hufen schar­ren­den Welt­öf­fent­lich­keit erst spä­ter vor­stel­len. Die ver­wen­de­te Anprei­sung “con­tem­pora­ry” (“zeit­ge­mäß”) lässt jedoch nichts Gutes hof­fen, über­setzt sie sich in der Regel doch als “for­mat­ra­dio­taug­lich­es Gedu­del”.

Eines ihrer anspre­chen­de­ren Stü­cke: das von der Bal­kan-Queen Kalio­pi (MK 2011, 2016) geschrie­be­ne ‘Ne zabo­ra­vaj’ (Reper­toire­bei­spiel).

Wei­ter­le­senMK + HR 2018: (You dri­ve me) Cra­zy

Offi­zi­ell: 42 Län­der sind 2018 an Bord, Maze­do­ni­en ist raus

In einer Pres­se­mit­tei­lung stell­te die EBU heu­te Nach­mit­tag das offi­zi­el­le Con­test-Logo für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon vor, das aus einer sti­li­sier­ten Muschel besteht, ergänzt um 11 wei­te­re mari­ti­me Moti­ve, die vom näh­ren­den Plank­ton bis zur bis­si­gen Qual­le alles abbil­den, was im Meer so vor­kommt (schwim­men­der Plas­tik­müll gehört aller­dings nicht dazu). Für das Mot­to ließ man sich offen­sicht­lich vom Neun­zi­ger­jah­re-Mega­hit ‘Last Train to Trans­cen­tral’ des bri­ti­schen Musik­pro­jekts The KLF inspi­rie­ren: es lau­tet ‘All abord’ (‘Alle an Bord’). Es soll laut EBU-Pro­sa für “Kern­bot­schaf­ten wie Diver­si­tät, Respekt und Tole­ranz” ste­hen. Der Krea­tiv-Chef des gast­ge­ben­den por­tu­gie­si­schen Sen­ders, Gonça­lo Madaíl, äußert sich ergän­zend zum geschickt gewähl­ten mari­ti­men The­ma des Logos: “Über Jahr­hun­der­te erforsch­te Por­tu­gal die Welt über das Meer. Heu­te ist Lis­sa­bon mehr denn je die Stadt aller Far­ben, ein Hafen ver­schie­de­ner Kul­tu­ren und Klän­ge, die Euch alle ein­lädt, an Bord zu kom­men”. Letz­te­res gilt aller­dings nicht für Maze­do­ni­en: ent­ge­gen hoff­nungs­fro­her Ver­laut­ba­run­gen des Sen­ders MRT über angeb­lich güt­lich ver­lau­fen­de Ver­hand­lun­gen mit der EBU hält die­se am Aus­schluss der frü­he­ren jugo­sla­wi­schen Repu­blik auf­grund offe­ner For­de­run­gen in erkleck­li­cher Höhe fest. Russ­land ist nach dem Julia­ga­te-beding­ten Aus­set­zer 2017 hin­ge­gen, um das Mot­to noch ein­mal zu bemü­hen, wie­der mit an Bord. Auch Aus­tra­li­en hat eine erneu­te Ein­la­dung erhal­ten. Ins­ge­samt 42 Natio­nen gehen daher am 8., 10. und 12. Mai 2018 in der Lis­sa­bon­ner Are­na an den Start, genau so vie­le wie 2017 und eine weni­ger als der bis­he­ri­ge Rekord. Der Ticket­ver­kauf soll Ende Novem­ber 2017 star­ten, einen genau­en Ter­min gibt es aber noch nicht.

Aus dem Meer kam alles Leben und im Meer wird es auch bald wie­der ver­schwin­den, wenn wir nichts gegen den Kli­ma­wan­del unter­neh­men.

Nun also amt­lich: Maze­do­ni­en bleibt wegen unbe­zahl­ter Rech­nun­gen 2018 drau­ßen.

View Results

Loading ... Loa­ding …

Wegen Schul­den: pullt Maze­do­ni­en einen Ovi­diu?

So lang­sam scheint es zur unver­zicht­ba­ren Folk­lo­re zu gehö­ren, dass uns jedes Jahr kurz vor der offi­zi­el­len Ver­kün­dung der Teil­neh­mer­lis­te für den Euro­vi­si­on Song Con­test durch die EBU noch ein Land ver­lo­ren geht: nach der Aus­sper­rung Rumä­ni­ens 2016 wegen offe­ner For­de­run­gen in Mil­lio­nen­hö­he und dem stra­te­gisch her­bei­ge­führ­ten Aus­schluss Russ­lands infol­ge geschickt insze­nier­ter Ver­stö­ße gegen ukrai­ni­sche Geset­ze in die­sem Jahr droht die EBU nun dem maze­do­ni­schen Fern­se­hen MKRTV auf­grund unbe­zahl­ter Rech­nun­gen mit schmerz­haf­ten Sank­tio­nen: “Lei­der hat das maze­do­ni­sche Fern­se­hen kei­nen Zugriff auf unse­re Diens­te, bis die Schul­den bezahlt wor­den sind,” so zitie­ren escx­tra und euro­fire die EBU-Pres­se­spre­che­rin Clai­re Rain­ford. Unbe­stä­tig­ten Gerüch­ten zufol­ge soll ein Betrag von rund einer hal­ben Mil­li­on Euro im Raum ste­hen. In dem kri­sen­ge­schüt­tel­ten Bal­kan­land ist nach einer lang­an­hal­ten­den innen­po­li­ti­schen Kri­se seit dem Som­mer 2017 eine neue Regie­rung im Amt, im Sep­tem­ber die­sen Jah­res strich die­se die Rund­funk­ge­büh­ren und ersetz­te sie durch Direkt­zah­lun­gen aus der Staats­scha­tul­le. In der sieht es aller­dings mau aus, nach­dem der abge­wähl­te Regie­rungs­chef in den ver­gan­ge­nen Jah­ren rund 700 Mil­lio­nen Euro in dem grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Protz­pro­jekt Skop­je 2014 ver­senk­te, einem archi­tek­to­ni­schen Zucker­bä­cker­werk zur Glo­ri­fi­zie­rung der maze­do­ni­schen Geschich­te (wobei man fai­rer­wei­se zuge­ben muss: im Gegen­satz zum Flug­ha­fen Ber­lin-Bran­den­burg ste­hen hier wenigs­tens benutz­ba­re Gebäu­de). Jeden­falls: kann der Sen­der die Schul­den bei der EBU nicht recht­zei­tig beglei­chen, darf er den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 nicht aus­strah­len – und damit auch nicht an ihm teil­neh­men.

Spielt größ­ten­teils in der absurd teu­ren Protz­ku­lis­se: der zurück­ge­zo­ge­ne maze­do­ni­sche Bei­trag von 2013.

Wei­ter­le­senWegen Schul­den: pullt Maze­do­ni­en einen Ovi­diu?

Euro­vi­si­on Death­match #8: der flot­te Drei­er

Als wir das euro­vi­sio­nä­re Todes­du­ell letz­te Woche star­te­ten, befan­den sich inklu­si­ve des rus­si­schen Bei­trags offi­zi­ell noch 43 Titel im Ren­nen (wonach es aktu­ell immer weni­ger aus­sieht). Da sich unge­ra­de Zah­len bekannt­lich nicht durch zwei tei­len las­sen, müs­sen wir dies­mal aus­nahms­wei­se ein Oxy­mo­ron ein­schie­ben, näm­lich ein Drei­er­du­ell. Gleich drei Damen aus benach­bar­ten Staa­ten des Bal­kan stei­gen also heu­te in den Ring, um sich die fet­ten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hau­en. Wir begin­nen ganz im Süden: unse­re ers­te Kom­bat­tan­tin ist die 25jährige Grie­chin Dimi­tra Papa­dea ali­as Demy, vom wie­der­auf­er­stan­de­nen hel­le­ni­schen Staats­sen­der ERT intern aus­ge­wählt und in einem Song-Vor­ent­scheid mit dem fla­chen, voll auf die Zwölf gehen­den Dance-Stamp­fer ‘This is Love’ ver­sorgt. Der klingt wie ein flau­er Auf­guss von Cas­ca­das ‘Glo­rious’ (→ DE 2013), was bekannt­lich auch nur ein flau­er Abklatsch von Lore­ens ‘Eupho­ria’ (→ SE 2012) war. Von den schlim­men lyri­schen Sün­den des Song­tex­tes hat man immer­hin die fuß­nä­ge­lauf­rol­lends­te (“This is Love / Rain falls from above”: von wo bit­te sonst?) zwi­schen­zeit­lich über­ar­bei­tet, doch noch immer reimt Demy “There’s an echo in my head” auf “There’s a cross­road up ahead”. Nun ja, auch mit fett aus den Kopf­hö­rern bol­lern­den Bäs­sen im drö­hend lee­ren Schä­del läuft es sich ziel­ge­rich­tet über die stark befah­re­nen Stra­ßen­kreu­zun­gen Athens, und beim Nah­kampf um Leben und Tod gegen ihre bei­den Kon­kur­ren­tin­nen kann zuviel Nach­den­ken ja auch von Nach­teil sein.

Feu­ert aus allen Roh­ren: Demy (GR)

Wei­ter­le­senEuro­vi­si­on Death­match #8: der flot­te Drei­er

Maze­do­ni­en 2017: ein­deu­tig unter­do­siert

Über­all das Glei­che: gro­ße Tei­le des Song­schrei­ber- und Pro­du­zen­ten­teams, die für den ser­bi­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag 2017 ver­ant­wort­lich zeich­nen, betei­lig­ten sich auch an dem bereits am Frei­tag­abend vor­ge­stell­ten maze­do­ni­schen Wett­be­werbs­song ‘Dance alo­ne’. Und die musi­ka­li­sche Ver­wandt­schaft hört man ziem­lich deut­lich. Aller­dings scheint das klei­ne­re Land hier die hüb­sche­re Toch­ter abbe­kom­men zu haben, denn wo ‘In too deep’ arg seicht und ziel­los vor sich hin­plät­schert, da ver­mag ‘Dance alo­ne’ durch einen ver­hält­nis­mä­ßig süf­fi­gen Refrain und einen rela­tiv ordent­li­chen Schub zu punk­ten. Und auch die kräf­tig ver­zerr­te Stim­me der ent­fernt an sol­che Elek­tro-Hel­din­nen wie Anne Clark oder Beth Dit­to erin­ner­den, schon im ver­gan­ge­nen, gefühlt also meh­re­re Jahr­hun­der­te zurück­lie­gen­den Novem­ber 2016 intern aus­ge­wähl­ten Inter­pre­tin Jana Burčes­ka ver­leiht der Num­mer einen eige­nen Flair. Jeden­falls ver­sprüht der maze­do­ni­sche Bei­trag im Gegen­satz zu sei­nem ser­bi­schen Gegen­part deut­lich mehr Lebens­freu­de, obgleich der beglei­ten­de Video­clip, in dem sich die Prot­ago­nis­tin, eine abge­kämpf­te Haus­frau im Kli­mak­te­ri­um, mit­tels vir­tu­el­ler Rea­li­tät in ihre Jugend­zeit zurück­ver­setzt, eine ande­re Spra­che spricht. Ganz am Schluss sitzt aber auch die ado­les­zen­te Jana allei­ne und nie­der­ge­schla­gen auf dem abge­ram­mel­ten Sofa, und das passt ganz gut, weil der Song auf den letz­ten Metern eben­falls ziem­lich trau­rig aus­franst, so als sie die Wir­kung der ein­ge­wor­fe­nen che­mi­schen Sti­mu­lan­zi­en einen Tick zu früh ver­pufft. Und so hin­ter­lässt der mit­tel­präch­ti­ge Bei­trag am Ende ein irgend­wie unbe­frie­di­gen­des Gefühl, auch wenn er den inner­bal­ka­ni­schen Zwei­kampf locker gewinnt.

Tanz, klei­ner Wasch­bär, dreh Dich im Krei­se (MK)

Schafft es Maze­do­ni­en mit Jana ins Fina­le?

  • Ich den­ke doch. Das ist ein hüb­sches Uptem­po­stück, das soll­te rei­chen. (85%, 67 Votes)
  • Nein, das kann nicht über­zeu­gen. (9%, 7 Votes)
  • Ich mag’s aber ich hab wenig Hoff­nung. Dafür ist die Kon­kur­renz zu hart. (6%, 5 Votes)

Total Voters: 79

Loading ... Loa­ding …

Esma Redže­po­va ist tot

2016 ist ein gefähr­li­ches Jahr für Musik­le­gen­den, unter denen der grim­me Schnit­ter wei­ter­hin eine reich­li­che Ern­te ein­fährt: wie unter ande­rem Euro­voix berich­tet, ver­starb heu­te früh die maze­do­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin von 2013 und selbst­er­nann­te “Köni­gin der Roma-Musik”Esma Redže­po­va, im Alter von 73 an den Fol­gen einer Lun­gen­ent­zün­dung. Die in der Roma-Sied­lung Šuto Ori­za­ri bei Skop­je als Toch­ter einer Tür­kin und eines Ser­ben gebo­re­ne Esma gewann im Alter von 14 ihren ers­ten Gesangs­wett­be­werb und nahm seit­her unzäh­li­ge Lie­der auf, von denen etli­che auf dem gesam­ten Bal­kan bezie­hungs­wei­se unter Sin­ti und Roma auch dar­über hin­aus Kult­sta­tus besit­zen. Bekannt­heit erlang­te sie außer­dem durch ihr sozia­les und poli­ti­sches Enga­ge­ment: so grün­de­te sie ein Kin­der­heim, küm­mer­te sich um 47 Wai­sen, von denen sie fünf mit ihrem Mann gemein­sam selbst groß­zog, und saß zeit­wei­lig im Stadt­rat der maze­do­ni­schen Metro­po­le. Sie wur­de laut Euro­voix zwei­fach für den Frie­dens­no­bel­preis vor­ge­schla­gen und erhielt eine offi­zi­el­le Aus­zeich­nung als “Natio­na­le Künst­le­rin”. Um ihre Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test 2013 ent­spann sich im Vor­feld jedoch ein innen­po­li­ti­scher Dis­put: ursprüng­lich woll­te sie mit dem um eini­ge Jah­re jün­ge­ren Vlat­ko Loza­no­ski ali­as Loza­no das von vie­len Grand-Prix-Fans wie auch dem Blog­be­trei­ber begeis­tert auf­ge­nom­me­ne ‘Imperi­ja’ sin­gen, das der Sen­der MTK jedoch nach Pro­tes­ten im Lan­de zurück­zog, da das dazu­ge­hö­ri­ge Musik­vi­deo in den Kulis­sen des hoch­gra­dig umstrit­te­nen Bau­pro­jek­tes “Skop­je 2014” ent­stand, das unter ande­rem wegen der immensen Kos­ten für natio­na­lis­ti­schen Hel­den­ver­eh­rungs­krem­pel in der Kri­tik stand. Esma & Loza­no gaben statt­des­sen den Titel ‘Pred da se raz­de­ni’ zum Bes­ten, mit dem sie aller­dings im Semi­fi­na­le aus­schie­den, obwohl er mir heu­te, in der Rück­schau, inter­es­san­ter­wei­se als der stär­ke­re der bei­den Songs erscheint. Was aber auch ein­fach an der über­wäl­ti­gen­den Büh­nen­prä­senz der fan­tas­ti­schen Esma lie­gen mag, die den Zuhö­rer selbst mit einem simp­len ‘Le le le’-Gesang umzu­fe­gen ver­moch­te. Mit der ver­stor­be­nen Künst­le­rin ver­bin­det den Blog­be­trei­ber zudem eine der schmerz­lichs­ten jour­na­lis­ti­schen Fehl­leis­tun­gen in der Exis­tenz von aufrechtgehn.de, näm­lich der unge­prüf­ten, unkri­ti­schen Über­nah­me einer Zei­tungs­en­te, nach wel­cher sich die Sän­ge­rin nach ihrem Semi-Aus schwu­len­feind­lich geäu­ßert haben sol­le, was sie umge­hend und glaub­haft demen­tier­te. Dafür im Nach­hin­ein noch­mals Ent­schul­di­gung und Ruhe in Frie­den, Esma.

Die Frau in Rot: Esma regier­te die Büh­ne

Dop­pel­da­te am Diens­tag: Bel­gi­en und Maze­do­ni­en nomi­nie­ren

Für einen Sekun­den­bruch­teil setz­te heu­te mein Herz aus, als ich fälsch­li­cher­wei­se las, das bel­gi­sche Fern­se­hen RTBF habe die unsterb­li­che Gol­den-Girls-Legen­de Blan­che Devereaux, cha­rak­ter­li­ches Vor­bild einer gan­zen Tucken-Genera­ti­on, als Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin 2017 nomi­niert. Doch lei­der erwies sich das nur als Flüch­tig­keits­feh­ler: Ellie Delva­ux heißt die erst sech­zehn­jäh­ri­ge Sän­ge­rin, mit Künst­le­rin­nen­na­men Blan­che. Sie nahm, wie soll­te es anders sein, an der aktu­el­len Staf­fel der Cas­ting­show The Voice teil, wo sie aller­dings nicht in die End­run­de kam. Den­noch enga­gier­te sie der wal­lo­ni­sche Sen­der vom Fleck weg. Ihr Bei­trag für Kiew, von ihr selbst mit­kom­po­niert, steht zwar schon fest, wur­de aber noch nicht ver­öf­fent­licht, so dass wir für einen ers­ten Ein­druck auf Vide­os mit Cover­ver­sio­nen bal­la­des­ker Depres­si­ons­lie­der ange­wie­sen sind, in denen die paus­bä­cki­ge Ele­vin mit stark ver­hall­ter Lei­dens­stim­me und ver­stei­ner­ter Mie­ne vor sich hin quäkt. Um im Grand-Prix-Ver­gleich zu blei­ben: erin­nert ein wenig an Anouk (‘Birds’, → NL 2012), nur nicht ganz so fröh­lich und lebens­be­ja­hend.

Ach, hät­te sie es mal lie­ber für sich behal­ten: Blan­che denkt laut nach (BE, Rep­toire­bei­spiel)

Offen gestan­den wäre sie mir lie­ber gewe­sen: die fan­tas­ti­sche, lei­der viel zu früh ver­stor­be­ne Rue McCla­nahan als Blan­che

Wei­ter­le­senDop­pel­da­te am Diens­tag: Bel­gi­en und Maze­do­ni­en nomi­nie­ren

Maze­do­ni­en: lis­ten to the Sound of Silence

Miss­lich: maze­do­ni­sche Radio­sen­der kön­nen wegen eines Urhe­ber­rechts-Dis­pu­tes der­zeit kei­ne Musik von ein­hei­mi­schen Künst­lern spie­len, obwohl sie per Gesetz dazu ver­pflich­tet sind. Ähn­lich wie in Frank­reich gibt es in dem Bal­kan­staat eine staat­lich vor­ge­schrie­be­ne Quo­te von 40% maze­do­ni­scher Musik für die dor­ti­gen Rund­funk­sta­tio­nen. Die kön­nen sie aber im Moment nicht erfül­len, weil die Rech­te­ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ZAMP, das maze­do­ni­sche Äqui­va­lent der GEMA, ein Auf­füh­rungs­ver­bot für die bei ihnen orga­ni­sier­ten Musiker/innen aus­ge­spro­chen hat. Die ZAMP wehrt sich mit die­sem Schritt gegen die Zulas­sung einer Kon­kur­renz­or­ga­ni­sa­ti­on namens SOKOM MAP, der sie vor­wirft, dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um nahe zu ste­hen. Das maze­do­ni­sche Par­la­ment hat vor Kur­zem die gesetz­li­chen Bestim­mun­gen zur Autoren­kol­lek­te geän­dert und dabei die Gebüh­ren fak­tisch auf ein Zehn­tel der bis­her ein­ge­trie­be­nen Bei­trä­ge gede­ckelt, woge­gen die Rech­te­ver­wer­tungs­ge­sell­schaft oppo­niert. Mit der neu­en Orga­ni­sa­ti­on sol­len die “Kom­po­nis­ten gespal­ten” wer­den, fin­det jeden­falls ZAMP. Und wehrt sich mit dem Radio-Bann. Die Sen­der sind nun von har­schen Straf­zah­lun­gen bedroht, wenn sie wei­ter­hin Titel von ZAMP-Künst­ler/in­nen wie Karo­li­na Goce­va (→ MK 2002, 2007) spie­len (die der Gerüch­te­kü­che zufol­ge die­ses Jahr übri­gens erneut für ihr Land zur Euro­vi­si­on möch­te) – und vom Ent­zug ihrer Sen­de­li­zenz, wenn sie dies nicht tun, weil sie dann die Quo­te nicht mehr erfül­len kön­nen. Ovo je Bal­kan!

Der­zeit im hei­mi­schen Radio nicht mehr zu hören: die Goce­va, hier mit ihrem letz­ten Euro­vi­si­ons­bei­trag

Das Lju­bav-Gate: wen die Jurys 2016 ver­hin­der­ten

Nicht nur den recht­mä­ßi­gen Sieg des Rus­sen Ser­gey Laza­rev im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 hat ein klei­nes Häuf­lein von 210 will­kür­lich aus­ge­such­ten Men­schen auf dem Gewis­sen, die mit ihren Ent­schei­dun­gen den Wil­len von Mil­lio­nen (!) von Anrufer/innen aus ganz Euro­pa über­stim­men konn­ten. Wie immer ver­hin­der­ten die Mani­pu­la­to­ren aus den Jurys auch den Final­ein­zug bestimm­ter Teilnehmer/innen, die ihnen nicht in den Kram pass­ten. Dar­un­ter natür­lich wie­der zwei mei­ner Lieb­lings­bei­trä­ge. So unter­ban­den, wie ich es mir bereits dach­te, die Juro­ren im ers­ten Semi­fi­na­le am Diens­tag die berech­tig­te Qua­li­fi­ka­ti­on des bos­ni­schen Quar­tetts mit dem ehe­ma­li­gen ‘In the Dis­co’-Häs­chen Deen (BA 2004) und dem wun­der­bar dra­ma­ti­schen ‘Lju­bav je’. Lag es an der das Flücht­lings­elend the­ma­ti­sie­ren­den Büh­nen­show? Einem The­ma übri­gens, das auch der ver­an­stal­ten­de Sen­der SVT in der sel­ben Sen­dung mit einem hoch­ge­lob­ten Bal­lett als Pau­se­nact auf­griff. Die poli­tisch wachen und geschmack­lich siche­ren Zuschauer/innen gou­tier­ten das zu Recht und wähl­ten die Bos­ni­er auf Rang acht. Die ver­trock­ne­ten Geron­ten von der Jury­front aber begeis­ter­ten sich statt­des­sen für die alt­ba­cke­ne, wenn auch zuge­ge­be­ner­ma­ßen sehr star­ke tsche­chi­sche Bal­la­de und mani­pu­lier­ten Gabrie­la Gun­čí­ko­vá ins Fina­le, wo sie im Tele­vo­ting kom­plett punk­te­frei aus­ging. Hat sich ja gelohnt, ihr Voll­s­pa­cken!

Ergrei­fen­de Bal­kan­bal­la­den mag die Jury nicht. Sterbt! (BA)

Wei­ter­le­senDas Lju­bav-Gate: wen die Jurys 2016 ver­hin­der­ten

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr ent­täuscht”: das war er, der Satz des Abends, gespro­chen vom deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban, nach­dem Gast­ge­be­rin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auf­tritt des Weiß­rus­sen Ivan infor­mier­te, dass die­ser ursprüng­lich nackt und in Beglei­tung von Wöl­fen zu per­for­men gedach­te, was die EBU im Hin­blick auf die Regeln lei­der ver­bie­ten muss­te. Zum Miss­fal­len des komo­de­rie­ren­den Vor­jah­res­sie­gers, der gera­de hin­ter Petra die Büh­ne enter­te – im Adams­kos­tüm, lei­der mit einem stra­te­gisch plat­zier­ten Plü­sch­wolf vor dem Gemächt. Wie dank­bar bin ich dem Schwe­den dafür, dass er ein der­ge­stalt scham­los selbst­ver­lieb­ter, zei­ge­freu­di­ger Exhi­bi­tio­nist ist, der wirk­lich kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, sei­nen durch­trai­nier­ten Kör­per mög­lichst tex­tilfrei der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Und wie dank­bar bin ich den Schwe­den dafür, dass sie mit solch einer Leich­tig­keit durch die­sen Abend führ­ten und die Show mit einem wun­der­ba­ren Mini-Musi­cal eröff­ne­ten, das uns in vier Minu­ten dar­über auf­klär­te, was die Euro­vi­si­on eigent­lich ist und dabei so fach­lich akku­rat wie herr­lich selbst­iro­nisch daher­kam. Der Stimm­aus­zäh­lungs-Über­brü­ckungs­act ‘Man vs. Machi­ne’, eine Art Hom­mage an die Tanz­sze­nen aus dem Acht­zi­ger­jah­re-Strei­fen ‘Num­mer 5 lebt’, fiel gegen das bewe­gen­de Flücht­lings­bal­lett vom Diens­tag zwar etwas ab, ergab aber den­noch eine schö­ne Pau­sen­un­ter­hal­tung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist ent­täuscht – ich eben­so: von der Grö­ße sei­nes, ähm, Wolfs!

Wei­ter­le­senZwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt