EYD 2019: Bye bye, I love you

Grö­ßer als wir” sei die Lie­be, die uns ver­bin­de, so röhrt es ein feis­ter Jun­ge mit Hoch­was­ser­ho­sen und unvor­teil­haf­ter Scham­haar­fri­sur her­aus, und man kann es, wenn man denn möch­te, als meta­pho­ri­sche Beschwö­rung der Insu­la­ner ver­ste­hen, trotz des unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Bre­xits den Blick auf das Gemein­sa­me nicht zu ver­lie­ren, das Ver­bin­den­de. Eben das, was Euro­pa zu etwas Grö­ße­rem macht als nur die Sum­me sei­ner Ein­zel­staa­ten. “Nimm mei­ne Hand und ich füh­re dich nach Hau­se,” singt der opti­sche Zwil­lings­bru­der der ser­bi­schen Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin Mari­ja Šerif­o­vić namens Micha­el Rice vol­ler Hin­ga­be und mit wild rudern­den Arm­be­we­gun­gen, “ver­stehst Du, Du wirst nie­mals allei­ne sein”. Es klingt wie der ver­zwei­fel­te Ver­such einer Selbst­sug­ges­ti­on, eines letz­ten Appells im Ange­sicht der nahen­den poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und mensch­li­chen Fins­ter­nis für die Bewoh­ner des Ver­ei­nig­ten König­reichs. Kein Wun­der, dass er den gest­ri­gen bri­ti­schen Vor­ent­scheid Euro­vi­si­on: you deci­de mit der immens kit­schi­gen wie drö­gen Bal­la­de gewann und als Sie­ger aus einer Ver­an­stal­tung her­vor­ging, die in gro­ßen Tei­len signa­li­sier­te, dass das ehe­ma­li­ge Mut­ter­land des Pop den kul­tu­rel­len Anschluss an Euro­pa längst ver­lor und auch zu kei­ner­lei Anstren­gun­gen mehr bereit ist, ihn wie­der­zu­fin­den.

San­cho Pan­sa, die sin­gen­de Wind­müh­le.

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