Schlagwort-Archiv: Moldawien

Gonorrhoe im Disneyland (1. Semi 2013)

Logo ESC 2013 Semi 1Tack Sverige! Die zahlreichen Änderungen, die das schwedische Fernsehen unter Federführung von Christer Björkman in diesem Jahr am Song Contest vornahm, trafen gerade unter den Fans ja eher auf Ablehnung. Nach dem heutigen ersten Semiabend muss ich jedoch sagen: aus Sicht des TV-Zuschauers sind zumindest die Entscheidungen für eine kleinere Halle mit Stehplätzen im Innenraum, die technische Abrüstung (keine Bühnen-LEDs) und die Rückkehr zu “nur” noch einer Moderatorin goldrichtig. Atmosphärisch deutlich dichter, fast schon intim die Fernsehbilder aus Malmö, die Künstler wirkten nicht mehr verloren auf der Bühne oder vom Hintergrund erschlagen, wie es in den letzten Jahren meist der Fall war. Und eine das Gastgeberland selbst auf die Schippe nehmende Petra Mede ist als Host ein eben solcher Glücksgriff wie Sara Dawn Finer als Lyndra Woodruff als Comedyeinlage im Pausenprogramm. Wenn es die EBU jetzt noch schafft, der Bildregie begreiflich zu machen, dass die Zuschauer während der Auftritte die Bühnenshow der Acts sehen wollen und keine minutenlangen Kamerafahrten durch die Halle, dann ist alles perfekt!

Weiterlesen

Fünfter Probentag in Malmö: erstes Semi, die Chancen

Logo ESC 2013 Semi 1Heute ging es richtig los in Malmö: das Pressezentrum eröffnete mit einer Pressekonferenz der EBU, die erwartungsgemäß alle ihre von den Fans teilweise heftig kritisierten Entscheidungen zu den Regeländerungen beim Contest als sinnvoll und gelungen bezeichnete und ansonsten ausführlich ihre brandneue Eurovisions-App für iPhones und Android-Handys bewarb (zu der ich nichts weiter sagen kann, weil bei mir der Anmeldeprozess nicht klappte, man zum Voten per App aber ohnehin ein PayPal-Konto braucht, das ich weder habe noch will und ich auf fesselnde News vom eurovision.tv-Team auf meinem Smartphone verzichten kann). Gegen Mittag starteten dann die zweiten Probendurchläufe für die Teilnehmer des ersten Semis am Dienstag. Und ab heute stellt uns eurovision.tv auch einen kompletten, dreiminütigen Mittschnitt für jedes Land zur Verfügung. Damit lassen sich dann auch die Chancen für den Einzug ins Finale etwas realistischer einschätzen. Meine Damen und Herren: die Spiele sind eröffnet!

Weiterlesen

Zweiter Probentag in Malmö: It’s a small World

Gleich die ersten Interpreten des zweiten Probentages sorgten heute früh für die größte Überraschung: im weißen 2001-Weltraumanzug als Montenauten verkleidet, lieferten die beiden Jungs von Who see? eine astreine Performance ab, getoppt von ihrer ebenfalls kompetenten Sängerin Nina Žižić, die pünktlich zum Beginn ihres Vokalparts per transparentem Lift aus den Bühnenboden geschossen kommt. Der antizipierte Car-Crash bleibt also aus; ganz im Gegenteil räumen die Blogger in Malmö den ursprünglich als sichere Sitzenbleiber gehandelten Schwarzberglern mittlerweile große Chancen auf einen Finaleinzug ein. Den umgekehrten Weg gingen die drei Serbinnen, die ihren fabelhaften Faschingsschlampenlook aus der Vorentscheidung gegen augenwehbunte Zuckerbäckerkostüme austauschten. In denen sehen sie aus, als bewürben sie sich um einen Job im Disneyland Beograd: als Figuren im Fahrgeschäft “it’s a small world”. Das passt zwar zur Alle-meine-Entchen-Haftigkeit ihres Songs, aber wir sind hier schließlich nicht beim Junior Eurovision Song Contest. Total unsexy und lächerlich! Gebt mir meine Schlampen wieder!

Moje 3 – Ljubav Je Svuda (Serbia) First Rehearsal

Immerhin: die Chorsängerinnen machen einen guten Job

Weiterlesen

It’s all in your Head: Zlata und das Ecstasy-Einhorn

Dass in ihrem Oberstübchen die Neuronen anders verknüpft sein könnten als beim Rest der Menschheit, diesen Eindruck erweckte die fabelhafte Zlata Ognevich ja bereits in der skandalumwitterten ukrainischen Vorentscheidung 2011, wo sie sich von synthetisierten Kuckucksrufen zu ihrem völlig skurrilen, nur als Gesamtkunstwerk zu würdigenden Lied ‘Kukushka’ begleiten ließ. Und auch ihr diesjähriger Song ‘Gravity’ gehört nicht gerade zu den klassischen Junge-liebt-Mädchen-Machwerken der Popgeschichte. Mit dem soeben veröffentlichten (hervorragenden!) Club-Remix des Beitrags dreht Zlata die Schraube noch ein Stückchen lockerer: hier mischt sie den absurden englischen Text (“Put your Heart where it belongs” – ähm, in den Brustkorb?) mit wohlklingenden Wörtern in einem komplett erfundenen Idiom. Wiwibloggs zitiert genüsslich aus dem Pressebegleittext: “Im Remix singt Zlata den Song in der Sprache Nakatonka, die nur von Menschen in der Fantasiewelt von Zlata Ognevich gesprochen wird”. Oookaaaay… Pfleger, bitte mal die grüne Jacke! Und untersucht mal einer das Einhorn aus dem Videoclip auf Drogen?


Viel besser als die ESC-Fassung: der Clubremix!

ЗЛАТА ОГНЕВИЧ – КУКУШКА (official) [клип]

Und noch ein Ausflug in Zlatas Fantasiewelt: Kukushka (2011)

Weiterlesen

Essenzielles aus Italien!

So, und damit steht nun auch der letzte Beitrag für den Eurovision Song Contest 2013 fest. Es ist ein Lied, welches wir bereits kennen:  ‘L’Essenziale’, den Siegertitel des San-Remo-Festivals 2013, wird Marco Mengoni in Malmö zu Gehör bringen. Und auch, wenn ein Teil von mir sich laut schreiend auf dem Boden wälzen und sich die Haare ausreißen möchte, weil auch der allerletzte verfügbare Platz nun mit noch einer Ballade belegt wurde, so freut sich klammheimlich der andere Teil, der sich bei der Siegerreprise dann im Zweifel doch viel lieber von einem rehäugigen Ragazzo mit Mafiabärtchen ansülzen lassen möchte als von einem unerträglichen Nell&Icki-Abklatsch aus dem Kaukasus oder einer missionarischen russischen Whitney-Hohloch-Imitatorin.

Marco Mengoni – L'Essenziale (Italy) 2013 Eurovision Song Contest Official Video

Don’t call it Koteletten!

Weiterlesen

Moldawien schickt noch mal den schönen Pasha!

…allerdings leider nur als Komponist der Klavierballade ‘A Million’ (und ja, wie die millionste Ballade dieser Saison fühlt sie sich auch an!). Sowie als begleitender Pianist von Aliona Moon, die letztes Jahr noch als Tänzerin im spektakulären Dress für ihn fungierte, während er uns mit seiner Trompete verzauberte. Und spektakulär geriet Alionas Auftritt auch bei der gerade zu Ende gegangenen O Melodie pentru Europa, borgte sie sich doch Sabina Babayevas Leinwandkleid, auf dem allerlei unterhaltsame Projektionen liefen, während drei mit Goldroben verkleidete, barfüßige Tänzer sie umsprangen. Worauf aber niemand achtete, da, wie bereits erwähnt, währenddessen Pasha Parfeny (schmacht!) am Klavier saß. Aufmerksamkeit erregt Aliona indes mit ihrer flachen Stimme, mit dem sie die eigentlich ganz hübsche Ballade völlig zersägt – und mit ihrem grotesk seitlich abstehenden, die Gesetze der Schwerkraft negierenden, vermutlich mit einer Monatsproduktion des Hauptsponsors Schwarzkopf in Form gebrachten Kosakenzipfel aus Eigenhaar, der sie ein bisschen wie Lady Tottington aus Wallace & Gromit aussehen lässt.

[WINNER] Eurovision 2013 Moldova: Aliona Moon – A million (LIVE AT NATIONAL FINAL)

Was macht frau, wenn das Kleid in Flammen steht? Richtig, reinpieseln (2:15 – 2:30 Min)!

Weiterlesen

Schamlippenlappen und Popos (ESC Semi 1 2012)

Logo ESC 2012 erstes Semi

Das gerontische Jahr

Flammentürme. Immer und immer wieder diese Flammentürme! Der überdeutliche Wille der aserbaidschanischen Herrschersippe der Aliyews, ihren autokratisch regierten, postsowjetischen Kaukasusstaat anläßlich des in Baku auszutragenden Contests als modernes Land zu präsentieren, fand seinen ersten Niederschlag in den zwischen den Auftritten gezeigten Postkarten: wunderschön gemachte touristische Hochglanzbilder, die allerdings in ihrer starken Fokussierung auf die beeindruckenden Prachtbauten der Hauptstadt, darunter die besagten futuristischen – und noch nicht ganz fertiggestellten – gläsernen Drillingshochhäuser, auf Dauer doch ein wenig ermüdeten.

Weiterlesen

Lass uns Katzen ersäufen im Brunnen: 2. Probe RU, HU, AT, MD, IE

Der heutige Morgen begann mit den zweiten Probendurchläufen der letzten Fünf aus dem ersten Semi. Einen herzerwärmenden Start legten die udmurtischen Großmütterchen hin, die trotz – für den typischen Eurovisionsschwurnalisten viel zu – früher Stunde glänzend aufgelegt schienen: vermutlich haben sie um diese Zeit zuhause schon 20 Ziegen gemolken. Compact Disco aus Ungarn teilen sich wohl den Kostümschneider mit Michalis Rakintzis: die reptilienartige Verkleidung des Leadsängers Csaba Walkó erinnerte jedenfalls in fataler Weise an die Echsenkostüme der Griechen von 2002. Keine gute Idee! Die Trackshittaz präsentierten heuer, wie schon vermutet, anstelle des Schwarzlichteffektes aus der Vorentscheidung bunt flackernde LED-Aufnäher auf ihren Klamotten. Was in einer komplett nachtschwarzen Umgebung auch wahnsinnig originell aussähe, auf der mit gigantischen LED-Leinwänden ausgestatteten Bühne aber ziemlich kläglich untergeht. Leider. Denn damit ist das Schicksal der sympathischen Bauernburschen besiegelt.


Eldrine meets Kati Wolf: die ‘Shittaz (AT)

Weiterlesen

How looks the Trumpet: 1. Probe Moldawien

3 Minuten Spaß nonstop. So lässt sich die Show von Pasha Parfeny kurz zusammenfassen. Was er da mit seinen drei Tänzerinnen (unter gelegentlicher Hinzuziehung der zwei Chorsängerinnen) an campen Choreografien abzieht, von der Choo-Choo-Train-Reise nach Transsylvanien über Hoppe-Hoppe-Reiter – mal sehen, ob es hier nicht zum Aufschrei empörter Feministinnen kommt – bis hin zum schwulen Fäustchenkurbeln, ist ein echter Knaller. Und lenkt so erfolgreich vom allerdings deutlich verständlicher als noch in der Vorentscheidung artikulierten Pidgin-Englisch des wunderbar doppeldeutigen Textes ab, das man sich dem Balkandiscosound und der Lobpreisung seiner Trompete (auf der auch ich natürlich nur zu gerne bliese) wehrlos hingibt! Da zu befürchten steht, dass sich in diesem Spaßbeitrags-Overkill-Semi die Nummern aus Österreich, Irland, Moldawien und Russland gegenseitig die Stimmen wegnehmen, ist es schwer, vorher zu sagen, wer weiterkommt. Ich würde es dem moldawischen Colin Farell aber von Herzen gönnen.


Nix gegen Dreiviertelhosen, aber enger sitzen dürften sie schon. Denn wie sollen wir sonst wissen, wie die Trompete aussieht, Pasha? (MD)

Moldawien: von Raub und Reparation (MD 2012)

Es ist ein seit Jahren zunehmend zu beobachtender Trend bei Eurovisionsvorentscheidungen: starke Acts, die mit einem mördermäßigen Spitzensong knapp unterliegen oder durch Juryentscheidungen ihres gerechten Sieges beraubt werden, erfahren oftmals im Folgejahr – dann leider immer mit einem wesentlich schwächeren Beitrag – kosmische Wiedergutmachung. So beispielsweise letztes Jahr in Schweden und heuer in Österreich und Russland. Nun gesellt sich auch Moldawien in diese Riege: dort siegte soeben, mit Hilfe massiver Jurymanipulation, der niedliche Pasha Parfeny gegen die Publikumsfavoritin Cristina Croitoru. Der wurde 2011 mit dem absolut besten Vorentscheidungsbeitrag des gesamten Jahrgangs, dem Ethno-Disco-Knaller ‘Dorule’, ebenso dank massiver Jurymanipulation, nur Dritter. ‘Lăutar’, sein aktueller Song, erweist sich da im Vergleich leider nur als lauer, wenn auch immer noch guter, Aufguss.


Die Originalchoreo mit der berüchtigte Hoppe-Reiter-Szene

Weiterlesen