Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Auch am Tag der Arbeit gehen die Pro­ben für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in der Alti­ce-Are­na zu Lis­sa­bon wei­ter, heu­te mit der ers­ten Hälf­te des zwei­ten Semi­fi­na­les. Das eröff­net bekannt­lich, in Per­son Alex­an­der Rybaks, ein ehe­ma­li­ger Euro­vi­si­ons­ge­win­ner. Und wie­wohl sein Bei­trag ‘That’s how you wri­te a Song’ die euro­päi­schen Schwur­na­lis­ten in Fans und beken­nen­de Has­ser spal­tet, herrscht unter den Blogger/innen ziem­li­che Einig­keit, dass auch die­ser Titel erneut um den Sieg mit­spie­len könn­te. Rybak, der Dori­an Gray der Euro­vi­si­on, der seit sei­ner letz­ten Grand-Prix-Teil­nah­me offen­sicht­lich kei­nen Tag alter­te und noch immer über sei­nen Laus­bu­ben­charme ver­fügt, bringt – wie schon 2009 – das bereits aus­ge­reif­te audio­vi­su­el­le Gesamt­kon­zept des nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix mit zum Con­test und setzt es dort Punkt für Punkt um, mit­samt den per Zei­chen­trick hin­zu­ge­füg­ten und um eini­ge Herz­chen erwei­ter­ten Bild­schirm­gra­fi­ken, die sei­ne Cho­reo­gra­fie ergän­zen. Und war­um auch nicht, der Mann weiß schließ­lich, was er tut. Im Pres­se­zen­trum machen sich die Ers­ten nun schon Sor­gen, dass sie nächs­tes Jahr für ein Bier im Euro­club zu Oslo eine wei­te­re Hypo­thek aufs Haus auf­neh­men müs­sen. Und dass, wo doch das Super Bock in Lis­sa­bon so herr­lich güns­tig ist!

Nur echt mit der Vio­li­ne: der Rybak.

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MD 2018: Love for Sale

Das Bes­te zum Schluss: an einem ziem­lich durch­wach­se­nen Euro­vi­si­ons-Super­sams­tag unter­hielt das mol­da­wi­sche Fern­se­hen TRM mit einer her­aus­ra­gen­den O Melo­die pen­tru Euro­pa (OMpE), bei der – wie wir das von dem rumä­ni­schen Bru­der­staat gewohnt sind – mal wie­der ein Trash-High­light das nächs­te jag­te. Ange­fan­gen vom erwart­ba­ren Sie­ger­song: dass ‘My lucky Day’ von den DoRe­Dos den Vor­ent­scheid gewin­nen wür­de, stand schon im Vor­feld fest. Stammt das uptem­po­rä­re, schla­ger­haf­te Mach­werk doch aus der Feder der baro­cken rus­si­schen Kom­po­nis­tent­un­te Phil­lip Karko­rov (→ RU 1993). Und der ver­füg­te über genü­gend Kne­te, um dem aus einem Dörf­chen im abtrün­ni­gen Trans­nis­tri­en stam­men­den Trio sowohl eine mit mili­tä­ri­schem Drill exe­ku­tier­te, effek­ti­ve Cho­reo­gra­fie zu spen­die­ren, als auch die Juro­ren zu über­zeu­gen, die bis auf einen ein­zel­nen, der anschei­nend das Memo oder den dis­kre­ten Umschlag nicht erhal­ten hat­te, geschlos­sen für die DoRe­Dos stimm­ten. Auch beim Tele­vo­ting über­ließ man nichts dem Zufall: die drei kas­sier­ten gut zehn mal so vie­le Anru­fe (!) wie der Zweit­plat­zier­te.

Spieg­lein, Spieg­lein an der Wand, wer ist der Nied­lichs­te im gan­zen Land? Ser­giu Mita, das DoRe­Dos-Bär­chen, ist es!

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Kei­ne Lie­be für Sasha Bogni­bov

Nein, sie wer­den wohl kei­ne Freun­de mehr, die mol­da­wi­sche Gothic-Legen­de Sasha Bogni­bov und sein Hei­mat­sen­der TRM. Seit über einer Deka­de reicht der nach sei­ner Eigen­be­schrei­bung für “Güte und Gerech­tig­keit” ein­tre­ten­de Künst­ler Jahr für Jahr Bei­trag um Bei­trag zur Melo­die pen­tru Euro­pa, dem Vor­ent­scheid des rumä­ni­schen Bru­der­lan­des, ein. Und nicht ein ein­zi­ges Mal über­leb­te er die Vor­stel­lungs­run­de. So auch 2018: am ver­gan­ge­nen Mitt­woch ver­sam­mel­te der Sen­der alle (!) 27 Bewerber/innen um das mol­da­wi­sche Euro­vi­si­onsti­cket zu den Audițiile, dem öffent­li­chen Vor­sin­gen, in einer Karao­ke­bar (!) in der Haupt­stadt Chi­si­nau. Und obschon Sasha den Lie­der­nach­mit­tag mit sei­nem aktu­el­len Song ‘Love’ eröff­nen durf­te und eben die­ser Bei­trag, ein so effek­ti­ves wie ein­gän­gi­ges Stück musi­ka­li­schen Welt­schmer­zes, zu des­sem weh­lei­dig-kämp­fe­ri­schen Text Sashas fas­zi­nie­ren­de Wim­mer­stim­me per­fekt passt, nicht nur zu den bes­ten sei­nes bis­he­ri­gen Œuvres gehört, son­dern auch zu den inter­es­san­tes­ten des OMpE-Line-ups, sor­tier­ten ihn die anwe­sen­den Juro­ren unter dem Vor­sitz von Nel­ly Cio­ba­nu (→ MD 2009) gna­den­los aus. Wie gemein!

Viel­leicht hät­te Sasha sich, wie bei sei­nem Voll­play­back-Auf­tritt im mol­da­wi­schen Früh­stücks­fern­se­hen, auch bei der Audițiile das herz­för­mi­ge Nadel­kis­sen auf die Hand schnal­len sol­len?

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Alex Flo­rea bezich­tigt Sal­va­dor Sobral des “Thea­ter­spiels”

Nach dem Schwe­den Robin Beng­ts­son hat sich nun auch der rumä­ni­sche Rap­per Alex Flo­rea (‘Yodel it!’) kri­tisch über den am ver­gan­ge­nen Sams­tag sieg­rei­chen Por­tu­gie­sen Sal­va­dor Sobral geäu­ßert. Wie Wiwi­bloggs rap­por­tiert, äußer­te er heu­te früh in einem live aus­ge­strahl­ten Video-Inter­view mit der rumä­ni­schen Tages­zei­tung Ade­va­rul Zwei­fel an den gesund­heit­li­chen Pro­ble­men des schlump­fi­gen Hip­sters und ver­brei­te­te die Theo­rie, es han­de­le sich dabei um Mit­leids-“Mar­ke­ting”, wie es in Cas­ting­shows an der Tages­ord­nung sei: “Sei­ne Hin­ter­grund­sto­ry funk­tio­nier­te, das Publi­kum hat es geschluckt,” so Flo­rea. Sobral war auf Anra­ten sei­ner Ärz­te erst spä­ter als sei­ne Konkurrent/innen nach Kiew ange­reist und etli­chen Pro­ben fern­ge­blie­ben, in den Medi­en mach­ten (von eini­gen Kom­men­ta­to­ren offen­sicht­lich wei­ter­ver­brei­te­te) Gerüch­te über eine lebens­be­droh­li­che Herz­er­kran­kung die Run­de, die sein Manage­ment aller­dings strikt zurück­wies. Auf Anfra­gen besorg­ter Schwur­na­lis­ten in den Pres­se­kon­fe­ren­zen in Kiew räum­te Sal­va­dor aller­dings gesund­heit­li­che Pro­ble­me ein. Der rumä­ni­sche Bad Boy kauf­te ihm das aber nicht ab: “Sal­va­dor hat kei­ne Herz­pro­ble­me, bei ihm stimmt etwas im Kopf nicht”. Er sei von sei­nem “bil­li­gen Thea­ter” ange­wi­dert, des­we­gen reagie­re er so zynisch: “Ich habe in Cas­ting­shows auch schon Pro­ble­me gehabt, aber nie zu sol­chen Tak­ti­ken gegrif­fen, um zu gewin­nen,” so der Rumä­ne, der Sobral jedoch zumin­dest zuge­stand, dass sein Song “exzel­lent” gewe­sen sei. Flo­reas jodeln­de Duett­part­ne­rin Illin­ca Băcilă zeig­te sich im glei­chen Inter­view dage­gen “glück­lich” über den Sieg des Por­tu­gie­sen: “Was Sal­va­dor tat, kann man als Kunst begrei­fen, daher herz­li­chen Glück­wunsch zum Erfolg”! Sie gra­tu­lier­te außer­dem dem Sun­Stro­ke Pro­ject aus dem Nach­bar­land Mol­da­wi­en, das für die Bron­ze­me­dail­le beim Con­test, das bes­te Ergeb­nis des Bal­kan­lan­des bis­her, vom hei­mi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Igor Dodon nach Bericht von Euro­voix sogar eine staat­li­che Aus­zeich­nung erhal­ten soll: “Eine super­be Show”! Der rumä­ni­sche Jodel-Rap lan­de­te beim Publi­kum auf dem fünf­ten Rang, wur­de von den Jurys aber auf den sieb­ten Platz abge­wer­tet.

Schießt mit Kano­nen auf Spat­zen: Alex Flo­rea (RO)

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonn­tag haben die Pfor­ten des Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trums in Kiew ihre Pfor­ten geöff­net für die 42 Dele­ga­tio­nen des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges und für alle beson­ders uner­schro­cke­nen Schwur­na­lis­ten, die trotz der wid­ri­gen Umstän­de um die Vor­be­rei­tun­gen und den Ticket­ver­kauf die Rei­se in die ukrai­ni­sche Metro­po­le antra­ten. Das ers­te Semi­fi­na­le ist bereits ein­mal kom­plett durch­ge­probt, für die Zurück­ge­blie­be­nen offe­riert der offi­zi­el­le You­tube-Kanal der EBU aller­dings, wie schon aus den Vor­jah­ren gewohnt, ledig­lich kur­ze, fron­tal gefilm­te Aus­schnit­te von den Auf­trit­ten. Was durch­aus Sinn macht, denn eigent­lich ver­fügt der ers­te Pro­ben­durch­gang nur über eine sehr ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft, geht es doch zunächst haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casu­al an, ohne Büh­nen­gar­de­ro­be, nie­mand ver­aus­gabt sich stimm­lich, es geht erst mal dar­um, ein Gefühl für die Büh­ne zu bekom­men und einen Ein­druck für das TV-Signal, die Dele­ga­tio­nen haben noch die Mög­lich­keit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und letz­te Ände­run­gen vor­zu­schla­gen. Den­noch bloggt die ver­sam­mel­te Fan­schaft natür­lich bereits flei­ßig aus der Hal­le, und so reicht es durch­aus für ers­te Ein­drü­cke aus zwei­ter Hand. So, wie zum Bei­spiel für die beru­hi­gen­de Nach­richt, dass man trotz allem Hin und Her im Vor­feld auch in Kiew an lieb­ge­won­ne­nen Tra­di­tio­nen fest­hält: bei der aller­ers­ten Pro­be am Sonn­tag­mor­gen, zur unchrist­li­chen Stun­de von 9 Uhr deut­scher Zeit, gab es nach über­ein­stim­men­den Berich­ten im Pres­se­zen­trum zunächst kei­nen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show statt­fin­det.

Die­se Fra­ge beant­wor­tet sich von selbst!

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Euro­vi­si­on Death­match #10: Last Night a DJ took my Life

Mit ‘Mis­ter Music Man’ setz­te die Schweiz schon 1992 beim Grand Prix ein musi­ka­li­sches Denk­mal für den Beruf des Plat­ten­auf­le­gers, der uns im Euro­club mit tanz­ba­rem Stoff ver­sorgt. Und auch auf der Euro­vi­si­ons­büh­ne fin­det sich solch ein Exem­plar immer mal wie­der: hier waren erneut die Eid­ge­nos­sen bei­spiel­ge­bend, als sie 2007 ihren welt­weit erfolg­reichs­ten Musik­ex­port ent­sand­ten – und DJ Bobo im Blut­bad-Semi­fi­na­le von Hel­sin­ki sang- und klang­los raus­flog. Anders als drei Jah­re spä­ter das mol­da­wi­sche Sun­Stro­ke Pro­jekt, das mit dem Euro­dance-Titel ‘Run away’ und dem zum Inter­net-Meme avan­cier­ten Epic Sax Guy den Final­ein­zug spie­lend schaff­te. Der ist auch heu­er wie­der dabei, wenn das House-Kol­lek­tiv erneut für sein Hei­mat­land in den Ring steigt. In ‘Hey Mam­ma’ ver­sucht Front­mann Serghei Ial­o­vițchii die Erzie­hungs­be­rech­tig­te sei­ner neu­es­ten Flam­me von sei­nen guten Absich­ten zu über­zeu­gen – und kommt dabei ziem­lich cree­py her­über, da der Vers “Like the sun in the sea / She will disap­pe­ar ton­ight with me / I know we’re not any­mo­re / Do what other cats did befo­re” eher danach klingt, als wol­le das Fräu­lein Toch­ter im Meer ersau­fen. Und das anfäng­li­che “You won’t ever hide what you think of me” klingt dank sei­ner ver­wa­sche­nen Aus­spra­che eher nach “You won’t ever hap­pen to fin­ger me”. Ich sage mal so: hät­te ich Kin­der, ich wür­de sie ihm nicht anver­trau­en!

Und da ist er wie­der, der Epic Sax Guy! (MD)

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Mol­da­wi­en 2017: nicht von der Mut­ter befin­gern las­sen!

Just zur glei­chen Zeit, als die ver­sam­mel­te Schwup­pen­schaft Euro­pas vor dem Melo­di­fes­ti­va­len-Live­stream ange­sichts des Auf­tritts Ihrer Hoheit Lore­en feuch­te Hös­chen bekam, schlos­sen sich die Moldawier/innen heu­te Abend den Slo­we­nen an und ent­schie­den sich, eben­falls alte Bekann­te zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 zu schi­cken: das Sun­stro­ke Pro­ject (→ MD 2010, Vor­ent­scheid 2012) lös­te das Ticket nach Kiew mit dem mit­tel­präch­ti­gen Dance-Pop-Song ‘Hey Mam­ma’. Das Trio schaff­te dies auf­grund der Lie­be des Publi­kums: mit etwas über 1.500 (!) Anru­fen erhiel­ten sie in etwa so viel Zuspruch wie die rest­li­chen sie­ben Konkurrent/innen zusam­men und gut drei Mal so vie­le Stim­men wie das zweit­plat­zier­te Mut­tis-in-Trach­ten-Quar­tett Eth­no Repu­blic, wel­ches die Jury ger­ne nach Kiew geschickt hät­te. Doch im Gegen­satz zur kor­rup­ten Geschmacks­dik­ta­tur Spa­ni­en fühl­te sich der Bal­kan heu­er der Demo­kra­tie ver­pflich­tet: das Pla­zet der Zuschauer/innen genoss beim unver­meid­li­chen Punk­te­gleich­stand der bei­den Acts Vor­rang. Selbst­ver­ständ­lich, wie man sagen möch­te. Und so kom­men die drei Dance­floor-Hel­den vom Sun­stro­ke Pro­ject zu ihrem zwei­ten Euro­vi­si­ons­ein­satz und dür­fen im Mai 2017 auch das rest­li­che Euro­pa mit Uptem­po (dan­ke!), der äußerst denk­wür­di­gen Eröff­nungs­stro­phe “Hey, hey you / you’ll never hap­pen to fin­ger me” und lus­ti­gen Tanz­mo­ves unter­hal­ten. Denn augen­schein­lich infi­zier­ten sich die bei­den ande­ren Pro­jekt­mit­glie­der zwi­schen­zeit­lich beim Epic Sax Guy: das Trio prä­sen­tier­te eine Cho­reo­gra­fie, die ihre Inspi­ra­ti­on zwei­fels­frei bei Mon­ty Pythons Minis­try of Sil­ly Walks nahm und haupt­säch­lich aus dem end­lo­sen Auf­tip­pen des rech­ten Fußes besteht. Gewis­ser­ma­ßen eine Steil­vor­la­ge für einen Zehn-Stun­den-Loop auf You­tube, wie ihn ihr berühmt-berüch­tig­ter Saxo­pho­nist bereits 2010 inspi­rier­te.

Blon­di­nen haben mehr Spaß: Sun­stro­ke Pro­ject (MD)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Tanz den Horn, Mut­ter­söhn­chen!

Welch ein ereig­nis­rei­ches Euro­vi­si­ons­wo­chen­en­de! Es begann mit einem lei­der sehr trau­ri­gen Ereig­nis: nach­dem in der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag in der Nähe der ita­lie­ni­schen Stadt Vero­na ein Rei­se­bus mit unga­ri­schen Schüler/innen ver­un­glück­te, ver­häng­te die magya­ri­sche Regie­rung ange­sichts von 16 Todes­op­fern ver­ständ­li­cher­wei­se Staats­trau­er, wor­auf­hin die eigent­lich für Sams­tag­abend geplan­te zwei­te Vor­run­de der hei­mi­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung A Dal bis auf Wei­te­res um eine Woche ver­scho­ben wur­de. Neben die­ser Tra­gö­die und den bereits ver­blogg­ten zwei natio­na­len End­aus­schei­dun­gen vom Sams­tag in Weiß­russ­land und Geor­gi­en blieb kaum noch Zeit für eine Sich­tung der bereits am Frei­tag­abend ver­öf­fent­lich­ten zwölf Songs des für den 11. März 2017 ter­mi­nier­ten islän­di­schen Söng­vakepp­nin, die – wenn auch nur als Audio-Stu­dio­fas­sun­gen – jeweils in der lan­des­sprach­li­chen und eng­li­schen Ver­si­on vor­han­den sind und unter denen sich eini­ge viel­ver­spre­chen­de Titel befin­den, wie bei­spiels­wei­se das in bei­den Fas­sun­gen sehr ein­präg­sa­me ‘Bam­bar­ram’ von Hil­dur, das hyp­no­ti­sche ‘Hyp­no­ti­sed / Þú hefur dáleitt mig’ des Rick-Ast­ley-Dop­pel­gän­gers Aron Brink oder die hüb­sche Coun­try-Lie­bes­schnul­ze ‘You and I / Þú og ég’ von Páll Rósin­kranz und Kris­ti­na Bærend­sen (Play­list mit allen 24 Bei­trä­gen hier). Auch das mol­da­wi­sche Fern­se­hen TRM stell­te zeit­gleich die 14 Songs vor, die sie aus den ins­ge­samt 39 Ein­sen­dun­gen für O Melo­die Pen­tru Euro­pa am 24. und 25. Febru­ar 2017 aus­ge­siebt hat­ten. Wobei es der so uner­müd­li­che wie legen­dä­re Sascha Bogni­bov, Leser/innen die­ses Blogs noch von Meis­ter­wer­ken wie ‘The Girls of 13 Years old’ und unzäh­li­gen ande­ren bekannt, so erwart­bar wie skan­da­lö­ser­wei­se mal wie­der nicht in die Aus­wahl schaff­te, obschon er mit dem amt­lich bret­tern­den Metall-Stück ‘Stop the Liars’ über einen her­aus­ra­gen­den Bei­trag ver­füg­te. Und das mei­ne ich völ­lig uniro­nisch. Auch die Folk-Pop­per Che-MD und der put­zi­ge Pop-Rent­ner Tudor Bum­bac, bei­de in frü­he­ren Jahr­gän­gen schon mal am Start, konn­ten die Sen­der­ju­ry dies­mal nicht über­zeu­gen.

Saschas Kom­men­tar zum gera­de ernann­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten? Schan­de, Mol­da­wi­en, dass er nicht dabei ist! (MD)

wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Tanz den Horn, Mut­ter­söhn­chen!