Euro­vi­zi­jos 2020: The Roop is on Fire

Herr­schaf­ten! Auch, wenn zum jet­zi­gen Zeit­punkt erst ein gutes Sechs­tel der Songs für Rot­ter­dam fest­ste­hen, lege ich mich fest: der Sie­ger­ti­tel des Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 ist gefun­den! Und zwar, wer hät­te es für mög­lich gehal­ten, im gest­ri­gen Fina­le des litaui­schen Vor­ent­scheids, der Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka, wel­che in die­sem Jahr unter dem trot­zig-mut­ma­chen­den Mot­to “Paban­dom iš nau­jo!” (“Ver­su­chen wir’s noch­mal”) stand und sich nicht nur durch ein gestraff­tes Ver­fah­ren aus­zeich­ne­te, son­dern tat­säch­lich mit einem über­ra­schend hoch­klas­si­gen musi­ka­li­schen Ange­bot auf­fiel. Und einem hoch erfreu­li­chen Ergeb­nis: mit einer für den Bal­ti­kums­staat his­to­ri­schen Rekord­zahl an Anru­fen obsieg­te dort ges­tern das Trio The Roop mit ihrem mini­ma­lis­ti­schen Elek­tro­pop­song ‘On Fire’. Noch nicht ein­mal die Jury, deren Pla­zet bei einem Gleich­stand den Vor­rang beses­sen hät­te, mach­te ihnen – wie zunächst weit­hin befürch­tet – einen Strich durch die Rech­nung. Und das ist geil, denn an ‘On Fire’ stimmt ein­fach alles: die simp­le, ein­präg­sa­me Melo­die mit ihrer Anlei­he an den Syn­thie­pop der Acht­zi­ger­jah­re; das ent­spannt-trei­ben­de Elek­tro­bett; die ori­gi­nel­le Stimm­füh­rung; der nicht über­trie­be­ne, aber effek­ti­ve Ein­satz von LED-Wand und Pyro; die sen­sa­tio­nel­le, so läs­sig-iro­ni­sche wie hoch­prä­zi­se Cho­reo­gra­fie sowie das hin­rei­ßen­de Out­fit des hoch­gra­dig cha­ris­ma­ti­schen Front­manns Vai­do­tas Vali­uke­viči­us, bestehend aus einem eng­an­lie­gen­den wei­ßen Roll­kra­gen­pull­over und einem schwar­zen Hosen­rock.

12 Punk­te allei­ne für das Augen­brau­en­spiel: Vai­do­tas kriegt mich sofort. Den Gitar­ris­ten Man­tas Banišaus­kas wür­de ich aber auch nicht von der Bett­kan­te sto­ßen.

Wei­ter­le­senEuro­vi­zi­jos 2020: The Roop is on Fire

Euro­vi­zi­jos 2019: The Lions sleeps ton­ight

Zahl­rei­che Ergeb­nis­se sind noch nach­zu­rei­chen vom ver­gan­ge­nen Wochen­en­de, wo am Sams­tag in gleich vier Län­dern natio­na­le Fina­le statt­fan­den. In den meis­ten von ihnen, in denen bereits diver­se Vor­run­den und Semis vor­aus­gin­gen, pas­sier­te dabei aller­dings nichts bahn­bre­chend Neu­es mehr. So bei­spiels­wei­se in Litau­en, wo sich die heu­er ver­hält­nis­mä­ßig kurz gehal­te­ne Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka in die End­run­de schlepp­te. Die gute Nach­richt: die per­fi­de Stra­te­gie der Sän­ge­rin Moni­ka Mari­ja Pau­laus­kaitė, wel­che die Vor­run­den mit zwei sehr ähn­li­chen Power­bal­la­den ver­stopf­te, um ihre Chan­cen zu erhö­hen, und kurz vor dem vor­gest­ri­gen Fina­le eine davon unter Inkauf­nah­me einer Geld­stra­fe weg­warf, ging nicht auf. Die Litauer/innen bescher­ten ihr zu mei­ner die­bi­schen Scha­den­freu­de für das übrig geblie­be­ne ‘Light on’ mit dem zwei­ten Platz das schmerz­haf­test mög­li­che Ergeb­nis. Die schlech­te Nach­richt: statt ihrer fährt nun Juri­jus Veklen­ko mit dem völ­lig ega­len Mid­tem­po-Geplod­der ‘Run with the Lions’ nach Tel Aviv und reiht sich dort naht­los ein in das anschwel­len­de Heer von Bei­trä­gen, die weder eine posi­ti­ve noch eine nega­ti­ve Reak­ti­on her­vor­zu­ru­fen ver­mö­gen und schein­bar nichts wei­ter sein wol­len als ein mög­lichst unauf­fäl­li­ger Klang­tep­pich, der es den Euro­vi­si­ons-Zuschau­er/in­nen erlaubt, wäh­rend der Show auf dem Han­dy die neu­es­ten Twit­ter-Kom­men­ta­re zu che­cken, ohne dabei auf der Büh­ne irgend­et­was zu ver­pas­sen.

Ein Voll­bart schmückt doch ein­fach jeden Mann: immer­hin ent­schä­digt Jury-Juice optisch ein wenig für sein ener­vie­ren­des Gewin­sel.

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