Erstes Semifinale 2017: no more Drama

Je unsicherer die Zeiten, um so mehr suchen die Menschen fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung, so jedenfalls suggeriert es das Ergebnis der ersten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contests 2017, das am gestrigen Dienstagabend im Internationalen Ausstellungszentrum zu Kiew über die Bühne ging. Bestimmten im Vorfeld dieses Jahrgangs noch die schändlichen Ränkespiele um das vom Gastgeberland Ukraine verhängte Einreiseverbot gegen die russische Repräsentantin Julia Samoylova sowie die deutlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung die öffentliche Wahrnehmung des Wettbewerbs und schufen damit ein mulmiges Klima, so setzten sich im gestrigen Semi größtenteils diejenigen Beiträge durch, die sich an eher uptemporären, aktuellen Sounds orientierten und showtechnisch alten Wein in neue Schläuche gossen. Also irgendwie beruhigend Vertrautes und Bewährtes boten. Von fast ausnahmslos allen Teilnehmer/innen einheitlich befolgte Trends verstärkten dabei den uniformen Eindruck dieses Abends: so das bedauerlicherweise fast durchgängig praktizierte Verstecken der Chorsänger/innen hinter der Bühne; die Dominanz der Unschuld und Reinheit suggerierenden Farbe Weiß für die Garderobe; das gerne genommene Einblenden von Ausschnitten der professionellen Musikvideos oder von überlebensgroßen Porträtfotos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hintergrund sowie der geradezu sklavisch befolgte Modetrend des Flanking (die Kombination von unsichtbaren Sneakersocken und Hochwasserhosen zum Zwecke des kecken Herzeigens eines Streifens Beinfleisches in Höhe der Fesseln).

Zweieinviertel Stunden voller hochprofessioneller TV-Unterhaltung: das komplette erste Semifinale 2017

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Proben erstes Semi 2017: Schüttel Dein Haar, wildes Mädchen

Seit Sonntag haben die Pforten des Internationalen Ausstellungszentrums in Kiew ihre Pforten geöffnet für die 42 Delegationen des diesjährigen Eurovisionsjahrganges und für alle besonders unerschrockenen Schwurnalisten, die trotz der widrigen Umstände um die Vorbereitungen und den Ticketverkauf die Reise in die ukrainische Metropole antraten. Das erste Semifinale ist bereits einmal komplett durchgeprobt, für die Zurückgebliebenen offeriert der offizielle Youtube-Kanal der EBU allerdings, wie schon aus den Vorjahren gewohnt, lediglich kurze, frontal gefilmte Ausschnitte von den Auftritten. Was durchaus Sinn macht, denn eigentlich verfügt der erste Probendurchgang nur über eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, geht es doch zunächst hauptsächlich um die richtigen Kameraeinstellungen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casual an, ohne Bühnengarderobe, niemand verausgabt sich stimmlich, es geht erst mal darum, ein Gefühl für die Bühne zu bekommen und einen Eindruck für das TV-Signal, die Delegationen haben noch die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren und letzte Änderungen vorzuschlagen. Dennoch bloggt die versammelte Fanschaft natürlich bereits fleißig aus der Halle, und so reicht es durchaus für erste Eindrücke aus zweiter Hand. So, wie zum Beispiel für die beruhigende Nachricht, dass man trotz allem Hin und Her im Vorfeld auch in Kiew an liebgewonnenen Traditionen festhält: bei der allerersten Probe am Sonntagmorgen, zur unchristlichen Stunde von 9 Uhr deutscher Zeit, gab es nach übereinstimmenden Berichten im Pressezentrum zunächst keinen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show stattfindet.

Diese Frage beantwortet sich von selbst!

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Eurovision Deathmatch #14: Queeres vom Balkan

Homosexualität ist auf dem Balkan leider nach wie vor ein großes Tabuthema. Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – schicken aber gerade diese Länder immer wieder gerne campe Meisterwerke zum Eurovision Song Contest, bei denen sich jede Frage nach der sexuellen Orientierung des Interpreten von selbst beantwortet. Erinnert sei nur an solche fabelhaften Beiträge wie ‚In the Disco‘ (→ BA 2004), ‚Mr. Nobody‘ (→ SI 2006) oder ‚Ovo je Balkan‘ (→ RS 2010), aber auch den Siegertitel von 2007, ‚Molitva‘, der mit einer wunderbar subtil sapphischen Show aufwartete. Dessen Interpretin, Marija Šerifović, die sich laut Wikipedia erst 2013 offiziell als lesbisch outete, legte sich noch im Jahre 2008 einen Sandprinzen zu: in Form des diesjährigen montenegrinischen Eurovisionsvertreters Slavko Kalezić nämlich, der sich damals in serbischen Gazetten als ihr angeblicher Lover ausgab. Selbiger erscheint im Videoclip zu seinem homosensationellen Grand-Prix-Beitrag ‚Space‘ als durchtrainiertes metrosexuelles Fabelwesen und deliriert mit vor Zweideutigkeit nur so berstenden Textzeilen von betrunkener Liebe, feuchten Träumen und explodierenden Raketen, beschreibt also eine normale Nacht im Darkroom von Belgrads einziger Schwulenbar, dem Chez Milan. Immerhin praktiziert Slavko vorbildlicherweise safen Sex, denn „I have my suit on, no need to worry“, wie er uns mehrfach beruhigend versichert. Und wir können uns alle denken, welche Art von „Anzug“ er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz leiser, nachdenklicher Unterton ein in seinen top-campen Discoschlager, der mit der Zeile „In Space we can be as one“ endet. Nur im Weltraum, außerhalb dieses Planeten, können wir (lies: die LGBTI-Community) also vereint sein – ein subtiler Seitenhieb auf die leider gelegentlich mehr gegen- als miteinander kämpfende Emanzipationsbewegung, mehr aber noch gegen die Unmöglichkeit, uns im Angesicht der ignoranten bis feindlichen Mehrheitsgesellschaft überall auf dieser Welt frei entfalten zu können.

Ein kraftvoller Zentaur, der für die Freiheit kämpft – und das auf sehr unterhaltsame Weise: Slavko (ME)

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Montenegro 2017: Let’s get happy and let’s be gay

Oh! Mein! Gott! Der bereits seit Ende letzten Jahres als Repräsentant Montenegros beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew benannte  Slavko Kalezić veröffentlichte heute Abend seinen Wettbewerbsbeitrag ‚Space‘, ein rundheraus futtiger, fabelhaft billiger Gay-Club-CSD-Disco-Schlager, der sowohl musikalisch als auch optisch sowie lyrisch an die niedrigsten Instinkte der tragisch veranlagten Teile der Fanschaft (also solche wie mich) appelliert. Zwar versteht man selbst in der Studiofassung dank Slavkos miserabler Aussprache nur die Hälfte, aber wenn von „wet Dreams“ und „drunken Love“ die Rede ist und der ausschließlich mit nacktem, durchtrainiertem Oberkörper in einer Traumschiff-Surprise-würdigen Felsenlandschaft herumvoguende und lasziv seinen Kunsthaar-Zopf schwingende Protagonist von offensichtlicher Notgeilheit getriebene Suggestionen absondert wie „the Spaceship is ready to blow“ oder „come into me from withhin“, dann dürfte das selbst einem Deen (→ BA 2004, 2016) die Schamesröte ins Gesicht treiben. Auf die recht unsubtile Einführung ins Sujet von Slavkos Erzählung folgt alsbald ein saftstrotzender, bis in die sternenumnebelte Unendlichkeit wiederholter Refrain, an dem allenfalls auszusetzen wäre, dass ihm eine → Rückung fehlt. Die kantige Androgynie des Sängers, der gelegentlich an eine unter Crystal Meth stehende, auf ihrem angekündigten Pfad der schrittweisen Defeminisierung bereits im Schnellverfahren weitergekommene Conchita Wurst (→ AT 2014) erinnert, sowie der durchdringende Blick aus seinen kalten, berechnenden Augen lassen dem Zuschauer je nach Veranlagung das Blut entweder in den Adern gefrieren oder in tiefer gelegene Körperregionen abwandern. Der Montenegriner gibt dem Prädikat „camp“ eine neue, oberflächliche Tiefe und bietet mit seiner absolut fantastischen Nummer zudem ein hochgradig spannendes Car-Crash-Potential. Endlich weiß ich wieder, für was ich den Eurovision Song Contest so sehr liebe!

Da steht eine Zentaur-Nixe aufm Flur (ME)

Finale für Montenegro 2017?

  • Auf jeden Fall! Das macht dermaßen Spaß und ist so fabelhaft, das MUSS ins Finale! (55%, 116 Votes)
  • Niemals! So ein billiger Müll hat beim ESC nix verloren, das MUSS und wird scheitern. (28%, 58 Votes)
  • Das MÜSSTE ins Finale. Wird es aber nicht, da sind die Spaßbremsen von der Jury vor. Leider. (17%, 36 Votes)

Total Voters: 210

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Montenegro schickt männliche Beyoncé

Ein hübsches verspätetes Weihnachtsgeschenk überreichte das montenegrinische Fernsehen heute den Eurovisionsfans: es nominierte den 31jährigen Sänger, Tänzer und Schauspieler Slavko Kalezić als Eurovisionsvertreter. Der in Podgorica geborene Kalezić, der an der Hochschule für Darstellende Kunst in Cetinje studierte, erlangte vor allem durch seine Teilnahme an der Castingshow X Faktor Adria im Jahre 2013 Bekanntheit, aus welcher Daniel Kajmakoski (→ ME 2015) als Sieger hervorging. Slavko schied dort zwar bereits in der Vorrunde aus, hinterließ aber einen bleibenden Eindruck, in dem er einen Song seines großen Vorbilds Beyoncé (oder in der dortigen Schreibweise „Bijonse“) performte und die Dancemoves der US-amerikanischen Diva rockte! Auch in den Videos zu seinen eigenen Songs präsentiert er sich als vielseitiger, flamboyanter Künstler, der vor dramatischen Augenlidern und Glitzerkrönchen nicht zurückschreckt. Und er sieht dabei verdammt gut aus! Amüsanterweise dichtete ihm die Balkan-Klatschpresse zeitweise ein Verhältnis mit Marija Šerifović (→ RS 2007) an. Da dürften sie sich wohl im selben Schrank kennengelernt haben! Slavkos Lied für Kiew heißt ‚Space‘ und wurde noch nicht veröffentlicht. Wir dürfen aber wohl mit nichts Geringerem als einem audiovisuellen Gesamtspektakel rechnen. Und bei dieser Gelegenheit dem kleinen Adrialand Montenegro erneut zu seinem Mut zum Risiko gratulieren.

Dieser Hüftschwung ist waffenscheinpflichtig: Slavko als Bijonse (Repertoirebeispiel)

Stolzer Teil der Army of Lovers: der Slavko (Repertoirebeispiel)

Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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Bestätigt: nur die ersten zehn Plätze werden verlesen

Wie eurofire auf Nachfrage von der EBU erfahren hat, werden beim Eurovision Song Contest 2016 tatsächlich nur die ersten zehn Plätze im Televoting vorgelesen. Die Ränge 26 bis 11 sollen lediglich auf dem Scoreboard angezeigt werden. Immerhin will man die Ergebnisse wohl nicht gebündelt auf einmal einblenden, sondern so, dass sie vom Zuschauer noch nachvollzogen werden können. In welchem Tempo das vonstatten gehen soll, ließ die EBU jedoch offen, wie eurofire schreibt. Zu vermuten steht, dass die nationalen Kommentatoren die kumulierten Zuschauerpunkte für das eigene Land gesondert erwähnen, wenn dieses nicht unter den Top Ten landet, also beispielsweise Peter Urban die zu erwartenden zirka 23 Punkte für Jamie Lee Kriewitz ansagt. Insgesamt bleibt das Verfahren damit aber aus meiner Sicht völlig inakzeptabel – warum die Gastgeber Petra Mede und Måns Zelmerlöw nicht einfach alle 26 Ergebnisse verlesen, kann ich nicht nachvollziehen. Zumal dies im Vergleich zur Gesamtsendedauer des Finales von dreieinhalb Stunden nur Bruchteile von Zeit kostet und man das wesentlich irrelevantere Juryvoting zuvor in epischer Breite mit der persönlichen Abfrage bei 43 Ländersprechern zelebriert. Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Anpassungen an sich verändernde Sehgewohnheiten und eine bessere Show-Dramaturgie: hier überschreitet die EBU für mein Empfinden eine Grenze. Ich kann daher nur auf eine breite, laut geäußerte kollektive Entrüstung hoffen, damit die verantwortliche Reference Group diesen Unfug wenigstens 2017 wieder korrigiert.

Dürften sang- und klanglos in der Tabelle verschwinden: die Punkte für Jamie Lee (DE)

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Montenegro 2016: on the Highway to Hell

Vor wenigen Minuten veröffentlichte die montenegrinische Band Highway ihren Beitrag für Stockholm mit dem Titel ‚The real Thing‘. Und ich will es mal so sagen: es ist kein klassischer Grand-Prix-Song. Menschen, die von dieser Art von Musik mehr verstehen als ich, warfen das Label „Stoner Pop Rock“ in den Ring, was ich mangels besserer oder schlechterer Kenntnis mal so stehen lassen möchte. Aus Laiensicht beschrieben, beginnt es mit einem vielversprechenden, bretternden Gitarrenriff und einem begleitenden heiseren Schrei. Für die ersten 20 Sekunden bin ich angenehm überrascht und durchaus angetan. Dann treten die vier Jungs kurz auf die Bremse und singen den ersten Vers über einem leicht sphärischen Sound. Bis hierhin hoffe ich noch, dass sie uns nur eine kurze Erholungspause gönnen wollen und uns gleich einen brutal harten Refrain um die Ohren hauen. Der besteht dann aber lediglich aus einem wenig überzeugenden „Feel it / I’m the real Thing / Yeah“ und halbherzigem Gitarrengenudel. Die Brücke zur Halbzeitmarke wartet mit etwas Dubstep auf und knüpft so an das unvergessene ‚Igranka‘ (ME 2013) an. Anschließend müssen wir nochmals die okaye Strophe und den mauen Refrain über uns ergehen lassen, bevor der Gitarrenriff uns aus der Nummer entlässt. Für Schlagerschwestern mag ‚The real Thing‘ radikal klingen, und den ersten Reaktionen in den sozialen Netzwerken nach zu urteilen, schlägt dem Beitrag aus Fankreisen blankes Entsetzen entgegen. Was mich quasi automatisch dazu veranlasst, den Titel mögen zu wollen. Um so ärgerlicher, dass die – im Übrigen zu drei Vierteln äußerst nett anzuschauenden – Jungs von Highway das praktisch verunmöglichen, weil die Nummer (die mir natürlich tausendmal lieber ist als all der Seich aus Dänemark, Malta und so weiter) zwischendrin so stark abbaut. Dennoch: großen Respekt für das kleine Balkanland, das mit dem intern ausgewählten Beitrag mal wieder voll auf Risiko spielt. Davon brauchen wir mehr beim Contest – beim nächsten Mal dann vielleicht wirklich ‚The real Thing‘.

„Inside you“ möchten sich Highway aufhalten – aber jederzeit gerne! (ME)

Hat Montenegro mit 'The real Thing' eine Chance aufs Finale?

  • Ich find's geil, aber natürlich haben sie damit null Chance. Dennoch: Respekt! (37%, 32 Votes)
  • Mit diesem Krach? Das ist quasi eine versuchte Vergewaltigung! Niemals! (28%, 24 Votes)
  • Klar. Das ist anders als alles andere im Semi, das sticht heraus. Positiv. (20%, 17 Votes)
  • Für OGAYer mag das hart klingen, für Genre-Fans ist es fad. Setzt sich zwischen alle Stühle. (16%, 14 Votes)

Total Voters: 87

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Montenegro auf dem Highway to Hell

Bis gestern stand noch nicht mal fest, ob der exjugoslawische Winzstaat mit der Einwohnerzahl Frankfurts überhaupt mitmacht beim Eurovision Song Contest 2016, da man noch immer ob der Annullierung des Juryvotings beim ESC in Wien erzürnt ist. Und nun benannte der Staatssender RTCG gleich die Repräsentanten für Stockholm: die dreiköpfige Boygroup Highway, bestehend aus dem Leadsänger Petar Tošić sowie den Gitarristen Marko Pešić und Luka Vojvodić. Beim Letztgenanntem handelt es sich, wie es der Zufall will, um den Sohn des Generaldirektors der montenegrinischen TV-Station. Schon wieder Schiebung also? Ich glaube nicht: das aus Podgorica stammende Trio erlangte schließlich Bekanntheit durch seinen vierten Platz in der Castingshow X-Factor Adria. Die brachte bereits Daniel Kajmakoski (MK 2014) hervor und scheint sich zum Talentepool für balkanesische Eurovisionsteilnehmer zu entwickeln. Der Beitrag von Highway für Stockholm steht noch nicht fest. Allerdings lässt ihre Erstlingssingle, das von Vojvodić geschriebene, ziellos vor sich hin nudelnde ‚Bar na Kratko‘ (‚Nur für eine Weile‘), nichts Gutes erahnen: es gibt wohl wieder extrafaden Jugo-Rock. Seufz.

Öde trotz amtlicher Rückung: die Premierensingle der drei sexy Schwarzgebirgler

A Touch too much: das Finale 2015

Okay, ich geb’s zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen („Dreieinhalb“, wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanimationen, viel zu viele Balladen (der unheilvolle Einfluss der Jurys), zu viel Pomp, zu viel Schwermut (als ständig wiederkehrende Themen dominierten Krieg, innere Dämonen und dunkle Geheimnisse), zu viel clevere Choreografie, zu viel Politik, zu viel beschworene heile Welt und Gemeinschaftsgefühl. Jedes davon für sich genommen großartig, gut gemacht, unterhaltsam und erfreulich, und doch blieb in der Summe eine so merkwürdige wie unbestimmte Mischung aus Übersättigung und leichter Enttäuschung. Vielleicht durch nichts so gut illustriert wie durch den offiziellen Siegertitel.

Wieso trug das Zeichentrickmännchen eine Hitlerfrisur? War das der besungene „Dämon“ in Monzis Seele? (SE)

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