Rank & File 2019: Platz 30 – Hea­ven

Im aufrechtgehn.de-Ran­king der dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge ver­las­sen wir nun die Hass­lie­der­ab­tei­lung und bege­ben uns in den Bereich der schlicht ver­zicht­ba­ren Titel. Und gleich der ers­te von ihnen auf Rang 30 bil­det das Mus­ter­bei­spiel für einen Song, in des­sen Arbeits­zeug­nis wohl der Satz “sie haben sich stets bemüht” stün­de.

Platz 30: Mon­te­ne­gro – D-Mol: Hea­ven (Him­mel)

Sie”, das ist in die­sem Fall das gemischt­ge­schlecht­li­che Schü­ler­chor-Sex­tett D-Mol, das mit einem kit­schi­gen Songrie­men, wie ihn selbst ein Ralph Sie­gel in sei­nen ver­zwei­fels­ten Zei­ten ver­schämt auf der B-Sei­te irgend­ei­nes sei­ner im Dut­zend kom­po­nier­ten Grand-Prix-Schla­ger ver­steckt hät­te, aus uner­find­li­chen Grün­den den hei­mi­schen Vor­ent­scheid, die Mon­te­vi­zi­ja, gewann. Auf offen­sicht­lich im Werk­un­ter­richt selbst gezim­mer­ten Holz­trep­pen stan­den sie da im hoch­ge­schlos­se­nen Schwar­zen vor einer unschulds­wei­ßen Prä­sen­ta­ti­ons­wand, immer schön zu hete­ro­nor­ma­ti­ven Zwei­er­pär­chen grup­piert, und jaul­ten mit erkenn­ba­rer Auf­ge­regt­heit und drol­li­gem per­for­ma­to­ri­schem Über­ei­fer in mise­ra­bels­tem Pidgin-Eng­lisch irgend­wel­che nicht iden­ti­fi­zier­ba­ren Wor­te zu ihrer scha­len Alle-Mei­ne-Ent­chen-Melo­die. So viel Harm­lo­sig­keit, so viel Bie­der­sinn, so viel rück­wärts­ge­wand­tes Hei­le-Welt-Eia­po­peia strahl­te die­ser Auf­tritt aus, dass sich selbst die keim­frei­es­te däni­sche Euro­vi­si­ons­num­mer dage­gen aus­nimmt wie ein Fle­der­maus­köp­fe abbei­ßen­der Ozzy Osbourne. Was ist nur aus dem Land gewor­den, das uns einst gran­di­os rot­zi­ge Per­len wie ‘Euro Neu­ro’ und ‘Igran­ka’ schenk­te?

Der Preis für das här­tes­te Over­ac­ting des Jah­res geht zwei­fels­frei an die Blon­di­ne rechts neben dem Schön­ling: der Mon­te­vi­zi­ja-Auf­tritt.

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Mon­te­vi­zi­ja 2019: vie­le Jurys ver­der­ben den Brei

Sie war ange­kün­digt als die “moderns­te Vor­ent­schei­dung, die RTCG jemals pro­du­ziert hat”: die dies­jäh­ri­ge Aus­ga­be der Mon­te­vi­zi­ja. Und tat­säch­lich durch­ström­te die am Sams­tag­abend aus dem Haupt­stadt­stu­dio des Sen­ders aus­ge­strahl­te Show das Flair eines west­eu­ro­päi­schen Vor­ent­scheids von ca. 1989 – ein deut­li­cher Fort­schritt gegen­über dem Vor­jahr. Einen Geschwin­dig­keits­re­kord stell­te man eben­falls auf in Pod­go­ri­ca: inner­halb nur einer knap­pen hal­ben Stun­de nach Sen­de­be­ginn jag­te man alle fünf Bei­trä­ge über die Anten­ne. Doch bis zur Ergeb­nis­ver­kün­dung soll­ten sich dann noch fast zwei Stun­den anschlie­ßen, da man sich für ein unnö­tig kom­pli­zier­tes Wer­tungs­ver­fah­ren mit gleich vier betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen und einem Super­fi­na­le ent­schied. Und all das für die völ­lig vor­her­seh­ba­re Kata­stro­phe: gewann im Vor­jahr in einem Feld von vier ein­zel­nen Sän­ge­rin­nen und einem Sän­ger der Mann, so stan­den heu­er erneut vier ein­zel­ne Sän­ge­rin­nen (dar­un­ter mit Iva­na Popo­vić-Mar­ti­no­vić und Nina Pet­ko­vić die Sel­ben wie schon 2018) einem sechs­köp­fi­gen, gemischt­ge­schlecht­li­chen Chor mit dem däm­li­chen Namen D-Moll gegen­über, der mit dem gräus­li­chen, super­kit­schi­gen ‘Hea­ven’ schlim­me Erin­ne­run­gen an Six4one wach­rief. Und nun raten Sie, wer sieg­te?

Wie die mal­te­si­sche Karao­ke­ver­si­on von Ser­gey Laza­revs Mul­ti­funk­ti­ons­wand: D-Moll. Das “D” steht übri­gens für “dis­har­mo­nisch”.

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Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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ME 2018: Van­ja spielt auf dem Bajan

Dass sich Kul­tur nicht demo­kra­tisch orga­ni­sie­ren lässt, beleg­te heu­te Abend der erst­mals seit zehn Jah­ren wie­der aus­ge­tra­ge­ne offe­ne Vor­ent­scheid des rund 600.000 Ein­woh­ner star­ken Bal­kan­staa­tes Mon­te­ne­gro. Bis dato bestimm­te der Sen­der RTCG sei­ne Eurovisionsvertreter/innen näm­lich direkt und traf dabei oft sehr muti­ge Ent­schei­dun­gen, die das klei­ne Land zu einem Inno­va­ti­ons­mo­to­ren des Grand Prix mach­ten, auch wenn sich das lei­der nur sel­ten in adäqua­ten Plat­zie­run­gen aus­zahl­te. Nun soll­te es 2018 die Mon­te­vi­zi­ja sein, bei der fünf durch die Bank schwa­che Songs um die Gunst der allei­ne ent­schei­dungs­be­rech­tig­ten Zuschauer/innen buhl­ten. Es gewann der ein­zi­ge Mann, der trotz sei­ner über 30 Jah­re sehr büb­chen­haft wir­ken­de Van­ja Rado­va­no­vić mit sei­ner eigen­kom­po­nier­ten, klas­si­schen Bal­kan­bal­la­de ‘Inje’ (‘Rau­reif’): ein düs­ter gestimm­tes Kla­vier lei­tet eine ver­hal­te­ne ers­te Stro­phe ein, die sanft mäan­dernd in einen vio­lin­ge­schwän­ger­ten Refrain mün­det. In wel­chem der vom Band kom­men­de Chor den eine Art von Hotel­pa­gen­uni­form tra­gen­den Van­ja bei­na­he erschlägt. Und auch eine → Rückung darf nicht feh­len, die mit der Zwei-Minu­ten-Mar­ke sogar recht früh in Lied daher­kommt.

Das wäre wohl selbst Žel­j­ko Jok­si­mo­vić (RS 2004, 2012) zu alt­ba­cken und kit­schig: Van­ja sülzt sich die See­le aus dem Leib.

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Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

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Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonn­tag haben die Pfor­ten des Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trums in Kiew ihre Pfor­ten geöff­net für die 42 Dele­ga­tio­nen des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges und für alle beson­ders uner­schro­cke­nen Schwur­na­lis­ten, die trotz der wid­ri­gen Umstän­de um die Vor­be­rei­tun­gen und den Ticket­ver­kauf die Rei­se in die ukrai­ni­sche Metro­po­le antra­ten. Das ers­te Semi­fi­na­le ist bereits ein­mal kom­plett durch­ge­probt, für die Zurück­ge­blie­be­nen offe­riert der offi­zi­el­le You­tube-Kanal der EBU aller­dings, wie schon aus den Vor­jah­ren gewohnt, ledig­lich kur­ze, fron­tal gefilm­te Aus­schnit­te von den Auf­trit­ten. Was durch­aus Sinn macht, denn eigent­lich ver­fügt der ers­te Pro­ben­durch­gang nur über eine sehr ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft, geht es doch zunächst haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casu­al an, ohne Büh­nen­gar­de­ro­be, nie­mand ver­aus­gabt sich stimm­lich, es geht erst mal dar­um, ein Gefühl für die Büh­ne zu bekom­men und einen Ein­druck für das TV-Signal, die Dele­ga­tio­nen haben noch die Mög­lich­keit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und letz­te Ände­run­gen vor­zu­schla­gen. Den­noch bloggt die ver­sam­mel­te Fan­schaft natür­lich bereits flei­ßig aus der Hal­le, und so reicht es durch­aus für ers­te Ein­drü­cke aus zwei­ter Hand. So, wie zum Bei­spiel für die beru­hi­gen­de Nach­richt, dass man trotz allem Hin und Her im Vor­feld auch in Kiew an lieb­ge­won­ne­nen Tra­di­tio­nen fest­hält: bei der aller­ers­ten Pro­be am Sonn­tag­mor­gen, zur unchrist­li­chen Stun­de von 9 Uhr deut­scher Zeit, gab es nach über­ein­stim­men­den Berich­ten im Pres­se­zen­trum zunächst kei­nen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show statt­fin­det.

Die­se Fra­ge beant­wor­tet sich von selbst!

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Euro­vi­si­on Death­match #14: Quee­res vom Bal­kan

Homo­se­xua­li­tät ist auf dem Bal­kan lei­der nach wie vor ein gro­ßes Tabu­the­ma. Nichts­des­to­trotz – oder gera­de des­we­gen – schi­cken aber gera­de die­se Län­der immer wie­der ger­ne cam­pe Meis­ter­wer­ke zum Euro­vi­si­on Song Con­test, bei denen sich jede Fra­ge nach der sexu­el­len Ori­en­tie­rung des Inter­pre­ten von selbst beant­wor­tet. Erin­nert sei nur an sol­che fabel­haf­ten Bei­trä­ge wie ‘In the Dis­co’ (→ BA 2004), ‘Mr. Nobo­dy’ (→ SI 2006) oder ‘Ovo je Bal­kan’ (→ RS 2010), aber auch den Sie­ger­ti­tel von 2007, ‘Molit­va’, der mit einer wun­der­bar sub­til sap­p­hi­schen Show auf­war­te­te. Des­sen Inter­pre­tin, Mari­ja Šerif­o­vić, die sich laut Wiki­pe­dia erst 2013 offi­zi­ell als les­bisch oute­te, leg­te sich noch im Jah­re 2008 einen Sand­prin­zen zu: in Form des dies­jäh­ri­gen mon­te­ne­gri­ni­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ters Slav­ko Kale­zić näm­lich, der sich damals in ser­bi­schen Gazet­ten als ihr angeb­li­cher Lover aus­gab. Sel­bi­ger erscheint im Video­clip zu sei­nem homo­sen­sa­tio­nel­len Grand-Prix-Bei­trag ‘Space’ als durch­trai­nier­tes metro­se­xu­el­les Fabel­we­sen und deli­riert mit vor Zwei­deu­tig­keit nur so bers­ten­den Text­zei­len von betrun­ke­ner Lie­be, feuch­ten Träu­men und explo­die­ren­den Rake­ten, beschreibt also eine nor­ma­le Nacht im Dar­kroom von Bel­grads ein­zi­ger Schwu­len­bar, dem Chez Milan. Immer­hin prak­ti­ziert Slav­ko vor­bild­li­cher­wei­se safen Sex, denn “I have my suit on, no need to worry”, wie er uns mehr­fach beru­hi­gend ver­si­chert. Und wir kön­nen uns alle den­ken, wel­che Art von “Anzug” er damit meint! Ganz zum Schluss schleicht sich jedoch noch ein ganz lei­ser, nach­denk­li­cher Unter­ton ein in sei­nen top-cam­pen Dis­co­schla­ger, der mit der Zei­le “In Space we can be as one” endet. Nur im Welt­raum, außer­halb die­ses Pla­ne­ten, kön­nen wir (lies: die LGBTI-Com­mu­ni­ty) also ver­eint sein – ein sub­ti­ler Sei­ten­hieb auf die lei­der gele­gent­lich mehr gegen- als mit­ein­an­der kämp­fen­de Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung, mehr aber noch gegen die Unmög­lich­keit, uns im Ange­sicht der igno­ran­ten bis feind­li­chen Mehr­heits­ge­sell­schaft über­all auf die­ser Welt frei ent­fal­ten zu kön­nen.

Ein kraft­vol­ler Zen­taur, der für die Frei­heit kämpft – und das auf sehr unter­halt­sa­me Wei­se: Slav­ko (ME)

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Mon­te­ne­gro 2017: Let’s get hap­py and let’s be gay

Oh! Mein! Gott! Der bereits seit Ende letz­ten Jah­res als Reprä­sen­tant Mon­te­ne­gros beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew benann­te  Slav­ko Kale­zić ver­öf­fent­lich­te heu­te Abend sei­nen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Space’, ein rund­her­aus fut­ti­ger, fabel­haft bil­li­ger Gay-Club-CSD-Dis­co-Schla­ger, der sowohl musi­ka­lisch als auch optisch sowie lyrisch an die nied­rigs­ten Instink­te der tra­gisch ver­an­lag­ten Tei­le der Fan­schaft (also sol­che wie mich) appel­liert. Zwar ver­steht man selbst in der Stu­dio­fas­sung dank Slav­kos mise­ra­bler Aus­spra­che nur die Hälf­te, aber wenn von “wet Dreams” und “drun­ken Love” die Rede ist und der aus­schließ­lich mit nack­tem, durch­trai­nier­tem Ober­kör­per in einer Traum­schiff-Sur­pri­se-wür­di­gen Fel­sen­land­schaft her­um­vogu­en­de und las­ziv sei­nen Kunst­haar-Zopf schwin­gen­de Prot­ago­nist von offen­sicht­li­cher Not­geil­heit getrie­be­ne Sug­ges­tio­nen abson­dert wie “the Space­ship is rea­dy to blow” oder “come into me from with­hin”, dann dürf­te das selbst einem Deen (→ BA 2004, 2016) die Scha­mes­rö­te ins Gesicht trei­ben. Auf die recht unsub­ti­le Ein­füh­rung ins Sujet von Slav­kos Erzäh­lung folgt als­bald ein saft­strot­zen­der, bis in die ster­nen­um­ne­bel­te Unend­lich­keit wie­der­hol­ter Refrain, an dem allen­falls aus­zu­set­zen wäre, dass ihm eine → Rückung fehlt. Die kan­ti­ge Andro­gy­nie des Sän­gers, der gele­gent­lich an eine unter Crys­tal Meth ste­hen­de, auf ihrem ange­kün­dig­ten Pfad der schritt­wei­sen Defe­mi­ni­sie­rung bereits im Schnell­ver­fah­ren wei­ter­ge­kom­me­ne Con­chi­ta Wurst (→ AT 2014) erin­nert, sowie der durch­drin­gen­de Blick aus sei­nen kal­ten, berech­nen­den Augen las­sen dem Zuschau­er je nach Ver­an­la­gung das Blut ent­we­der in den Adern gefrie­ren oder in tie­fer gele­ge­ne Kör­per­re­gio­nen abwan­dern. Der Mon­te­ne­gri­ner gibt dem Prä­di­kat “camp” eine neue, ober­fläch­li­che Tie­fe und bie­tet mit sei­ner abso­lut fan­tas­ti­schen Num­mer zudem ein hoch­gra­dig span­nen­des Car-Crash-Poten­ti­al. End­lich weiß ich wie­der, für was ich den Euro­vi­si­on Song Con­test so sehr lie­be!

Da steht eine Zen­taur-Nixe aufm Flur (ME)

Fina­le für Mon­te­ne­gro 2017?

  • Auf jeden Fall! Das macht der­ma­ßen Spaß und ist so fabel­haft, das MUSS ins Fina­le! (55%, 116 Votes)
  • Nie­mals! So ein bil­li­ger Müll hat beim ESC nix ver­lo­ren, das MUSS und wird schei­tern. (28%, 58 Votes)
  • Das MÜSS­TE ins Fina­le. Wird es aber nicht, da sind die Spaß­brem­sen von der Jury vor. Lei­der. (17%, 36 Votes)

Total Voters: 210

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Mon­te­ne­gro schickt männ­li­che Beyon­cé

Ein hüb­sches ver­spä­te­tes Weih­nachts­ge­schenk über­reich­te das mon­te­ne­gri­ni­sche Fern­se­hen heu­te den Euro­vi­si­ons­fans: es nomi­nier­te den 31jährigen Sän­ger, Tän­zer und Schau­spie­ler Slav­ko Kale­zić als Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter. Der in Pod­go­ri­ca gebo­re­ne Kale­zić, der an der Hoch­schu­le für Dar­stel­len­de Kunst in Cetin­je stu­dier­te, erlang­te vor allem durch sei­ne Teil­nah­me an der Cas­ting­show X Fak­tor Adria im Jah­re 2013 Bekannt­heit, aus wel­cher Dani­el Kaj­ma­koski (→ ME 2015) als Sie­ger her­vor­ging. Slav­ko schied dort zwar bereits in der Vor­run­de aus, hin­ter­ließ aber einen blei­ben­den Ein­druck, in dem er einen Song sei­nes gro­ßen Vor­bilds Beyon­cé (oder in der dor­ti­gen Schreib­wei­se “Bijon­se”) per­form­te und die Dan­ce­mo­ves der US-ame­ri­ka­ni­schen Diva rock­te! Auch in den Vide­os zu sei­nen eige­nen Songs prä­sen­tiert er sich als viel­sei­ti­ger, flam­boyan­ter Künst­ler, der vor dra­ma­ti­schen Augen­li­dern und Glit­zer­krön­chen nicht zurück­schreckt. Und er sieht dabei ver­dammt gut aus! Amü­san­ter­wei­se dich­te­te ihm die Bal­kan-Klatsch­pres­se zeit­wei­se ein Ver­hält­nis mit Mari­ja Šerif­o­vić (→ RS 2007) an. Da dürf­ten sie sich wohl im sel­ben Schrank ken­nen­ge­lernt haben! Slav­kos Lied für Kiew heißt ‘Space’ und wur­de noch nicht ver­öf­fent­licht. Wir dür­fen aber wohl mit nichts Gerin­ge­rem als einem audio­vi­su­el­len Gesamt­spek­ta­kel rech­nen. Und bei die­ser Gele­gen­heit dem klei­nen Adria­land Mon­te­ne­gro erneut zu sei­nem Mut zum Risi­ko gra­tu­lie­ren.

Die­ser Hüft­schwung ist waf­fen­schein­pflich­tig: Slav­ko als Bijon­se (Reper­toire­bei­spiel)

Stol­zer Teil der Army of Lovers: der Slav­ko (Reper­toire­bei­spiel)

Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt viel­leicht nicht auf unge­teil­te Zustim­mung bei all mei­nen Leser/innen sto­ßen und beschreibt auch das Gegen­teil mei­ner eige­nen Emp­fin­dun­gen von vor einem Jahr, aber nach der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de 2016 aus dem Stock­hol­mer Glo­ben (der immer noch aus­sieht wie ein Schnel­ler Brü­ter) am Diens­tag­abend muss ich sagen: von mir aus kön­nen die Schwe­den ger­ne jedes Jahr gewin­nen. Solan­ge sie Petra Mede wei­ter mode­rie­ren las­sen: locker, flo­ckig, eigeniro­nisch, herr­lich! Am schöns­ten der Gag, als auf die Wor­te “Wel­co­me, Euro­pe!” die ers­ten Tak­te von ‘The Final Count­down’ der gleich­na­mi­gen schwe­di­schen Acht­zi­ger­jah­re-Rock­band ertön­ten, live von besag­ter Kapel­le into­niert, die Petra und Måns aber schnell wie­der abwürg­ten und sich flugs für die “Pein­lich­keit” ent­schul­dig­ten! Auch, was das schwe­di­sche Fern­se­hen an Rah­men­pro­gramm auf die Bei­ne stell­te, konn­te sich sehen las­sen, von der Eröff­nungs­num­mer, als ein Chor aus den Kin­dern von Ste­pford das Mor­bid-Düs­te­re in Måns Zelmerlöws Vor­jah­res-Sie­ger­lied ‘Heroes’ erst so rich­tig her­aus­ar­bei­te­te, bis hin zu dem als Pau­se­nact ein­ge­setz­ten Bal­lett der ‘Grey Peop­le’ zum The­ma Flucht, das einem beim Zuschau­en stel­len­wei­se den Atem sto­cken ließ, weil es so arti­fi­zi­el­le und den­noch tief unter die Haut gehen­de Bil­der für die Tra­gö­die fand, die sich wei­ter­hin täg­lich vor unse­ren Toren abspielt. Dan­ke für die­sen Appell ans kol­lek­ti­ve Gewis­sen!

Die per­fek­te Spra­che gefun­den, um das wich­ti­ge The­ma an die­sem Abend nicht ver­ges­sen zu las­sen, ohne beleh­rend zu wir­ken. Respekt, SVT!  

wei­ter­le­senErs­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!