Som­mer­loch-News: Sha­la­lie, sha­la­la, MDMA

Lan­ge Wochen herrsch­te Funk­stil­le hier im Blog, denn bis auf das ermü­den­de Ping-Pong-Spiel, wel­che israe­li­sche Stadt nun gera­de im Ren­nen um die Aus­tra­gung des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 vor­ne liegt (aktu­el­ler Stand: Tel Aviv), tat sich nicht viel Berich­tens­wer­tes. Ver­gan­ge­ne Woche nun unter­nahm die Dreh­or­gel-Elfe Sien­e­ke Pee­ters (NL 2010) einen amü­san­ten Ver­such, sich aus dem Orkus des Ver­ges­sens wie­der zurück in die Schlag­zei­len zu brin­gen. Oder, genau­er gesagt, ihre Fami­lie: wie escx­tra rap­por­tier­te, wur­den Sien­e­kes Groß­va­ter (der laut Pres­se­be­rich­ten bereits wegen Mor­des meh­re­re Jah­re ein­saß), ihr Onkel und ihr Bru­der fest­ge­nom­men, nach­dem ein mut­maß­lich von ihnen in Nim­we­gen betrie­be­nes Dro­gen­la­bor aus­brann­te und die Poli­zei in den Über­res­ten des als LKW-Fir­ma getarn­ten Gebäu­des ver­rä­te­ri­sches Equip­ment und ent­spre­chen­de Che­mi­ka­li­en fand. Sien­e­ke, die in die­sem Jahr zum zwei­ten Mal Mut­ter wur­de, zeig­te sich “scho­ckiert”. Wer hät­te gedacht, dass aus­ge­rech­net die so pie­fig wir­ken­de Schla­ger­trul­la einem hol­län­di­schen Brea­king-Bad-Clan ange­hört? Ande­rer­seits braucht es natür­lich jede Men­ge har­ter Dro­gen, um ‘Sha­la­lie, sha­la­la’ zu ertra­gen, inso­fern macht die Mel­dung Sinn.

Hor­ror­trip oder exis­ten­ti­el­le Erfah­rung: wie Sien­e­kes Euro­vi­si­ons­lied wohl unter Psy­che­de­li­ka knallt?

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Euro­vi­si­on in Con­cert Ams­ter­dam

Bereits zum zehn­ten Mal orga­ni­sie­ren die Nie­der­län­der eine Vor­absau­se mit Live-Auf­trit­ten zahl­rei­cher Teilnehmer/innen des aktu­el­len Jahr­gangs, Get-toge­ther und Par­ty. Zum Jubi­lä­um zieht man in eine grö­ße­re Loca­ti­on um. Star­gast ist die ein­zi­ge bel­gi­sche ESC-Gewin­ne­rin San­dra Kim (BE 1986), Edsi­lia Rom­bley (NL 1998, 2007) mode­riert gemein­sam mit Cornald Maas. Die After­par­ty fin­det im sel­ben Gebäu­de in der Beat Box (1. OG) statt, der Ein­tritt dort kos­tet 15 €.

NL 2018: Der Teu­fel hat den Schnaps gemacht

Sei­ne drei Lieb­lings­ge­trän­ke lis­tet der nie­der­län­di­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter 2018, Wil­lem Bijkerk ali­as Way­lon, gleich in der ers­ten Text­zei­le sei­nes ges­tern Abend bestä­tig­ten Bei­trags ‘Out­law in ‘em’ auf. Und nur eines davon ist gelo­gen. Denn dass der ganz schön auf­ge­schwemmt und ver­braucht aus­se­hen­de Dima Bilan (→ RU 2006, 2008) des Wes­tens tat­säch­lich Was­ser zu sich nimmt, erscheint wenig glaub­haft. Die eins­ti­ge männ­li­che Hälf­te des legen­dä­ren Con­test-Duos The Com­mon Lin­nets (→ NL 2014), den das hol­län­di­sche Fern­se­hen bereits im Novem­ber 2017 intern zum Reprä­sen­tan­ten in Lis­sa­bon bestimm­te, nutz­te die Song­prä­sen­ta­ti­on als kos­ten­lo­se Wer­be­flä­che für sein jüngst fer­tig­ge­stell­tes neu­es Album: gleich fünf Titel dar­aus stell­te er in der ver­gan­ge­nen Woche an fünf Aben­den in einer täg­li­chen Talk­show vor. Und erst ges­tern erfolg­te die Auf­lö­sung, wel­ches (bereits von Anfang an fest­ste­hen­des) Lied es denn nun von die­sen fünf sein soll. Die Wahl fiel auf einen halb­her­zig-ver­wäs­ser­ten Abklatsch von Nickel­backs US-Hit ‘Rock­star’, des­sen nur semi-iro­ni­scher Text auch Way­lons Lebens­mot­to dar­zu­stel­len scheint.

Ver­fügt über Jon Bon Jovis nerv­tö­ten­de Nasal­stim­me, minus des­sen gutes Aus­se­hen: Wail-on.

wei­ter­le­senNL 2018: Der Teu­fel hat den Schnaps gemacht

Die Nie­der­lan­de schi­cken den wascha­ver­sen Way­lon

Mit einem auf dem sen­der­ei­ge­nen You­tube-Kanal ein­ge­stell­ten Tea­ser­vi­deo streu­te das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen heu­te früh Hin­wei­se auf den erneut intern bestimm­ten Ver­tre­ter des Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon. Der aus der Ich-Per­spek­ti­ve gefilm­te Clip ver­folgt einen täto­wier­ten Mann, der nach einer offen­sicht­lich rau­schen­den Par­ty­nacht lang­sam zu sich kommt und sich sei­nen Weg durch einen wüs­ten Hau­fen noch immer weg­ge­tre­te­ner, haupt­säch­lich weib­li­cher Schön­hei­ten und lee­rer Schnaps­fla­schen in Rich­tung Toi­let­te und Küche bahnt. Dabei schafft es der anonym blei­ben­de Haupt­dar­stel­ler, sich inner­halb von nur zwei Minu­ten gleich drei­fach auf unver­zeih­li­che Wei­se unsym­pa­thisch dar­zu­stel­len: erst wäscht er nach dem Kacken nicht die Hän­de, dann benutzt er umwelt­schäd­li­che Kaf­fee­kap­seln, und schließ­lich schmiert er sich ein Erd­nuss­but­ter­bröt­chen – ohne But­ter dar­un­ter! Würg! Das Video endet mit der Anbe­tung eines Hutes, wie wir ihn in die­ser Form schon ein­mal beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2014 auf dem Kopf eines Teil­neh­mers gese­hen haben. Und rich­tig: heu­te Mit­tag bestä­tig­te eurovision.tv, dass der hol­län­di­sche Coun­try-Sän­ger Wil­lem Bijkerk ali­as Way­lon als Reprä­sen­tant sei­nes Lan­des auf die Grand-Prix-Büh­ne zurück­keh­ren wird. Auf Ilse de Lan­ge, mit wel­cher er damals das zweit­plat­zier­te und nicht all zu lan­ge nach dem Con­test auf­grund per­sön­li­cher und künst­le­ri­scher Dif­fe­ren­zen wie­der auf­ge­lös­te Duo Com­mon Lin­nets form­te, und gegen die er im Clip mit einer fin­gier­ten Han­dy-Messa­ge einen Sei­ten­hieb aus­teil­te, müs­sen wir aller­dings ver­zich­ten. Die hät­te neben Way­lons auf­ge­bla­se­nem Ego wohl auch mitt­ler­wei­le ein­fach kei­nen Platz mehr auf der Büh­ne. Zum nie­der­län­di­schen Song äußer­te sich der Sen­der noch nicht.

Ver­brei­tet gera­de sei­ne Fäkal­bak­te­ri­en auf der Tas­ta­tur: der nie­der­län­di­sche Ver­tre­ter Way­lon.

Way­lon für die Nie­der­lan­de. Das ist…

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Cry no more: Mut­ter der O’gene-Schwestern gestor­ben

Isol­de Vol-Malee, die Mut­ter der drei dies­jäh­ri­gen nie­der­län­di­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin­nen Lisa, Amy und Shel­ley Vol, ist heu­te im Krei­se ihrer Fami­lie gestor­ben, wie O’gene vor etwa einer Stun­de bekannt gaben. ‘Lights and Shadows’, der von ihrem Vater mit­ver­fass­te Bei­trag der drei Schwes­tern für Kiew, war ihrer Mut­ter und ihrem jah­re­lang Kampf gegen eine sel­te­ne Art von Kno­chen­krebs gewid­met, den sie nun ver­lor. O’gene pos­te­ten auf Face­book: “Wir ver­trau­en dar­auf, dass ihre Kampf­be­reit­schaft, ihre posi­ti­ve Ein­stel­lung, ihre Aus­dau­er und ihr ewi­ges Lachen uns die Kraft geben, um wei­ter zu machen. Jetzt ist gro­ße Trau­er ange­sagt. Wir hof­fen, dass alle unse­re Pri­vat­sphä­re respek­tie­ren und uns die Ruhe und den hier­für Raum geben”. Isol­de Vol-Malee, die trotz ihrer Erkran­kung zum Fina­le nach Kiew ange­reist war, hat­te vor drei Wochen die aggres­si­ve Strah­len­the­ra­pie ein­stel­len las­sen, weil die Neben­wir­kun­gen zu stark wur­den. Sie wur­de nur 48 Jah­re alt.

What’s with the Uni­ver­se, why you”: O’gene mit ihrer Hom­mage in Kiew.

The Party’s over now: San­dra Ree­mer ist tot

Drei­mal ver­trat San­dra Ree­mer die Nie­der­lan­de beim Euro­vi­si­on Song Con­test und steu­er­te jedes­mal über­durch­schnitt­lich gute Grand-Prix-Lie­der bei: 1972 in Edin­burgh als Teil des Duos San­dra & And­res mit dem kar­ne­val­es­ken Schun­kel­schla­ger ‘Als het um de Lief­de gaat’, in Deutsch­land unter dem Titel ‘Was soll ich tun’ ein Hit­pa­ra­den­er­folg, 1976 in Den Haag mit dem nach­denk­lich-schwung­vol­len ‘The Party’s over now’ und 1979 in Jeru­sa­lem mit dem von ihrem Ehe­mann Fer­di Bol­land und sei­nem Bru­der kom­po­nier­ten, super­ein­gän­gi­gen Dis­co­schla­ger ‘Colo­ra­do’, eben­falls ein Hit in etli­chen euro­päi­schen Län­dern, hier unter dem Namen Xan­dra. In die­ser Schreib­wei­se hat­te die auf der Insel Java (damals noch eine hol­län­di­sche Kolo­nie) gebo­re­ne Alex­an­dra ihren Vor­na­men ursprüng­lich abge­kürzt. Als sie jedoch im Alter von acht Jah­ren nach der Unab­hän­gig­keit der heu­te indo­ne­si­schen Insel mit ihren Eltern in die Nie­der­lan­de kam und dort eine Ordens­schu­le besuch­te, muss­te sie auf Druck der Schwes­tern auf den “teuf­li­schen Buch­sta­ben” ver­zich­ten und sich San­dra nen­nen. Teuf­lisch lie­fer­te sie jeden­falls beim Song Con­test ab, und das nicht nur musi­ka­lisch, son­dern auch modisch: von grün geba­tik­ten Öko-Kla­mot­ten über eine Ver­klei­dung als tür­kis­far­be­ne Chif­fon-Fle­der­maus bis zu einem sei­ner Zeit vor­aus­ei­len­den, schwar­zen Mos­ki­to­netz­über­wurf mit bun­ten Deko-Drei­ecken wuss­te Frau Ree­mer stets auch visu­ell im Gedächt­nis zu blei­ben. 1983, beim Con­test von Mün­chen, kam sie noch­mals als Chor­sän­ge­rin für Ber­na­det­te Kraak­man zum Ein­satz. Spä­ter arbei­te­te sie als TV-Mode­ra­to­rin und hat­te Gala-Auf­trit­te, unter ande­rem bei Gay-Pri­de-Ver­an­stal­tun­gen. Anfang der Zwei­tau­sen­der fei­er­te sie gemein­sam mit den Song-Con­test-Kol­le­gin­nen Mar­cha Bult (→ BE 1987) und Mag­gie McNe­al (→ NL 1974, 1980) als Dutch Divas im nie­der­län­di­schen Sprach­raum noch­mals ein Come­back. 2008 grün­de­te sie eine Stif­tung, die Kin­dern in Ent­wick­lungs­län­dern eine Aus­bil­dung ermög­lich­te. Anfang 2017 dia­gnos­ti­zier­ten die Ärz­te bei der 66jährigen Brust­krebs. Heu­te starb sie in einem Kran­ken­haus in Ams­ter­dam.

Auch beim Haar­teil zeig­te sich Xan­dra ihrer Zeit vor­aus!

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­acts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes geg­oogelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­ty­un­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Zwei der iri­schen Backings © Mar­tin Schmidtner

War­um macht ihr so etwas, lie­be Büh­nen­bild­ver­ant­wort­li­che? War­um ver­steckt ihr in die­sem Jahr prak­tisch alle die Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne? Schon im ers­ten Semi­fi­na­le 2017 am ver­gan­ge­nen Diens­tag irri­tier­te es maß­los, wenn man mit den Augen ledig­lich eine ein­zel­ne, völ­lig ver­lo­ren im Far­ben­wir­bel des Back­drops ver­schwin­den­de Per­son auf der Büh­ne sah, gleich­zei­tig jedoch mit den Ohren wah­re Cho­rä­le erschal­len hör­te und das völ­lig über­for­der­te, bedau­erns­wer­te Gehirn die­se bei­den sich gegen­sei­tig wider­spre­chen­den Sin­nes­wahr­neh­mun­gen irgend­wie zusam­men bekom­men soll­te, ohne dabei zu implo­die­ren. Bei der gest­ri­gen zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de dann, erneut aus­ge­tra­gen in der nur mäßig besetz­ten Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­hal­le zu Kiew, erneut bestückt mit der irgend­wo zwi­schen Raum­schiff Enter­pri­se und der Außen­re­kla­me für das berühmt-berüch­tig­te Ree­per­bahn-Eta­blis­se­ment Zur Rit­ze chan­gie­ren­den Büh­ne sowie den drei kom­plett unlus­ti­gen Mode­ra­to­ren Tick, Trick und Track, nerv­te es nur noch. Zumal man uns damit um eini­ge Augen­wei­den brach­te, so bei­spiels­wei­se um die zwei rot­haa­ri­gen Hin­gu­cker des milch­bü­bi­gen Iren Bren­dan Mur­ray, die deut­lich mehr her­ge­macht hät­ten als der arm­se­li­ge, wind­schie­fe und zu allem Übel auch noch am Boden blei­ben­de Fes­sel­bal­lon, den die RTÉ-Dele­ga­ti­on statt­des­sen als schlecht über­leg­tes Büh­nen­gim­mick mit­brach­te.

Zwei­ein­vier­tel Stun­de frag­wür­di­ge Musik und noch frag­wür­di­ge­re Gar­de­ro­ben: das zwei­te Semi­fi­na­le 2017 am Stück

wei­ter­le­senZwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Euro­vi­si­on Death­match #13: Je t’adore

Die Drei­zehn – ihr haf­tet bei aber­gläu­bi­schen Men­schen ein Nim­bus als Unglücks­zahl an. Und als ein biss­chen unglück­lich erweist sich auch die heu­ti­ge Paa­rung in unse­rem Euro­vi­si­on Death­match, die man auch als Res­te-Ram­pe bezeich­nen könn­te, wenn es nicht so unge­recht gegen­über den betrof­fe­nen Künst­le­rin­nen wäre. Doch ein roter Faden, der bei­de Acts ver­bin­det, will sich nicht so ohne Wei­te­res fin­den las­sen: ihre Songs sind völ­lig ver­schie­de­ner Mach­art, sie tre­ten in unter­schied­li­cher Zahl an, ihre Vor­auswahl erfolg­te auf jeweils ande­re Wei­se und noch nicht mal ihre bei­de Natio­nen gren­zen anein­an­der oder befin­den sich im Krieg mit­ein­an­der. Für Bei­de hät­te es pas­sen­de­re Paa­run­gen gege­ben – die aber waren bereits belegt. Und so müs­sen Sva­la Björk­vins­dót­tir für Island und Oge­ne für die Nie­der­lan­de eben heu­te gegen­ein­an­der antre­ten. Der hohe Nor­den beginnt, wo die blon­de Sän­ge­rin, ihres Zei­chens Toch­ter des islän­di­schen Ver­tre­ters von 1995, Bo Hall­dórs­son, in unglaub­lich häss­li­chen Huf­schu­hen und mit dem elek­tro­las­ti­gen, düs­ter anmu­ten­den Mid­tem­po­song ‘Paper’ das Söng­vakepp­nín gewann. Fans ver­gli­chen sie und ihren Bei­trag bereits mit der letzt­jäh­ri­gen Nor­we­ge­rin Agne­te und dem ‘Ice­brea­ker’. Und hier fin­det sich viel­leicht doch noch eine Gemein­sam­keit: wie schon Agne­te wird Sva­la bei etli­chen Fans für eine Top-Plat­zie­rung im Grand-Prix-Fina­le gehan­delt – und wie Näm­li­che bleibt sie nach mei­ner Ein­schät­zung mit ihrem eher zähen Lied in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de hän­gen.

In den Schminktopf gefal­len: Sva­la (IS)

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Nie­der­lan­de 2017: Viel Schat­ten, wenig Licht

Heu­te Vor­mit­tag prä­sen­tier­te das gefühlt bereits vor der Erfin­dung des elek­tri­schen Lich­tes für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 aus­ge­wähl­te nie­der­län­di­sche Geschwis­ter­trio O’gene (ultra­prä­ten­tiö­se Eigen­schrei­bung: O’G3NE) end­lich sei­nen Grand-Prix-Titel. Der heißt dann auch ‘Lights and Shadows’, wur­de vom Vater der drei Gra­zi­en und dem Freund von Shel­ley, einer der drei Schwes­tern, geschrie­ben und klingt wie die drit­te oder vier­te Sin­gle­aus­kop­pe­lung aus einem Wil­son-Phil­lips-Album. Also wie das mit sehr viel Glück womög­lich noch für einen klei­nen Hit aus­rei­chen­de Mate­ri­al, das aber nicht mehr so ganz an die rich­tig gro­ßen Erfol­ge anknüp­fen kann. Als “Power­bal­la­de” ange­kün­digt (wobei ich die ers­te Hälf­te die­ser Zuschrei­bung für eine gering­fü­gi­ge Über­trei­bung hal­te), dient der Song in ers­ter Linie als Vehi­kel, um die har­mo­ni­schen Fähig­kei­ten der drei hol­län­di­schen Schwes­tern her­aus­zu­stel­len. Von denen man drei Minu­ten spä­ter aber immer noch nicht sagen kann, ob sie nun vor­han­den sind oder nicht, da es sich zumin­dest in der vor­ge­stell­ten Stu­dio­ver­si­on des Titels um eine ein­zi­ge Auto­tu­ne-Orgie han­delt. Und ja, ich weiß, der Ein­satz die­ses elek­tro­ni­schen Stim­men­glatt­schleif­mit­tels mag für die in die­sem Jahr­tau­send gebo­re­ne Gene­ra­ti­on so eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein wie Zäh­ne­put­zen, aber als stein­al­ter und stein­har­ter Tra­di­tio­na­list emp­fin­de ich den Dampf­büg­ler noch immer als see­len­rau­ben­den Betrug am Hörer. Außer natür­lich bei Cher. Nun bin ich per­sön­lich ein gro­ßer Fan von Har­mo­nie­ge­sang, und wenn ich mal für einen kur­zen Moment bei­sei­te schie­be, dass die Bal­la­den­to­le­ranz­ober­gren­ze beim dies­jäh­ri­gen Song Con­test spä­tes­tens seit Mit­te Janu­ar 2017 mas­siv über­schrit­ten ist, dann gefällt mir der nie­der­län­di­sche Bei­trag den­noch ganz gut. Zumin­dest ab der → Rückung bei 2:30 Minu­ten, wo die zuvor ein biss­chen mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se sin­gen­den Mädels end­lich aus­pa­cken und ein schö­nes Song­fi­na­le lie­fern. Inso­fern weist ‘Lights and Shadows’ eine gewis­se Ver­wandt­schaft zu ‘Push for­ward’ auf, Lena May­er-Land­ruts (→ DE 2010) Vor­ent­schei­dungs­ti­tel von 2011, der auch erst kurz vor dem Ende so rich­tig aus dem Quark kommt.

Drei Mäd­lein steh’n im Wal­de und sind nicht stumm (NL)

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