Eurovision in Concert Amsterdam

Bereits zum zehnten Mal organisieren die Niederländer eine Vorabsause mit Live-Auftritten zahlreicher Teilnehmer/innen des aktuellen Jahrgangs, Get-together und Party. Zum Jubiläum zieht man in eine größere Location um. Stargast ist die einzige belgische ESC-Gewinnerin Sandra Kim (BE 1986), Edsilia Rombley (NL 1998, 2007) moderiert gemeinsam mit Cornald Maas.

Die Niederlande schicken den waschaversen Waylon

Mit einem auf dem sendereigenen Youtube-Kanal eingestellten Teaservideo streute das niederländische Fernsehen heute früh Hinweise auf den erneut intern bestimmten Vertreter des Landes beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Der aus der Ich-Perspektive gefilmte Clip verfolgt einen tätowierten Mann, der nach einer offensichtlich rauschenden Partynacht langsam zu sich kommt und sich seinen Weg durch einen wüsten Haufen noch immer weggetretener, hauptsächlich weiblicher Schönheiten und leerer Schnapsflaschen in Richtung Toilette und Küche bahnt. Dabei schafft es der anonym bleibende Hauptdarsteller, sich innerhalb von nur zwei Minuten gleich dreifach auf unverzeihliche Weise unsympathisch darzustellen: erst wäscht er nach dem Kacken nicht die Hände, dann benutzt er umweltschädliche Kaffeekapseln, und schließlich schmiert er sich ein Erdnussbutterbrötchen – ohne Butter darunter! Würg! Das Video endet mit der Anbetung eines Hutes, wie wir ihn in dieser Form schon einmal beim Eurovision Song Contest 2014 auf dem Kopf eines Teilnehmers gesehen haben. Und richtig: heute Mittag bestätigte eurovision.tv, dass der holländische Country-Sänger Willem Bijkerk alias Waylon als Repräsentant seines Landes auf die Grand-Prix-Bühne zurückkehren wird. Auf Ilse de Lange, mit welcher er damals das zweitplatzierte und nicht all zu lange nach dem Contest aufgrund persönlicher und künstlerischer Differenzen wieder aufgelöste Duo Common Linnets formte, und gegen die er im Clip mit einer fingierten Handy-Message einen Seitenhieb austeilte, müssen wir allerdings verzichten. Die hätte neben Waylons aufgeblasenem Ego wohl auch mittlerweile einfach keinen Platz mehr auf der Bühne. Zum niederländischen Song äußerte sich der Sender noch nicht.

Verbreitet gerade seine Fäkalbakterien auf der Tastatur: der niederländische Vertreter Waylon.

Waylon für die Niederlande. Das ist...

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Cry no more: Mutter der O’gene-Schwestern gestorben

Isolde Vol-Malee, die Mutter der drei diesjährigen niederländischen Eurovisionsvertreterinnen Lisa, Amy und Shelley Vol, ist heute im Kreise ihrer Familie gestorben, wie O’gene vor etwa einer Stunde bekannt gaben. ‚Lights and Shadows‘, der von ihrem Vater mitverfasste Beitrag der drei Schwestern für Kiew, war ihrer Mutter und ihrem jahrelang Kampf gegen eine seltene Art von Knochenkrebs gewidmet, den sie nun verlor. O’gene posteten auf Facebook: „Wir vertrauen darauf, dass ihre Kampfbereitschaft, ihre positive Einstellung, ihre Ausdauer und ihr ewiges Lachen uns die Kraft geben, um weiter zu machen. Jetzt ist große Trauer angesagt. Wir hoffen, dass alle unsere Privatsphäre respektieren und uns die Ruhe und den hierfür Raum geben“. Isolde Vol-Malee, die trotz ihrer Erkrankung zum Finale nach Kiew angereist war, hatte vor drei Wochen die aggressive Strahlentherapie einstellen lassen, weil die Nebenwirkungen zu stark wurden. Sie wurde nur 48 Jahre alt.

„What’s with the Universe, why you“: O’gene mit ihrer Hommage in Kiew.

The Party’s over now: Sandra Reemer ist tot

Dreimal vertrat Sandra Reemer die Niederlande beim Eurovision Song Contest und steuerte jedesmal überdurchschnittlich gute Grand-Prix-Lieder bei: 1972 in Edinburgh als Teil des Duos Sandra & Andres mit dem karnevalesken Schunkelschlager ‚Als het um de Liefde gaat‘, in Deutschland unter dem Titel ‚Was soll ich tun‘ ein Hitparadenerfolg, 1976 in Den Haag mit dem nachdenklich-schwungvollen ‚The Party’s over now‘ und 1979 in Jerusalem mit dem von ihrem Ehemann Ferdi Bolland und seinem Bruder komponierten, supereingängigen Discoschlager ‚Colorado‘, ebenfalls ein Hit in etlichen europäischen Ländern, hier unter dem Namen Xandra. In dieser Schreibweise hatte die auf der Insel Java (damals noch eine holländische Kolonie) geborene Alexandra ihren Vornamen ursprünglich abgekürzt. Als sie jedoch im Alter von acht Jahren nach der Unabhängigkeit der heute indonesischen Insel mit ihren Eltern in die Niederlande kam und dort eine Ordensschule besuchte, musste sie auf Druck der Schwestern auf den „teuflischen Buchstaben“ verzichten und sich Sandra nennen. Teuflisch lieferte sie jedenfalls beim Song Contest ab, und das nicht nur musikalisch, sondern auch modisch: von grün gebatikten Öko-Klamotten über eine Verkleidung als türkisfarbene Chiffon-Fledermaus bis zu einem seiner Zeit vorauseilenden, schwarzen Moskitonetzüberwurf mit bunten Deko-Dreiecken wusste Frau Reemer stets auch visuell im Gedächtnis zu bleiben. 1983, beim Contest von München, kam sie nochmals als Chorsängerin für Bernadette Kraakman zum Einsatz. Später arbeitete sie als TV-Moderatorin und hatte Gala-Auftritte, unter anderem bei Gay-Pride-Veranstaltungen. Anfang der Zweitausender feierte sie gemeinsam mit den Song-Contest-Kolleginnen Marcha Bult (→ BE 1987) und Maggie McNeal (→ NL 1974, 1980) als Dutch Divas im niederländischen Sprachraum nochmals ein Comeback. 2008 gründete sie eine Stiftung, die Kindern in Entwicklungsländern eine Ausbildung ermöglichte. Anfang 2017 diagnostizierten die Ärzte bei der 66jährigen Brustkrebs. Heute starb sie in einem Krankenhaus in Amsterdam.

Auch beim Haarteil zeigte sich Xandra ihrer Zeit voraus!

Finale 2017: Gift im Instrument

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung der gigantischen, futuristisch aufgebrezelten Showbühne im Internationalen Ausstellungszentrum der ukrainischen Metropole und sang stattdessen inmitten des andächtig schweigenden, von seiner intimen Darbietung ebenso wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergriffenen Hallenpublikums auf der kleinen Satellitenbühne stehend seine zerbrechliche, hauchzarte Trennungsschmerzballade ‚Amar pelos Dois‘, ein flehendes Abschiedslied an seine Verflossene, in welcher er in poetischen Worten seine Trauer, seine noch immer sanft glimmende Hoffnung auf eine Rückkehr der Geliebten und seine Entschlossenheit, seine Liebe niemals sterben zu lassen, vor uns ausgoß. Was ich im Übrigen nur weiß, weil ich die Übersetzung seines in Landessprache verfassten Songtextes gegoogelt habe. Doch die Sprachbarriere spielte keine Rolle: auch ohne ein Wort zu verstehen, konnte man die mit dem Lied verbundenen Emotionen fühlen, ja geradezu mit Händen greifen. Die Bildregie des veranstaltenden Senders blendete im Anschluss an seinen Auftritt in den Green Room, wo sich die armenische Teilnehmerin Artsvik Harutyunyan gerade ein Tränchen aus dem Auge wischte und damit wohl auf den Punkt brachte, was wir alle (oder jedenfalls alle mit einem offenen Herzen) in diesem Moment empfanden. Es war eine seltener Moment der Überwältigung, ein Sieg der „Musik, die wirklich etwas ausdrückt,“ wie der portugiesische Adelsspross sagte, als man ihn am Ende des Abends zur Reprise auf die Bühne holte.

Jackett frisst Künstler: Hutzelmännchen Salvador überzeugte dennoch (PT)

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Zweites Semifinale 2017: We have lost our Verona

Zwei der irischen Backings (c) Martin Schmidtner

Warum macht ihr so etwas, liebe Bühnenbildverantwortliche? Warum versteckt ihr in diesem Jahr praktisch alle die Chorsänger/innen hinter der Bühne? Schon im ersten Semifinale 2017 am vergangenen Dienstag irritierte es maßlos, wenn man mit den Augen lediglich eine einzelne, völlig verloren im Farbenwirbel des Backdrops verschwindende Person auf der Bühne sah, gleichzeitig jedoch mit den Ohren wahre Choräle erschallen hörte und das völlig überforderte, bedauernswerte Gehirn diese beiden sich gegenseitig widersprechenden Sinneswahrnehmungen irgendwie zusammen bekommen sollte, ohne dabei zu implodieren. Bei der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde dann, erneut ausgetragen in der nur mäßig besetzten Internationalen Ausstellungshalle zu Kiew, erneut bestückt mit der irgendwo zwischen Raumschiff Enterprise und der Außenreklame für das berühmt-berüchtigte Reeperbahn-Etablissement Zur Ritze changierenden Bühne sowie den drei komplett unlustigen Moderatoren Tick, Trick und Track, nervte es nur noch. Zumal man uns damit um einige Augenweiden brachte, so beispielsweise um die zwei rothaarigen Hingucker des milchbübigen Iren Brendan Murray, die deutlich mehr hergemacht hätten als der armselige, windschiefe und zu allem Übel auch noch am Boden bleibende Fesselballon, den die RTÉ-Delegation stattdessen als schlecht überlegtes Bühnengimmick mitbrachte.

Zweieinviertel Stunde fragwürdige Musik und noch fragwürdigere Garderoben: das zweite Semifinale 2017 am Stück

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Eurovision Deathmatch #13: Je t’adore

Die Dreizehn – ihr haftet bei abergläubischen Menschen ein Nimbus als Unglückszahl an. Und als ein bisschen unglücklich erweist sich auch die heutige Paarung in unserem Eurovision Deathmatch, die man auch als Reste-Rampe bezeichnen könnte, wenn es nicht so ungerecht gegenüber den betroffenen Künstlerinnen wäre. Doch ein roter Faden, der beide Acts verbindet, will sich nicht so ohne Weiteres finden lassen: ihre Songs sind völlig verschiedener Machart, sie treten in unterschiedlicher Zahl an, ihre Vorauswahl erfolgte auf jeweils andere Weise und noch nicht mal ihre beide Nationen grenzen aneinander oder befinden sich im Krieg miteinander. Für Beide hätte es passendere Paarungen gegeben – die aber waren bereits belegt. Und so müssen Svala Björkvinsdóttir für Island und Ogene für die Niederlande eben heute gegeneinander antreten. Der hohe Norden beginnt, wo die blonde Sängerin, ihres Zeichens Tochter des isländischen Vertreters von 1995, Bo Halldórsson, in unglaublich hässlichen Hufschuhen und mit dem elektrolastigen, düster anmutenden Midtemposong ‚Paper‘ das Söngvakeppnín gewann. Fans verglichen sie und ihren Beitrag bereits mit der letztjährigen Norwegerin Agnete und dem ‚Icebreaker‘. Und hier findet sich vielleicht doch noch eine Gemeinsamkeit: wie schon Agnete wird Svala bei etlichen Fans für eine Top-Platzierung im Grand-Prix-Finale gehandelt – und wie Nämliche bleibt sie nach meiner Einschätzung mit ihrem eher zähen Lied in der Qualifikationsrunde hängen.

In den Schminktopf gefallen: Svala (IS)

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Niederlande 2017: Viel Schatten, wenig Licht

Heute Vormittag präsentierte das gefühlt bereits vor der Erfindung des elektrischen Lichtes für den Eurovision Song Contest 2017 ausgewählte niederländische Geschwistertrio O’gene (ultraprätentiöse Eigenschreibung: O’G3NE) endlich seinen Grand-Prix-Titel. Der heißt dann auch ‚Lights and Shadows‘, wurde vom Vater der drei Grazien und dem Freund von Shelley, einer der drei Schwestern, geschrieben und klingt wie die dritte oder vierte Singleauskoppelung aus einem Wilson-Phillips-Album. Also wie das mit sehr viel Glück womöglich noch für einen kleinen Hit ausreichende Material, das aber nicht mehr so ganz an die richtig großen Erfolge anknüpfen kann. Als „Powerballade“ angekündigt (wobei ich die erste Hälfte dieser Zuschreibung für eine geringfügige Übertreibung halte), dient der Song in erster Linie als Vehikel, um die harmonischen Fähigkeiten der drei holländischen Schwestern herauszustellen. Von denen man drei Minuten später aber immer noch nicht sagen kann, ob sie nun vorhanden sind oder nicht, da es sich zumindest in der vorgestellten Studioversion des Titels um eine einzige Autotune-Orgie handelt. Und ja, ich weiß, der Einsatz dieses elektronischen Stimmenglattschleifmittels mag für die in diesem Jahrtausend geborene Generation so eine Selbstverständlichkeit sein wie Zähneputzen, aber als steinalter und steinharter Traditionalist empfinde ich den Dampfbügler noch immer als seelenraubenden Betrug am Hörer. Außer natürlich bei Cher. Nun bin ich persönlich ein großer Fan von Harmoniegesang, und wenn ich mal für einen kurzen Moment beiseite schiebe, dass die Balladentoleranzobergrenze beim diesjährigen Song Contest spätestens seit Mitte Januar 2017 massiv überschritten ist, dann gefällt mir der niederländische Beitrag dennoch ganz gut. Zumindest ab der → Rückung bei 2:30 Minuten, wo die zuvor ein bisschen mit angezogener Handbremse singenden Mädels endlich auspacken und ein schönes Songfinale liefern. Insofern weist ‚Lights and Shadows‘ eine gewisse Verwandtschaft zu ‚Push forward‘ auf, Lena Mayer-Landruts (→ DE 2010) Vorentscheidungstitel von 2011, der auch erst kurz vor dem Ende so richtig aus dem Quark kommt.

Drei Mädlein steh’n im Walde und sind nicht stumm (NL)

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Keine Überraschung: Holland schickt die Powerpuff Girls

Eurovisionsgerüchte stimmen immer: wie bereits seit dem Sommer gemutmaßt, entschied sich der niederländische Sender Avrotros im internen Auswahlverfahren für den Eurovision Song Contest 2017 für die Girlgroup O’gene (oder, wie sich das Familientrio selbst schreibt, 0’G3NE). Der Bandname bezieht sich direkt auf ihre Verwandtschaft: das „O“ steht für Null, die Blutgruppe ihrer Mutter, das „gene“ für die gemeinsamen DNA und die Drei natürlich für die Anzahl der Schwestern Lisa (22), Amy und Shelly (21), letzteres ein Zwillingspärchen. Die drei Grazien verfügen über reichliche Wettbewerbserfahrung, vertraten sie doch vor zehn Jahren bereits ihr Land beim Junior-ESC, wo sie – noch unter ihrem Mädchennamen – mit ihrer possierlichen Popnummer mit dem lebensrettenden Hinweis ‚Adem in, adem uit‘ und einer quirligen Bühnenshow den elften Rang belegten. 2014 siegten sie bei der Castingshow The Voice und konnten im Anschluss mit der Single ‚Magic‘ einen Top-Ten-Hit landen. 2016 wechselten sie die Plattenfirma und veröffentlichten vor einem Monat das Nummer-Eins-Album ‚We got this‘. Von diesem wird ihr Eurovisionsbeitrag jedoch nicht stammen: zwar stellen die Val-Schwestern insbesondere bei Coverversionen immer wieder ihr Talent für wirklich wunderschönen Harmoniegesang unter Beweis, andererseits neigen sie, wie es für ihr Land leider typisch ist, bei der Liedauswahl doch sehr dem Seichten zu. Nun soll, wie die Prinzen zu berichten wissen, ein neuer Song für sie geschrieben werden, der „eine Geschichte beinhaltet“. Hoffentlich eine spannende!

Noch eines ihrer flotteren Angebote: die aktuelle Hitsingle ‚Take the Money and run‘ (Repertoirebeispiel)

Schweden unterwandert nun auch die Türkvizyon

Alles vermischt sich auf das Schönste: während der Eurovision Song Contest seinen Wirkungskreis seit geraumer Zeit immer weiter in den Kaukasus und zuletzt sogar nach Ozeanien hinein erweitert und neben der zweimaligen Einladung Australiens derzeit über ein Mitmachen Kasachstans und mittelfristig sogar Chinas diskutiert wird, geht der osmanische Gegenentwurf zum europäischen Gesangswettbewerb, die Türkvizyon, einen ähnlichen Weg. Nach Deutschland, das seit drei Jahren beim musikalischen Wettstreit der Turkvölker mitwirkt, nehmen an der vierten Ausgabe der Türkvizyon im Dezember 2016 erstmals auch die Niederlande und das Eurovisions-Powerhouse Schweden teil, wie eurovoix berichtet. Dem Portal zufolge existierten zudem Gerüchte, dass auch Lettland und Polen bereit stünden. Wie für Deutschland geht auch für die Holländer bei der Türkvizyon ein gebürtiger Aserbaidschaner an den Start: Elcan Rzayev kam – ebenso wie unser Abgesandter Seyran – in Baku zur Welt, wo er Gesang studierte. Er lebt seit 2000 in den Niederlanden und veröffentlichte bereits drei Studioalben, lässt sich aber auch für Hochzeiten buchen. Seinen Titel ‚Ana vətən‘ (‚Mein Mutterland‘) schrieb er selbst.

Der niederländische Türkvizyons-Repräsentant Elcan (Repertoirebeispiel)

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ORF: kein Budget für einen Vorentscheid

In Österreich scheint offenbar die Armut ausgebrochen zu sein. Wie die Fernsehdirektorin des ORF, Kathrin Zechner, gestern sagte, wähle der Sender seinen Repräsentanten für den Eurovision Song Contest 2017 „aus budgetären Gründen“ intern aus. Zuletzt tat der ORF dies 2014, allerdings eher vor dem Hintergrund, dass man endlich die in zwei vorhergehenden Versuchen im öffentlichen Vorentscheid jeweils – teils extrem knapp – gescheiterte Conchita Wurst schicken wollte (wie wir heute wissen, nicht die schlechteste Wahl). Prompt ließen auch die ersten Fan-Spekulationen nicht lange auf sich warten, man sei auf dem Küniglberg wohl noch immer verstimmt, weil sich beim letzten Mal Publikumsliebling Zoë gegen die klare Juryfavoritin Elly V. durchsetzen konnte, und wolle nun vorsichtshalber das Volk gänzlich von der Entscheidungsfindung ausschließen. Oder hat der Sender gar einen dicken Fisch an Land gezogen, der sich keinem Publikumsvoting stellen mag? Wiwibloggs mutmaßte heute, dass die Österreicher die in Wien beheimatete „Turbo Polka Metal Band“ (Eigenbeschreibung) Russkaja nach Kiew schicken könnten, die sowohl schon mit Conchita als auch mit Zoë zusammenarbeiteten und des öfteren im ORF-Programm zu sehen sind. Das wäre natürlich mal eine Ansage!

Eine österreichische Russenband mit einem in Moskau geborenen Georgier als Frontmann beim europäischen Wettsingen in der Ukraine: ja, hat was!

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Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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