Norwegen

Das erd­öl­rei­che und son­nen­licht­ar­me König­reich im hohen kal­ten Nor­den glänz­te anfäng­lich über wei­te Stre­cken mit letz­ten Plät­zen und lie­fer­te 1978 mit Jahn Tei­gen den wohl berühm­tes­ten Nil­poin­ter der Grand-Prix-Geschich­te, der dar­auf­hin im Land jedoch als legen­dä­rer Anti­held gefei­ert wurde.
1985, zeit­gleich mit dem Durch­bruch des hei­mi­schen Pop-Tri­os a‑ha auf dem euro­päi­schen Pop­markt, platz­te mit dem “Bob­by­schock” jedoch der Kno­ten. Seit­her hält die Nati­on gut mit den skan­di­na­vi­schen Nach­barn mit. Den Rekord für die meis­ten Roten Later­nen lässt sie sich aber wohl nie mehr nehmen.
Dabei seit: 1960; Sie­ge: 1985, 1995, 2009; Rote Later­nen: 11; Nul­poin­ter: 3.

Melo­di Grand Prix 2021: Not sure what you ever saw in me

Melo­di Grand Prix 2021: Not sure what you ever saw in me

Sechs direkt für die gestrige Endrunde gesetzte Teilnehmer:innen, fünf Vorrunden mit jeweils vier Konkurrent:innen, drei Abstimmungsrunden im Finale, zwei Gullfinal-Duellisten und eine Second-Chance-Runde: das bereits 2020 anlässlich des sechzigjährigen Bestehens der norwegischen Vorentscheidung Melodi Grand Prix (MGP) massiv aufgeblasene Format erfuhr in diesem Jahr eine zusätzliche Ausweitung. Und wofür der ganze Aufwand? In den Vorrunden flogen regelmäßig die wenigen interessanten Acts heraus, seien es der offen schwule Care-Bare-Rapper Big Daddy Karsten oder die Abrissparty feiernden Landeier TuVeia. Bei der vergangenen Montag als Radioshow mit Liveübertragung im Netz veranstalteten Sistesjansen stellte man alle 15 bereits ausgeschiedenen Beiträge nochmals zur Wahl, was…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Welche verheerende Wirkungen die humorlose Eurovisionsjury selbst in ihrer Abwesenheit entfaltet, ließ sich dieses Wochenende bei den beiden Vorentscheidungs-Vorrunden in Skandinavien beobachten. Denn obwohl in diesem Stadium des Melodi Grand Prix die Zuschauer:innen alleine über das Wohl und Wehe der vier Bewerber:innen um das Ticket fürs MGP-Finale bestimmten, zeigten sie sich durch die jahrelange Erziehungsarbeit der Grauen Herren und Damen und deren ritueller Abstrafung alles auch nur entfernt Lustigen beim Eurovision Song Contest dergestalt nachhaltig konditioniert, dass sie in einem Anfall vorauseilenden Gehorsams den einzigen unterhaltsamen Beitrag des Abends schon im ersten Durchgang rauswählten. Die Rede ist natürlich von 'Bli…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die tigh­te Büchse

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die tigh­te Büchse

Mit der ersten von vier Vorrunden des Melodifestivalen begann am gestrigen Supersamstag die heiße Phase der diesjährigen Vorentscheidungssaison. Jedenfalls, wenn es nach der Aufmerksamkeit der internationalen Grand-Prix-Fans geht. Inhaltlich ist die Begeisterung für den schwedischen Vorentscheid kaum nachzuvollziehen: selten in meinem Leben langweilte ich mich so sehr wie gestern Abend bei dieser Parade von sieben gleichermaßen grundegalen, müden Mainstream-Popsongs, von denen mich nicht einer auch nur im Entferntesten erreichte. Dem Auftrag zur Unterhaltung kam als einziger der gutgebaute Schwedenschnuckel Danny Saucedo in angemessener Weise nach, der für seine mittelmäßige Grand-Prix-Disco-Nummer 'Dandi dansa' ein gigantisches Bühnengimmick in Form eines von mehreren…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I love my Bear

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I love my Bear

Neben dem Vorentscheid in Frankreich fanden am gestrigen Supersamstag weitere Vorrunden in Norwegen und Litauen statt, die allerdings von wenig Belang für das eurovisionäre Geschehen sein dürften, geht es in beiden Ländern doch letztlich nur noch darum, wer im jeweiligen Vorentscheidungsfinale gegen die bereits fix gesetzten Top-Favoriten Keiino bzw. The Roop verlieren darf. Ungeachtet des offensichtlichen Ausgangs traten in der dritten Vorrunde des Melodi Grand Prix (MGP) auch gestern wieder vier Acts gegeneinander an, von denen lediglich einer pro forma weiterkam. Auf der Strecke blieben dabei zwei aus unterschiedlichen Gründen spannende Beiträge, die zwar beide nicht unbedingt musikalische Feuerwerke entzündeten,…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Der zweite Vorentscheidungssamstag des neuen Jahres liegt hinter uns, und die Parallelen zum ersten waren unübersehbar. Wie schon vor sieben Tagen liefen zeitgleich die Vorrunden des norwegischen Melodi Grand Prix (MGP) und des litauischen Pabandom Iš Naujo (PIN); wie schon vor sieben Tagen fiel dabei ein alter weißer Mann mit einem irgendwie konservativ schmeckenden Schlager durch; und wie schon vor sieben Tagen richtete sich die gesammelte Aufmerksamkeit der Fans nicht auf die Vorrundenbeiträge, sondern auf einen außer Konkurrenz vorgestellten, fix fürs Finale gesetzten Song einer erst unlängst am Eurovision Song Contest teilgenommen habenden Band, die als Anwärter für den Sieg…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Auch wenn es einem angesichts der aktuellen Seuchen- und politischen Weltlage beinahe ein bisschen surreal erscheint, so startete doch gestern die Hochphase der diesjährigen Vorentscheidungssaison mit zwei gleichzeitig laufenden Vorrunden in Norwegen und Litauen. In beiden Shows mussten die auftretenden Acts im zuschauer*innenfreien Sendestudio performen, in beiden Ländern übertünchten die Sender die peinliche Stille nach den Auftritten mit tosendem Dosenapplaus, was die Sache zwar nicht weniger steril und unnatürlich machte, aber immerhin etwas weniger fremdschämwürdig als beim deutschen Eurovisions-Finale 2020 aus dem Hamburger Delphi. Eine weitere Gemeinsamkeit verband die Auftaktrunden der zwei Meeresanrainerstaaten: in beiden flogen so erwartbar wie traurigerweise…
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World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören…
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Melo­di Grand Prix 2020: der App-Sturz

Melo­di Grand Prix 2020: der App-Sturz

Was für eine Blamage! Groß und glamourös sollte es werden; in einem technischen Fiasko endete es für den norwegischen Sender NRK, der aus Anlass des sechzigjährigen Jubiläums seiner stets unter der selben Marke organisierten Eurovisionsvorentscheidung Melodi Grand Prix (liest du mit, NDR?) tief in die Tasche griff und das Format auf sechs Shows erweiterte. In fünf regionalen Vorrunden (Nord, Süd, Mitte, Ost und West, was merkwürdig wirkt in einem Land, dessen Geografie eher wurmförmig anmutet als quadratisch) siebte man aus 20 Kandidat:innen im Duellverfahren jeweils eine:n Teilnehmer:in für das gestrige Finale heraus, wo sie auf weitere fünf fix gesetzte Konkurrent:innen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Spüren Sie ihn auch, liebe Leser:innen, den steigenden Adrenalinspiegel? Kein Wunder: pünktlich zum 1. Februar erhöhte die laufende Vorentscheidungssaison 2020 am gestrigen Supersamstag europaweit die Drehzahl und bombardierte uns mit gleich vier Semifinalen, darunter der ersten Runde des schwedischen Melodifestivalen. Überall, so scheint es, kommt man mittlerweile in die Gänge. Außer in Deutschland. In Hamburg schreckte man gestern nur kurz aus dem eurovisionären Dornröschenschlaf auf und postete folgende Nicht-Info zum heimischen Vorentscheid: https://twitter.com/eurovisionde/status/1223639746259439620?s=20 Und ehrlich gesagt: egaler könnte es mir mittlerweile nicht mehr sein, erwarte ich vom NDR schon längst nichts mehr außer gelegentlichen versehentlichen Zufallstreffern. Daher flugs wieder zurück…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Ein weiterer kleiner Supersamstag liegt hinter uns, und erneut schrägte es auf dem Weg nach Rotterdam etliche, nunja, schräge Acts. So beispielsweise in Norwegen den 19jährigen Alexandru Gros Grindvoll, der bereits 2016 am dortigen Vorentscheid Melodi Grand Prix teilnahm, damals als Teil der Boyband Suite 16, und der heuer mit der erfrischend billigen Plastikpop-Perle 'Pink Jacket' einen astreinen Tooji-Gedächtnisact ablieferte, wenngleich unter vertauschten Vorzeichen: während der 2012er Vertreter des erdölreichen Königtums zu seinem damaligen Klopper 'Stay' eine astreine Tanzperformance ablieferte, diese jedoch mit fußnägelaufrollend schiefem Gesang konterkarierte, hielt sich Alexandru in der dritten Vorrunde des MGP fern von falschen Tönen,…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Verse

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Verse

Gefühlt deutlich später und zähflüssiger als in vorangegangenen Jahren nimmt die Vorentscheidungssaison 2020 nun doch langsam Fahrt auf: die ersten beiden Samstage mit parallel laufenden Auswahlrunden liegen hinter uns, wenngleich es sich lediglich um Semis beziehungsweise Nachwuchswettbewerbe handelte. Nichtsdestotrotz können wir bereits zum jetzigen Zeitpunkt den Banjo-Laura-Preis für die dümmste und kriminellste Fehlentscheidung des gesamten Jahrgangs verleihen, und zwar an die litauischen Juror/innen. Der Sender des Baltenstaates, LRT, verpasste der dortigen Vorentscheidung zwar heuer den hoffnungsvoll-trotzigen Untertitel Pabandom iš naujo! (Lass es uns nochmal versuchen!). Viel Neues ließ sich aber bislang nicht finden: wie gewohnt liegt die Dichte an offensichtlich…
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Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sahnemantel

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sahnemantel

Ein weiterer Eurovisionsjahrgang liegt hinter uns. Einer, bei dem, so der kluge Kommentar der ORF-Beobachter Sophia Felbermair und Christian Körber, die "nachdenklichen Männer, die doch Gefühle zeigen" die Medaillenplätze belegten und so den gesellschaftlichen Gegenentwurf bildeten zum Modell der toxischen Männlichkeit, wie es sich derzeit leider vor allem in der Politik manifestiert. Zeit, die Geschehnisse abzuschließen mit der traditionellen Betrachtung des Split-Voting-Ergebnisses in den beiden Qualifikationsrunden. Und die führt uns zunächst einmal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heuer eine unfreiwillige Neuauflage der deutsch-österreichischen Doppelnull im Jahre 1 n.C. (nach Conchita) statt. Denn nicht nur die germanischen Casting-Sisters kassierten…
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ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach…
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Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen…
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Rank and File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Rank and File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, da Norwegen beim Eurovision Song Contest regelmäßig die hinteren Plätze aufrollte? Beispielsweise mit samischen Jodlern, so wie 1980? Platz 6: Norwegen - Keiino: Spirit in the Sky (Geist am Himmel) Das dürfte 2019 nicht passieren, auch wenn die Skandinavier mit dem hauptberuflichen Hip-Hopper Fred Buljo erneut jemanden am Start haben, der joikt. Und das dazu noch ziemlich grauslich: zumindest beim Live-Auftritt während des Vorentscheids Melodi Grand Prix klangt der Glatzkopf, als habe er einen Frosch verschluckt. Doch der Joik ist hier nur zierendes Beiwerk und wird flankiert von einem süffigen Popschlager, der…
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Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Zehn Songs, drei Abstimmungsrunden und das von Anfang an erwartete Ergebnis: das norwegische Fernsehen NRK zeigte am gestrigen Abend mal wieder, wie man einen nationalen Vorentscheid mit einem klaren Ausgang dennoch unnötig in die Länge ziehen kann. Trotz aller Manipulationsversuche durch die internationale Jury gewann am Ende des unterhaltsamen Abends, wie allgemein vorhergesagt und völlig zu Recht das Trio Keiino mit dem eingängigen Grand-Prix-Disco-Tanzflächenfüller 'Spirit in the Sky', der uptemporäre Drums, einen supersüffigen Refrain und auf samisch gejoikte Ethno-Verzierungen zu einem Gesamtkunstwerk aus dem Lehrbuch für Eurovisionsschlager verbindet. Das eigens für den Melodi Grand Prix gebildete Projekt Keiino besteht aus…
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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein…
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Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Zwei­tes ESC-Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tatsächlich geschafft. Der mutmaßliche, sinistere Plan der Russen, erstmalig seit der Einführung der Qualifikationsrunden im Jahre 2004 in einer solchen auszuscheiden, ging auf. Zum zweiten Mal hintereinander wies das kaltherzige Europa die im Rollstuhl sitzende Interpretin Julia Samoylova ab: 2017 aus politischen Gründen, 2018 aus purer Bösartigkeit und in Negierung des von der EBU verbreiteten Märchens der Inklusion, die beim Eurovision Song Contest eben nur für bärtige Frauen gilt. So vermutlich die Melodie des Liedes, welches Putins Staatsmedien ab sofort verbreiten dürften. Dabei tat das russische Team selbst alles, um den Finaleinzug zu verhindern: es versorgte seine…
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We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lissabon

We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lissabon

Auch am Tag der Arbeit gehen die Proben für den Eurovision Song Contest 2018 in der Altice-Arena zu Lissabon weiter, heute mit der ersten Hälfte des zweiten Semifinales. Das eröffnet bekanntlich, in Person Alexander Rybaks, ein ehemaliger Eurovisionsgewinner. Und wiewohl sein Beitrag 'That's how you write a Song' die europäischen Schwurnalisten in Fans und bekennende Hasser spaltet, herrscht unter den Blogger/innen ziemliche Einigkeit, dass auch dieser Titel erneut um den Sieg mitspielen könnte. Rybak, der Dorian Gray der Eurovision, der seit seiner letzten Grand-Prix-Teilnahme offensichtlich keinen Tag alterte und noch immer über seinen Lausbubencharme verfügt, bringt - wie schon 2009…
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Melo­di Grand Prix 2018: Alex­an­der ist Ry-back!

Melo­di Grand Prix 2018: Alex­an­der ist Ry-back!

Zum Schluss musste man wirklich fürchten, er würde vor lauter Aufregung auf der Bühne des Osloer Spektrum gleich einen Schlaganfall erleiden. Vier Abstimmungen brauchte es, bis der Eurovisionssieger von 2009, Alexander Rybak, heute Abend beim MGP als neuerlicher Vertreter Norwegens beim Grand Prix 2018 in Lissabon feststand. 'That's how you write a Song' hieß sein selbstkomponierter Titel, und dass der Geigentroll wahrlich noch immer weiß, wie das geht, stellte er mit seinem erfrischend altmodischen, aber hochgradig ansteckenden Gute-Laune-Song und einer perfekt darauf abgestimmten Choreografie unter Beweis, die auf spielerisch-lässige Weise Zeichentrickelemente einband. Rybak, der den erneuten Sieg sehr, sehr erkennbar…
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Open your Heart: war­um Alex­an­der Rybak eine fai­re Chan­ce verdient

Es war eine kleine Bombe, die heute morgen platzte, als der norwegische Sender NRK das (beeindruckend hochklassige) Line-up des Melodi Grand Prix 2018 bekanntgab: neben einigen anderen großen Namen versucht sich auch der Erdrutschsieger des Eurovision Song Contest 2009, Alexander Rybak, an einem Grand-Prix-Comeback. Und er tut dies mit Stil: sein Wettbewerbsbeitrag heißt 'That's how you write a Song', was sich zwar mit einem sympathisch-selbstironischen Augenzwinkern verstehen lässt, zugleich jedoch eine ziemliche Ansage ist und von einem nicht gerade geringen Selbstvertrauen kündet. Und das ist berechtigt: die hoch infektiöse, groovende Popnummer bleibt schon beim ersten Anhören sofort in den Ohren…
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Euro­vi­si­on Death­match #10: Last Night a DJ took my Life

Mit 'Mister Music Man' setzte die Schweiz schon 1992 beim Grand Prix ein musikalisches Denkmal für den Beruf des Plattenauflegers, der uns im Euroclub mit tanzbarem Stoff versorgt. Und auch auf der Eurovisionsbühne findet sich solch ein Exemplar immer mal wieder: hier waren erneut die Eidgenossen beispielgebend, als sie 2007 ihren weltweit erfolgreichsten Musikexport entsandten - und DJ Bobo im Blutbad-Semifinale von Helsinki sang- und klanglos rausflog. Anders als drei Jahre später das moldawische SunStroke Projekt, das mit dem Eurodance-Titel 'Run away' und dem zum Internet-Meme avancierten Epic Sax Guy den Finaleinzug spielend schaffte. Der ist auch heuer wieder dabei, wenn das…
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Melo­di Grand Prix 2017: Stim­men im Wind

Melo­di Grand Prix 2017: Stim­men im Wind

Ein offensichtlich sehr bescheidenes und introvertiertes Völkchen, diese Norweger/innen. So versteckten sie ihren diesjährigen Eurovisionsvorentscheid, den traditionellen Melodi Grand Prix 2017, am letzten Supersamstag der laufenden Grand-Prix-Saison hinter dem größtenteils zeitgleich laufenden, bei Fans jedoch deutlich beliebteren schwedischen Melodifestivalen, um möglichst unter sich zu bleiben. Und schlossen die wenigen dennoch zuschauen wollende Europäer/innen per Geo-Blocking vom Livestream ihrer Show aus, um ihnen das im Vergleich zu den skandinavischen Nachbarn um Längen bessere und vielfältigere musikalische Angebot vorzuenthalten nicht zumuten zu müssen. Die Hälfte der insgesamt zehn teilnehmenden Titel wäre des Sieges würdig gewesen, und mit dem nun ausgewählten Dance-Projekt Jowst und…
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Zwei­tes ESC-Semi 2016: der sich den Wolf tanzt

Zwei­tes ESC-Semi 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper…
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