Melo­di Grand Prix 2020: der App-Sturz

Was für eine Bla­ma­ge! Groß und gla­mou­rös soll­te es wer­den; in einem tech­ni­schen Fias­ko ende­te es für den nor­we­gi­schen Sen­der NRK, der aus Anlass des sech­zig­jäh­ri­gen Jubi­lä­ums sei­ner stets unter der sel­ben Mar­ke orga­ni­sier­ten Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung Melo­di Grand Prix (liest du mit, NDR?) tief in die Tasche griff und das For­mat auf sechs Shows erwei­ter­te. In fünf regio­na­len Vor­run­den (Nord, Süd, Mit­te, Ost und West, was merk­wür­dig wirkt in einem Land, des­sen Geo­gra­fie eher wurm­för­mig anmu­tet als qua­dra­tisch) sieb­te man aus 20 Kandidat:innen im Duell­ver­fah­ren jeweils eine:n Teilnehmer:in für das gest­ri­ge Fina­le her­aus, wo sie auf wei­te­re fünf fix gesetz­te Konkurrent:innen tra­fen. Bereits in die­sen Vor­run­den zeig­te sich, war­um das MGP aus gutem Grund sonst nur aus einer ein­zi­gen Sen­dung besteht: so viel Talent ver­mag das skan­di­na­vi­sche Land nicht auf­zu­bie­ten, dass sich damit belie­big vie­le Run­den fül­len lie­ßen, das musi­ka­li­sche Ange­bot erwies sich als größ­ten­teils arg dürf­tig. Kein Wun­der, dass der NRK die Zahl der Semifinalist:innen bereits im Vor­feld von 40 auf 20 gekürzt hat­te und die Sen­dun­gen mit lus­ti­gen Archiv­clips über Plei­ten, Pech und Pan­nen aus 60 Jah­ren MGP-Geschich­te streck­te. Das soll­te sich jedoch als schlech­tes Omen erwei­sen…

Wenn Du schon seit 25 Jah­ren unter stän­di­ger Migrä­ne lei­dest: die MGP-Sie­ge­rin Ulrik­ke Brand­s­torp sehnt sich nach ärzt­li­cher Auf­merk­sam­keit.

Wei­ter­le­senMelo­di Grand Prix 2020: der App-Sturz

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be strai­ght

Bevor heu­te in weni­gen Minu­ten der nächs­te Super­sams­tag beginnt, gilt es noch etli­che Per­len vom letz­ten Wochen­en­de nach­zu­lie­fern, an wel­chem ich im Zuge des längs­ten Vor­ent­schei­dungs­ta­ges der bis­he­ri­gen Euro­vi­si­ons­his­to­rie aus arbeits­ka­pa­zi­tä­ren Grün­den lei­der gezwun­gen war, etli­che Vor­run­den und Semis zu ver­nach­läs­si­gen. Den herbs­ten Ver­lust gab es dabei in der Ukrai­ne zu bekla­gen. Dort hat­ten wir das sel­te­ne Ver­gnü­gen, einem knapp vier­mi­nü­ti­gen scha­ma­nis­ti­schen Ritu­al bei­woh­nen zu dür­fen, zu dem uns Kat­ya Chil­ly und ihr Geist­hei­ler­zir­kel ein­lu­den. Der bestand aus einem pit­to­resk geklei­de­ten Drui­den, der völ­lig in sich ver­sun­ken hei­li­ge Ver­se mur­mel­te; drei Damen, die den, wenn man so will, ent­fernt an die wei­ßen Schrei­ge­sän­ge der letzt­jäh­ri­gen pol­ni­schen Ver­tre­te­rin­nen Tulia erin­nern­den Refrain tru­gen; sowie der in einer Tracht ange­ta­nen Front­frau, die selbst ledig­lich hin und wie­der ein paar tie­fe Töne bei­steu­er­te, zu den Gesän­gen ihrer Backings aber stets lip­pen­syn­chron den Mund öff­ne­te, so dass es wirk­te, als sei sie beses­sen und träl­ler­te in Zun­gen. Ein Ambi­ent-Tran­ce-Musik­bett mit syn­the­ti­schem Vogel­ge­zwit­scher und ein psy­che­de­li­scher Back­drop ver­stärk­ten den audio­vi­su­el­len Gesamt­ein­druck eines exqui­si­ten Magic-Mushroom-Trips, der einen die über­ra­schen­de War­te­zeit zu Beginn des Auf­tritts, als für eine knap­pe hal­be Minu­te ledig­lich wei­ßes Rau­schen zu hören war und sonst nichts pas­sier­te, ver­ges­sen ließ.

In der Tat aus­ge­spro­chen chil­lig: Kat­ya nimmt uns mit zu einer hei­len­den scha­ma­nis­ti­schen Geis­ter­be­schwö­rung.

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be strai­ght

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Spü­ren Sie ihn auch, lie­be Leser:innen, den stei­gen­den Adre­na­lin­spie­gel? Kein Wun­der: pünkt­lich zum 1. Febru­ar erhöh­te die lau­fen­de Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020 am gest­ri­gen Super­sams­tag euro­pa­weit die Dreh­zahl und bom­bar­dier­te uns mit gleich vier Semi­fi­na­len, dar­un­ter der ers­ten Run­de des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len. Über­all, so scheint es, kommt man mitt­ler­wei­le in die Gän­ge. Außer in Deutsch­land. In Ham­burg schreck­te man ges­tern nur kurz aus dem euro­vi­sio­nä­ren Dorn­rös­chen­schlaf auf und pos­te­te fol­gen­de Nicht-Info zum hei­mi­schen Vor­ent­scheid:

Und ehr­lich gesagt: ega­ler könn­te es mir mitt­ler­wei­le nicht mehr sein, erwar­te ich vom NDR schon längst nichts mehr außer gele­gent­li­chen ver­se­hent­li­chen Zufalls­tref­fern. Daher flugs wie­der zurück zum gest­ri­gen Super­sams­tag, des­sen wich­tigs­te Show bereits am hell­lich­ten Nach­mit­tag über die Anten­ne ging: im TV-Stu­dio des mol­da­wi­schen Sen­ders TRM näm­lich scheuch­te ein hoch effek­ti­ver Mode­ra­ti­ons­ro­bo­ter in unter zwei Stun­den Sen­de­zeit gan­ze 32 Bei­trä­ge über die ste­ril aus­ge­leuch­te­te Büh­ne, von denen eine fünf­köp­fi­ge Jury nach reif­li­cher Über­le­gung 20 Titel für das zunächst auf der Kip­pe ste­hen­de, nun aber doch statt­fin­den­de Fina­le der O Melo­di pen­tru Euro­pa am 29.02.2020 aus­wähl­te. Ent­täu­schend wenig Trash bot die musi­ka­lisch erstaun­lich gut bestück­te Vor­run­de, wirk­li­che Fehl­grif­fe muss­te man mit der Lupe suchen. Das ist nicht mehr mein Mol­da­wi­en!

Ein­zig die OMPE-Legen­de Tudor Bum­bac ent­täusch­te nicht und lie­fer­te ver­läss­lich wie immer das High­light der mol­da­wi­schen Audi­tions.

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Ein wei­te­rer klei­ner Super­sams­tag liegt hin­ter uns, und erneut schräg­te es auf dem Weg nach Rot­ter­dam etli­che, nun­ja, schrä­ge Acts. So bei­spiels­wei­se in Nor­we­gen den 19jährigen Alex­an­dru Gros Grind­voll, der bereits 2016 am dor­ti­gen Vor­ent­scheid Melo­di Grand Prix teil­nahm, damals als Teil der Boy­band Sui­te 16, und der heu­er mit der erfri­schend bil­li­gen Plas­tik­pop-Per­le ‘Pink Jacket’ einen ast­rei­nen Too­ji-Gedächt­ni­sact ablie­fer­te, wenn­gleich unter ver­tausch­ten Vor­zei­chen: wäh­rend der 2012er Ver­tre­ter des erd­öl­rei­chen König­tums zu sei­nem dama­li­gen Klop­per ‘Stay’ eine ast­rei­ne Tanz­per­for­mance ablie­fer­te, die­se jedoch mit fuß­nä­ge­lauf­rol­lend schie­fem Gesang kon­ter­ka­rier­te, hielt sich Alex­an­dru in der drit­ten Vor­run­de des MGP fern von fal­schen Tönen, haupt­säch­lich ver­mut­lich mit­hil­fe des dort erlaub­ten Teil­play­backs. Dafür gestal­te­te sich sein hilf­lo­ses Her­um­ge­tän­zel auf der Büh­ne der­ar­tig erbärm­lich, dass es unglück­se­li­ger­wei­se die gan­ze Auf­merk­sam­keit der ver­zwei­felt nach Ablen­kung von dem dar­ge­bo­te­nen visu­el­len Grau­en suchen­den Zuschauer*innen auf den dürf­ti­gen Text sei­nes Lied­leins lenk­te. Der wie­der­um pries die kapi­ta­lis­ti­sche Heils­bot­schaft, dass man sich sei­ne Wunschiden­ti­tät kau­fen kön­ne und sol­le, selbst wenn man dafür das kom­plet­te Monats­ge­halt auf den Kopf hau­en muss. Was zumin­dest erklärt, war­um kein Geld mehr für eine geschei­te Cho­reo­gra­fie, Tanz­stun­den oder einen talen­tier­ten Song­schrei­ber übrig blieb.

Stop, don’t say impos­si­ble: Alex­an­dru, hier noch ohne sein Pink Jacket.

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Ver­se

Gefühlt deut­lich spä­ter und zäh­flüs­si­ger als in vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren nimmt die Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020 nun doch lang­sam Fahrt auf: die ers­ten bei­den Sams­ta­ge mit par­al­lel lau­fen­den Aus­wahl­run­den lie­gen hin­ter uns, wenn­gleich es sich ledig­lich um Semis bezie­hungs­wei­se Nach­wuchs­wett­be­wer­be han­del­te. Nichts­des­to­trotz kön­nen wir bereits zum jet­zi­gen Zeit­punkt den Ban­jo-Lau­ra-Preis für die dümms­te und kri­mi­nells­te Fehl­ent­schei­dung des gesam­ten Jahr­gangs ver­lei­hen, und zwar an die litaui­schen Juror/innen. Der Sen­der des Bal­ten­staa­tes, LRT, ver­pass­te der dor­ti­gen Vor­ent­schei­dung zwar heu­er den hoff­nungs­voll-trot­zi­gen Unter­ti­tel Paban­dom iš nau­jo! (Lass es uns noch­mal ver­su­chen!). Viel Neu­es ließ sich aber bis­lang nicht fin­den: wie gewohnt liegt die Dich­te an offen­sicht­lich Beklopp­ten mit völ­lig abwe­gi­gen Bei­trä­gen in der Nacio­na­linė Atran­ka exzep­tio­nell hoch. Hur­ra! Zu ihnen zählt das skur­ri­le Her­ren­quar­tett Two­so­me, das bereits 2019 im hei­mat­li­chen Vier­tel­fi­na­le punk­te­los aus­schied und es dies­mal skan­da­lö­ser­wei­se nicht über die Vor­run­de hin­aus schaff­te. Dabei steu­er­ten die Par­odis­ten mit dem Titel ‘Playa’ den infek­tiö­ses­ten Gute-Lau­ne-Ohr­wurm der Sai­son bei, bestehend aus einer erquick­lich an Pasha Par­fe­nys ‘Lăutar’ erin­nern­den klei­nen Melo­die; der sen­sa­tio­nell sinn­be­frei­ten Hook­li­ne “I’m a Lit­hua­ni­an Bas­ket­ball Play­er”; dop­pel­ten Hand­klat­schern, bekannt­lich stets ein Zei­chen für musi­ka­li­sche Qua­li­tät, sowie aller­lei alber­nen Büh­nen­gim­micks wie beleuch­te­ten Jacken und einem insze­nier­ten Vio­li­nen­un­fall.

Schön, dass die Litau­er dem Gedan­ken des Recy­clings so sehr hul­di­gen: beim Abschmü­cken des Christ­baums kam den bei­den Two­so­me-Front­män­nern die Idee für ihr Büh­nenout­fit.

Wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Ver­se

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Ein wei­te­rer Euro­vi­si­ons­jahr­gang liegt hin­ter uns. Einer, bei dem, so der klu­ge Kom­men­tar der ORF-Beob­ach­ter Sophia Fel­ber­mair und Chris­ti­an Kör­ber, die “nach­denk­li­chen Män­ner, die doch Gefüh­le zei­gen” die Medail­len­plät­ze beleg­ten und so den gesell­schaft­li­chen Gegen­ent­wurf bil­de­ten zum Modell der toxi­schen Männ­lich­keit, wie es sich der­zeit lei­der vor allem in der Poli­tik mani­fes­tiert. Zeit, die Gescheh­nis­se abzu­schlie­ßen mit der tra­di­tio­nel­len Betrach­tung des Split-Voting-Ergeb­nis­ses in den bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den. Und die führt uns zunächst ein­mal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heu­er eine unfrei­wil­li­ge Neu­auf­la­ge der deutsch-öster­rei­chi­schen Dop­pel­null im Jah­re 1 n.C. (nach Con­chi­ta) statt. Denn nicht nur die ger­ma­ni­schen Cas­ting-Sis­ters kas­sier­ten im Publi­kums­vo­ting die gefürch­te­ten (und ange­sichts der gebo­te­nen drei Minu­ten töd­li­cher Lan­ge­wei­le völ­lig berech­tig­ten) Nul Points, son­dern auch der lila Pæn­da-Bär aus der Stei­er­mark im zwei­ten Semi­fi­na­le. “Der Mut, mit einer völ­lig unkom­pa­ti­blen Num­mer nach Tel Aviv zu fah­ren, wur­de nicht belohnt. ‘Limits’ erwies sich als zu sper­ri­ger Song, der erst nach mehr­ma­li­gen Hören sei­ne Wir­kung ent­fal­ten kann. So viel Zeit hat man beim Song Con­test nicht,” schluss­fol­ger­ten die bei­den Mit­ar­bei­ter des Wie­ner Sen­ders.

Gib mir noch Zeit / ein klei­nes biss­chen nur / etwas mehr Zeit”: die Zuschauer/innen woll­ten Blüm­chens Rat nicht fol­gen.

Wei­ter­le­senDas Semi-Split­­vo­­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

Wei­ter­le­senFina­le 2019: ESC is a losing Game

Rank & File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Kann sich noch jemand an die Zeit erin­nern, da Nor­we­gen beim Euro­vi­si­on Song Con­test regel­mä­ßig die hin­te­ren Plät­ze auf­roll­te? Bei­spiels­wei­se mit sami­schen Jod­lern, so wie 1980?

Platz 6: Nor­we­gen – Kei­i­no: Spi­rit in the Sky (Geist am Him­mel)

Das dürf­te 2019 nicht pas­sie­ren, auch wenn die Skan­di­na­vi­er mit dem haupt­be­ruf­li­chen Hip-Hop­per Fred Bul­jo erneut jeman­den am Start haben, der joikt. Und das dazu noch ziem­lich graus­lich: zumin­dest beim Live-Auf­tritt wäh­rend des Vor­ent­scheids Melo­di Grand Prix klangt der Glatz­kopf, als habe er einen Frosch ver­schluckt. Doch der Joik ist hier nur zie­ren­des Bei­werk und wird flan­kiert von einem süf­fi­gen Pop­schla­ger, der im Refrain zu wei­ten Tei­len auf Saa­ra Aal­tos letzt­jäh­ri­gem fin­ni­schen ESC-Bei­trag ‘Mons­ters’ basiert. Der schnitt zwar, wie wir uns erin­nern, ziem­lich schlecht ab, was aber haupt­säch­lich an der min­de­ren stimm­li­chen Leis­tung der Inter­pre­tin und der weit übers Ziel hin­aus­schie­ßen­den, bun­ten Büh­nen­show lag. Tom Hugo und Alex­an­dra Rotan, die mit Bul­jo gemein­sam das Retor­ten­trio Kei­i­no bil­den und die die Haupt­last des Lie­des tra­gen, zei­gen, wel­ches Poten­ti­al in ‘Mons­ters’ steckt, indem sie es beim fröh­li­chen Schmet­tern belas­sen und auf rotie­ren­de Ziel­schei­ben und pin­ke Raum­schif­fe ver­zich­ten. Und das reicht völ­lig: die Num­mer macht ohne den Insze­nie­rungs-Bal­last viel mehr Spaß und ent­puppt sich als hoch effek­ti­ver Ohr­wurm.

So eine put­zi­ge Hun­de­oh­ren­pe­rü­cke wie Tom Hugo möch­te ich auch! Der Video­clip offen­bart den frap­pan­ten Unter­schied zwi­schen der hef­tig bear­bei­te­ten Stu­dio­fas­sung und…

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Zehn Songs, drei Abstim­mungs­run­den und das von Anfang an erwar­te­te Ergeb­nis: das nor­we­gi­sche Fern­se­hen NRK zeig­te am gest­ri­gen Abend mal wie­der, wie man einen natio­na­len Vor­ent­scheid mit einem kla­ren Aus­gang den­noch unnö­tig in die Län­ge zie­hen kann. Trotz aller Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che durch die inter­na­tio­na­le Jury gewann am Ende des unter­halt­sa­men Abends, wie all­ge­mein vor­her­ge­sagt und völ­lig zu Recht das Trio Kei­i­no mit dem ein­gän­gi­gen Grand-Prix-Dis­co-Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Spi­rit in the Sky’, der uptem­po­rä­re Drums, einen super­süf­fi­gen Refrain und auf samisch gejoik­te Eth­no-Ver­zie­run­gen zu einem Gesamt­kunst­werk aus dem Lehr­buch für Euro­vi­si­ons­schla­ger ver­bin­det. Das eigens für den Melo­di Grand Prix gebil­de­te Pro­jekt Kei­i­no besteht aus den frü­he­ren MGP-Solo-Teil­neh­mer/in­nen Tom Hugo und Alex­an­dra Rotan, ergänzt um den glatz­köp­fi­gen Rap­per Fred Bul­jo, die den Song gemein­sam mit Toms Ehe­mann Alex Ols­son schrie­ben (oder viel­mehr in wei­ten Tei­len bei Saa­ra Aal­tos ‘Mons­ters’ abkup­fer­ten). Inter­es­san­ter­wei­se besteht zwi­schen den Drei­en ein ganz kla­res stimm­li­ches Gefäl­le: wäh­rend Hugo sei­ne Stro­phen sehr sau­ber und klar ver­ständ­lich into­nier­te, ver­nu­schel­te Rotan ihren Part schon arg ver­nehm­lich. Bul­jo klang unter­des­sen, als habe er vor dem Auf­tritt einen Och­sen­frosch ver­schluckt, der ihm nun im Hals sit­ze. Das konn­te, eben­so wie die stark über­ar­bei­tungs­be­dürf­ti­ge Büh­nen­show, jedoch den mit­rei­ßen­den Gesamt­ein­druck nicht trü­ben.

Wel­che Geis­ter da wohl von Fred Bul­jos Stimm­bän­dern Besitz ergrif­fen hat­ten?

Wei­ter­le­senMelo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Auch am Tag der Arbeit gehen die Pro­ben für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in der Alti­ce-Are­na zu Lis­sa­bon wei­ter, heu­te mit der ers­ten Hälf­te des zwei­ten Semi­fi­na­les. Das eröff­net bekannt­lich, in Per­son Alex­an­der Rybaks, ein ehe­ma­li­ger Euro­vi­si­ons­ge­win­ner. Und wie­wohl sein Bei­trag ‘That’s how you wri­te a Song’ die euro­päi­schen Schwur­na­lis­ten in Fans und beken­nen­de Has­ser spal­tet, herrscht unter den Blogger/innen ziem­li­che Einig­keit, dass auch die­ser Titel erneut um den Sieg mit­spie­len könn­te. Rybak, der Dori­an Gray der Euro­vi­si­on, der seit sei­ner letz­ten Grand-Prix-Teil­nah­me offen­sicht­lich kei­nen Tag alter­te und noch immer über sei­nen Laus­bu­ben­charme ver­fügt, bringt – wie schon 2009 – das bereits aus­ge­reif­te audio­vi­su­el­le Gesamt­kon­zept des nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix mit zum Con­test und setzt es dort Punkt für Punkt um, mit­samt den per Zei­chen­trick hin­zu­ge­füg­ten und um eini­ge Herz­chen erwei­ter­ten Bild­schirm­gra­fi­ken, die sei­ne Cho­reo­gra­fie ergän­zen. Und war­um auch nicht, der Mann weiß schließ­lich, was er tut. Im Pres­se­zen­trum machen sich die Ers­ten nun schon Sor­gen, dass sie nächs­tes Jahr für ein Bier im Euro­club zu Oslo eine wei­te­re Hypo­thek aufs Haus auf­neh­men müs­sen. Und dass, wo doch das Super Bock in Lis­sa­bon so herr­lich güns­tig ist!

Nur echt mit der Vio­li­ne: der Rybak.

Wei­ter­le­senWe can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon