Ave, Cesár: Österreich setzt 2018 auf Erfahrung

Ebenfalls noch nachzureichen ist die mittlerweile leider schone eine Woche alte Meldung (sorry, Winterdepression!) über unser sympathisches kleines Nachbarland Österreich. Das hat es sich im Gegensatz zum NDR in Eurovisionsdingen heuer mal wieder leicht gemacht und seinen Repräsentanten intern bestimmt. Und warum auch nicht? Der vom ORF damit beauftragte Talentescout Eberhard Forcher wählte nämlich offensichtlich klug und entschied sich für den 34jährigen Songschreiber, Produzenten und Sänger Cesár Sampson als Vertreter des Alpenstaates in Lissabon. Und auch, wenn dessen Namen bis dahin sicherlich die wenigsten Österreicher kannten, lag seine Nominierung auf der Hand: kann der großgewachsene, schmuck anzuschauende Bariton, der laut ORF schon Teil des Teams Conchita (→ AT 2014) war, doch einige Grand-Prix-Erfahrung vorweisen und stand er sogar selbst schon auf der Eurovisionsbühne, als Backing nämlich für die fabelhafte Poli Genova (→ BG 2016). Und auch ihren Nachfolger, den Silbermedaillengewinner Kristian Kostov (→ BG 2017) unterstützte er vor Ort als Chorsänger sowie, noch entscheidender, als Stimmlehrer (oder, wie es neudeutsch heißt: Vocal Coach).

Hallo, Cesár! Ich hoffe nur, Du nimmst Dir kein schlechtes Vorbild an dem anderen ESC-Cezar (RO 2013) und rasierst vor dem Auftritt Dein Dekolleté!

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Österreich will keine großen Töchter: Conchita Wurst ausgebuht

Wie das Gratisblatt heute berichtet, musste sich die Siegerin des Eurovision Song Contest 2014, Conchita Wurst, bei einem Auftritt im Rahmenprogramm der Beachvolleyball-WM auf der Wiener Donauinsel am vergangenen Samstag neben Applaus auch deutliche Buhrufe gefallen lassen, als sie die Nationalhymne des Alpenstaates in der seit fünf Jahren gültigen, gendergerechten Fassung sang: einstmals ausschließlich die „Heimat großer Söhne“, finden in der seit dem 1. Januar 2012 offiziell verabschiedeten aktuellen Version nun auch die „Töchter“ des Landes Erwähnung, was viele Traditionalisten auch heute noch immer in Wallung zu bringen scheint. Und obwohl selbst der bislang eher durch eine extrem konservative Weltsicht aufgefallene Volksmusik-Kotzbrocken Andreas Gabalier, der in der Vergangenheit seine Fans noch aufgefordert hatte, die Hymne stets in der alten Fassung zu singen, seit den derzeitigen Erfolgen der österreichischen Fußballfrauen bei der EM konzediert: „Heimat seid’s ihr großer Töchter. Des muass ma jetzt wirklich amol sogn,“ lehne nach einer von heute passend zum Vorfall zitierten aktuellen Meinungsumfrage eine Mehrheit von 55% der Alpenländler/innen das Gendern in der Sprache ab – acht Prozentpunkte mehr als noch 2014. Selbst unter den repräsentativ befragten Frauen wollen 47% im Sprachgebrauch lieber unsichtbar bleiben. Man kann sich schon des Eindrucks nicht erwehren, dass die heimischen Alpen – so landschaftlich reizvoll sie auch sein mögen – ihren Bewohner/innen auch den geistigen Horizont verstellen…

Die heldinnenhafte Conchita.

„Zu wissen, ich hab den Song Contest überlebt“: Wilfried Scheutz ist tot

Als der „große alte Mann des Austropop“ sagte ihn der Moderator Pat Kenny beim Eurovision Song Contest 1988 in Irland an, bei dem Wilfried Scheutz mit, man muss es leider so sagen, einem der schlechtesten Eurovisionsbeiträge aller Zeiten den letzten Platz und die gefürchteten → Nul Points holte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Urgestein der Neuen Österreichischen Volksmusik bereits eine bewegte Karriere hinter sich: mit rockigen Neuinterpretationen bekannter Volkslieder wie ‚Ziwui, Ziwui‘ oder dem ‚Kufsteinlied‘ und mit genial-skurrilen Popsongs wie ‚Highdelbeeren‘ (begleitet von einem der legendärsten Videoclips aller Zeiten) feierte er in den Siebzigern und Achtzigern große Erfolge und schrieb sich ins kollektive Musikgedächtnis der Alpenrepublik ein. Er wirkte zudem auf dem Premierenalbum der Ersten Allgemeinen Verunsicherung mit, wobei er seine Frau Marina Tatic kennenlernte. Seine Teilnahme am Grand Prix bezeichnete er im Rückblick als „Blödsinn“. Über den folgenden, herben Karriereknick sagte er im Mai diesen Jahres in einem sehr bewegenden Interview mit dem Magazin News: „Nach dem Song Contest hab ich Theater gespielt, weil ganz Österreich gewusst hat: ‚Der größte Trottel ist der Wilfried‘. Vorher wurde geschrieben ‚Das ist ein Genie‘. Die öffentliche Meinung ändert sich so schnell, wie eine Tür zufällt“. Auch Freunde hätten sich in dieser schmerzvollen Phase von ihm abgewendet. Dennoch stehe er zu seiner damaligen Entscheidung: „Das sind Dinge, die mich durchs Leben bringen: Zu wissen, ich hab den Song Contest überlebt“. 1996 gründete er die Acapella-Gruppe 4Xang, die mit einer Mischung aus Kabarett und Austropop erfolgreich durch die Lande zog und bei der er mit ehemaligen EAV-Kollegen zusammenarbeitete. Gemeinsam mit seinem Sohn Hanibal, der auch sein letztes, 2017 erschienenes Album ‚Gut Lack‘ produzierte, gründete er 2009 zudem die Jazzformation Fathers’n’Sons. Daneben war er als Schauspieler tätig. Erst vor wenigen Monaten machte er bei den Austrian Music Awards seine Krebsdiagnose öffentlich. Wilfried dazu im News-Interview: „Es gibt Zitate in Liedern, die damit zu tun haben, dass ich mir meiner Endlichkeit bewusst bin. Die Krankheit hat mir Sachen eröffnet, über die ich mir vorher keine Gedanken gemacht habe. Wie glücklich mich die unerwartete Zuwendung der Leute machen kann, zum Beispiel“. Wilfried erlag gestern im Krankenhaus von Lilienfeld im Alter von 67 Jahren der tückischen Krankheit.

Dieses Jackett! Wilfried beim Eurovisions-Auftritt.

Finale 2017: Gift im Instrument

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung der gigantischen, futuristisch aufgebrezelten Showbühne im Internationalen Ausstellungszentrum der ukrainischen Metropole und sang stattdessen inmitten des andächtig schweigenden, von seiner intimen Darbietung ebenso wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergriffenen Hallenpublikums auf der kleinen Satellitenbühne stehend seine zerbrechliche, hauchzarte Trennungsschmerzballade ‚Amar pelos Dois‘, ein flehendes Abschiedslied an seine Verflossene, in welcher er in poetischen Worten seine Trauer, seine noch immer sanft glimmende Hoffnung auf eine Rückkehr der Geliebten und seine Entschlossenheit, seine Liebe niemals sterben zu lassen, vor uns ausgoß. Was ich im Übrigen nur weiß, weil ich die Übersetzung seines in Landessprache verfassten Songtextes gegoogelt habe. Doch die Sprachbarriere spielte keine Rolle: auch ohne ein Wort zu verstehen, konnte man die mit dem Lied verbundenen Emotionen fühlen, ja geradezu mit Händen greifen. Die Bildregie des veranstaltenden Senders blendete im Anschluss an seinen Auftritt in den Green Room, wo sich die armenische Teilnehmerin Artsvik Harutyunyan gerade ein Tränchen aus dem Auge wischte und damit wohl auf den Punkt brachte, was wir alle (oder jedenfalls alle mit einem offenen Herzen) in diesem Moment empfanden. Es war eine seltener Moment der Überwältigung, ein Sieg der „Musik, die wirklich etwas ausdrückt,“ wie der portugiesische Adelsspross sagte, als man ihn am Ende des Abends zur Reprise auf die Bühne holte.

Jackett frisst Künstler: Hutzelmännchen Salvador überzeugte dennoch (PT)

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Lost in Verona: wen die Jurys 2017 im Semi killten

„Wie unterschiedlich die Meinungen von Publikum und Jury sind, Wahnsinn!“ entfuhr es einem erstaunten Peter Urban Samstagnacht während der Punktevergabe im Finale des Eurovision Song Contest 2017, wo sich mal wieder zeigte, dass die angeblichen Musikprofessionellen, die im sich übrigen hemmungslos dem → Nachbarschaftsvoting hingaben (sollten sie eigentlich nicht genau das einst verhindern?), auf einem völlig anderen Planeten leben als der Rest der Menschheit. Oder auch nur, dass eine zufällige Auswahl von gerade mal fünf Personen schon aus statistischer Notwendigkeit heraus immer nur zufällige, nicht repräsentative und damit völlig wertlose Ergebnisse hervorbringt. Immerhin waren sich die Jurys diesmal ausnahmsweise mit den Zuchauer/innen einig, was den verdienter Sieger des Jahrgangs anging, den wunderbar verschrobenen portugiesischen Jazz-Schlumpf Salvador Sobral. Und das ist ja schon ein deutlicher Fortschritt im Vergleich mit den vergangenen Jahren. Auch in den Qualifikationsrunden stimmten sie übrigens mit den Televoter/innen beim ersten Rang überein, der jeweils an – keine Überraschung – Salvador (erstes Semi) und den bulgarischen Wunderknaben Kristian Kostov (zweites Semi) fiel. Dort allerdings, wo es um Leben und Tod ging, also um den Finaleinzug, sah die Sache schon wieder ganz anders aus: selbstredend verhinderten die diabolischen Profi-Werter/innen auch in diesem Jahr wieder erfolgreich den Einzug einiger Publikumslieblinge in die Samstags-Show, allen vorneweg – wie bereits vermutet – den der Modern-Talking-Epigonen Koit Toome (→ EE 1998) und Laura Põldvere (→ EE 2005). Das von seinem Beziehungsende am Urlaubsort ‚Verona‘ singende estnische Schlagerpärchen erhielt im zweiten Semifinale 69 Punkte von den Televoter/innen und kam damit auf einen so soliden wie verdienten sechsten Rang. Die hochnäsigen Schnepf/innen von der Jury, die sich wohl zu fein waren, sich mit den Massen im Sound des großartigsten Musikjahrzehnts zu suhlen, konnten gerade mal magere 16 Pünktchen (Rang 17) erübrigen und torpedierten das baltische Geschmacks-U-Boot damit erfolgreich. Sterbt und schmort in der Hölle, allesamt!

Grinsen vermutlich trotz des Semi-Aus noch immer: Koit & Laura (EE)

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Zweites Semifinale 2017: We have lost our Verona

Zwei der irischen Backings (c) Martin Schmidtner

Warum macht ihr so etwas, liebe Bühnenbildverantwortliche? Warum versteckt ihr in diesem Jahr praktisch alle die Chorsänger/innen hinter der Bühne? Schon im ersten Semifinale 2017 am vergangenen Dienstag irritierte es maßlos, wenn man mit den Augen lediglich eine einzelne, völlig verloren im Farbenwirbel des Backdrops verschwindende Person auf der Bühne sah, gleichzeitig jedoch mit den Ohren wahre Choräle erschallen hörte und das völlig überforderte, bedauernswerte Gehirn diese beiden sich gegenseitig widersprechenden Sinneswahrnehmungen irgendwie zusammen bekommen sollte, ohne dabei zu implodieren. Bei der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde dann, erneut ausgetragen in der nur mäßig besetzten Internationalen Ausstellungshalle zu Kiew, erneut bestückt mit der irgendwo zwischen Raumschiff Enterprise und der Außenreklame für das berühmt-berüchtigte Reeperbahn-Etablissement Zur Ritze changierenden Bühne sowie den drei komplett unlustigen Moderatoren Tick, Trick und Track, nervte es nur noch. Zumal man uns damit um einige Augenweiden brachte, so beispielsweise um die zwei rothaarigen Hingucker des milchbübigen Iren Brendan Murray, die deutlich mehr hergemacht hätten als der armselige, windschiefe und zu allem Übel auch noch am Boden bleibende Fesselballon, den die RTÉ-Delegation stattdessen als schlecht überlegtes Bühnengimmick mitbrachte.

Zweieinviertel Stunde fragwürdige Musik und noch fragwürdigere Garderoben: das zweite Semifinale 2017 am Stück

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Eurovision Deathmatch #2: Er war gerade 18 Jahr

Nach dem gestrigen explosiven Auftakt unseres Leser/innen-Spiels Eurovision Deathmatch begeben wir uns in der heutigen, zweiten Runde in ruhigere Gefilde. Zwei sanftmütige, unschuldig anmutende Knäblein schicken wir heuer in den Abstimmungskampf um Leben und Tod. Sie kommen aus zwei Grand-Prix-Nationen, die im Englischen aufgrund ihrer namentlichen Ähnlichkeit gerne schon mal miteinander verwechselt werden, und so könnten wir diese Ausgabe auch unter die Überschrift „AustriAlien“ stellen. Für unsere Nachbarn Österreich geht dabei der knapp fünfundzwanzigjährige Tiroler Nathanele Koll alias Nathan Trent an den Start, den ein ESC Nation-Forenuser unlängst mit den schönen Worten „Nathan hat diese ‚Nimm mich an der Hand und bring mir Dinge bei‘-Ausstrahlung, zu der ich einfach nicht nein sagen kann“ lobpreiste. Eben die Aura der unverdorbenen, arglosen Jugend, die auch im touristisch anmutenden Begleitvideo zu seinem Beitrag ‚Running on Air‘ zum Ausdruck kommt, wo er auf seinem Weg zu einem verschneiten Alpen-Berggipfel zu einem völlig fremden Mann ins Auto steigt und ohne die selbstlose Hilfe wie zufällig alleine im Wald herumspazierender Herren noch nicht mal in der Lage wäre, die Landkarte richtig herum zu halten. Oder die Himmelsrichtung „oben“ zu finden. Hat er in der Schule denn gar nichts gelernt? Verständlich also, dass eher mütterlich geprägten Zuschauer/innen bei seinem Anblick unwillkürlich die Milch einschießt, wobei ich gleichzeitig gewisse Zweifel hege, welche „Dinge“ der oben zitierte ESCN-User unserem Grand-Prix-Joey-Heindle denn so beizubringen gedächte…

The only Way is up: Nathan würde ich auch im Auto mitnehmen – solange er nicht singt! (AT)

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Österreich 2017: Luft nach oben

Einen schief gegangenen Fall der von mir bereits bemoserten Salamitaktik hinsichtlich der Präsentation von Grand-Prix-Vertreter und Lied legten gerade unsere Lieblingsnachbarn, die Österreicher, hin. Die warben uns zunächst im Dezember 2016 den bereits in die Klasse der 33 vorgestoßenen Unser Song 2017-Aspiranten Nathan Trent ab und erklärten ihn zu ihrem Repräsentanten. Überzeugt habe er den ORF mit einem selbstverfassten Lied, welches auch der Eurovisionsbeitrag sei, aber erst im Februar 2017 der bereits erwartungsfroh mit den Hufen scharrenden Weltöffentlichkeit zu Gehör gebracht werden solle, wie es seinerzeit hieß. Vor wenigen Tagen annoncierte man dann nur den Songtitel, ‚Running on Air‘, und verkündete, den österreichischen Beitrag am Dienstag, dem 28. Februar 2017, im Ö3-Morgenwecker erstmals spielen zu wollen. Doch wie das so ist mit bereits fertig produzierten Liedern: am gestrigen Abend stellte ein Verantwortlicher den Titel bereits bei Spotify und den üblichen Downloadportalen ein. Ob aus Versehen oder Absicht, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls zeigte es wieder aufs Schönste, dass diese anstrengende Hinhaltetaktik ohnehin zum Scheitern verurteilt ist. Zumal sich das Warten nicht wirklich gelohnt hat: ‚Running on Air‘ kommt als locker-flockiger, mit einem dezenten Beat unterlegter Lagerfeuergitarrenpop im Stile von Olly Murs daher. Sehr eingängig, hübsch anzuhören, leicht mitzupfeifen und keinerlei rabenschwarze Düsternis und Depression verbreitend wie so viele andere Eurovisionstitel in diesem Jahrgang. Und dafür kann, ja muss man dem Österreicher mit italienischen Wurzeln dankbar sein. Allerdings hat sich der in der Studiofassung deutlich autogetunte Song auch sehr schnell auserzählt und könnte mit der eingebauten Klatschfalle an der 2:10-Minuten-Marke problemlos enden, ohne dass man etwas vermissen oder verpassen würde. Doch leider hebt Nathanele dann noch mal für 30 Sekunden an, zu singen, und spätestens an dieser Stelle scharrt man erneut mit den Hufen, aber diesmal voller Ungeduld. Immerhin kann man sich in Kiew so lange mit einem schmachtvollen Blick auf den schnuckligen Sänger ablenken, und sollte er live über genügend kameragerechtes Charisma verfügen, dürfte es zumindest mit dem Finaleinzug klappen.

Okay, ORF: die verschneiten Alpen sind natürlich super schön, aber ‚Running on Air‘ ist eigentlich ein typischer Sommer-Song, oder nicht? (AT)

Was meinst Du: zieht Nathan ins Finale ein?

  • Der Song ist okay und könnte es schaffen oder auch nicht. Hängt von der Präsentation ab. (52%, 80 Votes)
  • Aber sicher. Alleine schon, weil er keine Ballade singt. (25%, 39 Votes)
  • Wie oft sind die Dänen jetzt mit so etwas hängen geblieben? Nein, das ist zu lahm. (23%, 35 Votes)

Total Voters: 154

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Österreicher „klauen“ uns Nathan Trent

Heute in aller Herrgottsfrühe überraschte das österreichische Fernsehen ORF mit der Bekanntgabe seines Vertreters für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew. Es handelt sich um den 24jährigen Newcomer Nathan Trent, der laut Pressemitteilung in einer zweisprachigen (er hat eine italienische Mutter) Tiroler Künstlerfamilie aufwuchs, schon als Kind Geige und Klavier lernte, Theater spielt, unlängst sein Bachelorstudium an der Musik- und Kunst-Privatuniversität der Stadt Wien abschloss und im Sommer 2016 seine Debütsingle ‚Like it is‘ veröffentlichte, die allerdings floppte. Dennoch konnte er die ORF-Scouts mit einem selbstgeschriebenen Song überzeugen, der im Februar 2017 nach erfolgtem „Feinschliff“ veröffentlicht werden soll. Musikalisch sei er im Bereich Pop und RnB zu Hause, was sich bei ‚Like it is‘, einem tadellos produzierten Stück musikalischer Durchschnittsware, vor allem in den dicken Beats (yay!) und dem massiven Vocodereinsatz (yawn) bemerkbar machte. In eine ähnliche Richtung dürfte auch sein Eurovisionsbeitrag gehen, für den er sich bei einem Aufenthalt in Los Angeles von amerikanischen Produzenten habe inspirieren lassen. Lassen wir uns also überraschen und hoffen wir, dass das Ergebnis etwas inspirierter klingt. Für das bislang eher unbeschriebene Blatt Nathanaele (wie er mit vollem Namen heißt) spricht indes, dass er schnucklig aussieht und dass er tanzen kann – nicht die schlechtesten Voraussetzungen für zumindest optisch ansprechende Unterhaltung. Lustiges Detail: Nathan hatte sich auch beim deutschen Vorentscheid beworben und es sogar in die Klasse der 33 Besten geschafft. Aus welcher ihn der NDR nun rauswerfen muss, denn für gleich zwei Länder darf er laut EBU-Regularien nicht antreten.

Sieht besonders süß aus, wenn er wütend wird: Nathanaele (Repertoirebeispiel)

ORF: kein Budget für einen Vorentscheid

In Österreich scheint offenbar die Armut ausgebrochen zu sein. Wie die Fernsehdirektorin des ORF, Kathrin Zechner, gestern sagte, wähle der Sender seinen Repräsentanten für den Eurovision Song Contest 2017 „aus budgetären Gründen“ intern aus. Zuletzt tat der ORF dies 2014, allerdings eher vor dem Hintergrund, dass man endlich die in zwei vorhergehenden Versuchen im öffentlichen Vorentscheid jeweils – teils extrem knapp – gescheiterte Conchita Wurst schicken wollte (wie wir heute wissen, nicht die schlechteste Wahl). Prompt ließen auch die ersten Fan-Spekulationen nicht lange auf sich warten, man sei auf dem Küniglberg wohl noch immer verstimmt, weil sich beim letzten Mal Publikumsliebling Zoë gegen die klare Juryfavoritin Elly V. durchsetzen konnte, und wolle nun vorsichtshalber das Volk gänzlich von der Entscheidungsfindung ausschließen. Oder hat der Sender gar einen dicken Fisch an Land gezogen, der sich keinem Publikumsvoting stellen mag? Wiwibloggs mutmaßte heute, dass die Österreicher die in Wien beheimatete „Turbo Polka Metal Band“ (Eigenbeschreibung) Russkaja nach Kiew schicken könnten, die sowohl schon mit Conchita als auch mit Zoë zusammenarbeiteten und des öfteren im ORF-Programm zu sehen sind. Das wäre natürlich mal eine Ansage!

Eine österreichische Russenband mit einem in Moskau geborenen Georgier als Frontmann beim europäischen Wettsingen in der Ukraine: ja, hat was!

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Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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Von Wölfen und Lumpensäcken: die Proben zum ersten Semi 2016

In Stockholm gingen heute die ersten Probendurchgänge für die beiden Qualifikationsrunden zu Ende. Seit Montag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Nationen ihre Auftritte erstmals auf der echten Eurovisionsbühne. Noch nicht immer im späteren Bühnenoutfit und oftmals mit stimmlich angezogener Handbremse – in der ersten Runde geht es hauptsächlich um die richtigen Kamerapositionen und Bühnenhintergründe und ums letzte Feilen an den Choreografien. Die von den internationalen Bloggern vor Ort natürlich schon fleißig verbreiteten ersten Eindrücke sind daher mit Vorsicht zu genießen, zumal es für zu Hause Gebliebene wie mich nur kurze Dreißigsekünder zu sehen und zu beurteilen gibt. Dennoch will, ja muss ich mich an eine erste Beurteilung wagen. In diesem Posting nun zuerst alle Acts des ersten Semifinales. Auf die Minute pünktlich los ging es am Montag mit der ersten Probe von Sandhja Kuivalainen. Die Finnin trat in einem enganliegenden, offen gesagt wenig vorteilhaften, schulterfreien Einteiler auf, umrahmt von fünf schwarzgekleideten, weiblichen Backings, die sie alle um Haupteslänge überragten. Was optisch leichte Reminiszenzen an Marija Šerifović (RS 2007) und die Beauty Queens hervorrief. Musikalisch eher nicht: ‚Sing it away‘ ist ein netter, flotter Popsong, fällt live allerdings deutlich zur Studioversion ab. So wie wohl auch die Finalchancen der Finnen.

Das Proll-Outfit tauschen die Griechen sicher noch gegen etwas Passenderes

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