NO 1965: Nur die aller­bes­te Melk­ma­schi­ne

Erfri­schend kurz war er, der sechs­te Norsk Melo­di Grand Prix: nur etwas über eine hal­be Stun­de brauch­te man für die Anmo­de­ra­ti­on und die Vor­stel­lung der fünf zur Wahl ste­hen­den Titel, dar­ge­bo­ten jeweils von zwei ver­schie­de­nen Interpret/innen in unter­schied­li­chen Instru­men­tie­run­gen. Was dem Sen­der NRK die Chan­ce gab, ver­mit­tels einer geschick­ten Cho­reo­gra­phie von dem dür­ren musi­ka­li­schen Ange­bot abzu­len­ken: im ers­ten Durch­gang prä­sen­tier­te man die Lie­der mit einer auf das Not­wen­digs­te redu­zier­ten Begleit­band, gewis­ser­ma­ßen in einer beson­ders inti­men Fas­sung. Nach­dem sich das Publi­kum so einen Über­blick über das Menü ver­schaf­fen und jede/r für sich per­sön­lich schon mal den am wenigs­ten furcht­bars­ten Titel bestim­men konn­te, wie­der­hol­te der Sen­der alle fünf Lie­der, dies­mal in ande­rer Rei­hen­fol­ge, mit gro­ßem Orches­ter und ent­spre­chend aus dem Vol­len schöp­fen­den Arran­ge­ment, so dass die eher schwäch­li­chen Songs im Ver­gleich zur ers­ten Run­de bei­na­he schon gut klan­gen. Nach dem öffent­li­chen Auf­ruhr im Vor­jahr, als die Jury einen der größ­ten Hits der nor­we­gi­schen Euro­vi­si­ons­ge­schich­te, näm­lich Wencke Myh­res Revol­ten­schla­ger ‘Lat me være ung’, igno­rier­te, leg­te der NRK die Ent­schei­dung dies­mal in die Hän­de der Zuschauer/innen, die anschlie­ßend per Post­kar­ten­ent­scheid ihren Lieb­lings­ti­tel wäh­len durf­ten.

Nur das aller‑, aller­bes­te: die drei­ßig Minu­ten des nor­we­gi­schen Vor­ent­scheids 1965.

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NO 1962: Auf den Hund gekom­men

Am bes­ten wäre es, sie schick­ten den Hund,” mit die­ser har­schen Kri­tik am nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix (MGP) 1962 bezog sich die däni­sche Tages­zei­tung Ver­dens Gang auf die Jazz­sän­ge­rin Lai­la Dalseth, eine von zwei Inter­pre­tin­nen des Sie­ger­songs die­ser Vor­ent­schei­dung, die bei ihrem Auf­tritt einen nied­li­chen Wel­pen im Arm trug. Eine sym­pa­thie­punk­te­för­der­li­che Stra­te­gie, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test selbst bekann­ter­ma­ßen streng ver­bo­ten ist. Und so durf­te dann auch statt der für ihre Ver­diens­te ums nor­we­gi­sche Jazz­we­sen mehr­fach preis­ge­krön­ten Dalseth die Ope­ret­tensän­ge­rin und Schau­spie­le­rin Inger Jacob­sen nach Luxem­burg fah­ren, wo sie mit ledig­lich zwei Pünkt­chen unter “fer­ner lie­fen” lan­de­te. Jacob­sen hat­te bereits 1960 beim ers­ten MGP sämt­li­che Wett­be­werbs­ti­tel im Radio-Halb­fi­na­le inter­pre­tiert. 1964 und 1971 ver­such­te sie noch­mals, das Euro­vi­si­onsti­cket zu ergat­tern, aller­dings ohne Erfolg. In Nor­we­gen trat sie bis ins hohe Alter in Revu­en, Fil­men und Büh­nen­stü­cken auf und war fes­tes Ensem­ble­mit­glied des Reichs­thea­ters. Sie starb 1996 im Alter von 72 Jah­ren an Krebs. ‘Kom Sol, kom Regn’ blieb denn auch einer von ledig­lich zwei der ins­ge­samt sie­ben Wett­be­werbs­bei­trä­ge, die man über­haupt auf Plat­te auf­nahm, nach­dem die vom NRK aus 121 Ein­rei­chun­gen vor­ge­nom­me­ne Vor­auswahl auf all­ge­mei­nes Mur­ren stieß. Und zwar nicht nur bei den Zuschauer/innen, son­dern – da der Sen­der im Rah­men der Nord­vi­si­on die Show in ganz Skan­di­na­vi­en aus­strahl­te – auch in den Nach­bar­län­dern. “Die Songs sind so schlecht, dass [die Orches­ter­mit­glie­der] ris­kie­ren, schla­fend zwi­schen den Noten­stän­dern hin­durch­zu­plump­sen,” so herr­lich bös­ar­tig häm­te der schwe­di­sche Aften­pos­ten am Tag nach der Sen­dung über das musi­ka­li­sche Niveau der Show.

Eine ele­gan­te Bal­la­de mit dezen­ten jaz­zi­gen Ver­zie­run­gen: Ingers Bei­trag muss sich nicht wirk­lich ver­ste­cken. Man will ihn aber auch nicht unbe­dingt in Dau­er­schlei­fe hören.

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Melo­di Grand Prix 1961: Bit­te bit­te

Anstatt die bes­te Melo­die zu fin­den, bestand die Auf­ga­be der Jury dar­in, zu bestim­men, wel­che die am wenigs­ten schlech­te war,” so beschrieb sehr poin­tiert eine nor­we­gi­sche Tages­zei­tung das Elend bei der zwei­ten Aus­ga­be des nor­we­gi­schen Vor­ent­schei­dungs­for­mats Melo­di Grand Prix (MGP) im Jah­re 1961. Das hing, wie in Deutsch­land, unter ande­rem mit dem Ein­fluss der Lob­bys zusam­men: genau wie die ARD hand­hab­te der Sen­der NRK die Euro­vi­si­on und die natio­na­le Vor­run­de als Kom­po­nis­ten­wett­be­werb, für die der nor­we­gi­sche Song­schrei­ber­ver­band das allei­ni­ge Vor­schlags­recht besaß. Knapp 350 Lie­der waren nach ent­spre­chen­der Auf­for­de­rung beim Sen­der ein­ge­tru­delt, und der Vor­sit­zen­de der NRK-Aus­wahl­ju­ry, Rag­nar Kie­rulf, bestä­tig­te, es sei aus­ge­spro­chen leicht gefal­len, dar­aus fünf aus­zu­wäh­len. Doch nicht das schwa­che musi­ka­li­sche Niveau der Vor­schlä­ge sei der Grund gewe­sen, den MGP von den ursprüng­lich aus­ge­schrie­be­nen acht auf nur fünf Plät­ze zu redu­zie­ren. Son­dern die ange­streb­te Anpas­sung an das For­mat der schwe­di­schen Kol­le­gen, von denen man auch die Idee über­nahm, alle Songs je zwei Mal in unter­schied­li­cher Orches­trie­rung und mit ande­ren Interpret/innen vor­tra­gen zu las­sen.

Ein Erfolg: der Vor­ent­schei­dungs­bei­trag ‘S’il vous plaît’ in der 1987er Neu­be­ar­bei­tung des Kom­po­nis­ten­sohns. Da hat­te das Ori­gi­nal aber deut­lich mehr Pepp!

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